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Zweites Blatt 36,

Gießener Zeitung

Abänderung der preuß. Wahlkreise.

Der hessische Landtag steht auch bald vor der Beratung der neuen Wahlrechtsvorlage, wobei auch die beabsichtigte neue Wahlkreiseinteilung wieder eine große Rolle spielt. Man vernehme darum, wie in Preußen jetzt bei der Beratung um Einführung des direkten Wahlrechtes auch dort die neue Wahltreiseinteuung Stimmen für und gegen auf­kommen läßt.

Man schreibt uns aus Berlin darüber folgendes: Der Abgeordnete Diederich Hahn hat in der Versamm­lung des Bundes der Landwirte der Provinz Hannover jeden Gedanten einer Abänderung der preußischen Wahl- kreise mit der Begründung verworfen, daß die bestehenden Wahltreise organisch mit der Geschichte des betreffenden Ge­bietes verwachsen seien und daß diese Wahlkreise in ihrer Eigenart zur Geltung fommen sollten, was nur bei der jeßigen Einteilung möglich sei.

Wenn Gedanken fehlen, so stellt zur rechten Zeit ein Wort sich ein. Wenn dieser Dichterspruch jemals gegolten hat, so gilt er jetzt, denn wir leben in einer Zeit der Schlag­worte. Wenn ein Wort nur recht hübsch flingt, dann deckt die Aufmachung des Wortes den schlechten Inhalt. Heut­zutage ist man tein liederlicher Mensch mehr, sondern man lebt sich aus. Die gegenwärtige Kahlkreiseinteilung ist nicht ungerecht, sondern Herr Herold vom Zentrum nennt sie historisch geworden und Herr Diedrich Hahn betrachtet sie als organisch mit der Bevölkerung verwachsen.

Man braucht sich bloß in Groß- Berlin umzusehen, um zu erkennen, wie wertlos dieses Schlagwort ist. Es wählen die beiden großen Berliner Vororte Schöneberg und Rir­dorf zusammen, zwei Orte, die nach Art und Beschäftigung ihrer Bevölkerung grundverschieden von einander sind. Sann man also von der gegenwärtigen Wahlkreiseinteilung durch­aus nicht sagen, daß sie auf organische Verbindung streng Rücksicht nimmt, so ist auch von einer fünftigen Einteilung noch lange nicht gesagt, daß sie auf solche organischen Zu sammenhänge feine Rücksicht zu nehmen braucht. Es kommt ja doch nur darauf an, den flaffenden Gegensatz zwischen Zwergwahlkreisen und Riesenwahlkreisen zu vermindern. Wir sagen zu vermindern", wir sagen nicht auszu= gleichen". Denn wir wollen keine absolute Nivellierung. Un­fere gegenwärtige Wahlkreiseinteilung bedingt eine ganz einseitige Bevorzugung der ländlichen Wahlkreise auf Ko­sten der städtischen, besonders der großstädtischen. Das ist selbstverständlich, denn da die Wahlkreiseinteilung ein hal­bes Jahrhundert alt ist, so hat sie auf die inzwischen statt­gehabte enorme Verschiebung der Bevölkerung feine Rüd­sicht nehmen können. Wollte man aber die Wahlkreise der Zahl der Wahlberechtigten völlig gleich machen, so würde dies wieder eine Lahmlegung der ländlichen Interessen be­deuten. Das platte Land ist durch den Abzug eines großen Teiles seiner Bevölkerung an sich ja doch schon wirtschaft­lich in Nachteil versetzt. Es wäre deshalb ungerecht, wenn man es politisch dadurch nahezu rechtlos machen wollte, daß die städtische und vor allem die großstädtische Bevölkerung im Abgeordnetenhause ein völliges Uebergewicht hätte. Die gerechte Vertretung und Wahrnehmung der landwirtschaft­lichen Interessen würde darunter schwer leiden.

den.

Um nun einen gerechten Ausgleich zu schaffen, schlagen wir vor, die Wahlkreise in ihrem Bevölkerungsumfange abzustufen. Wir führen im Folgenden des Näheren aus, wie wir uns dies denten. Da die nächsten preußi­schen Landtagswahlen im Frühjahr 1913 stattzufinden ha­ben, so könnte mit der Abgrenzung der neuen Wahlkreise bequem bis Ende 1911 oder Anfang 1912 gewartet wer­Bis dahin werden die genauen Ergebnisse der Volfs­zählung vom 1. Dezember 1910 feststehen, so daß also diese Volkszählung zur Grundlage der neuen Wahlkreiseinteilung gemacht werden kann. Nimmt man an, daß das König= reich Preußen bei der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 etwa 44 Millionen Einwohner haben dürfte, so würde bei 443 Abgeordneten auf je etwa 100 000 Einwohner ein Ab­geordneter zu wählen sein. Um nun das platte Land und die landwirtschaftlichen Interessen zu ihrem Rechte kommen zu lassen, könnten drei Arten von Wahlkreisen geschaffen werden, nämlich erstens reinländliche oder wenigstens über­wiegend ländliche, zweitens überwiegend städtische und drit­tens reinstädtische, also solche Wahlkreise, die aus Groß­städten bestehen. Die erste Kategorie von Wahlkreisen könnte schon auf je 30 000 Seelen einen Abgeordneten bewilligt bekommen, die zweite auf je 100 000 und die dritte auf je etwa 120 000.

Darnach würde also die Stadt Berlin, die am 1. De­zember 1910 etwa 2 150 000 Einwohner zählen dürfte, in

84)

Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M.& osfat.

Nachdruck verboten.)

Vom Gericht oder von der Polizei?" erkundigte fich Der Italiener kurz. Brümmel trat näher.

Ich bin Detektiv", erwiderte er ,,, und niemand bat mich geschickt. Ich komme in meinem eigenen Auftrag, weil ich Ihnen helfen möchte, Herr Olfers." Dieser machte eine abwehrende Bewegung, als ob er lagen wollte: Mir helfen? Das kenne ich." Dann pies et ftumm auf einen zweiten Stuhl, auf dem Kleidungsstücke und Bücher lagen, die Brümmel ent­fernte, um sich dann darauf zn feßen.

,, Herr Olfers" begann der Detektiv ,, zuvörberst bringe ich Ihnen Nachrichten von Ihrem Jugendfreund James Todd, genannt Long- Bell." Der junge Mann war bei Nennung des Namens zu­sammengezuckt und seine dunklen Augen stierten Brümmel entseßt und überrascht an, dann aber faßte er sich und fragte mit schlecht gespielter Gleichgültigkeit: ,, Long- Bell 2 Was fümmert mich der 2 Brümmel zuckte die Achseln.

,, Nun, ich dächte doch, daß er Sie recht viel angeht, denn wenn wir auch alles andere beiseite lassen, womit er in Ihr Leben eingegriffen bat, so find doch allein die Ereig nisse in den Abruzzen Er endete nicht, denn Offers war bei dem Worte Abruzzen" von seinem Stuhl aufgesprungen und stand feßt, vor Aufregung am ganzen Körper zitternd, dem De­tettiv gegenüber. Der Schleier war von seinen Augen wie weggezogen, Flammen lyderten daraus Brummel entgegen.

,, Was, in aller Heiligen Namen, wissen Sie von den Abruzzen?"

Aber Brümmel war ein Detektiv, dessen Gewandtheif von seinen Vorgesetzten gemeiniglich weit unterschätzt wur de. Er ließ sich nicht aus seiner Fassung bringen und zeigte sich auf der Höhe jeder Situation. Olfers firierend, entgegnete er lächelnd:

Expedition: Seltersweg 83.

18 Wahlkreisen mit je einem Abgeordneten einzuteilen sein, Breslau mit einer halben Million Bevölkerung in vier Wahlkreise mit je einem Abgeordneten 2c. Berlin würde also zwar sechs Abgeordnete gewinnen, aber es würde drei oder vier Abgeordnete weniger erhalten, als bei einer völ lig gleichen Einteilung der Wahlireise. Das platte Land würde zwar im Verhältnis zu der gegenwärtigen Einteil­ung der Wahlkreise Abgeordnete an die großen Städte ab­geben müssen, aber es würde doch noch immer wesentlich mehr Abgeordnete zugebilligt erhalten, als ihm bei einer völlig gleichen Einteilung nach der Bevölkerungsziffer zu tommen würde. Denn bei 80 000 Einwohnern für einen Abgeordneten des platten Landes und 120 000 für einen Abgeordneten der Großstädte ist das platte Land um die Hälfte besser daran als die Großstädte.

Wir meinen, daß eine auf dieser Grundlage herzustel= lende Einteilung der Wahlkceise der Gerechtigkeit am besten entsprechen würde. Es würde der grobe Unfug aufhören,

daß die induſtrielle Vertretung im Preußischen Landtage von einer agrarischen Majorität an die Wand gedrückt wird, obwohl doch die Industriegebiete den Hauptteil der Steuern aufbringen, über deren zweckmäßige Verteilung der Land­tag zu beschließen hat. Es würden aber andererseits die ländlichen Bezirke doch soviel Abgeordnete in das Parla­ment entsenden können, daß ihre Stimmen erheblich ins Ge-| wicht fallen würden, so daß auch ein nach der neuen Wahl­freiseinteilung gewählter Landtag sicherlich die agrarischen Interessen nicht vernachlässigen würde.

Damit könnte und müßte die Landwirtschaft sich umso eher zufrieden geben, als obendrein doch das Herrenhaus infolge seiner Zusammensetzung an sich schon die agrarischen Interessen sehr stark vertritt.

Wir meinen, daß die Regierung, wenn sie wirklich über den Parteien steht, einem Vorschlage, wie er hier gemacht ist, ihre Zustimmung geben müßte. Denn die gegenwärtige Wahltreiseinteilung ist ausschließlich auf eine Partei zuge­schnitten und das kann doch unmöglich einer Regierung ge­nehm sein, die jede Gelegenheit benußt, ihre Unparteilich keit zu verkünden. Sache einer auf den Frieden zwischen den erwerbstätigen Ständen und Berufen bedachten Regier­ung muß es immer sein, einen gerechten Ausgleich der In­teressen der wichtigsten Stände zu schaffen und zu einem solchen Ausgleich bietet, wie wir glauben, eine Handhabe.

Hessische Landesstatistik.

Die Zahl der gegen Brand versicherten Hofrei ten hat sich im Jahre 1908 nach den Feststellungen der Zentrale für die Landesstatistik um 11 443 vermehrt und be­trug am Ende des Jahres 1908 187 771. Brände waren im ganzen 703 zu verzeichnen und u. a. entstand der Backsteinbrennerei: Alzey durch ein solches Feuer ein Schaden von 22 716 Mt. Die Brandversicherungssumme sämtlicher Gebäude in Hessen erreichte am Ende des Jahres die Höhe von 2 177 139 110 Mr. Die festgesetzten Brand= entschädigungen betrugen im Jahre 1908 556 238 Mt. und zwar auf je 1000 Mt. Umlagefapital gerechnet in Ober= hessen 0,28 Mt. und in Gießen 0,02 Mt. Als Brandsteuer wurden 1 293 202 Mt. erhoben.

Die Zahl der Todesfälle in Hessen betrug im September 1909 1490, im Ottober 1909 nur 1478. Davon entfallen 699 auf Startenburg, 457 auf Rheinhessen und 334 auf Oberhessen. In Gießen selbst forderte der Tod 120 Opfer, von denen u. a. dem Scharlach 2, den Majern und Röteln 1, dem Keuchhusten 2, der Rose 1, der Lun­genschwindsucht 13, Erkrankungen der Kreislauforgane 15, dem Krebs 13 erlagen, während sich in Gießen die Zahl der tötlichen Unfälle auf 1 beschränkte. Die Todesfälle in dem Monat Oftober 1909 haben sich gegen den Vormonat etwas vermindert und betrugen nur 1478, von denen auf Startenburg 678, Rheinhessen 471 und Oberhessen 329 kom­men. Von diesen 329 Todesfällen in Oberhessen entfallen auf Gießen 115 als 5 weniger als im Vormonat und zwar waren Scharlach bei 1, Keuchhusten bei 4, Lungenschwind­sucht bei 13, Krankheiten der Kreislausorgane bei 8, Krebs bei 10 und Verunglückung bei 4 als Todesursache angege­ben.

In dem Krantentassenwesen betrug die Zahl der Kassen im Jahre 1908 1003, welche im ganzen einen Bestand von 292 165 Mitgliedern aufwiesen.

Die evang. Kirche in Hessen hatte 1908 6245 Ehen zu verzeichnen, wovon auf Startenburg 2789, auf Rhein­hessen 1242 und auf Oberhessen 2214 entfallen; von diesen 2214 Eheschließungen in Oberhessen kommen auf Gießen

,, Wozu die Dinge erklären, die uns beiden bekannt find, Herr Olfers? Sie haben jedenfalls einen großen Fehler begangen, indem Sie sich vor Long- Bell fürchteten wie Sies taten, und mehr noch, indem Sie ihm das zeigten. Er wußte das und vertraute darauf. Hätten Sie ihm offen getroßt es wäre alles anders ge fommen.

Der Italiener war auf feinen Stuhl zurückgesunken und saß ießt, die Hände ineinander krampfend, da. ,, Wie konnte ich das!" murmelte er. Da er mich doch in der Hand batte

Jebt gilts vorsichtig sein. Er darf unter keinen Um­ftänden merken, daß ich von nichts weiß", dachte Brüm­mel. Laut aber sagte er: batte er das denn wirklich? Bilden Sie sich vielleicht das nicht bloß ein?"

Aber wie sollte ich! Da ich doch überzeugt war, ben Menschen erstochen zu haben?

Brümmel, der glaubte, daß Olfers auf iene Szene in Neapel anspielte, bon ber ihr Baula Bardegg erzählt, ftuzte. Wie fonnte Olfers der Ueberzeugung fein, Long­Bell getötet zu haben, da er ihn doch täglich lebend vor fich sah? Da mußte noch etwas anderes vorliegen. Um nicht seine Unkenntnis der Vorgänge zu verraten, machte er eine abwehrende Handbewegung und murmelte: ,, Sich von solch einem Menschen abhängig zu machen!" Ja, aber wie konnte ich anders!" versicherte D- fers. Sollte ich auf die Gefahr, der Gendarmerie in die Hände zu fallen, Erfundigungen einziehen? Und ich batte den Patrouillenführer fallen sehen, mit meinem Stilett in der Brust!" wiederholte der junge Mensch, indes Brim­met gespannt aufhorchte und da der Long- Bell, ber Todd, mich fliehen hieß und alles für mich zu ordnen versprach, so wars doch nur selbstverständlich, daß ich ihm gehorchte. Hätt' ich mich von den Gendarmen fangen lassen sollen? Und als er mir dann später jagte, daß der Patrouillenführer nicht gestorben, aber Beit feines Lebens frant und arbeitsunfähig sei und daß er mich nur retten fönne, wenn ich ihm ein Schweigegeld gebe- mußt ich ihm da nicht auch glauben? Noch dazu dankbar bin ich ihm gewesen, der Kanaille, da er mir das Geld borgte! Ach, dieser Hund, dieser Hund Offers ballte die Hände zur Faust und schüttelte sie drohend in der Luft s

Samstag,

Den 26. Februar 1910.

163. Die Zahl der Tausen erreichte 23 220 und beirugen dieselben in Startenburg 11 206, in Rheinhessen 4865 und in Oberhessen 7149, wovon auf Gießen 860 Tausen ent­fallen. Ferner stehen 200 Aus.rute aus der Stirche 177 Uebertritten gegenüber und zwar waren in Gießen 13 Aus­tritte und 3 Uebertritte zu verzeichnen.

Uever die Berufszweige sind folgende festgestellt:

Zahlen

( die

In der Landwirtschaft waren in Hessen einge lammerten Zahlen betreffen die Gießener Berhältnisse) im Jahre 1907 327 654( 532) Personen tätig. Ferner war die Zahl der Kunst- und Handelsgärtner 6256( 232), der Steinmeßen und Steinhauer 18 082( 90), der Angestellten der Ziegeleien 10 194( 215), der Grobschmiede 10 186 ( 150), der Schlosser 22 325( 731), der Maschinenarbeiter 20 618( 676), der Wagner 8813( 57), der Arbeiter der chemischen Fabriken 11 296( 48), der Arbeiter der Papier­fabriten 6712( 7), der Gerber 19 762( 37), der Sattler 16 982( 85), der Tischler 31 183( 557), der Bäcker 15 264 ( 411), der Fleischer 13 559( 421), der Mälzer und Brauer 7667( 318), der Tabalarbeiter 14 003( 594), der Schnei­der und Schneiderinnen 22 634( 773), der Schuhmacher 23 419( 432), der Arbeiter und Angestellten der Bauunter­nehmung 34 299( 1193), der Maurer 54 530( 210), der Zimmerer 12 099( 32), der Stubenmaler und Stuttateure 22 381( 312), der Angestellten der Waren und Produkten­branche 65 185( 2764), der Post und Telegraphenbeamten 10 265( 707) und der Eisenbahnbeamten 39 990( 2119), der Angestellten der Gast- und Schantwirtschaft 24 260( 960). Es gehörten an der Armee- und Kriegsflotte 23 933( 1985), dem Staats- und Gemeindedienst 22 377( 1258). Tätig waren in dem Unterrichtswesen 16 916( 964), als Rentner und Pensionäre lebten 66 440( 2629).

Die Mittelpreise für den Doppelzentner der gewöhnlich­sten Verbrauchs- Gegenstände waren im Dezember 1909 in Hessen folgende: Weizen 22,18 Mt.( in Gießen 23,25 M.), Roggen 16,58 Mt.( in Gießen 17,25 Mt.), Gerste 16,71 Mt.( in Gießen 16,25 Mt.), Kartoffeln 5,36 Mt.( in Gießen 5,50 Mr.). Per Kilogramm stellte sich das Ochsenfleisch in Hessen auf 1,61 Mt.( in Gießen auf 1,52 Mark.), das Rindfleisch auf 1,43 Mt.( in Gießen auf 1,20 Mark), das Kalbfleisch auf 1,61 Mr.( in Gießen auf 1,44 Mart) und das Schweinefleisch auf 1,70 Mr.( in Gießen auf 1,60 Mk.).

Lokales.

** Der Großherzog hat am 19. Februar dem ständigen Referenten bei der Akademischen Administrations­kommission der Landesuniversität Gießen, Regierungs­rat Karl Bähr den Charakter als Geheimer Finanzrat erteilt.

= a Konzertverein. Die gestern zum 8. Konzert des Konzertvereins im Stadttheater Erschienenen hatten Herrn Professor Trautmann einen großen Genuß zu verdanten! Das Programm umfaßte Johannes Brahms zweite Sym­phonie in D- dur und Beethovens neunte Symphonie in D- moll, die beiden unter der feinsinnigen Leitung Herrn Pro­fessor Trautmanns zur ausgezeichneten Wirkung ge­langten. Der Dirigent, die Mitglieder des akademischen Gesangvereins und das verstärkte Palmengarten- Orchester, dem sich noch einige hiesige Kunstfreunde angeschlossen hatten, leisteten Vorzügliches! Das gleiche taten auch die Solisten des Abends Frl. Hedwig Kaufmann aus Berlin, Frl. Alice Aschaffenburg aus Frankfurt a. M., der für den erkrankten Herrn Gollanin eingesprungene Herr Koh­mann und Herr Alfred Stephani, der durch seinen trefflichen Baß zu erwärmen und interessieren wußte.

-i Im E v. Arbeiterverein wird am Sonntag Prof. Valke über das Thema: Aus dem Wirtschaftlichen und sozialen Leben der römischen Kaiserzeit" sprechen.

*)(* Unsere Meger und die Fleisch preise. Die fürzlich von der Provinzial- Siechenanstalt ausgeschrie­benen Fleischlieferungen haben ein außergewöhnliches Er­gebnis gezeitigt. Es wurden für die Anstalt u. a. ein An­gebot auf die Lieferung von Schweinefleisch gegen einen Kilopreis von 1,42 Mt. und auf die Lieferung von Ochsen­fleisch gegen einen Kilopreis von 1,28 Mt. Aber es dünkt uns fraglich, ob die hiesigen Meßger von dem 1. April ab noch in der Lage sein werden, so billiges Fleisch zu lie­fern, was bei der gegenwärtigen Teuerung ganz besonders in die Wagschale fallen dürfte. Die letzte Versammlung un­serer Meßger scheint wenigstens das Gegenteil zu beweisen, denn in derselben hat man sich einstimmig gegen die Ge­

am wie eine förmliche Raserei über ihn und seine Blicke juchten mit haßerfülltem Ausdrud in der Luft, um sich dann auf Brümmel zu beften, gleichwie, als ob dieser sein Todfeind wäre. Da fommen dann die Klugen Leute und predigen unsereinem allerhand Unsinn vor, daß man sich unklug und unvorsichtig benommen, daß man den Leuten hätte mißtrauen sollen und was dergleichen noch mehr ist! Benehme fich mal einer flug und vorsichtig venn ihm das Messer an der Meble sibt. Ich weiß, daß ich ein unglücklicher, verlorener Mensch bin ein Ver­brecher, wenn Sie wollen, aber wer fann über solche Dinge reden, die er nicht selbst erlebt hat! Was wissem Sie von so etwas!"

,, Aber, Herr Offers, fo beruhigen Sie sich doch." redete der Detektiv ihm zu. Mit dieser Heftigkeit

Lassen Sie mich mit Ihren Ermahnungen in Ruhe," schrie der junge Mann. Was nüßen die mir? Ich sage Ihnen ja, ich weiß, daß ich ein elender Mensch bin niemand fann härter über mich urteilen, als ich felbft ed tue, aber ach, es ist ja alles gleich ießt. Wozu noch darüber reden! Daß ich verloren bin, hab ich längst ge wußt, das wußt'ich von dem Augenblick an, da man mich verhaftete, aber ich hatte gehofft, daß wenigstens diese alten Geschichten begraben sein würden ich hoffte es um meiner Mutter, meiner unglücklichen Mutter willen und nun hat mich auch diefe Hoffnung betrogen! Alle verloren alles alles!"

Aufstöhnend barg ber Unglückliche den Kopf in Se Sänden. So faß er stumm und regungslos und nur ab und zu trat ein feuchender Laut aus seiner Brust

Saben sie sich wirklich für verloren gehalten, Herr Offers?" fragte Brümmel. Ist das wahr? Ich vermag es offen gestanden, nicht zu glauben. Justizmorde kom men ja zuweilen vor, aber gar so häufig sind ste denn doch nicht und am Ende ist das Belastungsmaterial bezüglich Welshofens Tode nicht so groß, daß Sie darum verzweifeln müßten. Mir scheint, Ihre Hoffnungslosig­feit ist nur ein Ausfluß Ihrer verzweifelten Stimmung fofern Sie nämlich wirklich so hoffnungslos sind. Un Ihrer Mutter Schande und Kummer zu ersparen, würden nimmets Ste nicht Ihren Kopf in der Schlinge lassen mehr!

( Forts. folgt.)

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An der Anstalt werden ausgebildet:

Inglektro- od Konstrukten- ngor Bibeleni

2.

Ingenieure

der nen/ abriken, welche der Ausbildung in

. in der Maschinentechnik des­

Konstrukteure für Elektrotechnik

2. Unterricht.

Technikum

hauptsäch­

lich für das praktische Leben vorberenen soll, so ist es

selbstverständlich, daß

Rücksicht auf die Praxis genommen wird. Da das

beim

jede mögliche

wie ufig wiederkehrende Repetitionen in allen Pächern, tliche Hilfsmittel

bilden

tische

Maschinenlehre,

Regulatoren,

Entwerfen von Maschinenelementen, von Heb- 1

maschinen, Automobiltechnik, Flugtechnik, Werkzeug­

im

schinenbau- Laboratorium. Untersuchen Bau­

Dampfkessel- Unters von Kraftmaschinen und ganz und Trans Formänderung und Elastizität. Anlagen.

Heizwertbestimmungen stoffe auf Pestigkeit,

дер

zum

März bezw. mal bekannt gegeben. zu beschaft mitte September; die Termine werden jedes­

Beginn des eigentlichen Semesters zweckentsprechend

Der Vorkursus beginnt ungefähr Mitte

Zur vollstän­

digen Ausbildung sind in der Ingenieur­3 Jahre 10. Dauer der Ausbildung teilung 2¹lz oder

tige nachdem der 1 oder der 11. Studienplan