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Sabbatglocken.

Von M. Ferno.

( Schluß.)

Sie lichte, kleine Sommerelfen lie­fen die Kinder dahin, während Char­lottens schwarzes Kleid sich fast dü­ster in dieser lebensfrohen Umge­bung ausnahm. Auf dem Feldwege kam ihnen ein Wandere entgegen die Kinder, die an ihm vorübereilten, achteten nicht darauf, auch Char lotte kaum.

Aber den hochgewachsenen Mann in der schlichten Joppe und dem grünen Lodenhute frappierte die schlanke Dame in dem schwarzen Kleide, die den leichten, weißen Strohhut abge­nommen hatte. Eine städtische, trotz des schlichten Kleides elegant aussehende Dame- der Anblick war hier auf der Eichwalder Grenze selten. Die Kommerzienrätin hatte selten fremde Gäste, die sich auf den Feldwegen sehen ließen. Und des­halb blickte er aufmerksam auf die Näherkommende

ein jähes Erröten färbte das von Luft und Sonne gebräunte Antlitz und sein Fuß stockte! Das war ja sie, die er doch nicht vergessen hatte, die er heute noch neben jedes Mädchen vergleichend stellte, wenn er der Mutter Wunsch erwog:" Aber Konrad, du mußt doch nun auch ans Heiraten denken jetzt mit einem Gut- ohne Frau, das geht doch nicht."

Und an Onkel Thielemanns letztes Wort, als er sterbend dem Neffen erklärt hatte: Mein Kühl­hagen bekommst du; liebe es, wie ich's geliebt habe, und gib hier eine Herrin her aber Junge nur eine, die du liebst, recht herzlich liebst! Sonst geht dirs wie mir du wirst un­glücklich und zuletzt einsam und du sollst glück­lich werden!"

Nun war er nicht mehr der arme Oberleutnant, nun war er der wohlhabende Besitzer von Kühl­hagen, und er wußte wohl: es war eigentlich doch ein Eigensinn, daß er Charlotte nicht vergessen konnte.

Und jetzt, wo er fast dazu gekommen wäre, der Mutter Wunsch zu erfüllen, als er sah, wie in Haus und Hof von Kühlhagen die Herrin fehlte, heut, wo er gedacht hatte, fertig geworden zu sein mit der Erinnerung, heut trat sie ihm ent­gegen sie selbst so, wie er sie im Gedächt­nisse hatte von damals.

Als er sie sah in dem schwarzen Kleide und in demselben Augenblicke die beiden weißgeklei= deten Kinder, da wußte er, daß sie frei war. " Charlotte!" sagte er und stand hochaufatmend still vor ihr Charlotte wir haben uns lange nicht gesehen, und hier müssen wir uns begegnen!"

Sie erschrak so heftig, daß sie sich an den Stamm einer Buche lehnen mußte, aber sie reichte ihm die Hand zum Gruße.

Er umschloß sie mit kräftigem Druck, und als er sie küßte, sah er, daß sie zwei Trauringe trug.

" Charlotte, sagte er erschüttert, das Leben führt doch unsere Wege zusammen. Wie kommts, daß Sie hier sind in der Einsamkeit von Eich­walde?"

Sie hatte sich wieder gesammelt, ihre Stimme klang fest und sicher." Ich bin Sekretärin bei der Kommerzienrätin Kielwerder als mein Mann starb vor einem Jahre mußte ich mir Er­werb suchen für mich und die Kinder. Ich hatte nichts gelernt keine Fachbildung mußte froh sein, diese Stellung zu finden. Und ich mußte mit hierher die Kommerzienrätin wollte, ich sollte mit den Kindern ihr Gast sein

ich

auf dem Schlosse, aber sie verstand es, daß ich das Anerbieten nicht annahm. Ich mietete mir eine Wohnung im Lehrerhause und bin sehr glücklich hier."

Er war neben ihr hergeschritten, und die Kinder kamen gelaufen, sagten freundlich Guten Abend und streichelten den großen Jagdhund, der seinen Herrn begleitete. Dann liefen sie, mit dem Hunde spielend, wieder vorauf.

Und weiter?" fragte er leise.

" Weiter?" erwiderte sie, ich weiß nichts weiter ich bin so wunschlos, es ist alles ruhig in mir."

Lehren Sie mich diese köstliche Ruhe, Char­lotte in mir ist alles unruhvoll!" sagte er leiſe.

Man ist nicht umsonst fast neun Jahre in des Lebens harter Schule," sagte sie ,,, man lernt dann das große Meisterstück innerer Ruhe."

Er spürte wieder den Zauber dieser Frau, einen anderen, als den das fröhlich- sanfte Mädchen von damals gehabt hatte." Charlotte," sagte er und nahm ihre linke Hand zwischen seine beiden Hände, ,, wir sind beide zwei selbständige Menschen nur uns allein und einander Rechenschaft schuldig

ich bin Ihnen treu gewesen alle die Jahre, ich habe Ihrer gedacht als einer, die mir verloren ging, ich habe die Schwelle Ihres Hauses nicht entweiht; wenn ich Sie nun heut bitte: wer­den Sie jetzt mein Weib! was sagen Sie dazu?"

Die Kinder hatten einen kleinen Vorsprung und vergnügten sich, den treuen Karo ein Stück Holz apportieren zu lassen, was er zu ihrem großen Jubel auf ihren Befehl tat- sie waren so vertieft, daß sie sich um die Mutter nicht küm­merten, die langsam neben dem Fremden einher­schritt.

Wissen Sie, was Sie da tun?" fragte sie und sah ihn mit ihren leuchtenden, grauen Augen an. " Ich bin eine andere als das Mädchen von da­mals, eine andere als die Frau, die Sie in Rühls­dorf wiedersahen, ich bin durch das Leid meines Lebens, das ich selbst verschuldete, gestählt, ich schwanke nicht mehr und lehne mich schutzbedürftig an. Den festen Standpunkt im Leben, den fand ich nicht als Mädchen, nicht als Braut, nicht als Frau und Herrin meines Hauses, die ich in Wahr­heit nie zu sein verstand, ich fand ihn als Mutter meiner Kinder in der Arbeit für sie, im Kampfe für sie. Und diese Kinder sind mein alles. Soll ich nun die sie zögerte einen Augenblick, soll ich nun die alte Zuneigung von damals sprechen lassen dann muß ich zunächst fragen: Wollen Sie meinen Kindern ein treuer Vater sein? erst dann kann ich Ihnen antworten."

Sie blieb stehen und rang nach Atem. Er nahm den Hut ab und ließ die kühlere Abendluft um seine Stirn wehen, dann legte er den Arm um sie und zog ihren Kopf an seine Schulter.

,, Ich habe nie aufgehört, Sie zu lieben, Char­lotte und in Ihnen und mit Ihnen liebe ich Ihre Kinder. Was ich Ihnen damals schwor, habe ich redlich gehalten die Schwelle Ihres Hauses hat kein Wort entweiht. Und so halte ich auch meinen Schwur Ihren Kindern, die werden die meinen sein, wie Sie die meine sind!"

Laut und eindringlich begannen die Glocken zu läuten zur morgenden Sabbatfeier- von Eichwalde schallten sie herüber, und die von Kühl­hagen mischten sich hinein.

Da beugte sich Wellermann und küßte Char­lottes Mund: Hörst du, Charlotte- nun läuten uns beiden doch noch die rechten Sabbat­glocken!"

der Winter im Leisk versinnbildlicht, der im Frühjahr sterben muß. In einigen polnischen Dörfern Preußens sah ich vor Ostern in Stroh und Pelze verkleidete Burschen einherziehen. Einer von ihnen stellte den Bären dar, sehr täuschend auf allen Vieren kriechend, sich auch manchmal auf den Hinterfüßen erhebend, wie Petz es oftmals tut. Er wird von einem andern an einer Kette geführt, während ein dritter mit der Rute folgt. Manchmal schlägt dieser den Bären, worauf sich Meister Braun knurrend erhebt und wie ein richtiger, abgerichteter Bär tanzt. Die drei ziehen nun im Dorf umher und heimsen Speck, Eier und Kuchen ein. Alle schenken ihnen etwas, denn wer es nicht tut, wird mit Krankheit bestraft. Daß gerade ein Bär herumgeführt wird, ist symbolisch. Bekanntlich hält dieses Tier den Winterschlaf, und sein Aufwachen und Wiedererscheinen bedeutet, daß der Winter vorbei ist und das Wachsen in der Natur beginnt. Darum auch hier das meiste Opfern von Eiern an den Dämon, der anderseits im Bären gefürchtet wird.

In ganz Schlesien verbreitet ist das Absingen von Liedern vor den Haustüren am Sommersonntag, dem ersten Sonntag nach dem 21. März. Die Kinder ziehen mit kleinen Tannenbäumchen

umber, die mit Nüssen und buntem Papier geschmückt sind, und in jedem Hause werden sie, nachdem sie gesungen, mit Pfeffer= nüssen und Brezeln beschenkt. Sie singen:

Die goldne Schnur geht um das Haus, Die schöne Frau Wirtin geht ein und aus, Sie geht wie eine Tugend, ja Tugend, Wenn sie am Morgen früh aufsteht

Und in ihr liebes Kirchlein geht.

Ins Kirchlein geht sie beten,

Ins Himm'ein wird sie treten.

Ins Himmlein wird sie kommen Im Winter oder Sommer.

Ein anderes Lied im Bänkelsängerstil gedichtet, verdient aber

doch die Wiedergabe:

Maria hat ihren Sohn verlor'n,

Sie suchten ihn in der Judenschul,

Dort saß er schon wieder auf Meister sei'm Stuhl;

Sie nahmen ihn bei der rechten Hand

Und führten ihn weit in das ferne Land.

Er wandelt das Wasser wohl unter den Wein,

Das sollte das erste Malzeichen sein."

Im Zeichen des Kreuzes.

Im Garten von Gethsemane.

Im Garten von Gethsemane,

Da hat es angefangen:

Da rang er finstre Stunden lang Mit Furcht und Todesbangen; Der Menschensohn, der Gottessohn Schritt einsam hin und wieder,

Das Kreuz vor Augen, schwanken Muts, Es floß der Schweiß wie Tropfen Bluts Von seinem Antlitz nieder.

Vom Kidrontal ein Raunen klang, Von Bach und Pilgerstellen; Genüber fern Jerusalem Auf langen Hügelwellen. Jerusalem, du üble Stadt, Du Mördrin der Propheten Herr, laß den Kelch vorübergehn; Doch wie du willst, so mags geschehn!" Erklangs aus Todesnöten.

Im Garten von Gethsemane,

Da nahm man ihn gefangen, Da küßte der Verräter ihm Den Tod auf beide Wangen. Nun schaff das Kreuz, du Zimmermann, Das Kreuz der Weltgeschichte: Den Führer in der Menschheit Zug, Den Größten, den die Erde trug, Den führt man zum Gerichte! Verkauft, verraten, dorngekrönt, Bespien und zerschlagen,

Vom Stephanstor bis Golgatha Hat er sein Kreuz getragen.

Die Erde bebt, der Donner kracht, Der Vorhang reißt im Tempel. ,, Es ist vollbracht!" sein letztes Wort, So hängt er zwischen Schächern dort Als warnendes Exempel.

Doch als der Ostermorgen kam, Des Grabes Wächter schliefen, Da quollen Licht und Leben auf Aus unbekannten Tiefen.

Weit offen steht des Grabes Tür, Die Wächter stehn entgeistert; Und als der Tau im Garten fließt, Maria Magdalenen grüßt,

Der alle Meister meistert..

Zum Garten von Gethsemane

Geh, Mensch, mit deinen Leiden

Und kämpf dort um ein: Wie Gott will!", Bis du gefaßt magst scheiden.

Und führt der Weg bis Golgatha, Dein Kreuz trägt sich gelinder;

Am Ende: was dir mag geschehn Es gibt ein selig Auferstehn Für alle Gotteskinder.

Victor Blüthgen.

Die drei Kreuze.

rei Kreuze standen auf Golgatha, Drei Kreuze stehen auch heute noch da, Und ist seitdem vergangen kein Tag, Auf dem nicht dunkel ihr Schatten lag. Und jede Zeit sprach zu jeder Zeit:

V. Cusig.

Wir hangen am Kreuze, dem Tode geweiht. Wir hangen am Kreuze, wir armen Schächer, Zur Rechten ein frommer, zur Linken ein frecher, Wer aber ist der gekreuzigte Dritte?

Wen trägt das ragende Kreuz in der Mitte? Ist er ein Träumer, ein Tor, ein Nichts? Ist er ein siegendes Wunder des Lichts? Ist er ein Sinnbild aus alten Zeiten? Ist er der König der Ewigkeiten?

Ist er ein tönernes Ziel allen Spottes? Ist er der Sohn des lebendigen Gottes?" Und jede Zeit hat solche Fragen

Tausend und Tausend' ans Kreuz geschlagen

Drei Kreuze standen auf Golgatha, Drei Kreuze stehen auch heute noch da, Doch heute wird um das Kreuz in der Mitten Von rechts und links erbittert gestritten, Und doch ist kein Tag gewesen von allen, Auf dem nicht hell sein Licht gefallen.

Das hat durch Nacht und Nebel gefunkelt, Das hat alle andern Lichter verdunkelt. Millionen Seelen führte sein Schein Frohlockend ins ewige Licht hinein

Das Kreuz war schon viele Jahrhunderte alt, Als sein Zeimen erobert den deutschen Wald; Seitdem versank ein Jahrtausend fast,

Doch das Licht des Kreuzes ist noch nicht verblaßt, Und seine segnenden Strahlen fliegen

Von Pol zu Pol, die Nacht zu besiegen..

Drei Kreuze standen auf Golgatha,

Drei Kreuze stehen auch heute noch da,

Und wessen Augen erblicken die drei, Den lassen sie nimmer und nimmermehr frei, Dem tritt entgegen ihr Bild, ihre Frage Auf jedem Weg und an jedem Tage.

Er schließe die Augen, er wende den Schritt- Das Bild und die Frage der Kreuze geht mit: Was ist dir das Kreuz in der Mitte, das eine? In welchem der andern erkennst du das deine? Und schwankt er, die Frage bedrängt ihn beständig, Und schweigt er, die Frage bleibt wach und lebendig: Was ist dir das eine? Sprich, welches von beiden Erwählst du als deines? Du mußt dich entscheiden!"

Ein' frühe und fröhliche Antwort ist Gnade Dir naht schon der Abend auf dunkelndem Pfade! Erwäg es, o Seele, und antwortete doch, Auch dich sucht ein seliges" Heute noch!"

Langewiesche.