das Vertrauen ausspricht, die wirtschaftliche Entwickelung letzten Jahre eine glänzende Rechtfertigung der vom Bunde vertretenen Politik nennt und mit Genugtuung feststellt, daß diese Kenninis sich algayrna in den weitesten Streizen Bayn brechen werde. Die Einigteit dieser Stände sei eine natio= nale Notwendigkeit. Prosessor Suchsland- Halle wandte sich gegen Professor Hans Delbrück, Chefredakteur Dertel wies den Vorwurf zurück, daß die Konservativen mit dem Zentrum zusammengingen. Nach weiteren Reden wurde die oben erwähnte Resolution angenommen und alsdann die Generalversammlung geschlossen.
Großh. Handelskammer Gießen.
In der letzten Gesamtsizung waren anwesend die Herren: Kommerzienrat Heichelheim als Vorsitzender, Kommerzienrat Grünewald als zweiter stellvertretender Vorsigender, Dürbeck, Kommerzienrat Heyligenstaedt, Hoos, Noll, Ramspeck, Röhr, Rühl, Stammler, Wallach, Zurbuch und der Syndikus.
Aus dem Bericht ist folgendes hervorzuheben: Neuerliche Klagen über die erschwerte Ausfertigung von Reise Legitimationstarten haben durch Verhandlungen mit dem Kreisamt Gießen ihre Erledigung gefunden.
Gegen die von der Zentralstelle für die Landesstatistik beabsichtigte Herausgabe eines gewerblichen Gemeinde- Leritons für Hessen hat die Handelstam mer grundsäßliche Bedenken nicht geltend zu machen. Mit dieser Angelegenheit wird sich eine Vertreterkonferenz der Hessischen Handelskammern noch zu beschäftigen haben.
Am 15. Januar d. Is. hat in Frankfurt eine Vertreter- Konferenz der Hessischen Handelskammern stattgefunden, die sich mit folgenden Fragen beschäftigte: Gemeinsame Eingabe an den ersten Ausschuß der zweiten Kammer der Landstände betr. Gesezentwurf über die Gemeindeumlagen, Bewilligung von Veredelungsverkehren, Ausschaltung des Zwischenhandels bei Vergebung von Lieferungen für den
Staat.
Der Verein der Detaillisten zu Gießen hatte an das Kreisamt Gießen als der in Betracht kommenden höheren Verwaltungsbehörde das Ersuchen gerichtet, zur Durch- führung der Bestimmungen der§§ 7 und 9 des Gesetzes gegen den uniauteren Wettbewerb eine ent= sprechende Anweisung zu erlassen.
Das Kreisamt hatte nun die Anmeldefrist für alle Fälle auf 7 Tage herabgesezt und als Termine für die Ausvertäufe den 1. Februar bis 15. März und 1. August bis 15. September mit je 4wöchiger Dauer vorgeschlagen. Zur gutachtlichen Aeußerung über diese Abänderungsvorschlage auf gefordert, erklärte die Handelstammer, daß die von dem De taillistenverein vorgeschlagenen Monate Januar und Juli die geeignetsten Termine für die Ausverkäufe seien. Auch wurde in Uebereinstimmung mit dem Detaillisten- Verein eine je 14tägige Dauer der Ausverkäufe als völlig ausreichend bezeichnet.
Schaffung eines internationalen Wechselrechts. Die auf den 13. und 14. April anberaumte Vollversammlung des deutschen Handelstages wird sich neben anderen Verhandlungsgegenständen auch mit der Frage der Schaffung eines internationalen Wechselrechts befassen. Der auf Veranlassung des Aeltesten der Kaufmannschaft zu Berlin von Kammergerichtsrat Dr. Felix Meyer ausgearbeitete Entwurf eines einheitlichen Wechselgesetzes ist nun von einer aus Sachverständigen bestehenden Sonderkommission des Deutschen Handelstages in 3tägiger Sißung in Anwesenheit von Vertretern des Reichs- Justizamis einer sehr ein gehenden Prüfung unterzogen worden. Die von dieser Sonderkommission zu dem Entwurfe gefaßten Beschlüsse finden die Zustimmung der Handelskammer.
Die bei Beantwortung der Fragebogen zum Jahresberichte von einzelnen Firmen geäußerten Wünsche verschiedentlichster Art werden auf ihre Berechtigung u. Durchführbarkeit geprüft und je nachdem ihre Weiterverfolgung bezw. Ablehnung beschlossen.
Der heutigen Nummer der Gießener Zeitung" liegt das illustrierte Blatt ,, Neue Lesehalle" bei.
Lokales.
Gießen, den 24. Februar 1910. /** Provinzial- Ausschuß. Kommenden Samstag, den 5. März, vormittags 9 Uhr, findet eine Situng des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Kiage der Ortskranten= tasse Gießen gegen die Ortstrantentasse Buzzbach wegen Unterstützung des Wilh. Becker 15. 2. Klage der Betriebstrantentasse der Domäne Marienburg gegen die Gemeindefrankenkasse La uba ch. 3. Gesuch des Konrad Dechert zu Alsfeld um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft.
** Vom Hess. Staatsschuldbuch. Die Reichsbank gewährt vom 1. Januar 1910 ab Lombarddarlehen gegen Verpfändung von Schuldbuchforderungen. Hierfür kommen auch die im hessischen Staatsschuldbuch eingetragenen Forderungen in Betracht. Nähere Auskunft erteilt das Stoatsschu.dbuchbureau in Darmstadt. Die Benutzung des Staatsschuldbuches nimmt in steigendem Maße zu und ist wesentlich erleichtert worden durch die inzwischen beschlossene Gebührenfreiheit für alle Eintragungen und die Stempelfreiheit für alle im Inland ausgestellten, für Schuldbuchzwecke benötigten amtlichen Urfunden, Beschei= nigungen und Beglaubigungen. Bei dem Staatsschuldbuchaußerhalb bureau, wie bei allen Bezirkassen können
des Großherzogtums bei allen Reichsbantanstalten Barbeträge angenommen werden, die entweder zum Ankauf von Schuldverschreibungen aller Zinsgattungen oder auch zur diretten Eintragung einer Buchschuld ohne gleichzeitigen Antauf von Schuldverschreibungen zu dienen bestimmt sind, letteres vorläufig jedoch nur für die 3½ und 4prozentigen Anleihen von 1909.
!!; Die Betriebseinnahmen der preußischhess. Staatseisenbahnen haben im Januar 1910 gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres im Personenverkehr 3,5 Millionen gleich 10,01 Prozent, im Güterverkehr 6 Millionen gleich 6,37 Prozent und einschließlich der Mehreinnahmen aus den sonstigen Quellen 9,6 Millionen gleich 6,85 Prozent mehr betragen. Die Zahl der Sonn- und Feiertage war in beiden Jahren gleich.
-g= E v. Arbeiterverein. Die Aufführung des fünfattigen Volksstückes„ Der Leiermann und sein Pflegelind" hatte sich eines außerordentlich starken Besuches zu erfreuen. Die Mitwirkenden taten ihr Bestes, so daß alles ausgezeichnet flappte und sogar einzelne Sachen geradezu vortrefflich gelangen. So versehlten denn die Leistungen auch nicht ihre Wirkung. Die Anwesenden folgten mit Interesse der Handlung und ließen sich willig mitreißen in Ernst und Scherz. Die Zwischenpausen wurden, mit Ausnahme der Restaurationspausen( in diesen wurde nur kulinarischen Genüssen gehuldigt) von einem verstärkten Streichquartett ausgefüllt und ernteten auch diese Mitwirkenden
lebhajien Beifall des mit dieser Münze nicht sparsamen Publikums.
tt Stadttheater. Auf die Benefiz- Vorstellung des Herrn Ober- Regisseur Hermann Balor am tommen den Freitag, zu der„ Klein Dorrit", Lustspiel nach einem Dickens'schen Roman gegeben wrd, sei nochmals aus drücklich hingewiesen. Das Stück ist früher einmal im Theaterverein mit Herrn Bauer von Frankfurt in der Titel- rolle gegeben worden und hatte damals starten Erfolg. Herr Batof hat dem Publikum so viele genußreiche Siunden bereitet und darf gerade feintomische Rollen wie den alten Dorrit- wir erinnern hier nur an seine glänzende
* armat, 22. Gebr. Die Aussteliung sessi scher Privat- architetten im Gewerbemuseum wurde gestern vormittag durch den Vorsitzenden, Architekten Rohr- Worms, eröffnet. Die Ausstellung gibt eine ganz vor zügliche Uebersicht über die Güte und fünstlerische Gediegengeit der modernen Bautunst. Beteiligt an der Ausstellung sind etwa 50 Architetten der fünf Orisgruppen Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach und Worms. Nach diesen Orts gruppen ist die Ausstellung auch übersichtlich geordnet. Die Ausstellung ist als Wanderausstellung gedacht, die alljähr lich in einer der fünf genannten Städte stattfinden soll.
Leiſtung im„ Dunklen Bunft zu ſeinen beſten Darbiet Dr. med. Wan be im. Um 20. Februar beging Prof.
ungen rechnen, so daß wohl sicher auf ein gutbesuchtes Haus zu rechnen ist. Eine Wiederholung der Benefizvorstellung im Abonnement ist nicht vorgesehen. Am tommenden Sonntag Nachmittag werden„ Romeo und Julia" bei fleinen Preisen, abends„ Robert und Bertram" bei gewöhnlichen Preisen gegeben.
tt Stadttheater. In der morgigen Benefizvorstellung des Herrn Oberregisseurs B af of wird die Titelrolle( Any Dorrit) von Frl. Ney gegeben werden. In anderen Hauptaufgaben sind die Damen Koch und Scholz, die Herren Mary, Goll, Norden, und in kleineren Aufgaben fast das gesamte Personal beschäftigt. Die SonntagabendAufführung von„ Robert und Bertram" verspricht eine überaus lustige zu werden, da durch verschiedene Einlagen, 3. reiche Abwechselung gesorgt ist. B. die der originellen übermütigen" Salomeparodie", für
*)(* Vogelsberger Höhenklu b. In der im Hotel Vittoria stattgehabten Vorstandssitung des Gesamtvereins waren der Ehrenvorsitzende Oberforstrat Dief= fenbach- Darmstadt und die Vertreter der Zweigvereine zu Gießen, Alsfeld, Laubach, Lauterbach, Nidda, Hoherods- topf, Schotten und Darmstadt erschienen. Es wurde zunächst die Einweihung des Bismarckturmes auf den 4. Juni fest gesetzt. Der drohende Abbruch der sehr sehenswerten Kirche zu Helpershain führte ferner zu dem Beschluß, durch Bereitstellung von Mitteln das Gebäude der Kirche zu erhalten, die zu einem Vogelsberger Heimatmuseum umgestaltet werden soll. Daß der Verein auch rege bemüht war, Anhänger zu erwerben, konnte die Gründung eines Zweigvereins in Schlitz beweisen, wovon die Versammlung am Schluß noch Kenntnis nahm.
** Am Montag bekam ein Einjähriger der 9. Kompagnie des Kaiser Wilhelm- Regiments Nr. 116, der am 1. April abgehen sollte, von seinem Hauptmann wegen Differenzen drei Tage Arrest zudiktiert. Während nun aber der Einjährige nach Hause geschickt wurde, um vor dem Antritt der Strafe noch verschiedenes zu besorgen, änderte der Hauptmann seinen Entschluß und wandelte den Arrest in ein niedrigeres Strafmaß um. Der Einjährige stellte sich aber nicht zur festgesetten Zeit ein, und eine Nachfrage zu Hause ergab, daß er auch dort nicht mehr war. Seitdem ist er verschwunden und wird von der Kompagnie gesucht, am Dienstag erst durch Umfrage in der Stadt, gestern am Mittwoch, durch die ganze Kompagnie in der Umgebung. Der Einjährige ist der Sohn eines befannten Gießener Bürgers, der natürlich auch nach dem Verbleib des Vermißten die weitgehendsten Ermittelungen anstellt.
es
*)(* In einem hiesigen Restaurationslotal wurde ein ziemlich wertvoller Ueberzieher gestohlen, doch gelang bald, den Dieb in einem Handwerksburschen festzunehmen. Die auffälligen Angaben des Bestohlenen aber, der den Ueberzieher für 80 Pfg. gekauft haben wollte, berechtigen zu der Annahme, daß hier ebenfalls ein Diebstahl vorliegt.
Aus Hessen und Nachbargebiet.
** Die Marburger Studenten wollen keine Universität Frankfurt a. M. 1500 Studenten zogen vor das Marburger Rathaus, sangen das schöne Lied" Burschen heraus" und überreichten dem Bürgermeister eine Adresse, in der Protest gegen die Errichtung einer Universität in Frantfurt a. M. eingelegt wurde. Der Bürgermeister dantte für die Treue der Studentenschaft gegen die alte Marburger Universität.
* Nidda, 23. Febr. Die Personentunnels an unserem Bahnhof sind vollendet, die Straßenunterführung konnte schon dem Betrieb übergeben werden. Der ganze Bahnhof geht der Vollendung entgegen.
* Alsfeld, 23. Febr. Die von der Eisenbahnverwaltung gepiante Erweiterung unseres Bahnhofes ist auf große Schwierigkeiten gestoßen. Die Lagerplaßbesizer for dern für den Quadratmeter 40 mt. Es wird also zur Ent eignung geschritten werden müssen. Damit ist auch der Bahnbau Alsfeld- Nieder- Aula in weitere Form gerückt. Die ebenfalls geplante neue Bahnlinie von Nieder- Aula nach Schliß wird jeßt vermessen und abgesteckt.
* Lauterbach, 23. Febr. Die Masern- u. Scharlach Erkrankungen nehmen einen bedenklichen Charakter an. Die Volksschule in Lauterbach wurde geschlossen, nachdem sie in der Nachbargemeinde Maar bereits schon vor acht Tagen geschlossen werden mußte. Auch in Angersbach, Laudenhausen und Frischborn sind Erkrankungen vorgekommen. Die Bezirksspartasse erwarb einen Bauplatz in der Bahnhofstraße, um ein eigenes Gebäude zu errichten.- Im Nachsommer wird hier eine landwirtschaftliche Ausstellung verbunden mit einem allgemeinen Volksfest stattfinden.
* Lauterbach, 23. Febr. Eine Gesellschaft ist in der Bildung begriffen, die 120 000 Mt. Kapital aufbringen und dafür 120 000 Quadratmeter Gelände der Sommer= frische Hochwaldhausen erwerben und vorläufig 3 Logierhäuser mit 15 Zimmern erbauen will.
* Büdingen. Dem Ansinnen der Regierung, ihr die entworfenen Projekte zur Ausnüßung der Wasserkräfte des Seemenbachtales zu überlassen, wurde vom Stadtvor= stand nicht stattgegeben, da die städtische Lichtfrage noch nicht geregelt ist. Die Regierung hat die Absicht, die Projekte auszuführen und bei Allenrod einen Stauweiher anzulegen.
Ein großer Wald ist bei Langenberghain abgetrieben worden. Der Abtrieb geschah im Interesse der Landwirtschaft, da man bei der Feldbereinigung feststellte, daß sich das Gelände vorzüglich zu Ackerland eignet.
Von
Haus zu Haus
wird die„ Gießener Zeitung" jest gebracht und wiederum sind von vielen Seiten uns Nachrichten zugegangen, daß Einteilung und Inhalt derselben auch die Annoncen! mit großem Interesse durchgesehen werden. Einige Inserenten bestätigten uns, daß ihre bei uns aufgegebenen Annoncen von großer Wirkung waren.
Der Verlag.
Doctor Honoris causa der philosophischen Fakultät Königsberg in Schwanheim seinen 70. Geburtstag. Er wurde in Alsfeld geboren, sein Vater war Pfarrer. Wilhelm Kobelt bezog in Gie= Ben das Gymnasium und die Universität, 1862 legte er das medizinische Staatsexamen ab. 1866 bis 1869 war er als prattischer Arzt in Biedenkopf tätig, von da ab lebte er dauernd in Schwanheim, wo er bis 1881 praktizierte. Seine außerordentlich zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen bewegen sich vorzugsweise auf dem Gebiete der Mollustenkunde, auf dem Sobelt eine der ersten Autoritäten ist. * Rüsselsheim. Hier feierte Frau Adam Opel Witwe, die Mitbegründerin der Opel- Werte, ihren 70. Geburtstag. Die Arbeiterschaft der Opelwerke ließ durch ihre Wertmeister und Beamten ihre Glückwünsche übermitteln. Der Großherzog ließ der Jubilarin seine Photographie mit eigenhändiger Widmung überreichen.
* Goddela u. In der jüngst hier stattgefundenen Versammlung von Milchproduzenten des ganzen Rieds betonte u. a. Detonomierat Fritsch, daß die Landwirte nicht den Konsumenten die Milch verteuern wollten, man wolle nur die Verdienste des Landwirtes und des Zwischenhandels in das richtige Verhältnis bringen. Nach weiteren Ausführungen des Vorsitzenden der Frankfurter Milchver= faufsvereinigung, Herrn Viehmann- Rumpenheim, wurde nach längerer Besprechung folgende Resolution angenommen: Die Versammlung erklärt unter allen Umständen auf einer Milchpreiserhöhung bestehen zu müssen, da der bisher gezahlte Preis in teinem Verhältnis zu den heutigen Produktionskosten steht.
== Frankfurt a. M., 21. Febr. Die Eingemeindungs- Vorlage betr. die Stadt Frankfurt a. M., bei der es sich um die Eingemeindung des großen Landtreises handelt, wurde im Abgeordnetenhause mit 12 gegen 9 Stimmen angenommen.
Gerichtssaal.
Staffammerr.
Gießen, 22. Februar 1910. Der in Kirtorf wohnhafte Schäfer Otto Werner aus Langd und sein in Weiboldshausen wohnender Bruder Heinrich haben bei Gettenau einem Schafhändler 18 Hämmel aus dem Pferch gestohlen. Zehn wurden an einen Gießener Meßger für 280 Mart veriauft und die andern nach Kirtorf verbracht. Otto Werner, der wegen eines gleichen Falles bestraft ist, bekam 2 Jahre Gefängnis mit fünfjährigem Ehrverlust. Sein Bruder kam mit 6 Monaten durch; jedem wurde ein Monat Untersuchungshaft angerech
net.
Als der Feldschütz Post in Büdesheim den Taglöhner Wilhelm Keiling nachts beim Entwenden von Aepfeln betroffen hatte und am andern Tag zwecks Feststellung, wie viel gestohlen worden ist, in die Wohnung des Keiling fam, bot ihm die Frau 20 Mt. an, sails er keine Anzeige erstatte. Keiling selbst beschwerte sich über den Schüßen beim Streisamt und behauptete, er steye in unlauteren Beziehungen zu verheirateten Frauen. Das Kreisamt stellte Strafantrag und Keiling fam wegen Beleidigung und seine Frau wegen Bestechung unter Anklage. Keiling erhielt 1 Monat Gefängnis und die Frau 1 Woche.
Der Hausbursche August Kaiser aus Oberthulba war in einem Gießener Institut beschäftigt. Bei seiner Entlassung betam er einen Scheck über 7 Mark Lohn, den er in 7000 umänderte und der Bank vorlegte. Er wurde zurückgewiesen und angezeigt, was Anklage wegen Urkundenfälschung und Betrugsversuchs zur Folge hatte. Er wurde zu 3 Wochen Gefängnis abzüglich 14 Tagen Untersuchungshaft verurteilt.
Die Hunde des Zuckerwarenfabrikanten Hch. Krämer in Gießen, haben nach Angabe der Nachbarn nachts geheult, weshalb er einen Strasbefehl über 8 Mart bekam, auf dessen Einspruch das Schöffengericht die Strafe auf 4 Mark festsette. Er bestritt, daß dieses seine Hunde ge= wesen sind und legte Berufung ein. Das Urteil wurde aber bestätigt, da die Zeugen bei ihren früheren Behaupt ungen blieben.
Der Bäcker Karl Dieß aus Eichelsdorf hat in Langgöns gebettelt. Das Schöffengericht diktierte ihm neben 3 Wochen Haft das Arbeitshaus zu. Auf seine Berusung wurde kein Gewicht gelegt, da alle Voraussetzungen zur Ueberweisung vorliegen und das Urteil bestätigten.
Aus aller Welt.
-h Bonn a. Rih. Der Senat der Universität Bonn hat einstimmig beschlossen, die im November v. Js. verhängte Suspension des Korps Borussia am 28. Fe bruar auszuheben.
-h Stuttgart, 22. Febr. Der hier abgehaltene außerordentliche Parteitag der deutschen Volkspartei war aus Württemberg, Baden, Bayern und Frankfurt a. M. zahlreich beschickt. Der Parteitag beschloß mit allen gegen Die 6 Stimmen, den Beitritt zu der vereinigten Linken. sechs ablehnenden Stimmen waren hauptsächlich Bayern unter Führung von Dr. Quidde. Zum ersten Vorsitzenden des Zentral- Ausschusses der neuen Partei soll der Landtags= abgeordnete Funk Frankfurt a. M. gewählt werden, zum stellvertretenden Vorsitzenden der Abg. Payer. Die konstituierende Versammlung der neuen Partei soll am 6. März in Berlin abgehalten werden. Am Schluß der Tagung wurde noch eine Resolution angenommen, in welcher den norddeutschen Parteigenossen die Sympathie und Unterstützung im Wahlrechtskampf in Aussicht gestellt wird und in welcher gegen die Aeußerung des Reichskanzlers über das Reichstagswahlrecht scharf protestiert wird.
== Hamburg, 23. Febr. Der frühere Reichstags= abgeordnete Schack ist schon seit Ende der vorigen Woche in die Frrenanstalt Friedrichsberg und zwar als Pensionär eingezogen. Die Sache wird in Hamburg sehr geheim gehalten. Mit der Pflege des früheren Abgeordneten ist ein durchaus zuverlässiger und verschwiegener Beamter betraut
worden.
h Posen, 23. Febr. Major Weidtmann, der Kommandeur des 3. Bataillons des Infanterie- Regiments Nr. 37 in Krotoschin und Leutnant Seiffert, der Adjutant des 3. Bataillons werden als Instruktions- Offiziere in die türVische Armee eintreten. Major Weidtmann soll die Führung eines Regimentes in Saloniti übernehmen.
h- Berlin, 23. Febr. zum Nachfolger an Stelle des Grafen von Tattenbach als deutscher Botschafter in Madrid ist der Gesandte in Lissabon, Prinz Max zu Ratibor und Corvey ausersehen.
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