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wieder sein treues Vaterherz und sein so warmes Interesse für brave und treue Knappen an den Tag gelegt habe. In bas Hoch auf den obersten Bergherrn stimmten die Ge­retteten und die wenigen anwesenden Gäste kräftig ein. Im Verlaufe des Abends hielt dann noch Fahrhauer Schüpp im Namen der Geretteten eine Dantesrede auf die mutigen Retter. Für die an den Rettungsarbeiten beteiligten Be­amten und Arbeiter wird noch ein besonderes Fest veran­staltet werden.

Schredenstat eines verkommenen Menschen. Ein furchtbares Blutbad richtete gestern in dem französischen Städtchen Diezat im Departement Puy de Dome ein ver­tommener Mensch namens Felix Clabac an. Dieser hatte seiner Schwester, einer 32jährigen Witwe, die Vorsteherin des Poſtamtes der Ortschaft war, einen Betrag von 350 Francs gestohlen, die er mit verrufenen Frauenspersonen bergeudete. Als ihm die Schwester Vorwürfe machte, gab er mehrere Revolverschüsse auf sie ab und schnitt ihr dann, da sie noch nicht tot war, mit einem Küchenmesser den Hals durch. Nun wandte sich der Unhold gegen die in­zwsichen herbeigeeilten Nachbarn und verleßte einige von ihnen durch Revolverschüsse.

Kometen und Aberglauben. Das fast gleichzeitige Auf­treten zweier Kometen des Hallenschen und des neuen, zuerst in Südafrika gesichteten hat unter der Bevölkerung Süditaltens eine große und tiefe Erregung hervorgerufen. Man fürchtet, daß beide die Vorzeichen eines großen Un­glücks, vielleicht gar eines neuen Erdbebens sind. In Neapel, Portici, Catanta, Salerno und den anderen süditalienischen Städten werden daher öffentliche Gebete zur Verhinderung eines Unglücks abgehalten. Sterndeuter aller Art, an denen Italien ja reich ist, sind der Ansicht. daß in diesen beiden Sternen das silberne Feuer liege, das der Prophet Maleacht erwähnt.

Eine unaufgeklärte Seminaristentragödie. Seit drei Tagen wurden drei Seminaristen des Lehrerseminars in Bamberg vermißt. Zwei von ihnen wurden inzwischen in München ergriffen. Sie aaben an, nach Genua gewollt zu haben. Der dritte verständigte seine Eltern in Bamberg von München aus, daß er sich erschießen werde. Er wurde denn auch in dem Schnellzuge Nürnberg- München mit einer Kugel im Kopf tödlich verletzt aufgefunden und ins Krankenhaus Bamberg eingeliefert. Ueber die Motive des Selbstmordversuchs und die Vorgänge im Seminar ist noch nichts näheres bekannt geworden.

Eine harmlose Bombe". Vor einiger Zeit hatte, wie damals gemeldet, der in der Friedrich Wilhelmstraße zu Braunschweig wohnende Kaufmann Ries von einem unbe­fannt gebliebenen Erpresser einen Drohbrief erhalten mit der Aufforderung, 300 M an einem bestimmten Platz nie­derzulegen, andernfalls seinen Kindern Unheil widerfahren und seine Wohnung in Brand gesteckt werden würde. Ge­stern fand man im Keller des genannten Kaufmanns eine in einen Leinensack gesteckte Bombe" vor. Man alar­mierte die Polizei voller Furcht, daß der anonyme Brief= schreiber seine Drohung wahr machen wolle. Bald stellte fich aber heraus, daß die angebliche Bombe recht harmloser Natur war. Ste bestand, wie die Braunschweig. Neuesten Nachr. melden, aus einem Leinwandbeutel, der mit pul­verisierten Kohlenstiften, wie man sie für elektrische Bo­genlampen braucht. gefüllt war. In dem Beutel befand sich auch noch ein zehn bis zwölf Zentimeter langer Glühstift. Diese Masse konnte selbstverständlich überhaupt nicht er= plodieren.

Die Apachensenche in Brest. Ganz Brest wird durch die in die Marine eingereihten Apachen förmlich terrorisiert. Eine Polizeistatistik ergibt, daß die Brester Polizei im letz= ten Jahre 53 Matrosen der Kriegsmarine festgenommen hat, die mit Revolvern, katalonischen Messern und Tot­schlägern ausgerüstet waren. Die Klingen der Messer tru­gen die Worte eingraviert: Vendetta Corsa". Man be­fchlagnahmte eine an einen Matrosen gerichtete Sendung von Totschlägern. Die Tageschronik der Stadt ist voll von nächtlichen Ueberfällen, Bifinderungen und Schlägereien uniformierter Strolche, die organisierte Banden bilden und tätowierte Abzeichen tragen. Die Marineoffiziere führen bittere Klagen über den Einfluß dieser zügellosen Gesellen. Der gebildete Kammerdiener. Der Prinz de Ligny in Paris war vor zwei Monaten von seinem Kammerdiener bestohlen worden. Der diebische Domestik nahm Schmuck­fachen seines Herrn von bedeutendem Wert und verschwand. Gestern wurde der unredliche Diener in Holland verhaftet. Dieser Kammerdiener war keine gewöhnliche Figur. Als der Prinz eines Tages unerwartet sein Arbeitszimmer be­trat, fand er Monsieur Joseph- so der Name des Die­vers im Fauteuil gemütlich eine Zigarre aus dem Käst­chen seines Herrn rauchend. Sonderbares Betragen!" sprach der gutmütige Prinz. Der Kammerdiener erwiderte: Was wollen Sie, Durchlaucht, ich stamme aus einer guten Familie, habe mein Abiturientenexamen gemacht, aber auch viel Unglück gehabt Mitunter überkommt mich die Er­innerung an die früheren guten Tage und ich kann nicht widerstehen. Der Prinz verzich. Ein anderesmal, als der Prinz wieder nach Hause fam, vernahm er aus seinem Salon Klavierklänge. Wer mag wohl bei mir Musik spie­len?" dachte er und betrat den Salon. Der Kammerdiener war es, der am Klavier saß und Wagner spielte! Ber­zeihung, Durchlaucht," entschuldigte sich der Diener, ich habe ehemals das Konservatorium besucht. Es ist wieder die Vergangenheit, die sich herandrängt"... Der Prinz fühlte Mitleid und Ergriffenheit und unterließ jede Be­merkung. Als aber der gebildete Kammerdiener mit den Schmucksachen durchbrannte, verschwand auch die Nachsicht des Prinzen und er erstattete Anzeige. In einigen Tagen wird der Verhaftete an Frankreich ausgeliefert.

Ein italienischer Fakir. Einen bemerkenswerten Fall von Anästhesie hat der Turiner Universitätprofessor Negro in der Klinik für nervöse Krankheiten vorgeführt. Es han­delt sich um einen 24jährigen Heizer namens Pietro Gatti, einen stattlichen und kräftigen Menschen. In seiner Hei­mat wurde er dadurch bekannt, daß er einmal bet einem Sprung von einem Eisenbahnzug zehn Meter weit davon flog, ohne daß er irgend einen Schmerz verspürte. Seit je= her ist er ganz unempfindlich gegen Hiße und Kälte. gegen Hunger und Durst und wird überhaupt kaum je müde. Als thm einmal sein Vater, ein Bahnwärter, eine Freikarte auf den italienischen Bahnen erwirkt hatte, fuhr er zehn Tage umher und schlief in der Zeit nur drei Stunden. Er sticht fich Dußende von Nadeln durchs Fleisch, ohne irgend einen Schmerz zu verspüren, und vor kurzem zerfleischte er sich die rechte Wade, ohne daß ihm seine Absicht gelungen wäre, eine Empfindung davon zu erzeugen. Schließlich schickte ihn der Arzt seines Heimatsortes zum Professor Negro, damit dieser sich mit der außergewöhnlichen Erscheinung befaiſe. In der Klinik erwies der junge Heizer wiederum seine Un­empfindlichkeit. Professor Negro durchstach ihn mit einer Nadel einen Armmuskel, dann die Zunge, darauf klopfte er ihm mit einem Hammer auf dem Schädel herum, schließ= lich brachte er seinen Körper mit kochendem Wasser in Be­rührung, ohne daß Gatti ein Zeichen des Schmerzes gegeben hätte. Der Gelehrte hält diese unempfindlichkeit für eine feltene Erscheinung hysterischer Natur. Der unempfindliche Hetzer aber will seinen Dampfkessel verlassen, um sich auf Jahrmärkten zur Schau zu stellen und so bequemer und reichlicher sein tägliches Brot zu verdienen.

Was ein Mensch im Leben verrichtet und verbraucht. Wie lang ist der Lebensweg eines Menschen? 146 000 Mei­len, das hat ein Engländer ausgerechnet, der im London­Magazine" eine hübsche Plauderei über die Wundertaten des Menschen" veröffentlicht. Diese 146 000 englische Mei­len aber bilden einen Weg, der beinahe sechsmal um den Erdball herumreicht. Ebenso erstaunlich ist die Leistung Zwischen des Durchschnittsmenschen im Treppensteigen.

100 und 200 Stufen am Tage beträgt der Durchschnitt. Das macht für das ganze Leben eine Treppe von 8 Mil­lionen Stufen, die jeden, der ste im ganzen vor sich sähe, wohl mutlos machen würde. Rechnet man auf jede Stufe 20 Zentimeter Höhe, so würde diese Treppe auf einen Berg von 600 Kilometer Höhe führen, der alle Berge der Erde beinahe um das 75fache überträfe. Um solche Kraftleistun­gen zu verrichten, muß der Mensch natürlich wader ein­heizen, d. h. effen und trinken, und das tut er auch! An Brot verzehrt der Durchschnittsmensch im ganzen Leben etwa 16 Tonen; das macht zusammen einen Laib Brot, den der schwerste Rollwagen nicht befördern könnte. Außer dem täglichen Brot aber ist der Mensch eine ganze Herde von Tieren, nämlich etwa achtzehn Ochsen, sechs Schweine und ein Dutzend Schafe, wenn man noch nicht ein ganzes Pfund Fletsch auf den Tag rechnet. Hierzu kommen noch gewaltige Felder, die mit Gemüse aller Art bewachsen sind. Der Mensch ist aber nicht nur, sondern er trinkt auch, und zwar führt er an Flüssigkeiten etwa 45 000 Liter seinem Körper während seines Lebens zu. Das gäbe bereits ein prächtiges Schwimmbad. Aehnlich erstaunliche Zahlen be­tommt man, wenn man an die Kleidungsstücke denkt, die ein Mensch im Leben braucht. Seht man alle Hüte zu­sammen, die ein Mensch während seines Lebens trägt, so bekäme man ein Riesenkleidungsstück, in dem ein aus­gewachsener Elefant Plaz hätte, versteht sich, wenn man an Herrenhüte denkt, während man, wenn es sich um Da­menhüte handelt, wahrscheinlich zwei ausgewachsene Gle­fanten in dem Riesenhut unterbringen könnte. Aehnlich würde das Schuhzeug, das ein Mensch im Leben zerreißt, zu einem Riesenstiefel von etwa 5 Meter Höhe vereinigt werden können. Unter den Lurusartikeln hat unser Eng­länder den Tabak ausgewählt und glaubt, den Rauchern einen Riesenschreck einjagen zu können, wenn er ihnen sagt, daß der Durchschnittsraucher im Leben über 3000 M in blauen Dunst verwandelt. Für diese Summe, so meint er, könne man bereits ein kleines Häuschen kaufen. Wir müssen jedoch gestehen, daß uns bisher fein Nichtraucher vorgekommen ist, den wir im Besitze eines solchen Hauses gefunden haben, das aus dem Gelde für nicht gerauchten Tabak erbaut worden ist.

Wie die Kinder sich den lieben Gott vorstellen. Die interessante Frage, welche Vorstellung die Kinder vom lie­ben Gott haben und wie sie sich darüber äußern, hat Karl Röttger in dem jüngst erschienenen Buche Kind und Gottes­Idee", dem zweiten Bändchen der von Wilhelmine Mohr herausgegebenen Reihe ,, Führer ins Leben" beantwortet. Von den Mitteilungen sind wohl am anregendsten die Aussprüche ganz naiver Kinder über ihre Vorstellung von Gott. Gret­chen, ein Kind von drei bis vier Jahren, fragt ihren Bruder Hans: Kann der liebe Gott wirklich alles sehen?" Hans: Ja, das kann er." Gretchen: Kann er durch die Haus­tür und durch die Stubentür, kann er durch dicke Mauern und Steine gucken?" Ja, er kann überall durchgucken." Gretchen: Kann er auch in meinen kleinen Puppenkleider­schrank sehen und was da für Kleider drin sind?" Hans: Ja, das kann er." Gretchen: Hans, ich glaube, am besten fann der liebe Gott aber doch durch Glas sehen."- Alz der Lehrer die Kleinen in der Schule aufforderte, die Bitte ,, Vergib uns unsere Schuld" mit anderen Worten auszu­drücken, antwortete jemand: Verzeihe uns unsere Sünde!" Ernst( sechsfährig) aber sagte: Ich weiß es noch anders: Lieber Gott, nimm es nicht." Werner( siebenjährig): ,, Mama, es ist doch gut, daß wir den lieben Gott nicht sehen fönnen." Warum?"" Sonst könnten wir nicht Verstecken stielen." Warum denn nicht?"" Dann sähe der immer dahin, wo man sitzt, und dann wüßte man's gleich."- K. V. denkt: Gott ist verheiratet und hat auch eine Frau und Kinder! Aehnlich denkt 3.: Gott wäre zuweilen gerade nicht da und wäre ausgegangen. Und wenn da eirme am Hause vorbeiging, wäre es Gott. K. R. hatte die den. itellung: Wenn ein Mann vorbeiging mit einem Ma über den Aermeln( Pelerine), das set Gott. Eine Mutter überhört dem Kide( acht Jahre) die Eigenschaften Gottes. Ernsthaft zählt das Kind auf: Gott ist allwissend. Gott ist allgütig. Gott ist allgegenwärtig. Gott ist menschen­scheu." Menschenschen?" Ja, menschenschen. Zeige mic einen Menschen, mit dem Gott Verkehr hat, der Gott ge= sehen hat!"

Mundhygiene zur Verhütung von Tuberkulose. Auf den Zusammenhang von Mundhygiene und Lungentuber­kulose weist Prof. Dr. A. Moeller in Berlin in der Mün­chener Medizinischen Wochenschrift mit beachtenswerten Ausführungen hin. Er stellt fest, daß der fariöse Zahn eine Eingangspforte für die Tuberkelbazillen bildet. Noch häut­figer aber geschieht, wie aus Prof. Moellers Untersuchungen in der Charlottenburger Schulzahnklinik hervorgeht. die Infektion bei Kindern durch die Weichteile des Mundes, durch Verletzungen der Schleimhäute und stammt von dem Belage her, der im ungepflegten Munde vielfach Tuberkel­bazillen beherbergt. Alle Entstehungsursachen der Tuber­fulose kommen bei schlechter Mund- und Zahnpflege der Kinder in Betracht. Eine erhöhte Mundpflege ist bei Lun­genfranken von wesentlicher Bedeutung, und zur erfolg= reichen Durchführung der diätetischen Therapie ist ein gutes Gebiß die Vorbedingung. Darum weist Prof. Möller wie zuerst der Begründer und Organisator der Schulzahn­fliniken, Prof. Jessen in Straßburg im Elsaß. auf den Wert einer regelmäßigen Munduntersuchung hin. Denn was nüßen alle Sanatorien usw., wenn der ungepflegte Mund eine ständige Infektionsquelle der Tuberkelbazillen für den kindlichen Oraanismus bildet.

Der versiegende Euphrat. Oft wird die Frage auf­geworfen, auf welche Weise denn eigentlich ganze Städte im Laufe der Jahrhunderte so völlig in den Erdboden versinken, daß man bei Ausgrabungen wie z. B. bei Karthago oder Babylon erst in einer Tiefe von 3, 4 oder 5 Metern auf die ersten Spuren stößt. Einigermaßen erklärlich erscheint diese Tatsache bei Städten, die in der Nähe des Meeres oder an einem großen Flusse gelegen waren; hier war die zunehmende Versandung der lang­sam, aber unerbittlich fortschreitende und schließlich siegende Feind. Der Fluß oder Strom, der ursprünglich der An­laß zur Städtegründung und der Nährer der gegründe ten Stadt und werdenden Kultur war, wurde so auch zu ihrem Verderber und Todbringer. Der Euphrat, nächst dem Nil und dem Ganges der ,, heiligste" Strom der Mensch­heit von Urzeiten her, hat die ältesten menschlichen Kul­turen an feinen Wassern gehegt, aber auch untergehen lassen. Aber die Versandung, die den alten Städten der Bibel, Babylon, Ninive, Nippur zum Untergange wurde, droht jett allmählich auch dem Strome selbst. Die Sandmassen, die der Euphrat alljährlich in immer gesteigertem Maße ablagert, ersticken ihn allmählich, und so scheint die Zeit nicht mehr zu fern zu sein, da aus dem Fluß, an dem die Wiege der Menschheit stand, ein unbedeutender Wasser­lauf geworden sein wird. Die alten Völker, Chaldäer und Babylonier, hatten durch große Regulierungsarbeiten den Fluß aus einem verderbenbringenden zu einem segen­spendenden gemacht, in Erkenntnis der Gefahr, die nach Jahrtausenden eintreten sollte.

Das verkannte Hörrohr. Bei Geheimrats fommt eine alte schwerhörige Dame zu Besuch. Als der sechsjährige Friz ins Zimmer springt, wird er herangewinft, die Tan­te" zu begrüßen. Diese seht ihr langes Hörrohr and Ohr und fragt: Wie heißt Du denn, mein Junge?" Mit einem Sat eilt der Knabe herbei, ergreift eilig das telephonartige Instrument und ruft hinein: Hier Friz, wer dort?"

Ein Gemütsmensch. Herr: Ich habe Ihrem Vater ge­sagt, daß ich ohne Sie nicht leben könne, teures Fräulein Herr: Altce." Dame: Und was hat er geantwortet?" Er hat sich erboten, die Beerdigungskosten zu bezahlen."

Hochwasser und Unwetter.

Berlin, 27. Januar. Während hier ruhiges und kaltes Frostwetter eingetreten ist, laufen aus einzelnen Gegenden Deutschlands Sturmnachrichten ein. In Essen brach gestern abend ein furchtbarer Sturm los, der von Schneegestöber begleitet war. Die Straßenbahn stellte den Betrieb ein. In der Eifel dauert der Schneefall an. Hunderte von Arbeitern sind beschäftigt, die Bergstraßen freizulegen. Der Schnee liegt mehrfach drei Meter hoch. In Norddeutsch­Yand kam es zu vielen Unglücksfällen. In der Nordsee famen zahlreiche Schiffstatastrophen vor. In Haag wütete gestern abend ein Schneesturm, der große Verkehrsstörun gen verursachte. Im nördlichen England herrscht starter Schneesturm. In London herrschen 10 Grad Kälte. In Italien wütet seit mehreren Tagen ein furchtbares Un­wetter.

Paris, 27. Januar. Dem Temps" zufolge ist die Lage der östlichen Vororte von Paris sehr ernst geworden. Das Waffer erreicht fast überall das zweite Stockwerk der Wohn­Häuser. 16 000 Personen sind obdachlos geworden.

Paris, 27. Januar. Das Hochwasser ist im Laufe der Nacht noch gestiegen. Der Ministerpräsident hat den Betroffenen die Gebäude der Kongregation zur Verfügung gestellt. Nötigenfalls wird die Regierung auch die Husaren­kaserne und das Lyzeum für die Opfer der Ueberschwem­mung bereit halten. Das Wasser ist bereits in die Druckerei des Nathauses eingedrungen. Das Gewölbe der Unter­grundbahn ist schwer beschädigt. Es macht sich bereits Man­gel an Lebensmitteln bemerkbar.

Madrid, 27. Januar. In Corunna ist während eines heftigen Sturmes ein Fischerboot untergegangen. Elf Personen der Besatzung sind ertrunken. In dem be kannten Seebade San Sebastian ist das Wasser bereits so hoch gestiegen, daß eine Anzahl Häufer eingestürzt sind.

Drabtnachrichten und Deaestes.

Kaisersgeburtstagsfeier am Hofe.

Berlin, 27 Januar. Der Kaiser nahm heute vor­mittag die Glückwünsche der kaiserlichen Familie entgegen und empfing dann die Glückwünsche der Herren und Da­men des engeren Hofes sowie der fürstlichen Gäste. Um 8,45 Uhr empfing der Kaiser den Reichskanzler, dem er den Schwarzen Adlerorden verlieh. Später begab sich der Hof nach der Schloßkirche, wo sich die Botschafter, die Bundes­ratsmitglieder, die Generalität, die Admiralität und die Präfidten des Reichstages und des Landtages bereits ein­gefunden hatten. Oberhofprediger Dryander hielt die Fest­predigt.

Der Kaiser und die Retter auf Zeche Holland. Berlin, 27. Januar. Der Kaiser hat an seinem Ge­burtstage auch der Retter der Verschütteten auf der Zeche Holland gedacht. Heute wurden den an der Rettung be­teiligten Mannschaften vier Rettungsmedaillen am Bande, das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens und vier Allge­meine Ehrenzeichen überreicht.

Der Reichskanzler beim König von Sachsen. Dresden, 27. Januar. Der König von Sachsen empfing gestern abend im Königlichen Schloß den deutschen Reichs­fanzler von Bethmann Hollweg.

Wahlzechtsdemonstrationen.

Brannschweig, 27. Januar. Gestern abend fanden hier sozialdemokratische Wahlrechtsdemonstrationen statt. Die Polizei mußte infolge der Ausschreitungen der Menge von der blanken Waffe Gebrauch machen, wobei 15 Perso­nen verwundet wurden. Zwei von ihnen erlitten so erheb­liche Verletzungen, daß sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Ein Oberwachtmeister wurde vom Publi­fum zu Bode geworfen und durch Fußtritte schwer ver­legt.

Ein japanischer Prinz in Berlin.

London, 27. Januar. Am 1. Februar wird von hier Prinz Fushini von Japan nach Berlin abreisen, um dem Prinzen Adalbert von Preußen einen hohen japanischen Orden zu überbringen. Prinz Fushimi ist in Deutschland wohlbekannt, da er in den 90er Jahren längere Zeit zu fei= ner Ausbildung zur deutschen Marine kommandiert war. Der Prinz, der jetzt in der japanischen Marine Dienst tut, nannte sich damals Prinz Katchio. Den Namen Fushimi hat er erst später angenommen. Er wird einige Beit in Berlin bleiben.

Bulgarisch- türkischer Grenzzwischenfall.

Saloniki, 27. Januar. In Nestime Bezirk Castoria überfielen Bulgaren eine Kirche und demolierten einen Teil der Einrichtung. Sie wurden durch Militär vertrie ben. 11 von ihnen wurden verhaftet. An der türkisch­bulgarischen Grenze ist es wieder zu Plänkeleien gekommen, wobei es auf beiden Seiten Tote und Verwundete gab. Die englischen Wahlen.

London, 27. Januar. Bis gestern nachmittag 3 Uhr waren gewählt: 255 Unionisten, 230 Liberale, 38 Arbeiter­partei und 72 irische Nationalisten. Der Gewinn der Unio­nisten beträgt 117 Sitze. Ju den anderen Zahlen hat sich nichts geändert. Die beiden Minister Asquith und Hal­dane wurden mit großer Majorität gewählt.

Aufgedeckter Schwindel.

Berlin, 27. Januar. In Geschäftskreisen, namentlich der Lebensmittelbranche, erregt die Verhaftung einer zehn­töpfigen Schwindlerbande Aufsehen, die seit zehn Jahren die Geschäftsleute in raffinierter Weise schädigte.

Typhus im 6. Feldartillerieregiment.

Breslau, 27. Januar. In der Kaserne des hiesigen 6. Feldartillerieregiments ist der Typhus ausgebrochen. Bis­her sind 9 Leute schwer erfranft. Ein Kanonier ist bereits gestorben. Wegen der Ansteckungsgefahr sind die Mann­schaftfeste des Regiments zu Kaisers Geburtstag abgesagt worden

Das Erbe König Leopolds.

Briffel, 27. Januar. Es wird gemeldet, daß die bel= gische Regierung auf die 23 Millionen Kongo- Obligationen, welche König Leopold dem Kongounternehmen als Ver­mögen überwiesen hat, Anspruch erhebt, weil diese aus der Kongo- Krondomäne herrühren. Die Prinzessinnen wollen diesen Anspruch der belgischen Regierung, wie verlautet, bestreiten.

Handel und Verkehr.

Der internationale Boftichedverkehr wird am 1. Fe ruar eröffnet. Er umfaßt das Deutsche Reich, Desterreich­Ungarn und die Schweiz. Es handelt sich nicht um einen eigentlichen Scheckverkehr, sondern um einen Ueberweisungs­oder Postgiroverkehr. Aufträge zu Barauszahlungen wer­den im Verkehr mit dem Auslande nicht ausgeführt. Jeder Inhaber eines Scheckfontos bei einem deutschen Postscheck­amt fann aber von seinem Konto Beträge auf ein Scheck­fonto bei dem Postsparkassenamt in Wien oder der Post­sparkasse in Ofen- Pest oder den schweizerischen Bostschecks bureaus überweisen und umgekehrt. Der internationale Verkehr wird ausschließlich von den Scheckämtern wahr genommen. Eine Mitwirfung der Postanstalten findet nicht statt. Den Verkehr mit dem Auslande werden die Aemter Berlin, Leipzig und Karlsruhe, mit Wien und Ofen- Best außerdem noch das Scheckamt Breslau wahrnehmen.

Nene Pariere an der Berliner Börse. Die Zulassungs­stelle der Berliner Börse genehmigte die Zulassung folgender Wertpapiere: von 10,000,000 t. 4prozentigen Sypotheken- Pfandbriefen Reihe 6 der Mitteldeutschen Bo den- Credit- Anstalt in Greiz und von 5,000,000 Mark 412 prozentiger hypothekarischer Anleihe von 1909 der Stets ttner Maschinenbau- Act. Bef. Vulcan" zv. Stettin.