Gießener Zeitung
Bezugspreis 40 pfg. monatlich
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( Neueste Nachrichten)
vorauszahlbar, vierteljährlich 1,20 Mf., durch die Post 1,50 mt. frei ins Haus. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. Zwei Extrabeilagen: „ Humoristische Blätter" und die Neue Lesehalle", liegen wöchentlich einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Telephon: Nr. 362.
Nr. 82.
Bekanntmachung.
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Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.
sowie vieler anderer
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei( Albin Klein).
Dienstag, 14. Juni 1910
( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 15 pfg.
0
die 44 mm breite Petitzeile oder deren Naum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Ausschlag. Ertrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Telephon: Nr. 362.
Amiliche Bekanntmachungen.
Aus der Stiftung des Kupferschmieds Karl Ludwig Kirsch sind die diesjährigen Zinsen mit 91,71 Mt. an 10 bedürftige, im Witwenstand lebende Gießener Bürgersfrauen am 20. September dieses Jahres zu verteilen. Meldungen nimmt das Städt. Arme na mt, Afterweg 9, bis 20. Juni dieses Jahres entgegen.
Arbeitsvergebung.
Die Maurer-, Chaussier- und Pflasterarbeiten sür den Ausbau der Lonystraße nächst der Bleichstraße sollen Mittwoch, den 15. Juni d 3. I s., vormittags 11½ Uhr,
öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätefleris bis zum vorgenannten Zeitpunkt verschlossen und mit Mittwoch, den 15. Junid. I s., vormittags 11 Uhr.
öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, find späteentsprechender Aufschrift versehen an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen.
Gießen, den 8. Juni 1910.
Städtisches Tiefbauamt.
Braubach.
Bekanntmachung.
Obstverlaufsplab.
Mittwoch, den 15. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, findet in der Bürgermeisterei Zimmer 12 die Verpachtung des städtischen Plates Ecke Neustadt- Marktstraße zur nubung als Obstverkaufsplay statt.
Gießen, den 10. Juni 1910.
Bürgermeisterei.
J. V.: Keller. Bekanntmachung.
Be
Die städt. Fuhrwerts wage an der Margaretenhütte ist von nächsten Montag ab wieder im Betrieb. Gießen, den 10. Juni 1910.
Großh. Bürgermeisterei Gießen. J. V. Keller.
Der nächste Rücktritt.
In der Reichsverwaltung ist noch ein weiterer Perso' nenwechsel zu gewärtigen, der freilich keine Ueberraschung bedeutet: Frhr. v. Schoen wird die Leitung des Auswärtigen Amtes mit derjenigen einer Botschaft vertauschen. Daß das Begehr des Staatssekretärs sich auf den Botschaf terposten in Paris richtet, hat er zwar in seiner parlamentarischen Verteidigung gegen alldeutsche Angriffe in Abrede geftellt, doch daraus würde noch nicht folgen, daß seine Berseßung nach Paris überhaupt nicht in Frage kommen lönnte; denn die französische Regierung hätte gewiß nichts gegen ihn einzuwenden. Das temperamentvolle Eintreten des Herrn von Bethmann- Hollweg für Herrn von Schoen
58)
Die Freundinnen.
Originalroman von Frene v. Hellmuth. ( Nachdruck verboten.)
Friß war schon ganz nahe. Das Gefährt hielt mit fähem Ruck. Maja stieg ein und hüllte sich in die warme Decke, die Fritz fürsorglich mitgenommen hatte. Dann wechfelte fie noch einen innigen Händedruck mit Arnold und der Schlitten fauste der Stadt zu.
Das war flug von Dir, daß Du kamst," lobte Maja den Alten, der eifrig erzählte:
Wir ängstigten uns sehr, weil Sie so lange ausblieben. Und da dachte ich mir, schaden fanns ja nicht, wenn man fich mal umsicht."
" War mein Vater schon zurück, als Du wegfuhrst?" Fritz nichte. Er kam eben heim."
it er sehr böse?"
" Ich glaube- ia, Fräulein!"
" Na. wir werden schon sehen."
Als Maja nach Hause kam, fand sie den Vater allerSings in grimmigster Laune. Aber das hinderte sie nicht, Sirekt auf ihr Ziel loszugehen.
" Nicht böse sein, Väterchen," bat sie schmeichelnd.„ Siehst Du, ich mußte doch fort. Und wenn Du jetzt die Zornesfalten von Deiner Stirn verschwinden läßt, dann werde üch Dir eine interessante Neuigkeit erzählen."
Aha," machte der Vater gedehnt.
Maja legte den Arm um den Hals des alten Herrn und fuhr fort: Hast Du eigentlich schon an einen Ersatz für Deinen Inspektor Döring gedacht?"
Der Vater hatte offenbar etwas ganz anderes erwartet, Denn er schaute fast betroffen auf das junge Mädchen.
„ Aber Maja, der Mann ist ja erst seit ein paar Stuniden tot. Wie sollte ich da schon an einen neuen Inspektor idenfen können. Ich hatte noch gar keine Zeit dazu. Auf diesem Posten kann ich nur einen Mann brauchen, dem ich mein volles Vertrauen schenken kann."
Siehst Du, Vater, so einen Mann wüßte ich für Dich!" Reinau lachte. Er wußte offenbar nicht, wo ſie Ibtnaus wollte.
Du? Das wird was rechtes sein!"
Bekanntmachung
In der Zeit vom 4. bis 11. Juni 1910 wurden in hiesiger Stadt
gefunden: 1 Ring, 1 Armband, 1 Sack Kohlen u. eine Arbeiterschippe;
vertoren: 1 silberne Damenuhr, 1 Kneifer mit Kette, 1 goldener Kneifer, 1 Damenportemonnaie mit fünf Mark Inhalt und 1 Faß Bier( 28 Liter) Nr. 18 931 M. A. B. Mainz.
an
Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Die Abholung der gesundenen Gegenstände kann jedem Wochentag von 11-12 Uhr vormittags und 4-5 Uhr nachmittags bei unterzeichneter Behörde Zimmer Nr. 1 erfolgen.
Gießen, den 11. Juni 1910.
Großherzogl. Polizeiamt.
Gebhardt.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird der Leihgesternerweg von der Ebelstraße bis zur Aktienbrauerei von heute an bis auf weiteres für jeglichen FuhrwerksRadfahrverkehr gesperrt.
Gießen, den 6. Juni 1910.
Großherzogl. Polizeiamt
Gebhardt.
Bekanntmachung.
und
Die unterm 29. April 1910 angeordnete Sperre der Hammstraße, zwischen Unterführung an der Westanlage und der Wieseck, wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 13. Juni 1910.
Großherzogliches Polizeiamt.
Gebhardt.
Befauntmagung.
Die unterm 19. Mai 1910 angeordnete Sperre der Liebigstraße wird hiermit aufgehoben.
Gießen, den 10. Juni 1910.
Großherzogl. Polizeiamt.
Gebhardt.
im Reichstag ist wohl noch in allseitiger Erinnerung. Durch den ausdrücklichen Hinweis des Reichstanzlers auf die Verdienste des Staatsseteetärs flang es jedoch schon wie eine Andeutung, daß dessen Wirken an dieser Stelle in nicht ferner Zeit abgeschlossen sein werde.
Groß mag die Wahl für einen geeigneten Ersaßmann hier nicht eben sein; die neue Persönlichkeit müßte die Gewähr bieten, daß der Kanzler sich auf längeres Zusammenarbeiten mit ihr einrichten kann. Frhr. von Marschall war der letzte hervorragende Staatsmann, der an der Spitze des Auswärtigen Amtes gestanden hatte. Er ist jüngst von dem Botschafterposten am Goldenen Horn in Urlaub gegangen; was freilich noch keine Wahrscheinlichkeit eröffnet, daß nach 13jährigem Fernsein ins auswärtige Amt zurückkehren
er
„ Gewiß, Papa! Ich hoffe, Du bist zufrieden mit ihm. Ich fann ihn Dir sehr empfehlen. Er kennt keinen innige= ren Wunsch, als Dir etwas von Deiner Arbeit abnehmen zu dürfen. Er will Dir dienen und alles tun, was in feinen Kräften steht. Und verlassen kannst Du Dich auf ihn, dafür stehe ich ein. Aber natürlich verlangt er auch etwas von Dir; etwas, was Dir im ersten Augenblick vielleicht ein wenig zu viel erscheinen mag!"
Maja schwieg schwer atmend still. Das Herz klopfte ihr doch sehr, als sie so unmittelbar vor der Entscheidung stand.
Reinau mochte ahnen, was man von ihm verlangte. Doch kam er der Tochter um feinen Schritt entgegen. Er blickte sie gespannt an, als sie nach kurzer Pause fortfuhr: Kurz und gut,- Papa, erfahren mußt Du es ja doch, ich habe mich heute mit Arnold v. Brandt verlobt!"
Dem alten Herrn schien diese Nachricht gar nicht so überraschend zu kommen. Er blieb ganz ruhig. Kannte er doch sein eigenwilliges Töchterchen gut genug, um zu wissen, daß an der vollendeten Tatsache nichts mehr zu ändern war. Auch hatte er als fürsorglicher Vater bereits an Arnolds früherem Aufenthaltsorte Erkundigungen über diesen eingezogen. Man berichtete ihm nur das beste von dem ehemaligen Offizier. An dem Unglück, das ihn betroffen, war er ja völlig schuldlos.
Lange saßen Vater und Tochter beisammen. Reinau hatte das Versprechen gegeben, Arnold v. Brandt mit seiner Werbung um Majas Hand nicht abweisen zu wollen.
,, Du bist doch der beste. gütigste Vater, den es geben fann," jubelte das Mädchen, ihn innig umfassend. Du wirst es nicht bereuen, Dein Kind so glücklich gemacht zu haben. Arnold und ich, wir werden es Dir zu danken wissen!"
*
Die Verlobung sollte natürlich erst veröffentlicht werden, wenn Lilly wieder ganz gesund war. Der Arzt erflärte zwar schon am folgenden Tage, eine Gefahr für das Leben des Kindes bestehe nicht mehr, dennoch beharrte Maja dabei, erst die völlige Genesung ihres kleinen Lieblings
21. Jahrg.
Bergebung von Bauarbeiten.
Die für die Erbauung eines Schulhauses nebst Abortgebäude und Einfriedigung zu
Garbenteich
erforderlichen Arbeiten und Lieferungen, wie:
Erd-, Maurer, Steinmetz( Lungstein), Bimmer-, Dachdecker, Spengler-, Schlosser, Glaser, Schreiner-, Weißbinder- und Tapezierarbeiten, Blizableiteranlage, Träger, Eisen, Röhren und Zementlieserung, Pflaster= arbeiten und Basaltgruslieferung, sollen im Wege öffentlichen Angebots vergeben werden.
Die Angebotsunterlagen liegen auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten, Zimmer Nr. 18, während der Dienststunden zur Einsicht offen.
Angebote mit entsprechender Aussicht versehen, sind verschlossen und postfrei bis spätestens Freitog, den 24. Juni d. Is., vormittags 8% Uhr, bei Gr. Bürgermeisterei Garbenteich einzureichen, woselbst die Eröffnung in Gegenwart etwa erschienener Bewerber erfolgt.
Freie Wahl unter den Bewerbern bleibt vorbehalten. Gießen, den 14. Juni 1910.
Diehm.
Arbeitsvergebung.
Die Weiß binderarbeiten zur Unterhaltung der Marktlauben und der Gebäude der städt. Kaserne sollen Samstag, den 18. Juni d. J., vormittags 10 Uhr,
öffentlich vergeben werden.
Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhäitlich, sind bis zum genannten Termin an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage.
Gießen, den 14. Juni 1910.
Städt. Hochbauamt. Gerbel.
Arbeitsvergebung.
Die Erd-, Maurer-, Beton- und Asphaltarbeiten
die Neubefestigung der Löwengasse sollen
für
stens bis zum vorgenannten Zeitpunt verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen.
Gießen, den 8. Juni 1910.
Städtisches Tiefbauamt.
Braubach.
werde. Auch der Name des Herrn v. Kiderlen- Wä ch ter, des deutschen Gesandten in Bukarest und kurze Zeit stellvertretend gewesenen Staatssekretärs des Auswärtigen, taucht jetzt wieder in den politischen Gesprächen auf. Er gilt als einer der besten Kenner der Orientpolitik, u. würde da Herr v. Bethmann- Hoilweg besonderes Gewicht auf den engen Zusammenhalt der Dreibundmächte legt, in der Leitung der diplomatischen Zentralstelle in Berlin vielleicht bessere Dienste leisten können als in Bufarest, im neutralsten der Balkanstaaten. Schließlich werden auch dem gegenwärtigen Unterstaatssekretär Stem rich Chancen für die Nachfolgerschaft Frhr. v. Schoens zuerkannt. Wohl faum mit Recht.
abwarten zu wollen. Ihrer Freundin Sylvia hatte sie es unter dem Siegel der Verschwiegenheit mitgeteilt, doch sonst wußte niemand davon. Die Freundinnen sahen sich in diesen Tagen nur flüchtig, da Maja ihre ganze Zeit dem geliebten Kinde widmete; denn Lilly weinte stets, wenn Maja fortging. Sylvia befand sich in recht gedrückter Stimmung. Der Vater nahm sie fast vollständig in Anspruch und auch Leon bewachte argwöhnisch jeden ihrer Schritte. So war es ihr nicht möglich, mit dem Geliebten zusammenzukommen. Sie ahnte es, daß Hermanns Geduld bald zu Ende sein würde, und doch war auf eine Sinnesänderung nicht zu hoffen. Leon sorgte wohl dafür, daß der eigensinnige Mann bei seinem Entschluß beharrte. Mit Bitten, das wußte sie, war hier nichts auszurichten. Das Leben im Hause schien ihr beinahe unerträglich. Leon befand sich in sehr gereizter Stimmung. Der Vater fing bereits an, ihn zu drängen. Er sollte einen Entschluß fassen, was er in Zukunft zu beginnen gedächte. Der Sohn sprach wie gewöhnlich von seinen großen Plänen, die aber Zeit brauchten, um sich zu erfüllen. Hoffte er doch noch immer, mit Majas Hand Reichtum und eine gesicherte Stellung zu erringen. Sylvia lächelte, wenn sie davon vernahm, doch sagte sie nichts. Sie hütete sich, Leon noch aufzureizen.
mehr aufzure var vergangen. Maja hatte ihre Ponns
im Herrenhause eingestellt und war dann gegangen, um einige Stunden bei Lilly zu bleiben. Die Besserung machte gute Fortschritte. Der Arzt hoffte, die kleine Patientin bald ganz hergestellt zu haben.
Die Dämmerung brach an. Es war ein mondheller Winterabend. Leon stand am Fenster und blickte hinaus. Er erwartete mit Ungeduld das Erscheinen Majas. Ste würde ja nun bald fommen, und Leon nahm sich vor, um jeden Preis eine Entscheidung herbeizuführen. Er dachte darüber nach, wie er es anstellen wollte, das Mäd chen zu gewinnen. Maja mußte die Seine werden. An ihren Besitz klammerte sich all sein Hoffen. Seine ganze Bufunft hing von ihr ab. Er stampfte zornig mit dem Juke nuf, weil die Ersehnte sich immer noch nicht zeigen wollte. Endlich griff er nach Hut und Mantel und stürzte fort.
Fortseßung folgt.)
mitteilung machen,
die ihn
mit Entzücken und
über die Grenzen unserer Provinz hinausgekommen!
Burg
( 3u nebenstehendem Bilde.)
In allen Tonarten preiſt
Weibertreu.


