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Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weylar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen

Lokales und Provinzielles.

** Der Großherzog empfing am letzten Sams­tag den Erbprinzen Ferdinand zu Vsenburg- Büdingen- Wäch= tersbach, den Direktor der Augustinerschule Ritsert von Friedberg, den Postdirektor Schäfer von Gie­ßen, den Kanzleirat Jäger von Gießen und den Kanzleirat Schiffnie von Gießen.

* Wie bestimmt verlautet, hat die Mehrheit der zwei­ten hessischen Ständekammer( Nationalliberale, Zentrum u. Bauernbund) unter Ausschluß der Freisinnigen und Sozial­demokraten eine geheime Abmachung bezüglich der im Ja­nuar in der Kammer zur Beratung kommenden Wah I= freiseinteilung getroffen. Der Wahlkreistompro­miß soll auf Wahrung des seitherigen Besit standes der drei genannten Parteien basieren.

** Der Landesausschuß der freisinnigen Par­tei des Großherzogtums Hessen hält in der zweiten Hälfte des Januar, voraussichtlich in Frankfurt a. M., eine P I e- narversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht eine Stellungnahme der hessischen Linksliberalen zu den neusten Wahlrechtsbeschlüssen der Zweiten Kammer und zur Wahlkreiseinteilung.

** Der gesamte Vorstand der nationalli­beralen Wahlkreisorganisation Mainz­Oppenheim hat in einem Protestschreiben an die national­liberale Kammerfraktion die schwächliche Haltung der Frak­tion in der Wahlrechtsvorlage scharf verurteilt. Eine ant Mittwoch- Abend in Weisena u abgehaltene national liberale Versammlung sprach der nationalliber­alen Kammerfraktion ein Mißtrauensvotum aus. Die Ver­jammlung faßte eine Resolution gegen das Pluralivahlrecht und beschloß ferner, die sofortige Veröffentlichung der laut Pressenachrichten noch in der Schwebe befindlichen, angeb­lich von bauernbündlerisch- nationalliberater Seite ausgear­beiteten Kompromiß- Wahltreiseinteilung" zu verlangen und gegen das Verhalten der nationalliberalen Fraktion, das mit den liberalen Anschauungen unvereinbar sei, zu prote­stieren". Eine Protestandgebung der Nationalliberalen des Reichstagswahlkreises Mainz- Oppenheim soll demnächst in einer großen Versammlung in Mainz gegen das Plural= wahlrecht veranstaltet werden.

!!! Hessische Stromarbeiten. Für laufende Unterhaltung der Flußbauwerfe und Dämme in Hessen sind im neuen Budget 1910 198 400 Mart vorgesehen. Außer­dem sind eingestellt für Regulierungs- und Stromräum- ungsarbeiten auf der Rheinstrecke zwischen Mainz und Bin­gen 12 000 Mt. für Erbauung von Zwischenbühnen zwi­schen Worms und Mainz, Beschaffung von Knappnachen 2c. 10 500 Mart, für Sicherung des linken Rheinusers bei Worms 4700 Mart, Verbesserung des Fahrwassers bei Na­cfenheim 5500 Mt., Ausstellung eines Signalmastes bei Offenbach 1800 Mart.

!! Die Post spart! Die Aussichten in der Post­laufbahn werden sich für die auf Anstellung Reflet­tierenden im nächsten Jahre ungünstig gestalten. Um Ersparnisse in dem enorm angewachsenen Besoldungs­etat zu erzielen, plant die Postverwaltung eine Personal- reform, die Hand in Hand mit einer Vereinfachung des Betriebes in der Weise durchgeführt werden soll, daß alle Dienstgeschäfte einfacherer und mechanischerer Art billigeren Arbeitsträften zugeteilt werden sollen, während andererseits die Anforderungen und Befugnisse an Beamte erhöht wer­den. Neueinstellungen von Personen werden im nächsten Jahre nur in ganz beschränktem Maße erfolgen, wenn man nicht gar auf eine Sperrung der ge­samten Laufbahn zurückkommen sollte. der

** Prüfungsstatistit. Auf Anregung Großh. Zentralstelle für die Landesstatistik ist die Herstell­ung einer fortlaufenden Prüfungsstatistik beschlossen worden. Demzufolge werden di! staatlichen Prüfungskommissionen die Prüfungsergebnisse an die ge­nannte Behörde jeweilig einsenden, die für eine möglichst einheitliche Bearbeitung und Veröffentlichung Sorge tragen wird. Es sollen hauptsächlich folgende Angaben erhoben werden: Zahl der Kandidaten, die sich der Prüfung unter­zogen haben, Zahl der Kandidaten, die die Prüfung be­standen haben, die Prüfungsnoten, Lebensalter, Konfession, Staatsangehörigkeit, Vorbildung der Kandidaten 2c.

*)(* Gießen. Am Samstag erlitt der Betrieb der Straßenbahn in den ersten Abendstunden eine Unterbrech ung von 20 Minuten, welche aber nur zu dem Verlöschen der Straßenlampen führte, dagegen auf die Hausleitung feinen Einfluß hatte. Der gleiche Fall fehrte in den Mor­genstunden des nächsten Tages wieder. Eine sofort von der Straßenbahnverwaltung vorgenommene Prüfung der Wagen und Leitung führte zu feinem Ergebnis.

* Gießen, 10. Jan. An dem morgigen Tage sin­det die Generalversammlung der beiden Abteil­ungen der Oberh. Gesellschaft für Natur- und Heilkunde im großen Hörsaale des physikalischen In­stitutes statt. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles wird Prof. Dr. Sommer einen Vortrag über Schiller als Mediziner" halten.

-ti Gießen.( Stadttheater.) Wegen Erfrank­ung von Fri. Koch wird in der morgigen Dienstag- Abon­nementsvorstellung von Romeo und Julia" Frl. Reubfe vom Frankfurter Schauspielhaus die Julia" spielen. Das Gastspiel ist um so interessanter, als Frl. Reubke, die vom

Münchener Hostheater fam, bei ihrem Probegastspiel in Frankfurt als Julia s. 3. einen großen Erfolg errang. Der Krankheitsfall macht auch weitere Repertoiränderungen nötig. So wird zunächst am Mittwoch statt Flottenmanö­ver" der lustige Schwant Der selige Toupinel" gegeben

werden.

* Allendorf a. d. Lahn. Ein schweres Unglück hat die Familie des Schäfers Hofmann von hier betroffen. Der 18jährige Sohn stürzte vor einigen Tagen in Klein­Linden in einem Neubau von der Leiter. Trotzdem ar­beitete er noch einige Tage als Maurer. Aber er hatte sich bei dem Sturz innere Verlegungen zugezogen, an denen er jetzt gestorben ist.

* Bad Nauheim. Das Elisabethenhaus ( Kinderhospital) hat im vergangene Jahre 830 Kinder als Kurgäste verpflegt, kann aber in diesem Jahr weit mehr ausnehmen, da im Hochsommer der schöne, allen hygieni­schen Anforderungen der Neuzeit entsprechende Neubau be­zogen wurde, der mit 200 Betten belegt werden kann. Die höchste Zahl der zu einer Kurperiode anwesenden Kinder betrug 198.

* Friedberg, 6. Jan. Im Verein für ländliche Heimatpflege, Wohlfahrt und Kunstpflege sprach Pfarrer Schulte Großen Linden, welcher selbst 200 Volkslieder gesammelt hat, über Das oberhessische Volt 3- lied, seine Feinde und Freunde" vor zahl= reicher Versammlung. Feindlich, so führte der Redner sehr eingehend aus, habe im Mittelalter die Kirche, welche den levensfrisch hervorquellenden Volkston durch Edilte zu un­terdrücken sucht, dem Volkslied, aus dem die größten Kom­ponisten aller Zeiten ihre Ideen geschöpft hätten, gegen­über gestanden. Auch jetzt tönne man ähnliches noch be­obachten, wie die methodistische Bewegung" im Vogelsberg, welche Abkehr von der Welt verlange, zeige. Feindlich ge­gen das Volkslied sei auch der Geist unserer modernen Zeit und die Landslucht. Eine große Anzah. hübscher Volts­lieder, emsig gesammelt von Lehrer Heinrich Weber in Storndorf, musillatisch zart melodiös von Prof. Dr. Karl Schmidt Ferarbeitet und von Fräulein Thea Fe y= Friedberg mit quellfrischer Stimme prächtig vorgetragen, riefen wiederholt lebhaften Beisall hervor.

* Darmstadt. Staatssekretär Freiherr v. Schoen, der früher Offizier im hiesigen Leib- Dragoner- Regiment war, hat an dem 50jährigen Stiftungsfest des Regiments teil­genommen.

* Darmstadt. Die Festlichkeiten zur Feier des 50jähr. Jubiläums des Leib Dragoner Regi= ments haben am letzten Mittwoch in der Form von Reiterspielen ihren Ansang genommen. Freitag nachmittag wurden sie in Gegenwart der Großherzoglichen Herrschaften wiederholt. Aus Anlaß des Regiments Ju Stard biläums hat der Major a. D. C. Freiherr von eine Offizierstammliste des Regiments seit seiner Errichtung nebst einem Rückblick auf die seit dem 1. Januar 1860 ver­flossenen 50 Jahre herausgegeben. Sonntag nachmittag 12 Uhr fand auf dem Infanterie- Grerzierplatz ein Regi ments appell statt, an dem 4000 derzeitige und ehe­malige Angehörige des Regiments teilnahmen.

* Darmstadt, 8. Jan. Geh. Obermedizinalrat Dr. Neidhart feierte gestern sein 50jähriges Doktorjubiläum. In feierlichen Ansprachen wurden dem Jubilar die Glück- wünsche der Ministerialabteilung für öffentliche Gesundheits­pflege und des Vereins hessischer Medizinalbeamten über­bracht. Die medizinische Fakultät der Landes- Uni versität ließ ihm die Urkunde über das erneute Dok­tordiplom, in dem seiner Verdienste in gebührender Weise gedacht wurde, überreichen.

* Mainz, 8. Jan. Die Stadtverwaltung von Mainz plant die Errichtung einer st än digen Ausstellungs­halle und hat bereits gestern zu diesem Zweck mit den Vorständen der hiesigen Innung und sonstigen Gewerbetrei benden Verhandlungen gepflogen, welche zu einem befriedi­genden Ergebnis geführt haben.

* Mainz, 7. Jan. Gestern Abend wurde einer Frau auf dem neuen Postamt ein Geldbetrag von 750 Mt. von dem Meßgermeister Dingeldeyn aus Gustavsburg geraubt. Er wurde verhaftet.

* Mainz, 7. Jan. Mit dem 1. April sollen die Beamten des Polizeiamtes durch eine Polizeiafsi­stentin vermehrt werden, wozu Frau Dr. Schapiro von Genf in Aussicht genommen ist.

* Hachenburg, 7. Jan. Im Alter von 92 Jah­ren starb hier die Witwe von Josef Hangar d, dem Dich­ter des bekannten Westerwaldliedes: Es liegt ein Wald im Westen".

* Aus Kurhessen. Eine Diebesgeschichte, die der Komik nicht entbehrt, wird aus Lenderscheid be­richtet. In der nur im Sommer bewohnten Villa der Familie v. Baumbach hatten sich während der verflossenen Feiertage mehrere Land streicher aufgehalten. Als eines Morgens die mit der Aufsicht betraute Frau das Haus betrat, bot sich ihr ein überraschender Anblick dar. die Betten waren verwühlt, in der Küche brannte noch Feuer, auch Reste einer Mahlzeit, Huhn mit Reis, fanden sich vor. Man benachrichtigte den Ortsvorstand, der an einem der nächsten Abende in Begleitung einiger handsester Einwohner in dem Augenblick erschien, als einer der Land­streicher mit einem Arm voll Weinflaschen aus dem Keller stieg. Die biederen Ortsbewohner waren aber über diese Frechheit so verblüfft, daß der Strolch Zeit gewann, nebst seinen Kumpanen zu entwischen! Und das ist das Lustigste an der ganzen Sache.

* Frankfurt. Keine Steuererhöhung. Der Finanzausschuß der Stadtverordneten- Versammlung hat sich in mehrstündigen Sibungen am Donnerstag und Frei­tag in eingehender Weise mit dem Etat für 1910 beschäf=

tigt, dessen Fehlbetrag von 5 100 000 Mark durch die fernere Erhebung des gegenwärtigen Steuersabes von 138 Proz. und durch Abstriche an dem Etat der Bauverwaltung gedeckt werden soll.

* Geisa, 1. Jan. Eine große Ueberraschung wurde dem Müllermeister Robert Kling in Geismar bei einem Schlachtfeste zu teil, als der Schlächter beim Zerlegen eines Rindes in dessen Magen einen Kinderschuh vorsand.

* Kassel. Die Stadtverordneten bestimmten die der Stadt zugefallene Schenfung des Generaldirektors Dr. L. Mond in London im Betrage von 400 000 Mt. zur Er­richtung eines Genesungsheims für Arme.- Die Erhöh ung der Beamten und Lehrergehälter, hierzu sind 500 000 Mark mehr notwendig, und die Aufhebung der Oftroige­bühren am 1. April bringen einen Ausfall von gleichfalls 500 000 Mart, sodaß die Stadt genötigt ist, die Einiom men-, Grund- und Gebäudesteuer zu erhöhen und. weiterhin die Wertzuwachssteuer einzuführen.

* Appell der Feldzugskamera den von 1870 71. Die 40jährige Wiederkehr der Tage von 1870­71 soll in diesem Jahre in Kassel festlich begangen werden. An dieser Feier, welche vornehmlich in einem Kommers oder in einer Vorstellung im Königlichen Hostheater am Vorabend des Tages, am Festtage selbst in einem Zuge durch einzelne Straßen der Stadt nach dem Friedrichsplaye, einem Feldgottesdienst auf diesem und in einem daran an­schließenden Appell, in gemeinschaftlichen Festessen in ver­schiedenen Lokalitäten usw. bestehen soll, können alle die­jenigen Feldzugskameraden teunehmen, welche sich im Be­sitze der Kriegsdenkmünze von 1870-71- ob von Stahl oder aus Geschützbronze befinden und im Regierungs­

bezirk Kassel wohnen, sowie solche, welche in hessischen Re­gimentern den Feldzug mitgemacht haben. Als Zeitpunkt für die Feier ist der Monat August in Aussicht genommen. Da um diese Zeit der Kaiser auf Wilhelmshöhe anwesend sein wird, wird beabsichtigt, ihn zu bitten, den Appell der Kriegsveteranen abzuhalten.

* Fulda, 7. Jan. Vertreter der an dem Bahn­bauprojekt nach dem Vogelsberg beteiligten 14 Gemeinden hielten in Hosenfeld eine Besprechung ab, um über die Ausbringung der Grunderwerbskosten zu be raten. Landrat Springorum teilte mit, daß die Grunder­werbskosten bei 60 Morgen etwa 40 000 Mark betragen würden. Ein Versammlungsteilnehmer, Pfarrer Fürst, gab unter großem Beifall bekannt, daß Reichstagsabgeordneter Müller- Fulda sich der Vogelsberger Einwohnerschaft durch Tragung eines Sechstels der Grunderwerbstosten an nehmen wolle. Die Gemeinden sind bereit, die auf ihren Anteil fallenden Kosten des Grunderwerbes zu tragen, so­daß die Verwirklichung des Projekes nahe gerückt ist.

Literarisches.

,, Naturgemäße Lebensweise"! heißt der Weckruf, der in der neuen Zeit immer wieder erschallt. Während ihn aber bisher die Gesundheitslehrer mit mehr oder weniger Erfolg erhoben, drängt nun die Verteuerung aller Lebensbedürfnisse ganz von selbst dazu, dieser Mahn­ung etwas mehr Gehör zu schenken. Es ist auch kein Scha­den, wenn wir es tun, denn je einfacher man lebt, je we­niger man seine Nerven durch Reizmittel abstumpft, desto frischer und aufnahmefähiger bleiben Körper und Geist. Diese einfache Wahrheit hat in den weitesten Kreisen des Publikums bewußt und unbewußt Aufnahme gefunden. Da­her ist es auch zu erklären, daß z. B. der bekannte Kath­reiners Malztaffee bei hoch und nieder sich so viele Freunde erwarb. Dieses gesunde Getränk hat die seltene Doppel­eigenschaft, daß es anregend und aromatisch, dabei aber nicht im mindesten nachteilig auf den Organismus wirkt. In den gegenwärtigen teuren Zeiten kommt aber, wie ge­sagt, nicht nur die gesundheitliche Seite, sondern auch der Geldbeutelstandpunkt in Frage, und was den betrifft, so wird jede rechnende Hausfrau bald erkennen, daß sie mit Kathreiners Malzkaffee sehr gut fährt.

m eigenen Hause nicht teurer als zur Miete". Wer möchte wohl nicht mit seiner Familie ein nettes Häuschen mit Garten, eine kleine Villa, bewoh­nen und glaubt, es wäre für seine Verhältnisse unmöglich. Jede Familie ist in der Lage, je nach Größe und An­sprüchen für jährlich 300, 400, 600 Mart oder mehr im Eigenhause zu wohnen, denn ein Fachmann, der Königl. Bauinspektor F. Flur hat in seinem Buche unter obigem Titel, das zum Preise von Mt. 1.-( Porto 10 Pfg.) in der Westdeutschen Verlagsgesellschaft, Wiesbaden erschienen ist, diesen Nachweis an Hand vieler Hausbeispiele geführt. Die 50 Abbildungen und die flaren überzeugenden Aus­führungen dieses billigen Buches werden sicher manche Fa milie veranlassen können, dem baldigen Erwerb eines Eigenheims mit Garten näher zu treten.

Redaktion, Drud und Verlag von Albin Klein.

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