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Nr. 14.

Gefcheint täglich außer Sonntags. Bezugspreis: vierteljährlich durch die Träger frei tus Gaus 1.35 Mt., durch die Post bezogen 150 Mt.

Expcbition: Gichen, Geltersweg 83.

Dienstag, den 18. Januar 1910

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20. Jahrgang

Juferate: bte 44 mm breite Petitgelte 20 Pfennig, Reklame: Beilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet

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Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen

Zur hessischen Finanzkrisis.

Die Darmstädter 3tg." beleuchtet die hessische Finanz­lage in einem längeren Arti.el, den wir seiner interessan ten Angaben halber hier im Wortlaut wiedergeben:

In der Tagespresse ist gegen den hessischen Finanz= minister" neuerdings wieder der Vorwurf erhoben worden, er habe das Staatsbudget in erster Linie auf die schwan­fenden Einnahmen der Eisenbahnen aufgebaut, ohne mit der Möglichkeit zu rechnen, daß in Zeiten rückläufiger Konjunk­tur diese Einnahmequelle bedentlich verstopft werden kann und damit der Ausgleichung des Budgets große Schwie= rigkeiten entstehen."

Es mag dahingestellt bleiben, inwieweit dieser Vor= wurf an sich berechtigt und zahlenmäßig begründet ist. Da­gegen darf aber das folgende hervorgehoben werden: Während vom Jahre 1897- dem Infrafttreten des hessisch- preußischen Eisenbahngemeinschaft ab die Rein überschüsse der Staatseisenbahnen in ihren vollen Beträgen, von 1900 ab nach Abzug eines Teilbetrages zur Schulden­tilgung, für die Zwecke der allgemeinen Staatsverwaltung herangezogen wurden, hat der derzeitige Leiter des hessi­schen Finanzwesens den Augenblick des Rückganges jener Ueberschüsse benutzt, um die Herstellung des Gleichgewichts im Staatshaushalt nach Möglichkeit von ihren Schwank= ungen unabhängig zu machen.

Das mit Wirkung vom Rechnungsjahre 1903 in Kraft getretene Gesetz über den Ausgleichsfonds hatte daher ne­ben anderem insbesondere neben der Aufgabe, eine stär­fere Schuldkutilgung zu ermöglichen den doppelten

Zweck: einmal die Verwendung der Eisenbahnüberschüsse für die laufende Verwaltung auf einen festen Betrag zu begrenzen und damit zu verhüten, daß weiterhin auf schwan­fende Einnahmen feste Ausgaben gegründet wurden; dann aber durch Ansammlung der der Verwaltung in guten Jah­ren zu entziehenden Teile der Eisenbahnüberschüsse einen Fonds zu bilden, aus dem ihr auch in schlechten Jahren jener feste Betrag zur Verfügung gestellt werden könnte. Der Ausgleichsfonds war bekanntlich Ende des Rech nungsjahres 1906 auf den Betrag von rund 6 Millionen angewachsen. Er hat dazu beigetragen, daß man über die Jahre 1907 und 1908 noch ohne weitere Inanspruchnahme der Steuerkraft des Landes hinausgekommen ist, wie dar­aus ferner auch ein erheblicher Teil des Fehlbetrages für 1909 gedeckt werden kann.

Aus der Erkenntnis, daß die Entwickelung der Rein überschüsse Hessens aus der Eisenbahngemeinschaft es nicht ermöglicht, dem Ausgleichsfonds dauernd die Mittel zuzu­führen, die zu einer angemessenen Schuldentilgung ausrei­chen und zudem der lausenden Verwaltung einen festen Be­trag gewährleisten, ist von der Regierung nunmehr vorge­schlagen, die Eisenbahneinnahmen in erster Linie zu einer angemessenen Tilgung der bedenklich angewachsenen Staats­schuld zu verwenden und das Gleichgewicht im Staatshaus­halt ohne Rücksicht auf die Eisenbahneinnahmen herzustellen. Das müßte jedenfalls den Beifall aller derer finden, welche gegen den Finanzminister den Vorwurf erheben, er habe das Staatsbudget auf die schwankenden Eisenbahneinnah men aufgebaut".

Der Gesetzentwurf über die Schuldentilgung stellt sich hiernach aber auch als eine folgerichtige Fortführung der dem Gesetz über die Bildung eines Ausgleichsfonds zu grunde liegenden Gedanken dar. Auf dieses Gesetz hatte auch keineswegs, wie ein Blatt in diesen Tagen schrieb, ,, die Regierung die stolzesten Hoffnungen gesetzt". Nach der Begründung des Geseßentwurfs dürfte vielmehr keineswegs erwartet werden, daß nach Inkrafttreten dieses Gesetzes et wa alle finanziellen Schwierigkeiten des hessischen Staates dauernd beseitigt sein werden"; es konnte darin nur der erste Schritt in den Bestrebungen zur Erreichung dieses Ziels erblickt werden".

Lokales und Provinzielles. ** Vom Hofe. Die Großherzoglichen Herrschaften folgten am Samstag abend 8 Uhr einer Einladung des Preußischen Gesandten Freiherrn v. Jenisch zum Ball im Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe. Sonntag vormittag besuchten die Allerhöchsten Herrschaf­ten den Gottesdienst in der Hofkirche.

!! Vom Voltsschulwesen in Hessen. Nach der neuesten Statistik über den Stand des Volksschul­wesens im Großherzogtum Hessen gab es zu beginn des Schuljahres 1909-10 980 einfache Volksschulen, und zwar nach dem Bekenntnis 902 gemeinſame, 38 evangelische, 40 fatholische, nach den Schul.lassen 416 einklassige, 259 zwei­flassige, 305 drei und Mehrklassige. An 963 dieser Schu len wurde kein Schulgeld mehr erhoben, während an 17 noch solches zu zahlen ist.

!! Die Sterblichkeitsziffer hat im ver­gangenen Jahre in Gießen mit 20,6 auf 1000 Einwoh .ner und das Jahr gerechnet den weitaus höchsten Stand un ter den hessischen größeren Städten erreicht. Insgesamt star­ben hier im Jahre 1909 641 Personen, davon 91 im ersten Lebensjahre. Groß ist, mit 18 Opfern, die Zahl der am Scharlach Gestorbenen, desgleichen der Opfer der Tuberku lose: 176 Personen mußten dieser tückischen Krankheit un terliegen. Von denen, die eines gewaltsamen Todes star­ben, hat Gießen 34 zu verzeichnen. Von den Ziffern der Stadt Gießen ist indes zu berücksichtigen, daß in den Uni­versitätskliniken eine große Anzahl( 32) von auswärts stammenden Personen starben, sodaß sich die Todesfälle der Einheimischen, für das Jahr und 1000 Einwohner gerechnet, nur auf 10,3 berechnen. Die günstigsten Sterblichkeitsverhält nisse der hessischen Großstädte" hat unstreitig Worms. Bei 643 Gestorbenen stellt sich die Sterblichkeitsziffer, auf 1000 Einwohner und das Jahr gerechnet, auf 13,0. Darmstadt hat 1308 im Jahre 1909 durch den Tod verlorene Bürger zu beklagen, die, auf das Jahr und 1000 Einwohner ge­

rechnet, eine Sterblichkeitsziffer von 14,4 ergeben. In Mainz erforderte der unerbittliche Sensenmann als Tribut 1679 Bürger. Dies entspricht einer Sterblichkeitsziffer von 14,9 auf 1000 Einwohner und das Jahr gerechnet.

*

p Folgende gewerbepolizeiliche Re­visionen wurden in der Stadt Gießen im 4. Quartal 1909 vorgenommen. Es wurden revidiert:

1. zirka 50 Fabriken und Betriebe hinsichtlich der Einhaltung der Vorschriften unter§§ 163 ff. und§ 167 der Ausführungsanweise zur Gewerbeordnung, sowie der Führung von Arbeitsbüchern, Anmeldung der jugendlichen Arbeiter, Arbeitszeit, Plakate und Listen der jugendlichen Arbeiter. In einigen Fällen fehlten die auf Grund des §107 der G.-. zu führende Arbeitsbücher minderjähriger Personen, sowie die Angabe jugendlicher Arbeiter, auf dem nach den Vorschriften des§ 138 der G.-O. zu führenden Verzeichnissen.

2. 36 Bädereien in Bezug auf Einhaltung der Polizeiverordnung vom 27. Ottober 1907 betreffend die Reinhaltung der Bäckereien. In 15 Betrieben ergaben sich Beanstandungen, wegen Instandhaltung der Arbeitsräume in Bezug auf Anstrich und dergleichen.

3. 36 Konfektionswertstätten, in welchen jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt werden, in Bezug auf Einhaltung der Kaiserlichen Verordnung vom 4. Juli 1909. Auf einigen Werkstätten fehlten die auf Grund des§ 107 der G.-Q. zu führenden Arbeitsbücher minderjähriger Personen.

4. 17 Verkaufsstellen, in denen Carbid gelagert und verkauft wird; auf Grund der Verordnung vom 20. Otto­ber 1905. In einem Falle ergab sich eine Beanstandung. 5. 36 Barbierstuben auf Einhaltung der Poli­zeiverordnung; den Gewerbebetrieb der Barbiere betr. vom 8. August 1909. Beanstandungen ergaben sich keine.

6. Ferner wurde revidiert: Die Beschäftigung von Ge­hilfen und Lehrlingen im Handelsgewerbean Sorn­tagen auf Grund des Ortsstatuts vom 19. März 1909. In zwei Fällen mußten wegen Uebertretung dieses Statuts An­zeigen erhoben werden.

7. Die Beschäftigung schulpflichtiger Kin der in gewerblichen Betrieben auf Grund des Kinderschutz­gesetzes vom 30. März 1903; sowie die gewerbliche Neben­beschäftigung schulpflichtiger Kinder, die verbietet auch eigene Kinder zum Austragen von Backwaren, Milch, Zeitungen und dergleichen vor 8 Uhr morgens und nach 8 Uhr abends zu verwenden. In einigen Fällen mußte wegen Verstoß gegen die Verordnung Strafanzeige erhoben werden.

8. Auf Grund des§ 139e der G.-O. nach 9 Uhr ver­botenen a wsierhandel mit Waren, Südfrüchten w. dergleichen; wegen Uebertretung dieser Bestimmungen wurde in einem Falle Anzeige erhoben.

9. 53 Verkaufsstellen die Margarine und Mar­garine ähnliche Fabrikate und Kunstspeisefette verkaufen in Bezug auf Einhaltung des Gesetzes vom 15. Juni 1897 über den Verkehr mit Margarine, Kunstspeisefette u. dergl. In einer Anzahl Verkaufsstellen, woselbst Margarine ähn liche Fabrikate in neuester Zeit geführt werden, ergaben sich Beanstandungen. In einem Falle mußte wegen wieder= holten Verstoßes gegen das betreffende Gesetz Anzeige er= hoben werden.

-p Gießen, 17. Jan. Gestern wurde hier ein jun­ger Mann verhaftet, der verschiedene Einbruchs die b- stähle verübt hatte. In dem Arrestloval versuchte sich der Verbrecher durch Aufschneiden der Puls­adern zu töten, was aber bemerkt wurde.

> p Gießen, 17. Jan. Gestern erfolgte hier ein 3 u sammenstoß der Straßenbahn mit einem angetrunkenen Mann, der hierbei an verschiedenen Körperstellen Hautab­schürfungen davontrug.

p- Gießen. In der Nacht zum Montag wurde in einem Kontor eingebrochen, wobei den Dieben ein größerer Geldbetrag in die Hände fiel.

* Gießen, 18. Jan. Im Kolosseum spielt zur Zeit das Intime Theater aus Frankfurt, dessen Aufführungen sehr großen Anklang finden. Am Sonntag war der Besuch sehr gut, gestern am Montag sogar noch besser.

* Buzzbach. Die Bezirkssparkasse Mathildenstift hat einen Reingewinn von 13 111 Mt. erzielt. Davon wurden zahlreiche Dienstboten prämiiert.

* Friedberg. Am Mittwoch, 19. Januar, ver­anstalten die Handelskammer, der Gewerbeverein, der De­taillistenverein und der Bürgerverein in dem Saal der Drei Schwerter" eine öffentliche Versammlung. Der Syndikus der Handelskammer, Herr Rechtsanwalt Sa h I, wird über die Gemeindesteuer in Hessen referieren. Im preußischen Etat für das Jahr 1910 werden für den Bahnhofsumbau Fried­berg 300 000 Mt. gefordert als zweite Rate, die erste Rate für das Jahr 1909 betrug 100 000 mt.

* Nieder- Mörlen, 16. Jan. Aus Australien tommt eine Millionener bschaft hierher. Ein in den 1860er Jahren ausgewanderter hiesiger Bürger ist mit der Hinterlassung eines mehrere Millionen betragenden Ver­mögens in Melbourne gestorben. Der deutsche Gesandte in Australien läßt durch Kreisamt und Bürgermeisterei die hie sigen Verwandten feststellen.

* Schlib, 14. Jan. Am Samstag abend sind die Petroleumlampen, die so manches Jahr unsere Wege be­leuchteten, außer Benutzung gestellt, und mit Anbruch der Nacht leuchteten in den Straßen die elektrischen Flammen zum erstenmal auf.

* Mainz. Da sich die zur Hebung des Fremden verkehrs seit lettem Jahre getroffene Einrichtung bewährt hat, wird auch in diesem Jahre wieder an 50 Mainzer Schuhleute in der hiesigen Berlitz School of Lang­uages", Wallaustraße, Unterricht in französischer und englischer Sprache erteilt.

* Mainz, 14. Jan. Vorgestern Abend erschien auf der Wachtstube des ersten Polizeibezirks ein Mann, der den Herrn Wachtmeister gütigst bat, ihm doch auszurechnen, wieviel 500 Mt. Kapital Zinsen zu Prozent im Jahre ausmache. Als der Wachtmeister das Erempel gelöst, fragte er den Betreffenden, warum er dies wissen wolle. Ja, sagte dieser, ich habe 500 Mt. auf der städtischen Sparkasse stehen und weil ich jetzt die Jahreszinsen auf mein Buch eintragen lassen will, muß ich dies wissen, damit ich auf der Kasse nicht bemogelt werde. Damit ging er in seiner Unschuld von dannen.

* Offenbach. In der am Sonntag abgehaltenen außerordentl. Landeskonferenz der Sozial­demokratie im Großherzogtum Hessen wurde nach einem Referat von Busold- Friedberg ein neues Organisa­tionsstatut angenommen. Landtagsabg. Dr. Fulda er­stattete dann ein eingehendes Referat über die Land­tagswahlreform, in dem er sich besonders gegen das Pluralwahlrecht erklärte. In der sich anschließenden Debatte sprachen zahlreiche Redner. Zum Schluß wurde ein­stimmig eine Sympathiekundgebung für die preußischen Ge­nossen und deren Bestrebungen zum preußischen Wahlrecht angenommen.

* Wezlar, 16. Jan. Die Handelstammer für den Kreis Wetzlar wählte in ihrer gestrigen Sißung Generaldirektor Kaiser zum Vorsitzenden, Fabrikant Ne u mann zum stellvertretenden Vorsitzenden und Bankier Kellner zum Schatzmeister. Die Buderusschen Eisenwerte haben aus ihrer Kraftzentrale der Stadt für ihre Einwohner elektrischen Strom sowohl für Licht- als auch für Kraftzwecke angeboten. Die nächste Stadt verordnetensizung wird über dieses Angebot Beschluß fassen. Um die erledigte Kreis baumeister stelle haben sich fünfhundert Bewerber gemeldet.

* Dillenburg, 14. Jan. Am 12. und 13. Jan. hielt der Nassauer Raiffeisenverband unter Leit ung von Verbandssekretär Grisar- Frankfurt hier den zwei­ten Kursus für die Verwaltungsorgane seiner Vereine ab.

- Frankfurt. Der über 9000 Mitglieder zähl ende Nassauische Landes- Obst- und Gartenbau- Verein plant eine Obst und Gartenbau- Ausstellung, die vom 7. bis 16. Oftober 1910 in Frankfurt abgehalten werden soll. Es werden vertreten sein, die häusliche und industrielle Obst­verwertung, wobei insbesondere die weit über die Grenzen bekannte Obst- und Beerenweinfelterei von Frank­furt und Umgegend in den Vordergrund treten wird, ferner der Gemüsebau, die Topfpflanzen- kultur, Binderei und Dekoration. Die Seftion Hessen= Nassau des Bundes deutscher Baumschulbesiber wird durch Musterpflanzungen vor der Halle Anregung und Belehrung geben. Die Vorführungen der Lehranstalt für Wein, Obst und Gartenbau werden allgemei­nes Interesse finden. Eine Kosthalle für Konser­ven wird eingerichtet, ebenso soll Ob st wein ausge= schänkt werden.

* Marburg.

Der oberhessische Touristen- Verein hat jetzt in seinem Gebiete einschließlich der Stadt Marburg Schüler Herbergen eingerichtet. Die durchwanaern­den Schüler erhalten in einer Reihe von Gasthäusern Nacht­lager und Morgenkaffee zum Preise von 60 bis 100 Pfg. * Kirchha in. Die Verwaltung des hiesigen Land­ratsamts ist bis auf weiteres dem Regierungsreferendar v. Gossel übertragen worden.

* Vom Westerwald. Die Aktiengesellschaft Vul­an plant die Errichtung eines großen Elettrizitäts­wertes in Kaden. Ein großer Teil des Westerwaldes, ein Teil vom Lahngebiet und Taunus sollen hierdurch mit elektrischem Licht versorgt werden. Auch soll die elettrische Straft für Motorbetrieb Verwendung finden.

* Wiesbaden. Alter Voraussicht nach wird auch in diesem Jahre das deutsche Kaiserpaar zu mehr­tägigem Aufenthalt nach Wiesbaden kommen und im Schloß Wohnung nehmen. Nach den bis jetzt getroffenen vorläufi­gen Reisedispositionen werden der Kaiser und die Kaiserin höchstwahrscheinlich schon in den ersten Tagen des Mai in Wiesbaden eintreffen. Während des Aufenthalts des Kai­serpaares werden im Kgl. Theater Festvorstellungen gege ben werden. Voraussichtlich werden, wie in früheren Jah­ren, zirka 4-5 Festvorstellungen angesetzt werden.

* Dettingen, 16. Jan. Vorige Woche wurde die Hofraite des Landwirts Wurster ein Raub der Flammen. Der Hofhund wurde nach dem Brande vermißt und man befürchtete, der treue Wächter habe den Feuertod gefunden. Nach 3 Tagen, nach den Aufräumungsarbeiten, sprang der Hund bellend aus dem Schutt. Er war zwischen dem Mauerwerk und dem Gebälf eingeflemmt gewesen.

* Frizlar, 15. Jan. In einem Orte in der Nähe von Jesberg hat eine arme, alte Frau sich zirka 28 Ta­Ier gespart, die nun vollständig wertlos geworden sind. Herr Forstrendant Hoos hier hat sich bereit erklärt, alles zu tun, was in seinen Kräften liegt, um der armen Frau zu ihrem Gelde zu verhelfen, und hat bereits 2 Taler ver­tauft. 26 Taler lagern noch bei demselben und warten auf einen mildtätigen Käufer.

* Aus dem Sauerland. Ein auf der soge nannten Hohen Heide bei Fröndenberg stehendes einzelnes Gehöfte wurde in einer der letzten Nächte von allen Seiten umstellt und regelrecht beschossen. Die Insassen, ein Dreschmaschinenbesitzer mit seiner Familie, sich in den Keller flüchten und am anderen Morgen das total demolierte Haus verlassen. Es soll sich um einen Racheaft handeln. Einige der nächtlichen Schüßen sind be­reits festgenommen.

* Aus der Rhön. In den letzten Tagen herrschte starter Schneefall, stellenweise verbunden mit heftigen Sturm.

Rebaltion, Druck und Verlag von Albin Klein,

Gießen.