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schleunigt werden, daß die ganze Vorlage im Herbst von der Kammer beraten und verabschiedet werden kann.

Darmstadt. Die nationalliberale Fraktion der Zweiten Kammer trat unter Vorsitz des Abg. Reinhart zu einer Sißung zusammen, um über den dritten Gesetzent wurf der Wahlrechtsvorlage, die Wahlkreiseinteilung zu be­vaten und geeignete Vorschläge zur Abänderung der Re­gierungsvorlage zu machen, die in der vorliegenden Form von keiner Partei Zustimmung findet. Ueber die neue Ab­grenzung der Wahlkreise in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen wurde eine allgemeine Verständigung zielt, über die anderweite Einteilung der Landtagswahl= freise in der Provinz Rheinhessen sollen in einer nächste Woche stattfindenden Sigung nähere Vorschläge festgelegt

werden.

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| versetzt, sahen sich die Gießener Bauunternehmer genötigt, nun am Samstag ihre sämtlichen Arbeiter auszusper ren, deren Zahl ungefähr 250 beträgt. Da aus diesem Grunde die Fortführung der städtischen Bauten eine Ver­zögerung erleiden würde, wird die Stadt wie der hess. Sta at ihre Bauten in eigener Regie weiterführen.

* Sammlung von Flurnamen. An der auf Anregen der Hess. Vereinigung für Volkskunde" unter= nommenen Sammlung der Flurnamen im Großherzogtum Hessen arbeiten allein in der Provinz Oberhessen zur Zeit über 80 Herren, die aus den verschiedensten Kreisen kom­men: Forstleute, Geometer, Lehrer, Oberlehrer, Pfarrer, Landwirte, Gerichtsbeamte, Aerzte und Referendare. Die Kreise Lauterbach, Büdingen und Gießen sind schon zum größten Teile vergeben. In den Kreisen Schotten, Alsfeld und Friedberg dagegen haben sich in manchen Dörfern und ist die Arbeit nicht schwer und für die Geschichte der eig nen Heimat überaus fruchtbar. Für manche Dörfer und Orte fehlt es ja an schriftlichen Ueberlieferungen aus der Vorzeit fast ganz; da reden eben die Fluren, die Gewann­

Fortbildungsbestrebungen der deutschen Lehrer einen Städten noch keine Bearbeiter gefunden. Und doch

Zur Hebung der Volksschule und ihres Lehrerstandes fordert der Deutsche Lehrerverein bekanntlich statt der jeßi­gen Seminarbildung Universitätsstudium der Volksschul­lehrer und solange dieses Ziel nicht erreicht ist we­nigstens die Berechtigung zum akademischen Studium nach bestandener Lehrerprüfung. Daß diese Forderung feines wegs aus überspanntem Standesgefühl, sondern aus in nerstem Bedürfnis entspringt, wird dadurch bewiesen, daß die bereits im Amte stehenden Lehrer durch die verschie densten Maßnahmen die Lücken ihrer Vorbildung auszu= füllen, ihr Wissen und Können auf den mannigfachsten Ge­bieten( Philosophie, Religion, Pädagogit, Kunst, Natur= wissenschaft, Geschichte, Volkswirtschaftslehre 2c.) zu erwei­tern und zu vertiefen, ihre Welt- und Lebensanschauung zu klären und zu festigen suchen. Dreierlei Wege wurden neben der Weiterbildung durch die Vereinsversammlungen I im Jahre 1909 von den Lehrervereinen beschritten: 1. Universitäts- Ferienkurse, und zwar in Berlin, Bonn Bres­lau, Leipzig, München, Tübingen; 2. ständige Vorträge an 24 Orten und 3. gelegentliche Vorträge und Vortragsreihen an 57 Orten. An diesen Veranstaltungen nahmen 22 267 Personen teil. Die Kosten beliefen sich auf rund 114 000 Marf, von denen die Lehrervereine und Teilnehmer 104 600 Mart tragen mußten( 9400 Mt. flossen aus Zuwendungen der Ministerien und Städte). Nicht berücksichtigt sind in der Zusammenstellung die Ferienkurse, die z. B. in Jena und Greifswald von den Universitäten selbst veranstaltet wer­den. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß solche Fortbild­ungsfurse naturgemäß nur in Universitätsstädten und grö­ßeren Orten stattfinden können, und wenn man bedenkt, wieviel Opfer an Zeit, Kraft und Geld durch sie dem ein­zelnen erwachsen, so stellen diese Zahlen dem Bildungs­streben des deutschen Volksschullehrerstandes ein ehrenvolles Zeugnis aus.

Die vorliegende Zeitung, unabhängig in jeder Be­ztchung, mit d'elen amtlichen Bekanntmachungen und guten Lokal- Nachrichten, kostet

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Die Berichterstattung ist zuverlässig.

namen.

!! Viehseu chen. Die Maut und Klauenseuche ist jetzt überall im Deutschen Reiche, bis auf ein Gehäft in dem westpreußischen Bezirk Marienwerder, erloschen. Dage­gen ist die Schweineseuche noch in allen Teilen des Rei­ches verbreitet, am stärksten im Osten und Norden, am schwächsten im Süden und Westen. In der Provinz Star­fenburg herrschte die Seuche in 8 Orten, in Oberhessen in 5 Orten und in Rheinhessen in 9 Orten.

!! Zigarettensteuer. Im Interesse derjenigen Leser, die mit Waren, die der Zigarettensteuer unterliegen, Handel treiben, machen wir an dieser Stelle auf die ein­schneidende Bestimmung in§ 15 des Zigarettensteuerge= setzes besonders aufmerksam, wonach derjenige, der sich ge­werbsmäßig mit dem Verkauf von Zigaretten, Zigaretten­tabat, Zigarettenhülsen und-Blättchen befassen will, dies vorher der Steuerbehörde anzuzeigen hat. Die Anmeldung hat im Bezirk eines Steueramtes bei diesem, im übrigen aber unmittelbar bei dem zuständigen Hauptsteueramt zu er­folgen.- Die Beachtung dürfte umsomehr erforderlich sein, als Zuwiderhandlungen gegen die betreffenden gesetzlichen Vorschriften mit besonders hohen Strafen, bis zu 300 M., geahndet werden.

(:) Bund für Vogelschuh. Nach dem jüngst ausgegebenen Jahresbericht zählt der Bund für Vogelschutz 3. 3t. 18 300 Einzelmitglieder in 315 Ortsgruppen. Au­ßerdem gehören ihm zahlreiche Vereine, Gemeinden und Be­hörden an. Auch im Großherzogtum Hessen hat der Bund 3 Ortsgruppen: Alsfeld mit 10 Mitgliedern( Vorsitz­ender Forstmeister Brill), Gießen mit 29 Mitgliedern ( Vorsitzender A. Lutz) und Mainz mit 105 Mitgliedern.

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* Bei der Landesversicherungs- An st alt sind im Monat April 307 Rentengesuche eingegan gen. Unerledigt wurden in den genannten Monat über= nommen 372 Rentengesuche, so daß 679 Gesuche in Be­arbeitung standen. Es fanden Erledigung: 292 durch Ren tenbewilligung, 24 durch Ablehnung, 19 durch andere Weise, zusammen 335, so daß 344 Gesuche als unerledigt auf den Monat Mai übernommen werden mußten. Ferner wurden im Monat April 310 Anträge auf Beitragserstatt ung gestellt. Unerledigt wurden in den genannten Monat übernommen 79 Erstattungsanträge, so daß zu bearbeiten waren 389 Gesuche. Bewilligt wurden 269 Anträge, ab­gelehnt wurden 14 Anträge. Unerledigt blieben 106 Er­stattungsanträge, die auf den Monat Mai übernommen

wurden.

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tt Stadttheater. Nochmals sei nachdrücklich auf das Abonnement für die Operettengastspiele hingewe sen, das ja gegen die Einzelpreise eine außerordentlig Ermäßigung bedeutet und in Verbindung mit den Gu scheinen außerordentliche Vorteile gewährt. Abonnements anmeldungen werden jederzeit zu den Geschäftsstunden Theaterbureau angenommen und Teilabonnements werden auch noch nach der ersten Abonnementsvorstellung ausgege ben.

** Das Fest der silbernen Hochzeit begingen in 1. Feiertag Ofenseßermeister Heinrich Sommerlada Ehefrau. Die Eheleute erhielten von Freunden und Be kannten zahlreiche Glückwünsche.

** Lese halle. Die Büchersammlung der Lese halle lieh im Monat April 2485 Bände aus. Auch dies mal wieder nahmen die Erzählungen die erste Stelle ein, Sie umfaßten allein 1218 Bände.

* Vom Tage. Von unbekannter Hand wurden an einer Ladenscheibe die Firmenbuchstaben in böswilliger Ab­sicht entfernt.

Stadttheater Gießen.

Montag, den 16. Mai 1910. Die Fledermaus.

Operette in 3 Atten von Johann Strauß. Die Sommer- Saison 1910 tündete sich recht verheiß­ungsvoll an, mit einem Stück, das auch an Hoftheatern Gastrecht genießt, mit der allerorts so unzählige Male wie derholten Operette: Die Fledermaus" von Ioh. Strauß. Diese an wiegenden Melodien reiche, durch sorgfältige Instrumentation ausgezeichnete Operette, in der es singt und flingt nach Wiener Lust, hat sich neben allen neuen Schlagern und Zugstücken der Operettenmusik siegreich behauptet; wer könnte den prickelnden, reizenden Walzer taft vergessen, dessen Klänge sich in uns, ohne daß wir es wol­len, festsetzen- daß wir uns auf dem Nach- Hause- Weg er tappen: Walzermelodien der Fledermaus leise für uns pfeif end. Die frische, allerliebste Operette mit der urtomi­schen Figur des Frosch", der Fortsetzungen und Nach bildungen in so vielen anderen Stücken ich denke z. B. an den tollen Schwant: Eine Hochzeitsna ch t"- erfahren hat hat es sich sogar gefallen lassen- der ver­feinerte Geschmack erfinderischer Regisseure galt der Kostüm frage- in Reifrock und Vatermörder gesteckt zu werden. Ich habe mir im neuen Hoftheater zu Weimar eine solche auf Biedermaier- Stil" gestimmte Fledermaus- Aufführung" angesehen; ich muß aber sagen, ich verzichte auf das Alt väterliche, Biedere, ein bißchen spießbürgerlich Anheimelnde, das für ein Hoftheater ganz gut passen mag, ich wünsche nur den feschen, fecken, leichten Wiener Ton! Auf diese ursprüngliche, tanzende Lust war auch die hiesige Aufführ ung eingestellt, die sich unter der flotten Leitung des Diri­genten Hermann Weina c glatt und zufriedenstellend abwickelte. Oberregisseur Richard Helsing, der zu gleich den Gefängniswächter Frosch" spielte, unermüdlich in neuen Einfällen, sorgte für prächtige, dem Ton der Ope rette angepaẞte Bühnenbilder und lebhaftes Zusammenspiel. Was die Kräfte des Ensembles angeht, das in Bad Ems seine Haupttätigkeit entfalten wird, so kann ich wohl immer relativ gesprochen sagen, daß sie für die heutigen Leistungen in gleichem Maße Anerkennung verdienen. Die gesanglich größten Partien fallen den Darstellerinnen der Rosalinde( Marta Merten) und Adele( Al ma Walle) zu; Marta Merten, eine

ung, vereinigt gewandtes schauspielche Beein

mit

* Schwurgericht. Für die nächste am 6. Juni beginnende Schwurgerichtsperiode wurden folgende Geschöner klingt als im piano, doch manchmal einer merklichen

Abonnementsbekellungen nehmen zu jeder Zeit schworenen ausgeloſt: Landwirt Heinr. Adam in Busen­entgegen alle unsere Agenten, Träger und

Die Expedition Gießen, Selter sweg 83

Lokales.

Gießen, 17. Mai 1910.

** Der Großherzog empfing am Samstag u. a. den Finanzminister a. D. Dr. Gnauth und den Ober­aftuar Kohlheyer von Lich.

** Baugewerbe. Bekanntlich hatten die Gie­ßener Bauunternehmer nach einer etwa 8tägigen Aussperr­ung ihre Arbeiter wieder eingestellt. Dies gab nun dem in der Mitteldeutschen Arbeitgeberverband Veranlassung, vergangenen Woche ganz besonders heftig auf die Entlass= ung der Arbeitnehmer zu dringen. In diese zwangslage

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Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)

Sylvia lächelte.

Ich glaubte auch daran. Aber in der letzten Zeit bin ich wieder irre geworden. Sie hat ihr Benehmen vollständig geändert. Sie kommt jetzt überhaupt selten. Und ich schreibe dies der Anwesenheit meines Bruders zu. Er trägt seine Bewunderung für sie so dreist zur Schau, daß es sie notgedrungen verleßen muß. Er wird nicht eher ruhen, bis er sie ganz vertrieben hat. Und mir raubt er damit den letzten Rest von Freude, der mit Maja in mein ödes Dasein fiel."

Und ich, bin ich Dir denn nichts?" versette Hermann leicht gefränft. Gilt Dir Deine Freundin sogar mehr als ich?"

Bitte, bitte, sprich nicht so, Hermann! Du weißt ja nicht, wie lieb Du mir bist und wie ich leide, wenn ich Dich nicht sehen kann! Aber es sind immer nur kurze Minuten, die mir vergönnt sind. Zu einem ruhigen Aus­sprechen bleibt kaum Zeit. Aber wenn Maja kam, so ver­gaß ich bei ihrem heiteren Geplauder auf Stunden alles, was mich niederdrückt und mir Sorge macht. Verstehst Du das? Deshalb entbehre ich sie so schwer!"

Ja, ich weiß, Liebling! Aber Du mußt jetzt auch ein­sehen, daß die Sache anders werden muß. So kann und darf es nicht weiter gehen. So oft es meine Zeit erlaubt, laufe ich stundenlang hier herum, ohne daß es mir ver­gönnt ist, Dich zu sehen. Ich sehne mich nach Dir, werde mißmutig und bin in solcher verdrießlicher Stimmung faum zum Singen aufgelegt. Das taugt nicht,- mein Beruf leidet darunter und meine Stimme verträgt es nicht, daß ich in dem Schnee da herum stehe und mich schließlich erfälte. Ich bin es mir und Dir schuldig, daß ich dem gegenwärtigen, unerträglichen Zustand ein Ende mache. Ich bin doch ein Mann, und muß wissen, was ich zu tun habe. Mein Entschluß steht unwiderruflich fest. Morgen gehe ich zu Deinem Vater und sage ihm alles. Dann kann ich täglich eine Stunde zu Dir kommen und brauche nicht hier herumzustehen. Bist Du erst meine

einer angenehmen, vollen Stimme, die im forte mitunter Anstrengung, bei zwar sicherer Tongebung, nicht entraten

lann. Alma Walle bringt für die Koloratur- Sängerin eine gewinnende, helle Stimme mit und erntete besonders im letzten Aft wohlverdienten Beifall. Für die übrigen Dar­steller will ich mich nur zusammenfassend mit meinem obi gen Gesamturteil begnügen; im dritten Aft vereinigten sich Herr v. Eisenstein Iosef Fery) und Alfred, der Ge sanglehrer( Carl Melzer) mit Marta Merten

zu

dem prächtig und flott gesungenen Terzett; erwähnen möchte ich noch Carl Tralow, als Dr. Falke, Eric Schönfelder als Gefängnisdirektor und Herta Schroth als Prinz Orlofsky. Lebhaften, wohlverdienter Beifall fand das Tanzduett des 2. Attes, graziös und lieb ausgeführt von der Balletmeisterin Anny van der Veer und einer ebenbürtigen Partnerin, deren Namen der Theaterzettel verschweigt.

born, Landwirt Karl Wagner in Allendorf a. d. Lmda., Landwirt Heinrich Ganß 2. in Crainfeld, Kaufmann Hrch. Bücking 1r. in Alsfeld, Bauunternehmer Hch. Bücking 2. in Alsfeld, Handelsmann Salomon Löwenthal in Nieder­Wöllstadt, Kaufmann Artur Schuster in Gießen, Rentner Hch. Schmidt 7. in Romrod, Gemeindeeinnehmer Ludwig Friedrich Nagel in Büches, Müller Ernst Kah in Nieder= Ohmen, Pächter Richard Westernacher in Lindheim, Päch­ter Alb. Beuermann in Odenhausen, Kaufmann K. Schlos= ser in Grünberg, Fabrikant Karl Repp in Grünberg, Land­wirt Wilh. Roth 1. in Bettenhausen, Landwirt Rud. Kai­ser in Unter Schmitten, Weißbindermeister Friedr. Stamm in Bad Nauheim, Rentner Karl Müller in Friedberg, Landwirt J. H. Müller 2. in Oberhörgern, Landwirt ut. Gemeinderechner Johannes Tränter in Queck, Fabrikant 2. Raab in Alsfeld, Landwirt Theodor Albus in Bellmuth, Kaufmann H. Vogt 2. in Butzbach, Landwirt Konrad Mül ler 2. in Gambach, Bürgermeister Heinrich Peppel in Mit telseemen, Landwirt Karl Immelt 1. in Freienseen, Mül- sten Vorstellungen teine größere Besucherzahl aufwiesen ler Johs. Lißberger in Groß- Felda, Metzger und Wirt Aug. Zein in Büdingen, Ziegeleibesitzer Wilhelm Sauer­bier 1. in Buzbach, Bürgermeister Joh. Weiß 1. in Bors­dorf.

Braut, so lassen wir so bald als möglich die Hochzeit fol­ger, spätestens in vier bis fünf Wochen. Alles andere ist Nebensache."

Sylvias Augen leuchteten. Die Perspektive, die Her­mann da eröffnete, war auch zu schön.

So nahe sollte sie schon am Ziel sein? So bald schon dem geliebter Manne angehören dürfen? Frei von aller Sorge und ihrem Glück lebend? Sie wagte nicht daran zu glauben. Und einen Augenblick nur hatte sie sich be= rauscht an dem Bilde, das wie eine Fata Morgana" vor ihr auftauchte, um gleich darauf wieder zu zerfließen. Und wenn mein Vater nun" nein" sagt, was dann?, fragte sie beklommen, und der Heitere Strahl in ihren Augen erlosch jäh.

Er wird nicht" nein" sagen", tröstete Hermann zu­versichtlich. Weshalb sollte er auch? Habe ich mir nicht aus eigener Kraft eine Zukunft geschaffen, um die mich Tausende beneiden dürften? Ich bin stolz auf meine Kunst und ohne ileberhebung dars ich es sagen: Ich habe erreicht, wonach viele vergebens streben. Was könnte mir denn Dein Vater entgegenseben? Etwa seinen Adelstitel? Laß Dir sagen, Geliebte, was ich Dir bis jetzt verschwieg: Der Name Walter ist nicht mein rechter, er ist nur mein Künst­lername. Und wenn ich Deinem Vater die Versicherung geben kann, daß meine Familie der seinen nicht um ein Haar breit nachsteht, daß sie ihm völlia ebenbürtig ist, glaubst Du, daß er dann immer noch nein" sagen wird? Doch was ich Dir eben sagte, ist vorläufig ein Geheimnis und ich würde auch nur im äußersten Falle Gebrauch ma­chen von dieser Mitteilung. Ich will doch sehen, ob der Tenorist Walter nicht auch ohne die Glorie eines hoch­tönenden Namens ein ebenbürtiger Freier für die Tochter des Hauptmanns von Schmettwit ist. Sorge Dich nicht, Sylvia, ich werde Deinem Vater schon alles klar machen, ich bin fest überzeugt er weist mich nicht ab."

Und er selbst, der alte, verbitterte Mann, was wird wohl aus ihm, wenn ich von ihm gehe? Die Tante ist herzlos, ste gönnt ihm kaum ein freundliches Wort und der Onkel"- das junge Mädchen zuckte die Achseln, er ist eine Null im Hause. Er muß tun, was seine Frau haben will. Sie beherrscht ihn ganz. Die bei­den Leute würden meinen Vater als unnüße Last betrach=

Leider das sommerische Wetter des Pfingstmontags war wohl schuld daran- waren die Parkettpläße nicht sehr gut besucht; es wäre aber bedauerlich, wenn die näch Der große Erfolg bleibt aber trotzdem der heutigen Auf­führung unbenommen; ich gestehe es darum um so lieber ein, als ich von meinem Standpunkt als dem des großen Publidums mich nur freuen tann, daß Herr Direktor.

ten, müßten sie ihn pflegen, wenn er frank wäre. Ich weiß nicht, wie die Zukunft werden soll. Hätte mein Vater Geld und dürften sie hoffen, etwas von ihm zu erben, dann ginge es vielleicht, dann wäre alles anders.- Aber so

Sie zerdrückte eine Träne im Auge.

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Ja, Liebling, was fällt Dir ein?" versetzte Hermann ruhig. Es ist doch selbstverständlich, und ich habe nie anders gedacht, als daß wir Deinen Vater zu uns nehmen. Was soll der alte Mann auch allein hier in dem öden Nest sitzen und sich langweilen? Bei uns soll er das Leben wieder leben lernen. Solche Leichenbittermienen wie hier gibt es bei uns nicht. Einen fröhlichen Kreis von Menschen, die uns lieb sind, wollen wir um uns ver­sammeln und meine Sylvia soll die Lustigste von allen sein, nicht wahr? Du wirst wieder lachen wie damals, als ich Dich zum erstenmale sah und als mich Deine kind liche Fröhlichkeit, Deine lachenden Augen sofort gefanger nahmen. Hoffentlich hast Du das heitere Wesen nicht ganz und für immer abgelegt. Ich will nicht, daß Du traurig bist."

Sylvia schmiegte sich eng an den schönen, stattlichen Maun.

" Du bist so gut", sagte sie und blickte unter Tränen löchelnd zu ihm auf. Wenn ich erst Deine Frau bin, so sollst Du kein trübes Gesicht mehr sehen. Ich bin ja so gern lustig und heiter, aber hier,- hier kann ich nicht fröhlich sein."

Nun hoffentlich darf ich Dich bald mit mir nehmen, dann ist alles gut."

Ja, aber-"

Nun? Was denn wieder für ein Aber"? fragte er mit leichter Ungeduld, als Sylvio ſtockte.

So schnell, wie Du denkst, wird sich die Sache nicht ma lassen."

Weshalb denn nicht?"

" Meine Aussteuer, Hermann! Es ist noch gar nichts vorhanden, als höchstens von meiner lieben, feligen Mut ter her einige Dußend Hemden und sonst verschiedenes." Sie blickte hilflos und verzagt auf den Geliebten. Gr lachte laut auf.

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