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dante gekommen sein mag, daß diese königliche Gattin niemals ihren Mann allein in die Verbannung hätte ziehen lassen? Stein, Hardenberg, Scharnhorst, Gneistnaw, Blü cher, finden in der Königin Luise ihre treue Gesinnungsgenossin. Wie beweglich weiß sie Stein, den Eisentopf, vermögen, daß er sich durch die verletzenden Schroffheiten des Königs nicht verleiten läßt, die Büchse ins Korn werfen. Sie hat sich überzeugt, daß die nachhaltige Wiedergeburt des Staates auf der Umgestaltung der Voltsbildung erfolgen muß. Die Leibeigenschaft und der damalige zu stand des Volksschulwesens fennzeichnen wohl am deutlichsten den Tiefstand des Volfslebens jener Zeit. Mit Begeisterung las die Königin Luise die Schriften des großen Schweizer Pädagogen Pestalozzi. Sie sagt:" Wäre ich mein eigener Herr, so seßte ich mich in meinen Wagen und rollte zu Pestalozzi in die Schweiz, um ihm mit Tränen und einem Händedruck zu danken. Wie gut meint er es mit der Menschheit!- im Namen der Menschheit danke ich ihm!" Auf ihre Anregung werden preußische Schulmänner nach der Schweiz gesandt, um sich mit der Lehrweise Pestalozzis vertraut zu machen. In Königsberg und Bunzlau entstehen die ersten Probeschulen dieser Art. Allmählich beginnt in die Schulen ein anderer Geist einzuziehen, wo bisher abgediente Unteroffiziere und Handwerker, die ein„ stilles Gewerbe trieben", wie Tyrannen gehaust hatten.„ Luisen= schule" gilt darum mit Recht heut als ein Ehrenname für ein Schulhaus.
Ihr
Ein hartes Schicksal versagte der Königin Luise, den Völlerfrühling von 1813 und die Wiederherstellung Preußens zu erleben. Als sich ihre Augen für immer schlossen, stand Napoleon auf dem Gipfel seiner Macht. Mit schran= tenloser Willfür setzte er Könige ab und ein. Kurz und bündig erklärte er, dieses oder jenes Herrscherhaus habe aufgehört zu regieren! Seitdem ist ein Jahrhundert dahin gerauscht. Wie anders stellt sich die Welt heut dar! Luisens irdischer Teil ruht in der Eruft zu Charlottenburg. vormaliger Kammerdiener Rauch, auf ihre Verwendung zum Künstler ausgebildet, hat in der Herstellung ihres herrlichen Grabmals der Dahingeschiedenen und damit sich selbst ein unvergängliches Grabmal geschaffen. Tausende wandern alljährlich dahin und lassen den eigenartigen Zauber dieser weihevollen Stätte auf sich wirken. Hier ruht auch Luisens Sohn, Kaiser Wilhelm 1. Jena und Tilsit sind durch Leipzig, Waterloo und Sedan für immer wett macht. Die Geschichte der Napoleoniden ist für immer abgeschlossen. Luisens Urenkel ist deutscher Kaiser! Kein Rheinbund, keine Mainlinie trennt uns mehr. Als letzte überlebende Zeugin trauert einsam die Witwe Napoleons 3., in stummer Klage das furchtbare Geschick ihres Hauses be weinend. Wer vermöchte, ihr den Zoll aufrichtigen Mitleides zu versagen? Luise schlummert inmitten ihrer Lieben, umgeben von den Zeugen einer glorreichen Vergangenheit, von ihrem Volte nahezu wie eine Heilige verehrt. Trop ihres Leides ist ihr vom Schicksal ein besseres Los beschie den gewesen als jener. Ihre Lichtgestalt wird allezeit für deutsche Frauen auf dem Throne und im Bürgerhause als Vorbild zu gelten haben. Ihr Andenken zu ehren und in den Herzen der deutschen Jugend wach zu erhalten, muß für jeden Deutschen jederzeit eine Ehrenpflicht bleiben!
Friedberg- Büdingen.
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Wir hatten dieser Tage eine Nachricht des Offenbacher Zentrumsorgans unter„ Nachtlänge aus Friedberg- Büdingen" erwähnt. Diese Meldung findet durch eine in verschiedenen Blättern erschienene Zuschrift von zuständiger Seite ihre teilweise Bestätigung. Die betreffende Mitteilung lautet fol= gendermaßen:" Richtig ist die Wahlenthaltung des Fürsten und der Mehrzahl seiner Beamten, richtig auch sein Austritt aus dem Bund der Landwirte, der er nur als einer wirtschaftlichen Vereinigung angehört hat, den er jedoch als politische Partei nicht anerkennt. Unrichtig ist, daß der Fürst
1)
Gerichtet.
Familienroman von Franz Wichmann.
1. Rapitel.
Eine Viertelstunde östlich von Grünwald, wo der finstere Föhrenwald, der fast an die Gärter des Dorfes stieß, sich plöglich lichtete, lag seit alter Zeit aus einer fleinen Blöße das Forsthaus.
Wildrankender Wein, durch den sich hier und da anmutig eine Kletterrose wand, umzog feine grauen Mauern und zwischen den grünen Fensterläden blitzten gar freundlich die blanken Scheiben dem Vorübergehenden entgegen.
Ein goldener Sommertag mit wolfenlosem Himmel brütete über dem reglosen Wald; selbst die prächtige, schattenspendende Linde in dem kleinen Vorgarten des Forsthauses vermochte heute nicht die Glut abzuwehren; kein Blatt, fein Halm bewegte sich; in zitternden, flimmernden Wellen floß das Mittagslicht um Baum und Strauch.
Obwohl der Himmel, so weit das Auge reichte, frei von Nebel und Dunst schien, lag doch bange, nahen Sturm fündende Wetterschwüle in der Luft, und der schrille Schrei eines Raubvogels, der bisweilen aus der schweigenden Höhe herabtönte, schien ein nahendes Unheil künden zu wollen.
Waldmann, d: s Försters Reiner biederer Dackl, hatte sich mit langherauslingender Zunge in den fühlen, steinernen Hausflur zurückgezogen und warf nur zuweilen einen gleichgültigen Blick durch die halb offenstehende Zimmertür. Das Treiben der Frau da drinnen interessierte ihn wenig. Sobald sein Herr wie heute abwesend war, regte sich in ihm der Philosoph und er betrachtete alles, was um ihn her vorging, mit einer hochgradigen Weltverachtung.
Offenbar begriff er die Försterin nicht, die bei solcher Hitze treppauf, treppab springen und mit der Miene übertriebener Geschäftigkeit von einem Zimmer ins andere laufen mochte.
Im Sonntagsstaat, etwas altmodisch und mit auffälliger Farbenliebe geputzt, hastete sie eben wieder in die behagliche Wohnstube, in der die Tochter vor einem mit Kleidern bedeckten Stuhle stand.
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Wie siehst du denn wieder aus?" fuhr sie das Mädchen „ Das ist doch kein Anzug für dich!"
mit seinem ganzen Hofhalt und seinen Lieferanten Wahlenthaltung geübt habe."
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Berlin. Die" Deutsche Tageszeitung" bespricht den Austritt des Fürsten von senburg Büdingen aus dem Bund der Landwirte und sie wendet sich vorzugsweise gegen seinen beratenden amten, welcher sich über die Lage der Dinge nicht genügend unterrichtet habe. Bekanntlich sei der Austritt erfolgt, weil ein Redner des Bundes der Landwirte den Ausdruck braucht habe" Raubritter von Büdingen". Der Sachverhalt sei folgender:" Die Redner haben über den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Hilfsrats Rothschild gesprochen, der in Büdingen ein Bankgeschäft betrieb und mit den Geldern weiter Kreise der Bevölkerung in der dortigen Gegend gewirtschaftet habe, so daß ganze Ortschaften in den Zusammenbruch seiner Bant hineingezogen wurden." Diesen Banfier Rothschild haben die bündlerischen Redner den Raub= ritter von Büdingen genannt. Aber die Aeußerung sei dem Fürsten in einer verlogenen Entstellung zugetragen worden. Der Bund der Landwirte habe von diesen Treibereien durch die Zeitungen erst Kenntnis erhalten, als der Austritt schon erfolgt sei.
Klara, die eben im Begriff gewesen war, eine Jacke ansuziehen und einen Schurz vorzubinden, blickte verwundert ruf. ( Gerichtet 1 Nr. 8.) Warum nicht, Mutter?" fragte sie, sich umwendend und jugleich ihre einfache, doch saubere Kleidung mit den Augen prüfend überblickend.
Die Försterin rückte ärgerlich an ihrer fofetten Haube. Dummes Ding," stieß sie aus, weißt du denn nicht, was leute für ein Tag iit?"
Lokales.
Gießen, 19. Juli 1910.
** Verliehen wurde dem Großherzog vom König von Spanien das Goldene Vließ der höchste spanische Orden.
eine
= r= Stadtverordneten Versammlung. Am nächsten Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, findet Sigung der Stadtverordneten mit folgender Tages- Ordnung statt: 1. Baugesuch Gustav Belitz für Ecke Ebel- und Wilhelmstraße. 2. Errichtung von Bedürfnishäuschen. 3. Feldbereinigung links der Lahn; hier: Weganlage bei der Gail'schen Dampfziegelei. 4. Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Marburgerstraße, Ostanlage, Mosttestraße und Kaiser- Allee.- 5. Festsetzung des Preises für Grund= stücke des Stadterweiterungsfonds, die zu Straßen- Anlagen verwendet wurden. 6. Gesuch der israelitischen Religionsgesellschaft betr. Anlage eines israelitischen Friedhofs. 7. Beerdigung von Leichenteilen aus der Anatomie dem alten Friedhof. 8. Ausstellung von Aufnahmebe= hältern auf dem alten Friedhof für abgängigen Grab= schmuck. 9. Anstrich des Gebäudes Leihgesternerweg 13. 10. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen.- Genehmigung von Rechnungen. 12. Beleuchtungsanlage in der höheren und erweiterten Mädchenschule. 13. Fort bildungsklasse an der höheren und erweiterten Mädchenschule.
auf
11.
14. Voranschlag für die Oberrealschule und das Realgymnasium für 1911. 15. Beschaffung von Einrichtungen zur Brauchbarmachung des bedingt tauglich erkannten Fleisches. 16. Ausführung der Trichinenschau durch ein Trichinostop. 17. Genehmigung von Handabgaben aus den Stadtwaldungen. 18. Bestellung von Frauen als Armenpflegerinnen. 19. Eingabe des Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen Leipzig, Kreisverein Gießen, um anderweite Festsetzung des Ladenschlusses. 20. Gesuch der historischen Kommission des Großherzogtumes Hessen um Beitritt der Stadt Gießen.- 21. Gesuch der Vereinigung für staatsbürgerliche Erziehung in Köln um Gewährung von Zuschüssen. 22. Gesuch des Gießener Fußballklubs um Gewährung eines Zuschusses zur Anlage eines Spiel= platzes. 23. Gesuch des Johannes Cüsters um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetriebe im Hause Ludwigstraße 55. 24. Desgl. des Heinrich Decker für Crednerstraße 34. 25. Desgl. des Karl Pfeil für Plockstraße 5.
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1900
Universität. Prof. Heß hat sich nach 50jähr. Lehrtätigkeit an der Universität Gießen in diesen Tagen in das Privatleben zurückgezogen Dem verdienten-
,, Gewiß, so gut wie der Kalender; es ist Freitag," flang die unbefangene Antwort des Mädchens zurück.
„ Nun, und was hat der Tag für eine Bedeutung?" fuhr die Försterin fort.
Man sagt, er sei ein Unglückstag."
Die Försterin strich mit überlegener Miene ihre zierliche Schürze glatt.
,, Schäme dich doch," meinte sie ,,, wer wird heutzutage noch abergläubisch sein? In der Stadt würde man dich darum auslachen!"
Eine leichte Falte des Unmuts zeigte sich auf der Stirn des schönen Mädchens.
„ Ich weiß wirklich nicht, was du sonst meinst," sagte sie abweisend.
Da haben wir's!" rief die Försterin.„ Ich sagte es ja immer, daß du fein Herz für deinen Bruder hast!" Mutter!" sagte Klara vorwurisvoll.
„ Nun ja, ist es etwa denn nicht wahr?" versetzte die Försterin.„ Kannst du dich denn nicht auch freuen wie der Vater, wie ich, daß Otto heute aus der Stadt kommt und daß er längere Zeit bei uns bleiben wird?"
Sie wartete einen Augenblick die Wirkung ihrer Worte ab, aber da das Mädchen schwieg, fuhr sie fort:
,, Kannst du nicht antworten? Was tust du denn jetzt wieder?"
Der Heftigkeit der Försterin setzte die Tochter die größte Ruhe entgegen.
„ Das siehst du ia, Mutter," entgegnete fie, ich war im Begriff, mich umzukleiden!"
„ Aber das ist doch kein festtägiges Gewand, wie es sich an einem solchen Tage ziemt!" eiferte die Försterin.
Klara legte gleichwohl die Jacke an, welche die Mutter soeben beanstandete. Ich will noch arbeiten," sagte sie.„ Das Unkraut, das sich in unserm Garten wieder so breit macht, muß beizeiten ausgejätet werden, später wird man seiner nicht mehr Herr."
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Ärgerlich trat die Försterin vor die Tochter hin. „ Ach was," haderte sie,„ Unkraut hin, Unkraut her, ein junges Mädchen wie du sollte sich um andere Dinge fümmern. Wozu ist denn die Lina da?"
„ Ich denke zum Arbeiten, wie wir und alle Menschen auf der Welt zur Arbeit da sind!"
Was für ein Geschwätz das ist! Du sprichst doch wahrhaftig wie der Apostel vom Steinbruch!"
Zum erstenmal wandte das Mädchen sich ab und ihre Wangen entfärbten sich ein wenig, während sie an ihrer Jacke nestelte und knöpfte.
Wen meinst du?"
" Muß ich das wirklich noch sagen? Wen anders sollte ich meinen als den Hellborn!"
lehrten und großen Fachmanne in der Forstwissenschaft war in erster Linie die Schaffung des Forstgartens der Universität am Schiffenberg zu verdanken. Während seines langen Aufenthaltes in Gießen hat sich Prof. Heß auch in der Bürgerschaft eine große Beliebtheit erwerben und sich namentlich die Zuneigung weiterer Kreise dadurch gewonnen, daß er den Forstwald auch der Oeffentlichkeit durch die Schaffung einer Restauration erschloß.
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* Sterblichkeit. In Gießen forderte im Juni der Tod im ganzen 65 Opfer, bon denen 17 das 15. Lebensjahr noch nicht überschritten hatten. Unter den Todesursachen nahm die Tuberulose die 1. Stelle mit 11 Todesfällen ein. An Unterleibskrankheiten starben 8 Personen, während von den übrigen Todesursachen die meisten Opfer( 7) bei den Verunglückungen zu berzeichnen waren. Diese hohe Zahl erklärt sich durch die Inanspruchnahme der Kliniken bei Unfällen seitens der näheren und weiteren Umgebung von Gießen.
* Ausflug. Am Sonntag besuchten die Mitglieder des Oberhessischen Geschichtsvereins die Stadt Alsfeld, wo unter Führung des Privatdozenten Dr. Rauch u. a. auch das dortige Museum in Augenschein genommen wurde. Alle Teilnehmer waren von der Fahrt auf das beste befriedigt.
-h Evang. Arbeiterverein. Am Sonntag feierte der Evang. Arbeiterberein auf der Liebigshöhe unter reger Beteiligung der Mitglieder sein Gartenfest. Nonzert, Damenreigen und Kinderspiele sorgten für Unterhaltung. Der gemischte Chor, wie der Frauenchor des Vereins brachten recht stimmungsvoll verschiedene Chöre zum Vortrag, denen die verdiente Anerkennung gezollt wurde. Das Fest war von dem herrlichsten Wetter begünstigt. Am Abend fand im Saal der Liebigshöhe Tanz statt, dem namentlich die Jugend eifrig zusprach. * Vom Tage. Die Frau eines hiesigen Werf, meisters hatte in einem Geschäft Waren erstanden, für welche sie dem begleitenden Haus burschen in ihrer Wohnung 4 Mf. aushändigen sollte. Sie tat dies jedoch nicht und gab auch die Waren nicht zurück Erst das Erscheinen der Polizei vermochte dem geschädigten Kaufmann zu seinem Eigentum zu verhelfen.
XV. Ruder- Regatta.
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Am letzten Samstag, Sonntag und am gestrigen Tage veranstaltete die Gießener Rudergesellschaft in Verbindung mit der 4. Regatta des Lahn- Regatta- Verbandes ihr 15. Ruderfest auf der Lahn. Nicht weniger als 14 Vereine mit 46 Booten und 229 Ruderern hatten sich für die Rennen angemeldet. Das Bootshaus der Ruder- Gesellschaft hatte sich zu diesem Zweckt in ein Festgewand geworfen, auch die zum Empfang der Gäste und Zuschauer an der Seite des Gebäudes errichteten Tribünen wiesen reichen Schmuck auf. Der Start für alle Rennen befand sich an dem oberhalb des Bootshauses in einer Entfernung von 1900 Metern befind= lichen Felsen an der Lahn, das Ziel bildete der Festplatz. Da von dem letzteren bis zu dem Abfahrtsplatz die Lahn feine erhebliche Krümmung macht, so war mittels Fernglas die ganze Strecke recht gut von dem Festplaß aus zu überblicken. An dem Nachmittag des ersten und am Morgen des zweiten Festtages fanden die zur engeren Auswahl un
Das Mädchen drehte sich iäh herum und eine flüchtige Röte überflog ihr liebliches Gesicht.
,, Warum nennst du den einen Narren, Mutter?" ,, Dumme Frage! Weil er einer ist! Alle Welt lacht über ihn!"
Klara schüttelte ernst den Kopf.
Das mag sein, aber darum brauchst du doch nicht auch über ihn zu lachen!"
Die Försterin war sonst eine gute Frau, aber dieses Benehmen ihres Kindes reizte sie.
Wenn du nicht immer widersprechen müßtest!" meinte fie. ,, Dein Bruder Otto denkt, Gott sei Dank, vernünftiger als du von der Welt!"
Klara zuckte die zierlichen Achseln.
Dafür ist er ja auch ein Studierter!" sagte sie mit leichter Schärfe.
Willst du darum seiner spotten, naseweises Ding?" er eiferte die Försterin sich. Was bist du gegen deinen Bruder? Otto hat etwas gelernt und kennt das Leben. Ich sage dir, er wird es noch einmal zum Minister bringen!"
Den breitrandigen Gartenhut auf das blondgelockte Haar gesetzt, wandte Klara sich zum Gehen.
„ Er hätte auch glücklich werden können," meinte sie ,,, wenn er den Wunsch des Vaters erfüllt hätte und Förster geworden wäre!"
Doch die Mutter wollte davon nichts wissen. „ Förster!" wiederholte sie.„ Das ist ja recht schön, aber unser Otto paßte nicht dafür! Das hat sich überlebt. Das Land ist heutzutage überhaupt nichts mehr, die Städte sind alles!"
„ Leider!" entgegnete Klara. Wie weh aber wird es dem Vater tun, in seinem Alter noch fortzumüssen in eine neue Welt!"
Die Försterin erboste sich von neuem. ,, Sprich nicht so töricht! Auf diese Versetzung in die Hauptstadt habe ich jahrelang gehofft. Sie wird unser aller Glück werden. Was verstehst du davon? Du kennst die Stadi und das bunte, glänzende Leben dort nicht. Ach, es war meine schönste Zeit, da ich als Stütze der Hausfrau bei der gnädigen Baronin in der Residenz war. Glaube mir, auch du wirst noch denken lernen wie ich!"
„ Niemals, Mutter!" entgegnete das Mädchen fest. ,, Du bist ein unvernünftiges Kind," versetzte die Försterin: ,, mit dir kann man kein verständiges Wort reden!" Klaras Sprache verlor plötzlich den harten, spröden Klang: ihre Stimme wurde weich.
,, Sei mir nicht böse, Mutter," sprach ste. Sieh', ich fann nicht anders, wenn ich auch wollte! Ich habe das wohl vom Vater-"
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