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Parlamentarisches aus Hessen.

Der Finanz ausschuß der zweiten Kam mer ist am Dienstag unter Vorsiz des Abg. Reinhart wie­der zusammengetreten. Zuerst wurde den beiden Regier­ungsvorlagen, betreffend den Rechnungsnachweis der Lan­deskreditkasse für die Jahre 1904 und 1905, worüber Abg. Reinhart referierte, zugestimmt. Ein Antrag Dr. Pa­genstecher geht dahin, daß für die Gehalte der Volks­schullehrer in den Städten nicht mehr eine Limitierung bei den Pensionssäten maßgebend sein soll. Vom Ausschuß wurde der Antrag mit Stimmengleichheit abgelehnt. Eine Vorstellung des Vereins der seminaristisch gebildeten Leh rer an den höheren Bürgerschulen Hessens richtet an die Zweite Kammer die Bitte, zu veranlassen, daß die semina­ristisch gebildeten Lehrer an den höheren Bürgerschulen ihren Amtsgenossen an den staatlichen Lehranstalten im Ge' halte gleichgestellt werden. Hierzu nahm der Ausschuß einen Antrag des Abg. Dr. Osann an, die Vorstellung der Re­gierung zur Erwägung zu übergeben. Der Antrag Noack, betreffend die Besserstellung der Handarbeitslehrerinnen, wurde in Verbindung mit einer die gleiche Frage betreffen den Vorstellung der Handarbeitslehrerinnen beraten und einstimmig angenommen. Weiter wurde die Vorstellung der ersten Bureaugehilfen bei den Kulturinspelbionen der Re­gierung zur Erwägung anheimgegeben. Der Antrag Dr. Frenay, betreffend die Abgabe von Laub an die Ge­müse produzierende Bevölkerung wurde für erledigt erklärt, nachdem mitgeteilt worden war, daß inzwischen eine Reihe von Maßnahmen zugunsten der Interessenten von der Re­gierung durchgeführt worden ist. Desgleichen wurde für er­ledigt erklärt eine Vorstellung der mittleren Baubeamten. Der Antrag des Abg. Penn rich, betreffend eine Rhein­brücke Bingen- Rüdesheim, wurde ebenfalls für erledigt er' flärt; desgleichen die Vorstellung des Lokomotivführers Sehring, betreffend Anrechnung von Vordienstzeit. Die Vor­stellungen des Wagenmeisters Gimbel und des Eisenbahn­sekretärs Pfau in Mainz wurden abgelehnt. Die Regier­ungsvorlage, betreffend die Nebenbahn Kreuznach- Sprend­lingen und die Vorstellung der Gemeinde Langenborgheim, betreffend die Bahn Hanau- Büdingen, wurden zurückgestellt, die Vorstellungen der Gemeinden Lämmerspiel und Groß­Steinheim betreffend die Bahn Klein- Steinheim- Bieber, wurden abgelehnt.

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fleinen, bedeutungslosen Ausstände als weltbewegende Er­eignisse hinstellen und als glänzend gelungen bezeichnen. Außerdem bemühen sie sich, nachzuweisen, daß der Massen­streit unvermeidlich und es daher die dringende Ausgabe der Arbeiterschaft sei, sich darauf in entsprechender Weise vorzubereiten.

Angesichts derartiger weitreichenden und kostspieligen Pläne werden die Sozialdemokraten in Zukunft nicht mehr das Märchen von dem wirtschaftlichen Glend der Arbeiter­flasse aufrecht erhalten können. Denn wenn sie bereit und in der Lage sind, für einen sicher wirtungslos verpuffen­den Generalstreif ungezählte Millionen zu opfern, die doch alle aus einzelnen Arbeitergroschen aufgebracht sind, kann man von einem wirtschaftlichen Notstande der Arbeiter nicht sprechen, weil sonst diese Millionen doch für andere Zwecke, nämlich für die Linderung des Notstandes, verwendet wer­den müßten. Diese Aufgabe aber überläßt die deutsche So­zialdemokratie der bürgerlichen Gesellschaft und der Sozial­politif des Staates, durch die die Arbeiter unter allen Um­ständen vor der äußersten Not sicher gestellt sind. Ja, man tann sagen, daß diese große soziale Gesetzgebung, durch welche jährlich viele hunderte von Millionen vom Staate wie von dem Unternehmertum zugunsten der Arbeiterschaft aufgebracht werden, der Sozialdemokratie es überhaupt erst ermöglicht, mit den von ihr den Arbeitern durch ein fein ausgebautes Schröpfverfahren abgenommenen Millionen eine derartige leichtfertige Politik zu treiben.

Nach einer Mitteilung des Staatsministeriums gelang= ten die Freifahrkarten für die Abgeordneten der Zweiten Kammer dieser Tage zur Ausgabe. Die Karten gelten zur Fahrt vom Wohnort der Abgeodneten nach Darm­stadt, wobei auch etwaige Umwege mit günstigeren Verbind­ungen Berücksichtigung finden. Die freie Fahrt ist von der preußischen Eisenbahnverwaltung gegen ein jährliches Pau schale von 14 000 Mt. gewährt worden. Wenn demnächst die Frage der Freifahrt für die Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses geregelt werden sollte, wird nach den Bestimmungen des preußisch- hessischen Eisenbahngemein- schaftsvertrages die Zahlung dieser Summe für Hessen in Wegfall kommen.

Massenstreik.

5,75-6,25 Mt., Butter 1 Pfund 1,20-1'25 Mt., Tauben das Paar 0,90-1,00 MA und Hühner das Stück 1,00 bis 1,50 Mt.

Aus Hessen und Nachbargebiet.

bei dem Mülheimer Milheim vor der 1 Serdurch weiteres wohnhajte Zugführe für sich das Verbi Er habe die Solda heises aufgefordert mungssignale turz v * Fulda. berin in der Perfon ler zu Niederbieber 10 Tagen verschwun schnittenem Salfe unte en Die Mutter leg Word begangen hat. In Straß Brennabor am Sonn in 70 Kilometer- Re 3rveiter. E. Rohme und im Hauptfahren nabor.

Lang- Gön s, 20. April. Bei den Arbeiten zur Wasserleitung und Kanalisation wurden 2 Italiener fast vollständig von Erdmassen verschüttet und konnten nur mit Mühe ausgegraben werden. Einer der Verschütteten mußte in die Klinik nach Gießen gebracht werden, er soll nicht lebensgefährlich verletzt sein.

* Das größte hessische Dorf ist zur Zeit Viernheim im Ried. Innerhalb 35 Jahren ist die Be­völkerung dieser meistens aus Industriearbeitern bestehenden Gemeinde von faum 4000 Seelen auf rund 10 000 gestie gen.

* Buzzbach. Anfangs Dezember entwich ein Ge fangener aus der hiesigen Zellenstrafanstalt. Wie sich jetzt herausstellt, hat er die Freiheit nur 2 Tage genossen. In Neuwied wurde er wegen Bettelns verhaftet und auf einen falschen Namen zu vier Wochen Haft und Ueberweisung an die Landespolizeibehörde verurteilt. Als seine Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil verworfen worden war, be quemte er sich endlich zur richtigen Angabe seiner Persona­lien und entpuppte sich als der entwichene Sträfling Georg Wagner.

* Wehlar. Durch das schnelle und tatkräftige Ein greifen der freiwilligen Feuerwehr und der Anwohner wurde hier ein in seinen Folgen unberechenbarer Brand verhütet. Ein Passant merkte in der Hospitalscheune einen Feuerschein und veranlaßte die Meldung an die Feuerwehr. Dieser wie den Anwohnern gelang es dann bald, das Feuer im Keime zu ersticken.

Das ist übrigens nicht erst eine Erfenntnis von gestern. Wenn trotzdem weder Staat noch Unternehmertum bisher von dieser Politik zurückgekommen sind, durch die die Ar­beiterschaft nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch gestärkt wird, so beweist das einen aufopfernden Idealis mus, der in der Welt vielleicht einzig dasteht. Anderseits verleiht diese soziale Opferwilligkeit dem Bürgertum aber auch ein gutes Gewissen. Dieses wird es in den Stand setzen, etwaigen sozialdemokratischen Kraftproben entschieden entgegenzutreten und bei den voraussichtlichen Unruhen, die bei derartigen Massenstreits erfahrungsgemäß unvermeid= lich sind, die Machtmittel des Staates zur Aufrechterhaltschaft in Kassel ein turhessisches Trachtenfest abzuhal ung von Ruhe und Ordnung nachdrücklich anzuwenden.

In sozialdemokratischen Kreisen spielt man wieder ein­mal mit dem Gedanken des Massenstreits und möchte nur zu gern die stolzen Worte Alle Räder stehen still, wenn ein starter Arm es will" ins tatsächliche übersehen. Dieses Un­ternehmen ist um so frevelhafter, als man in den breiten Massen der Bevölkerung augenscheinlich keine Ahnung da­von hat, was ein derartiger Massenstreit bedeutet u. welche großen Opfer er während seiner Dauer und ganz besonders auch nach seiner Beendigung den Arbeitern auferlegt; denn daß die vorhandenen Mittel bald aufgezehrt sein werden, unterliegt feinem Zweifel. Mögen die sozialdemokratischen Kassen noch so sehr gefüllt sein- für die Summen, die ein Generalstreit fostet, reichen sie nicht aus. Man rechnet in sozialdemokratischen Kreisen auf rund Millionen Streikender, deren Unterhalt in jeder Woche, bei einer Streifunterstüßung von 16-20 Mt. auf den Kopf, allein 24-30 Millionen Mark verschlingen würde. Dabei ist nicht berücksichtigt, daß, wenn ein wirklicher Massenstreik zustande kommen würde, er nicht auf diese Millionen Köpfe be­schränkt bleiben, sondern die Arbeitslosigkeit von dem fi­nanziell gut gerüsteten und entschlossenen Unternehmertum durch Aussperrungen, um dem Streit und der durch den Streit gefährdeten inneren Lage möglichst schnell ein Ende zu machen, bald auf weitere Kreise ausgedehnt werden

würde.

Daß es der Sozialdemokratie mit dem Gedanken des Massenstreits ernst ist, beweisen die verschiedenen kleineren, teilweise auf Stunden beschränkten Streifs, die die Sozial­demokratie bereits in Kiel und anderen Orten versuchsweise angeordnet hat, um die Arbeiterschaft an diese Kampfform zu gewöhnen und ihren Kampfesmut aufzustacheln. Das tun auch die sozialdemokratischen Zeitungen, indem sie diese

Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)

Lokales.

Gießen, 21. April 1910. ** Der Großherzog empfing gestern u. a. den Pfarrer Werner von Nidda und den Professor Neumann von Gießen.

** Ernannt wurden zu Forstassessoren die Forst referendare Karl Härter- Lauterbach, Otto Löber Gießen, Otto Rumpf- Ochstadt, Eugen Seeger- Gie­ßen und Emil V og t- Butzbach.

* Zu dem Schlaganfall des Abg. Dr. Gutfleisch fann glücklicherweise mitgeteilt werden, daß keine ernsten Folgen zu erwarten sind. Das Befinden Gutfleischs hat sich in den letzten Tagen stetig gebessert.

170 Es war schon längst angespannt und noch immer konn­ten die jungen Mädchen mit Plaudern kein Ende finden. Maja warf mehr als einmal verwunderte, forschende Blicke auf die heute ungewöhnlich lebhafte Sylvia. Was mochte ihr nur begegnet sein, daß sie so heiter aussah, daß ihre Augen leuchteten wie, nie zuvor? Maja ver­mochte sich das nicht zu erklären.

* Vom Tag e. Glücklicherweise haben sich die Ver­letzungen des bei dem Besuch des Kaisers von einem Kraft­wagen überfahrenen Monteurs als leichter Art erwiesen. Der Verunglückte befindet sich jetzt bereits auf dem Wege zur völligen Genesung.

,, Na, heute werden wir aber Schelte kriegen vom Herrn Bapa", meinte Friß, und ließ die Peitsche über den Rücken der Pferde tanzen.

Die jungen Tiere griffen tüchtig aus und in rasen­dem Galopp flog der Wagen dahin.

V.

* Vom Tage. Der kürzlich beim Abspringen von der Straßenbahn verunglückte auswärtige Fahrgast, welcher besinnungslss aufgehoben wurde, ist jetzt an den Folgen einer dabei erlittenen Gehirnerschütterung gestorben. Möge dieser traurige Fall allen Fahrgästen zur Warnung dienen.

* Studentisches. In dem Artikel Studenti­sches" in der vorigen Nummer fand sich ein Irrtum, den diese Zeilen dahin berichtigen mögen, daß die betreffende Verbindung nicht den Namen" Freie Landsmannschaft Thu­ringia" führt, sondern als schlagende Verbindung den Na­men Vaudalia" trägt.

Zwei Tage lang hatte es in Strömen geregnet. Auch am dritten Tag wollte sich das Wetter nicht aufhellen, aber Maja ließ sich nun nicht länger mehr halten. Ob­wohl die Landstraße vollständig aufgeweicht war, fuhr sie ant frühen Nachmittag nach Neunlinden. Sie war faum vom Wagen gesprungen als ihr Sylvia schon ent­gegeneilte.

,, Gott sei dant, daß du wieder da bist", rief sie der Freundin entgegen.

Maja zog sie mit sich fort.

* Verhaftung. In einer hiesigen Wirtschaft mußte wegen ruhestörenden Lärms die Festnahme eines Fremden erfolgen, der die anderen Gäste in unerlaubter Art belästigte.

Ich habe dir eine wichtige Neuigkeit mitzuteilen", be­gann Maja sogleich. Ich fonnte faum die Zeit erwar­ten, bis ich hier war. Ich habe nämlich herausgebracht, wer und was unser Herr Zipfel ist!" Sylvias Augen hin­Gesichte gen mit gespanntem Interesse an dem Majas.

* Gießen. Am 29. Mai veranstalten hiesige und Frankfurter Gesangvereine unter Prof. Trautmanns Leitung ein Konzert, dessen Reinertrag dem Fonds zur Erbau­ung eines Saalbaues in Gießen zufließt.

* Marburg. Der Vorstand der Deutschen Land­wirtschaftsgesellschaft hat an die landw. Vereine ein Schrei ben gerichtet, in dem angeregt wird, gelegentlich der nächst jährigen Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesell ten. In einer in Fronhausen abgehaltenen Versammlung des landwirtschaftlichen Kreisvereins Marburg wurde be schlossen, diesen Plan nach Kräften zu unterstüßen. * Ober- Ingelheim. In den Landgemeinden der Provinz Rheinhessen haben sich die fleinen Meister des Baugewerbes der allgemeinen Aussperrung der Bauarbeiter nicht angeschlossen; auch soweit sie Mitglieder des Arbeit- geberverbandes nicht sind. Ueberall herrscht friedliche Ruhe, die Bauarbeiten werden fortgesetzt.

* Heidesheim. Die Gegend von Nieder- Ingel­heim bis Mombach, die rheinische Obstkammer, ist zur Zeit in einen herrlichen Blumengarten umgewandelt. Tausende von Obstbäumen stehen in vollen Blüte und verleihen der Gegend einen prächtigen Anblick. Mögen sich die Hoffnun gen auf eine reiche Obsternte erfüllen.

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* 1* Der Al gericht Allenstein ha gegen Frau von Sc Nord beschlossen. beren Kriegsminister fars Wanowski geft gewesen, der den F mis veranlaßt hatte Ofen b. Göbens ver und außerdem feftfter händer abgegeben w lenstein seinerzeit völ !: 7 Beten zam Besuch der Sch Anmeldungen sind Definitiv gesichert gi two ein Aufenthalt um St. Cloud- V der um Paris zu Do sämtliche Schlac Ligt werden. Nach Die hier liegenden S foue, Donchery, Baz Luremburg und N Weltausstellung, ei ende, sowie nach rommen werden. Alliance( Waterloo genauer Prospekt f 10- Pfg.- Marke zu teranenreisen nach !!! Der län aus New- York ber Es handelt sich un langen Tunnel, Washington geboh Staates mit der die von dem Gener Ingenieurkorps au Kosten auf rund 4 Um den Tunn! l r binden, wird der englischen Meilen elektrischen Betrie Kostenaufwand v

* Ulrichst ein. Auf dem Selgenhof bei Ulrichstein sind bei einer polnischen Arbeiterin die schwarzen Blattern festgestellt worden.

* Ober- Hörgern. Im letzten Jahre wurde in Ober- Hörgern ein Schweine zuchtverein ins Leben gerufen. Daß die Mitglieder desselben gewillt sind, keine Mühe und feine Kosten zu scheuen, beweist der Umstand, daß sie nur aus den besten Hochzuchten erstklassiges Zuchtmaterial Deutschlands ankauften. Hoffen wir, daß der junge Verein zur Hebung der Zucht in seiner eigenen Gemeinde und in der Umgegend beiträgt.

* Darmstadt. Die Beiseßung der Leiche des ver storbenen Reichstagsabgeordneten Grafen Oriola wird morgen nachmittag auf dem Gute des Verstorbenen in desheim stattfinden.

* Frankfurt a. M. Ein Privatkonsortium be absichtigt auf dem der Kommerz- und Diskontobank gehöri gen Grundstück am Theaterplatz ein neues großes Volts theater mit 1300 Sipplägen zu errichten. Die Pläne sind vom Architekt Parravicini, hier, entworfen. Der Neubau soll außer dem Theater noch Geschäftslotalitäten, Cafes 2c. enthalten. Die Kosten betragen 2 750 000 Mart.

* Mainz. Der Theaterumbau wird am tommen den Samstag, wenn inzwischen Mainz nicht von der Aus­sperrung ausgenommen wird, in städtische Regie übernom men. Die Bauarbeiter, die bisher an dem Umbau gearbei tet, werden von der Stadt zu den bisherigen Lohn- und Arbeitsbedingungen übernommen.

* Gießener Rudergesellschaft. Am 17. Juli wird eine Ruderwettfahrt bei der Rudergesellschaft statt- Unsugs hatte Redakteur Hermann Wendel von der hiesigen finden, welche wohl in Gießen bei der großen Beliebtheit dieses Sports allgemeines Interesse wieder erwecken wird.

Nun, so sprich doch!" klang es ungeduldig. " Es ist der bekannte berühmte Tenorist Walter, von dem die Zeitungen spaltenlange Berichte bringen voll Lobeserhebungen über den wunderbaren Wohllaut seiner herrlichen Stimme. Einen ,, gottbegnadeten Sänger" nen­nen sie ihn; da, ich habe, dein Interesse vorausseßend, einige Kritifen mitgebracht. Du fannst selbst lesen, was bie Tagesblätter über ihn berichten. Unser Intendant

** Die Mitteldeutsche Kreditbank er­öffnet, wie uns mitgeteilt wird, in Friedberg eine Depositentasse.

* Frankfurt a. M., 18. April. Wegen groben Volksstimme einen Strafbefehl von 3 Wochen Haft erhalten, weil er am 13. Februar während der Wahlrechts- Demon stration sich auf das Bismarcks Denkmal gestellt, den Hut geschwenkt und gerufen habe: Auf, Alle hierher, hoch das freie Wahlrecht". Er appellierte dagegen beim Schöffenge richt, das heute nach längerer Verhandlung auf die Höchst

* Wochenmarkt. Auf dem Wochenmarkt am Dienstag wurden folgende Preise erzielt: Ochsenfleisch( perstraße von 6 Wochen wegen groben Unfugs erkannte. Pfund) 80-85 Pfg., Kuhfleisch 60-65 Pfg., Schweine= fleisch 85-95 Pfg., Kalbfleisch 80 Pfg., Kartoffeln 1 Dz.

schätzt sich glücklich, den seltenen Vogel für unsere Bühne geivonnen zu haben, Leider freilich nur für eine Spiel­zeit. Denn vom nächsten Jahre ab ist er an das Hof­theater verpflichtet, dessen Leiter es natürlich eilig hatte, sich das kostbare Exemplar zu sicheren. Er soll dort monatlich dreitausend Mark Gage bekommen."

Sylvia hatte schweigend, doch mit großem Interesse zugehört.

Aber wie hast du denn das erfahren?" fragte sie end­lich leise.

,, Sehr einfach! Papa hat doch für diesen Winter eine Loge gemietet, damit ich das Theater besuchen kann, so oft ich will. Na gestern Abend wurde die große Oper- Wagner's Tannhäuser" gegeben. Als der Vorhang sich hob, wen seh' ich da neben der Frau Venus? Un­seren Herrn Bipfel! Ich mußte mich gewaltig zusammen­nehmen und ich steckte in der Verwirrung mein Taschen­tuch in den Mund, sonst hätte ich höchst wahrscheinlich einen kleinen Schrei ausgestoßen. Aber als er dann, der Herr Zipfel zu singen anfing, ich habe in meinem Leben noch niemals so singen hören! Der Beifallssturm wollte denn auch gar kein Ende nehmen. Einen solchen Applaus hat man in unserem Theater noch nie gehört. Er steigerte sich von Akt zu Akt und am Schluß wurde Walter stürmisch gerufen. Wenn er das nächstemal singt, dayn gehst du mit, nicht wahr Sylvia? Ich hole dich mit meinem Wagen ab, du kannst ja bei uns über Nacht blet­ben und am anderen Morgen fahre ich dich wieder heraus. Es wird ganz herrlich werden!"

Glaubst du, daß Papa es mir erlaubt?" fragte Syl­via kleinlaut.

,,, er muß eben, wir werden es ihm schon flar machen", tröstete Maja zuversichtlich; du kannst doch nicht hier auf dem Lande völlig versauern? Laß mich nur machen!"

Und die Tante wird wieder schelten und sagen, es schicke sich nicht für eine Braut, allein ins Theater zu gehen."

Na, dann nehmen wir Hugo auch mit!"

,, Nein, nein," wehrte Sylvia heftig. Er darf vor­her nichts erfahren, sonst läßt er mich nicht fort. Er mit seiner maßlosen Eifersucht, o wie er mich quält! Aber

* Worm s. Im Gegensatz zu der von uns fürzlich gebrachten Meldung, daß der Zugführer des Militärzuges

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er soll mich

es wird nicht mehr allzu lange dauern, nicht mehr quälen! Ich ertrage es nicht!" So willst du ihm wirklich sagen, daß du nicht seine Frau werden fannst?"

Ja, das will ich." Sylvia stieß es in vollster Leidenschaftlichkeit heraus Eine Pause entstand. Maja wünschte von Herzen, daß die Sache erst glücklich vorüber wäre.

Hast du nichts von meiner Kleinen Villy gehört? Wie geht es ihr?" fragte Maja nach einer Weile.

Ich denke gut. Herr y. Brandt schickte täglich feine Wirtschafterin zu uns, um fragen zu lassen, ob du nicht gekommen wärest. Villy verlangte stürmisch nach dir!" ,, Das dachte ich mir, nun muß ich wirklich nach ihr sehen. Begleitest du mich? Ach, da ist Walter", unter brach sie sich hastig.

In der Tat kam der Genannte im Sturmschrift die Straße herauf, one direkt am Gutshause vorbei führte Er schwenkte schon von weitem grüßend den Hut und rie heiter: Welch glücklicher Zufall! Glud muß der Mensch halt haben! Na, ich bin ja ein Sonntagskind

Sylvia errötete, als ihre Augen seinem aufleuchtenden Blick begegneten. Sie fühlte ein rasendes Herzklopfen. Se fundenlang preßte sie die Hände an die pochenden Schläfen Maja gewahrte den Ausdruck stummer Qual auf dem schö nen Gesicht der Freundin und blißschnell durchzuckte sie ein Gedanke, der ihr das Blut in die Wangen trieb Also das war es! Arme Sylvia, welche Nämpfe standen ihr bevor! Maja wollte der Freundin Zeit gönnen, sich zu fassen Lebhaft streckte sie dem Ankommenden die entgegen.

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Na, Sie haben uns ia schön hinters Vicht gefüt mit diesem ominösen Namen!" rief fie lachend.

,, Bitte, mein Fräulein, das war gegenseitig. Sie h Wenn haben doch zuerst gelogen", gab er heiter zurüd. Sie die unwahrheit sagten, so war ich doch vollständig in meinem Rechte, wenn ich das gleiche tat!"

,, Aber dank der Klugheit meines alten Freß erfuhre Sie doch sehr leicht, wer wir sind, währen Sie u immer noch in Unklarheit ließen."

( Fortfeßung folgt.)/

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