Einzelbild herunterladen

и д

laus uaq uoLG

goou qu

and the sa

gun

que&

916 чаро фри лә эзләүизион Билбилни

3

Ein schlanker Junge kaufte allerhand gute und nützliche Sachen auf: Mehl, Schwarzbrot, Kaffee, Kakao und zuletzt sogar ein Täfelchen billiger Schokolade, reichlichst mit Haselnußkernen gespickt.

-

Wie ein Blitz durchfuhr es sie... Das ist trot der Knabenkleidung- die Stimme der kleinen Mary. Nur muß ich ihre Augen noch sehen

Und auch ihre Augen waren es!

Kein Zweifel, sie hatte das scheue Kind gefunden. Was aber sollte die seltsame Verkleidung bedeuten? Einen Augenblick überlegte sie, ob sie das Mariechen am Arme packen und bei Namen nennen sollte.

Aber sie verwarf es sofort wieder.

Wie leicht konnte sich ihr das flinke, verängstigte Kind entreißen und wieder in den Strom der Menge urteilen! untertauchend sie zu erneutem rastlosen Suchen ver­

Unauffällig schlich sie ihr daher nach, zahllose Straßen überquerend, zuweilen laufend und springend, um die Leichtfüßige nicht aus den Augen zu verlieren. Endlich machte das Mariechen vor einem kleinen, unscheinbaren Laden halt, der als Inhaber den Schneidermeister Stichling" benannte. Nachdem die Kleine im Innern verschwunden war, wartete sie draußen eine reichliche Stunde.

Aber das Mariechen blieb unsichtbar.

Da gelangte die kluge Amerikanerin zu der Ueber­zeugung, daß das kleine Laufmädchen vielleicht in der Werkstatt des Meisters untergekrochen sei und ihm mit Nadel und Schere tatkräftig zur Seite stehe.

Diese Nacht wandte Miß Howfield nicht zum Schlafen an. Unablässig arbeiteten ihre Gedanken. Nicht dem Detektiv, dessen Interesse erkaltet war, wollte sie die neue Entdeckung mitteilen... sondern dem Professor Kruppling davon erzählen.

Ein deutsches Mädchen hätte vielleicht arge Bedenken getragen, dies zu tun. Allein sie war so völlig beherrscht von dem Glauben an sein klares Raten, daß daneben ein persönlicher Gedanke gar nicht Raum gewann.

Gegen zehn Uhr am Morgen des nächsten Tages stand sie in dem Flur des Hauses, das ihm neben vielen andern ein Heim bescherte.

Es war ein altes, solide gebautes Haus, das noch nichts von dem modernen Eingange für Dienstboten" wußte. Die Tür zum Durchgang nach dem Hof ſtand offen und ließ eine Schar munter spielender Kinder sehen, aus deren Mitte sich ein Knabe löste und mit stolzen Schritten auf sie zukam.

Er trug einen zerrissenen bunten Schal über der rechten Schulter, an der Seite ein langes Lineal als Schwert und auf dem blonden Kopf seine eigene alte Mütze, von der zerknickt beschmutzt ein langer wehender Schmuck herabhing, bei dessen Anblick Miß Howfield einen leichten Schrei nicht unterdrücken konnte. Im nächsten Augenblick hatte sie dem erschrockenen Knaben die Zeichen seiner Würde heruntergerissen und starrte darauf nieder, bis ihre Augen brannten.

Woher hast du dies?" fragte sie endlich und tippte auf den wie traurig wehenden Schmuck.

Seine anfängliche Erstarrung war einem echten, wilden Jugendtrotz gewichen." Gefunden", sagte er pazzig und wollte ihn ihr entreißen. Sie aber hielt fest und schlug einen Ton freundlicher Bitte an.

" Ich will es dir auch nicht fortnehmen. Nur er­zählen sollst du mir, woher du es hast, und zur Be­Sage an, wo hast du dieses gefunden!" lohnung werde ich dir eine große Düte Kandy kaufen.

Die Aussicht auf süßen Lohn stimmte ihn friedlicher. Stimmchen klangen wichtig durcheinander: Die andern Kinder drängten sich neugierig hinzu. Die

geschmissen." " Die Krupplingsch hat et heite morgen aus det Fenster

" Wer ist das", fragte Miß Howfield, diesmal ihren sonst so scharfen Ohren nicht vertrauend.

" Da wohnt sie," sagte eine Sechsjährige und deutete mit der Hand, die noch deutliche Sirupspuren trug,

die nächste Treppe empor. Sie kocht dem Professor." ,, Ah.. die Haushälterin, und die hat dies wirklich fortgeworfen?"

" Wahrhaftig", sagte die Kleine mit drolligem Ernst, mich grad auf den Kopp, Fräulein!"

Da zog sie die silbergewirkte Börse aus der Tasche und reichte jedem der Kinder einen Nickel hin.

" Dafür kauft euch etwas recht Schönes, und du, kleiner König," hier wandte sie sich zu dem, der den Schmuck getragen, überläßt mir dies gegen ein Silber­stück, das deine Mutter dir in eine Sparbüchse tut!" Nun fand er nichts mehr gegen seine Beraubung einzuwenden.

Schon eilte sie die Treppe empor, riß an der Klingel, stürmte an der alten erschrockenen Person, die ihr geöffnet, vorüber, auf den Professor zu, der, zum Ausgehen bereit, im Hintergrund des Korridors stand.

Was soll ich jetzt tun, Herr Professor?" rief sie ihm entgegen." Sehen Sie her, dies sind die traurigen Reste meiner beiden kostbaren Federn, die auf jenem großen weißen Fälbelhut der kleinen Mary übergeben wurden!"

Der Professor konnte wiederum ein leises Befremden nicht unterdrücken.

Und wo haben Sie dieselben gefunden?"

,, Auf dem Kopfe eines Kindes, das in Ihrem Haus­flur mit den Genossen spielte. Und Ihre Wirtschafterin hat sie heute morgen zum Küchenfenster hinaus auf den Hof geworfen."

Der Professor machte eine Bewegung mit den Händen zu seiner Stirn hin.

" Frau Schmidtchens, bitte, erklären Sie mir das!" Aber die Brave verspürte nicht die geringste Neigung dazu. Sie verhüllte das Gesicht mit der Schürze, lief in die Küche und drehte den innensteckenden Schlüssel zweimal herum. Kein Bitten zwang sie zum Deffnen.

Da erzählte Miß Howfield dem Professor auch noch von ihrer zweiten Entdeckung.

,, Am besten ist es, ich begleite Sie jetzt sofort zu dem Schneidermeister Stichling. Unterwegs werde ich ein Telegramm aufgeben, daß ich erst in einigen Stunden in meiner Klinik erscheinen kann."

Sie sah ihn dankerfüllt an und schritt stumm und erregt neben ihm dahin.

... Der Professor erstand bei dem Schneidermeister, der sich als freundlicher Greis erwies, eine bequeme Hausjoppe und fragte danach, ob er nicht einen dienst­baren Geist im Hause habe, der sie ihm sogleich über­bringen könnte. Der Alte lächelte schlau.

" Der ist schon vorhanden. Aber augenblicklich kocht er uns die Morgengrüßze."

Die beiden wechselten einen bedeutsamen Blick mit­einander.

" Ein Junge und kochen," meinte der Professor un­gläubig, das gibt es doch nicht." Nun geriet der Meister ins Prahlen.

Meinen Sie det wirklich? Ich sage Ihnen, der Bengel kann noch ville mehr. Klöße macht der Ihnen Klöße, sag ik bloß" Und seine Augen nahmen den Ausdruck heller Verzückung an.

,, Sie machen uns wirklich neugierig. Wie wäre es, wenn Sie an seiner Stelle jetzt ein wenig die Grütze rührten und ihn uns zur Besichtigung herschickten?" Der Meister lachte gutlaunig, weil er die alte Joppe für ein hübsches Stück Geld losgeschlagen hatte, und schlurfte willfährig hinaus.

Wenige Augenblicke später stand ein schlanker, braunäugiger Junge vor ihnen. Jetzt war kein zaudern und Ueberlegen mehr in Miß Howfields Seele. Die Gegenwart des Professors stärkte ihren Mut und ihre Besonnenheit.

-

" Mary", sagte sie leise, liebe, kleine dumme Mary, was machen Sie nur? Wozu diese Verkleidung?- Ihre arme Mutter grämt sich Tag und Nacht um Ihr Verschwinden. Ihr kleiner Bruder welkt sichtlich dahin,

Der verlorene Hut.

Von Käte Lubowski.

rofessor Kruppling hat Sie geheilt?"

und

( Schlußz.)

" Vollständig. Er festigte meinen Willen mein Vertrauen in meine eigene zu­sammengebrochene Kraft, daß ich unter seinen Augen allmählich wieder zu einem Geschöpfe mit aufrechtem Charakter wurde. Sein Einfluß auf mich ist bis zum heutigen Tag ein so gewaltiger geblieben, daß ich mich in erster Linie um seinetwillen schäme, würde ich auch nur der leisesten Anwandlung der früheren Schwächen nachgeben."

Aus Miß Howfields Augen leuchtete eine neue Hoffnung.

,, Er verachtet also solche Kranken nicht?" " Keineswegs. Aber er zeigt ihnen rücksichtslos die zur Heilung macht." Folgen ihres schlafenden Wollens, ehe er einen Versuch

Wenn nun aber bereits jemand unter diesen Folgen helfen?" zusammengebrochen wäre, kann er auch dann noch

Darauf vermochte die Holländerin keine befriedigende Antwort zu geben.

Begleiten Sie mich heute abend doch zu ihm! Dann werden Sie am sichersten über alles unterrichtet."

Und dazu entschloß sich Miß Howfield dann auch nach kurzem Zögern.

Es war eine lehrreich und beruhigend wirkende Stunde für Miß Howfield. Aus Professor Krupplings Sonorer Stimme klang so viel echte Menschenliebe, daß sie am Schluß des Vortrages zur Ausführung brachte, was lange in ihr nach einer Antwort gesucht hatte. Er mußte ihr in der dunkeln Angelegenheit, die sie so ganz aus dem Gleichgewicht geschleudert hatte, einen Rat er teilen.

Den Bekannten aus der Pension, mit denen sie ge­meinsam hierher gekommen, sprach sie in der Garderobe von einem unaufschiebbaren Besorgungsgang, den sie noch heute erledigen müsse. Niemand quälte sie mit einer unbequemen Frage. Nur die Holländerin meinte mit einem verständnisvollen Neigen des Kopfes: Sie müssen allein sein, um die Fülle des Neuen zu über­denken. Ich kann das gut verstehen."

Miß Howfield tat nichts, um diese Meinung zu wider­legen. Fest in ihren dunkeln Mantel gehüllt, erwartete sie den Professor vor der Tür. Sein Heraustreten würde ihr nicht entgehen. Er war viel größer und stattlicher als die andern. Sein edles, vornehmes Gesicht würde sofort ihr Auge fesseln.

Ein leichter Ausdruck von Befremden glitt über seine Züge, als Miß Howfield an ihn herantrat und ihr An­liegen vorbrachte. Aber er las in ihrer Seele und empfand das leise Beben ihrer Stimme als eine Angst, von der er sie vielleicht erlösen könne. Darum wies er sie nicht ab.

Sie schritt neben ihm durch den verdämmernden Tag und klagte ihm ihre Not. Alles Beiwerk ließ sie fort.

Nur die Tatsachen zeichnete sie mit kurzen klaren Worten vor ihm auf.

Er richtete den scharfen Blick voll auf sie und ge­wann den Eindruck, daß ein kraftvoller, ehrlicher Mensch nach seiner Hand fasse. Zwar lag ein Lächeln um seinen Mund, daß sie ihm so ohne weiteres die Fähigkeiten eines Detektivs zutraute, aber seine Worte klangen ernst und nachdenklich:

,, Als Psychiater vermag ich Ihnen natürlich keinen Rat zu geben. Dazu müßte ich das Mädchen zuvor beobachtet haben. Aber darf ich als Mensch, der die Menschen zu kennen meint, zu Ihnen sprechen?" Sie neigte bittend das Haupt.

,, Ist sie wirklich eine so zärtliche Tochter und Schwester, wie es den Anschein hat, würde die Nachricht von einer Erkrankung ihrer Angehörigen Wunder wirken. Die öffentlichen Säulen sind die gegebenen Träger für der­artiges. Allerdings gebe ich zu, daß diese Art des Lockens hart ist."

,, Außerdem ist sie aber auch klug," sagte sie dankbar, ,, und gleich morgen soll damit versucht werden."

" Damit wäre nun mein bißchen Weisheit in diesem eigenartigen Falle voll und ganz erschöpft. Dort drüben wohne ich schon. Der dunkle Schattenriß an jenem Fenster gehört meiner treuen Haushälterin, die bereits sehnsüchtig nach mir ausschaut."

Sie reichte ihm die Hand entgegen. Er behielt sie länger, als dies sonst üblich zu sein pflegt, in der seinen. Es hatte auch den Anschein, als wolle er leise dem, was sonderbar verträumt und dunkel in seinen Augen stand, Ausdruck verleihen. Aber es unterblieb.

Miß Howfield entzog ihm schnell die Rechte und lief gradeaus in den wogenden Nebel hinein, der die Licht­träger mit bläulichen Schleiern behing. Eine Weile ging sie planlos gradeaus. Es widerstrebte ihr, auf dem nächsten Wege die Pension aufzusuchen und über den Mann, den sie soeben verlassen, sprechen zu hören. Sie war ehrlich genug, sich einzugestehen, daß er einen starken Eindruck auf sie gemacht habe. Bisher war sie durch das Leben gegangen, ohne sich jemals andauernd von einer Stimmung beeinflussen zu lassen. Heute wollte sie eine traumhafte Mattigkeit, die beständig zunahm, besiegen. Sie raffte sich zusammen und dachte ernsthaft nach, was sie während dieses Tages eigentlich zu sich genommen hatte, und ward inne, daß es nichts ge­wesen, als am Morgen eine Tasse Tee und ein ge­röstetes Weißbrot.

Darüber fand sie sich wieder zurecht lachte hell auf und trat kurz entschlossen in den ersten Laden, hinter dessen Fenster neben vielem anderen ein rosiger Schinken lockte. Drinnen wogte eine kauflustige Menge emsig auf und nieder. Sie hockte sich müde auf ein niederes Stühlchen, das irgendwo herumstand, und wartete ge­duldig, bis die Reihe des Befragens an sie käme. Die Augen leicht geschlossen, den Kopf auf die Brust geneigt, saß sie da... Plötzlich ließ sie der Laut einer Stimme auffahren. Sie wurde aufmerksam und lauschte.

( Fortsetzung auf Seite 6.)