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unternommen werden, und von der anderen Seite finden sie auch nicht statt. So muß man denn hoffen, daß aus den trübseligen Verhältnissen heraus selbst eine neue Er­tenntnis für die politischen Parteien Deutschlands erwachsen möge, die ihnen den Weg zeigt, wie eine brauchbare und dem ganzen Volte imponierende Reichstagsmehrheit zu bil­den sei. Von den nächsten Reichstagswahlen tann ja auch schon eine so ernste Mahnung herausklingen, daß man die Fehler, die in politischer Hinsicht in Deutschland gemacht worden sind, viel deutlicher als jetzt sieht. Man fürchtet all­gemein, daß bei den nächsten Reichstagswahlen eine starke Vermehrung der sozialistischen Abgeordneten eintreten werde. Im vorigen Reichstage hatten die Sozialdemokraten bereits 78 Size inne, man sieht daraus, welche Chancen die So­zialdemokratie in politisch unzufriedenen und verärgerten Zeiten hat. Sollte aber die Soziaidemokratie im Deutschen Reichstage es bei den nächsten Wahlen gar aus hundert Size bringen, so fönnte die ganze parlamentarische Arbeit im Deutschen Reiche leicht eine unfruchtbare werden, und neue und verschärfte politische Kämpfe fönnten dann das Reich aus der parlamentarischen Wüste wieder heraus­führen.

Sparsamkeit in der Justizverwaltung.

nur

Seit den großen Finanznöten ist das Wörtchen sparen" zum Schlagwort geworden. Leider aber hat man sich bis zum heutigen Tage trotz der sich stets ungünstiger gestalten­den Finanzverhältnisse zu nennenswerten Ersparnissen nicht aufschwingen fönnen. Wohl wurde verschiedentlich von ein­zelnen V! rwaltungen ein Anlauf zum Sparen gemacht, der jedoch in der Regel nur von furzer Dauer war. Auch in unserem Großherzogtum hat sich schon seit längerer Zeit der gute Wille zur Sparsamkeit gezeigt, der bis jetzt aber noch nicht in der wünschenswerten Weise in die Tat um­gesetzt wurde.

Jetzt hat nun das Ministerium der Justiz einen be= merkenswerten Erla ß an die ihm unterstellten Gerichtsbehörden gerichtet, der nicht nur eine wesentliche Er­sparnis im Justizdienste, sondern auch eine zu begrüßende Vereinfachung des gesamten schriftlichen Verkehrs innerhalb der Gerichtsbarkeit bezweckt. Der Erlaß, der sich über die allen Form der Berichte eingehend ausläßt, sordert vor Dingen auf, die Berichte furz und bündig zu fassen. Ein­leitungen und Schlußsäße formeller Natur sind in Zukunft vollständig zu unterlassen. Die Berichte sollen vielmehr di­reft auf die Sache eingehen und von nun an tunlichst in Urschrift mit einer Umschrift weitergehen. Durch möglichst furze Aeußerungen der Ausschrift soll den oberen Behörden größeres Aftenstudium erspart werden. Tabellen, Verzeich­nisse von Tagegeldern und gleichartige Schriftstücke sind ohne jedes Begleitschreiben für die Zukunft einzusenden.

In einem weiteren Ausschreiben des Justizministeriums wird im Interesse der Sparsamkeit strengste Genauigkeit beim Bezuge von Formularen empfohlen. Um zu vermei­den, daß unnötig viel Formulare bestellt werden, soll am Ende eines jeden Jahres der Gesamtformularbedarf über­schlagen und hiernach jedem Lieferanten nur eine einmalige Bestellung zur Vermeidung unnötiger Portokosten gemacht werden. Insbesondere wird den Vorständen der Kanzleien große Sorgfalt bei der Bestellung und dem Verbrauch von Formularen und anderer Verbrauchsobjekte anempfohlen.

Bei dem ausgedehnten Schriftverkehr der einzelnen Ge= richte und der Justizverwaltung werden auf diese Weise Es bleibt erhebliche Ersparnisse gemacht werden können. daher zu wünschen, daß sich die anderen Verwaltungszweige dem Beispiele der Justizverwaltung anschließen und auch die städtischen Verwaltungen eine Vereinfachung des gesam­ten schriftlichen Verkehrs im Interesse einer schnellen Erle­digung und aus Sparsamkeitsrücksichten anstreben.

Lokales.

Gießen, 12. Juli 1910.

* Universität. Das Pharmakologische Institut der Universität wird binnen furzem von seinem bisherigen Heim Lonystraße 2 nach der alten veterinär- medizinischen Klinik in der Frankfurterstraße übersiedeln, da sich der Staat des gegenwärtigen Anstaltsgebäudes zu entäußern ge­

denkt.

* Städtisch e s. Die Stadtverordneten werden sich demnächst mit der Frage der Verlegung der städtischen Aem­ter nach der Klinik an der Liebigstraße zu deschäftigen ha­ben, welche zu diesem Zweck verschiedene bauliche Abänder­ungen erhalten soll.

* Straßenbahnunfall. Am Dienstag führte das Entgleisen eines Wagens auf dem Marktplatz zu einer Betriebsstörung, welche jedoch ziemlich rasch beseitigt wer den konnte.

-h Ferien. Die letzten schönen Tage haben den bedeutend anschwellen lassen. Ferienverkehr wieder ganz Die Durchgangs- und Schnellzüge, welche gestern auf der Fahrt von Berlin- Frankfurt a. M. Gießen passierten, wie­

Stadttheater Gießen. Dienstag, den 12. Juli 1910. Wiener Blut

Operette in 3 Atten von V. Leon und Leo Stein, Musik von Johann Strauß.

Das Wert des Komponisten mag seinen Namen mit Recht tragen; ob die heutige Aufführung den Begriff Wie­ner Blut" erfaßte oder nur annähernd erschöpfte, stelle ich sehr, sehr in Frage. Wo wirfte Wiener Gemütlichkeit, Herzlichkeit, Lust? Wo tam das Wien von 1815 zur Gelt­ung, wo Fiafertutscher eine Macht bildeten, wo Fürsten und Grafen sich in anmutige, fesche Probiermamsells verliebten? Wo tanzte, lachte, glühte, scherzte Wiener Blut"?

Die hiesige Aufführung gab davon nur ein Surrogat, und Surrogate munden dem wenig Verwöhnten nicht oder trinken Sie Zichorienbrühe lieber als Kaffee?- erst recht dem Feinschmecker nicht. In jedem anderen Krähwin­fel, zu jeder anderen Zeit hätte das Stück spielen können, nur nicht in Wien zur Zeit des Kongresses! Alles was äußerlich an den Kongreß erinnert hätte, war gestrichen; von der ganzen Diplomatie feine Spur zu sehen. Nur die Kostüme erinnerten dann und wann, troß ihrer geringen Einheitlichkeit denn mit der historischen Treue nahmen

sie's nicht gar so genau!- an die Biedermaierzeit; doch dieser Begriff ist räumlich sehr dehnbar. Man sagt zwar, Kleider machen Leute, aber das Kostüm allein macht nicht den Geist der Zeit, das Wesen eines Völckchens, wie es die Wiener nun mal sind. Es gibt eben nur eine Kaiserstadt, nur ein Wien. Ausgelassenheit ohne Anmut, Wit ohne augenzwinkernde Natürlichkeit, Lachen ohne Herzlichkeit, steife Noblesse und würdeloses Sich- gehen- lassen sah ich hier, sah ein Leben, nur wie einen schwachen Refler der lieben, lu­stigen, heiteren, falschen, gemütlichen, ewig lachenden, nichts­

sen daher mitunter eine recht bedeutende Länge auf. Der Fremdenverkehr hat auch in Gießen rege eingesetzt. Schade nur, daß unsere Schulkinder diese schönste Zeit des Jahres immer noch auf den Schulgänken verbringen müssen, da das Ministerium des Innern bekanntlich das Gesuch des Bürgervereins um die Verlegung der Schulferien abgelehnt Vielleicht würde es sich unter den obwaltenden Um­ständen für den Bürgerverein empfehlen, in dieser Ange­legenheit mit dem Bund hessischer Schulreformer gemeinsam vorzugehen.

hat.

** Der Evang. Arbeiterverein Gießen ver­anstaltet am Sonntag auf der Liebigshöhe ein Garten= fest, das nach den getroffenen Vorbereitungen sehr schön zu werden verspricht. Außer Konzert, Gesangsvorträgen, Damenreigen, Kinderspielen 2c., sind eine Reihe von Ueber­raschungen in Aussicht genommen, u. a. soll den Festteil­nehmern der Besuch eines zoologischen Gartens auf Festplatz ermöglicht werden.

Aus Hessen und Nachbargebiet

dem

an=

* Butzbach. Der anläßlich des vom 16. bis 18. Juli hier stattfindenden 28. Lahntalsängerbundesfestes und geldenen Jubiläums des Bundes am 17. Juli also am nächsten Sonntag nachmittags 3 Uhr veranstaltete Festzug soll eine Versinnbildlichung des deutschen Volksliedes wer den und weist deshalb mehrere Wagen mit ihnen folgenden Gruppen auf. Auf dem einen führt die Königin Luise der Germania das zum Freiheitstampf aufgestandene Volk zu, Freiheitskämpfer und Turner unter Jahn folgen. Der dere zeigt die Handwerksburschen auf dem Marsche und in der Zunftherberge. Der dritte führt uns in die Spinnstube, sind, in die Mägdlein aus verschiedenen Gauen gefommen singende Schnitterinnen schließen sich an. Eine folgende Gruppe huldigt Sangesmeister Erf und die letzte der Göt' tin des Gesanges, die dem Volkslied den Ehrenfranz reicht. Jubelnde, singende Kinderschar mit bunter Blumenzier im und Haar und die Bundesvereine mit wallenden Fahnen Freunde des Liedes folgen.

* Nachflänge zu Friedberg Büdin­gen. Aus einer Feststellung des Offenbacher Zentrumsor­gans geht hervor, daß bei der Stichwahl in Friedberg- Bü­dingen auch sonst recht konservativ gesinnte Kreise durch Wahlenthaltung den Sozialdemokraten unterstützt haben. Das Blatt verzeichnet die Tatsache, daß in der Stadt dingen der Fürst von Isenburg- Büdingen und seine Beam­ten und Bediensteten alle bei der Stichwahl zu Hause ge= blieben sind.

* Hünfeld. Der Kaufmann Michael Weinberg ist seit furzem verschwunden. Er soll für 25 000 mt. Wechsel gefälscht haben.

* Wetzlar. Die Fortschrittliche Volkspartei des Wahlkreises Wetzlar- Altenkirchen hat ein Parteibureau mit dem Size in Weylar errichtet. Mit demselben ist eine so ziale Auskunftsstelle verbunden. Geschäftsführer ist Herr Jakobs.

* Nidda. Ihre diamantene Hochzeit konnten Aug. Karl Karl 1r. und seine Ehefrau Karoline, geb. Bolz, in Bellmuth feiern. Beide sind trotz ihrer mehr als 80 Jahre noch recht rüstig.

* Marburg. Der Direktor der medizinischen Universitäts- und Poliklinik Professor Dr. Ludo f Brauer hat einen Ruf als Direktor des Hamburg Eppendorfer Krankenhauses erhalten. In diesem Sommersemester fommt hier zum erstenmale das von der Stadt anläß lich der Ankunft des 2000. Studenten bewilligte Stipendiat an underschuldet in Not geratene Studenten zur Aus­zahlung.

* Langsdorf. Obstbaulehrer Wiesner sprach hier vor zahlreichen Interessenten über Obstmärkte und Obstverkauf." Die gegebenen Anregungen haiter den Zweck für eine bessere Verwertung des gebrochenen Obstes zu sorgen durch Verkaufseinrichtungen direkt vom Züchter an die Konsumenten, ohne Zwischenhandel. In allen Gegenden, wo der Obstbau floriert, hat nur ein ge regelter faufmännischer Obsthandel die Fortschritte ge­bracht. Ein geregelter Obsthandel ist notwendig, kann doch in manchen Johren der Ueberfluß an gutem Tafel­und Koch Brechobst nur schlecht bermendet werden. In einer weiteren Zusammenkunft im August soll über die Durchführung der gegebenen, no! tuenden Anregungen weiter beraten werden.

* Darmstadt. In der Sache Erbach gegen Er­bach hat bekanntlich die geschiedene Dora Fischer die Aussage verweigert, worauf das Landgericht Entscheidung dahin fällte, daß sie hierzn nicht berechttat set, da die

an

Das Einzige, was tuenden, rätselhaften Wienerstadt. Wien erinnern sollte, war der Dialekt, das bißerl Weane­risch.

Betrachtet man das Wert des Komponisten, in dessen Melodien Wiener Blut hämmert, und schlägt, dessen Wal­voll zer sprühen von Wiener Reiz, Lust, Sinnlichkeit be= Leben, Schwung, Rhythmus und Fantasie!- dann dauert man das Fehlen dieser notwendigen Wesensbestand= teile um so mehr bei der heutigen Aufführung. Das Or­chester unter Alfons Mourots Leitung tat seine Schuldigkeit ebenso wie die Sänger in ihrer Ar ,, nach ihrer Auffassung, die aber kaum das gab, was dem Kom' ponisten im Wiener Blut" vorschwebte.

Man sah auf der Bühne nicht etwa den Fürsten Yps­heim- Gindelbach, Premierminister von Reuß- Schleiß- Greiz, wohl aber den Komifer Hermann Norden, der sich seine Späßchen ausgeflügelt hatte und seine Wirkungen auf die oberen Regionen nicht verfehlte, Effekthascheeeien, die auch das Parkett willig aufgriff und dankbar durch Klat­schen quittierte. Daß sich der Minister bewogen fühlte, der Frau Gräfin sein Taschentuch anzubieten, ist ein ganz un verzeihlicher Mißgriff, der sich mit der strengen" Etiquette eines Duodesstaates noch weniger vereinigen läßt, als mit den Gewohnheiten eines Ministers.

Wenn man die Fürsten, Grafen, furz Repräsentanten der höchsten Gesellschaftskreise, auf der Bühne beobachtet, möchte man manchesmal glauben Ungebundensein an den guten Ton", Sich- gehen- lassen mache ihr Wesen aus, 10 sehr sind sie Verzerrungen, Unmöglichkeiten, Uebertreibun­gen von der Posse- Gnaden.

Karl Volts Graf Bitowski wollte Wiener" sein - die Maske war sehr gut gewählt!- aber ihm fehlte vor allem die Noblesse ohme Steifheit, die Gemütlichkeit, Herablassung, die den Adel nicht verleugnen!

Ghe nicht als giltig anzusehen set. Gegen diese Ent­scheidung hat die Fischer Beschwerde verfolgt, diese in­des jetzt wieder zurückgezogen, soda thre zeugeneidliche Vernehmung demnächst vor dem Amtsgericht Michel­stadt erfolgt.

* Darmstadt. Oberst z. v. Freiherr August Rö­der zu Diersburg, einer der ältesten und hervorragend­sten Offiziere der hessischen Truppen, bollendete in voller geistiger und körperlicher Frische sein 80. Lebensjahr. Frhr. v. Röder entstammt einer alten, seit vielen Jahren hier angesessenen Adelsfamilie. Er machte bereits als junger Kadett im Jahre 1849 den Feldzug gegen Baden mit und war auch am 13. Juli 1866 bei dem für die Hessischen Truppen so verhängnisvollen blutigen Gefecht bet Laubach- Fronhofen mit im Feuer. Im Krieg gegen Frankreich 1870/71 war er Hauptmann im Infanterie­Regiment Nr. 115, das damals in Worms stand und führte die Leibtompagnie dieses Regiments, an deren Spitze jetzt, nachdem das Regiment nach Darmstadt berlegt und zum Leibgarde- Regiment ernannt worden ist, der Sohn des Gefeierten steht. Der Großherzog hat dem hochverdienten alten Soldaten zu seinem Ge­burtstage das Kommandeurf. euz 2. Klasse des Ludewigs­ordens verliehen.

*

Kreuznach. Ein von dem Kreise Kreuznach bet Sarmsheim erbautes Kreiswasserwerk, das 12 Orte des borderen Hundstück mit Wasser versorgt, wurde hier eingeweiht. Zu dem Festakt traf der neue Oberpräft­dent der Rheinprovinz Freiherr v. Rheinbaben aus Coblenz ein.

* Niederwalluf. Zur 40jährigen Erinnerung an den Feldzua 1870/71 wird hier eine allgemeine Feter mit einer Ehrung der Veteranen veranstaltet.

Wiesbaden. Die Stadtverordneten in Wies­baden haben in einer ordentlichen Sigung 1000 Mark für einen Ueberlandpflug Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Mannheim bewilligt, den der Deutsche Fliegerbund Frankfurt a. M. unter dem Protektorat des Prinzen Albert zu Schleswig Holstein im Auguft ds. Js. an­läßlich der Anwesenyeit des Katiers in Mainz zu unter­nehmen gedenkt.

*

* Homburg v. d. H. Zwischen Wehrheim und Ufingen erreignete sich ein schwerer Automobilunfall. Ein 60pferdiger Wagen überschlug sich. Der Chauffeur wurde gegen einen Baum geschleudert und war sofort tot. Die dret Insassen erlikien Rippen- und Schädel­brüche und fanden Aufnahme im Homburger Kranken­haus.

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* Reise der Mainzer nach der Wasser­fante. Wir machen unsere Leser nochmals auf vom 20. bis 26. Juli d. Js. zum Preise von Mt. 100.­stattfindende beliebte Fahrt nach Bremen, Bremerhaven, Hel­goland, Hamburg und Kiel aufmerksam. Dieselbe findet bestimmt statt und dürfen, um sich die Beteiligung an derselben noch zu sichern, Anmeldungen, welche nur

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das Reisebureau 2. Lyssen hop u. Co., G. m. b. H., Mainz zu richten sind, jetzt nicht mehr zurückgehalten werden.

* Darmstadt. Eine eigentümliche Szene ereignete sich in einem hiesigen Hotel. Die Polizei war benachrich tigt worden, daß sich daselbst eine verdächtige Persönlich feit einlogiert hatte, die durch ihr Benehmen aufgefallen war. Ein Schußmann erschien, und auf dessen Veranlass ung wurde noch ein Kriminalschußmann herbeigerufen. Az man endlich dem Verdächtigen auf sein Zimmer rückte und seine Legitimation verlangte, die nach Zögern zum Vor­als ein schein fam, entpuppte sich der Verbrecher Schußmann aus einer benachbarten Großstadt, der sich mit seiner Frau auf einer kurzen Vergnügungstour hier ein­logiert hatte. Seine Verlegenheit soll groß gewesen sein, als er sich seinem Kollegen zu erkennen geben mußte.

* Wiesbaden. Am 3. und 4. September findet in Wiesbaden der 24. Bundestag des Mittelwestdeutschen Stenographenbundes Stolze- Schrey statt. Mit die­ser Tagung wird ein Wettschreiben verbunden sein. Die ge­schäftlichen Verhandlungen beginnen am Samstag den 3. September im großen Saale der Wartburg. Sonntagvor­mittags findet die Eröffnung der stenographischen Ausstell­ung, sowie Wettschreiben und Festvortrag statt, wofür ein hervorragender Redner in Aussicht genommen ist. Hieran schließen sich das Festessen sowie die Vergnügungsveran- staltungen und die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der

Am besten hatte den Wiener Ton Frib Seybold mit seinem Kammerdiener Josef getroffen, darstellerisch ( wenn auch nicht ohne fleine Entgleisungen) sowohl wie gesanglich. Hans Weenert gab zu sehr sich selbst als den Grafen, sang aber vortrefflich das Duett( im 1. Aft) mit Fri Seybold" Du süßes Zuckertäuberl mein." Elsa Rosarita( Gräfin Zedlau) und Grete Brill( Tänzerin Cagliari) standen ihren früheren Leist­ungen nicht nach, schufen aber keine scharf gezeichneten Ge­stalten.

Auch A l m à Walle, von Beginn der Sommer- Sai­son her noch in bester Erinnerung, erschöpfte ihre Gastrolle, Probiermamsel Pepi, keineswegs. Wild, ausgelassen, toll, heiter, nicht ohne ein Gran Natürlichteit, ungezwungener Herzlichkeit, hielt sie doch die Grenze nicht ein, die, ein­mal überschritten, die weiche, zarte Linie anmutiger Gra­zie, selbst in der wildesten Bewegung, entbehrt. Ihre Vor­tragsweise, gewandt, teck und frisch, fand reichen, herzlichen Beifall, der auch den anderen Darstellern in gleicher Weise, trotz den mancherlei Mängeln zuteil wurde.

Die Gesang- Ensembles, in denen nur die größeren Rol len beschäftigt waren, flappten recht gut und flott; hier ver­dient auch Otto Conradi( Kagler) Erwähnung, der leider über ein wenig flangreiches und startes Organ ver fügt. Hermann Norden, der im übrigen dem Konven tionellen entsprechende Bühnenbilder aufgebaut hatte, schilte sehr häufig nach dem Tattstock.

Aeußerst störend finde ich die langen Pausen, besonders heute wieder zwischen dem 1. und 2. Afte; die Verwand­lung kann doch unmöglich soviel Zeit in Anspruch nehmen. Lieber die Pausen auf 7-10 Minuten einschränken und im Stücke weniger Striche anbringen!

Das Publikum unterhielt sich sehr gut und zeigte sich in seiner Spenderlaune äußerst beifallsfreudig. H. F. O.

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