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war vor einiger Zeit auf einem Bostamt als Postaushelfer beschäftigt. Zu seinen Obliegenheiten gehörte u. a. das Ausräumen der Briefkästen. Eines Tages wurde er von einem Postschaffner im Abstempelraum beobachtet, wie er bon den eingesammelten Briefen zwei Behnpfennig- und eine Fünfpfennigmarke ablöste und in seiner Tasche ver schwinden ließ. Der Beamte erstattete sofort Anzeige. Der Angeklagte gab die Unterschlagung offen zu und er­flärte, daß er sich von dem Erlöse der Marken habe Eß­waren kaufen wollen. Die Folge dieser Handlungsweise war die jetzige Anklage. Das Gericht erkannte dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf die niedrigste geseßlich zu­lässige Strafe von drei Monaten Gefängnis.

Eine bestialise Körperverletzung. Die Straffammer des Erfurter Landgerichts verurteilte den 16 Jahre alten landwirtschaftlichen Arbeiter Gutjahr aus Gebesee, der ei­nem Bäckergesellen im Verlaufe eines Streites die rechte Ohrmuschel glatt abgebissen hatte, wegen schwerer Körper­verlegung zu zwei Monaten Gefängnis. In Anbetracht der Jugend des Verurteilten wurde Strafaufschub ange­ordnet.

Vermischtes

Andrees Ballon aufgefunden? In Neuyork ist die Nachricht eingegangen, daß bei Reindeer Lake, 1500 Kilo­meter nördlich von Prince Albert in der Bathurst- Bai die Reste eines Ballons aufgefunden worden sind, die man für Bestandteile des Aerostaten hält, mit dem Andree and seine Gefährten im Jahre 1897 ihren Polarflug an­traten. Eskimos erzählen, es sei ein weißes Haus mit Stricken daran vom Himmel gefallen"; dret Personen hät­ten sich darin befunden. Man vermutet, daß die Insassen des Ballons von den Eskimos getötet worden sind, weil sie Wild schossen.

Ein Schülerselbstmord. Der 13jährige Schüler der 11. Gemeindeschule in Charlottenburg, Franz T., der Sohn eines Lokomotivführers, hat gestern seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Er hatte bei Beginn der Weihnachtsferien ein schlechtes Zeugnis erhalten, das er fich fürchtete, seinem Vater zur Unterschrift vorzulegen. Gestern begann die Schule wieder, und T. gab das Zeug­nis ohne Unterschrift des Vaters an den Lehrer zurück. Dieser sagte dem Jungen, daß sofort ein Brief an den Vater gesandt und dieser ersucht werden würde, in der Schule vorzusprechen. Kaum war der Unterricht zu Ende, so eilte der Knabe nach Hause, begab sich auf den Haus­boden und erhängte sich dort. Die Leiche wurde später gefunden. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos

Dr. Gooks Lächeln. Von dem bescheidenen Lächeln Cooks, durch das er sich alle Herzen zu gewinnen wußte, wird aus Kopenhagen eine amüsante Geschichte berichtet. Der erste, der an Cooks Nordpolentdeckung glaubte, war anscheinend dec dänische Gouverneur von Nord- Grönland, Kraul. Eines Morgens stürzten Eskimos in das Haus mit der Nachricht, daß ein weißer Mann aus dem Norden gekommen sei. Der Gouverneur eilte Cook entgegen und lud ihn zum Frühstück. Nach dem Essen erkundigte sich Kraul nach Cooks Reisen. Dr. Cook erwiderte kein Wort; aber er zog eine Polarkarte hervor, nahm einen Bleistift, zeichnete genau den angeblich zurückgelegten Weg auf und überreichte, immer schweigend, seinem Wirt die Karte. Der Gouverneur sah sie an und rief dann voll Ueberraschung: Dann sind Sie ja am Nordpol gewesen!" Dr. Cook blieb schweigsam; er nichte nur zustimmend mit dem Kopfe und auf seinen Lippen erschien jenes berühmte Lächeln, das eine seltsame Mischung von rührender Bescheidenheit und stillem Selbstbewußtsein war. Der Gouverneur gab nun tie sensationelle Nachricht an alle seine Beamten weiter. So fand Cook seine ersten Gläubigen, ohne es auch nur nötig zu haben, ein Wort auszusprechen.

Ein ingendlicher Einbrecher. Als das Dienstmädchen Runte in Dortmund abends nach Hause kam, überraschte fie in ihrem Zimmer einen Einbrecher. Beherzt wollte sie den Eindringling festhalten, stemmte sich gegen die Aus­gangstür, um ihn nicht fortzulassen und schrie laut umhilfe. Der Bursche feuerte nun aus allernächster Nähe einen Schuß auf das Mädchen ab, der nur dessen Kopf streifte. Mit Hilfe der herbeigeeilten Nachbarn gelang es ihlich­lich, den Burschen dingfest zu machen, und nun stellte die inzwischen benachrichtigte Polizet fest, daß man es mit einem sechzehnjährigen Kaufmannslehrling, Sohn einer achtbaren Familie, zu tun hatte. Bei ihm fand man außer dem Revolver noch viele Partonen und ein 45 Zentimeter langes, vierkantiges Stilet. Die anderen Ermittelungen ergaben, daß der junge Bursche bereits über dreißig Ein­brüche verübt hatte und in seiner Wohnung ein ganzes Lager von Waffen, Diebeswerkzeugen und gestohlenen Wa­ren aufgestapelt hatte.

Der Kaiser der Sahara als Bühnendichter. Herr Jac­ques Lebandy, Kaiser der Sahara von eigenen Gnaden, läßt nach langer Zeit wieder einmal von sich hören. Es ist erstaunlich, welchen eigenartigen Drang dieser junge Millionär, der doch das angenehmste Leben von der Welt führen könnte, in sich fühlt, seine Kräfte auf Gebieten zu betätigen, denen sie nicht gewachsen sind. Fast scheint es, als fei Herr Jacques Lebaudy seiner ganzen phantastischen Kaiserherrlichkeit endgültig überdrüssig geworden. Denn cus Paris verlautet jetzt, daß er ein Stück geschrieben hat, welches Das Herz der Sahara" heißt, und, dem Titel nach zu schließen, die afrikanischen Erlebnisse des Verfassers in Bühnenbildern am Auge der Beschauer vorüberziehen Tassen soll. Und ihre Memoiren pflegen Eroberer und Staatsmänner doch erst zu schreiben, wenn sie sich zur Ruhe Gesetzt haben! Herr Jacques Rebaudy beabsichtigt, ein Thea­ter in Paris für die Aufführungen seines Stückes zu mie­ten. Das ist sehr weise gedacht, denn so setzt er sich wenig­stens nicht der Gefahr einer Ablehnung aus. Eine andere Frage ist es, ob dadurch die Anziehungskraft des Herzens der Sahara" gesteigert werden wird. Denn die Pariser haben sich längst gewöhnt, den Kaiser der Sahara als einen Harmlosen, aber nicht hochgradig interessanten Sonderling it betrachten, den man am besten seinen unschädlichen Zaunen ungestört überläßt.

Aus philosophischen Gründen zum Brandstifter gewor= den. Daß jemand eine begangene Brandstiftung mit philo­sophischen Motiven erklärt, dürfte zu den Seltenheiten ge= hören. Ein solcher Fall hat sich in Böhmen ereignet. Vor der Polizei in Prag erschien der Student Pair von der philosophischen Fakultät der Universität Prag und forderte feine sofortige Verhaftung unter der Angabe, er habe meh­rere Strohschober in einem Dorfe in der Nachbarschaft an­gezündet. Die Nachforschungen ergaben, daß P. tatsächlich cinen Heuschober im Werte von etwa 400 Kronen ange­zündet hatte. Der Student gab noch an, er habe die Tat ous philosophischen Motiven begangen, auch sei nicht er, fendere eine andere Person, die er nicht nennen könne, da­für verantwortlich. Man behielt ihn in Haft, und er wird demnächst auf seinen Geisteszustand untersucht werden.

Die Freundin des Kaisers". In einer gebrechlichen Hütte des Pariser Vorortes Vincennes lebt seit einigen Jahren eine Greisin, die vor längerer Zeit einmal schön reich und mächtig war. Julia Mouton war in der Glanz­zeit Napoleons 3. ein Stern des kaiserlichen Zirkus. In Ihrem prächtigen Hotel verfehrten hohe Offiziere und Staatsmänner. Der Kaiser selbst wurde von ihrer Schön­heit geblendet und trat in Beziehungen zu Julia. Dann Famt das Alter und mit dem Alter die Armut. Von allem Glanz blieb im Laufe der Jahre nichts übrig als der Bei­name der Freundin des Kaisers", der wie ein Hohn klang, wenn ein Nachbar ihn aussprach und dabei auf die Barade mics, in der die einst vielumworbene Frau ihre letzten Rebensiahre verbrachte. Ihr Unterhalt wird durch eine

fleine Benson bestritten, die ein ehemaliger Vertrauter Napoleons, ein Adeliger mit bekanntem Namen, in Er­innerung vergangener Tage zahlt. Die einzigen Gefährten der Greifin waren zwei riesige Doggen. Sie begleiteten ihre Herrin auf allen Wegen und hielten treue Wacht an threm Bett. Als Julia vor einigen Tagen erfrankte, ließ der Bezirkskommissar, von den Nachbarn benachrichtigt, Polizisten in das Zimmer dringen, um die Leidende ins Spital zu bringen. Da sprangen die Hunde wütend auf die Beamten ein und rissen einen von ihnen in Stücke. Erst mit vieler Mühe konnten die zornigen Tiere, die letzten Ge­treuen der Freundin des Kaisers" von dem Krankenbett entfernt werden.

Das soziale Elend in England. Es ist hinlänglich bekannt, daß nirgendwo so wie in England neben uner­meßlichem Reichtum bitterste Armut, neben unendlichem Lurus die denkbar niedrigste Lebenshaltung zu finden ist. Biffernmäßige Nachweise hierüber werden aber selten kund= bar, deshalb dürften einige einschlägigen Zahlen interessie= ren. In Glasgow leben über 100 000 Personen in Woh­nungen von nur einem Zimmer, und ihre Sterblichkeit beträgt über 32 vom Tausend. Der Alkoholismus der Ar­betterbevölkerung ist entsetzlich. Frauen haben richtige Trinkklubs. In den östlichen Stadtteilen Londons sind 90 v. H. aller Schulkinder infolge körperlicher Schwäche nicht imstande, das Schulpensum zu bewältigen. 16 v. H. davon in London, 15-30 v. H. in Bezirken von Edinburg und Manchester find chronisch unterernährt. Das ist die Kehrseite des gewaltigen englischen Industrialismus!

Der Affe im Gerichtssaal. Vor dem Neuyorker Polizei­gericht hatte sich vor einigen Tagen eine Frau wegen der Beschuldigung der Kuppelet zu verantworten. Die Debatte nahm einen sehr erregten Verlauf, wobei es dem Anwalt der Beklagten passierte, daß er seine Klientin auf den Arm tippte. Plöblich erscholl ein markerschütternder Schrei und im selben Augenblick schoß aus dem Schal der Frau ein kleines dunkles Etwas hervor, schwang sich mit einem Satz und fürchterlichem Geschrei auf den Richtertisch und hüpfte von dort auf den Kopf eines Polizisten. Es war ein Affe, und nicht gerade ein liebenswürdiger Vertreter seines Ge­schlechts. Der Polizist, der sich von einem Gespenst attackiert glaubte, stürzte erschreckt zu Boden, und nun begann der Affe eine wilde Jagd durch den Gerichtssaal, bis er auf einem mit schönen Kirschen garnierten Hut einer Zeugin landete, von dem er mehrere Früchte abriß, um sie in aller Gemütsruhe vor dem Vorsitzenden des Gerichts zu zer­pflücken. Der Zuhörer hatte sich eine wahnsinnige Panik bemächtigt, die sich erst zu legen begann, als Joko von seiner Besitzerin wieder eingefangen war. Den Richtern aber hatte der Affe soviel Respekt eingeflößt, daß sie nicht umhin konn= ten, die Angeklagte freizusprechen.

Ein Vorschlag zur Güte. Eine Geschichte aus der Zeit, da er noch ein junger Arzt war, erzählt der berühmte französische Mediziner Dr. Chapellier, der vor kurzem mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet worden ist. Dr. Chapellier war befangen, wie jeder junge unerfahrene Arzt; in der großen Klinik, in der er arbeitete, hatte er eines Tages einen Patienten zu operieren, der offenbar ein Mann von seltenem Humor war und zudem gegen Schmer­zen eine außerordentliche Abhärtung an den Tag legte. Dem Kranken wurde an der Seite ein langer Schnitt bei­gebracht, den der junge Dr. Chapellier nach vollzogener Operation vernähen sollte. Die berühmte Autorität, die die Operation überwachte, war mit der Arbeit Chapelliers nicht einverstanden und der junge Arzt mußte die Arbeit ' wiederholen. Die Kritik des großen Professors, die An­wesenheit seines Chefs steigerten die Befangenheit des jun­gen Mediziners und als er nun die Wunde ordnungsmäßig vernäht hatte, fiel ihm zu seinem Entsetzen ein, daß er eine kleine

Vor seinem Chef Stefen manfen vergessen hatte.

einzugestehen, wagte

er nicht, aber sobald die Autorität das Operationszimmer verlassen hatte, öffnete er zum drittenmal die Wunde, hatte in einer Sekunde die Schere entfernt und begann nun zum drittenmale die Vernähung. Der Kranke war während all dieser Vorgänge bei vollem Bewußtsein gewesen und hatte alles beobachtet. Während Dr. Chapellier eifrig damit be= schäftigt war, die Vernähung nun endgültig zu Ende zu führen, wandte sich der leidtragende Dritte zu dem Arzte und meinte mit niederschmeternder Freundlichkeit: Sagen Ste doch, Herr Doktor, warum nähen Sie mir denn nun die Wunde wieder zusammen? Glauben Sie nicht, daß es so= wohl für Sie wie für mich besser wäre, wenn Sie gleich Knöpfe zum Aufknöpfen annähen würden?".

Der Pantoffelheld in Frauenkleidern. Eine verdäch= tige Frauensperson wurde gestern in Peth bei Kottbus ver­haftet; die Unbekannte gab bei ihrer Vernehmung an, sich in den letzten Wochen in Kottbus ihren Lebensunterhalt durch Austragen von Backware verdient zu haben. Aus allerlei Anzeichen wurde geschlossen, daß man es mit einem Manne zu tun habe; bei näherer Untersuchung bestätigte sich diese Vermutung. Der Verhaftete legitimierte sich als ein Bäckermeister aus Grünberg in Schlesien und erklärte, daß er schon seit November v. J. sich der Frauentracht be­dient habe und im Lande umherziehe, um von seiner Frau nicht ermittelt zu werden; diese habe ihn durch schlechte Behandlung zur Flucht getrieben. Die sofort in Grünberg angestellten Ermittlungen ergaben die Richtigkeit der An­gaben des Mannes; es liegt gegen ihn absolut nichts Straf­bares vor, so daß er wieder aus der Haft entlassen werden fonnte.

Der Rattenfänger von London. John Jarvis aus Cam­berwell, der englische Nachfahr des Rattenfängers von Ha= meln, ist jetzt zu amtlichen Würden aufgestiegen: mit einem Jahresgehalt von 1000 M hat der Londoner Grafschaftsrat ihn soeben offiziell als Rattenfänger angestellt. John Jar­vis betreibt sein wunderliches Gewerbe weniger als Beruf, als aus ererbter Leidenschaft, denn seit 100 Jahren haben alle Mitglieder seiner Familie ihr Leben der Rattenjagd gewidmet. Er hat jetzt, im Vollgefühl seiner weidmänni­schen Tüchtigkeit, eine Herausforderung an alle englischen Rattenfänger gerichte und sich verpflichtet, gemeinsam mit seinem Onkel, ohne Hunde und ohne Fallen, in drei Nächten 1000 Ratten zu fangen. Es gibt viele Rattenfänger bei uns", so erzählte er einem Besucher, aber nur wenige ver­stehen es, Ratten lebendig zu fangen. Tote Ratten find wert­Ics, aber für lebendige bekomme ich gleich von 3 bis zu 8 M für das Dußend. Wie ich es anstelle, die Ratten lebendig zu fangen, das ist mein Geheimnis, das sich seit 1803 in un­serer Familie fortgeerbt hat und das treulich bewahrt wird. Ich kann es natürlich nicht verraten, aber andeuten will ich Ihnen doch, daß ich ein Mittel besitze, das auf die Ratten etwa so wirkt, wie Chloroform auf den Menschen. Chloro­form selbst ist übrigens für meine Zwecke unbrauchbar. Die Ratten wollen nichts davon wissen. Der Köder, mit dem ich arbeite, hat eine so große Anziehungskraft auf die Ratten, daß selbst schlafende Ratten erwachen Wenige Augenbilde, nachdem ich meinen Köder ausgelegt habe, schwärmen von allen Seiten die Ratten herbei. Ein Biß, ein winziges Stückchen genügt, um sie zu betäuben, und ich habe später weiter nichts zu tun, als ihre Nasen ins Wasser zu stecken, um sie wieder ins Leben zurückzurufen. Wenn ich nachis mit meiner Kellerlaterne die unterirdischen Gänge dahin­schreite, so folgen mir die Ratten in Scharen. Meine ganze Arbeit besteht darin, sie aufzuheben und in den Behälter zu tun. Sie selbst bahnen sich dann den Weg zu dem Sack, den ich auf der Wanderung auf dem Rücken trage. Hui! wie sie dann miteinander kämpfen! Oft dachte ich, 100 Ratten zu ha= ben, aber dann fand ich zu Hause, daß die Hälfte von den anderen getötet worden war. Sie fämpfen übrigens nicht nur miteinander; erst kürzlich, als ich in den Kellergewölben eines großen Hotels Jagd machte, überfiel ein Schwarm Ratten meinen Hund. Ich konnte ihn nicht retten: er wurde

getötet. Es war einer der beffen Hunde, die ich je besaß. Einmal, als ich in den unterirdischen Gängen des alten Gaiety- Theaters Ratten fagte, fiel mich eine große Ratte an, biß sich in meinem Arme fest und verursachte mir mins destens fünf Minuten lang die größte Pein, ehe ich sie los­Lösen konnte. Ich wog sie dann, ihr Gewicht war beinahe zwei Pfund." John Jarvis hat durch seinen Beruf" ein ansehnliches Einkommen, denn von einer Reihe großer Hauseigentümer bezieht er ein festes Gehalt für die Ver­pflichtung, von Zeit zu Zeit bei ihnen Rattenjagden abzu­halten.

Noch fast nen. Die Nordd. Allg. 3tg." bringt in einer ihrer letzten Nummern folgende nicht alltägliche Annonce: Eine gut erhaltene Staatsministeruniform mit vollstän­digen Zubehörteilen zu verkaufen. Offerten unter O. T. 5079 an Haasenstein u. Vogler, A.-G., Berlin W. 8." Auch Ministerkleider haben ihre Schicksale.

Die Residenz eines Dollarfürsten.

Nach siebenjähriger Bauzeit ist jetzt der Prachtpalast fertig geworden den sich der frühere amerikanische Senator W. A. Clark mit einem Kostenaufwand von rund 30 Mil­lionen Mart in der Neuvorker Milliardärstraße hat er­bauen lassen. Der Mann fann sich solchen Lurus gut und gern leisten. Bezieht er doch als Besizer mehrerer der reichsten Minen des Westens ein Jahreseinkommen von 50 Millionen Mark. Das prunkvolle Clarksche Residenzschloß, das sein glücklicher Eigentümer mit seiner Familie nach Aufgabe seines Pariser Hotels zu beziehen gedenkt, darf als das vornehmste Heim gelten, das ein Privatmann in den Vereinigten Staaten bisher sein eigen nennt. In seinen sieben Stockwerken enthält es 121 Räume einschließ lich 30 Badezimmern, eines türkischen Bades, eines Schwimmbassins, Gemäldegalerie, Skulpturenhalle, Thea ter, Ballsaal, Musiksaal und Gewächshäusern. Die Ge mäldegalerie zählt einen Bestand an Bildern im Werte von acht Millionen Mark, und auf vier Millionen ist der Wert der Gobelins und Teppiche zu schäßen, die in den Räumen Platz gefunden. Ein eigenartiges Gepräge gibt dem Monu­mentalbau die überreiche Verwendung von Bronzen als Außenarchitektur dekorativer Schmuck der Innen- und Prachtvolle Tapeten und schimmernde Marmorverkleidungen leihen den Vestibulen, Treppenhäusern und Dielen den Ton vornehmer Behaglichkeit. Die Möbelausstattung ist durch­gehends im französischen Geschmack gehalten. Der Stil Ludwigs XIV., XV. und XVI. wechselt mit dem des Empire. Seit Jahren schon reist ein Stab von kompetenten Sach­kennern in Frankreich herum, um Originalstücke auszuspä ren und im Auftrage des amerikanischen Schloßherrn an­zukaufen. So wurde das gesamte Empiremobiliar cines alten französischen Herrschaftssiges von Frankreich über den Ozean transportiert und in mehreren Prunkräumen des Neuhorker Schlosses aufgestellt. Sein besonderes Kenn­zeichen erhält die Residenz des Dollarfürsten in dem hoch­ragenden Schloßturm aus massivem Granit, der sich 163 Fuß hoch über das Trottoir erhebt, und den eine offene Loggia krönt, von der man einen weitreichenden Ausblick auf das bunte Leben und Treiben im Hafen Neuhorts ge­nießt. Just wie bei den Fürstenschlössern der alten Welt wird auch hier wöchentlich zweimal dem Publikum Zutritt zu dem Schloß des amerikanischen Krösus zu dem löblichen 3wed gewährt, die Kunstsammlungen der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen.

Drabtnachrichten und Deaestes.

Ehrung Kaiser Wilhelms in Wien.

0 Wien, 6. Januar. Die Bezirksvertretung des Wie­dener Stadtbezirks hat einstimmig beschlossen, die Alten­gaffe, durch welche das deutsche Kaiserpaar am 15. Mai v. J. seinen feierlichen Einzug hielt, Kaiser Wilhelmstraße zu benennen.

Huldigungen für Kaiser Franz Josef.

Wien, 6. Januar. Anläßlich des 80. Geburtstages Kai­ser Franz Josefs plant die Gemeinde Wien große Festlich­Feiten. Es soll eine Denkmünze geprägt und eine Huldi­gungsdeputation des Gemeinderates nach Jicht zum Kaiser entsandt werden.

Die chinesische Studienkommission. Berlin, 6. Januar. Die chinesische Marine- Studien­kommission, die, wie bereits gemeldet, gestern vom Kaiser empfangen wurde, ist heute morgen nach Stettin abgereift, um die dortigen Werftanlagen zu besichtigen.

Der Polarforscher Shakleton in Berlin. Berlin, 6. Januar. Heute früh traf der Südpolarfor= scher Ernst Shakleton mit seiner Gattin hier ein. Abends wird er in der Gesellschaft für Erdkunde sprechen. Mittags wird ihm zu Ehren ein Diner gegeben, an dem auch hervor­ragende Kolonialpolitiker teilnehmen werden.

Tod eines ehemaligen Barlamentariers. Erlangen, 6. Januar. Auf Schloß Neuenburg bei Er­langen ist gestern der ehemalige Reichstagsabgeordnete Freiherr von Gagern im Alter von 69 Jahren gestorben. Zwischenfall bei der Beerdigung des Großfürsten Michael.

Petersburg, 6. Januar. Vorgestern bei der Ueberfüh­rung der Leiche des Großfürsten Michael fommandierte der Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch einen Teil der Truppen. Ein aus der Provinz zugereifter Offizier stand zufällig in der Nähe des Großfürsten, wobei diesem seine nicht streng vorschriftsmäßige Haltung aufficl. Als der Offizier die Hand an die Mühe legte, um zu grüßen, schlug der Groß­fürst ihm mit dem Säbel auf die Hand und verletzte ihn schwer. Die Angelegenheit wird vertuscht.

Eine neue Flugmaschine.

Köln, 6. Januar. Ein bei der Eisenbahn- Aktien­gesellschaft Lennep beschäftigter Schloffer hat eine Flugma­schine konstruiert, bei der angeblich die Flugflächen in die verschiedensten Stellungen gebracht werden können, sodaß ein rasches Aufsteigen zu beliebiger Höhe und rasches Lan= den selbst bei ungünstigem Gelände möglich wird.

Liebesdrama.

Berlin, 6. Januar. Im Hause Langestraße 54 erschoß gestern der 22jährige faufmännische Angestellte Louis Dolte feine zwei Jahre jüngere Geliebte, die Kontoristin Frieda Thurow und richtete dann die Waffe gegen sich selbst. Töd­lich verletzt wurde er der Charitee zugeführt, wo er starb. Unglückliche Liebe ist das Motiv der Tat.

Sturmverheerungen.

Riga, 6. Januar. Infolge des seit gestern ununter­brochen herrschenden Sturmes ist der Straßenbahn- und Dampferverkehr eingestellt. Die Düna ist um fünf Fuß über Normal gestiegen. Die Eisenbahnen kommen mit gro ßen Verspätungen an; in der Stadt sind mehrere Dächer fortgerissen worden, wobei zwei Personen getötet wurden. Große Holzvorräte sind fortgeschwemmt worden. Gattenmord.

Dudweiler, 6. Januar. Gestern wurde die Frau des Schloffers Schlucht mit eingeschlagenem Schädel im Bett tot aufgefunden. Der Tat verdächtig ist der flüchtige Ehemann. Mord auf offener Straße.

Essen, 6. Januar. In Herves lauterte der Arbeiter Thiel dem Bauunternehmer Lünig auf und tötete ihn durch Mes­fcritiche. Ter Mörder marde verhaftet.

Beim Schlittenfahren verunglückt. Bern, 6. Januar. Zwischen Davos und Klosters verun­glückte beim Schlittenrennen die deutsche Schlittenfenferin Frau Dr. Eppenheim. Beim Anprall gegen eine Teles graphenstange verlor sie das Gleichgewicht und erlitt ei nen Beinbruch und andere ernste Verlegungen