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Deutschlands erster Admiral.

ift. Ebenso steht die Vorlage eines Gesezes über die Re­gelung der Rechtsverhältnisse der Kolonialbeamten bevor.

Eine neue Reichstagserfahwahl. Der polnische Reichs­tagsabgeordnete v. Chrzanowski, der Vertreter des Wahl= freises Posen- Stadt, hat, polnischen Blättern zufolge, sein Mandat endgültig niedergelegt. Der Wahlkreis ist sicherer polnischer Besitz.

Ansiedelung deutscher Frauen in den Schutzgebieten. Durch die Presse ist jüngst die Mitteilung gegangen, daß das Reichskolonialamt die Ansiedlung deutscher Frauen in den Schutzgebieten durch die Gewährung von Reisebeihilfen unterstütze. Die Nachricht ist der Neuen pol. Korr." zu­folge unzutreffend, da die Kolonialverwaltung Unter­stübungen an Privatpersonen nicht gibt.

Der Konflikt im Elsaß. Aus Anlaß des Konfliktes zwischen der elsässischen Regierung und den Bischöfen von Straßburg und Metz hat der Weihbischof von Straßburg, Freihere Zorn von Bulach, ein Bruder des Staatssekre= tärs, nebst dem Generalvikar und den Mitgliedern des Domkapitels dem Bischof Frißen eine Zustimmungsadresse überreicht, in der sie dem Bischof ihren tiefgefühltesten Dank aussprechen für die ebenso maßvolle als entschiedene Weise, in der er gegenüber dem Staatssekretär die Rechte der Kirche gewahrt habe, die dem Hirten und Lehramt des Bi­schofs zukommen. Die Unterzeichner der Adresse erachten es für ihre Ehrenpflicht, dem Bischof zu versichern, daß sie feine Ansicht voll und ganz teilen und daß sie ihm in un­wandelbarer Liebe und Treue ergeben seien.

Theodor Roosevelts Reise nach Berlin. Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika Theo­dor Roosevelt wird, wie die N. G. C." aus gut unterrich­teten diplomatischen Kreisen hört, gegen Ende des Monats April nach Berlin, kommen. Man nimmt an, daß er am 28. April in Berlin eintreffen wird. Die Dauer seines Aufenthaltes in der Hauptstadt des Deutschen Reiches ist auf drei Tage berechnet.

An diesem Sonntag, den 9. Januar, sind 50 Jahre verflossen, daß Deutschlands erster Admiral, Karl Ru­dolf Bromme, genannt Brommy, die Augen für immer schloß. Er war am 10. September 1804 in Anger bei Leipzig geboren und ging mit 13 Jahren aus Liebe zur See nach Hamburg, wo er auf der Navigationsschule seinen nautischen Unterricht empfing, um dann auf Handels­schiffen unter amerikanischer Flagge seine Laufbahn zu beginnen. Nachdem er fast alle Meere durchfahren hatte, nahm er 1827 als Leutnant an den griechischen Freiheits­tämpfen gegen die Türken teil, und als Prinz Otto von Bahern als erster König der Hellenen den Thron bestiegen hatte, trat Brommy ganz zur griechischen Marine über, der er als Fregattenfapitän und Lehrer an der Marine­schule im Piräus angehörte. Nach dem Kriege wurde er auch ins Marineministerium berufen, wo er an der Ver­besserung und Vervollkommnung der griechischen Seemacht den tätigsten Anteil nahm. Im Sturmjahre 1848 erregte er großes Aussehen durch sein Buch Die Marine", das Jahrzehnte hindurch für das beste seemännische Werk galt und das bis in die jüngste Zeit mehrere Neubearbeitungen erlebt hat. Dieser hervorragenden Arbeit verdankte er es auch, daß man ihm in seiner Heimat einen seiner Fähig­feiten würdigen Posten anvertraute: er wurde in die tech­nische Abteilung der deutschen Nationalversammlung beru­fen, die in Frankfurt am Main zusammengetreten war und die vorbereitenden Arbeiten für den Bau von Kriegs­schiffen begonnen hatte. Man war allmählich zur Ein­ficht gekommen, daß auch Deutschland einer Flotte bedürfe, war es doch das einzige Land von Bedeutung, das soll­tommen ohnmächtig zur See war und dessen Handels­Schiffe schußlos fremder Willkür preisgegeben waren. So wurden denn von der Nationalversammlung unverzüglich 6 Millionen Taler zur Gründung einer Kriegsflotte be= willigt, und Brommy wurde als Reichskommissar der Ma­rine nach Bremerhaven geschickt, um die Bildung der deut­schen Seemacht und zugleich die Errichtung eines Marine­arsenals zu übernehmen. Im April 1849 wurde ihm der Oberbefehl über die Nordseeflotte und die Verwaltung der Seezeugmeisterei" übertragen. Und obwohl der neue Kapitän zur See mit den größten Schwierigkeiten zu tämpfen hatte, fand er doch ganz zusammengewürfelte Of­fiziere wie Mannschaften vor, wußte er trotzdem ein Ganzes zu schaffen, das in Anbetracht der Zeit und der Verhält nisse als musterhaft gelten konnte. Der Erfolg zeigte sich bald: noch im selben Jahre vertrieb er mit drei Dam­pfern ein dänisches Geschwader von der Mündung der Weser, und siegreich wehte zum ersten Mal die schwarz­rot- goldene Flagge auf einem deutschen Kriegsschiff. Der Lohn für den tapferen Seemann blieb nicht aus: Brommy wurde zum ,, Commodore und bald darauf zum Konter­admiral ernannt. Aber die Herrlichkeit der neuen Flotte sollte nicht lange dauern. Da die meisten deutschen Regier­ungen wenig Neigung zeigten, weitere Kosten auf die Unter­haltung der Flotte zu verwenden, und da die Bildung eines Nordseeflottenvereins elend scheiterte, beschloß der Bundes­tag die Auflösung der Seemacht, und damit erhielt auch Brommy seinen Abschied. Obwohl er aus reinster Vater­landsliebe seine glänzende Stellung in Griechenland auf­gegeben hatte, gelang es ihm doch nur mit Mühe, für das Ende seiner Tage ein bescheidenes Ruhegehalt zu erwirken. Zurückgezogen und fast vergessen lebte dann der erste deutsche Admiral in Bremerhaven und in dem hannoverschen Dorf St. Magnus bei Bremen. Sein letz­ter Wunsch war, daß man ihm seine Flagge, die er sich aufbewahrt hatte, mit ins Grab geben möge, und so schläft denn der wackere Seemann, eingehüllt in die Flagge des Barbarossa", auf einem kleinen nordischen Friedhof den ewigen Schlaf.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Die diesjährige Frühjahrsfahrt des Kaisers wird nach dem, was jetzt darüber verlautet, kaum vor Ausgang März angesetzt werden. Die augenblicklichen Vorbereitungen auf der Hohenzollern" gelten allein der alljährlich wiederkeh­renden Instandsetzung der Kaiserjacht.

In der gestrigen Bundesratssitzung wurde der Ueber­weisung eines Hausarbeitsgesetzes und des Entwurfs etnes Gesetzes, betreffend die Abänderung der§§ 114a, 120 ufw. der Gewerbeordnung, an die zuständigen Ausschüsse zuge= stimmt.

Der Besuch des Reichskanzlers in Rom. Die Abmachun­gen bezüglich eines Besuches des Reichskanzlers von Beth­mann Hollweg in Rom sind nunmehr definitiv erledigt. Darnach wird sich der Reichskanzler in den Osterferien des Reichstages nach Rom begeben. Die Nachricht von einem vorangehenden Berliner Besuch des italienischen Ministers des Aeußern sind unzutreffend.

Ein Kolonialgerichtshof. Die Köln. 3tg." meldet aus Berlin: Unmittelbar nach Zusammentritt des Reichstages wird diesem ein Gesetz über die Schaffung eines Kolonial­gerichtshofes vorgelegt werden, das in driter und letzter Instanz in allen Kolonialsachen Recht zu sprechen berufen

6)

Der Fall Welshofen.

Kleine Dachrichten.

Cook in Deutschland? Nach einer Meldung der Frank­furter 3tg. aus Neuyork erklärte der Bruder Dr. Cooks, dieser befinde sich in einer Kleinstadt Deutschlands.

Brand eines erzherzoglichen Salonwagens. Aus Inns­bruck wird gemeldet: Einige Sekunden vor dem Abgang des Wiener Schnellzuges, welchen der Erzherzog Eugen be= nutzen wollte, entdeckte man, daß der Fußboden des erz­herzoglichen Salonwagens brenne. Die Ursache des Bran­des ist unbekannt.

Ein neues Zarenschloß. Der Zar läßt in Livadta ein neues dreistöckiges Palais durch Baumeister Krosnow an Stelle des alten von Minghetti erbauten aufführen. Es wird vier Millionen Mark kosten. Die Baufrist beträgt zwei Jahre.

Böthig und Diehl, die in Berlin, Hamburg uno Hannover große Geldsummen bet Einbrüchen erbeuteten. Ste traten in Dresden als adlige Offiziere auf. Selbstmord eines Jugendlichen. Der 14jährige Sohn des Straßenbahnschaffners Körner in München war vor einigen Tagen seinen Eltern entlaufen und kehrte in der letten Nacht in die elterliche Wohnung zurück, wo er von seinem Vater eine derbe Lektion erhielt. Gestern morgen hat sich der Knabe durch einen Revolverschuß getötet.

Vier Kölner Spielhöllen aufgehoben. Die Kriminal= polizei in Köln hob gestern nacht vier Spielhöllen, in denen annähernd 100 Personen beim Glücksspiel angetroffen wur­den, auf. Vier gewerbsmäßige Glücksspieler wurden ver­haftet und große Posten Geldes beschlagnahmt.

Anschlag auf einen Personenzug. Auf den Frühperso­nenzug Dortmund- Lünen wurde ein Revolverattentat aus­geübt. Die Kugel durchschlug das Fenster, an dem ein Gen­darm und ein Bahnbeamter sichtbar waren. Beide wurden Leider ist es auch durch die Glassplitter leicht verlegt. diesmal nicht gelungen, den Täter abzufaffen, obwohl sich der Vorgang am hellen Morgen abspielte.

Durch einen Einbrecher schwer verlekt. In der Nacht zum Freitag wurde in Dülit in Pommern der Amtsrat Klein von einem Einbrecher überfallen und durch 20 Mes­serstiche und Revolverschüsse schwer verletzt. Der Einbrecher wurde auf dem Bahnhof von Kollin festgenommen. Er ist ein Barbier namens Haak, der den Amtsrat früher in Dö­litz rasiert hat.

Selbstmord eines jugendlichen Liebespaares. Am Ket­tensteg in Leipzig fand man den 21 Jahre alten Stukkateur Friedrich Wilhelm Brand und das 22 Jahre alte Stuben= mädchen Hedwig Nelling auf einer Promenadenbank tot auf. Die jungen Leute, deren Riebesverhältnis Schwierig­teiten begegnete, hatten sich durch mehrere Revolverschüsse getötet.

Kriminalroman von M. Kossak. ( Nachdruck verboten.) ,, Man denkt eben so an alles mögliche", murmelte der Italiener und fing von etwas anderem zu sprechen an. So sehr er sich aber auch bemühte, gleichgültig und unbefangen heiter zu erscheinen, so merkt man ihm doch an, wie zerstreut er war. Paula würde vielleicht noch mehr über diesen Umstand nachgegrübelt haben, wenn das Wesen des jungen Mannes sie nicht so völlig in seinen Bann gezogen hätte. Aber das schöne, sympathische Ge­sicht, die abgerundeten, anmutsvollen Bewegungen, und das weiche südliche Organ hatten es ihr angetan, sie ge­noß ihn wie ein Kunstwerk. Auch hatte sie in den letzten Monaten viel trübes erfahren und lebte immer noch unter einem seelischen Druck; diese Stimme aber tat ihr wohl und wirkte seltsam beruhigend und gleichzeitig anregend auf fie. Sie begriff selbst nicht, warum der Mann sie in dem Grade interessierte und anzog. Für den Augenblick ver­gaß sie fast sein sonderbares Benehmen im Hinblick auf die Mordtat, doch sollten sie in Zukunft verschiedene feiner Aussprüche noch oft genug beschäftigen.

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Ermordung einer Bahnwärterfamilie. In der Nähe der Stadt Warschau wurde der Bahnwärter Kurt mit sei­ner Frau und drei Kindern ermordet. Zwei verdächtige Bersonen wurden verhaftet. Der Haupttäter soll ein Sol­dat sein, der flüchtig ist. Kurk besaß 170 Rubel Ersparnisse.

Furchtbare Tragik. In Csanadpoloto in Ungarn, wo cine Typhusepidemie herrscht, starben in der Familie des reichen Grundbesitzers Blaško alle fünf Söhne im Alter von 12 bis 19 Jahren an einem einzigen Tage in Zwischen­räumen von ie einer Stunde. Blaskó und seine Frau ver­loren den Verstand.

Im Walzwerk verbrannt. In dem Walzwerk zu Lan­geschede i. W. erfolgte eine Erplosion, bei der vier Arbeiter verbrannt wurden. Zwei sind im Krankenhause gestorben; das Befinden der Uebrigen ist ebenfalls hoffnungslos. Im Lothringi­Unterschlagungen eines Postagenten. schen Orte Roßlingen wurde der Postagent Hammelmann und seine Frau wegen amtlicher Geldunterschlagung und Fälschung von Postanweisungen verhaftet. Die unter­schlagene Summe beträgt nach der Cothr. Bürgerzeitung" 5000 Mark.

Als die Lektion beendet war, verließ sie die Wilson­Scool mit dem Gedanken, daß der Unterricht, den sie nahm, ihr viel mehr zu geben versprach, als sie erwartet hatte.

Große Kälte. Nachrichten aus Madrid zufolge ist in Nordspanien eine so grimmige Kälte eingetreten, daß die Fischer gezwungen sind, an der Küste das Eis aufzuhacken, um dem Fischfang nachgehen zu können. Die Wölfe kom­men scharenweise aus den Bergen in die Dörfer und rich­ten unter dem Viehbestand großen Schaden an. Auch in Amerika herrscht eine grimmige Kälte. Viele Personen sind erfroren.

Unter dem Weihnachtsbaum verbrannt. In Groß­Blittersdorf bei Saarbrücken geriet am Neujahrstage ein Weihnachtsbaum durch einen brennenden Spirituskocher, auf dem die Matter Milch für ihren Säugling wärmen wollte, in Brand. Der Baum fiel um und auf die Wiege des Säuglings, der bei lebendigem Leibe verbrannte, wäh­rend die Mutter draußen ein bißchen mit der Nachbarin plauderte.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Der Nordvol in Bearns photographischer Wafrahme Der Bericht über seine Nordpolfahrt, den Peary in ,, Hamp­stons Magazine" zu veröffentlichen beginnt, gewinnt ein besonderes Interesse durch die Beigabe einer Abbildung, die den Nordpol in einer photographischen Aufnahme Bearys zeigt. Das Bild, das sich hier bietet, ist weseni­lich von dem verschieden, das Dr. Cook als Aufnahme des Nordpols ausgab. Man sieht hier nämlich nicht die flache Eiswüste, wie bei Cook, sondern Pearys Nordpol ist durch Spalten sehr zerklüftet und überragt von hohen Eisblöcken. Auf einer hohen, schneebedeckten Eisbergspize hat denn auch Bearh nach Ausweis des Bildes das Sternen­banner errichtet. Nach den jüngsten Erfahrungen hat man ja freilich allen Grund zum Mißtrauen, aber wie die Sachen zurzeit stehen, wird man es für wahrscheinlich halten müssen, daß Pearys Aufnahme allerdings den Nord­pol oder wenigstens, da er sich immerhin um Sekunden oder selbst Minuten verrechnet haben kann, die Nordpol­gegend wiedergibt.

Rottenarbeiter als Eisenbahnattentäter. Dret Rotten­arbeiter aus Kempten, Grefrath und Mülhausen im Rhein­land, welche die Blockstation bet Lobberich zerstörten, sind verhaftet worden. Sie keilten die Weichen mit Steinen ein, zerschnitten den Draht und hängten die Signalscheiben ab. Eine Zugentgleisung wurde durch die Wachsamkeit der Be­amten verettelt.

Lanzani seinerseits hatte noch zwei Lektionen zu er= teilen, bevor er Mittagspause machen durfte. Er war­tete mit Sehnsucht auf den Augenblick, da er für kurze Beit wieder sein eigener Herr sein würde und dankte Gott, als er endlich gekommen war. Statt iedoch, wie sonst, sich nach dem Wirtshaus am Graben zu begeben, in dem er und einige seiner Kollegen zu Mittag zu speisen pflegte, suchte er diesmal ein großes, in einer engen Ne­bengasse gelegenes, mehr von Leuten aus dem Volke be­suchtes Lokal auf. Es war gedrängt voll von Menschen und überall wurde von der Mordtat gesprochen. Paula würde, wenn sie zugegen gewesen wäre, höchlichst erstaunt gewesen sein, zu bemerken, wie Signor Lanzani, der kaum drei Worte Deutsch verstand, die Ohren bei dem Gespräch um sich herum spiste.

Berhaftung zweier Hochstapler. Die Dresdener Krt­minolpolizei verhaftete die beiden verwegenen Ginbrecher

Auch an dem langen Tisch, an dem er sich zwischen einem Dußend Arbeitern einen Platz gesucht, war von dem Fall die Rede. Nachdem die Begebenheiten von An­fang bis zu Ende durchgehechelt waren, fragte iemand, wo­raus man den Schluß gezogen, daß es sich nicht um Selbst­mord, sondern um Mord handelte.

Ja, in der Nachttischschublade des Grafen soll ein Brief gelegen haben, in dem iemand ihm zuschwor, Nache an ihm zu nehmen, sofern er das ausführte, was er zu tun beabsichtigte," erwiderte ein älterer Mann.

Bedeutende Römerfunde in Ungarn. In Gyula­Fehervar fand man bei Grabungen im Garten des Bischofs von Siebenbürgen mehrere römische Mosaiktafeln von der­selben Art, wie sie in Herculanum und Pompeii entdeckt wurden. Sie sollen aber noch schöner und besser erhalten sein als jene. Bei weiteren Nachgrabungen wurde auch das Grabdenkmal eines Legionärs ausgegraben, das von der Frau des Legionärs gestiftet wurde. Schließlich wurde eine ganze Gräberstraße Blosgelegt. Das Budapester National­museum entsandte Fachgelehrte zur Untersuchung der Funde und zur Fortsetzung der Grabungen nach Ghula- Fehervar.

Und was ist das?" erkundigte sich der Vorige. Niemand wußte es zu sagen, auch bezüglich der Person des Briefschreibers herrschte völliges Dunkel, da dem Schreiben, an dessen Kopf sich weder Datum noch irgend ein Orts- oder Straßenname befand, die Unterschrift fehlte. Doch erzählen alle, daß es in italienischer Sprache abge­faßt gewesen wäre. Seltsam erschien, daß der anonyme Briefschreiber den Grafen Welshofen mit Du" angeredet hatte, was in der italienischen Sprache noch eine viel größere Intimität zwischen beiden voraussetzte, als es das im Deutschen getan haben würde.

Vermischtes

Ansbruchsversuch des Rechtsanwalts Hau. Rechtsans walt Karl Hau hat im Zuchthause Bruchsal in der Nacht zum 6. Januar einen Ausbruchsversuch unternommen, der nur durch die Wachsamkeit eines Hundes vereitelt wurde. Hau benutzte mit einem Genossen die Gelegenheit des zwi= schen 5 und 6 Uhr abends stattfindenden Spazierganges da­zu, sich in einem Lagerraum des Zuchthauses zu verstecken. Sein Weggang wurde ebensowenig entdeckt wie sein Feh­len in der Zelle. Zum Uebersteigen der Gefängnismauer hatten die Beiden eine Strickleiter aus Drahtgeflecht, die bereits angelegt war, bereit gehalten. Sie wollten die Ge­legenheit abwarten, bis der Wächter seine Runde gemacht hatte und infolgedessen eine halbe Stunde abwesend war. Als der Wächter morgens 3 Uhr an dem Versteck der Bei­den vorbeikam, nahm sein Hund Witterung, was zur Ent­deckung Haus und feines Genossen führte, die sich hinter einem Weidengeflecht verborgen hatten.

Keiner begreift, wie der Mörder in das Zimmer her­ein und aus demselben heraus gekommen ist," meinte einer der Männer. Es ist ja von innen verschlossen gewesen und der Schlüssel hat darin gesteckt."

Ja, wozu muß denn überhaupt in der Nacht, in wel­cher der Graf vergiftet wurde, der Mörder im Zimmer ge­wesen sein?" bemerkte jemand, der sich bisher nicht an dem Gespräch beteiligt hatte. Man zwingt doch nicht einen Menschen, den man vergiften will, gewaltsam, das Gift zu trinken. Sicher hat irgend einer, der die Gewohnheiten des Grafen kennt, ihm statt irgend eines unschuldigen Schlafpulvers, das er gewöhnlich zu nehmen pflegte, ein Morphiumpulver hingelegt und der Graf hat es sich dann, nichts ahnend, selbst ins Wasser geschüttet. So denke ich mir wenigstens die Sache," schloß der Sprecher be­dächtig.

Ob nicht am Ende der Diener der Täter ist?" fragte einer aus dem Kreise.

Verhafteter Muttermörder. In Berru bei Reims in Frankreich wurde gestern die im Februar 1909 dort beer­digte Leiche einer Frau Henry ausgegraben, da in letzter Zeit infolge eines an die Staatsanwaltschaft gelangten anonymen Briefes der Verdacht aufgetaucht ist, daß die Frau von ihrem eigenen Sohne ermordet worden ist. Die­ser, Eduard Henry, wurde verhaftet. Er verwickelte sich bet seinem Verhör in Widersprüche. Da sein Leugnen nicht lange vorhielt, mußte er schließlich zugeben, daß er seine Mutter ermordet habe, um sich ihrer Erbschaft zu versichern. Der Leichnam befand sich noch in so autem Rustande, daß der

Es scheint nicht so, denn er ist nicht verhaftet. Daher hat man doch wohl keinen Verdacht auf ihn ge­worfen."

Es wurde noch hin und her geredet. Niemand achtete, auf den feinen jungen Herrn, der unter den Arbeitern; saß, in den Speisen, die er sich hatte geben lassen, herum­stocherte, ohne mehr als ein paar Bissen zu genießen, da­gegen von dem bestellten Wein mehrere Gläser haftig her­unterstürzte. Dann bezahlte er und ging mit der steifen Haltung jemandes, der sich gewaltsam Haltung zu geben bersuchte, aus dem Lokal.

Infama canaglia!" knirschte er zwischen den Zähnen. Draußen griff er sich an den Hatsfragen und zerrte da­ran, als ob er ihm zu eng wäre. Die Gebärde sah aber aus, als ob er einen anderen würgte. Und wieder mur­melte er, indem die ganze, dem Südländer angeborene Lei­denschaftlichkeit und Rachsucht in seinen Augen glühte, sein ,, infama canaglia!"

3. Kapitel.

Die hübsche blonde Frida hatte wenig Freude an ihrent Leben seit dem Abend, an dem sie mit ihrem Verlobten den Grafen Welshofen beobachtete, während er vor den Kaiserhallen auf die schöne Anita Brusio wartete. Wie es erklärlich war, hatte sie mit Felix über die Mordtat zu sprecher versucht, doch hatte er das Thema rasch abe gebrochen. Was geht uns der Welshofen an?" äußerte er un

wirsch. Nein, der Graf geht uns nichts an," meinte sie klein­laut ,,, aber die Anita. Nun der Graf tot ist, kann er sie doch nicht heiraten."

Er zuckte ungeduldig die Achseln und wandte sich ab. Um Fridas Mund zuckte es bitter. Wozu das Schick­sal ihr doch all dies Schwere auferlegt hatte! Sie liebte ihren Felix so grenzenlos und hatte gehofft, daß mit Anitas Vermählung eine ewige Scheidewand zwischen ihr und Felix aufgerichtet werden würde und nun war Anita wieder frei und jeder durfte um sie werben, der Lust dazu hatte! Daß Felir die Italienerin aber immer noch liebte, däuchte ihr sicher. Sie war ja auch viel schöner als sie, deren Reiz, wie sie in ihrem bescheidenen Sinn meinte, hauptsächlich nur in ihrer Jugendfrische bestand. Und die Anita be herte alle Männer, gleichviel, ob sie jung oder alt, bors ( Fortsetzung folgt.) nehm oder gering waren.

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