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Rundschau oom Cage

Politisches.

Zur angeblichen Kanzlerkrisis. Zu den Meldungen von einer bevorstehenden Kanzlerkrisis erklärt die Köln. 3tg." In einem Berliner Telegramm: Wie der Kaiser über Herrn v. Bethmann Hollweg denkt, ist eine sehr persönliche Sache, und man kann annehmen, daß er feinem gegenüber genaue Auskunft gegeben haben wird. Man muß also, wenn man nicht in das Gebiet des reinen Ratens hineingeraten will, feine Schlüffe aus äußeren Vorkommnissen ziehen, und diese widersprechen der Angabe der Minderung des katferlichen Wohlwollens auf das bestimmteste. Noch in letter Zeit hat Herr v. Bethmann Hollweg Beweise des kaiserlichen Ver­tranens echalten, und wenn es wirklich politische Kreise gibt die Herrn v. Bethmann Hollweg stürzen wollen, so würden sie sich mit ihren Wünschen noch etwas gedulden müssen.

Die Budgetkommission des Reichstages erledigte gestern das Extraordinarium des Etats für Südwestafrika. Im Ordinarium wurde gemäß den Vorschlägen der Subkom­mission eine Verkleinerung des Verwaltungsapparates be­schlossen durch Streichung von 1 Zahlmetster und 8 Unter­Bahlmeistern. Im weiteren Teile ihrer Sigung verhandelte die Budgetkommission vertraulich über den neuen Vertrag des Fiskus mit der Deutschen Kolonialgesellschaft.

Bei der gestrigen Beratung des Justizetats in der Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses er­flärte der Justizminister zum Kieler Werftprozeß, die An­Klage sei erhoben auf Grund einer teilweise verschwomme­nen Beweisaufnahme. Vieles set verwickelt und unklar ge­wesen. Dies treffe besonders für die Sachen zu, welche die Kompetenz des Schwurgerichts begründet hätten. Die Staatsanwaltschaft wäre in der Lage gewesen, die hierauf gerichteten Anklagen fallen zu lassen, weil sie hätte ein­sehen müssen, daß es sehr schwer gewesen wäre, einen Be­weis zu führen, der den Geschworenen genügen konnte. Die Staatsanwaltschaft hätte sich beschränken können auf die Anklagen, die zur Kompetenz der Straffammer gehören. Im Hinblick auf diese Erwägungen seien der Staatsanwalt­schaft vom Minister ernste Vorwürfe gemacht worden.

daß dort einrichtungen getroffen werden müssen, die für den Staatsbetrieb sehr große Schwierigketten machen würden. Feste Gestalt haben die Verhandlungen noch nicht angenom= men, aber es ist möglich und wahrscheinlich, daß sie zu einem Resultat führen werden.

Ueber die Schiffahrtsabgaben hielt der bayrische Thron­folger Prinz Ludwig vor dem bayrischen Verein zur He­bung der Fluß- und Kanalschiffahrt in München einen Vortrag, in dem er den Wunsch aussprach, daß der Ausbau des Wasserstraßennebes ohne Uneinigkeit zwischen den deut schen Staaten sich vollziehen möchte. Der Prinz trat nicht ausdrücklich für die Einführung von Schiffahrtsabgaben ein, billigte sie aber indirekt dadurch, daß er die großen wirt= schaftlichen Vorteile hervorhob, die auch Baden, Sachsen und Hessen aus der Regulierung ihrer Ströme ziehen würden. Die Versammlung billigte auf Grund des prinzlichen Vor­trages den preußischen Antrag auf Einführung von Schiff­fahrtsabgaben, wünschte aber Bestimmungen, durch welche dte gegen die Abgaben erhobenen Bedenken beseitigt wür­den.

Gin Schächtverbot? Die Justizkommission des Reichs­lags begann gestern die Beratung der kleinen Novelle zum Strafgesetzbuch und verhandelte auch über ein eventuelles Schächtverbot.

Die Forderungen der Berliner Brauer. In eine neue Lohnbewegung sind die vorzüglich organisierten Brauarbet­ter Berlins eingetreten. Sie verlangen u. a. für Faß­fahrer einen Mindestlohn von 4000 M, ferner für alle einen jährlichen Urlaub unter Zahlung des doppelten Lohnes bei Einrechnung aller Nebengefälle, wie Freibter usw. Ueberdies soll der 1. Mat tarifmäßiger Feiertag werden.

Der braunschweigische Landtag wurde gestern mittag durch den Staatsminister Dr. v. Otto im Auftrage des Herzog- Regenten mit Verlesung einer Thronrede eröffnet, dann aber nach Wahl des Präsidiums auf 4 Wochen vertagt. Das Herzogregentenpaar befindet sich zurzeit zu Besuch am Hofe des Königs von Siam.

Großer Gutsverkauf in Oberschlesien. Fürst Christian Ernst zu Stolberg- Wernigerode verkaufte seine Herrschaft Ottowald, bestehend aus 5 Rittergütern im Kreise Groß­Streliz, 7 im Kreise Lublinib, 26 517 Heftare mit 51 369 Mark Grundsteuer- Reinertrag, größtenteils Waldbesitz, an den Grafen von Tiele- Winckler, wodurch der oberschlesische Magnat seinen schleffschen Waldbesitz auf mehr als 85 000 Hektar vergrößert hat.

Cook doch in Heidelberg gewesen. Allen Dementis zum Troz kann nach der Franks. 3tg. auf Grund persönlicher Information an behördlicher Stelle festgestellt werden, daß fich Dr. Cook bestimmt während der letzten Wochen einige Tage in Heidelberg aufgehalten hat; ob unter seinem rich­tigen oder angenommenen Namen, ist nicht in Erfahrung zu bringen.

Zeppelin und Parseval. Die Zeppelin- Luftschiffbau­Gesellschaft hat eine Herausforderung des bekannten Füh­rers der Parseval- Luftschiffe, Oberleutnant a. D. Stelling, zu einer Wettfahrt zwischen Zeppelin- und Parseval- Luft­schiff unter dem Hinweis auf die großen Aufgaben, die ihrer im Sommer harren, abgelehnt.

Zwischen Oesterreich- lingarn und Rußland sind wieder Annäherungsversuche im Gange, nachdem infolge der An­nerton Bosniens und der Herzegowina eine Entfremdung eingetreten war. Die Gerüchte, daß sich im Zusammenhange htermit eine Spannung zwischen dem deutschen Botschafter in Wien, Herrn von Tschirschky, und dem österreichisch­ungarischen Minister des Auswärtigen, Grafen Aehrenthal, eingestellt haben, beruhen natürlich auf Erfindung. Nie­mand nimmt ein größeres Interesse an der Wiederher= stellung der guten Beziehungen zwischen Rußland und Desterreich- Ungarn, als das Deutsche Reich und seine be­rufenen Vertreter.

Kleine Nachrichten.

Die Festlegung des Ostertermins. Die anhaltische Sy­node nahm die Regierungsvorlage an, welche im Interesse von Handel und Verkehr die Festlegung des Ostertermins befürwortet.

Die Anschläge auf Eisenbahnzüge im Ruhrbezirk meh­ren sich. Bei dem Dorfe Lütgendortmund wurde gestern wieder auf einen Zug geschossen. Die Kugel zertrümmerte ein Fenster, glücklicherweise, ohne jemand zu verletzen.

Die Fernsprechverbindung Berlin- Köln soll verbessert werden. Man will die Leitungen auf verschiedene Wege legen, da anzunehmen ist, daß ein störendes Unwetter nicht alle Leitungen auf einmal trifft, wie es bisher der Fall war, wo sie sämtlich an einem Leitungspfahl angebracht

waren.

Wie man auf österreichischen Bahnen spart. Offiziös wird aus Wien mitgeteilt, daß wegen der ungünstigen staatsfinanziellen Verhältnisse und der dadurch notwendt­gen Ersparnisse das Eisenbahnministerium die Auslassung der minder rentablen Schnell- und Personenzüge auf den Staatsbahnen erwäge.

In Petersburg herrscht eine furchtbare Kälte, so daß Wölfe, wilde und andere Tiere, vom Hunger getrieben, in die Vororte und selbst in die Straßen von Petersburg kom= men, wo sie von den Bewohnern mit Keulen totgeschlagen werden. In den Straßen der Stadt sieht man überall Glüh­öfen stehen, an denen sich die Passanten die erstarrten Glie­der wärmen.

Der Etat der Stadt Charlottenburg für 1910 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 66 666 410.55 M ab. Daran ist der Hauptetat in Höhe von 37 231 000 Mbeteiligt, wovon auf das Ordinarium 22 931 700 M( gegen das Vorjahr mehr 2 249 000 M) und auf das Extraordinarium 7 914 000 M( mehr 1056 200 M) entfallen.

Eine Verpachtung von Norderney ist jetzt in Aussicht ge­nommen. Es ist dies sachlich wesentlich dadurch begründet,

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Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M. Kossak.

der Sette, iff er als Weltmann aufgeraßt. Die scharent Büge, der hohe Wuchs kommen prächtig zur Geltung. Ein ausgezeichnetes Stüd der schwarzen Kunst, zugleich das aus­drucksvollste und lebendigste Bildnis Schillers in dieser Ma­nier, vereinigt es, wie der Kunstwart richtig bemerkt, alle Vorzüge eines technisch sollendeten und lebenswahren Por= träts in sich und gibt ein getreues und vornehmes Zeugnis von der Erscheinung des großen Dichters.

Die bestohlene Regimentskasse. Die Kaffe des in De­vonport( England) garnisonierenden Leicester Regimentes ist um 14 000 Mark in Silbergeld beraubt worden. Der Kassenschrank war mit einem in der Offiziersmesse aufbe­wahrten Schlüssel geöffnet worden. Es ist ein Rätsel, wie die Einbrecher die Tag und Nacht bewachte Kaserne mit threr schwerwiegenden Beute verlassen konnten, ohne be= merkt zu werden.

Erland Freiherr v. Nordenskjöld, der Sohn Erik Adolf v. Nordenskjölds, des Entdeckers der Nordostpassage, ist, wie aus Stockholm telegraphiert wird, nach zweijähriger Reise durch den größtenteils noch unerforschten Teil Südameri­fas zurückgekehrt. Mit 32 Begleitern hat er eine überaus kühne und abenteuerliche Forschungsreise hinter sich. Er hat etwa 10 000 Kilometer auf dem Rücken des Pferdes und gegen 5000 Kilometer im Ruderboot zurückgelegt. Er bringt etwa 11 000 archäologische und ethnographische Funde und Sammelstücke mit. Auf Grund der Ausgrabungen in Mounds hat er festgestellt, daß zu einer gewissen Zeit dieselbe Hochentwickelte Kultur sich von Meriko über Zentralamerika bis nach Bolivia ausgedehnt hat. Die wissenschaftliche Bear­beitung der Resultate dürfte von großer Bedeutung werden. Eine Aenderung in der Bahn des neuen Kometen. Sir Robert Ball und der Staß der Astronomen des Obfer­vatoriums von Cambridge haben eine plötzliche Wenderung des Kurses des Kometen von Johannesburg festgestellt. Der Schweif des Kometen wird dort auf eine Länge von 9 000 000 Meilen geschätzt. Direktor Archenhold in Berlin teilte mit, daß eine Kursänderung des Kometen möalich und wahrscheinlich sei, denn auf jede Veränderung des elef= trischen Zustandes der Sonne reagiere die Kometenmaterie. Die angegebene Länae des Schweifes von neun Millionen Meilen dürfte zu niedria geschäßt sein. Sie werde ungefähr 18 Millionen enaltiche Meilen betragen.

Entgleisung eines Expreßzuges. Der amerikanische Expreßzug zwischen Chikago und Neuyork entgleiste ge= stern morgen in der Nähe von Lonsville im Staate Neu­york und wurde vollständig zertrümmert. Glücklicherweise wurden nur zwei Personen getötet. Die Passagiere in den sechs Schlafwagen wurden durch den Unfall stark hin und her geworfen, niemand iedoch schwer verletzt.

( Nachdruck verboten.) Denn war das nicht ein Tier, dieser Mensch mit dem Kreideweißen Gesicht, auf dessen hohlen Wangen ziegelrote Flecken leuchteten und dessen fuchsrote Perücke auf der Stirn eine Schnebbenspite umschrieb, wie man sie auch bei den Teufelsmasten sieht? Ein Tier, eine wilde Bestie, die kalt­blütig Menschenleben vernichtet und hinterher alberne Pos­' sen treibt wie ein Affe?

Brandkatastrophe in Rumänien. Wie telegraphisch aus Bukarest gemeldet wird, ist infolge einer Gasexplosion in et­ner Petroleumgrube der rumänischen Petroleumgesellschaft ein Brand ausgebrochen, wobet zahlreiche Personen den Tod in den Flammen gefunden haben. Nachrichten über die Ein­zelheiten stehen noch aus.

Dem Bruder in den Tod gefolgt. Ein Doppelfelbstmord hat sich gestern nachmittag in Groß- Lichterfelde bei Berlin ereignet. Dort fand man das etwa 50jährige Fräulein Klara Schulte und ihren Bruder, einen Eisenbahnbetriebs­sekretär a. D., der um zwei Jahre älter war, in ihrem ge­meinschaftlichen Wohnzimmer erhängt vor. Eine schwere Krankheit des Schulte war offenbar die Ursache seinesSelbst­mordes. Die Schwester, die 25 Jahre zusammen mit ihm gelebt hatte, folgte ihm in den Tod.

Jeßt fing die anmutige Frida zu singen an, heitere und traurige Liedchen, die aber, die einen wie die andern, traurig und klagend flangen. Ihre Lippen versuchten wohl zu lächeln, aber es blieb nur bei dem Versuch und es sah ein paar Mal aus, als wollten ihr die Tränen aus den Augen stürzen. Dabei machte sie mit den fleinen Händ­chen die vorgeschriebenen, ihr einstudierten Bewegungen, die seltsam hilflos aussahen, gleich als ob ein geängstigtes Kind sie aufhebt, um die Mutter um Erbarmen für irgend eine von ihr begangene Unart zu bitten. Der Mensch da hinter ihr aber parodierte sie, gleich viel ob sie lächelte oder ob ihr Mund weinte.

Das Publikum applaudierte wie rasend man wußte nicht, wem sein Beifall galt, ob der Sängerin oder ihrem Schatten, doch wahrscheinlich beiden.

,, Sehen die Menschen denn gar nicht, wie herzzerreißend das alles ist? denkt Brümmel.

Alles genossen! In einem Cafee am Steindamm in Hamburg erschoß sich ein 24jähriger Kaufmann aus Wien während der Konzertmusik vor den Augen der Cafeebesucher. Er war sofort tot. In einem zurückgelassenen Briefe gab er an, er habe alles im Leben genossen, was er habe ge­nießen können; da er jetzt mittellos set, wolle er freiwillig aus dem Leben scheiden.

Frida verbeugte sich jedesmal mechanisch, wenn der Beifallssturm erklingt, und der Clown verbeugt sich natür­lich auch. Dabei will es Brümmel vorkommen, als ob er die Entfernung zwischen ihr und sich nicht richtig ab­mißt, denn seine lange spiße Nase berührt ihre Schulter. Kann der Mensch wirklich so schlecht sehen, daß er ohne Kneifer nicht einmal die weiße, schlanke Gestalt des Mäd­chens anders, als in unbestimmten Umrissen vor sich fieht?

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Aus den Gerichtssalen.

Der Pseudo- Schuhmann. Der Tagelöhner Gottfried Klinker in Köln verspürte jüngst die Lust, den Hauptmann von Köpenick" zu kopieren. Er fand auf dem Polizeibüro Bionstal- Köln den Schußmann schlafend vor. nahm dessen Uniform und Säbel und spielte sich in der Stadt als Schutz­mann auf, wobei er eine Razzia vornahm. Ein Gendarm stellte ihn schließlich und brachte ihn in Haft. Klinker machte gestern vor Gericht geltend, daß er sich nur einen UIk habe machen wollen. Das Gericht trat auf die Seite des Angeklag= ten und erkannte auf Freisprechung, während der Staats­anwalt drei Monate Gefängnis beantragt hatte.

Haftpflicht des Eisenbahnfiskus. Eine Schauspielerin geriet, als sie gelegentlich einer Hafenbesichtigung in Bremerhaven ein Rangiergleis überschreiten wollte, zwi­schen zwei rangierende Güterwagen und wurde von deren Buffern stark gequetscht. In dem Fehlen von Barrieren und einer Warnungstafel erblickte sie ein Verschulden des Eisenbahnfiskus, den sie auf Zahlung einer lebensläng­lichen Nente von 3000 M und eines Schmerzensgeldes von von 4000 M beim Landgericht Hannover verklagte. Sie habe das Gleis, das zudem von Unkraut and Gras so über­wachsen war, daß es nicht bemerkt werden konnte, über­schritten, weil sie gesehen habe, daß dies von zahlreichen Menschen, ohne daß die Bahnbeamten es verhinderten, ge­schehe. Vom Landgericht Hannover wurde jedoch ausschließ­lich eigenes Verschulden der Klägerin als vorliegend er= achtet und ihre Klage abgewiesen. Möge auch das Verbot, die Gleise zu überschreiten, nicht streng gehandhabt worden sein, so liege doch ein Verschulden der Klägerin darin, daß sie ein Eisenbahngleis außerhalb eines Bahnüberganges überschritt, ohne sich vorher zu vergewissern, ob dies ohne Gefahr sehen könnte.- Das Oberlandesgericht Celle fand a end von diesen Ausführungen, daß auf beiden Seiten An gleiches Verschulden in Frage komme, und er­faunte infolgedessen die Hälfte des flägerischen Anspruches als gerechtfertigt an. Das Verschulden der Klägerin be­stehe darin, daß sie beim Ueberschreiten des Gleises nicht die nötige Vorsicht anwandte; das Verschulden des Fisfus darin, daß er die Ueberschreitung des Gleises durch das Publikum duldete und dieses auf etwaige Wagenbewegun= gen nicht durch Pfeifen oder Läuten aufmerksam machte. Die Anbringung von Warnungstafeln genüge zu diesem 3mecke nicht.

Ein Original- Schattenriß Friedrich Schillers. In einec großen Autographen- und Bildnisversteigerung, die die Ftr­ma Karl Ernst Henrici in Berlin in diesen Tagen veran­staltet, kommt unter anderen Seltenheiten aus einer Samm­lung zur Geschichte der klassischen Periode in Weimar auch eine fostbare Original- Silhouette Schillers auf den Markt. Der herrliche Schattenriß stellt Schiller als etwa 30jährigen Hofrat und Universitätsprofessor dar. Mit gekreuzten Ar­men vor der gewölbten Brust, in Hoftracht, den Degen an

Auf Fridas Nummer folgen andere, aber Brümmel gibt wenig acht auf sie, denn seine Gedanken weilen bei bem zuvor Gefehenen.

Die große Bause ist vorüber, ein japanischer Jongleur

tritt auf und dann kommt abermals Frida, ießt mit ihrer Geige. Long- Bell folgt ihr abermals, statt einer Geige hält er eine Schlummerrolle im Arm, auf der er mit einem Spazierstock herumstreicht.

Sie trägt ein fast fußfreies Kleid aus mattblauer Seide und um der Uebereinstimmung willen hat er sich auch einen blauen Feßen um den Hals gebunden. Wieder fällt es Brümmel auf, wie schlecht seine Augen sein müssen, denn mit seinem Stock stößt er das Mädchen wiederholt in den Rücken. Der Detektiv hat dabei ein Gefühl als müßte er den widrigen Gesellen von der holden Ge­stalt fortreißen.

Anitas Nummer ist die vorletzte. Sie führt wie all­abendlich auch heute der Lotosblume Tanz aus und auch als ihr Schatten erscheint Long- Bell. Brümmel kann nicht umhin, sich zuzugestehen, daß es kaum etwas Graziöseres, Eigenartigeres und Berauschenderes geben kann, als die Jta­lienerin mit ihrem Rabenhaar und ihren schlangenhaften Bewegungen, aber merkwürdigerweise erregt das zotenhafte Gebaren des Clowns, mit dem er ihren Tanz parodiert, diesmal nicht seine Entrüstung

Diese schöne Gestalt, deren Antlig so fühl und ruhig ist, vermag in seinem Herzen kein Mitleid wachzurufen, wie das junge, hilflose Kind mit der um den Geliebten trauernden Seele. Wunderlich ist Anitas Benehmen gegen den Clown; ungleich Frida, die seine Gegenwart gar nicht beachtet, wift sie ihm jedesmal, wenn er ihr zu nahe kommt, einen Blick unsäglichster Verachtung zu.

Vermischtes

Die Geretteten von Wattenscheid als Gäste des Kaisers, Die Geretteten der Beche ,, Holland" trafen gestern abend, begrüßt von jubelnden Zurufen, in Wattenscheid ein. In einem kleinen Gesellschaftsraum des Hotels Rheingold" war mit Blattpflanzen und Girlanden ein lauschiges Pläß­chen hergerichtet, die weißgedeckte Tafel mit Blumen ge­schmückt. Vor dem Tische standen die vom Hofmarschallamt gesandten Kisten, enthaltend 18 Flaschen edelsten Weines aus den königlichen Kellern, die als Geschenk für die Ge­retteten bestimmt waren. Bergrat Reimann, vom könig­lichen Bergrevier Wattenscheid, begrüßte die Gereiteten in der herzlichsten Weise. Er gab seiner Freude über den ihm gewordenen sowie dar­Auftrag Ausdruck, über, die Geretteten wohl und kräftig zur Stelle zu finden. Zum Schluß sprach Bergrat Reimann noch die herzlichsten Glückwünsche im Namen des Kaisers aus, der auch hier

Der Clown weicht dann wie erschrocken von ihr zurück und für eine Weile erscheinen seine Bewegungen dann mechanisch wie gelähmt. Als die Lotusblume auf das Wasser zu schwebt und darin untertaucht, tut Long- Bell das gleiche, aber wie schon öfters verfehlt er die Richtung.

Andere bemerkten es nicht, aber Brümmel, der von seiner außerordentlichen Kurzsichtigkeit gehört hat, entgeht es nicht. Einmal will es scheinen, als ob die Italienerin dem Menschen etwas zuruft, irgend ein zorniges, gehässiges Wort, denn jener zuckt zusammen und bleibt einen Augen­blick wie erstarrt stehen.

Nachdem diese Nummer vorüber ist, verläßt der De­tektiv das Lokal und promeniert draußen daran vorüber, um zu sehen, wenn Anita und Lona- Bell berouskommen.

Er hat eine Ahnung, daß es dabei für ihn noch etwas zu beobachten geben wird. Und richtig, er hat sich nicht getäuscht.

Als Anita, von ihrer Gesellschafterin gefolgt, aus dem Portal schritt, erscheint dicht hinter ihr die dürre Gestalt in dem Hechtgrauen Paletot. Der Clown eilt dann ihr voraus, auf den Fiaker zu, der schon ihrer harrt, und reißt den Wagenschlag auf, um alsdann in demütiger Stel­lung, wie ein Lakei, daneben stehen zu bleiben. Als sie sich dem Fiafer nähert, vernimmt Brümmel ganz deutlich, wie sie ihm zuzischt; Vada- mostro!" ,, Geh', Ungeheuer!" heißt das auf deutsch.

Dann ziehen die Pferde an, der Wagen verschwindet gleich darauf um die Ecke nach dem Stephansplab zu, aber der Clown steht noch immer auf seinem Platz und starrt dem Gefährte nach, bis er sich endlich aufrafft, um sich langsam zu entfernen. Jeßt hatte sein Gesicht nicht mehr den Ausdruck einer Teufelsmaske, sondern den eines todunglücklichen, verzweifelten Menschen.

Er ist der Mörderer und kein anderer!" sagt sich Brümmet. Aber wie hat er den Grafen ermordet wie?"

Daß er die Tat aus Eifersucht vollbracht, deuchte ihn wahrscheinlich, aber keineswegs gewiß. Denn wenn er die schöne Kollegin auch liebte, so hätte er doch wissen müssen, daß sie niemals seine Liebe crwidern würde. Das schöne, verführerische Weib konnte sich unmöglich einen Menschen gleich diesem widerlichen Gesellen als Gatten oder Liebhaber aussuchen.

Außerdem war der alternde Graf auch keine Person, auf die man hätte eifersüchtig sein können, und Anita hatte sicher früher schon andern ihre Liebe geschenkt, so vor allem, wenn das Gerücht nicht trog, dem hübschen und interessanten Olfers, den sie dann freilich später ab­geschüttelt hatte. Warum war der Clown auf den nicht eifersüchtig gewesen? Nein je mehr Brümmel die Sache überdachte, desto mehr gelangte er zu der Ueberzeugung daß da andere Beweggründe mitgespielt hatten, als Liebe und Eifersucht.

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