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Heringszüge und Sonnenflecken. Aus Kristiania wird der Frff. 3tg. geschrieben: Wie seinerzeit gemeldet wurde, waren die großen Heringszüge, die sich Ende November oder Anfang Dezember alljährlich an der norwegischen Küste einstellen, diesmal ausgeblieben. Die Regierung hatte schon die Mittel bewilligt, um Nachforschungen nach der neuen Richtung der Heringszüge anstellen zu lassen, als diese sich am 30. v. M. einfanden, mit der noch nie konsta= tierten Verspätung von einem Monat. Der Vorfall ist des­halb interessant, weil eine Anzahl von Ozeanforschern der Ansicht ist, daß die Entstehung von Sonnenflecken die Mee­resfauna beeinflußt. Auch Nansen hält diese Annahme für berechtigt: Die Anhänger dieser Theorie weisen nun auf die tm Herbste erfolgten starten magnetischen Erdstörungen hin, die zeitlich mit der Entstehung neuer Sonnenflecke zu­fammenfielen, und bringen diese Erscheinung mit der Anor­malität des Heringszugs in Zusammenhang.

Die neuen belgischen Geldsorten. Wie aus Brüssel ge= meldet wird, ist unmittelbar nach dem Tode König Lev­polds II. mit der Prägung neuer belgischer Münzen be= gonnen worden; die Ausgabe der neuen Scheidemünzen kann bereits im Laufe der kommenden Woche erfolgen. Insgesamt werden etwa 20 000 Kilogramm Zweicentimes­stücke mit dem Namen König Alberts I, geprägt. Die Her­stellung der Silbermünzen zu 50 Centimes, ein und zwei Franks, die das Bildnis des neuen Königs tragen werden, nimmt dagegen noch einige Wochen länger in Anspruch. Für die Länder der lateinischen Münzkonvention ist nur die zwette Prägung von Bedeutung, da die geringeren Münz­Sorten außerhalb Belgiens nicht in Verkehr kommen.

Der Kümmeltürfe. Noch heute hört man oft als scherz­hafte Bezeichnung den Namen Kümmeltürke". Die meisten glauben wohl dabei, daß dieser Ausdruck eine Ironie auf den Türken enthalte, dem ja durch den Koran der Genuß geistiger Getränke verboten ist, also auch der des namentlich in Deutschland sehr verbreiteten Kümmelschnap­fes. Abgesehen davon aber, daß auch schon früher der Türke etnem berauschenden Trunke durchaus nicht abhold war, wie dies zum Beispiel der faiserliche Gesandte Buschbed im Jahre 1663 aus Stambul berichtet, hat die seltsame Be­zeichnung eine ganz andere Herkunft. Auf den großen Gewürzmärkten nämlich, namentlich in Süddeutschland, zum Beispiel in Augsburg, wurde schon im 16. Jahrhun­dert der damals sehr teure Kümmel von türkischen Kauf­Leuten feilgeboten. Der Kümmel wird heute wie damals hauptsächlich in Nordafrika und auf Malta gebaut, bildete also für den levantinischen Kaufmann einen wichtigen Ex­portartikel. Vielfach waren freilich die Kümmeltürken gar feine richtigen Türken, sondern nur osmanische Untertanen und häufig Griechen und Albanesen, aber da sie nach Lan­dessitte in türkischer Tracht mit riesigem bunten Turban neben ihren Kümmelsäcken saßen, taufte sie der Volksmund Kümmeltürken".

Eine merkwürdige Heirat, die in der englischen Gesell­schaft großes Aufsehen erregt hat, fand in diesen Tagen in der Londoner St. Saviours Kirche statt. Der Bräutigam ein Herr Noels, war ein in den besten Gesellschaftskreisen wohlbekannter alter Herr, der demnächst seinen achtzigsten Geburtstag feiern wird, während die Braut, die ebenfalls den besten Gesellschaftskreisen angehört, und die Tochter ei­nes bekannten Londoner Geistlichen ist, um gerade fünfzig Jahre jünger ist als ihr Gatte. Der Bräutigam erschien eine volle halbe Stunde vor der für die Feier festgesetten Bett bereits in der Kirche und machte trotz seiner achtzig Jahre einen sehr lebhaften Eindruck. Viele Mitglieder der Gesellschaft wohnten der Trauung bei. Dies ist die dritte Heirat Noels, seine zweite Frau. die im Jahre 1892 starb, war eine Tochter des Garle of Albemarle.

Der Bibelfuß in England. Schon seit längerer Zeit be­steht in England eine Bewegung, welche dahin geht, den äußerst unhygienischen Bibelfuß, welcher in den vereinigten Königreichen den Schwur ersetzt, aufzuheben. Vom 1. Ja­nuar des Jahres 1910 ab tritt nun ein neues Gesetz in Kraft, welches bestimmt, daß der zit Vereidigende die Bibel nicht mehr zu küssen braucht. Der Richter bedeutet ihm vielmehr, die Bibel in die rechte Hand zu nehmen, diese Hand zum Schwure zu heben und sodann den Zeugeneid in folgender Form auszusprechen: Ich schwöre bet Gott, dem Allmäch­tigen, daß die Beweise und Aussagen, welche ich dem Gericht geben und vor dem Gericht machen werde und welche die zu richtende Angelegenheit betreffen, der Wahrheit entsprechen werden, der vollen Wahrheit und nichts als der Wahrheit." Eine wichtige Frage für Damen ist die Sorge um ihre äußere Erscheinung. Welche Vertreterin des weiblichen Geschlechtes wäre nicht noch so jung, daß sie nicht gut aus­fehen" möchte! Es ist das eine begreifliche, man fann so­gar sagen, eine schätzbare Eitelkeit. Wer aber glaubt, durch Künstliche Hilfsmittel ein schönes Aussehen erzielen zu kön­nen, der irrt. Das sicherste Schönheitsmittel ist die Ge= sundheit. Und dazu verhilft nur die schon in den Zeiten des grauen Altertums viel angewandte Körperpflege und eine vernünftige Lebensweise. Frische Luft, gutes Wasser, leichte Kost und reizlose Getränke sind dabei wertvolle Ver­bündete. Während bei der Kost die reichste Auswahl sich bietet, ist sie bei den Getränken etwas beschränkter. Da stellt fich nun als willkommener Freund Kathreiners Malzkaffee ein. Dieses gesunde Getränk können die Damen unbedenk­lich trinken; wegen seiner vorzüglichen Eigenschaften, zu denen auch ein außergewöhnlich billiger Preis gehört hat Kathreiners Malzkaffee seit 20 Jahren bei Millionen Auf­nahme gefunden. Jeder Frau und Mutter kann die Ein­führung dieses vorzüglichen Getränkes im eigenen Haus­halt enipfohlen werden.

Aus dem Reiche der Technik.

Nur auf den Knopf drücken Fahrkarte fertig. Auf dem Gebiete des Fahrkartendruckes und-Verkaufes bereitet sich eine völlige Umwandlung vor. Seit längerer Zeit werden bereits Versuche angestellt, die darauf abzielen, die Fahrkartendruckereien der Eisenbahnverwaltung entbehr­lich zu machen, indem man in den Schaltern automatische Druckmaschinen aufstellt, die die Fahrkarten unmittelbar vor dem Verkauf herstellen und fortlaufend numerieren, so daß auch die umständliche Kontrolle der Kartenbestände fortfällt. Die bisher versuchten Fahrkarten- Druckmaschinen, in denen sich bewegliche Rollen mit Klischees befinden, sind schwer zu handhaben und schließen Irrtümer des Verkäu­fers nicht aus. Die Deutsche Eisenbahn- und Verkehrswesen A- G. hat jezt einen Probeapparat hergestellt, der überaus ficher arbeitet und sehr leicht zu bedienen ist: der Billett­verkäufer hat nur auf einen Knopf zu drücken und die gewünschte Fahrkarte fällt, fertig bedruckt, heraus. Vor­läufig ist der Versuchsautomat auf fünf verschiedene Billett­ferten eingerichtet, es können aber natürlich auch 50 und mehr angeordnet werden. Die Fahrkarten werden während des Druckes selbsttätig von einem Kartenstreifen abgetrennt, und zwar so viele, wie auf einmal gewünscht werden. Der Schalterbeamte braucht nur, bevor er auf den Knopf drückt, einen Zeiger auf die verlangte Zahl einzustellen. Die Ver­ausgabung der Fahrkarten geht mittels dieses Automaten viel schneller als beim Verkauf aus dem Schalterschrank; an einem Zählwerk kann man mit einem Blick die letzt­verkaufte Nummer absehen, und so ist die Kontrolle über­aus einfach und Durchstechereten scheiden völlig aus. Der Fahrkartendruck kostet auf diese Weise nicht den fünften Teil des jeßigen, und so würden durch die Einführung der Apparate, die eine umfangreiche Schreib- und Rechen­arbeit überflüssig machen, Millionen erfport werden. Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten bringt der neuen Erfinduna das arößte Interesse entaegen.

Shackleton über seine Südpolreise.

In der Deutschen Gesellschaft für Erdkunde in Berlin sprach am Donnerstag, wie schon kurz mitgeteilt, der eng­lische Forscher Leutnant Shackleton über seine Südpolar­Expedition. Aus dem in englischer Sprache gehaltenen Vortrag geben wir folgende besonders interessanten Stellen wieder:

Von Neuseeland aus wurde am 1. Januar 1908 die eigentliche Polarreise angetreten. Die Nimrod" ist das Kleinste Fahrzeug, das jemals Südpolregionen erreicht hat. Die Mannschaft bestand aus 37 Mann. An Bord waren

metern in 122 Tagen wieder an Bord der Nimrod zurüc Sie hatte

den magnetischen Südpol entdeckt, die Küstenlinie trigonometrisch vermessen, fünfaig nene Berge und Strandbildungen entdeckt und mineralogische Funde gemacht. Wir erreichten Neuseeland 449 Tage nach unserer Abreise und kamen ohne Verlust eines einzigen Menschenlebens zurück. Jeder einzelne meiner Begleiter gab sein Bestes bis su Erschöpfung, und ich hätte keine tüchtigeren, feine opfermutigeren und keine besseren Mit arbeiter finden können.

Borräte für zwei Jahre, 10 Vonnies, 9 Hunde, die fich auf Der Brand des griechischen Königsschlosses.

der Reise auf 22 vermehrten, und ein Automobil. Die " Nimrod" ging infolge der schweren Belastung sehr tief, und die Steuerung war um so schwieriger, da schon in den nächsten 24 Stunden stürmisches Wetter und orkan­artige Böen eintraten. Um Kohlen zu sparen, wurde die Nimrod" von der Koonya" durch stürmische See geschleppt. Am 15. Januar 1908 machten wir uns von der Koonya" frei und fuhren an 1000 Eisbergen vorüber in die Roß­See hinein. Die Eisberge waren anderer Art als die des nördlichen Eismeeres. Sie stellten Ueberreste einer kolos= salen Eiswand dar und stammten von der Großen Eis­barriere. Wir trafen zunächst auf sogenanntes Eierkuchen­ets", das erste Stadium des Packeises, schwimmende Eis­schollen, welche sich auf der Oberfläche des Wassers im Winter bilden. Im Sommer bricht dieses Eis auf und treibt nach Norden. Die antarktischen Eisberge bestehen hauptsächlich aus Schnee, schwimmen daher zur Hälfte un­ter Wasser, nicht etwa nur mit dem sechsten Teil wie die arktischen Eisberge. Nachdem wir das Eierkucheneis über­wältigt hatten, gelangten wir an die 1841 von Sir James Roß entdeckte Große Eisbarriere, die sich 650 Kilometer nach Ost und West erstreckt, und an deren westlichem Ende sich ein hoher, feuerspeiender Vulkan, der Mount Erebus, erhebt. Dann ging die Fahrt an dem König Eduard VII.­La 18 vorbei. Nachdem wir uns 100 Seemeilen nach Norden durchgearbeitet hatten, sah ich die Unmöglichkeit ein. die Küste zu ereichen, und wir entrannen mur mit Inapper Not der Gefahr, zwischen der Barriere und dem Packeis durch die sich auf uns zuschiebenden Eisman serialmt zu werden. Wir suchten nun nach dem M: Nardo- Sund zu kommen, da wir hofften, die Winterquartiere der Tis covery Expedition erreichen zu können, doch vie trafen auf 23 Scemeilen festes Eis zwischen uns und diesem Pleß. Ich baute daher neue Winterquartiere am Kap Ronds am Fuße des Cherus. Trotz des Sommers erlebten wir vom 19. bis 22. Februar

furchtbare Schneestürme,

und das Thermometer sank auf 16 Grad Fahrenheit unter Null. Das Schiff wurde vom Blizzard furchtbar herge= rommen. Am 22. Februar 1908 konnte die Nimrod" die Rückreise nach dem Norden antreten. Mein Begleiter Mack Intosh mußte gleichfalls zurückkehren, da ihm von einem Gewindehafen ein Auge ausgeschlagen wurde. Nach Fertig­stellung unserer Hütte bestieg ich mit fechs Mann, darunter Profesor David, Marshall und Brocklehurst den Eberus. Am ersten Abend gelangten wir in eine Höhe von 1540 Meter. Wir schlugen ein Lager auf, wurden aber wieder von einem Schneesturm heimgesucht. Die Temperatur fiel auf 30 Grad Fahrenheid unter Null und in unseren Schlaf­säcken verbrachten wir eine furchtbare Nacht. Brocklehurst, der in eine Felsschlucht geworfen wurde, entging wie durch ein Wunder dem sicheren Tode. Am nächsten Tage erreichten wir eine Höhe von 3025 Meter. Brocklehursts beide Füße waren erfroren, und er mußte sich einer Zehenamputation unterziehen. Am 10. März erreichten wir den alten Krater. Der aufsteigende Dampf verhüllte aber jede Aussicht. Nach einer kurzen Erforschung des Kraters, der 250 Meter tief ist, und auf deffen Boden sich drei Oeffnungen zeigen, rü­steten wir zum Abstieg. Unter großen Schwierigkeiten er­reichten wir unser Lager.

Am 22. April verabschiedete sich die Sonne von den Winterquartieren, um erst am 22. August wiederzukehren. In dieser

Winternacht

standen wir um 8 Uhr morgens auf, und nach einem fru­galen Frühstück begann um 10 Uhr die Arbeit. Die Geo­logen und anderen Gelehrten seßten bei Laternenschein thre Sammlungen fort, schlugen Löcher ins Eis, um die Tempe= raturen zu messen, wir übrigen trieben die Pferde hinaus und holten Kohlen. Um 1 Uhr konnten wir das Mittagbrot verzehren, um 4% Uhr den Tee und um 6 1hr abends das Abendbrot. Dann war feder sein eigener Herr und konnte seinem Vergnügen nachgehen. Alle 14 Tage traf auf jedes Mitalled Woche, in deren Verlauf alle zwei Stunden mete­orologische Beobachtungen vorgenommen, das Feuer im Ofen und die Temperatur der Hütte auf 45 Grad Fahren­heit über Null erhalten werden mußte. Die Wärme im Innern durfte nicht über 26 Grad Celsius steigen, da es sonst vom Dache herabtröpfelte. Am 22. August kehrte die Sonne zurück. Am 12. Auguſt begab ich mich mit einer klei­nen Mannschaft nach dem Süden, um die Oberfläche der Giswand zu untersuchen. Die Temperatur sank bei dieser Reise auf 58 Grad Fahrenheit unter Null. Das Automobil ließ sich auf der Barriere nicht verwenden, die Ponies waren unsere einzige Hoffnuna Jedes schlennte eine Last ven 263 Kilogramm. Am 15. November erreichten wir wie­der unser Magazin. Von diesem Tage bis zum 23. Februar des nächsten Jahres hatten wir

nur eine einzige sättigende Mahlzeit,

und zwar Weihnachten. Aber schon nach einer halben Stun­de hatten wir wieder Hunger, und von diesem Augenblic an dachten wir nur mehr ans Effen. Am 26. November er­reichten wir den höchsten, jemals von Forschern erreichten südlichen Breitegrad und Tenkten nun unsere Schritte in Regionen hinein, die niemals zuvor der Fuß eines Men­schen betreten hatte. Unsere Route bedingte eigentlich einen geraden Kurs gegen Süden, doch die im Südwest aufsteig­enden Berge versperrten uns den Weg. So bestiegen wir, als wir am 2. Dezember unser Lager abgebrochen hatten, cinen ca. 925 Meter hohen Berg, um die Richtung der Höhenzüge zu erforschen. Der Weg aing fort über Berge und Täler. Wir hatten zahlreiche Zwischenfälle. So hing cines Tages unser Genosse Wild an einem Abarund zwi­schen Himmel und Erde, bis wir zu seiner Rettung er­schienen. Sein Pony war in der Tiefe verschwunden, sein Schlitter zertrümmert. Am 3. Januar 1909 mußte ich jede Hoffnung aufgeben, den Südpol zu erreichen. Der Sturm wütete. die Temperatur sant bis 40 Grad Fahrenheit un­ter Null, obwohl es Sommer war. Wir hatten 3940 Meter Höhe über dem Wasserspiegel erreicht und legten nun unser letztes Depot an. Bis zum 9. Januar litten wir entsetzlich unter Schneestürmen. Fast jedem erfror ein Fuß oder ein Finger, und wer sich an deur andern wärmen wollte, er­höhte deffen Pein. Am 9. Januar um 9 Uhr hißten wir auf 88 Grad 23 Minuten füdlicher Breite den Union Jack. Wir waren 24 deutsche Meilen vom Südvol entfernt, als wir umkehren mußten. Wir hätten den Pol erreichen kön= nen, aber infolge Mangels an Proviant niemals mehr zu= rückkehren können.

Am 26. Januar waren unsere Vorräte erschöpft; wir lebten von den kleinsten Rationen und hatten oft nur ver­derbenes Pferdefleisch. Endlich erreichten wir am 23. Feb­ruar unser Depot, und am 4. März schifften wir uns wieder auf der Nimrod" ein, nach einem Marsch von 2808 Kilo­metern, die wir in 126 Tagen zurückgelegt hatten. Wir ent­deckten hundert neue Berge, fanden Kohle, versteinerte Nadelhölzer, und machten zahlreiche geologische Funde. Die füdliche Ervedition kehrte nach Rurücklegung von 2000 Kilo­

Die Entstehung und die genaue Ausbruchsstätte des Schloßbrandes in Athen find bisher unbekannt. Bemerk wurde das Feuer zuerst nicht von der militärischen Schloßz wache, sondern von passierenden Leuten durch Rauchwollen aus dem Mittelbau, denen bald darauf Flammen aus dem Dach folgten. Zerstört sind der mittlere Schloßteil, die Schloßkapelle, der Thronfaal, die Gemächer der Königin und ein Teil ihrer Schmucksachen. Das Archiv ist größten­teils gerettet, die Bibliothek hat geringen Schaden erlitten. Ein Augenzeuge berichtet folgendes über den Brand: Ein flackernder, dunkelroter Schein leuchtet unheimlich her­über und hinein. Man hört das Klirren und Knaden springenden Glases, das Krachen zusammenstürzender Bal­ken, das Poltern herabfallender Möbelstücke, die man in den Schloßhof wirft. Der König und die Prinzen Andreas und Christophoros verfolgten im linken Flügel das schauer­liche Schauspiel. Der König war in tiefer Bewegung. Er ließ sich unablässig Bericht erstatten, fragte nach vielen thm ans Herz gewachsenen Gegenständen, von denen viele ein Raub der Flammen geworden sind. Die meisten Pri­raträume des Königspaares sowie die schönsten Festräume find zerstört. Unbegreiflich ist es, daß die Schloßwache und die Bedientenschaft nichts von dem Brande gemerkt haben, sondern erst von draußen darauf aufmerksam gemacht wer­den mußten. Die gewaltige Feuergarbe wurde weit über die Grenzen der Stadt hinaus gesehen und färbte den Flaren Sternenhimmel die ganze Nacht mit blutigem Rot.

Nach einer späteren Meldung ist ein überheizter Ofen die Ursache des Feuers gewesen. Der König hat die Hof­damen persönlich über ihre Wahrnehmungen befragt; fie gaben an, nichts Auffallendes bemerkt zu haben. Erst als die eine der Damen gegen hend in sterken Brand geruch verspürte, wurde nach der Ursache gesucht. Diese Nachforschungen blieben aber fruchtlos, denn gerade jener Teil der Dienerschaft, der über die Anlage der elektrischen Zeitung Befcheid weiß, hatte Weihnachtsurlaub erhalten. Keine der Damen dachte daran, daß der Brand in der Kapelle entstanden sein könnte. Viele Hofdamen wurden ohnmächtig in den Garten getragen.

Der Wiederaufbau des Schlosses soll unverzüglich in Angriff genommen werden. Hervorgehoben zu werden ver­dient, daß kurz vor den jüngsten politischen Wiren dem König ein Plan zum vollständigen Umbau des Palastes vorgelegt wurde. Es handelte sich darum, dem etwas nüch­ternen Bau ein vornehmeres Gepräge zu geben.

Athen, 8. Januar. Gestern vormittag stürzte ein Teil des großen Tanzsaales im Palais zusammen. Dabei er­litten vier Personen schwere Verletzungen An den Ber­gungsarbeiten im Palais beteiligten sich insbesondere die Königin mit außerordentlicher Umsicht und Energie. Der König erfitt infolge der Aufregungen und des Nanches einen leichten Ohnmachtsanfall. Das Balais selbst ist nicht versichert. Der Schaden beläuft sich nach vorläufigen - Eine feldmarsch­Schäßungen auf 1% Million Drachmen.

mäßig ausgerüstete englische Truppenabteilung, die sich an den Löscharbeiten beteiliate, mußte zurückgezogen werden, da sie bei der einheimischen Mannschaft heftigen Unwillen erregte.

Drabtnachrichten und neuestes.

Der englische Mobifamuj.

London, 8. Januar. Während einer Wahlrede im Osten Londons ereignete sich im Gedränge außerhalb des Gebäudes ein Unfall. Durch den Einsturz eines Gelän ders wurde eine Person getötet und sieben schwer berlegt.

Für den internationalen Frieden. Neuhork, 8. Januar. Die Blätter melden, daß Amerika an die Mächte ein Memorandum gerichtet habe, in dem die Neutralisierung der mandschurischen Eisen­bahn durch Verkauf an China vorgeschlagen wird. Es wird dabei betont, daß dadurch eine ständige Quelle von Reibungen beseitigt und das Prinzip der Gleichberechtigung bei der Schließung der Bahn für Transporte von Truppen und Kriegsmunition gesichert werden würde.

Die Botschaft des Präsidenten Taft. Neuyork, 8. Januar. Gestern ist die mit Spannung er= wartete Sonder- Botschaft des Präsidenten Taft, die sich mit der Kontrolle über die Trusts und mit der Beaufsichtigung der Eisenbahnen beschäftigt, dem Kongreß zugegangen und hat durch ihre entschiedene Sprache großen Eindruck ge­macht. In dem Teil der Botschaft, der sich mit der Neu­regelung des Trustwesens befaßt, sagt Präsident Taft, es sei sein Vorsaß, daß eine Untersuchung über die Verhält­nisse jeder industriellen Organisation angestellt merde, ge­gen die der geringste Verdacht gesetzwidriger Geschäfts­methoden besteht. Voraussetzung sei nur, daß der Kongreß die dazu nötigen Mittel befitze.

Zeppelin wieder hergestellt. Stuttgart, 8. Januar. Graf Zeppelin ist heute als vollkommen wiederhergestellt aus dem hiesigen Katharinen­hospital entlassen worden.

Maffenhörer eines wissenschaftlichen Vortrags. Berlin, 8. Januar. Mehr als 1800 Primaner sowie zahlreiche Zöglinge der Hauptfadettenanstalt Groß- Lichter­felde hörten gestern den Vortrag des Profeffors Fabricius aus Freiburga, des archäologischen Dirigenten der Retchs­limesfommission, über das römische Lager mit besonderer Berücksichtigung der Saalburg.

Rätselhafter Selbstmord. Braunschweig, 8. Januar. Am Mittwock stieg in einem hiesigen Hotel die verwitwete Frau Apotheker Dora von Ciechanzka aus Braunschweig ab und trug sich als aus Berlin stammend ins Hotelbuch ein. Sie gab an, ihren spä­ter eintreffenden Sohn erwarten zu wollen. Nachdem sie zwei Tage auf ihrem Zimmer gegeffen und sich mehrere Flaschen Rotwein hatte bringen lassen, fiel es dem Hotel­besitzer auf, daß das Zimmer dauernd geschlossen blieb. Er öffnete gewaltsam die Tür und fand die ca. 65jährige Dame mit einer Zuckerschnur erhängt, am Fenstergriff hängend, vor. Ueber die Motive zur Tat ist nichts bekannt. Nah­rungssorgen können es nicht gewesen sein, da die Verstor bene ihr Vermögen auf 92 000 Mangab. Verschiedene von ihr geschriebene Briefe, etwa 20, wurden polizeilich beschlag­nahmt.

Massenbeschlagnahme von Schundliteratur.

Wien, 8. Januar. Gegen 30 000 Gremplare von Schmutz­druckschriften im Werte von 152 000 kronen wurden anläß­lich einer von der Staatsanwaltschaft angeordneten Unter­suchung beschlagnahmt und auf fünf Wagen in das Land gerichtsgebäude geschafft.

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Nikaraana und die Vereinigten Staaten. Washington. 8. Januar. Der Präsident von Nika­ragua hat dem hiesigen Staatsdepartement mitgeteilt, daß die Hinrichtung der beiden Amerikaner, die den. Anstoß zu der zwischen den beiden Staaten entstandenen Spannung gegeben hatte. sich als ungerechtfertiat erwiefen habe