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wälzung im Artilleriewesen bedeuten, weil die neuen Ge­schüße auf diese Weise in Stellung gebracht werden könnten und zum Schießen bereit wären, bevor die gewöhnliche Artillerie in Tätigkeit treten kann. Bei den Versuchen wurden Geschosse von drei Pfund Gewicht mit der unge­heuren Geschwindigkeit von 250 Stück in der Minute auf eine Entfernung von 5% Kilometer geschleudert. Nach einer Londoner Meldung hat sich die englische Regierung solche Kanonen verschrieben.

Eine neue Erfindung auf elektrischem Gebiete. Dem Ingenieur Stefan Bentoe in Budapest ist es gelungen, durch eine Erfindung elektrische Energie in einem winzig fleinen Raume unterzubringen. Sein Kraftstromelement kann durch bloße Vereinigung von Wasser und Zink kon= tinuierliche Elektrizitätsmengen zur Speisung großer mo= torischer Bedürfnisse Itefern. Durch das Benkoesche Ele­ment wird Beleuchtung in eigener kleiner Regie ohne Ma­schine und Motor gefahrlos und billig, fast umsonst, her­gestellt. Die Erfindung ist für die Fabrikation fertig, die Manipulationen mit dem Element sind gefahrlos. Eine Batterie in Größe von drei Zigarrenkisten genügte, um ein vierpferdiges Kraftautomobil, in dem vier Personen faßen, mit einer Geschwindigkeit von 18 Kilometern in der Stunde in Bewegung zu halten. Als das Auto hielt, wurde eine Bogenlampe eingeschaltet, die noch mehrere Stunden im Hellsten Lichte erstrahlte. Ueber Nacht fann der Hahn des Wasserreservoirs abgestellt werden, dennoch spendet das Element ohne weiteren Wafferzufluß 4 Stun­den Strom.

Vermischtes

Schwere Explosionskatastrophen. In Cadolzburg bei Fürth sollten ein 17jähriges Dienstmädchen und eine Tage­Löhnerswitwe einen Glasballon mit Gasolin in einen Keller bringen. Beim Transport stießen sie an. Der Ballon zerbrach, und das Gasolin entzündete sich an einem in der Nähe stehenden Ofen. Beide Frauen erlitten durch die Ex­plosion so schwere Brandwunden, daß sie in der Nacht ge= storben sind. Der zur Hülfe herbeigeeilte Hausbesizer, Bürgermeister Brandstetter, trug erhebliche Brandwunden davon. In dem Dorfe Aldeias bei Gouveias in Portu­gal wurde das Haus eines Fabrikanten von Feuerwerks­Förpern durch eine Explosion zerstört. Der Fabrikant, seine Frau und seine beiden Kinder wurden unter den Trüm­mern als Leichen gefunden. Verschiedene Personen erlitten Verlegungen. Die Häuser sind in weitem Umkreise be­schädigt worden.

Die Erbschaft König Leooplds. Am Sonnabend vormit­tag sollte die erste Rate des Nachlasses König Leopolds an die Erben in Höhe von 18 Millionen ausgezahlt werden. Die Schulden der Prinzessin Luise betragen angeblich drei Millionen Mark. Die Bank von Brüssel hat sich bereit er­klärt, auf die zu erwartende erste Rate der Erbschaft der Prinzessin 5 Millionen zu zahlen. Davon sollen ihr zwei Millionen sofort ausgezahlt werden. Nun hat aber plötz=- lich der geschiedene Gemahl der Prinzessin, Prinz Philipp von Koburg durch seinen Brüsseler Advokaten Beschlag auf diese restlichen 2 Millionen legen lassen, da er bei der Schet­dung 2 Millionen Schulden für die Prinzessin gezahlt habe. Somit ist die Prinzessin jeßt wieder völlig mittellos.

allzugewaltigen Tick zu haben, doch den Durchschnitt um ef­liche Kilometer überragt. Muß schöpferische Kraft haben oder doch befähigt sein, sich in das geistige Schaffen eines Federknechtes hineinzuleben und hineinzulieben. Bin hu­moristischer Schriftsteller von ernster Grundstimmung, war­mem Verständnis für alles Menschliche und sonniger Ver­söhnlichkeit, nebenbei auch noch der Sicherheit halber fest­angestellter höherer akademischer Staatsbeamter, jang, groß, stattlich und fernfest, was mir aber persönlich gegenüber meinen vorzüglichen inneren Werten als nebensächlich er­scheint. Ich verlange Briefe, woran ein Feßen Gemüt hängt, von allen, die dazu berufen sind, unter... an die Expedition dieses Blattes. Antwort erst in 14 Tagen mög­lich." Wenn sich auch der Federknecht 14 Tage Zeit nimmt, um die Antwort mit ihrem Feßen Gemüt zu prüfen, kann es doch sein, daß er eine Frau bekommt, die zwar den Durchschnitt um etliche Kilometer überragt, aber trotzdem garniertes Filet und Fasan zu ihren Leibspeisen zählt. Das wäre Pech, aber die ernste Grundstimmung des zu­fünftigen Eheherrn würde dadurch nur vertieft werden.

Das Elend in London. Einen Fall äußerster Armuk und geradezu erschütternden Elends, der leider durchaus lein Ausnahmefall ist, berichten die Londoner Blätter. Einer Mrs. Harriet Bartlett war ihr 17 Monate altes Kind ge= storben, und bei der gerichtlichen Leichenschau, die in Eng­land bei außergewöhnlichen Fällen üblich ist, sagte die Frau, daß sie seit dret Jahren obdachlos jei. ,, Keine Woh­nung seit drei Jahren!" rief der Vorsißende aus ,,, wo schlafen Sie denn?" In der lebten Nacht gelang es mir im Crispin Street- Asyl unterzukommen," antwortete die Frau mit müdem, hoffnungslosem Ausdruck ,,, und einmal war ich in Dr. Barnardos Asyl, sonst laufe ich des Nachts in den Straßen herum!" Und was tut Ihr Mann?" Wenn ich ein Ashl finde, läuft er allein herum, finde ich feins, so gehe ich mit ihm. Aber Sie müssen doch irgend wann und irgendwo schlafen? Wir schlafen auf den Bänken in Parts oder irgendwo, wo wir nicht ge­stört werden. Ich habe noch vier Kinder. Zwei davon sind in Handwerkerschulen und zwei auf einem Training­schiff. Eines Nachts, als wir alle zusammen herumwander­ten, wurden wir arretiert und der Magistrat sandte die Kinder fort, so daß mir nur das füngste blieb." E8 ist eine traurige Geschichte, die wir leider nur zu oft hören," meinte der Vorsißende ,,, wie geht es zu, daß Ihr Mann keine Arbeit finden kann?" Er ist in der ganzen Stadt herumgelaufen, kann aber keine Arbeit finden. Er macht Toastgabeln und es scheint, als wenn wenig Nach­frage darnach ist." und seit wann hat er keine regel­rechte Arbeit mehr? Seit etwa zwölf Monaten." Es ist eine entseßliche Geschichte. Haben Sie denn keine Ver­wandten, die Ihnen helfen können?" ,, Verwandte schon, aber die sind auch sehr arm, sie haben genug zu tun, sich selbst durchzubringen. Die Untersuchungskommission gab das Verdikt: Tod von natürlichen Ursachen" ab, wo­mit in England sehr oft der Hungertod bezeichnet wird. Die Mutter ging mit demselben hoffnungslosen Ausdruck in den müden Zügen wieder ins Elend hinaus.

Der unerzogene Brink is. Die swischen dem Prin- nicht enmutigen lich, das bier word dadurch

zen Georg von Serbien und dem Stadtpräfeften inBelgrad, Alimpitsch, bestehenden Differenzen führten bei einem Hof­ball zu einem neuerlichen Konflikte. Als der Prinz des Präfekten ansichtig wurde, rief er mit dem Finger auf ihn zeigend zum russischen Dragoman: Sehen Sie sich diesen Sund an Der Prinz sprach die Worte so laut, daß es Alimpitsch hörte. Er suchte sofort den Ministerpräsidenten Paschitsch auf, wobei er vom Prinzen, mit dem er nochmals zusammentraf, beschimpft wurde. Er beschwerte sich über das Verhalten des Prinzen, verließ den Ball und reichte set­nen Abschied ein. Das letzte Refontre mit dem Prinzen hatte Alimpitsch gleichfalls im Palais gelegentlich des Pa­tronatsfestes des Königs. Auch damals suchte er um seine Enthebung nach, doch ließ er sich nachher von der Regierung bestimmen, das Gesuch zurückzuziehen.

Selbstmordversuch eines Zwölfiähriaen. Durch einen aus dem venster versuchte sich ein 12jahriger Schü ler in Weißensee bei Berlin das Leben zu nehmen. Der Kleine hat die Tat aus Furcht vor Strafe verübt. Er hatte mehrere Male die Schule geschwänzt, bfürchtete da= für bestraft zu werden und sprang aus der im zweiten Stock liegenden elterlichen Wohnung auf den Hof hinab. Wäh­rend des Sturzes schlug er auf das Dach eines angrenzen= den Holzschuppens auf. Mit schweren inneren Verletzungen wurde der Junge nach dem Krankenhause gebracht.

Drahtlose Konzerte. Aus Neuyork wird berichtet: Die Saison der drahtlosen Oper" beginnt; von Mittwoch den 12. ds. ab wird jeder, der in feiner Wohnung einen Emp­fangsapparat für drahtlose Telephonie besitzt, bei sich zu Hause die musikalischen Genüsse großer Opernaufführungen haben können. Am Samstag legte Dr. Lee de Forest die lette Hand an das große, weittragende Radiophon, das er auf der Spitze des Gebäudes der Metropolitan- Oper ge= baut hat. Nach der Aussage des Erfinders ist es nur noch etne Frage der Zeit, wann Musik, Theateraufführungen, Vorträge und Predigten allen Menschen in ihrem eigenen Heime oder auf Reisen zugänglich sein werden. Auf der Bühne der Metropolitan- Oper sind die Aufnahme- Apparate schon aufgestellt, die durch Draht mit dem großen Radiophon auf der Kuppel des Baues verbunden sind. Von hier aus werden dann Schallwellen weitergegeben und überall auf­gefangen, wo Aufnahme- Apparate aufgestellt und abge­stimmt sind. Alle, die Empfangsapparate haben", so ver­sichert Dr. De Forest, werden die Musik hören. Es ist leicht, die Uebertragung so zu gestalten, daß nur die Abon­nenten, die ihre Apparate mit dem geheimen System des großen Radiophons abgestimmt haben, die Musik aufnehmen fönnen. In allen großen Hotels wird man den ersten Vorführungen folgen können, denn überall sind Aufnahme­apparate angebracht worden." Der Erfinder ist überzeugt, daß von der Höhe des Daches der Metropolitan- Lebens­versicherung, des höchsten Hauses der Erde, die Stimme Carusos in einem Umkreis von 200 englischen Meilen drahtlos übermittelt werden könnte.

Das elektrifierte Bad. Ein eigenartiges Vorkommnis hat sich in der städtischen Badeanstalt Solingen ereignet. Durch Erdschluß der elektrischen Leitung wurden plötzlich das Schwimmbassin und die Wannenbäder elektrisch. Die Badegäste, die sich im Wasser befanden, verspürten plötzlich ein Prickeln auf dem ganzen Körper und diejenigen, welche die Treppen betraten und Metallteile, wie Wasserhähne usw. berührten, erhielten leichte elektrische Schläge. Betrieb der Badeanstalt wurde soft geschlossen und ein Ingenieur des städtischen Elektrizitätswerkes benachrich­tigt, der die schadhafte Stelle der Leitung entdeckte und so­fort ausbessern ließ. Mit diesem Augenblick war auch die Erscheinung, die etwa eine halbe Stunde gedauert hatte, verschwunden.

Der

Ein Heiratsinserat wie es sein soll. Ein originelles Heiratsgesuch war dieser Tage in einem Berliner Blatte zu lesen. Um die Aufmerksamkeit der Leser zu erregen, war am Kopf der Anztige in kräftigen Linien die Silhouette reines Stuhles gezeichnet und daneben stand in großen Ty­Ipen die Worte" Set Dich!" Dann kam der eigentliche Text der Annonce:" Sind Sie ein Weib, gescheit und gut zu­gleich, das diese Bezeichnung im Hochbegriff verdient, so hören Sie: Habe den Kram jetzt definitiv fatt, als da sind garniertes Filet und Fasan und immer dieselben Gesichter, Stefelben Gewänder, dieselben Gespräche. Möchte dero­halben( zwecks Heirat!) eine wirklich gebildete geniale Dame( feine Drahtpuppe) kennen lernen, die, ohne einen

Eine unerwartete Begrüßung wurde einem schmachten­den Jüngling zuteil, der eine englische Schauspielerin mit liebeglühenden Briefen bombardierte und sich auch dadurch steln erhielt. Als es aber schließlich der Schauspielerin zu bunt wurde, gab sie ihrem unerwünschten Verehrer nach Schluß des Theaters ein Rendezvous am Eingang des Theaters und begrüßte ihn mit drei schallenden Ohr­feigen. Ehe der aus den Wolfen gefallene Verehrer sich von seiner Verblüffung erholt hatte, war sie bereits verschwun den.

Naiv. Fräulein( zum Arbeiter, der ihr den entlau­fenen Mops wiederbringt): Wie ich Ihnen danke, edler Mann! Hier haben Sie die versprochenen zehn Mark Finderlohn, und dann kriegen Sie natürlich ertra noch etwas für die Verpflegung... Wie viel Biskuit haben Sie ihm gegeben?"

Grube aber flang nicht einmal ein Stonnen, fein Seuf­zer war zu hören; man sah nur, wie über dem Körper die Steine sich häuften und ihn schließlich ganz verdeckten. Kaum eine Minute hatte das gedauert. Zögernd und langsam löste sich die Menge, alle tommentierten die er­lebte Sensation des Tages... Erst am Abend entfernte man den Steinhausen, der den Körper der Gerichteten verdeckte. Und wie der Koran es verlangt, so verscharrte man die Leiche dicht neben der Richtstätte.

Englische Gesellschaftssitten.

Mag man damit zufrieden sein oder nicht, das englische Gesellschaftsleben ist zurzeit das höchstentwickelte in Eu­ropa und die englischen Gesellschaftsfitten werden, wie in anderen Ländern, so auch bei uns rielfach als vorbildlich angesehen. So konservativ diese Sitten nun im allgemeinen sind, so ist doch auch an ihnen die Zeit nicht ganz spurlos vorübergegangen. Es macht sich auch in den englischen Ge­sellschaftsfitten von heute, besonders in London, der Geist einer Zeit geltend, die wenig Zeit hat. Dies wird vor allen Dingen an der Art erkennbar, wie eine Dame der Londoner Gesellschaft heute ihre Gäste einladet. Der artige und zierliche Einladungsbrief von früher ist dahin. Heute ist das Verfahren sehr modernisiert; in der von der Lon­doner Gesellschaft zu diesem Zweck gewählten Zeitung macht die Gastgeberin rechtzeitig den Termin ihrer Veranstaltung bekannt, und dann sendet sie einfach Visitenkarten herum, auf denen in der Ecke lakonisch Mufit" oder Tanz" ver­merkt ist. Ja, die ganz modernen Damen vollziehen thre Einladungen einfach per Fernsprecher. Natürlich wird aber bei großen Gelegenheiten auch heute noch eine strengere Form der Einladung gewählt; man pflegt in solchen Fällen sechs Wochen vorher einzuladen, und wenn der Besuch et­nes Mitgliedes der Königsfamilie bei der Gesellschaft zu erwarten steht, so findet sich in der Ecke über der Einla­dung der Vermerk: Man trifft Se. Königl. Hoheit." Ein anderer moderner Zug ist die Schwierigkeit, genug Tänzer zu finden. Sie ist gegenwärtig so groß, daß selbst die wählerischsten Damen nicht selten zu dem alten Hilfs­mittel greifen müssen, die Herren zu bitten, Tänzer and ihrer Bekanntschaft einzuführen. Man muß die Exllusivi tät der englischen Gesellschaft kennen, um zu verstehen, wie viel leberwindung es die englische Lady kostet, Herren in ihr Haus einzuführen, die sie selbst noch nicht kennt. Einen sehr beifällig aufgenommenen Gedanken hat der Präsident des Junggesellénklubs verwirklicht; er veranstaltet nämlich Nachmittagsempfänge, wo die Damen zwanglos die Be­fanntschaft tanzfähiger und tanzlustiger Herren machen und sie, wenn sie ihnen gefielen, zu ihren Gesellschaften ein­laden können. Natürlich muß dieser mündlichen Einladung die schriftliche, folgen. Die Beantwortung solcher Einla­dungen durch die Eingeladenen erfolgt nur sehr selten. Die Dinerstunde ist jetzt in London bis gegen 9 ihr hinauf­gerückt, und dann selbst treffen manche Gäste noch um eine halbe Stunde verspätet ein. Nur bei Gesellschaften for­mellen Stils führen die Herren die Damen zu Tische, sonst geht einfach die Dame vom Haus den Damen voran und überläßt es den Herren, zu folgen. Das Mahl wird heute grundsäßlich und allgemein kurz gestaltet, Wein wird er­staunlich wenig getrunken, Wasser und Mineralwasser sind an der Tagesordnung. Eine kleine Neuheit: in manchen Häusern wird jedem Gaste zu seinem Gedecke ein eigenes Miniaturfläschchen mit Whisky auf den Tisch gestellt. Auch in London und in England überhaupt ist die Klage über die verdorbenen Mägen und Nerven der heutigen Welt all­gemein; der Gast, der nur von einem einzigen Gerich nimmt oder sich gar mit etwas Zwieback begnüat. ist eine nicht gar so seltene Erscheinung geworden.

Drabtnachrichten and Deaestes.

Das Befinden des Prinzregenten. München, 17. Januar. Der Prinzregent, der sich gegen wärtig im Berchtesgadener Jaadrenier aufhält, ist äri un Bröfitis erkrankt. Sein Leibarzt, Hofrat Professor An­

Ein Huituröiio aus Persien. gerer, ist zu ihm berufen worden.

Ein erschütterndes Bild von dem grausamen Wesen der persischen Volksjustiz entrollt der französische Reisen­de Claude Auet in einem interessanten Aufsaße, den er in der Illustration" veröffentlicht. Er befand sich auf einer Reise durch das nördliche Persien und besuchte dabei auch die alte Stadt Kutschan, die vor einigen Jahren durch ein furchtbares Erdbeben schwer heimgesucht wurde. Doch über Schutt und Trümmer erhoben sich bereits wie­der die neuen, hellen, niedrigen Häuser, buntes Treiben herrschte in den Straßen, und über dem ganzen Bilde lag eine friedliche Geschäftigkeit, die nichts verriet von den grausamen Verirrungen des Gefühls, die jeẞt sorglos dahinschlendernden, in Liebenswürdigkeit und Freundlich­feit sich überbietenden Perser mit einem Schlage in einen Taumel blutgieriger Grausamfeiten stürzen können. Eine unglückliche Frau wurde das Opfer der jählings in ihren Tiefen entfesselten dunklen Instinkte, eine arme Bäuerin, die zwei Jahre lang mit ihrem Gatten, einem leichtferitgen Säufer, zusammen gelebt hatte, mit ihrer Arbeit ihn er­nährt, bis der Gemahl eines Tages aus Kutschan ver­schwand und nicht mehr gesehen ward. Vier Jahre ver­strichen, keine Nachricht, feine Zeile traf ein. Die Frau lebte allein, ein anderer Bauer näherte sich ihr, sie hielt ihren verschollenen Gatten für tot und heiratete ein zwei­tes Mal. Ein Jahr später tauchte der erste Gatte uner­wartet wieder auf. Man schleppte die Frau vor den Ober­priester von Kutschan, der schlug den Koran auf und ver las das Gebot Allahs, wonach die Schuldigen gesteinigt werden mußte. Das Urteil war gesprochen. Die Menge zeigte sich aufs höchste befriedigt. Man bemächtigte sich der Sünderin, und in lärmendem Aufzuge ward sie durch die ganze Stadt geführt. Barfuß, kaum bekleidet, das Ge­sicht entschleiert was für die Perserin schon eine höchste Marter bedeutet, so schleppte man die Unglückliche stunden­lang durch alle Straßen und Basare, umgeben von einer neugierigen, schwaßenden Menge, die ungeduldig auf die Gelegenheit wartete, das Urteil selbst vollstrecken zu dür­fen. Wo die Aermste vorüberschritt, war fröhliche Erwar­tung. Sie sprach kein Wort, sie weinte nicht, sie schritt dahin, als sei sie unempfindlich; im Volfe aber wuchs die frohe Erregung mit jeder Minute, und in allen Mienen siegelte sich die grausige und barbarische Freude, binnen furzem einen Menschen töten zu dürfen. Der Oberpriester selbst führte die Prozession, wie der Koran es verlangt. Endlich erreichte man die Richtstätte am Kirchhof. Eifrige Hände hatten bereits ein etwa einen Meter tiefes Loch in den Boden gegraben. Es bedurfte feiner Aufforderung, feiner Ermahnung, feines Stoßes, feiner Gewalt: Wort­los, wehrlos, legte sie sich selbst in die Grube. Keine Klage kam von ihren Lippen, sie legte sich hin, als gälte es, im Sande zu schlafen. Dann näherte sich der Ober­priester Das Opfer blieb stumm und regungslos, aber ringsum erschollen die leidenschaftlichen Rufe der wil­den Menge, die ungestüm herandrängte, um nichts von dem gräßlichen Schauspiel zu verlieren. Da erhob der Oberpriester die Hand, man fah, wie er einen großen Stein umflammert hielt, und mit aller Wucht schleuderte er ihn auf den Körper der Verurteilten. Der Aufschlag des Steines auf den Menschenkörper ging im fröhlichen Tumulte der Zuschauer verloren. Der Geistliche hatte das Beispiel gegeben. Ein Hagel von Steinen prasselte auf das Opfer nieder. Jeder, der seinen Stein schleuderte, be­gleitete den Wurf mit einem wilden Fluche Aus der

Die Reichsbank und die Türkei.

Berlin, 17 Januar. Wie die N. Ges.- Korr. meldet, hat die türkische Regierung nunmehr eine aerichtliche Klage gegen die Reichsbank auf Herausgabe des Millionendepots des früheren Sultans Abdul Hamid eingeleitet. Die Klage schrift ist der Bank zugestellt worden.

Sozialdemokratische Wahlrechtskundgebungen.

Berlin, 17. Januar. Die sozialdemokratischen Demon strationsversammlungen für eine preußische Wahlrechts­änderung, welche in den Provinzstädten mit stark sozial­demokratischer Bevölkerung abgehalten wurden, faßten die­selben Beschlüsse, wie diejenigen von Berlin, nur daß einige Resolutionen noch ins einzelne gehende Forderungen über eine gleichmäßige Abgrenzung der Wahlkreise und deren Revision in fünfjährigem Turnus nach dem Ergeb­nis der Volkszählung aufstellten. Im Wahlkreis Hanau­Gelnhausen fanden 125 Versammlungen statt.

Tod eines Abgeordneten.

Bielefeld, 17. Januar. Der Landtagsabgeordnete Lo­renz, der als Hospitant der freisinnigen Volkspartei an­gehörte und den Wahlkreis Minden 2 vertrat, ist in der vorigen Nacht in San Remo gestorben.

Georg der Unartige.

Belgrad, 17. Januar. In der Affäre des Prinzen Georg, der, wie heute an anderer Stelle gemeldet, den Bel­grader Stadtpräfekten schwer beleidigt hat, ist die Regierung entschlossen, die Partei des Stadtpräfekten zu ergreifen. Ste lehnte dessen Entlassungsgesuch ab und wird bei dem König beantragen, den Prinzen auf längere Zeit ins Ausland zu schicken. Die serbische Presse begrüßt diese Maßregelung des Prinzen durchweg mit Genugtuung. Von den dem Prinzen nahestehenden Kreisen wird versichert, der Prinz sei zu dem Ausfall dadurch veranlaßt worden, daß ihn der Präfekt auf Schritt und Tritt durch Detektivs bewachen lasse, wodurch er sich in seiner Bewegungsfreiheit behindert fühle.

Ein neues französisches Maschinengewehr.

Paris, 17. Januar. In der staatlichen Waffenfabrik zu St. Etienne sind soeben mehrere Exemplare eines neuen Maschinengewehres fertiggestellt worden, das große Vor­züge aufweisen soll. Zur Bedienung sei nur ein einziger Soldat nötig, der damit 200 bis 300 Schiffe in der Minute abgeben könne.

Eine Riesendemonstration.

Barcelona, 17. Januar. Gestern vormittag bewegte sich cin Demonstrationszug von etwa 30 000 Personen durch die Stadt nach dem Palast des Gouverneurs. Hier wurde eine Adresse überreicht, in der um eine Amnestie für die wegen der Vorgänge im Juli vorigen Jahres Verhafteten ge= beten wird. Die Ordnung wurde nirgends gestört.

Erdbeben.

Haparanda, 17. Januar. Gestern vormittag 9% Uhr wurde in mehreren Dörfern ein ziemlich starkes Erdbeben verspürt, das 30 Sekunden anhielt und von unterirdischem Getöse begleitet war.

Am Altar ermordet.

Mailand, 17. Januar. Als der Pfarrer von Giacino bei Brescia die Frühmesse beginnen wollte, stürzte plöt lich ein Mann hervor und streckte den Priester mit Res bolberschüssen nieder. In der Kirche entstand eine furcht bare Panik. Der Täter wurde verhaftet und als geistes­gestört in das Irrenhaus gebracht.