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Reichstagsersakwahl in Friedberg- Büdingen. haben. Die genauen Zahlen für 1909 ſtehen allerdings noch

Bei der gestrigen Ersatzwahl für den verstorbenen Ab­geordneten Grafen Oriola wurden abgegeben für: v. He l molt( Bund der Landwirte) 6310, Prof. v. Calker ( natl.) 4379 und Busold( Soz.) 9419 Stimmen. Die aus zwei Orten noch ausstehenden Resultate dürften zu Gun­sten des Sozialdemokraten Busold lauten. Es ist Stich­wahl zwischen Busold und v. Hel molt( B. d. 2.) erforderlich.

Die Erbitterung über die Reichsfinanzreform tam in dem gewaltigen Anschwellen der sozialdemokratischen Stim­men, das sich bis in die kleinsten Bauerndörfer bemerkbar gemacht hat, zum Ausdruck. Die Wahlbeteiligung hatte sich ungefähr auf der gleichen Höhe gehalten wie bei der letzten Wahl. Indessen entsprach sie nicht dem Anwachsen der Zahl der Wahlberechtigten. Ungefähr ein Fünftel der Wähler war der Wahlurne ferngeblieben.

Parlamentarisches aus Hessen.

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nicht fest. Die amtliche Statistik für Preußen ist erst im nächsten Jahre und die für die gesamten deutschen Spar= tassen noch später zu erwarten. Einen sicheren Maßstab zur Beurteilung der Geschäftsergebnisse bieten aber die Bilan­zen, welche die Spartassen zu veröffentlichen pflegen. jetzt liegen die Geschäftsergebnisse von 612 Spartassen vor. Diese wiesen für den Schluß des Geschäftsjahres 1908 einen Einlagenbestand von 5866 Millionen Mart und für den Schluß des Geschäftsjahres 1909 einen solchen von 6329 Millionen Mark auf. Der Zuwachs betrug demnach bei diesen Sparkassen allein schon 463 Millionen Mart. Nun hatten die gesamten deutschen Sparkassen Ende 1908 einen Einlagebestand von 14,5 Milliarden Mark. Wenn man hierfür die für die genannten 612 Sparkassen ermittelten Zuwachszahlen zu Grunde legt, kommt man auf einen Ge­samtzuwachs von weit über einer Milliarde Mark.

Der Verwaltungsgesetzgebungsausschuß hat am Freitag die Beratungen über die Städteordnung zu Ende geführt. In der Frage der Bestätigung der Bürgermeister und Bei­geordneten hielt die Regierung daran fest, daß dieſes Ho­heitsrecht der Krone vorbehalten werden müsse. Abgeord neter Ullrich forderte, daß bei der Aufrechterhaltung dieses Rechts dem betreffenden Gesezesartikel der Zusatz beige= fügt werde, daß Kommunalwahlen aus politischen Gründen nicht beanstandet werden dürfen. Auch Dr. Gutfleisch trat dafür ein, das Bestätigungsrecht zu beseitigen. Das Recht wird gegen 2 Stimmen aufrecht erhalten. Die Einführung der Proportionalwahl bei den Stadtverordnetenwahlen wurde gegen zwei Stimmen abgelehnt. In der nächsten Woche wird die Beratung über die Landgemeindeordnung begin nen. Der Finanz ausschuß hat den Bericht des Abgeordne­ten Molthan über die Gemeindesteuerreform gutgeheißen.

Kinderarbeit in Hessen.

Im laufenden Jahre ist in dem Zuwachs der deutschen Sparkassen- Einlagen ein Nachlassen zu bemerken.

21. oberhessischer Feuerwehrtag.

But ba ch, 12. Juni 1910. Fast 25 Jahre sind es nun her, daß in Buzbach ein Feuerwehrfest gefeiert wurde. Von einem Gewitter, das am Samstag Abend während des Kommerses niederging, abgesehen, war auch dieses Mal das Wetter dem Feſte gün sttg.

sehr bald dichtbesetzt. Das ganze Fest hat einen sehr sch Lokales.

nen, glanzvollen und glatten Verlauf genommen.

Mit einem Kommers am Samstag Abend nahm das Fest seinen Anfang. Herr Kommandant L. Her b- old be grüßte die zahlreich Erschienenen, die die Festhalle fast voll­ständig füllten, herzlichst, hoffend das Beste für die Veran­staltung. Prächtige Liedee des Männerchors Orpheus" wech­selten ab mit einem trefflichen Programm der Ulanenkapelle, den schönen Pyramiden des Turnvereins und gemeinsamen Gesängen.

Gießen, 14. Juni 1910.

Darmstadt traten eine Anzahl Vertreter der Ziegeleien in * Verein bess. Ziegeleibesizer. Großherzogtum Hessen zusammen. Nach Darlegung da industrie seit Jahren leidet, kam der allgemeine Wunsch zum schwierigen Verhältnisse, unter denen die deutsche Ziegel­Ausdruck, einen Sammelpunkt zu bilden, von dem aus nach dem Muster derartiger Vereine in einer Reihe preußischer Provinzen und in verschiedenen süddeutschen Staaten die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen gepflegt werden sol len. Einstimmig wurde die Gründung eines Vereins hess. Ziegeleibesizer beschlossen und die Sabung festgestellt. Der Verein soll bei Gericht eingetragen werden und sich auf das ganze Großherzogtum Hessen erstrecken. Es ist zu erwarten, daß sich ihm zahlreiche Ziegeleien anschließen werden.

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* Kanaltsierung der Lahn. Die Besprech ungen im Regierungsgebäude, soweit ihre Ergebnisse big jetzt bekannt wurden, sind leider als gescheitert anzusehen. Das hat seinen Grund darin, daß nach der aufgestellten Berechnung eine Lahnkanalisation sich vorläufig noch nicht verzinsen würde. Die Montan Industrie von Gießen und Umgegend, welche an dem kanalmäßigen Ausbau der Lahn mit am meisten interessiert ist, wird von der Aufgabe des Kanalisierungsplanes ebenfalls keinen Nachteil haben, die preußische Regierung die Frachtgebühren für Erzeugnisse der Montan Industrie bedeutend herabzusehen gedenkt.

* Verkehrsstatist i t. Im Bahnhof Gießen wur den im Jahre 1908 807 333 Fahrkarten ausgegeben. Der Güterverkehr konnte in dem gleichen Zeitraum einen Ver­sandt von 25 275 Gütern und einen Empfang von 20 152 Gütern verzeichnen.

Die Hoffnung vieler Kreise, das Kinderschutzgesetz würde allmählich vielleicht eine völlige Beseitigung der gewerb= lichen Kinderarbeit herbeiführen, hat, wie aus dem Bericht des Ministeriums über die Durchführung des Kinderschutz­gesetzes hervorgeht, sich leider nicht erfüllt. Auch die Erstatteten Jahresbericht vernahm man mit Interesse, welch wartungen, die hinsichtlich der Durchführung auf die Bei­hilse aller oder wenigstens vieler Bevölkerungskreise gesetzt wurden, sind nicht eingetroffen. Selbst von den Polizeibe­hörden, soweit die ländlicheen Orte in Frage kommen, wird zur Durchführung des Kinderschutzgesetzes fast nichts getan. Die städtischen Polizeiorgane sind dagegen bestrebt, dem Ge­setz Geltung zu verschaffen. Die Abstellung der festgestell­ten Verfehlungen wird in der Weise in die Wege geleitet, daß alljährlich im Frühjahr und Herbst alsbald nach Be­ginn des Schulhalbjahres die Lehrer Verzeichnisse der ge­werblich tätigen Schulkinder aufstellen. Diese gelten als Grundlage für die Revisionstätigkeit der Gewerbeaufsichts­beamten. Die durch sie bekannt gewordenen Verfehlungen werden, der Schwere nach, durch Revisionen fortgesetzt ver­folgt und abgestellt. Es kann den bestehenden Kinderschutz­bestimmungen ein Erfolg nur durch organisches Zusammen­arbeiten aller beteiligten Kreise, das sind Lehrer, Geistliche, Aufsichtsorgane und Publikum, gesichert werden. Was die Beschäftigungsarten der Kinder anlangt, so kommen nach dem amtlichen Bericht hauptsächlich in Betracht Austragen von Backwaren, Milch und Fleisch, sowie Uebernahme von Botengängen. Von den gewerblich tätigen Kindern im Großherzogtum tamen hierfür allein nahezu 3800 in Frage.

Die deutschen Sparkassen im Jahre 1909

* Ausflug. Die Besucher des althistorischen, alt philologischen und archäologischen Seminars besuchten dieser Tage, unter Führung ihrer Dozenten, Bonn, wo nament lich das Provinzialmuseum und das akademische Kunstmu seum in Augenschein genommen wurde.

* Wegen Steuerhinterziehungen wur den in Hessen im Rechnungsjahre 1908 1028 Strafverfahren eingeleitet. In 907 Fällen wurde auf Strafen erkannt, nämlich auf 12 139 Mt. Ordnungs- und 320 330 Mt. Hin terziehungsstrafen, zusammen 332 369 Mt.

Filiale

Mitteldeutsche Kreditbank Gießen. An Stelle des nach Hanau versetten Herrn Bern hard Andrea e wird der langjährige Prokurist der Frank furter Abteilung in die Direktion der hiesigen Niederlassung eintreten.

!! Der Wirkungskreis des Posts checkver tehrs ist vom Reichspostamt wesentlich dadurch erwei­tert worden, daß fortan an Postkassen Zahlungen mittels Postschecks zugelassen worden sind, und zwar über alle Be träge, die die Postbehörde aus einem bestehenden Schuld­verhältnis zu fordern hat. Hierin gehören also namentlich die von den Fernsprechteilnehmern zu entrichtenden Fern­sprechgebühren. Auf Wunsch der Teilnehmer können solche Gebühren auch ein für allemal bei Fälligkeit ohne weiteres von dem Postscheckkonto abgeschrieben werden. Ferner dür fen fortan Schecks und Ueberweisungen in Zahlung gege Ent ben werden bei Einzahlung von Postanweisungen, richtung der Zeitungsgelder und beim Einkauf von Wert­zeichen( bei diesen von 20 Mt. ab).

Mit Weckruf der Musik wurde der eigentiiche Festtag eingeleitet. Um halb 9 Uhr nahm der ernste Teil des Tages, die geschäftlichen Verhandlungen der Delegiertenversamm lung im Taunus- Hotel" seinen Anfang. Diese wurden ge= leitet von dem Vorsitzenden des Provinzialverbandes Herrn Vetzberger- Nidda, der die Vertreter der Regierung und der Stadt Bußbach besonders bewillkommnete. Herr Kreisamt­mann Dr. Gaßner dankte namens der Regierung, versich­erte die Wehren des weitesten Schußes der Behörde und wünschte den Verhandlungen besten Verlauf. Aus dem er= ansehnliche Summen seitens der Regierung und der Landes­brandkasse den Gemeinden für Anschaffungen von Sprizen und Geräten und Wasserleitungen bewilligt wurden. Weit über 60 000 Mt. waren es, die im letzten Jahre alle in für Oberhessen in Betracht kommen. Von Seiten der Wehren macht sich aber der Wunsch geltend, wenn bei Verteilung der Beihilfen zuerst für Gründung von Wehren und deren Ausstattung mit Löschgeräten und dann erst für Wasserleitungen Geld bewilligt wird. Für erstere Zwecke sollen zwei Drittel der Beträge, das andere Drittel für Tagesordnung waren mehr interner Art und bildeten eine Wasserleitungen bewilligt werden. Die übrigen Punkte der eingehende Aussprache über manche Fachfragen die zum Teil recht interessant und lehrreich wurde. Als Ort des nächsten oberh. Feuerwehrtages 1913 wurde Ober- Roßbach gewählt. Die 4 ausscheidenden Provinzialvertreter: Vor­sizender Veh berger- Nidda, Branddireitor Damm= Friedberg, Brandinspektor Wig and t- Gießen und Kom mandant Herbol d- Butzbach wurden wiedergewählt. An die Verhandlungen schloß sich um 11 Uhr ein Geräteerer= zieren und ein Brandangriff auf dem Marktplatz. Dieses Schauspiel hatte viele Neugierige angelockt. Eine muster= hafte Leistung war das Ererzieren und die Aufstellung, dem nichts an militärischen Schneid abging und wer nur eine Ahnung von Ererzieren hat, weiß zu würdigen, wie viel guter Wille und Fleiß hier auf beiden Seiten geherrscht haben muß. Man muß sowohl der Mannschaft als den Führern volles Lob spenden. Auch der Brandangriff war ein vortrefflicher zu nennen, sodaß die höheren Vorgesetzten ihre große Anerkennung in jeder Hinsicht wiederholt aus. drückten. Bei dem Festmahl im Hotel Hess. Hof brachte Herr Vetzberger auf die Schirmherren von Land und Reich, den Großherzog und Kaiser ein begeistert aufgenommenes Hoch aus. Herr Damm- Friedberg gedachte der Stadt Buzz­bach, die sich durch ihren Gemeinsinn, ihre schöne Lage und ihre Opferwilligkeit auszeichne; deren vorzügliche Feuer­wehr gedachte Herr Vezberger. Herr Herbold widmete dem Provinzialausschuß sein hoch. Herr Beigeordneter Flach toastete auf die Feuerwehren im allgemeinen, deren edle Ziele und Bestrebungen wie auch ihre Leistungen betonend.

Das vergangene Jahr war für die deutschen Spar= kassen ein Rekordjahr. Niemals vorher hatte der Zustrom neuer Einlagen eine solche Höhe erreicht. Der Betrag, um den die Spareinlagen der gesamten deutschen Sparkassen im vergangenen Jahre gewachsen sind, dürfte eine Milliarde Mart übersteigen.

Den bisher größten Zuwachs hatte das Jahr 1904 mit nicht weniger als 808 Millionen Markt auszuweisen. Im Anfange dieses Jahrhunderts, von 1901 bis 1905, haben die deutschen Sparkassen 5 fette Jahre durchgemacht. Der jährliche Zuwachs schwankte zwischen 732 und 808 Millionen Mart. Im Jahre 1906 begann der Rückgang, der Zuwachs betrug nur 694 Millionen Mart, im Jahre 1907 nur noch 498 Millionen Mart. Im nächsten Jahre trat eine Erholung ein. Der Zuwachs erreichte 1908 schon wieder 680 Millionen Mart. Daß das vergangene Jahr 1909 nun einen Refordzuwachs brachte, fann eigentlich nicht überraschen, weil wirtschaftliche Depressionen regelmäßig ein Zuströmen der Kapitalien nach den Sparkassen zur Folge

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Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.) Draußen umfing ihn heller Mondschein. Er schlug den nächsten Weg zu dem kleinen Hause ein, um etwas von Maja zu erspähen. Aus dem Zimmer zu ebener Erde fiel heller Lichtschein. Man hatte wohl vergessen, die Läden zu schließen. Die von den weißen Gardinen nur leicht verhüllten Fenster gestatteten den Einblick in die trauliche Wohnstube.

An dem Festzug um 3 Uhr nahmen annähernd 50 Ver­eine teil, wenn auch mitunter nur in schwacher Vertretung, waren manche wieder umso zahlreicher und etliche sogar mit ihren eigenen Musikkapellen erschienen, so daß es ein Zug von stattlicher Länge und buntprächtigem Bilde durch die vielen Uniformen war. Die große und schöne Festhalle war

In der Mitte derselben, vom Lampenlicht hell bestrahlt, stand Maja. Sie schien sich lebhaft mit Lilly zu unter­halten, denn die Kleine klatschte vergnügt in die Hände. Lachen und Plaudern drang heraus in die Stille des Abends. Leon starrte, das Gesicht fest an die Scheiben ge­drückt, mit glühenden Augen auf das liebliche Mädchen. Ohne sich zu regen, stand er da, als könne er den Blick nicht wenden von dem reizenden Bild. Er hörte nicht, daß je­mand aus dem Walde hervortrat, der weiche Schnee machte die Schritte unhörbar. Er fuhr erst zurück, als dicht neben ihm eine spöttische Stimme sich vernehmen ließ: Aha, also auf Lauscherposten! Das wäre wohl etwas für Sie? Ge­ben Sie sich feine Mühe, das Mädchen da drinnen bekom­men Sie ja doch nicht!"

Leon warf einen glühenden Blick des Hasses auf den Sprecher.

Weshalb schleichen Sie hier herum?" rief er zornbe­bend, doch mit gedämpfter Stimme, um drinnen nicht ge= hört zu werden. Ich denke, für Sie ist hier nichts mehr zu wollen! Die Abweisung war doch deutlich genug! Also scheren Sie sich zum Kuckuck!"

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!! Die Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statiſtik der Kohlenproduktion des Großherzog tums Hessen weist für den Monat Mai 1910 folgende Bah len nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert 34 720 S. verkauft 67 T. Der größte Teil der Rohtohle wurde wei­ter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung be stimmt. Aus den verarbeiteten Rohfohlen wurden erzeugt 2130 T. Braunkohlenbriketts und 3204 T. Naßpreßsteine. Unter Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs verblie ben absatzfähig 1060 T. Rohtohlen, 11 259 T. Briketts und 8523 T. Naßpreßsteine, zusammen 20 842 T. Braunkohlen und Braunkohlenprodukte im Gesamtweet von 254 278,20 Mart.

Aber an eine wirkliche Gefahr dachte Hermann nicht. Er wollte nur Leon klar machen, daß er gewillt sei, Maja vor ihm zu schüßen, Dieser jedoch sah sich, so nahe am Ziele, wie er glaubte, wieder um den Erfolg seiner Bemühungen gebracht. Und gerade durch denjenigen, den er am meisten hakte auf der Welt. Er bemühte sich daher nach Kräften, den Gegner zu demütigen, sich an ihm zu rächen. Aber all seine giftigen Reden prallten ab an der fühlen Ruhe Hermann Walters. Je erboster Leon wurde, desto ruhiger und gelassener erschien der junge Sänger.

Fällt mir gar nicht ein. Ich bleibe hier! Ihre Ab­sicht durchschaue ich! Sie wollen ungestört sein! Es soll Ihnen für heute nicht gelingen. Ich werde wachen über dem unerfahrenen Kinde, damit es nicht in die Hände eines Geiers fällt!"

Es war unklug von Hermann Walter, den ohnehin Aufgeregten noch mehr zu reizen. Hätte er den tückischen Blid Leons bemerkt, vielleicht wäre er vorsichtiger gewesen.

* Lehrerversammlung. In der in unserer Stadt stattgefundenen Zusammenkunft der Lehrer des Krei ses Gießen behandelte Lehrer Görz- Gießen in einem län geren Vortrage die Neugestaltung des deutschen Aufsatzes. Am Schluß vereinigte eine gemeinsame Tafel alle Teil­nehmer in dem Hotel Schüß.

Nur mit Mühe beherrschte sich Leon noch. Hermann vergaß alle Vorsicht. Und als Leon mit wuterstickter Stimme ihm zurief: 3um letzten Male- entfernen Sie sich!" da tönte es hohnlachend zurück: Nein, ich bleibe, denn das Mädchen da drinnen ist viel zu gut für einen er­tappten Falschspieler und Betrüger! Ehe ich zugeben sollte, daß Sie Maja an sich reißen, eher verrate ich alles!"

* Universität. Die endgültige Besuchsziffer der Universität beträgt für dieses Semester einschließlich von 5 Hospitantinnen und 137 Hörern und Hörerinnen 1476 Stu dierende. Davon gehören an: der theologischen Fakultät 75, der juristischen 150, der medizinischen 367 und der philoso phischen 742 Besucher. Aus Hessen stammen im ganzen 876 Studierende.

Das brachte Leon um den letzten Rest von Vernunft. Mit einem unartikulierten Aufschrei stürzte er sich auf den Gegner, der entsetzt zurückwich, sekundenlang blitzte etwas auf im Lichte des Mondes, dann folgte ein leiser Schrei, - ein schwerer Fall, man vernahm eilige Schritte und dann war es wieder lautlos still im schwelgenden, winter­lichen Walde. Kein Ton war mehr vernehmbar. Nur das Lachen und Plaudern klang gedämpft heraus.

Alles hatte sich mit unglaublicher Schnelligkeit abge= spielt. Drinnen in dem gemütlichen Zimmer ahnte nie­mand etwas von dem blutigen Drama.

und schreckte die Freundin mit der furchtbaren Nachricht vor Hermanns schwerer Verwundung auf.

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Sylvia war wie von Sinnen. Sie nahm sich nicht Zeit, ein Tuch umzunehmen. Des Vaters Befehl, der sie zurüd­zuhalten versuchte, verhallte unbeachtet. Der Geliebte lag tödlich getroffen, vielleicht sterbend im Hause des Herra v. Brandt, da hielt sie kein Verbot mehr zurück. Aufschluchzend sank sie an dem Lager nieder, darauf man den Verwundeten gebettet. Ein Knecht aus dem Her renhause war bereits nach dem Arzte unterwegs. Her manns Eltern hatte man ebenfalls rasch verständigt. Mit schmerzentstelltem Gesicht kniete die Baronin an dem Lager. Der Verwundete war noch nicht zum Bewußtsein gekom­men. Baron von Albersdorf knirschte mit den Zähnen vor Schmerz.

Als Maja endlich heraustrat, von Arnold begleitet, ge­wahrte sie sogleich unweit des Hauses den dunklen Körper, der lebhaft abstach von dem leuchtend weißen Schnee. Ste flammerte sich aufschreiend am Arm ihres Verlobten fest. Das Mädchen war einer Ohnmacht nahe. Der Schreck lähmte ihr fast die Glieder. Der Verwundete lag stumm, ohne sich zu rühren da. Als man ihn erkannte, bemächtigte fich aller eine wahnsinnige Angst. Aber Arnold suchte sich zu beherrschen, denn hier galt es, rasch zu handeln. Er rief Kathrine und trug mit ihrer Hilfe den Bewußtlosen ins Haus.

Maja eilte ohne Besinnen hinüber ins Herrenhaus

Den Elenden, wenn ich ihn hier hätte, der mir meiner Sohn so zurichtete, mit diesen meinen Händen würde ih ihn erwürgen!" sagte er grimmig.

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Am anderen Morgen verbreitete sich das Gerücht in der Stadt, Hermann Walter, der bekannte und beliebte Sänger, sei in der Nähe von Neunlinden von einem Räuber angefallen und niedergestochen worden. Allgemeines Ent setzen bemächtigte sich der Gemüter, denn seit Menschenge denken hatte man von einem derartigen Ueberfall nichts gehört. Die Gerichtskommission, die sich alsbald am Tat orte einfand, fonnte nichts weiter in der Sache tun, als die Tat feststellen. Denn der schwer verwundete Walter, der zwar wieder bei Bewußtsein, aber sehr schwach war, erklärte, von hinten angefallen und niedergestochen worden zu sein. Von dem Täter wollte er keine Ahnung haben. Die Sache blieb dunkel und rätselhaft. Denn da festgestellt worden war, daß der Räuber" weder Uhr noch Geldbörse des Ueberfallenen mitgenommen hatte, konnte sich den Be weggrund der Tat niemand erklären. Einen Feind besaß der in allen Kreisen beliebte Sänger doch nicht. Wer also konnte der Täter sein?

( Schluß folgt.)

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