Rundschau vom Cage.
Politisches.
Das Kaiserpaar beabsichtigt am 25. d. M. im Anschluß an die Eröffnung der aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers von der Akademie der Künste veranstalteten fran= zösischen Kunstausstellung einem Empfang beim französtschen Botschafter beizuwohnen.
Der Fürst von Monaco trifft, wie der B. L. A. erfährt, demnächst in Berlin ein, um Kaiser Wilhelm II. persönlich zur Eröffnung des Ozeanischen Instituts in Monaco einzuladen. Die in glänzendem Stil gehaltenen Eröffnungsfeierlichkeiten in der Residenz des Fürsten, denen wahrscheinlich auch Präsident Fallieres beiwohnen wird, finden nach der offiziellen Ankündigung vom 29. März bis 2. April statt.
Die vierte Verschung nach dem Werftprozeß. Den Verfebungen der dret Staatsanwälte, die im großen Kieler Werftprozeß die Anklage vertraten, ist noch die weitere Versetzung eines am Prozeß besonders beteiligten Beamten erfolgt: Der Abteilungsvorsteher in der Verwaltung der Kieler Reichswerft, Marineintendanturassessor Frerichs erhielt seine Versetzung nach Wilhelmshaven.
Abgeordneter Bassermann gegen den Großblock. Der Reichstagsabgeordnete Bassermann, der Führer der Natio= nalliberalen, erklärte am Sonntag in einer Versammlung in Stettin, sowohl er persönlich wie seine Partet lehne den Gedanken an einen Großblock durchaus ab.
Eine plumpe Erfindung. Ein Berliner Blatt hatte ein angeblich aus Paris verbreitetes Gerücht wiedergegeben, nach dem der Staatssekretär des Auswärtigen Frhr. von Schven bei Gelegenheit einer Besprechung mit dem französischen Botschafter Cambon über die Frage der Mannes mannschen Ansprüche gesagt haben soll:„ Lassen Sie sich durch die Preßartikel nicht irreführen; die Regierung hat damit nichts gemein. Wenn die Reichsregierung ernsthaft gewillt ist, etwas zu tun, folgen uns die Reichstagsabgeordneten wie die jungen Hunde." Die„ Nordd. Allg. Ztg." tit ermächtigt, die dem Staatssekretär in den Mund gelegten Worte als böswillige Erfindung zu kennzeichnen.
In den Kreisen der Altpensionäre des Beamten- und Lehrerstandes ist gegenwärtig eine Agitation im Gange, um die Anwendung der neuen Besoldungsgesetze auch für die pensionierten Lehrer mit rückwirkender Kraft zu erreichen. Wie die Inf." erfährt, hat sich die Regierung entschlossen, den Gesetzen rückwirkende Kraft nicht zu verleihen, was als eine Konsequenz ihrer bisher eingenommenen Haltung anzusehen ist. Auch in allen früheren Fällen haben Regierung und Landtag darin übereingestimmt, die rückwirkende Kraft neuer Besoldungsgeseße nicht auf frühere Pensionäre auszudehnen. Im neuen Etat sind jedoch be= kanntlich für die Lehrer, Lehrerwitwen und Waisen die Unterstützungsfonds höher angesetzt worden.
Petitionierende Zündholzarbeiter. 156 Arbeiter und Arbeiterinnen einer Zündwarenfabrik in Melle haben sich in einer Eingabe an den Reichskanzler gewandt mit der Bitte, für die Arbeiterschaft der Zündholzfabriken Deutschlands ebenfalls eine Entschädigungssumme für nachweisbar eingebüßten Lohn auszusetzen, wie es bei den Tabakarbeitern der Fall gewesen ist. Die Petenten glauben nachweisen zu können, daß bei ihnen die Not zum Teil noch größer set, als bei den Tabakarbeitern.
Ein Gesetzentwurf über die Abänderung des preußischen Gerichtskostengesetzes ist dem preußischen Landtag zuge= gangen. Mit Rücksicht auf die Finanzlage des Staates follen die bisher geltenden Gebührensäße im allgemeinen um 10 v. H. erhöht werden. Wenn auch die Rechtspflege nicht mit Gebühren belastet werden dürfe, die ihre Zugänglichkeit für jedermann in Frage stellen, so könne und müsse doch erwartet werden, daß in denjenigen Zweigen der Rechtspflege, die ganz überwiegend dem Privatinteresse dienen, bie Gebühren Hinter den staatlichen Ausgaben nicht unerheblich zurückbleiben. Indessen enthält der Entwurf auch eine recht erhebliche Anzahl von Ermäßigungen der Gebührensätze. Der nach Ausgleich der Erhöhungen und Herabsetzungen verbleibende Mehrertrag aus der im Entwurf vorgeschlagenen Abänderung wird auf etwa 500 000 Mark geschäßt.
Der neue französische Zolltarif. Nachdem der Entwurf des neuen französischen Zolltarifgesetzes und des zugehöri= gen Tarifs in der französischen Deputiertenkammer ange= nommen und nunmehr dem Senat zugegangen ist, wird of= fiziös darauf aufmerksam gemacht, daß nach dem Artikel 11 bes Entwurfs als Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Gesetzes der 31. März d. I. in Aussicht genommen ist. Die an dem Absatz nach Frankreich beteiligten deutschen Han= delskreise werden daher gut tun, bei Abschlüssen, deren Ausführung erst nach dem 30. März d. J. bewirkt werden soll, auf die dann geltenden Zollsätze des neuen französischen Tarifs Rücksicht zu nehmen.
Verspätete französische Kriegskredite. Wie der Pariser „ Radical" mitteilt, wurde im Jahre 1897 in der französiichen Deputiertenkammer ein Kredit von 92 Millionen für die Expedition in Madagaskar eingebracht, die 1893 gebilligt worden war. Das Kabinett, das damals regierte, hatte wenig Interesse an der Beratung, die seinen Freunden gefährlich werden konnte, und unterließ. es, die Rechnung zu
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Der Fall Welshofen.
Kriminalroman von M. Kossak. ( Nachdruck verboten.)
5. Kapitel.
Plötzlich öffnete sich das Portal des Hauses und eine Frau, die einen großen Karton im Arm trug, trat heraus. Sie mochte etwa vierzig Jahre zählen, sah aber bedeutend älter aus, weil Leidenschaft und unregelmäßiges Leben wahrscheinlich vor der Zeit ihre Züge verwüstet hatten. Sie war einfach, aber mit einer gewissen Vornehmheit gekleidet und würde einer respektablen Person in einer besseren dienenden Stellung geglichen haben, wenn nicht eben eine bewegte Vergangenheit allzu deutlich ihrem ursprünglich sicher schönen Gesicht ihren Stempel aufgedrückt hätte und wenn sie nicht start geschmingt gewesen wäre. Das Rot auf ihren faltigen Wangen sowie die geschwärzten Augenbrauen trugen aber nur noch mehr dazu bei, sie älter erscheinen zu lassen, als sie in Wirkfichkeit war. Brümmel kannte diese Frau von Ansehen, es war die Gesellschafterin der Brusio, die Mariette Verdi. Sie war eben im Begriff, sich mit dem Kostüm ihrer Herrin nach den ,, Kaiserhallen" zu begeben, um ihr dort beim Ankleiden zu helfen. Die Brusio, die nachmittags Ausgänge zu unternehmen pflegte, traf in der Regel später in den ,, Kaiserhallen" mit ihrer Gesellschafterin zusammen, liebte es aber, daß diese inzwischen in dem Anfleidezimmerchen, das man ihr dort für ihren ausschließ lichen Gebrauch eingeräumt, alles nett und bequem her= richtete. Anita Brusio hatte versucht, ihren Direktor zu bewegen, ihr wenigstens einige Wochen Urlaub zu geben, um ihren Verlobten betrauern zu dürfen, aber dieser hatte ihr nur zwei Tage für diesen 3wed geschenkt. Die Italienerin war durch den an ihrem Verlobten verübten Mord selbstverständlich noch interessanter für das Publikum ge= worden, als sie es ehedem schon gewesen war, und der Direktor wollte sich den ihm daraus erwachsenden Vorteil nicht entgehen lassen. Anita hätte, wenn sie sich weigerte, aufzutreten, eine sehr hohe Konventionalstrafe bezahlen müssen, und da sie sehr geldgierig war, so fügte
verteidigen. In den Pertoden von 1898 und 1902 wurden die 92 Millionen gleichfalls in der Kammer nicht erledigt, bis endlich das Parlament von heute die alte Ausgabe ohne Debatte bewilligt hat.
Der schwedische Reichstag ist gestern von dem König mit einer Thronrede eröffnet worden. Sie erwähnt den vor= Jährigen ernsten Arbeiterausstand, der Anlaß gegeben hat, zur Ausarbeitung von Gefeßentwürfen, um Arbeitsetn= stellungen zu verhüten. Ein Gesetzentwurf, betreffend Revision des Zolltarifs, werde demnächst vorgelegt werden. Ungeachtet der großen Ersparnisse für 1911, in welchem Jahre die Gesamtsumme der Erfordernisse geringer ist, als diefenige für 1910, würden neue Steuern notwendig sein, u. a. etne Erhöhung des Eingangszolles auf Kaffee und die Erbschaftssteuer, ebenso eine Einkommen- und Vermögenssteuer.
Kleine Nachrichten.
Erholungsreise des Herrn von Kröcher. Der Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses von Kröcher wird sich mit seiner Gemahlin Ende des Monats zur Vornahme etner Kur nach dem Süden begeben, um die Folgen einer Fischvergiftung, die er sich im Oktober v. J. zugezogen hat, zu beseitigen.
Arbeitervertreter nach Berlin entsandt. Von Siegen find gestern drei Arbeitervertreter nach Berlin abgereist, wo sie von verschiedenen Mintstern empfangen werden, um Wünsche der Siegerländer Arbeiter zur Sprache zu bringen.
Der 101. Geburtstag. In Salzwedel beging am letzten Donnerstag der emeritierte Pastor Güssow seinen 101. Geburtstag. Der alte Herr ist noch verhältnismäßig rüsttg. Bis zu seinem 71. Lebensjahre war er Pfarrer in Güſſefeld, wo schon sein Vater das Pfarramt innegehabt hat. Jetzt ist fein Sohn dort Pfarrer.
Das Honorar der Aerzte König Leopolds. Blättermeldungen zufolge beträgt das Honorar, welches die Aerzte König Leopolds erhielten, 100 000 Mark.
Ein neues Luftschiff. Ein Herr Johannes Schäffer in Regenstauf hat zusammen mit einem Tonwerkbesitzer ein Luftschiff konstruiert, das eine Länge von 176 Meter und et= nen Durchmesser von 12 Metern erreichen wird. Seitens des Staatsministeriums soll der Erfinder aufgefordert werden, seine Idee zu demonstrieren. Schäffer besitzt auch ein Patent auf Verankerung von Luftfahrzeugen.
Die erfte Rechtspraktikantin in Bayern, Frau Delila Schmidtbauer, die in Würzburg studiert hat, wurde nach Ablegung ihrer Prüfungen für den höheren Justizunterweisungsdienst als Rechtspraktikantin dem Amtsgericht Traunstein in Oberbayern zur Ausbildung überwiesen. Sie hat sich bereits während ihrer Studienzeit mit einem Notariatspraktikanten verheiratet.
Berhaftung eines Mädchenhändlers. Die Antwerpener Polizei verhaftete im Hotel Avenue einen Mann, der unter dem Namen Stein abgestiegen war und Mädchenhandel betrieb. Der Verhaftete schickte sich eben an, ein junges Mädchen aus Elberfeld, dessen Name. noch nicht festgestellt ist, nach den Vereinigten Staaten einzuschiffen. Die Pläße auf dem Dampfboot waren bereits bestellt.
Der Polizeihund. In Schmölz in Oberfranken wurde der Bauernsohn Popp als der mutmaßliche Mörder einer Dienstmagd verhaftet. Der Bamberger Polizeihund„ Lord", der die Witterung an einem blutbefleckten Strick genommen hatte, suchte den Mörder unter 16 am Tatort aufgestellten Versonen heraus und verbellte ihn.
Ein spanischer Herzog als Falschmünzer. In Lapeza bei Guadix( Provinz Granada) wurde in einem Landhause, das einem spanischen Herzog gehört, eine Falschmünzerwerkstätte entdeckt. Der Herzog wurde nachts in Madrid verhaftet. Aus bei ihm beschlagnahmten Schriftstücken scheint hervorzugehen, daß angesehene Politiker in das„ Geschäft" verwickelt sind. In Madrid ruft die Affäre ungeheures Aufsehen hervor.
Unredliches Schiffspersonal. Auf der Rhede von Curhaven wurden bei der Rückkehr des der Hamburg- AmerikaLinie gehörenden Dampfers Kaiserin Auguste Viktoria aus Neuyork 38 Personen des Koch- und Kellnerpersonals verhaftet, denen Veruntreuungen an Proviant, namentlich Fleisch und Konserven nachgesagt werden.
Der Schatz im Strohsack. Vor einigen Tagen starb in Stephanskirchen bei Rosenheim in Bayern der 67 Jahre alte Meßner Möderl. Bei der Ordnung seines Nachlasses fand das Amtsgericht in dem Strohsack des Bettes des Verstorbenen 36 000 Mark in Gold.
Der Hungertod in Spanien. In Madrid wurden auf offener Straße die Beichen eines Mannes und einer Frau aufgelesen, die ärztlichem Gutachten zufolge verhungert waren. Seit Beginn dieses Winters sind in Madrid bereits neun Personen auf der Straße Hungers gestorben. Zahllose Scharen von Bettlern füllen die Armenasyle.
Der Schneesturm in Amerika. Der Schneesturm, der am Freitag längs der atlantischen Küste einsetzte, hielt fast den ganzen Samstag über an. Neuyork, Philadelphia, Boston und viele andere Städte sind von jedem Verkehr abgeschnitten. Einen Meter und höher bedeckt der Schnee den Boden. Die angesammelten Schneemassen verhindern den Eisenbahnverkehr. Zahlreiche Unfälle und 6 Todesfälle waren am Sonntag zu verzeichnen. Die ankommenden und abfahrenden Dampfer haben große Verspätungen.
sie sich den Bestimmungen des Varietee- Direktors. Ueberdem nahm sie sich auch gar nicht die Mühe, die untröstlich trauernde Braut zu spielen. Sie ließ vielmehr deutlich durchblicken, daß der alte Mann ihr lediglich eine Staffel auf ihrem Wege, der zu Reichtum und Stellung führte, g ewesen war. Sie trug ihm zu Ehren lange, schleppende, schwarze Gewänder aus kostbarstem Stoff und legte ein ernstes, gemessenes Benehmen an den Tag, damit aber ließ sie es genug sein, um ihrer Trauer über den Verlorenen Ausdruck zu verleihen. Das Publikum meinte einstimmig, daß ihr Benehmen ein würdiges sei und trug es ihr nicht nach, daß sie nicht in Schmerz um den Toten zerfloß.
Nachdem die Mariette Verdi sich mit ihrem Karton entfernt hatte, Klingelte Brümmel an der Haustür an und schritt die Treppe, die zur Wohnung der Brusio führte, empor. An ihrer Tür drückte er abermals auf den Knopf der elektrischen Glocke. Eine kaum dreizigjährige Person von drallen Formen und frischen Farben öffnete ihm. ,, Signora Brusio zu sprechen?" fragte Brümmel. Signora ist leider ausgegangen," erwiderte jene. ,, Was wünschen Sie?"
Brümme! machte ein Gesicht, als ob er es tief bedauerte, die Künstlerin nicht anzutreffen. Ich bin von der Firma Haas u. Co. geschickt, um mich zu erkundigen, ob die Signora eine Flitterrobe aus weißem Tüll bestellt hat," sagte er. Die Robe ist ausgesucht und verpackt und es weiß niemand recht, für wen sie sein soll. Bielleicht könnten Sie mir darüber Auskunft geben, Fräulein? Sie sind doch wohl eine Freundin der Signora?"
schnein, ich bin ja bloß die Köchin," meinte das Mädchen, dem es anzumerken war, wie stolz es sie macht, für die Freundin der Signora gehalten zu werden.
,, Ach? Was Sie sagen! Ich dachte ganz gewiß, Sie wären die Freundin der Signora, das heißt, ich meinte eigentlich ihre Anstandsdame. Aber freilich" fügte er rasch hinzu sind Anstandsdamen immer schon älter - über die fünfundzwanzig hinaus gewiß."
Das Gesicht der Küchenfee, das stets in einem etwas zu lebhaften Rot erstrahlte, gewann jetzt die Farbe eines gesottenen Krebies. Für noch nicht fünfundzmanzia bielt
Wissenschaft, Kunst und Literatur.
Leoncavallos neue Oper Maja", die im Beisein des Königspaares im Costanzt- Theater zu Rom zur Aufführung fam, bereitete allgemeine Enttäuschung. Ein überaus nichtssagendes, konventionelles Libretto aus dem Hirtenleben vereinigt sich mit ebenso konventioneller, schwacher Musik.
Die Engelsburg in Rom wird, wie nun endgültig beschlossen worden ist, in ein Museum umgewandelt werden. Zunächst wird in den von Urban VIII. errichteten Kasernen die bei den Nationalfestlichkeiten 1911 die Kunstschau aufnehmen werden, ein topographisches Kriegsmuseum exugerichtet. Ferner sollen Werke mittelalterlicher Kunst und funstgewerbliche Gegenstände, die in den Magazinen der Kunstverwaltung noch der Aufstellung harren, sowie Samm Jungen von Kupferstichen, Münzen, Stoffen, Spitzen usw. dort ähnlich vereinigt werden, wie es vorbildlich in Florenz im Nationalmuseum geschehen ist.
Die Ausfuhr von Kunstgegenständen aus Italien, allein von Florenz, dem wichtigsten Plate, belief sich nach den Feststellungen des dortigen Ausfuhramts im Jahre 1908 auf 46 139 Gegenstände im Werte von 4 825 250 Lire, wovon auf die neuere Kunst entfallen: Lire 826 100 für Malereien, 1834 950 für Skulpturen, Lire 1891 510 für Kunstgewerbe. An Werken der älteren Kunst wurden ausgeführt: 298 Gemälde im Werte von 147 280 Lire, 42 Bildwerke für 27 450 Lire und 1595 kunstgewerbliche Gegenstände für 97 960 Lire.
Aus den Gerichtssalen.
Tödliche Mißhandlung einer 85jährigen Greifin. Unter der Anklage, seine 85jährige Schwiegermutter Viktoria Rust im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode geprügelt zu haben, hatte sich vor dem Schwurgericht zu Oppeln der Häusler Peter Klehr zu verantworten. Die Tat erscheint um so grauenhafter, als das Opfer des brutalen Menschen schon seit mehreren Jahren wegen schwerer Lähmung nicht mehr aufstehen konnte. Infolgedessen machte die alte Frau der Familie Klehr, wie diese glaubte, zu viel Arbeit. Die einzelnen Familienmitglieder, namentlich aber Klehr, gaben ihrer Wut darüber durch schwere Mißhandlung der alten Frau Ausdruck. Eine Zeugin erklärte, daß sie die Greisin einmal im Hemde auf dem Miste liegen gesehen habe. Ter Angeschuldigte versuchte bei seiner Vernehmung diesen Vorfall so zu erklären, als ob er die alte Frau habe in den Garten tragen wollen und an der betreffenden Stelle nur einmal abgesetzt habe. Ende September v. J. kam der Angeklagte mit seinem Vater betrunken vom Jahrmarkt heim. Seine Nachbarn hörten bald, daß die alte Frau, die nur noch mühsam stöhnte, furchtbar geschlagen wurde. Am nächsten Tage starb sie. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Die Settion ergab, daß die alte Frau an zahlreichen Knochen Brüche davongetragen hatte. In verschiedenen Körperhöhlen wurden Blutansammlungen gefunden. Ein Sachverständiger schloß aus einem schweren Beckenbruche, daß der Angeklagte mit den Stiefelabsätzen auf der kranken Frau herumge= trampelt haben müsse. Der Angeklagte behauptet, daß der Tod der Frau infolge eines Sturzes aus dem Bette erfolgt sei. Die Geschworenen schenkten dieser Angabe keinen Glau= ben, sondern bejahten die Schuldfrage auf Körperverletzung mit Todeserfolg unter Versagung mildernder Umstände. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten nach dem Antrage des Staatsanwalts zu 4 Jahren Gefängnis und sprach ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre ab.
Ein mitleidiger Geschworener. Einen überraschenden Abschluß fand eine Schwurgerichtsverhandlung vor dem Berliner Landgericht 1. Vor den Geschworenen hatte sich eine Frau L. wegen Fälschung einer öffentlichen Urfunde zu verantworten. Die Straftat bestand. darin, daß die Augeflagte ein Sparkassenbuch auf einen höheren Einlagebetrag gefälscht hatte, um das Buch dann zu verpfänden. Es han= Selte sich insgesamt um ein Objekt von 50 M. Die Verhandlung endete mit einer Verurteilung der Angeklagten wegen Betrugs zu drei Wochen Gefängnis. Vor Verfündigung des Urteils erhob sich ein nicht ausgeloster Geschworener, zog seine Brieftasche und hinterlegte 50 M, um damit den von der Angeklagten angerichteten Schaden zu decken.
Vermischtes
Die Tragödie einer Krankenschwester rief im Virchowfrankenhaus in Berlin peinliches Aufsehen hervor. Dort wurde die 23jährige städtische Krankenhausschwester Hertha Rosenkranz aus Dresden tot in ihrem Zimmer aufgefunden. Wie die Untersuchung ergab, hatte sie sich mit Morphium vergiftet. Ueber die Vorgeschichte der Tat wird folgendes mitgeteilt: Am vergangenen Donnerstag hatte die Schwester Rosenkranz von dem Leiter des Krankenhauses Geheimrat Ohlmüller einen Verweis erhalten, weil sie in Gemeinschaft mit drei anderen Schwestern eine für Patienten bestimmte Portion Gänsebraten versehrt hatte rend die anderen Schwestern ihres Amtes enthoben wurden, erhielt Schwester Rosenkranz nur eine Rüge, da sie nach ihrer Darstellung zu spät zu dem Gänseschmaus gekommen war und nur ein wenig von der Sauce genascht hatte. Am Freitag abend besuchte sie, ohne irgendwelche Spuren von Verstimmung zu zeigen, ein Theater und verübte nach ihrer Rückkehr Selbstmord.
sie dieser junge Mann! ,, Wirklich, ein netter Mensch!" dachte sie. Er besißt Lebensart und Scharfblick."
,, Na ja, Kochfräulein haben ia heutzutage auch eine angenehme Stellung", fuhr Brümmel fort, indem er seine Augen mit einem Ausdruck, der lebhafte Bewunderung widerspiegeln sollte, über des Mädchens Züge gleiten ließ. ,, Früher war das doch nicht so wie heute, aber in unserer Gegenwart fängt man endlich das wahre Verdienst zu schäßen an, denn was könnte für eine Frau wohl verdienstvoller sein, als gut kochen zu können? Aber ich darf das Fräulein nicht unnötig aufhalten. Daher um auf die Flitterrobe zurückzukommen inein Chef meinte, die Signora hätte den Stoff nach einer Bluse ausgesucht, welche die Signora besitzt. Wissen Sie gar nichts über die Sache, Fräulein- verzeihen Sie, ich weiß nicht ihren geehrten Namen"
Ich heiße Karoline Weßel," gestand das Mädchen, wie beschämt, daß sie keine vornehmeren Namen führte, als ,, Karoline".
,, So, so, Fräulein Lina Weßel! Ein schöner Name, Lina! Die Frau Gräfin, bei deren Gemahl mein seliger Vater Gutsschreiber war, hieß auch Lina. Alle Damen, die Lina heißen, sind feine Damen, haben alle so was Feines wie Sie, Fräulein Lina. Also nochmals, auf die Flitterrobe zurückzukommen können Sie mir sagen, Fräulein Lina, ob die Signora fie bestellt hat?"
,, Nein, ich weiß leider gar nichts über die Sache", meinte Fräulein Lina. Aber wenn ich Ihnen die Blusen der Signora zeigen möchte- glauben Sie, daß Ihnen das was helfen würde Herr
,, Smetano, Camillo Smetano!" stellte sich Brümmel vor. Aber natürlich würde es mir was helfen, liebstes Fräulein Lina. Ich weiß doch, wie die Flitterrobe ausschaut und wenn ich nur die Blusen sehen möchte, so würde ich doch sofort herauskennen, ob eine darunter ist, die dasselbe Muster hat wie die Flitterrobe. Es wäre wirklich sehr freundlich von Ihnen, Fräulein Lina, wenn Sie mir helfen wollten, meinen Auftrag gut auszuführen.
( Fortsetzung folgt.)
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