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3ur Verlobung des Prinzen Napoleon.

Nun wird also auch die dritte Tochter des Königs Leopold II. der Belgier einen Liebesbund schließen, von dem ihr Vater nichts wissen wollte. Die Prinzessin Kle­mentine wird die Gemahlin des Prinzen Viktor Napo­de leon, des Oberhauptes der Familie Imperiale France". Die Nachricht ruft mancherlei Ueberraschung her­vor und besißt ohne Zweifel, allen Ableugungen zum Troße, auch eine gewisse politische Bedeutung. Die Ueber­raschung besteht darin, daß man erstens einmal diesen Herzensroman für längst abgetan hielt, ist doch die Prin­zessin Klementine 37 und der Prinz Viktor Napoleon, der sich übrigens nur ,, Napoleon" nennt, 47 Jahre alt. Beide find also über die Tage holder Jugendtorheit längst hin­aus. Und dann ist es fein Geheimnis, daß der Prinz Na­poleon Trost in dem weder vom Staate noch von der Kirche anerkannten Zusammenleben mit einer jungen Dame ge­funden hatte, die früher dem Ballett angehört haben soll. Was nun die politische Seite anbetrifft, so wird zwar be­reits von Brüssel aus verbreitet, die Prinzessin Klementine interessiere sich für das Prätendententum ihres zukünf­tigen Gatten in feiner Weise, ja sie werde ihn sogar ver­anlassen, in Bukunft noch weniger als bisher von seiner Prätendentenrolle Gebrauch zu machen. Man darf aber nicht vergessen, daß die Familie Bonaparte ihrem Aus­sterben entgegenzugehen schien und man bisher annehmen tonnte, daß es eine Generation nach uns in Frankreich feine Bonapartisten mehr geben würde, weil dann kein Bonaparte mehr vorhanden wäre. In der sogenannten kaiserlichen Linie, die gegenwärtig aus der Erfaiserin Eugenie und dem Prinzen Napoleon, seinem Bruder, dem Prinzen Louis, seiner Schwester, der verwitweten Herzogin Laetitia von Aosta, und seiner Mutter, der Prinzessin Clo­thilde, geborenenen Prinzessin von Italien, besteht, schwand Die Hoffnung auf einen Nachwuchs von Jahr zu Jahr, da beide Brinzen ledig blieben. Und in der jüngeren, von Lucien Bonaparte abstammenden Linie ist der Prinz Roland Bonaparte, der Vater der Prinzessin Marie von Griechen­land, der einzige und der letzte Mann. Wenn also aus der Che des Prinzen Napoleon und der Prinzessin Klementine von Belgien ein Sohn hervorgeht, ist zunächst die Zukunft des Bonapartismus gesichert, und die französische Repu­blik wird dann, aller Wahrscheinlichkeit nach, früher oder später mit einem neuen Aufleben der napoleonischen Idee zu rechnen haben, die, namentlich im französischen Heere und unter der Landbevölkerung, viel mehr Anhänger be­sibt, als man im allgemeinen zu glauben geneigt ist.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Die Budgetkommission des Reichstages erörterte bei der Beratung des Etats für Deutsch- Südwestafrifa die Frage ber Selbstverwaltung und des Besteuerungsrechts der Ge­meinden in der Kolonie, wobei alle Redner der Auffassung des Staatssekretärs Dernburg über die Selbstverwaltung und deren Vorbereitung zustimmten. Es wurde ein Ben­trumsantrag angenommen, wonach unverzüglich Anordnun= gen getroffen werden sollen, durch die den Gemeinden in Deutsch- Südwestafrika genügend Land auch für ihre zu= fünftige Entwicklung vorbehalten bleibt, ferner soll ein Kommunalsteuergeset erlassen werden über die Grundsätze, nach denen von den Gemeinden der Kolonie die Asgaben 31 erheben find. Am Dienstag werden die Verhandlungen fortgesetzt.

Majestätsbeleidigungen. In den letzten zehn Jahren haben, so schreibt die N. G. C.", sich die Verurteilungen wegen Majestätsbeleidigung erheblich verringert. Von über 400 im Jahre 1899 ist die Zahl auf 120 im Jahre 1907 herab­gegangen. Das Gesetz vom 17. Februar 1908 hat sodann den Erfolg gehabt, daß im Jahre 1908, wie jetzt feststeht, nur 39 Fälle zur Verurteilung gelangt sind. Das beträgt noch nicht ganz eine Person auf eine Million strafmündige Personen ber Zivilbevölkerung.

Eine plumpe Erfindung. Wieder einmal liegt ein Ver­such vor, die deutsch- französischen Beziehungen durch Ver­breitung einer unwahren Meldung zu trüben. Die Pariser Zeitung Gil Blas meldet, daß Fallieres durch den Bot­schafter Cambon ein Schreiben an Kaiser Wilhelm gelangen ließ, in dem der französische Staatschef die Ursache seines Fernbleibens von der Einweihung des ozeanographischen Museums in Monaco darlegt. Das Schreiben set, so erfährt das Blatt in den liebenswürdigsten Ausdrücken abgefaßt. Von der Berliner französischen Botschaft wird der L.- Anz. ermächtigt, zu erklären, daß ein Schreiben des Präsidenten der französischen Republik an den Deutschen Kaiser nicht ab­geschickt worden ist, und daß somit die ganze Meldung des Parifer Blattes auf Erfindung beruht.

Die

Die Zeppelinschen Luftschiffe und die Marine. Württembergische Automobil- und Luftschiffahrt- Korrespon­denz meldet: Am Freitag ist der Marineschiffsbaumeister Pizzaer in Friedrichshafen eingetroffen. Er will betnt Luft­schiffbaut Zeppelin" Studien über die Konstruktion des star­ren Systems machen, und zwar im Hinblick auf die künftige Verwendung Zeppelinscher Luftschiffe für die kaiserliche Marine. Bitger fommt im Auftrage des Reichsmarineamts.

18)

Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M. Kossat.

( Nachdruck verboten.) ,, Aus einem Monokel kann es nicht stammen?" erfun­bigte sich der Detektiv, der an Welshofen dachte, welcher ein Monofel getragen.

,, Ausgeschlossen, mein geehrter Herr, gänzlich ausge schlossen. Ein Monokel ist nie so schmal; aus der leicht ab­geriebenen Stelle hier" dabei wies er auf einen be­stimmten Punkt auf dem Rande des Glases, an der sich eine kaum wahrnehmbare Abplattung bemerklich machte erkennt man deutlich in welcher Art es gefaßt gewesen ist. Eine solche Fassung ist nur für ein doppeltes Augen­glas üblich."

,, Warum ist das Glas aber nicht ringsum am Rande abgerieben?" inquirierte der Detektiv. Die metallene Fassung, muß überall die gleiche Reibung hervorrufen

,, Nein, der Kneifer, aus dem das Glas herausgefallen ist, war eben nicht ringsum in Metall gefaßt. Es war ein Kneifer mit ungefaßten Gläsern, die nur auf der In­nenseite durch kurze Schienen verbunden waren, welche dazu dienten, ihn auf der Nase festzuhalten. Nie hat dies Glas einen Rahmen gehabt."

Sat es einen besonderen Zweck, einen derartigen un­gefaßten Kneifer zu tragen?"

,, Aber keineswegs, verehrter Herr. Viele Versonen be­vorzugen ihn aus Giteffeit, weil er weniger auffällt. Sie meinen, daß es sie nicht kleidet, wenn jedes Auge aus einem Metallrand vorschaut. Diese ungefaßten neifer sind übrigens durchaus nichts Seltenes und gegenwärtig direkt in der Mode, Sie können sie allenthalben schen. Leute mit guten Augen, welche den Kneifer im Grunde nur tragen um interessanter zu erscheinen, benußen sie selbst­verständlich nie-"

Desto mehr aber solche, deren Augen sehr schwach find," fiel Brümmel ein. Denn einen körperlichen Defekt mag am Ende jeder möglichst verbergen, auch wenn er an sich nicht entstellend ist. Es liegt das in der mensch­Tichen Natur begründet und man tönnte demnach aus der Vorliebe für ungefaßte Gläser allein schon darauf schließen,

Die badische Regterung hat den Gedanken, eine eigene Klassenlotterie einzuführen, aufgegeben. Mit Rücksicht auf die Kleinheit des Landes wäre eine solche Loterte nicht ein­träglich genug. Dagegen soll die Frage eines Anschlusses an die Preußische Klaffenlotterte in nächster Zett erwogen werden; der finanzielle Ertrag einer solchen Gemeinschaft wird auf etwa 500 000 M geschäßt.

Eine internationale Friedensfeier in Bad Ems abzu­halten, hatte ein bekannter Emser Arzt, der im Winter in Nizza praktiziert, vorgeschlagen. Stadt und Kurverwaltung glaubten, daß sich eine Feier in solch großem Rahmen nicht ermöglichen lasse, baten aber den Regierungspräsidenten, die Abhaltung eines Kongresses des Deutsch- französischen Annäherungskomitees in Ems zu vermitteln. Sie erboten fich, hierzu einen Kostenbeitrag von 15 000 M zu leisten. In der Stadtverordnetensißung in Ems wurde nun der ab­lehnende Bescheid des Regierungspräsidenten bekannt ge­geben. Er verspreche sich keinen Erfolg von einem Schritte, Ems als Ausgangspunkt für eine deutsch- französische An­näherung in Aussicht zu nehmen.

Dentiche Lehrkräfte für eine japanische Waffenfabrika­tionsschule. Die japanische Heeresverwaltung beabsichtigt, nach einer der N. G. C." zugehenden Meldung, eine Waf­fenfabrikations- und Konstruktionsschule nach deutschem Muster zu errichten. Die für die japanischen Truppen her­gestellten Waffen waren bisher vielfach nach veralteten Modellen gearbeitet, da es den Fabrikanten an genauer Kenntnis der modernen Errungenschaften und Fortschritte auf diesem Gebiete fehlte. Dem soll diese Schule nunmehr abhelfen. Als Lehrkräfte wird die japanische Heeresver­waltung sich bemühen, deutsche Offiziere und Ingenieure zu gewinnen.

Zum Kampf gegen den Alkohol. Der deutsche Verein gegen den Mißbrauch alkoholischer Getränke hat an den Reichstag die Bitte gerichtet, den Krankenkassen die Er­mächtigung zu einer aufflärenden und vorbeugenden Tä­tigkeit hinsichtlich der Wirkungen des Alkoholmißbrauches zu erteilen, sämtliche Versicherungsträger zu verpflichten, dte Renten oder Krankengelder von Trinfern durch Let­stung von Gegenständen des Lebensbedarfs zu ersetzen oder sie an Ehegatten oder eine andere geeignete Person zu zahlen.

Verjüngung des österreichischen Offizierkorps. Eine Anzahl der ältesten Generale hat ein Schreiben erhalten, worin dargelegt wird es set allerhöchster Wunsch, auch die oberen Chargen der Generale zu verjüngen. Allerdings foll es den alten Offizieren überlassen bleiben, den Zeit­Es soll in unkt ihres Rücktritts selber zu bestimmen. Desterreich Grundsatz werden, daß die höheren Offiziere nicht länger als 40 Diensttahre auf ihrem Posten bleiben.

Viktor Emanuel, gegen die Dreadnoughts. Ein römisches Blatt veröffentlicht eine Information, aus welcher hervor­geht, daß König Viktor Emanuel ein entschlossener Gegner übertriebener Rüstungen ist. Das Blatt behauptet, daß während der Flottenmanöver der König auf die finanziellen Folgen hingewiesen habe, welche durch die Ausgaben für die Typs der Dreadnoughts verursacht werden. Der König drückte den Wunsch aus, es möge eine internationale Kon­ferenz einberufen werden, um die Dimensionen der Schlacht­schiffe zu beschränken.

Weitere Erfolge der Konservativen in England. Nach dem Ergebnis der gestrigen Parlamentswahlen in England stellt sich der augenblickliche Besitzstand der Parteten so, daß die Unionisten 163 Mandate zählen, die Liberalen 137, die Arbeiterpartet 29 und die Irländer 53. Die konservative Presse triumphiert über die letten Wahlresultate, die ent­schieden zuungunsten der liberalen Partei lauten. Die Ge­samtresultate der Wahlen ergaben bis gestern morgen 219 Sitze für die Regierungsparteien und 163 für die Oppost­tion, somit erst eine Anttschutzoll- Mehrheit von 56. Jm Jahre der liberalen Hochflut 1906 verteilten sich dieselben Site wie folgt: Regierungspartelen 280, Unionisten 101. Somit haben die Regierungsparteten bereits 61 Sitze ver­loren.

Vom Prinzen Georg. Der serbische Ministerrat, der fich, wie gemeldet, am Donnerstag tit den jüngsten Affären des Prinzen Georg befaßt hat, beschloß nach längerer er­regter Debatte, vom König zu verlangen, daß der Prinz aller Rechte als Mitalied des königlichen Hauses verlustig erklärt werde, da dies die einzige Möglichkeit set, ihn un­schädlich zu machen. Anscheinend hat der Ministerrat beim König feinen Erfolg gehabt, denn eine spätere Meldung be= sagt: Nach längerem Widerstreben hat König Peter in die strafweise Versetzung des Prinzen Georg in eine kleine Garnison eingewilligt, wo er zum Truppendienst herange= zogen wird.

Kleine Nachrichten.

Reiche Spende. Ein Münchener Bürger, der ungenannt bleiben will, hat den bürgerlichen Kollegien zur Erbauung eines Bürgerheims 500 000 M zur Verfügung und noch einen gleichen Betrag in Aussicht gestellt. Die Stadtge= meinde hat bereits ein Grundstück in der Nähe des Schlosses Nymphenburg abgetreten.

Die Suspendierung eines weiteren Korps in Boun. Das Korps Palatia" in Bonn ist für dieses und das Sommersemester suspendiert worden wegen Ausschreitun= gen, die nach einem Bierfest am 4. Dezember begangen

daß ihr Besitzer nicht nur sehr kurzsichtige, sondern auch sehr schlechte Augen an und für sich hat."

,, Sehr fein bemerkt, mein Herr", stimmte der Laden­besizer zu. Sie haben Menschenkenntnis, mein verehrter Herr."

,, Gewährt dies Augenglas keinen Anhaltspunkt dar­über, wo es gekauft ist?" fragte Brümmel. Der Optiker überlegte.

,, Hm, es war ein sogenanter orthozentrischer Kneifer, das heißt ein solcher mit elastischen Schienen. Unſereins erkennt das aus verschiedenen Anzeichen, unter anderem daraus, daß die Schienen sehr wenig über das Glas ge­griffen haben. Weil die Nasenbrücke elastisch ist, braucht sie nicht so fest am Glase zu sitzen sie hält infolge ihrer Dehnbarkeit leichter. Das heißt, so urteilt man im allgemeinen, denn in Wahrheit fallen die Gläser, wie ja auch dies Beispiel lehrt, meist aus den Schienen. Ich halte nicht viel von orthozentrischen Kneifern, denen man auch nachrühmt, daß sie die Augen schonen sollen, weil sie angeblich nicht unter den Gläsern vorbeischielen können. Sie siben ich wiederhole immer, so sagt man stets richtig, so daß das Auge in natürlicher Stellung hin­durchsehen kann. Alles Theorie, Verehrtester, Theorie! Graui st alle Theorie und grün des Lebens goldener Baum, wie schon Altmeister Goethe so schön sagt. Die orthozentrischen Gläser haben nur ihrem Erfinder genüßt sonst niemand."

Das meinſt Du natürlich, weil Du sie nicht vor­rätig hast mein Lieber," sagte sich Brümmel im stillen.. Laut aber sagte er: Also nochmals, Herr Werkenthien haben Sie keine Vermutung, wo der betreffende Knei­fer gekauft sein könnte? Wer führt hier orthozentrische Gläser?"

Je nun, Sekules in der Kärtnerstraße gewiß. Wahr­scheinlich auch Riedner in der Mariehilferstraße und Gru­ber an der Freiung. Ich habe sie natürlich auch ge­führt, aber da sie gar keinen Anklang sanden, schaffte ich sie ab. Uebrigens was mir einfällt kann der Knet­fer auch aus der Habsburgerstraße sein von Imbusch der hält lauter französische Fabrikate."

,, Woraus schließen Sie, daß dies französisches Fabrikat ist? forschte der Detektiv aespannt.

wurden. Es handelte sich damals um die Gefährdung eines Eisenbahntransportes.

Der Titel Frau. Der Verein katholischer Lehrerinnen in München hat sich eine Forderung der Frauenrechtle­rinnen angeeignet und auf dem Instanzenweg fiber die geistliche Lokalschulinspektion an die Regierung und die Krone die Bitte gestellt, den Lehrerinnen die Führung des Titels Frau zu gestatten.

Cook doch in Deutschland? Der Polarforscher Dr. Cook soll von Heidelberg am Donnerstag in Baden- Baden zu längerem Aufenthalt eingetroffen sein. Soeben hieß es noch, daß Cook in einem Sanatorium in der Nähe Heidelbergs, wo er sein sollte, nicht zu finden set.

Museumsdiebstahl. Im Berliner Kunstgewerbemuseum ist wieder einmal ein Diebstahl ausgeführt worden, und zwar wurde ein Bronzerelief gestohlen, das Friedrich den Großen zu Pferde darstellt. Es ist von Schadow modelliert, 39 Zentimeter hoch, 30 Zentimeter breit und seitlich mit vergoldetem Kupfer gefaßt.

Relegierte Abiturienten. Am Gymnasium in Gnesen diangen kürzlich, wie berichtet, drei Abiturienten in das Zimmer des Direktors ein, um sich in den Besitz der vom Provinzialschulkollegium eingegangenen Prüfungsthemata zu setzen. Sie wurden bei dem Betrugsversuch ertappt und sind jetzt relegiert worden. Die Gemaßregelten sind Polen und haben, wie die Untersuchung ergeben hat, ihren Plan von langer Hand vorbereitet.

Niederkunst am silbernen Hochzeitstage. Im Dorfe Lepince an der polnisch- ungarischen Grenze feierte das Ehe­vaar Stelna die filberne Hochzeit. Während des Festmahles fühlte sich die Frau unwohl, aber ehe noch ein Arzt er­schien, schenkte sie einem gefunden Mädchen das Leben.

Die schwarzen Bocken in Dänemark. In Odense sind die schwarzen Bocken ausgebrochen. Die Seuche hat bereits eine so große Ausbreitung gewonnen. daß fie den Charakter einer Epidemie anzunehmen scheint Alle Theater. Varietees und Vergnügungslokale find geschlossen. Der Schulunter­richt ist eingestellt. Alle öffentlichen Verfammlungen und Gottesdienste sind verboten.

Die Apachenseuche in Frankreich. In Poitiers wurde ein Bürger ohne irgendwelche Veranlassung von dem Sol­daten Fournier des dritten Kolonialregiments in Rochefort auf offener Straße angefallen und mit einem amerikanischen Borinstrument schwer mißhandelt. Der Angreifer wurde festgenommen. Er gab aut, sein Opfer aus bloßem Ver­gnügen malträtiert zu haben.

77issenschaft, Runst und Citoratut.

Bom neuen Kometen. Aus Wilhelmshaven wird ges meldet, daß der vor kurzem in Südafrika neuentdeckte Komet am Donnerstag abend zwischen 5 und 6 Uhr am südwest­lichen Abendhimmel mit dem bloßen Auge ganz deutlich beobachtet worden ist. Er stand ziemlich tief am Horizont, links von dem Lichtpunkt, bei dem die Sonne untergeht. Die Länge des Schweifs beträgt 5 bis 6 Grad. Auch im südlichen Frankreich ist der Komet nach einer Meldung aus Marseille als hellstrahlender Stern kurz vor Sonnenunter­gang gesehen worden. Er stand sehr tief am Horizont und war etwa zehn Minuten mit bloßem Auge sichtbar. Nach einer Aeußerung des Direktors der Treptower Sternwarte Dr. Archenhold handelt es sich in der Tat um einen ganz neuen Kometen. Daß der Himmels­törper so plötzlich am Firmament aufgetaucht sei, ohne daß man vorher die geringste Ahnung davon gehabt hätte, sei nicht verwunderlich. Bei den Kometen sei das sogar meist der Fall. Die periodischen Kometen, zu denen der Hal­lehsche Komet gehört, bildeten die Ausnahme; diese hätte man stets vorher erwartet, da man ihre Bahn und ihre Umlaufszeit annähernd habe berechnen können. Die mei sten Kometen laufen aber in einer parabolischen Bahn, kommen nur einmal in die Nähe der Sonne und ver­schwinden dann wieder in das Weltall, um nie wieder zurückzukehren.

Aus den Gerichtssälen.

Fahrlässige Tötung. Das Landgericht in Altona ver­urteilte gestern den Chauffeur Linke, der am 25. September durch zu schnelles Fahren ein achtzehnjähriges Fräulein ge­tötet hatte, wegen fahrlässiger Tötung zu drei Monaten Gefängnis.

Noch ein gerichtliches Nachspiel zum Mansfelder Streik. Dieser Tage standen wiederum 13 Personen, unter ihnen zwei Frauen, wegen Nötigung, Beleidigung, Drohung, Wi­derstands, Gewalttätigkeiten usw, bet Gelegenheit des Mans­felder Bergarbeiterstreits vor der Strafkammer zu Eis­leben. Ein Arbeiter, der einen Leutnant dummer Offizier" und einen Füsilier dreckiger Hammel" tituliert sowie bei seiner Festnahme heftigen Widerstand geleistet hatte, wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Andere Arbeiter erhielten vier und drei Monate, fünf Tage Gefängnis und Geldstrafen. Die Sache zweier Angeklagten wurde dem Schwurgericht überwiesen. Die beiden Frauen wurden frei­gesprochen, trotzdem einer der als Zeugen vernommenen Gendarmen aussagte, die Weiber seien die schlimmsten ge­weſent.

,, Aber ich bitte Sie, das sieht unsereiner ja auf den ersten Blick. Das Glas"- Herr Werkenthien betrachtete es durch die Lupe ist in den Zeiß- Werken in Jena fabriziert, hier in dieser Ecke befindet sich der Fabrikstempel, natürlich ist es nur durch das Vergrößerungsglas be­merkbar, aber für den Sachkundigen immerhin heraus­zufinden. Gerade dieses Glas in dieser Härte lassen sich die französischen Optiker ausnahmslos in Jena fabrizieren, da man sich bis jetzt nirgendwo anders auf seine Her­stellung versteht es ist Geheimnis der Schottschen Glas­werke, die mit den Zeiß- Werken in engster Verbindung stehen. In Frankreich wird das Glas dann noch geschliffen und weiter verarbeitet. Sie können mir glauben, bester Herr, daß die Sache sich so verhält," schloß der Optiker in überredendem Ton, gleich als ob Brümmel ihm wider­sprochen hätte.

Der Detektiv notierte sich die Namen der von Herrn Werkenthien genannten Optiker und entfernte sich mit höf lichem Dank für die erhaltenen freundlichen Auskünfte. Der Optiker aber schüttelte, allein geblieben, verwundert den Kopf über diesen seltsamen Menschen, der durchaus wissen wollte, was für Besonderheiten ein Augenglas be­saß, das aus einer Fassung gefallen war und woher das­felbe stamnite.

,, Wie ihn das nur interessieren kann!" dachte er. Brümmels Urteil über Herrn Werfenthien war noch weniger schmeichelhaft. Der Mann mochte sehr tüchtig in seinem Fach sein, aber Kombinationsgabe und Scharfsinn besaß er nicht, denn sonst hätte er seine, Brümmels, Fra­gen von Anfang an mehr in ihrem Zusammenhange er­faßt, statt sich auf jeden einzelnen Punkt mit der Nase stoßen zu lassen.

Er lenkte nun seine Schritte nach der Habsburgerstraße zum Jumbischschen Laden. Unterwegs trat er noch in eine Trafik ein, fieß sich hier das Adreßbuch geben und schlug den Namen Rochus" nach. Es gab verschiedene Leute, die so hießen, aber ein Kunst- oder Antiquitätenhändler war nicht darunter natürlich nicht.

( Fortsetzung folat.)

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