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Das Krönungs- und Ordensfeft

wurde am gestrigen Sonntag in Berlin in der üblichen Weise begangen. Zu der Feier hatten sich die in Berlin anwesenden Personen, denen der Katser aus Anlaß des Festes Orden und Ehrenzeichen verliehen hat, im König­lichen Schloß versammelt. Im Auftrage des Kaisers be­bändigte der Präses derGeneralordenskommission, General­leutnant von Jacobi die Auszeichnungen, worauf die neu ernannten Ritter in die Schloßkapelle geführt wurden. Das Kaiserpaar ließ sich vorher im Rittersaal die neuer­nannten Ritter einzeln vorstellen. Dann fand Gottesdienst in der Kapelle statt, an dem außer dem Kaiserpaar der ge­samte Hof und die anwesenden Ritter teilnahmen. Hof­vnd Dymprediger Ohly htelt die Liturgie und die der Feier des Tages gewidmete Predigt. Nach dem Gottes­dienst begaben sich das Kaiserpaar und die übrigen Fürst­lichkeiten in den Marinesaal und darauf zur Tafel, nach­dem die Geladenen im Weißen Saale und den angrenzen­den Gemächern ihre Pläte eingenommen hatten. Der Katser brachte den Toast auf das Wohl der neuen und älte­ren Ritter aus. Nach Aufhebung der Tafel unterhielten sich der Katser und die Kaiserin mit einer Reihe von geladenen Persönlichkeiten im Rittersaal.

Auch in diesem Jahre sind wieder zahlreiche Orden ver­Itehen worden, hauptsächlich an Beamte und Offiziere. Unter anderem erhielten: Das Großkreuz des Roten Adler­ordens mit Eichenlaub der Gouverneur von Mainz, von Goßler, der Chef des Ingenieur- und Pionierkorps, von Beseler, der Chef des Admiralstabes der Marine, Admiral von Fischel und die kommandierenden Generäle des 5. und 9. Armeekorps, Graf v. Kirchbach und Freiherr von Vie tinghoff. Den Roten Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub erhielten: der kommandierende General des 10. Armee­forps, Ermich, der Gesandte in Bukarest von Kiderlen= Wächter und der Präsident des Reichsgerichts, Freiherr von Seckenderff; den Roten Adlerorden 1. Klasse: Staatssekretär Dernburg; den Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub Graf von Hutten- Czapski, Unterstaatssekretär von Linde­autst, Bezirkspräsident Graf von Zeppelin in Meß; den Roten Adlerorden 2. Klasse der Gesandte in Tanger, Dr. Rosen, der hessische Geheime Oberregierungsrat Welder, vortragender Rat im Ministerium der öffentlichen Arbet­ten, der württembergische Generalmajor Rampacher, Kom­mandeur der 31. Brigade; den Roten Adlerorden 8. Klasse: die Abgeordneten Dr. Heckscher und Itschert; den Kronen­orden 1. Klaffe: Freiherr Mumm von Schwarzenstein, Bots schafter in Tokio und der Staatssekretär des Reichsschatz­amtes, Wermuth; den Kronenorden 2. Klasse: Professor Ehrlich in Frankfurt a. M., Dr. v. Meister, Regierungs­präsident von Wiesbaden, die Abgeordneten Gyßling, Pachnicke und Rimpau und der Geheime Kommerzienrat Karl Röchling in Saarbrücken.

Die englischen Wahlen.

Das Resultat des ersten Wahltages( Sonnabend) ist folgendes: Gewählt wurden 43 Unionisten, 37 Liberale, 6 Mitglieder der Arbeiterpartei und 5 Nationalisten, zusam men also 91 Siße. Die Unionisten gewannen 18, die Liberalen 3 Size. In London gewannen die Unionisten 3 Mandate, Die bisher gewählten Liberalen erhielten be­deutend geringere Mehrheiten als bei den letzten Wahlen. Durch den Zwischenfall in Grimsby, wo Lloyd George von der Menge verhöhnt und als Burenfreund beschimpft wurde war dieser gezwungen, seine Rede abzubrechen und flucht­artig durch eine Hintertür den Saal verlassen, von wo er durch mehrere Gärten nach dem Bahnhofe gelangte. Für die Wahlen waren am Sonnabend von den Konservativen 15 000 Automobile, von den Liberalen 12 000 für ihre Sache zur Verfügung gestellt worden. Hervorzuheben ist, daß diese Automobile ihren Kandidaten unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden mußten, weil das Wahlgeset nicht gestattet, für derartige Zwecke Geld auszugeben. Wegen der großen Anzahl von Wahlautomobilen haben die dies­maligen Wahlen vom Publikum bereits den Spottnamen Motorcooch"-Wahlen erhalten. Sämtliche Blätter kommentieren das Ergebnis des vorgestrigen Wahltages. Die Mehrzahl stellt fest, daß wie erwartet, die Liberalen ziemlich ihre Stellung behauptet haben, wenn auch unter Einbuße zahlreicher Stimmen in mehreren Bezirken. Die Unionisten gewanner mment, während die aberaien nur eine Zunahme von 400 Stimmen zu ver­zeichnen haben. Das Blatt Observer weist darauf hin, baß die Unionisten die absolute Mehrheit nicht erlangt haben können, weil die sozialistische Strömung noch zu heftig ist. Den Grundton der zahlreichen Wahlreden bildete wieder das Thema von der deutschen Flotte.

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Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Kaiser wohnte Sonnabend abend in der Villa des Staatssekretärs Dernburg einem Vortrage bei, den der englische Forscher Shackleton über seine Südpolarexpedition hielt. Außer dem Kaiser waren der englische Botschafter, einige hohe Militärs sowie Herren des Auswärtigen Amtes und des Kolonialamtes anwesend.

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Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M. Kossak.

( Nachdruck verboten.)

Einmal warf er einen flüchtigen Blick auf die Photo­graphie des Briefes, den Frida Sasse als von ihrem Ver­Tobten herrührend erkannt hatte. Es fehlten ihm, wie gesagt worden, Datum, Anrede und Unterschrift sowie An­fang und Ende, das ganze Schriftstück bestand aber, streng genommen nur aus einigen Zeilen, die völlig aus dem Busammenhang gerissen waren. Die lauteten:

und so sage ich Dir noch einmal, hüte Dich! Mein Blut ist heißer, als Deines, das nur träg' und dick in Deinen Adern fließt. Ich bin nicht zum Dulden geschaffen ich nicht! Alles habe ich Dir geopfert alles! Nicht viel hat gefehlt, daß ich Deinetwegen zum Schuft wurde das vergesse ich nie und auch Du darfst es nicht vergessen. Dafür will ich sorgen. Führst Du Dein Vorhaben aus, so wird meine Nache Dich treffen! Magst Du noch so vorsichtig sein, Dich mit Wällen von Schußmaßregeln umgeben umsonst, ich werde Dich doch zu treffen wissen. Mir und meiner Rache entrinnst Du nicht! Ich will den Preis meiner Qualen, meiner Opfer! D'rum noch einmal hüte Dich!" Denn-

An dieser Stelle brach das Schriftstück ab. Unbegreiflich, daß niemand aufgefallen ist, wie sinn­los dieser Brief erscheint, sofern man annimmt, daß Ol­fers ihn an den Grafen Welshofen geschrieben haben soll!" bachte Brümmel, indes er das Papier wieder zusammen­faltete und in die Tasche steckte. ,, Freilch wundern sich alle, daß Olfers, den Grafen mit Du" anredete, aber das ist auch alles, was ihnen auffällt. Als ob das der Brief eines jungen, heißblütigen Menschen an einen alten Mann wäre! Lächerlich! Ein Liebhaber hat ihn geschrie­ben ein Liebhaber an seine ungetreue Liebste und diese Liebste ist die Anita Brusio! Für die Anita war dieser Brief bestimmt für niemand sonst! Aber warum? Was bezweckte sie damit? Wollte sie seinen Schuß gegen die ihr angedrohte Rache ihres Landsmannes anrufen?"

Brümmel ging in tiefen Gedanken hin und her. Daß Olfers der Mörder des Grafen war, schien auch ihm zwei

Auftreten und Absichten des Kanzlers. Die Nordd. Allg. 3tg." schreibt in Anknüpfung an die furzen Anspra­chen des Ministerpräsidenten v. Bethmann Hollweg in bet den Häusern des Landtages: Daß der leitende Staats­mann fürs erste ausdrücklich von der Erörterung politischer Angelegenheiten absah, diente wiederum einigen Blättern dazu, sich so befremdet wie möglich zu gebärden. Indeß wird man sich endlich daran gewöhnen müssen, den Reichs­fanzler und Ministerpräsidenten nach seinen Worten auch handeln zu sehen. Die Sachlichkeit und die Dekonomte in der parlamentarischen Debatte, wie er sie sogleich im Reichstag als zurzeit dringendes Gebot bezeichnete und anstrebt, erfordert durchaus keine Erkurse, über die dann zu berichten und Betrachtungen anzustellen, dem Zeitungs­politiker fa eine gewohnte und als solche angenehme Be­schäftigung sein mag. Das Notwendige im gegebenen Au­genblicke vom Regierungstisch aus zu erfahren, können fo­wohl die Häuser des preußischen Landtags wie des Reichs­tags sicher sein. Es ist aber selbstverständlich, daß gerade die Regierungsvertreter sich in dieser knappen Tätigkeits­frist nicht beetfern, den Rahmen der Diskussion ausdehnen zu helfen."

Sozialdemokratische Rundgebungen gegen das prenßische Wahlrecht. Die Sozialdemokraten hatten gestern mittag, in Berlin 62 Voltsversammlungen einberufen, um gegen das preußische Wahlrecht zu protestieren. Sämtliche Versamm­fungen waren gut besucht, einzelne überfüllt. Die Polizei Hatte keinen Anlaß, einzuschreiten, war jedoch auf etwaige Ueberraschungen vorbereitet und hatte größere Schuhmanns­aufgebote nach verschiedenen Straßen in der Nähe der Ver­sammlungslokale beordert. In allen Versammlungen wur­de eine gleichlautende scharfe Resolution gegen das jetzige Landtagswahlrecht angenommen.

Das Arbeitskammergesez wird, wie verlautet, voraus­sichtlich Anfang Februar dem Reichstage zugehen. Der neue Entwurf hat eine Umarbeitung erfahren, die sich zum großen Teil an die Wünsche der Reichstagskommission an­lehnt. Als Aufgaben der Arbeitskammern bezeichnet der neue Entwurf Pflege des wirtschaftlichen Friedens zwi­schen Arbeitgebern und Arbeitern, Mitwirkung beim Ab­schluß von Tarifverträgen, Erstattung von Gutachten bet Fragen über gewerbliche und wirtschaftliche Interessen der Beteiligten, ferner das Recht, selbständige Enqueten über an der solche Fragen herbetzuführen und Anteilnahme Förderung paritätischer Arbeitsnachweise. Das Gesetz soll Betriebsbeamte, Werkmeister und Techniker ausnehmen, so daß diese nicht unter das Gesetz fallen.

Die preußischen Mittelschullehrer beim Kultusminister. Bet dem Empfang der Abordnung des preußischen Mittel­schullehrervereins durch den Kultusminister, den wir beretts erwähnten, erklärte dieser, daß er der Entwickelung des Mittelschulwesens seine besondere Aufmerksamett zuwende. Die von den Mittelschullehrern schon lange sehnlichst er= wartete gesetzliche Regelung ihres Besoldungswesens wird allerdings wegen der entgegenstehenden Hindernisse vor­läufig noch nicht erfolgen; dagegen stellte der Minister das baldige Erscheinen der neuen Lehrpläne in Aussicht.

Die Fusion der Liberalen. In der gestrigen Versamm­lung des Zentralausschusses der freisinnigen Parteien er­gab sich, daß die Fusion sicher zustande kommen wird. Die große Partet der Liberalen wird fünftig den Namen Deut­sche Fortschrittspartet" führen. Für die Bezeichnung ,, Volks= partei" war wenig Stimmung vorhanden, da, wie Rektor Kopsch äußerte, die Sozialdemokraten nicht zögern würden, eine solche Bezeichnung in ihrem Sinne gegenüber den Freifinnigen zu verwerten.

Ein Korb des Sultans an König Ferdinand? Eine Kostantinopeler Meldung besagt: Der Pforte nahestehende Kreise wissen zu melden, daß König Ferdinand von Bul­garten dem türkischen Ministerium gegenüber den Wunsch geäußert hat, dem Sultan einen Besuch abzustatten. Die Pforte soll jedoch erwidert haben, daß die Beziehungen zwischen Bulgarien und der Türkei derartige seien, daß die Verwirklichung dieses Wunsches unmöglich set. Das wäre allerdings eine etwas schroffe Absage.

Eine letzte Warnung an Kreta. Die vier Kretaschutz­mächte verständigten die Pforte dahin, daß sie eventuelle weitere Schritte der Kretenser, welche sich gegen die türkt­sche Souveränität richteten, keinesfalls dulden und im Wiederholungsfalle internationale Truppen auf Kreta lan­den würden

TYPI

Kleine Nachrichten

30 Millionen für Armenpflege. Die Kosten für die ge­famte Berliner Armenpflege im letzten Rechnungsjahr be­liefen sich auf fast 30 Millionen Mark, und nach Abzug der Einnahmen auf rund 25 Millionen Mark, gegen 22% Min. Mark im Vorjahre. Es mußten also rund 2 Millionen Mark mehr aufgebracht werden.

Zwei neue Parsevalballons. In Bitterfeld wurde der Bau zweter Parsevalballons 6" und" 7" begonnen. Beide sind von Auftraggebern, deren Namen nicht genannt wer= den, in Bestellung gegeben.

Schwere Wohnungskrisis in Berlin. In Berlin stehen zurzeit über 25 000 Wohnungen aller Art und tausende von Läden und Gewerberäumen leer. Selbst die Beamten­wohnungsvereinsgenossenschaft usw. werden von dieser Fülle unvermieteter Wohnungen in Mitleidenschaft gezogen.

fellos, aber diese Ueberzeugung nüßte ihm nicht, sofern er sie nicht zu beweisen vermochte.

Man hatte die Italienerin natürlich einem Verhör un­terworfen, aber sie hatte so fühl und sicher ausgesagt, daß sie nichts über den Mord wüßte, und alle ihre Worte trugen derart den Stempel der Wahrheit, daß niemand an ihnen zweifelte.

Auf die Frage, wie ihre Beziehungen zu Olfers ge­wesen, hatte sie zur Antwort gegeben, daß sie bis vor einem Jahr ein Freundschaftsverhältnis mit ihm ver­knüpft, daß ihre Beziehungen aber nie über die Grenzen desselben hinausgegangen seien.

Sie wären an verschiedenen Varietees zusammen enga­giert gewesen und hätten sich auf Grund der Tatsache, daß sie beide italiener Abkunft waren, einander genähert; Dl­fers hätte zwar, wie sie bald erkannt, eine Leidenschaft für fie gefaßt, da sie dieselbe jedoch nicht erwidert, so hätte er sie, wie sie fest angenommen, bald unter­drückt.

Aber unter Ihren Kollegen herrschte doch allgemein die Annahme, daß Sie verlobt gewesen wären?" fragte der Untersuchungsrichter.

,, Das ist eitles Geschwäß gewesen," entgegnete Anita. Wo entstehen nicht derartige Gerüchte, wenn zwei junge Menschen beiderlei Geschlechts freundschaftlich miteinander verkehren? Zudem waren unsere Beziehungen längst ab­gebrochen, als wir nach Wien kamen. Olfers verlobte sich mit Frida Sasse und ich mit dem Grafen Wels­hofen."

Und wie lange sind Sie mit Graf Welshofen verlobt gewesen?"

"

Ungefähr acht Monate. Veröffentlicht haben wir un­sere Verlobung allerdings erst unmittelbar vor des Gra­fen Tode."

,, Glauben Sie, daß Olfers des Grafen Mörder ist?" Nein, ich glaube es nicht. Ich wüßte nicht den mindesten Grund, warum Olfers den Grafen ermordet haben soll."

Halten Sie es für möglich, daß der Graf selbst seinem Leben ein Ende gemacht hat?" Ich kann nicht die geringste Vermutung in dieser Richtung hin hegen, denn wenn ich auch des Grafen Braut

Der Beamtenwohnungsverein verzeichnet gegenwärtig et. nen Mietausfall von rund 120 000 M.

August Bebel, der bis jetzt in Zurückgezogenheit an seinen Lebenserinnerungen" gearbeitet hat, ist so weit damit gekommen, daß zum 1. Februar der erste Tell fetner Aufzeichnungen erscheinen soll; aber nicht im Verlage von Paul Singer, sondern bet der süddeutschen sozialdemokra= tischen Firma Diez, Stuttgart.

Dreißigmal verheiratet. Ein Deutscher in Neuvork namens von Müller, der sich des besten Rufes erfreute, ist in San Francisko verhaftet worden. Er wird angeklagt, fich fünfmal in Neuvork und 25 mal in den verschiedenen anderen. Städten von Nordamerika verheiratet zu haben. Außerdem ist man großen Unterschlagungen auf die Spur gekommen, mit denen er in Verbindung gebracht wird.

Gewissensbisse. Vor sechs Jahren wurde im Walde be Brzezkowitz in Oberschlesien der Förster Stegmund bei et nem Zusammenstoß mit Wilddieben erschossen. Unter dem Verdacht der Täterschaft war bald darauf der Ziegelei arbeiter Urbanet verhaftet worden. Er mußte aber mangels genügender Beweise wieder auf freien Fuß gefeßt werden. Jetzt hat Urbanek, von Gewissensbiffen geplagt, selbst An­zeige erstattet, daß er den Förster erschossen habe. Er wurde verhaftet.

Ein iugendlicher Attentäter, Am Obergymnasium in Budapest verstümmelte ein Schüler der 7. Klasse ein Del­gemälde des Königs. Dies wurde von einem Diener ge­sehen, der es sofort meldete. Es wurde sofort ein Verhör angestellt. Die Schüler der Klasse wollten aber den Täter nicht verraten. Die Direktion des Gymnasiums beschloß, das Gymnasium zu schließen und den Unterricht solange auszusetzen, bis der Täter ermittelt ist.

Lloyd George von der Menge bedroht. Nach einer Wahlrede in Grimsby wurde der englische Minister Lloyd George, als er den Saal verließ, von der draußen ver= sammelten Menge feindlich empfangen, so daß er durch eine Hintertür über die Eisenbahngleise hinweg in das Ge­bäude einer Feuerwache flüchten mußte.

Duellwütige Studentinnen. Infolge des beängstigen­den Gedränges im Zuschauerraum des Schwurgerichts saales in Krakau kam es zwischen zwet Studentinnen der Medizin zu einem überaus heftigen Wortwechsel, in dessen Verlauf die beiden thre Karten wechselten, um ihren Eh­renhandel" mit der Waffe auszutragen.

Ein wütender Familienvater. Im Leipziger Vorort Stötterit geriet der Bauarbeiter Horanek mit seiner Frau in Streit und drohte, sie zu erstechen. Der hinzuellenden 17jährigen Tochter biß der Mann in seiner Wut ein Stück der Nafe meg; die Frau erlitt schwere Verlegungen. Die Gheleute lebten schon lange in Unfrieden.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

München und Oberammergau. In diesen beiden Na­men sind die hervorragendsten bayerischen Ereignisse des Jahres 1910 auf kulturellem Gebiet verkörpert. Nach zehn= jähriger Pause gelangen die Passionsspiele in dem berühm­ten Bergdorfe wieder zur Aufführung. München tritt mit der Ausstellung von Meisterwerken muhamedanischer Kunst und seinen Musikfesten, bet denen u. a. die Urauf= führung der S. Symphonie des Wiener Komponisten Mahler stattfindet, in den Vordergrund, Im Münchener Künstlertheater veranstaltet das Deutsche Theater zu Ber­Iin unter Reinhardts Leitung Festspiele vom Mai bis Of­tober. Richard Wagner- Festspiele finden im Prinzregenten­theater, Mozart- Festspiele im Kgl. Residenztheater statt.

Ein Minister als Opernkomponist, das ist selbst in un­serem vielgestaltigen Theaterleben eine Seltenheit. Am 25. d. M. wird im Hamburger Stadttheater die Oper Liebe und Verderben", die den früheren portugiesischen Minister Arroyo zum Komponisten hat, zum ersten Mal in deutscher Sprache aufgeführt werden.

Diphtheriegift und Röntgenstrahlen. An der Berliner Universitäts- Poliklinik werden gegenwärtig Versuche an= gestellt, um den Einfluß der Röntgenstrahlen auf das Diph­theriegift zu untersuchen. Es handelt sich bei der Röntgen­behandlung in der Hauptsache um vorgeschrittene Fälle, bei denen das Heilserum, welches das Gift nur solange neu­tralisieren kann, als es noch nicht in die Gemake überz gegangen in uns in der Blutbahn zirkuliert, nicht mehr heilwirkend eingreifen kann. Die giftzerstörende Eigenschaft der Röntgenstrahlen beruht eben auf ihrer gro­Ben Tiefwirkung. Verschiedene Experimente mit Kaninchen haben gute Resultate gezeitigt. Soviel erscheint schon heute festzustehen, daß die Röntgenstrahlen die Giftigkeit des Diphtherietorin wesentlich abzuschwächen vermögen.

Uus dem Reiche der Technik.

Eine nene automatische Kanone, die von dem Amerk­faner Mac Clean- Lissat erfunden worden und angeblich die größte ihrer Art in der Welt ist, hat die ersten Proben ihres Könnens abgelegt. Diese fanden über dem Erie- See in der Nähe von Cleveland statt. Das Geschüß ist auf einem Automobil montiert, das angeblich imstande ist, außer der Kanone eine genügende Munition und eine Besaßung von zehy Mann auf gewöhnlichen Wegen mit einer Geschwindigkeit von 40 Kilometer in der Stunde zu befördern. Diese Leistung würde geradezu eine Um­war, so hat er mir nie einen Einblick in seine persön lichen Verhältnisse gewährt. Unsere Beziehungen waren nie derartig intime oder vertrauliche."

,, Aber Sie waren doch seine Braut-" ,,, Gewiß ich gefiel ihm, er huldigte mir, warb unt meine Hand und ich gab ihm mein Jawort. Dann ver­fehrten wir streng formell unter der Wahrung der in der guten Gesellschaft üblichen Formen mit einander. Graf Welshofen besuchte mich am Vormittag auf ein bis zwei Stunden, doch waren wir selten allein meine Gesell schafterin Mariette Verdi war stets bei uns. Außerdent haben wir zusammen zuweilen Spazierfahrten unternom­men oder in Restaurants zusammen gespeist. Darauf be­schränkte sich unser Verkehr. Graf Welshofen wünschte den­selben so zu gestalten, damit niemand den Namen seiner fünftigen Gemahlin wagen durfte zu verunglimpfen und ich ich war durchaus seiner Meinung."

Anderes war aus der Italienerin nicht herauszube­fommen. Sie machte im großen und ganzen den Ein­druck einer fühlen, berechnenden und ehrgeizigen Person, in deren Herzen wenig Bedürfnis nach Liebe und hin­gebung herrschte. Sie wollte Gräfin Welshofen werden, eine angesehene gesellschaftliche Stellung einnehmen, im Reichtum leben und sich die Aufregungen des Daseins mög­lichst fernhalten das war die Ansicht, welche der Un­tersuchungsrichter von ihr gewann. Troß ihrer feurigen Augen und ihres südlichen Aussehens schlummerte wenig von südlicher Glut in ihr.

Schließlich zeigte man ihr noch den Brief, den man in der Nachttischschublade des Grafen gefunden und fragte Sie sie, ob sie die Handschrift als die Offers erkenne. berneinte, da sie, wie sie behauptete, nie einen Brief von Olfers empfangen habe und seine Schriftzüge t fenne.

Diese Dinge gingen Brümmel durch den Kopf, wäh rend er vor dem Hause, in dem die Brusio wohnte, auf. und ab schritt.

( Fortsetzuna folgt,

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