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fabelhafte Summen umgesetzt werden, hervor zubringen und über Wasser zu halten vermag. Der junge Lord hatte es nach dem Tode seiner Eltern fertig bekommen, in kürzester Zeit mit dem ererbten Vermögen völlig reinen Tisch zu machen. Eine Nacht in den Sälen von Monte Carlo kostete ihm noch das letzte der Familiengüter. Dann stand er dem Nichts gegenüber, ohne irgend welche Kenntnisse, die es ihm ermöglicht hätten, auf an ständige Weise sich weiter durchzuschlagen. So wurde er das Naheliegendste für jeden ver wöhnten Lebemann gewerbsmäßiger Spieler und verschaffte sich hierdurch die Mittel zur Fort­setzung des luxuriösen Lebenswandels, den er kaum merklich einschränkte. Und, da er mit Vorsicht und Glück operierte, führte er anfangs ein ganz bequemes Dasein, das notwendigerweise jedoch dem bisher nur leichtsinnigen jungen Edelmann die letzten moralischen Grundsätze rauben mußte. Es kamen aber bald auch schlechtere Zeiten für ihn, und mit der immer leerer werdenden Kasse begannen die vielfachen Versuche, auf andere Art Geld zu verdienen, ohne gerade die wohlgepflegten Hände allzusehr zu rühren. Nach außen hin blieb er auch der stets vergnügte, wegen seiner gesellschaft­lichen Talente noch immer geschätzte lustige, schöne Edward", wie seine Klubfreunde ihn schon vor Jahren getauft hatten, wenn auch sein unstäter, lauernder Blick und eine von Tag zu Tag sich steigernde Nervosität für einen schärferen Beobachter die immer tiefer werdenden Abgründe in seinem Charakter deutlich verrieten.-

James Morris hatte nun schon mehrere Male vergeblich an der Flurtür zu Lord Cowpers Wohnung geläutet. Endlich hörte er einen leisen Schritt und sah auch hinter dem in die Tür ein gelassenen Fensterchen ein spähendes Auge er­scheinen.

Dann stand der Lord in elegantem, hellem Gehrockanzug, eine Rosenknospe im Knopf loch, vor ihm.

Was gibts, Morris...? Und diese Unvor­sichtigkeit wie können Sie nur!" sagte Cowper hastig mit gedämpfter Stimme, ohne den Besucher einzulassen. Ich habe auch wenig Zeit, muß sofort zu den Warringtons zum Gartenfest".

Der Irländer flüsterte ihm jedoch schnell einige Worte zu, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Dann saßen sie sich in Lord Edwards Wohn­zimmer gegenüber.

Ich weiß, es war von mir leichtsinnig, Euer Gnaden hier so am hellen Tage aufzusuchen", be= gann Morris entschuldigend. Aber die Sache hat Eile. Ich konnte damit nicht warten, bis wir ein Zusammentreffen an dem gewöhnlichen Orte draußen in der Vorstadt verabredet hatten. Ich bin natürlich sehr aufmerksam gewesen niemand hat mich gesehen, als ich das Haus betrat..."

" Schon gut. Beeilen Sie sich nur! Um 1/25 geht mein Zug vom Waterloo- Bahnhof". Und Lord Edward legte dabei seine schwere, goldene Uhr vor sich auf den Tisch.

" Wir werden bald einig sein, Euer Gnaden", meinte der Irländer, ohne sich aus seiner Ruhe bringen zu lassen." Hauptmann Gifford hat heute verschiedene Dokumente und Pläne mit sich ge­nommen, die er vormittags von Oberst Gifford ausgehändigt erhielt. Ich habe, als ich ihm neue Tinte in das Schreibzeug füllte, genau hingesehen. Es waren Zeichnungen von Festungen mit daran­geklebten langen Beschreibungen. Als er vor einer Viertelstunde etwa das Ministerium verließ, hatte er sich das Paket mit den Papieren unter den Rock geknöpft. Es zeichnete sich ganz deutlich ab. Ich paẞte auch gut auf, wie er mit seinem Arbeits­material nach dem Archiv- Raum ging, um die Dokumente wie immer einzuschließen. Da fehlte

eine ganze Menge von dem, was ich noch kurz vorher auf der Schreibtischplatte erblickt hatte. Für mich besteht kein Zweifel: augenblicklich be­finden sich in Hauptmann Giffords Wohnung Ur­kunden, die in unseren Händen... zu Geld werden könnten. Euer Gnaden verstehen mich, nicht wahr...?

Lord Cowper nickte zerstreut. Erzählen Sie mir nochmals ganz genau, was Sie heute alles beobachtet haben, ganz genau!" sagte er dann nachdenklich. Er witterte eine Beute, und Lady Warringtons Fest und Felicitas schöne Augen waren schnell vergessen.

Morris berichtete alles, was er wußte, und knüpfte auch gleich seine Mutmaßungen an die ein­zelnen Vorfälle, sprach von dem dunkellilafarbenen Brief, von Hauptmann Giffords anfänglichem Arbeitseifer und plötzlichem Aufbruch. Und seine Kombinationen, die er Lord Cowper mit der ganzen Umständlichkeit und der ebenso großen Gerissenheit des Irländers entwickelte, fanden des verkommenen Spielers vollsten Beifall.

,, Stimmt," sagte dieser jetzt lebhaft, stimmt alles, was Sie sich da zurecht gelegt haben! Die Papiere hat er mitgenommen, um daheim seine Aufgabe zu Ende zu bringen, mit der er heute des Festes bei seiner Tante wegen nicht mehr fertig wird. Und daß die Dokumente für uns wertvoll sind, ist gleichfalls fraglos. Ich kenne einen Abnehmer, der mir für jedes Stückchen Papier aus dem Geheim- Archiv des englischen Kriegsministeriums mit Freuden große Summen bezahlt. Ja, Sie haben recht, Morris, wir müssen versuchen, die Urkunden in unsere Finger zu bekommen. Die Frage ist nur, wie mans an­fangen soll...!"

Der Irländer wiegte den Kopf bedenklich hin und her. Ja, das, wie', Euer Gnaden,- das wird uns schwer fallen...! Mit Gewalt ist da nichts zu machen. Der Hauptmann hat einen alten Diener, der die Wohnung kaum verläßt, und nachts wacht der große Windhund mit seinem ge= fährlichen Gebiß über seinen Herrn! Nur List kann zum Ziele führen... Ja- Euer Gnaden, nur... List..." Und dabei blinzelte Morris sein Gegenüber bedeutungsvoll an.

,, Halten Sie mich nicht länger wie nötig auf...! meinte Cowper ungeduldig, da er in des Irländers Mienen richtig gelesen hatte." Heraus mit der Sprache Sie haben bereits eine Idee..."

" Ja, Euer Gnaden, die hab ich wirklich. Und sie ist nicht schlecht, scheint mir. Jedenfalls können wir es auf diese Weise mal versuchen. Eine Ge­fahr ist kaum dabei..

Lord Edward lauschte gespannt, was Morris ihm nun vortrug, erwog noch selbst alle Möglich­keiten, alle Schwierigkeiten, und mußte sich doch schließlich sagen, daß der Plan- und zwar einzig und allein dieser Plan, Erfolg versprach.

Der Besuch des Bureaudieners aus dem Kriegs­ministerium hatte bei Lord Cowper genau zehn Minuten gedauert. Als sie dann auseinander­gingen, sagte der letztere nochmals:"... Also, wir sind einig, Morris! Sie erhalten ein Drittel der Summe, die ich bei der Sache herausschlagen kann. Und nun- mag uns das Glück hold ſein...!"

Percy Gifford erreichte den letzten Zug nach London noch mit knapper Not. Er war der einzige der Gäſte, der die Einladung der Familie Warrington, die Nacht in einem der zahlreichen Fremdenzimmer ihres Landsitzes zuzubringen, aus­geschlagen hatte, wobei er jedoch seiner Tante, Lady Helene, gegenüber einige aufklärende An­deutungen über eine noch zu erledigende Arbeit machte. ( Fortsetzung folgt.)

Vorfrühling.

Belb blüht schon der Cornelbaum, Gleißt wie Gold im Winde. Leise streift den Wintertraum Vom Geäst die Linde.

Und die Birke schlank und rank Dehnt die weißen Glieder; Ach, der Amsel Liebessang Sprengt ihr faßt das Mieder! In den Hecken braun und grau Jubiliern die Finken, Aus dem lichten Wolkenblau Lerchenlieder sinken.

Herz in dieser schönen Zeit Wünscht sich ein paar Schwingen, In die junge Herrlichkeit Jauchzend einzudringen.

Wenn dich auch kein Flügel zieht Sonnenwärts hienieden:

Herz, mein Herz, dir ward ein Lied Freudevoll beschieden!

Die praktische Hausfrau.

Joh. M. Lankau.

อะ อะ อะ

Von der Mode.

( ls neueste Form, die uns aus jedem Schaufenster der großen Modehäuser entgegentritt, ist die sogenannte Russenjacke Darunter und Russenbluse zu nennen. versteht man eine Bluse, die, mit Taillen­schluß durch einen Gürtel zusammengefaßt, durch einen bald langen, bald kurzen Schoß ergänzt wird. Es ist ersichtlich, daß diese Mode nur für Damen mit sehr schlanken Hüften vorteilhaft ist, was natürlich nicht hindern wird, daß trotzdem sehr viele stark­hüftige Damen sie tragen werden, denn bedauerlicherweise pflegen sich sehr viele mehr nach dem zu richten, was gerade die Mode vorschreibt, als nach dem, was ihnen persönlich kleidsam ist. Nur wenn die Russenbluse sehr lang, bis weit über die Hüften gehend, gearbeitet ist, eignet sie sich auch für stärkere Figuren, während die ganz kurze überaus kleidsam für ganz junge Mädchen ist.

Unter den Jackenformen herrscht für Frühjahr und Sommer neben der Russenjacke die halbanschließende, schlichte Jacke mit angeschnittenem Schoße vor; sie ist meist mit breiten Rückenteilen, oft mit hinterer Mittelnaht gearbeitet und mit Vorliebe von mittlerer Länge; doch werden auch dreiviertellange und ganz lange Jacken getragen. Wenig geändert haben sich die Aermel, die für die Jacken als schlichte, nicht allzu enge Keulenärmel, meist mit aufgesteppten Manschetten, ge= arbeitet werden, für Blusen und Taillen ebenfalls anliegende, durch eine oder meh­rere Puffen unterbrochene Form haben. Wider Erwarten sollen auch halblange und dreiviertellange Aermel im Sommer wieder getragen werden.

Eine große Verbreitung sagt man dem Mantel voraus. Die großen franzö= sischen Konfektionsfirmen haben neuerdings gerade dem Mantel, dem fast Vergessenen, große Aufmerksamkeit geschenkt. Die meist sehr langen Mäntel sind mit breitem Revers und auch breitem, rückwärts oft eckigem Kragen gearbeitet und haben lose

und halblose Formen. Auffällig ist die Vorliebe für Kapuchons, die bei leichten Stoffen faltig gehalten und oft garniert sind.

Die Röcke werden noch immer mit Vorliebe bis zum Knie eng, dann in weiche Falten ausfallend gearbeitet. Der schon in diesem Winter so viel getragene Plisseefaltenrock mit Hüftpasse ist noch streng modern, auch der Miederrock be­hauptet noch das Feld, wenn auch fast öfter noch der Taillenschlußrock gearbeitet wird.

Neue, moderne Frühjahrsjacke

in Russenblusenform.

Andere Röcke zeigen Miederteil, Hüftpasse und Vorderbahn in einem Stück geschnitten ( mit entsprechenden Abnähern), teils durch Besatz begrenzt oder durchgehends mit Soutache bestickt oder bekurbelt. Röcke sind fuß-, ja meist knöchelfrei.

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Die Tunika wird für Kostümröcke wenig getragen, ist hingegen in leicht geraffter oder drapierter Form für Kleider fast vorherr­schend. Noch oft werden Rock und Taille in eins gearbeitet, und auch die langtaillige Küraßform des vergangenen Winters be hauptet noch einen bescheidenen Platz, aber

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im allgemeinen tritt doch das aus Rock und Taille bestehende Kleid die Herrschaft an. Jedenfalls kann man sagen, daß bei der jetzigen Mode jede Dame etwas für sich besonders Passendes herausfinden kann. Die hauptsächlichste Modefarbe ist entschieden Schwarz- Weiß, und die Mode­häuser bringen einen derartigen Reichtum von schwarz- weiß gestreiften und karierten Stoffen, auch von Kostümen in diesen Farben, und ganz besonders von Kinder­kleidern, daß die Befürchtung nahe liegt, man werde bald dahin kommen, sie sich über" zu sehn. Sonst bringt die Mode in dieser Saison sehr lebhafte Farben, wie Kirschrot; Grün- changeant, Kaiserblau, man findet jedoch auch eine große Aus wahl weniger auffallender Farben. Ein schönes mattes Lila, ein feines dunkles Blau, Grün oder Braun sind immer ge­schmackvoll und auch modern.

Für die elegante Damenwelt, die nicht ängstlich zu rechnen braucht, gibt es für diesen Frühling und Sommer nur einen Stoff: Seide. Viel Seiden für Straßen­kleider! Nicht nur die allbeliebten Schan­tungseiden, sondern auch die weichen, fließenden Liberty- und Foulard- Seiden wird man nicht nur für Promenaden­kleider, sondern auch für Jackenkostüme sehr viel verarbeitet finden.

Zwischen Wolle und Seide stehen die halbseidenen Stoffe, die in erstaunlich großer Auswahl vorhanden sind. Neu ist ein glänzender Seiden- Zibeline, der rechts seidenglänzend und langhaarig ist, links aber etwa wie wollener Kaschmir aussteht. Dieses Material wird sowohl für Kleider wie für Jacken und Mäntel verwendet. Der Hauptschlager des Sommers aber Es gibt ihn scheint Crepon zu werden.

in Seide, in Halbseide, Wolle und Baum­wolle. Sehr modern sind auch Popeline und popeline- ähnliche Stoffe, Wollbatiste, Kaschmir und auch Cheviot. Wenn auch ungemusterte Stoffe bei weitem vorherrschen, so treten doch auch Streifen auf, die z. B. in Popeline- Geweben, Voilee und auch in der duftig zarten Marquise von vorzüg licher Wirkung sind. Bei einem sehr hübschen Popelinestoff ist die Farbenstellung des Streifens so gewählt, daß die an sich flache Musterung ganz erhaben wirkte. Für Reisekostüme und Sportgarderobe gibt es einen starkfädigen Cheviot mit kleinen Noppen, englische Stoffe mit farbigen Fadenkaros unt gleichfarbigen Noppen, sowie Rammgarngewebe, gestreift und matt kariert. Die diesjährigen Sommerhüte haben sehr verschiedenartige Form und Garnie­rung. Sie sind zum größten Teile sehr reich mit Blumen garniert, aber auch Spitzen und Federn werden viel getragen. Die große Toque- oder Topfform, die man im Winter schon so viel sah, wird auch im Sommer besonders viel getragen werden, nur wird sie jetzt mehr ins Gesicht gesetzt. Daneben behauptet der breitkrämpige, flache Schäferhut das Feld, der nicht nur sehr kleidsam ist, sondern das Gesicht auch wirklich vor den Sonnenstrahlen schützt. Hochmodern ist auch die Dreispitzform, die im Winter bereits getragen wurde, aber auch zum Sommer in kleiner sowie in großer E. D. Form viel gesehen werden wird.