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Nr. 15.

Erscheint tag tsh außer Sonntags.

Bezugspreis: vierteljährlich durch die Träger frei ina paus 1.35 Mt., durch die Post bezogen 150 Mr.

Expebition: Sieken, Gelter@ meg 83.

Mittwoch, den 19. Januar 1910

Gießener

20. Jahrgang

Inserate: die 44 mm breite Petitzelle 20 Pfennig, Reklame:"

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Telephon- Anschluß: Gichen, Rr. 368.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Beitung)

für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheffen

Lokales und Provinzielles.

** Der Großherzog hat am 15. Januar dem Pfarrer Karl Ringshausen zu Sostheim eine evangel. Pfarr­stelle an der Johannesgemeinde zu Mainz übertragen.

* Uebertragen wurde am 17. Januar dem Lehrer Jacob Klee zu Viernheim, Kreis Heppenheim, eine Lehrer stelle an der katholischen Schule zu Wald- Michelbach, demselben Kreise.

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** Der Maurer Franz Eimer in Weisenau hat am 24. Mai 1909 einen Menschen vom Tode des Ertrinkens gerettet. Als Anerkennung hierfür ist ihm von dem Groß­yerzog die Rettungsmedaille verliehen worden.

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** Hess. Landes- Lehrerverein. sten Samstag, nachmittag Uhr, findet zu Frankfurt in der Restauration" Zum Storch", eine Obmännerversammlung für ganz Hessen statt. Es wird die Gehaltserhöhung dabei zur Sprache tommen.

** Stadtverordneten Versammlung. Die nächste Sibung findet morgen Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Auslosung von Schuldverschreibungen. 2. Mitteilungen. Puntt 3-11 die Baugesuche von Löb Süß für Marttstraße 0, Eugen Wallenfels für Mo.tkestraße 3, H. W. Rinn sür die Marburgerstraße, Friedrich Amend für Neustadt 45, Fr. Senner Erben für Seltersweg, Heinrich Tichy für die Lö­wengasse, Wilhelm Seipp 3. für Roonstraße 8, der Firma Birienstock und Schneider für die Friedrichstraße; hier: Nach­tragsdispens und Wilhelm Reusch für den Seltersweg. 12. Bausristverlängerung Eugen Kauffmann Schiffenberger­weg; 13. Gesuch des Glasers Heinrich Baum um Anbring­ung eines Schaufastens am Haus Bleichstraße 2; 14. Be­freiung von der Einfriedigung des Eigentums vor dem Haus Hammstraße 15, Besizer Metzger und Wirt Friz Euler; 15. Gesuch des Konrad Häuser zur Errichtung eines Schornsteins Riegelpfad 21; 16. Gesuch Karl Stückrath zur Erbauung einer Holzhalle am alten Steinbacherweg; 17. Einspruch des Christoph Schmidt gegen die Ortsbausazung Gutenbergstraße; 18. Bebauungsplan für das Gebiet zwi­schen Frankfurterstraße, Main- Weser Eisenbahn und Veteri­näranstalt; hier: Einspruch Ostar Gutmann; 19. Ortsstatut, die Bergstraße, Gartenstraße, Moltkestraße und Hofmann= straße betreffend; 20. An- und Verkauf von Grundstücken; 21. Anschaffung von Bettwäsche und Kolter für die Poli­zeiwache; 22. Genehmigung von Rechnungen; 23. Vergeb­ung von Arbeiten und Lieferungen; 24. Haftpflichtversicher­ung; 25. Mobiliarversicherung; 26. Besetzung von Lehrer­ste.len an der höheren und erweiterten Mädchenschule; 27. Besuch der Hauptversammlung des deutschen Vereins für das höhere Mädchenschulwesen durch Direitor Dr. Störiko; 28. Gesuch Otto Kühl um Erlaubnis zum Schantwirtschafts­betriebe im Hause Walltorstraße 33; 29. Desgleichen Joh. Steinhauer sen. für Ludwigstraße 55; 30. Desgleichen H. Schäfer 7. für Dammstraße 39.

!! In maßgebenden Kreisen wird die Frage bespro chen, das Gerichtsvollzieherwesen im Groß= herzogtum Hessen nach preußischem Muster umzubilden, d. h. den Gehalt dieser Beamten, von denen verschiedene in den Städten bei weitem höhere Einnahmen haben als der Großherzogliche Premierminister, zu firieren, jeden einem bestimmten Bezirk zuzuweisen und zu diesem Behuse Ve r' teilungsstellen an den Gerichten zu installieren.

* In Amerika verstorbene Hessen. Met germeister Karl Giegerich, 53 Jahre alt in New- York. Aus Unvorsichtigkeit ließ er in seinem Schlafzimmer einen Gas­schlauch aufstehen, wodurch er erstickte. David Kaiser, 61 Jahre alt, aus Lauterbach. Er starb plößlich an einem Schlagflusse in Brook.yn. Friedrich Wagner, 70 Jahre alt aus Gießen in Philadelphia; Frau Erb, geborene Bach­mann, 75 Jahre alt, aus Lispenhausen in Piqua; Adam Kramer, 76 Jahre alt, aus Lampertheim, in Chilicotha; August Hock, 61 Jahre alt, aus Viernheim, Indianapolis. *!* Die vom Landesversicherungsamt seit 1903 führten Walderholungsstätten gehen von die­sem Jahre ab in die Verwaltung des Vereins zur Erricht

Stadttheater Gießen.

Tantris der Narr.

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Drama in 5 Aufzügen von Ernst Hardt. Alt ist es das Lied von Tristan und Isolde; und heute lingen die Töne alter Weisen schwerer und öfter zu uns, denn zuvor! Das Jrren heißer, unendlicher Liebe - brennende Sehnsucht heiligen Glücks- quälenden Schmerz verwehter Seeligkeit!

Auch Hardt reizte das Lied, und er sang es; ein Lied wie Orgeltlang aller Leidenschaften.

Tristan hat König Marte Isolde von Irland als Ge­mahl zugeführt; doch beide, Tristan und Isolde, tranken auf jener Fahrt aus einem goldenen Becher selig- goldnen Liebestrant. Die davon trinken, werden sich lieben, sinn los und mit allen Sinnen, gedankenlos mit ihrem Denken, ewig im Leben und im Tod!" Der König freite Isolde, die doch nicht ihm gehörte in sehnender Liebe; da trat das Mißtraun, der Verdacht an ihn, schürte und flüsterte. Ein Gottesurteil sprach Isolden frei- doch mußten sie und Tristan schwören, mit eigner Hand und eignem Blut Vertrag unterschreiben:

Und wenn Herr Tristan,

Mein lieber Neffe, je von diesem Tag an Sein Wappen blicken läßt in Kurnwall, soll er Zusammen mit Isolde, meiner Frau

Von Irland, Todes sterben."

den

Und Tristan kam; Denovalin verpfändet sein Haupt, daß er ihn gesehn; er rief ihn laut und herrisch, bei Rit­ter und Heldenehre, beim Namen Isoldens mit dem blon­den Haar doch er stand nicht! Auch Dinas, der von der entgegengesetzten Richtung nach dem Schlosse ritt, sah im Morgengrauen einen Mann, der Tristan glich; wenn er es

ung von Walderholungsstätten" über. Es ist zu wünschen, daß der Zuspruch der Walderholungsstätten wie bisher zu­nimmt.

*

* Gießen, 19. Jan. In der Nacht zum 18. ds. Mts. entdeckte der Wächter Strack der hiesigen Wach- und Schließgesellschaft Feuer in der Fabrit der Hassia"-Pneuungsaktion einzubeziehen, ein Notbehelf, der indessen in der matik- Werke, welches mit Hilfe des Besizers noch rechtzeitig gelöscht werden konnte, wodurch ein größerer Schaden ver­hütet wurde.

** Ihr 250jähriges Bestehen begeht die Dyksche Buchhandlung in Leipzig Anfang die­ses Jahres. Sie ist die älteste Verlagsbuchhandlung Leip­zigs. Ihr Hauptgebiet ist die Geschichtswissenschaft, als deren bedeutenster Vertreter die jetzt 90 Bände umfassenden, von Pery, Grimm, Rante begründeten und von Watten- bach und Holder- Egger fortgesetzten: Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit" erschienen. Der altangesehene Verlag, der den weiteren Ausbau dieses rühmlichst bekannten Quel­lenwerts deutscher Geschichte unter Oberleitung von Geh.­Rat Professor Dr. D. Holder- Egger weiterbetreibt, befindet sich im Besiße von Emil Roth, der ein geborener& ie= ßener ist. Ein neuer Zweig des Verlags ist das Ge­biet der Zahnheilkunde, welches in der von Univ.- Professor W. Pfaff( ebenfalls von Gießen) begründeten Samm­lung fachwissenschaftlicher Arbeiten einen würdigen Reprä­sentanten gefunden hat.

*)(* Gießen, 18. Jan. Gestern wurde in einem hiesigen Uhrengeschäst das Schaufenster erbro- chen, wobei verschiedene Gegenstände gestohlen wur­den. Als Täter dürften mehrere junge Burschen in Frage kommen.

* Mainz, 17. Jan. In hiesigen Stadtverordneten­freisen erzählt man sich, die Regierung in Darmstadt habe den Bürgermeistereien in Hessen die Weisung gegeben, wenn möglich, teine Steuererhöhung für das kommende Steuerjahr vorzunehmen, vielmehr zu suchen, mit den bis herigen Einnahmen auszukommen.

Der Zusammenbruch der Vorschuß- und Kredit­taffe Obermockstadt

Gerade, weil man es mit einer Notlage zu tun hat, die sich nahezu in der Form einer allgemei nen katastrophe präsentiert, hat man daran ge= dacht, einen gemeinsamen Besitz, nämlich den Moastädter Martwald, der außer dem Brennholz einen Bürgernußen von 10 bis 20 Mt. in bar jährlich abwirft, in die Rett­Praris auf mehr als ein Hindernis stoßen düefte. Von an derer Seite wurde wiederum vorgeschlagen, ein Konsor tium zu bilden, das die Güter, die unter den Hammer kommen, oder deren Besitzer wenigstens in eine besonders schwierige Lage geraten werden, auftaufen und dann den bisherigen Eigentümern in Eropacht überlassen soll. Doch würde auch dieser Ausweg auf schwer zu überwindende Hindernisse stoßen, unter denen das Mißtrauen der Land­leute gegen diese Art der Hilfeleistung nicht das mindeste wäre.

Wie dem auch sei, auf jeden Fall sollten schleunigst irgend welche Schritte getan werden, um, soweit sich dies irgend bewerkstelligen läßt, die Pfändung der Bau­ernhöfe zu hintertreiben, schon deshalb, weil die Güter in zahlreichen Fällen mit eigentümlichen Besitz­verhältnissen, wie Astenteilen und Einsißrechten, behaftet sind, die unter normalen Verhältnissen wenig bedeuten, bei einer Subhastation aber eine ganz erhebliche Entwert­ung der betreffenden Höfe herbeiführen würden.

* Marburg, 18. Jan. Der frühere Präsident der physikalisch- technischen Reichsanstalt, Geheimrat Prof. Dr. Friedrich Kohlrausch, der seit 1905 in seiner hessischen Heimat im Ruhestand lebte, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Seine Untersuchungen erstreckten sich vor allem auf den elektrischen Strom, zu dessen Messungen er u. a. eine Anzahl wichtiger Instrumente konstrui! rt hat. Aus den letzten Jahren stammen wichtige Arbeiten über die Elet­trolyse, über die Jonen, über das Leitungsvermögen der Flüssigkeiten u. a. m. Sehr verbreitet ist sein Leitfaden der praktischen Physit". Kohlrauschs Name hatte Weltruf. * Wiesbaden, 18. Jan. Vor der hiesigen Straf­kammer steht heute die Strafsache gegen den Vorstand der ehemaligen, verkrachten Nassauischen Bank in Wiesbaden. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, am 23. Dezember 1902 bei Gründung der Nassauischen Bant in Wiesbaden über die Einzahlung des Stammfapitals

Mai 1903 bei der Erhöhung des Grundkapitals. Den An­geklagten Eckert und Flüger wird vorgeworfen, am 13. De­

gaben gemacht, sowie sämtlichen Angeklagten, am 20. Je bruar 1904 auf der Generalversammlung Vorspiegelung fal­scher Tatsachen vorgenommen zu haben. Für die Verhand­lung sind drei Tage in Aussicht genommen. Der heutige Tag wird mit der Vernehmung der Angeklagten ausgefüllt.

* Hachenburg. Die Vorarbeiten für die Ni= stertalsperre werden im Februar beendet sein. Die Dörfer Heimborn, Ehrlich, Steinwingert, Niedermörsbach, Limbach, Neuzert und Astert stellen das Gelände zur Sperre, sodaß ihre Gemartungen wesentlich fleiner werden. Heim­born und Ehrlich verschwinden gänzlich. Das mit der Sperre verbundene Elektrizitätswerk ist gesichert. Das Kapital zur Ausführung des Projektes bringt eine Aktiengesellschaft auf.

hat in der Umgegend das größte Aussehen erregt. Wenn man nun aber die bösen Folgen bedenkt, die sich für die Leute aus der bloßen Tatsache ergeben haben, daß sie bein wahre Angaben gemacht zu haben, desgleichen im dieser Kasse einmal eine, manchmal recht unerhebliche An­leihe aufnahmen, so wird man vielleicht fragen, wieso sie denn überhaupt dazu kamen, sich gerade bei dem Vor= zember 1903 bei der Aufstellung der Bilanz unwahre An­schußverein Geld zu holen, der ihnen die harte Be­dingung auferlegte, mit ihrer ganzen Habe für sämtliche Verpflichtungen eines Gläubigers einzu stehen, von dem sie in zahlreichen Fällen nur eine geringe Summe, hundert, zweihundert Mark, entliehen hatten. Der Grund dazu dürfte hauptsächlich darin zu suchen sein, daß sich die Vorschußkasse mit 3. und 4. Hypothefen, ja mit noch geringeren Pfändern begnügte, während die Spar­fasse mit ihren Darlehen nur bis 50 Proz. und höchstens 60 Proz. des Pfandwertes geht, womit den Leuten häufig eben nicht geholfen war. Dazu kommt dann noch eine An­zahl von Personen, die der Vorschußtasse gegenüber Bürg schaft geleistet hatten, was sie vielleicht um so bereitwilli­ger taten, als es sich um ein geringfügiges Darlehen han delte, das jetzt auf einmal um 2300 Mart angeschwollen ist, eine Summe, von der man nicht eindringlich genug sagen kann, daß sie in den kleinen und kleinsten Verhältnissen, um die es sich dabei handelt, einen ganz gewaltigen, wenn nicht gar unerschwinglichen Betrag darstellt. Und so greift die Katastrophe vom Hundertsten ins Tausendste über, be­droht die einzelnen in ihrer Eristenz und schädigt zugleich auch die Gemeinden durch Steuerausfall, Mehr belastung der Armenpflege 2c., abge­sehen von der schweren Last, die sie mit Uebernahme der Nachbürgschaft für die Forderungen des Kon'ursverwalters auf sich genommen haben.

war, muß Isolde sterben. König Marke steht in diesem Irr­garten wie ein Trunkener, dem jeder Tropfen zu Gift wird; nicht ihm, ihm galt ihre Liebe, ihr Lächeln:

Sie weinete nicht mir! Ein Schemen war Um uns in allen dunklen süßen Stunden, Und diesem Schemen, der des Herren Tristan Abbild gewesen ist, lächelte

Und weinte ihre Seele treu, dieweil Ihr leerer Leib an meinem Leibe lag Und mich betrog mit Lächeln und mit weinen."

Sinnlos im Taumel der Leidenschaft, der Gier, der Liebe, des Hasses will er sein Weib verschenken; ver­schenkt er es an die Siechen und Bettler von Lubin; Tristan ist gekommen, der treulose; als Siechen, als Narren erkennt ihn Isolde nicht.

" Ich rufe dich, Isolde meine Freundin, In meiner Not: Erkenne mich, der ich Dein Freund gewesen bin."

Doch sie erkennt ihn erst zu spät, nachdem das Glück verweht.

Nun geht Herr Tristan in die Welt zurück.... Bis daß er stirbt... dann füß ich ihn."

So verklingt das Lied; wuchtig, dramatisch gefaßt, stieg es an- doch leise löste es sich in einen verwehten Atlord. Wenn irgendwo ein Fehler des Dramas liegt, so hier in der Schwäche des Schlusses; reich, vol und blendend ist dagegen Sprache und Empfindung des Dichters. Bilder von wunderbarer Feinheit, fühner Größe und Klänge tiefempfun­dener Stimmungen, durch die ein dumpfer, banger Ton von dich­Leidenschaft und Trauer gleitet, leihen dem Ganzen terische Größe Größe ohne Genialität!

Redaktion, Druck und Verlag von Albin Klein.

Gießen.

Laboda Dragées

haben sich seit Jahren bewährt bei allen Krankheiten der Atmungs­organe wie Heiserkeit, Husten, Katarrh, Luftröhrenentzündung und Influenza. Preis Mt. 1.50, in Apotheken zu haben, wenn nicht, wende man sich an die Ferromanganingesellchaft, Frank­furt a. M., Kronprinzenstraße 55.

Was die Aufführung angeht, so habe ich mich hier zu erst mit dem Regisseur auseinanderzusetzen. Besondere Auf­gaben stellte nur der 3. Aft: der innere Burghof. Mir schien der 3. Att, so streng auch einige szenische Angaben des Dich­ters befolgt waren, verfehlt. Kann sich Isolde nicht, wie es der Dichter vorschreibt, von ihrem blonden Haar umflossen nackt" den Augen des Siechen zeigen dann muß der szenische Ausbau ein ganz anderer sein, wenn nicht das ge­sprochene Wort in diesem Arte, die ganze Bedeutung des Siechengerichts" lächerlich wirken soll; denn seltsam, wenn nicht geradezu komisch wirkt diese Isolde in einer etwas leichten Balitoilette!

Die Kapelle gehört darum vorn links oder rechts in die erste Kulisse; ist es zu ermöglichen, daß sich Isolde un seren Augen zeigt, ich sage ausdrücklich, wenn es möglich ist so muß sie sich an eine Säule lehnen, daß kaum mehr als ihr dichtes, gelöstes Haar oder ein Arm zu sehen ist. Doch ich sehe, auch der Regisseur kann nicht mehr tun, als zur ,, leichten Balltoilette" seine Zuflucht nehmen; der Dichter ist es, der hier einen Fehler begangen hat. Isolde, im Bewußtsein ihrer Nacktheit, wird niemals die Treppe hinab steigen und in erregtem Spiel hin und her schreiten können; wenn Denovalin auftritt, würde sie, um Schuß zu suchen, nur nach der Kapelle, die ihr örtlich am nächsten, und die sie kaum verlassen hat, zurückfliehen! Doch damit gingen für den Dichter die folgenden Szenen verloren!

Also trifft mein Vorwurf nicht den Regisseur, für den Hermann Batof zeichnete, und der besonders im 2. und 4. Atte seingestimmte Szenenbilder schus, sondern den Dichter, dessen Werk zwar ao. 1908 zusammen mit Karl Schönherr's Erde" der Staats- Schillerpreis" frönte!

( Schluß folgt.)