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bei dem Mülheimer Eisenbahnunglück einen Zug Opladen­Mülheim vor der Unglücksstelle zum Halten gebracht und baburch weiteres Unglück verhütet habe, nimmt der hier wohnhafte Zugführer des Luruszuges Nr. 174, A. Bauer, jinz sich das Verdienst dieser rettenden Tat in Anspruch. Er habe die Soldaten zum schleunigen Verlassen des Ge leises aufgefordert und den herannahenden Zug durch War­nungssignale furz vor der Unfallstelle zum Halten gebracht.

* Fulda. Verhaftet wurde hier eine Kindesmör derin in der Person der Ehefrau des Schreiners W. Mül­ler zu Niederbieber. Dessen Jahre alte Sohn war seit 10 Tagen verschwunden. Man fand das Kind mit durch­schmittenem Halse unter Sägespänen in der elterlichen Scheu­ст. Die Mutter legte das Geständnis ab, daß sie den Mord begangen hat.

)( In Straßburg i. E. schlug U. di Majo auf Brennabor am Sonntag den Schweizer Humann und wurde im 70 Kilometer- Rennen um den Großen Eröffnungspreis Zweiter. E. Rohmer, welcher das Prämienfahren gewann und im Hauptfahren Dritter wurde, fährt gleichfalls Bren­nabor.

)( Franz Hauptmann, der in dieser Saison schon viele Siege zu verzeichnen hat, gewann am 17. April die 280 Kilometer lange Radfernfahrt Berlin- Chemnitz. Zweiter wurde R. Heinrich; beide fahren Brennabor.

Dermischtes.

*!* Der Allensteiner Mord. Das Land­gericht Allenstein hat die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Frau von Schönebeck- Weber wegen Anstiftung zum Mord beschlossen. Dazu sind Anträge auf Ladung des frü­heren Kriegsministers v. Einem und des Kriminalkommis­sars Wanowski gestellt worden. Dieser ist es bekanntlich gewesen, der den Hauptmann v. Göben zu dem Geständ nis veranlaßt hatte, insbesondere dadurch, daß er in dem Ofen v. Göbens verkohlte Asche in Form einer Maske fand und außerdem feststellte, daß der Schuß von einem Links­händer abgegeben worden war, was den Behörden in Al­lenstein seinerzeit völlig entgangen war.

!! 7 Veteranenreise nach Frankreich zum Besuch der Schlachtfelder vom Feldzug 1870-71. Die Anmeldungen sind so zahlreich, daß dieselbe heute schon als definitiv gesichert gilt. Die Reise führt zunächst nach Paris, wo ein Aufenthalt von 6 Tagen genommen werden wird, um St. Cloud- Versailles- Sevres, sowie die Schlachtfel= der um Paris zu besuchen. Dann geht es nach Orleans, wo sämtliche Schlachtfelder aus dem Loire- Feldzug besich tigt werden. Nach Sedan führt der weitere Weg und auch die hier liegenden Schlachtfelder mit dem berühmten Belle­bute, Donchery, Bazeilles 2c. werden besucht werden. Ueber Luremburg und Namur geht es weiter nach Brüssel zur Weltausstellung, ein Ausflug nach dem Weltseebad Ost= ende, sowie nach Blankenberghe und Brügge wird unter­nommen werden. Endlich wird das Schlachtfeld von Belle­Alliance( Waterloo) aufgesucht. Alles Nähere, sowie ein genauer Prospekt für die Reise ist gegen Einsendung einer 10- Pfg.- Marte zu beziehen durch die Zentralstelle für Ve­teranenreisen nach Frankreich, München, Dachauerstraße 11.

!!! Der längste Tunnel der Welt, so wird aus New- York berichtet, sot jetzt in Amerika entstehen. Es handelt sich um einen nicht weniger als 60 Kilometer langen Tunnel, der durch die Kaskadenberge im Staate Washington gebohrt werden soll, um den östlichen Teil des Staates mit der Küstenregion zu verbinden. Die Pläne, die von dem General H. M. Chittenden vom amerikanischen Ingenieurforps ausgearbeitet sind, veranschlagen die Bau­fosten auf rund 4 Millionen Mark für die englische Meile. Um den Tunn! l mit den bestehenden Bahnlinien zu ver­binden, wird der Bau eines n! uen Schienenstrangs von 327 englischen Meilen Länge erforderlich. Bei der Einführung elektrischen Betriebes erfordert der großzügige Plan einen Kostenaufwand von rund 300 Millionen Mart. Besondere Wagen sind vorgesehen, die dazu dienen sollen, auch Stra­Bengefährte durch den Tunnel zu befördern.

Der Deutsche Arbeitsmarkt.

Mit einer kräftigen, durchgreifenden Belebung hat der Frühjahrsmonat am Arbeitsmarkte eingesetzt. Allerorts hat die Arbeitsgelegenheit zugenommen, und die Nachfrage nach Arbeitskräften gestaltete sich im März fast in allen wichti­geren Gewerben sehr lebhaft. Besonders start war das Neuangebot am Arbeitsmarkt. Immerhin fam auf je 100 offene Stellen durchschnittlich ein Andrang von 119,7 ge­gen 146,8 im Februar und 146,4 im Monat März 1909. Die Besserung gegenüber dem Vorjahre beruht hauptsächlich auf der Zunahme der Arbeitsgelegenheit. Die Zahl der Ar­beitsuchenden war dagegen niedriger als im Vorjahr, wo noch eine ungewöhnliche Arbeitslosigkeit geherrscht hatte. Vor allem hat die Nachfrage nach männlichen Arbeitskräf­

18)

Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.) ,, Jetzt wissen Sie vermutlich schon, wer ich bin?" Ja, ich war im Theater, als Sie den Tann­häuser sangen."

,, Und hat es Ihnen gefallen?"

" Ich möchte Ihnen so gerne den Eindruck schildern, den Ihr Gesang auf mich machte, aber ich kann es nicht. Nein, wahrhaftig, das fann ich nicht! Es war ein hoher Genuß. Doch was gilt Ihnen, dem verwöhn­ten Künstler, wohl ein Lob aus dem Munde eines un­bedeutenden Mädchens! Sie lächeln vielleicht über mich!" ,, Nein, mein Fräulein, das tue ich nicht. Und Sie," wandte er sich an Sylvia, waren Sie auch in der Oper? Sie sagen mir kein Wort?"

Das junge Mädchen schüttelte den Kopf. Ich komme sehr selten in die Stadt." " Aber wenn Sie wieder singen, Herr Walter, dann tommt Sylvia sicher mit," warf Maja ein ,,, wir haben es schon ausgemacht."

Sylvia berhielt sich sehr schweigsam, sie überließ den beiden anderen die Unterhaltung. Sie hatten zusammen den Weg nach der Wohnung des Herrn von Brandt ein­geschlagen. Als sie bei dem Häuschen anlangten, schlüpfte Maja hinein mit der kurzen Entschuldigung: Ich bitte nur um wenige Minuten Geduld, ich fomme gleich wieder!"

Aber bleib' nicht so lange!" rief ihr Sylvia nach Ist es Ihnen unangenehm, mit mir allein zu sein?" fragte Walter. Ein eigentümlich forschender Blick streifte bas junge Mädchen.

Nein, o nein!" stieß Sylvia furz hervor.

Es schien mir doch beinahe so."

Er bemerkte, daß sich seine Begleiterin in großer Er­regung befand, und das machte ihn übermütig.

Wissen Sie, daß ich sehr oft jener Stunde gedachte, too wir uns zum erstenmal zusammen unterhielten? Sie werden mir unvergeßlich bleiben. Damals erschienen Sie

ten start zugenommen, und da war es in erster Linie das Baugewerbe, das einen lebhaften Arbeiterbedarf äußerte. Troß oder gerade mit Rücksicht auf die drohende Gefahr einer allgemeinen Aussperrung wurden doch überall bei dem schönen Wetter die Bauarbeiten flott in Angriff genommen. Durch den Aufschwung im Baugewerbe günstig beeinflußt, gestaltete sich auch im Holzgewerbe die Nachfrage nach Ar­beitskräften recht befriedigend. Hauptsächlich in Bayern und Württemberg, sowie überhaupt in Süddeutschland nahm die Arbeitsgelegenheit fräftig zu, aber auch im norddeutschen Holzgewerbe ließ der Beginn der Frühjahrssaison wenig zu wünschen übrig. Ungleichmäßig, aber überwiegend gut setzte die Saison in der Eisen und Metallindustrie ein. Im Tertilgewerbe hielt sich die Arbeitsgelegenheit auf be­friedigender Höhe. Das Bekleidungs- Gewerbe, insbesondere die Schneiderei, stand im Höhepunkt der Saison. Der Man­gel an Schneidern, der sich bereits im Vormonat zeigte, hielt weiter an. Eine höchst erfreuliche Besserung hat im allgemeinen der Arbeitsmarkt der Ungelernten erfahren. Mit dem Beginn der Arbeiten im Freien ist auch der Be­darf an landwirtschaftlichen Arbeitern wieder in verstärktem Maße hervorgetreten.

Ans dem Gerichtssaal.

Straffammer.

Gießen, den 19. April 1910. Der Gärtner Ludwig Ziegler von Wölfersheim kam zu zu einem Kartoffelhändler in Friedberg und gab an, er sei Landwirt in Ossenheim und wolle 200 Zentner Kartoffeln liefern. Es wurde ein Vertrag gemacht, den Ziegler mit Obermann" unterschrieb und 3 Mt. Vorschuß verlangle. Er erhielt zwar fein Geld, doch wurde er wegen Betrugs versuchs und Urfundenfälschung angelagt und zu einem Monat Gefängnis verurteilt.

Die Frau des Schreiners Rudolf Ritter bekam einen Strasbefehl über eine Mart, nachdem sie der Messerschmied Bert angezeigt hatte, sie hätte ihm aus seinem Garten Sa­lat und Brennesseln entwendet. Die Frau bestritt dieses, legte Einspruch ein und am Feldgericht kam es zum Augen schein. Nach einer größeren Verhandlung, die mit Verwerf ung des Einspruchs endigte, legte sie Berufung ein. Das Urteil wurde bestätigt.

Das Schöffengericht Ortenberg hatte den Schreiner K. Wilhelm Emrich von Bleichenbach wegen Beleidigung zu einer Woche Gefängnis verurteilt, weil er vor einem Schöf­fen ausgespuckt hat und Pfui" rief. Das von dem An­geklagten angefochtene Urteil wurde bestätigt.

Der Kellner Steinbrecher hatte den Büchsenmacher Weiß in Gießen wegen Beleidigung verklagt, weil er ihn geohr= feigt hatte. Es stellte sich heraus, daß Steinbrecher ihn zuerst einen Zechpreller geheißen hatte. Das Gericht kom­pensierte und erklärte beide für straffrei. Der Kläger legte Berufung ein; doch das Urteil fand seine Bestätigung.

Die Musik der Eskimos.

Als der norwegische Komponist Christian Reffaas Le­den während eines Studienaufenthalts in Berlin die Me­lodien der Indianer durch den Phonographen hörte, reifte in ihm der Entschluß, die Musik der Eskimos für den Pho­nographen aufzunehmen. Anfangs fonnte er die Estimos nicht bewegen, in den Phonographen hineinzusingen, sie fürchteten sich davor, aber allmählich fanden sie an den Wiedergaben durch den Apparat Gefallen. Ueber die Musit der Eskimos äußert sich Leden folgendermaßen:" Sie ist völlig verschieden von der europäischen Musik und hat an­dere Gesetze. Die Stala ist viel reicher sie hat nicht bloß ganze und halbe, sondern auch viertel und achtel Töne. Beim ersten Hören erscheint sie unrein und falsch aber später gewahrt man, daß sie auf einem System be­ruht. Dennoch benutzten die Eskimos bei einem Lied viel weniger Töne als wir. Ich habe einmal das Preislied aus Wagners Meistersingern" vor einem alten estimoischen Komponisten gesungen. Er lachte, schüttelte den Kopf und sagte: Daß man so viel Töne gebraucht und dabei doch nicht bessere Musit macht!"... Viele der Estimoweisen sind außerordentlich schön und eigenartig, aber sie können nicht durch Noten wiedergegeben werden. Da muß man an dere Zeichen zuhilfe nehmen. Am meisten wird der Gesang und die Musit bei den noch heidnischen Estimos gepflegt. Die ersten christlichen Missionare haben den Eskimos den Gesang verboten, weil er eine Sünde sei. Sie haben da­durch ein Stück Estimokultur verpfuscht. Aber die Polar­estimos am Kap Jort, die Nachbarn des Nordpols", sind noch vollständige Heiden und bei ihnen ist noch die Musil die einzige Form der Kunst. Sie ist ihnen ein Bedürfnis, sie komponieren selbst, singen zur Trommel und tanzen bei festlichen Gelegenheiten. Tag und Nacht singen sie, auch während der Arbeit. Das ist ein prächtiges Volt, das den Indianern gleicht, während die südlicher lebenden dänischen

mir so lustig, so heiter, und nun sind Sie so traurig, so ganz verändert."

Ich sagte Ihnen doch schon, wir hatten Unglück!" ,, Ach was, das Geld! Suchen Sie doch den Verlust zu verschmerzen! Suchen Sie wieder so heiter und froh in die Zukunft zu blicken, wie ehemals! Wollen Sie mir das versprechen?"

Sylvia nickte. Er zog ihre leise widerstrebende Hand an seine Lippen.

In diesem Augenblick trat Maja aus dem Hause. Sie sah, wie die Freundin hastig ihren Arm zurückzog. ,, Nan, habe ich mich nicht sehr beeilt?" rief Maja den Wartenden zu.

ia, nur allzu sehr", lachte Walter. Drinnen im Bimmer drückte Lilly das Näschen platt an die Scheiben.

Tante Maja, gelt, du kommst bald wieder?" Ilang es bittend heraus.

Ja, Liebling, vielleicht morgen!"

Lillh tatschte in die Hände. Sie trug zwar noch eine weiße Binde um die Stirn, war aber sonst wieder ganz wohl. Nur ein wenig blaß und angegriffen sah sie aus. Das Kind scheint Sie sehr zu lieben?" fragte Walter.

Ja, ich gäbe biel darum, dürfte ich die süße Kleine für einige Beit behalten. Ich liebe Kinder überhaupt fehr", nickte Maja.

Nun, wer weiß! Ich mache mir so meine eigenen Ge­danken über diesen Fall," erwiderte Walter nedend ,,, mir scheint, der Vater der Kleinen wäre nicht abgeneigt, Sie auf Lebensdauer zu engagieren." Maja errötete.

Nein, was Sie nicht alles wissen! Ich staune über solche Klugheit!" spottete sie.

Ja, ich bin eben Menschentenner, mein Fräulein!" Neckereien und Scherzworte flogen hin und her. Nur Sylvia blieb still und worttarg. Die Unterhaltung brehte sich um die verschiedensten Dinge.

,, Sagen Sie, haben Sie Verwandte in Berlin?" wandte sich Walter plößlich ohne jeden Uebergang Sylvia.

,, Nein, aber weshalb fragen Sie?"

an

Estimos viel weniger gut aussehen". In einem gleich­zeitig veröffentlichten Gespräch eines Mitarbeiters der Aj tenpost" mit Leden äußerte sich dieser, daß er 70 verschie dene Eskimomelodien auf Phonographenplatten jestgehalten habe, die wissenschaftlich und musikalisch von höchstem In teresse seien, da sie in ihrer Primitivität wirklich die Mu­sit der Urzeit" bieten. Während die im dänischen Grön­land lebenden Estimos zu ihren Liedern Terte haben, ist dies bei den Polarestimos nicht der Fall. Sie begleiten die Lieder mit Tänzen, doch nur mit Einzeltänzen. Auch tan­zen Männer und Frauen nie zu gleicher Zeit. Baartanz ist unter ihnen ganz unbekannt. Ihre Stimmlage ist faſt im­mer Bariton. Tenor äußerst selten. Als einziges Musik- instrument besißen die Polarestimos eine eigenartige Trom mel. Ueber einen Rahmen aus Holz oder Knochen ist straff ein Fell gespannt, auf den sie mit Knochen oder Holzstücken trommeln. Die Musit steht in Verbindung mit irgend et was religiösem. Sie drücken durch sie ihre Freude und ihre Trauer aus und rufen durch die Musik ihre Götter an.

Zeitungslektüre als Schulunterrichtsfach.

In einigen deutschen Schulen( Danzig 2c.) wurden in­teressante Versuche gemacht, das Lesen einer Zeitung als Unterrichtsfach in den gegebenen Lehrplan einzufügen. Es wurde natürlich nur derjenige Teil der Zeit für den Un­terricht verwendet, der dem Gesichtskreis der Schüler und Schülerinnen angemessen ist. Die Politik war in allen Fäl len von dem Unterricht ausgeschlossen. Die Erfahrungen, die aber mit dem anderen Inhalt der Zeitung bei den Schülern gemacht worden sind, waren durchweg ausgezeich= nete und ließen diese Versuche als sehr beachtenswert er­scheinen. Die Schüler und Schülerinnen brachten dem neuen Lehrstoff große Aufmerksamkeit und ein erhöhtes Interesse entgegen, zumal es sich stets um interessante Dinge handelte, die ihnen draußen, im Elternhaus und auf der Straße auch begegneten. So wurden die Schüler z. B. in der Geschichts­und Geographiestunde mit den Ereignissen der neuesten Zeit­geschichte bekannt gemacht, u. a. mit dem Tode berühmter Männer und im Anschluß daran mit der Geschichte ihres Lebens und ihres Wirkens; mit Erdbeben und ihren wahr­scheinlichen Ursachen, mit Vulkanausbrüchen, die die ganze Welt erregten, mit großen Ueberschwemmungen, mit Ka­tastrophen in Bergwerken, mit ihren Ursachen 2c. Die Kin­der lernten an diesen aktuellen Geschehnissen, die für jedes fast den Reiz eines persönlichen Erlebnisses hatten, praktisch für das Leben. In den höheren Klassen wurde auch auf die Erfolge der Luftschiffahrt an der Hand der Zeitungs berichte hingewiesen. Dabei ergab sich zugleich die Gelegen­heit, auch über die Entwickelung dieser bedeutsamen Frage einiges zu sagen. Bedeutsame vaterländische Gedenktage, hervorragende wissenschaftliche Expeditionen brachten Ab­wechslung in den Lehrstoff. An der Hand der Beschreib­ungen der großen Manöver war es möglich, den fortge schrittenen Schülern das Wichtigste über derartige militäri­sche Uebungen mitzuteilen und ihr Interesse daran zu er­wecken und zu stärken. Auf diese Weise wurden die Schü ler in schöner Form auf das praktische Leben vorbereitet. Auch der Kurszettel und die Darstellungen der steigenden und fallenden Lebensmittelpreise waren geeignet, den Un­terricht in der Schule dem Leben dienstbar zu machen, ohne daß dadurch doch der Lehrplan selbst in irgend einer Weise Schaden litte. An Stelle der bisherigen rein theoretischen Rechenarbeiten wurden eben nur die gegebenen praktischen Zahlen verwendet, die nur das Interesse der Schüler er­höhten.

Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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,, Ach, ich meinte nur so. Eine flüchtige Aehnlichkeit, weiter nichts. So etwas tann vorkommen, zumal in Ber lin. Es fiel mir nur eben wieder ein. Ich wollte Sie neulich schon fragen, habe es aber vergessen. Nun flog mir die Geschichte so durch den Sinn, ich weiß selbst nicht wie ich auf einmal darauf komme. Ich hatte die Sache schon halb vergessen, merkwürdig ist es, wie ähnlich Sie jenem Menschen sehen."

Er machte eine Pause. Sylvia sah ihn fragend an. ,, Von wem sprechen Sie eigentlich, Herr Walter?"

,, Es war eine häßliche Szene", fuhr er gedankenvoll fort. Sie spielte sich in dem Restaurant ab, wo ich Stamms gast war. Ich verkehrte dort öfters mit einem Herrn, der fich mir förmlich aufgedrängt hatte und mich zu einem Kartenspiel verleiten wollte. Ich lehnte aber stets ab. Jener Mensch nun war eines Abends mit mehreren an deren in Streit geraten. Seine Kameraden beschuldigten ihn des betrügerischen Spiels. Abscheuliche Nebensarten und rohe Flüche wurden ausgeftoßen und bald wälzte sich ein dichter Knäuel auf einander einschlagender Menschen am Boden. Sie rissen einander die Kleider vom Leibe, daß die Feßen herabhingen. Schließlich wurde der Falsch spieler überwältigt und vor die Tür geworfen, wo er blua tend liegen blieb. Die Polizei nahm sich der Sache an. Die Karten wurden beschlagnahmt; es tonnte nachgewic sen werden, daß jener Mensch wirklich falsch gespielt hatte und so wurde er in sicheren Gewahrsam gebracht. Wie lange er brummen mußte, habe ich nicht erfahren."

,, Und mit dem son ich Aehnlichkeit haben?" fragte Sylvia, die sehr blaß geworden war. Na, hören Sie, sehr schmeichelhaft für mich ist dies gerade nicht," ber fuchte sie zu scherzen. ,, Wie hieß denn jener Mensch?" Sie blidte gespannt auf Walter, ein Bittern buriblief ihren schlanken Körper.

Ach, lassen Sie die Geschichte ruben"; wehrte Wal ter eifrig ab, offenbar bemüht, Sylvia auf anbere G banten zu bringen, da er sah, wie erregt sie war.

Fortfeguna folgt.)