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Eine Schilderung des modernen Krieges. Wertpapiere getragen wird, als eine Minderung der Ein­stent stay, wenn sie, wie vorliegend, von den Inhabern der nahmen an Zinsen dar. Es wird sich deshalb empfehlen, die Steuer von der Zinseneinnahme zu kürzen und dem­entsprechend nur die um den Betrag der Talonsteuer ver­minderten Zinsen auf die Umlagen anzurechnen."

Nach zweijähriger Abwesenheit in Japan ist der fran­zösische Hauptmann Duval wieder in seinem Heimatland eingetroffen; im Auftrag der französischen Regierung und mit Genehmigung des Mikado hat er zwei Jahre lang im japanischen Heere Offiziersdienst verrichtet, um die innere Organisation und das Wesen jener Armee zu studieren, die auf den Schlachtfeldern in der Mandschurei blutige Lor­beeren und die Bewunderung Europas errungen hat. Hauptmann Duval, der ein Jahr lang in Kioto und ein Jahr in Nagoya in Garnison stand, hat von einem japani­schen Offizier eine Schilderung des modernen Krieges er­halten: Auf dem modernen Schlachtfeld gibt es ein furcht­bares Gefühl, das Gefühl völliger Einsamkeit. Der Tod überfällt einen, ohne daß man ihn sieht. Ein einziges Mal im ganzen Kriege haben wir die Kanonen des Gegners ge= sehen: das war in der ersten Schlacht. Von da ab töteten wir, ohne zu wissen, ob und wen wir trafen, und wir fie­len, ohne zu wissen, von wo die Kugel fam. Wehe dem, der fich in der Schlacht auf einer anscheinend leeren Ebene sehen läßt: auf der Stelle rafft ihn ein Feuerregen hinweg. Alles, was man heute im Kriege sehen kann, ist des Todes. Aber man kämpft mit dem Unsichtbaren, man kämpft mit Schatten. So furchtbar ist die Nervenfpannung in diesem Zweikampf, daß man sich nie daran gewöhnt; in der letzten Schlacht ist man weniger kriegsgewohnt als in der ersten." Auf die Frage, welchen militärischen Eigenschaften in erster Linie der kriegerische Erfolg Japans zuzuschreiben set, ant­worteten die japanischen Offiziere: Unserer Geduld, der Ausdauer. Der Mann, der heute im Kriege 16 Stunden aushalten kann, steht über dem, der nur 14 erträgt. Und wir können lange ausdauern. Unsere Soldaten müssen ganze Tage in einem Schüßengraben zubringen, in glühen­der Hize, bei verzehrendem Durst. Sie können eine Woche lang im feindlichen Feuer liegen und am Tage nur um sechzig Meter sich vorwärts arbeiten. Man hat viel von dem japanischen Zorn gesprochen und von unseren wilden Attacken. Gewiß, wir haben fast alle unsere Schlachten mit dem Bajonett zu Ende gebracht, aber gewonnen haben wir fie durch die Ausdauer in all dem, was diesem kurzen Au­genblick voranging, gewonnen haben wir sie durch die Ge­duld, mit der wir ausharrten bis zur Stunde des letzten Angriffs. Sich beim Angriff töten zu lassen, ist nichts. Im Schüßengraben ausharren zu können, das ist alles." Diese Ausdauer, diese Langsamkeit im Angriffe ist unver­lebliche Regel der japanischen Kriegskunst geworden. Die Jetzte Phase der großen japanischen Manöver währt meist fünf bis sechs Tage; aber meist verstreichen drei Tage, bis die Gegner endgültig Fühlung nehmen. Es geht nichts über die Vorsicht," so urteilt Hauptmann Duval, mit der ein japanischer Oberst sein Regiment auf dem Marsche führt. Sobald er dem Gegner näher kommt, ist seine größte Fürsorge die Anlage von Deckungen und Befestigungen. Die Schüßengräben, die bei den Manövern ausgehoben werden, die Befestigungen, die man errichtet, entsprechen genau dem, was der Ernstfall fordern könnte."

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Kaiser bei den Oberpräsidenten. Die schon ange= fündigte Konferenz der preußischen Oberpräsidenten hat gestern unter dem Vorsitz des Ministers des Innern statt­gefunden. An dem Festmahl, das der Minister anläßlich der Konferenz abends gab, nahm auch der Kaiser teil.

Zu den Arbeitsdispositionen des Reichstags für die nächste Zeit meldet eine Berliner parlamentarische Korre­spondenz: Nach Absolvierung der ersten Lesungen der Strafprozeßordnung, der Novelle zum Strafgesetzbuch und dem Reichsbeamtenhaftpflichtgesetz und nach den Bespre= chungen der vorliegenden, noch unerledigten Interpellatio­nen wird beabsichtigt, um die Mitte des Monats Januar in die zweite Etatslesung einzutreten. Es ist die feste Ab­sicht der Parteien, trotz des frühen Osterfestes die Etats­beratungen bis Mitte März zu beenden. Im Januar sollen ferner noch nach Erledigung der Kommissionsvorberatung der deutsch- portugiesische Handelsvertrag und der Kolonial­nachtragsetat mit den Forderungen für den Ausbau des Kolonialeisenbahnneßes im Plenum zur Verabschiedung gelangen. Als wünschenswert betrachtet man außerdem die Einschaltung eines Schwerinstages, um sich über die Frage der Veteranenbeihilfen, die bekanntlich wegen des Fehlens von Deckungsmitteln noch immer nicht gelöst ist, schlüssig zu machen.

Der Entwurf einer Fernsprechgebührenordnung, der bekanntlich statt der Pauschalgebühren Gesprächsgebühren vorschlägt, wird nach einer Korrespondenameldung bei der 2. Lesung des Postetats zur Debatte gestellt werden. Sollte die Verabschiedung der Vorlage auf Schwierigkeiten stoßen, so ist es nach derselben Quelle nicht ausgeschlossen, daß das Reichspostamt die Pauschalgebühren für die großen Städte provisorisch erhöht.

Berechnung der Taloustener. Ueber die rechnungs­mäßige Behandlung der Talonsteuer, die eine Berufsge­nossenschaft von den Zinsbogen der zum Reservefonds ge­hörenden Wertpapiere zu zahlen hat, hat das Reichsver­sicherungsamt folgenden Bescheid erteilt: Die Talonsteuer

Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M. Kossat.

Nachdruck verboten.

Wie falt sein Kuß war!" dachte das Mädchen, indes ihr die Tränen in die Augen traten.

Ach, wie sie ihn liebte, den hübschen Deutsch- Italica ner, dessen Braut sie sich nannte! Wie sie ihn liebte! Und er-

,, Er wird, er muß mich ebenso lieben!" sagte sie sich. ,, Wenn ich nur erst seine Frau bin, wird er iene andere bergessen. Wären der Graf und sie nur erst verheiratet und wir weit fort von ihnen."

2. Kapitel.

Ebenfalls am ,, Graben", nicht weit von den Kaiser­Hallen" entfernt, lag ein großes Haus, über dessen Fassade in großen, weithin sichtbaren Buchstaben die Worte ,, Wil­son- Scool" zu lesen waren. Dort im zweiten Stock bc= fand sich eine Sprachschule, in der Erwachsenen nach einer besonderen Methode Unterricht in so ziemlich allen lebenden Sprachen erteilt wurde. Ausschließlich eingeborene Lehrer desjenigen Landes, dessen Mundart man erlernen wollte, gaben ihn.

Es war um die elfte Vormittagsstunde und in den Räumen des Lokals herrschte ein lebhaftes Getriebe. In dem Büro, in das man durch den großen Vorsaal trat, faßen an einem riesigen Tisch drei Damen, die Gattin des Inspektors, eine noch jugendliche Frau und geborene Französin, welche zwei junge Mädchen, die als Schreibe­rinnen engagiert waren, Anweisungen erteilte, indes der Inspektor selbst die Honneurs des Instituts machte und neue Schüleranmeldungen entgegennahm. Rechts vont Büro befand sich ein großer, elegant möblierter Saal, in dem die Schüler und Schülerinnen des Glockenschlages harr­ten, in dem die Lektion beginnen sollte.

Unter ihnen saß eine elegante Dame von etwa zwei­oder dreiunddreißig Jahren, deren Aeußeres die Künst­Terin verriet. Sie war mittelgroß, ziemlich voll, aber nicht üppig, vielmehr hatten die Formen etwas Knaben=

Gegen den Losennfug. Nach der Franks. 3tg." beab­sichtigt die preußische Regierung jeßt, gegen den Loseun­fug und die Uebervorteilung des Publikums beim Handel mit Prämien- und Serienlosen vorzugehen. Ein Gesetz­entwurf, welcher anscheinend unter Mitwirkung der preu­Bischen Lotteriedirektion ausgearbeitet wurde, liegt bereits vor. Es wird beabsichtigt, den Entwurf dem Landtage schon bald vorzulegen, damit das Gesetz bereits am 1. April d. Js. in Kraft treten kann.

Die Liberalen in Bayern. Der Ausschuß der national­liberalen Landespartet in Bayern hat beschlossen, auf sei­ner Forderung, daß ihm für das künftige Verhalten der Jungliberalen Garantien gegeben würden, bestehen zu bleiben. Im entgegengesetzten Falle würde sie aus dem bayerischen liberalen Block ausscheiden. Damit ist der Verfall des bayerischen liberalen Blocks in seiner bishe= rigen Zusammensetzung besiegelt, da die Jungliberalen einem solchen Antrag, wie die bisherigen Verhandlungen mit Bestimmtheit ergeben haben, niemals zustimmen wer= den; der Antrag aber, wenn er nicht einstimmig im 3en= tralausschuß der vereinigten Liberalen Annahme findet, für gefallen zu gelten hat.

Der sozialdemokratische Preußentag, der am Mittwoch feine Beratungen schloß, beschäftigte sich u. a. mit der Ver= waltung Preußens. Die hier geforderte Reform umfaßt folgendes: Trennung von Kirche und Staat. Auf Grund­Tage der kommunalen Selbstverwaltung sollen die Kreise und Provinzen als Selbstverwaltungskörper ausgebaut, in jeder Provinz und in jedem Kreise Deputationen für So­zialpolitik und Bildungswesen sowie Gesundheitsämter er­richtet werden. Die Wahlen zu den Kreis- und Provinzial­Landtagen finden auf Grund des demokratischen Wahlrechts und an einem Wochentag statt, der als geseßlicher Feiertag zu gelten hat, so daß an ihm Gehalt und Lohn voll weiter zu zahlen sind.(!) Das Referat hatte der Abgeordnete Liebknecht.

Die ungarische Ministerkrisis dürfte bald von neuem aufleben. Der neue Ministerpräsident Lucacs betrachtet seine Amtsführung selber nur als ein Provisorium, da er bei keiner der maßgebenden Parteien rechten Anklang und Anhang findet. Er will sich daher am kommenden Dienstag vom Reichstage nur das Budget auf zwei Monate bewilli­gen lassen und dann versuchen, die Last der Ministerwürde auf geeignetere Schultern abzuwälzen.

Eine Kundgebung des englischen Flottenvereins. Ans Anlaß der Wahlen veröffentlicht der britische Flottenver­ein eine Kundgebung, in der erklärt wird, die britische Vorherrschaft zur See werde von der größten militärischen Macht des Kontinents bedroht, die im Begriffe sei, eine un­geheure Kriegsflotte zu bauen. England müsse für jedes deutsche Kriegsschiff seinerseits zwei Kriegsschiffe auf Sta­pel legen. Es sei dem englischen Volke dringend ans Herz zu legen, bei den kommenden Wahlen einzig für die Auf­rechterhaltung einer unangreifbaren Vormacht der engli­schen Flotte seine Stimme abzugeben.

Kleine Nachrichten.

Ein Opfer der Wissenschaft. Dieser Tage verschied in Stettin im 46. Jahre der Spezialarzt für orthopädische Chirurgie Dr. Opiß. Er ist dem sogenannten Röntgen­frebs" erlegen. Dr. Opitz wandte sich als einer der ersten Aerzte dem Studium der Röntgenstrahlen zu, als ihre ge­webezerstörende Wirkung noch nicht bekannt war.

Originelle Flucht eines Untersuchungsgefangenen. Ein Untersuchungsgefangener namens Kraemer entfloh gestern vormittag aus dem Gerichtsgebäude in Trier auf originelle Art. Der Gerichtsdiener geleitete ihn ins Dienstzimmer, wo er auf den Aufruf warten sollte. Kraemer machte in der Türe Kehrt, schloß die Türe hinter seinem Beschließer zu und verließ unbehelligt das belebte Gerichtsgebäude. Als der Gerichtsdiener sich bemerkbar machen konnte, war Krae­mer längst in Sicherheit.

Russische Unterschleife. Auf dem Güterbahnhofe der Nikolaibahn sind neue kolossale Unterschleife entdeckt wor­den, namentlich Fleisch und Korn. Auch lebende Ochsen waren von den Dieben nicht verschont. Zur Entwendung des Kornes benutzte man besonders präparierte Behälter, in die das Korn aus den aufgeschnittenen Säcken abfloß. Auch in Kiew droht ein neuer Skandal. Auf der dortigen Intendantur fehlen 90 000 Rubel.

Unterschleife bei einer Krankenkasse. Bei der Kranken­kasse des Bochumer Gußstahlvereins wurden Unterschleife entdeckt. Der schuldige Rendant Manger, der die Kranken­tasse seit 20 Jahren verwaltet, ist seines Dienstes enthoben worden.

15 000 Mark gestohlen. In der vergangenen Nacht dran­gen Diebe in das technische Bureau von Vogeler in der Raabestraße in Berlin ein und erbrachen den Geldschrank. Sie raubten 15 000 Mark in Wertpapieren und eine kleinere Summe Bargeld.

Bier Gefangene entwichen. Aus der Korrektionsanstalt in Neumünster sind vier vom Stolper Landgericht dorthin überwiesene berüchtigte Gefangene, der Töpfer Knop. Schuh­

haftes, was noch durch jene Art der Kleidung erhöht werde, die man sezessionistisch zu nennen pflegt. Die losen, leicht schleppenden Gewänder, der riesige Federhut auf dem furz geschnittenen, lockig gebräunten Haar, die fein abgestimmten Farben der Toilette und nicht zum mindesten die unbefangene Sicherheit ihres Wesens waren samt und sonders so überaus charakteristisch für jene Art bildender Künstlerinnen, die man in den Malerkreisen großer Städte in Massen anzutreffen pflegt und die sich bereits Namen und Geld genug erworben haben, um nach außen hin mit Geschmack ihren künstlerischen Liebhabereien Ausdruck ge­ben zu können.

Als die Glocke elf schlug, trat der Inspektor in den Saal und bat die Dame, ihm zu folgen. Beide schritten durch das Büro in ein wahres Labyrinth von Gängen und Zimmern oder richtiger Zellen, die mittels bretternen Wän­den aus größeren Räumen abgeschlagen waren. In jedem Abteil standen ein Tisch und ein paar Stühle, sonst nichts. An der Wand hing eine große Tafel, vor der ein Stück Kreide lag. In eine dieser Zellen führte der Inspektor die Dame und verließ sie dann ohne ein weiteres Wort.

Die Dame aber fand sich einem jungen Herrn vom südlichen Typus gegenüber, ihrem italienischen Lehrer, bei dem sie heute die erste Unterrichtsstunde nehmen sollte. Daß Lehrer und Schülerinnen einander vorgestellt wurden, war in der Wilson- Scool nicht üblich. Dann setzten beide sich an den Tisch einander gegenüber und der Unter­richt begann.

Der Lehrer fragte die Dame in italienischer Sprache, ob sie bereits etwas italienisch verstehe, worauf sie ihm ziemlich geläufig erwiderte, daß sie vordem schon in Stutt­gart einige Lektionen in seinem heimischen Idiom er­halten habe, und zwar ebenfalls in einer Wilson- Scool. Darauf unterhielten sich beide über allerhand gleichgültige Dinge, da es dem Italiener vor allem darauf anfam, zu erfahren, wie weit seine neue Schülerin seine Sprache be­herrschte. Er selbst sprach sehr wenig Deutsch, ia, es war ihm kaum möglich, auch nur die einfachste Sache darin zu sagen. Bald wurde das Gespräch lebhafter, Lehrer und Schülerin fanden offenbar Gefallen aneinander und na­mentlich die Dame fühlte sich von dem hübschen. eleganten

macher Popp, Sattler Wendt und Zigarrenmacher Zofffe geflohen. Es ist bisher noch nicht gelungen, threr habhaft zu werden, obwohl die Verfolgung mit großer Energie ein­geleitet wurde.

Unter Bergiftungserscheinungen erkrankte in Oppeln nach dem Genuß von Mohnklößen die ganze aus sieben Personen bestehende Familie eines städtischen Arbeiters schwer.

Sprung aus dem Fenster. Die wegen eines Herzlei­dens in einem Sanatorium in Graz weilende Gutsbesitze= rin Czermak stürzte sich in einem unbewachten Augenblick aus dem Fenster ihres im zweiten Stock befindlichen Zim­mers auf die Straße und verletzte sich derart schwer, daß der Tod sofort eintrat.

Vorsichtig mit Fener umgehen! In Mülfort( Rhein­land) verbrannte das 8jährige Töchterchen einer Arbeiter­familie beim Spielen mit Streichhölzern, in der dicht da= neben gelegenen Gemeinde Kleinenbraich verbrannte eine 22jährige Dienstmagd im Stalle, als beim Anzünden einer Laterne das Stroh in Brand geriet.

Liebestragödie. In einem Düsseldorfer Hotel wurden der 25jährige Bankbeamte Ferdinand Roettaer aus Mann­heim und dessen Geliebte Paula Schweickhardt erschossen aufgefunden. Es liegt Selbstmord vor. Ein hinterlassener Brief gibt als Grund Lebensüberdruß an.

Volkswirtschaftliches.

Die Firma Krupp und ihre Arbeiter. Im Geschäfts­fahr 1908/09 hat die Firma Krupp für ihre Arbeiter, ohne dazu gesetzlich verpflichtet zu sein, und ohne die 3 954 278 Mark für Arbeiterversicherung. 6 884 288 M gegen 6 532 099 Mark im Jahre vorher aufgewendet. Diese gewaltige Summe setzt sich folgendermaßen zusammen: Wohlfahrts­ausgaben 5 284 288 M, Zuweisung an den Beamtenpensions= fonds 1 Million M, außerordentliche Zuwendung an die Arbeiterstiftung 600 000 M. Die van den Angehörigen der Kruppwerke bei der Firma eingezahlten Depots haben die Höhe von 33 811 164 M erreicht, ein greifbarer Beweis da= für, daß die Angestellten mit den gezahlten Löhnen nicht nur auskommen, sondern auch sparen können. Da sich im Jahre 1908/09 die Spareinlagen gegen das Vorjahr um 5,77 Millionen M vermehrt haben, so folgt daraus, daß das schlechte Jahr auf die Sparkraft der Arbeiter der Krupp­werke nicht nur nicht ungünstig, sondern sogar günstig ein= gewirkt hat, obwohl der Gewinn der Firma um 1426 789 Mark gegen den des Vorjahres zurückgegangen ist.

Wissenschaft, Kunst und Citeratur.

Sudermann beim Kaiser. Der Kaiser, der vor ei­nigen Tagen einer Aufführung der Strandkinder" von Sudermann im Königlichen Schauspielhause beiwohnte, hat, so schreibt die ,, Voss. 3tg.", an dem Werke und der Auf­führung ein so starkes Interesse genommen, daß er seinen Besuch gestern in Begleitung der Kaiserin wiederholt und den anwesenden Dichter zu sich in die Loge beschieden und sich eingehend mit ihm über das Stück, dessen Stoff und dramatische Behandlung ihm besonders sympatisch sei, un­terhalten hat. Der Kaiser nahm Gelegenheit, sich ausführ= lich mit Sudermann über den Charakter der modernen dra­matischen Dichtung und über die Ziele, denen sie zuzustreben habe, auszusprechen. Er begrüßte es als besonders aner­fennenswert, daß die Dichtung sich der Geschichte unseres Landes zuwende, in unserem Volke den nationalen Sinn durch die Bilder aus der großen Vergangenheit stärke und zum Stile des großen Dramas zurückkehre.

Ein dritter Neandertalmensch. Nachdem das Jahi 1908 unsere Kenntnis von den ältesten Diluvialbewohnern Europas durch die Funde der beiden Skelettreste und Schä def von Monstier und Chapelle- aur- Saints auf das glück­lichste bereichert hat, kommt, wiederum aus Südfrankreich, die Kunde von der Entdeckung eines neuen Urmenschen, dessen Skelett, fast vollständig und mit größter Sorgfalt geborgen, ein Dokument ersten Ranges zu werden ver­spricht. Es stammt aus Ferrassie, unweit Bugne in der Dordogne, wo es unter einem ehemals als Höhlenwoh­nung dienenden Felsdach lagerte. Hier befand es sich, um­geben von zahlreichen Tiergebeinen, ganz in ungestörter Lage, völlig erhalten bis auf die Knochen des rechten Fußes und der rechten Hand, die vermutlich schon von einem Tiere verschleppt sind, bevor die Bedeckung des Leichnams erfolgt war. Es handelt sich auch hier, wie in den beiden oben genannten Fällen, um ein förmliches Be­gräbnis, wie sich aus der sorgfältigen Lagerung ergibt. Jedoch war kein Grab angelegt, sondern die Leiche wurde im Schuß des Felsdaches niedergelegt und dann wahrschein­lich mit Erde und anderem Material überschüttet. Küchen­überreste und andere Abfälle bildeten in der auch weiterhin bewohnten Grotte eine regelmäßige Schicht von mehr als 3 Meter Dicke, die das Skelett bis auf unsere Zeit ge­schützt hat.

Aus den Gerichtssalen.

um 25 Bfg. ins Gefängnis. Wegen Unterschlugung im Amte hatte sich gestern der frühere Postaushelfer, jezige Artist Albert Lehmann vor der zweiten Straffammer des Berliner Landgerichts zu verantworten. Der Angeklagte

jungen Mann mit dem südlichen blaßbräunlichen, schmalen Gesicht stark angezogen. Seine anmutigen Bewegungen und sein ganzes Aeußere gefielen ihrem Malerauge. Im Verlaufe nannten sie sich gegenseitig ihre Namen und er= zählten einander, woher sie waren und was sie trieben. Sie war eine Frau Hardegg, welche sich in der Voraussicht eines längeren Aufenthaltes in Italien in der Sprache dieses Landes zu vervollkommnen wünschte, und er hieß Lanzani, stammte aus Neapel und war seit acht Wochen Lehrer an der hiesigen Wilson Scool. Im verflossenen Winter hatte er die nämliche Stellung in Berlin be­kleidet.

Wo habe ich dies Gesicht nur schon gesehen?" dachte Baula Hardegg, indes sie ihr Gegenüber interessiert be­trachtete. Sie grübeste und ging im Geist alle Bekannt­schaften durch, die sie in letzter Zeit gemacht, doch war ein Italiener nicht darunter. In Berlin war sie schon seit drei Jahren nicht gewesen und Signor Lanzani er­tlärte, daß er, bevor er vergangenes Jahr nach der deut­schen Reichshauptstadt gekommen war, deutschen Boden noch nie betreten hatte.

Sie sind zuvor immer nur in Italien gewesen?" fragte sie.

,, Das nicht, ich war ein Jahr in Paris, eins in Lon­don und ein drittes in Madrid überall als Lehrer an der Wilson- Scool", lautete die Antwort.

Auch dorthin war Paula Hardegg zur betreffenden Zeit nicht gekommen. Und ich muß ihn doch irgendwo gesehen haben", dachte sie. Dies ausdrucksvolle, schöne Gesicht vergißt man so leicht nicht." Nur stand vor ihrer Phantasie, wenn sie ihr Erinnerungsbild sich zu vergegen­wärtigen versuchte, ein wunderbar strahlendes schwarzes Augenpaar dieser Mann hier hatte zwar auch dunkle Augen, aber ihr Glanz war durch einen Kneifer gedämpft, ohne den er infolge seiner Kurzsichtigkeit nicht zu sehen vermochte.

Das Gespräch tam auf Tagesereignisse. ,, Was in die­sem Wien auch alles passiert!" äußerte Paula. ,, Haben Sie schon von dem letzten Verbrechen gehört, das die ganze Stadt in Aufregung versezt?"

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