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Lokales.

Gießen, 6. September 1910. ** Ernannt wurde der Regierungsbauführer A. Schaumberg- Homberg a. d. O. zum Regierungsbaumeister.

* Vom Regiment. Uebermorgen stößt eine Re­servekompagnie zu dem in Fulda weilenden Kaiser- Regi­ment. Das letztere hatte sich am Freitag mit den 115ern und 168ern zwischen Fulda, Maberzell und Sickels zu einer größeren Uebung vereinigt, welche von dem kommandieren­den General v. Eichhorn und dem Befehlshaber der hessi­schen Division von Stranz geleitet wurde.

* Städtisches. Als Gebäude für eine zahnärzt­liche Klinik wurde dem Verein hessischer Zahnärzte seitens der Stadt das Baracken- Auditorium der alten Klinik über­lassen. Zur Unterhaltung des Institutes steuert die Ge­der meinde Gießen gegen die unentgeltliche Behandlung Volksschüler jährlich eine Summe von 1000 Mark bei. * Städtisches. Mit etwa 30 Gemeinden Umgebung von Gießen wurden in der letzten Zeit seitens der Stadt Verhandlungen wegen Lieferung elektrischen Stromes angefnüpft. Hoffentlich sind die Bemühungen der Stadtverwaltung von Erfolg gefrönt.

der

*)(* Am Sonntag unternahm die hiesige Sani­tätstolonne vom Roten Kreuz einen sehr interessan= ten Uebungsmarsch. Sie rückte um Uhr vom Depot trop sehr bedenklicher Witterungsaussichten ohne Tra­gen ab. Auf dem Schiffenberg angekommen, gab der alteſte Führer unvermutet bekannt, daß hier eine ülebung

stattfinden soll, folgende zugrunde Unter­wegs sei der auf dem Uebungsmarsch begriffenen Kolonne bekannt geworden, daß auf dem Schiffenberg ein Gebäude eingestürzt sei und mehrere worden wären." Sogleich Bersonen dabei schwer verletzt

sich die Kolonne daran, alle möglichen Gegenstände zum Herstellen von zum Trans­port Verwundeter erforderlichen Behelfseinrichtungen zusam= men zu suchen. Es wurden mehrere Tragen unter Benut ung von Stangen, Bänken, Brettern, Reisern, Stroh 2c. hergestellt. Stangen, Seile und Bretter eines im Hofe steh enden Weißbindergerüstes wurden dazu, sowie auch zur Her­richtung eines gerade dastehenden Leiterwagens zur Auf= nahme der Tragbahren abgerüstet und verwendet. Nach kaum einer halben S, unde konnten 6 markierte Verleßte notdürf tig geschient und verbunden auf den Wagen zur Beförder ung nach den Kliniken in Gießen verladen werden. Nach der erfolgten Abrüstung und der Verbringung der Gegen stände an ihren Ort und einer furzen Rast ging es weiter über die Hochwart durch Annerod auf die Anneröder Platte" wo funstgerecht für sämtliche Teilnehmer abgefocht wurde. Zu dieser Mahlzeitsbereitung rührten sich die Hände aller Kolonnenmitglieder sehr geschäftig, sodaß nach kurzer Zeit die Erbssuppe mit Büchsenfleisch aus den mitgebrachten Eßgeräten verzehrt werden fonnte. Die Kolonne hat ge zeigt, daß sie unbeachtet des anhaltenden Regenwetters in militärischer Disziplin eine einmal befohlene Uebung troß aller ungünstigen Witterungsverhältnisse auch auszuführen versteht. Wenn eine so aufopfernde Tätigkeit bei Uebungen entfaltet wird, dann wird die Kolonne auch wohl im Ernst falle auf ihrem Posten sein. Unsere Sanitätskolonne zeigt sich vollkommen des Vertrauens würdig, das die Einwoh­nerschaft ihr in so großem Maße entgegenbringt.

* Keine neuen Fahrpläne. Die meisten Eisenbahndirektionen lassen zum Fahrplanwechsel, 1. Otto­ber, keine neuen Fahrpläne drucken. Die geringen Aender­ungen gegen den Sommerverkehr werden durch Deckblätter berichtigt. Auch die Frankfurter Eisenbahndirektion gibt be­fannt, daß neue Fahrpläne zum ersten Oktober nicht ge= druckt werden.

** Die unentgeltlichkeit des Volks­schulunterrichts ist nun beinah in ganz Hessen zur Einführung gelangt. Während in der Provinz Starkenburg noch in acht Volfsschulen, in Oberhessen noch in 5 Schulen Schulgeld erhoben wird, ist der Volksschulunterricht in der Provinz Rheinhessen in allen Gemeinden von jeder Abgabe befreit.

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malan Gerichtet.

Familienroman von Franz Wichmann.

Sagt's nur gleich," subr er, zu zu der Schwägerin gewandt, fort, daß sie Euch hergeschickt haben! Und dann nehmt eben­falls gleich meine Antwort: Es ist umsonst, ich habe keine Tochter mehr!"

Ich bin vollständig aus mir selber gekommen," beteuerte Frau Baumert, um euch zu Ottos Geburtstag zu gratulieren!" " Dante, dante!" rief die Försterin. Ach, der arme Junge, wenn er nur auch einmal einen guten Tag haben und unter uns meilen fönnte! Aber darauf nehmen sie beim Militär feine Rücksicht!"

den Soldaten?" mischte der

Sie haben einen Sohn bei de Gendarm sich in die Unterhaltung.

Ja, er dient als Einjähriger," erwiderte der Förster ziem­lich mürrisch, aber nicht hier!"

Und seit er fort ist, hat er uns erst einmal besuchen tönnen," setzte Frau Adelheid seufzend hinzu.

Freilich, der Dienst ist schwer," meinte der Gendarm, aber er wird auch den Vorgesetzten oft schwer genug gemacht durch ben sträflichen Leichtsinn der jungen Leute."

Diese Bemerkung schien dem Förster zu gefallen. bir Ja, ja," äußerte er beistimmend, die Jungen träumen immer von einer neuen Welt und wollen sich in die alte nicht hineinfinden!"

Sie waren gewiß auch beim Militär?" wandte die Försterin sich neugierig an den Gendarm. Da müssen Sie ja wissen, wie es dabei zugeht!"

Ich habe allerdings zwölf volle Jahre gedient!" antwortete der Gefragte.

,,, das ist aber lange!" meinte Frau Adelheid.

** Einstellung der Retruten. Der spä teste Entlassungstermin der in diesem Jahre zur Reserve übertretenden Mannschaften ist der 30. September. Die Ein­stellung der Retruten findet statt: Am 2. Oftober bei der Kavallerie, Feldartillerie und Maschinengewehrabteilungen, vom 11. bis 14. Oktober erfolgt die Einstellung bei den übrigen Waffen.

Das wohl," gab der Gendarm zu, wenn man aber ein Biel vor Augen hat

Sie wollten zum Gendarmerieforps übertreten?" fragte der Förster.

Wie Sie sehen, habe ich das auch getan," bestätigte der Gendarm.

** Die diesjährige Mäuse plage ſollte unseren Landwi ten bezw. Gemeinden Veranlassung geben, die Bekämpfung der Mäuse in einheitlicher Wetse gemeinsam durchzuführen. Die Landwirtschaftskammer hat für das gesamte Großherzogtum eine Organisation in ihrem Pflanzenschutzdienst getroffen, die zum Zweck hat, die Landwirte auch über die Art der Bekämpfung der tierischen Schädlinge aufzuklären und, wenn nötig, zu unterstützen Es wenden sich daher die einzelnen Ge meinden zweckmäßiger Weise gegen die Durchführung gemeinsamer Bekämpfungsmaßre, eln gegen die Mäuse plage an die Landwirtschaftskammer Darmstadt oder an beren Sammelstellen für Pflanzenschuß an den landw Winterschulen. Von dort wird jede nähere Auskunft erteilt.

Und nun geht es Ihnen gewiß gut, erkundigte die Försterin sich, und Sie können sich an Feiertagen wie heute auch einmal ein Vergnügen gönnen?"

,, Wenn ich nicht wie heute im Dienst bin, gewiß!" stimmte

der Gendarm bei.

Der Förster sah ihn etwas verwundert an.

Sie sind im Dienst hier in der Wirtschaft?"

Ja, und zwar in einem sehr unangenehmen Dienst. Denn

* Sachverständige in Handwerkerfragen. Zur Erstattung von Gutachten, insbesondere über Güte und Preis der in ihr Fach einschlägigen Arbeiten, sowie zur Schlichtung gewerblicher Streitigkeitin, hat die Handwerkskammer zu Frankfurt a. M. öffentliche ge­werbliche Sachverständige bestellt und zwar zunächst versuchsweise für Wiesbaden und Frankfurt a. M. inner­halb der in Innungen oroanisterten Handwerke und des Bauhandwerks. Es sind in der Regel für jedes Handwerk fünf Sachverständige bestellt worden, die nicht allein als Einzelsachbernändige e auf gerichtliches oder privates Ersuchen, sondern auch als Schiedsgericht in gerichtlichen Streitigkeiten anrufen werden fönnen.

* Bedingter Strafaufschub. Das Mini­sterium der Justiz hat mit Bezug auf die Handhabung des bedingten Strafaufschubes ein Rundschreiben an die Juſtiz­behörden erlassen, das folgende bemerkenswerte Anweisun gen enthält:... Ergeben die Erfundigungen, daß der Ver­urteilte sich gut geführt hat und stellen sich sonst keine Be­die denken heraus, so hat die Strafvollstreckungsbehörde Strafe ohne weiteres als mit dem Ablauf der Gewährungs­frist erlassen zu bezeichnen. Unter welchen Voraussetzungen die Führung als gut anzunehmen ist, läßt sich nicht angeben. Doch ist einerseits die Tatsache, daß der Verurteilte eine weitere Bestrafung nicht erlitten hat, nicht genügend, son­dern ein zufriedenstellendes Gesamtverhalten erforderlich, Annahme guter Führung nicht notwendig ausschließt, während andererseits eine erfolgte weitere Bestrafung die z. B. wenn die Bestrafung wegen einer geringfügigen Ue­vertretung oder selbst wegen eines Vergehens erfolgt ist, das unter Umständen verübt war, welche die moralische Verschuldung des Täters in besonderem milden Lichte er­scheinen lassen. Ergeben die Erfundigungen, daß der Ver­urteilte sich während der Gewährungsfrist nicht gut geführt hat, so ist die erfannte Strafe zu vollstrecken."

wie

* Volkszählung. Der Reichsanzeiger" schreibt: Auf Grund des Beschlusses vom 10. Februar 1910 findet am 1. Dezember wiederum eine allgemeine Volt 3- zählung im Deutschen Reiche statt, welche ähnlich wie in früheren Jahren ausgeführt werden wird.

** A b g. Köhler Langsdorf wurde wegen seines Artikels gegen die 10 Gebote des Hess. Automobil= klubs am Freitag von dem Amtsrichter Barb in Lich ver­leute und Bauer, lärte, die Aufforderung an die Fuhr­sich gegen die Automobilfahrer mit Re­volvern zu bewaffnen, sei lediglich als Persiflage zu be­trachten.

liche Angehöri Herren des Bad- Nauheime nicht bekannt gesezt sind. Nauheimer P gen" zu unter fuch in Bad­Löffler und Hochzeit. Der

** In dem Liebig- Laboratorium ist man gegenwärtig eifrig an der Arbeit, um das Gebäude wür dig instand zu seßen. Die Umstände lassen darauf schlie Ben, daß die Stadt Gießen ihr Eigentumsrecht an der ehe maligen Wirkungsstätte Liebigs an den Verein der Chemi fer abgetreten hat, welchem ein Großgewerbetreibender zu Erwerbung des Gebäudes 60 000 Mt. zur Verfügung stellte nern eine seinem vermutlichen Zweck als Muſeum entsprech Das Haus erhält neben einem neuen Verpuz auch im In ende Einrichtung.

* Das Schwurgericht der Provinz Oberhessen Die Verhand wird am 26. September zusammentreten. lungen leitet Landgerichtsrat Neuenhagen. * Die Gießener Rudergesellschaft hält am 18. September ihr Abrudern ab, das 4 Wettfahrten Wasserspiele und Wettschwimmen bringt.

Der

* Aus der Haft entlassen wurde wegen Geisteskrankheit der Schreinergeselle Heck Gießen. selbe war bekanntlich auf Grund eines Erpressungsversuch festgenommen worden.

Hus

Hessen und Nachbargebiet.

* Garbenteich.

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Ein neues Industriewerk hier im Entstehen begriffen. Im Walde nach Dorf- Gill 3 hat eine Attiengesellschaft einen wertvollen Bodenschatz ge funden, der angeblich Phosphor und Kreide enthält, zu Düngemitteln u. dgl. sich eignen soll.

und

* Ober- Mörlen. Der Gemeinderat hat beschlos sen, zwei Einfamilienhäuser für Lehrer zu erbauen un schreibt zu diesem Zweck zur Erlangung von modernen Ent würfen einen öffentlichen Wettbewerb aus. Die Ham sterjagd in unserer Gemartung, welche die Landwirte bei der diesjährigen Erntearbeit emsig betreiben, hat ein un geahntes Resultat ergeben. Nicht weniger als rund 1000 Hamster sind seit Mitte August bis jeẞt an einem Samme plaz abgeliefert worden.

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* Lich fere Einwohne cinquartierten fich Jung und und Soldaten Regimentsfape große Anzieh fänge der So

* Obe

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glieder der A leute. Seitens gen, 420 Vere Summen find am meisten h * Web 1866 und 187 heute noch be sprechenden A der Verwaltur * Web schen Eisenwe dürftigen Kind in Bad Orb. inbetracht fam der Kur teil. * Lau tillerie- Regime Kompagnien fches Nr. 3 i ges ein Sch von dem Bri Der Uebung Eichhorn, der Strang, sowi mifer.

* ber Mörlen. Die Untersuchung gegen den ameridinischen Chauffeur 3 ett el, welcher im Juli d. I. mit seinem Automobil den Müllersohn Kremer auf der Frankfurterstraße totfuhr, iſt mangels genügender Schuldbe weise eingestellt worden.

* Schotten. Eine wahre Begebenheit wird von hier gemeldet. In dem Städtchen wollte ein nach Ober Hessen versetter Pfarrvikar dem Herrn Dekan seinen pflicht

schuldigen Besuch machen. tannt an dem Plate,

fundigte sich der Vikar bei

er

Einwohner nach der Wohn

ung des Defans. Der biedere Vogelsberger erklärte sid sofort bereit, den Frager zu begleiten, da er ja denselben Weg gehe. Vor einem Hause, in dem zu ebener Erde fid ein Laden mit Kurzwaren, Kleidern 2c. befand, machte de Begleiter Halt, auf einen an der Türe stehenden Mann zei gend, der einem Dekan wenig Aehnlichkei hatte. Erstaunt jrug er den freundlichen Führer per joll der Herr Detan wohnen?" worauf der Mann auf da über der Tür hängende Schild:" D. Kahn" deutete und der verblüfften Vitar allein stehen ließ.

* Bad Nauheim. In der abgelaufenen Woch sind 1062 Kurgäste angekommen und beträgt die Gesamt­frequenz bis zum 1. September 29 868 Personen, wovon an genanntem Tage noch 5875 anwesend waren. * Friedberg. Der Zar, die zarin, der Groß­fürst- Thronfolger und sämtliche Automobilen

Gefolge fuhren am Sonntag in zessinnen mit

nach Bad- Nauheim und wohnten daselbst in der russischen Kirche dem Gottesdienste bei, dem außerdem nur die Mit glieder der russischen Kolonie beiwohnen durften. Bischof Wladimir von Kronstadt und zwei Geistliche zelebrierten. Nach Beendigung des Gottesdienstes fuhren die Herrschaf ten wieder nach Schloß Friedberg zurück. Der Großherzog, die Großherzogin, die Fürstin von Battenberg und Gefolge besuchten vormittags zu Fuße die Stadtkirche und nahmen die Mitwirkung der Chorschüler und de Männerchores ehemaliger Chorschüler verschönt wurde. Be sondere Einlaßkarten zum Kurhaus 2c. wurden für sämt

under Gottesdienste teil, den Pfarrer Kleeberger abhiel,

an

ich sehe allmählich ein, daß es mußlos ist; der, den ich suche, erwischt, meinte Frau Baumert. wird sich nach einer andern Seite gewandt haben!"

" Ja

Sie suchen hier jemand?" wollte die Försterin wissen. einen Deserteur!" belehrte sie der Gendarm. ,, Einen Deserteur?" wiederholten beide Frauen. Aber das muß ja sehr interessant sein!"

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IG TOD

Es ist wohl mehr traurig als intereffant," entgegnete der Vertreter des Gesetzes achselzuckend. Der junge Mensch hat sich sein ganzes Leben ruiniert. Drei Jahre Festung sind ihm gewiß, falls ihn nicht noch andere Strafen treffen."

,, Ach, da ließe ich den armen Menschen doch lieber laufen," meinte die Försterin naiv. Unde

"

Sie sollen ihn wieder zurückbringen?" Frau Baumert rückte unwillkürlich ein wenig zur Seite, während sie das fragte.

" Allerdings, wenn ich ihn nur erst hätte!" entgegnete der Gendarm. Die Spur führte hierher in die Hauptstadt, aber, bier ging fie verloren und man wird nach einer anderen Richtung sie weiter suchen müssen. chen müssen. Jedenfalls kehre ich heute abend noch nach Maienfeld zurück.") Der Förster horchte auf. " In Maienfeld sind Sie ſtationiert?" fragte er. Da müssen Sie ja auch das zweite Regiment kennen, bei dem unser Sohn dient!"

Ich stand einst selber dabei!"

Nein, wie es nur möglich ist, zu desertieren!" rief die Försterin. Da verliert man ja die schöne Uniform!" " In der guten alten Zeit wäre es auch gewiß niemand

eingefallen."

"

Der Gendarm blickte Frau Baumert kopfnickend an. Da haben Sie recht," stimmte er ihr bei, es ist die neue d ist. Allerlei Zeit, welche wenigstens in diesem Falle schuld neue Ideen haben die Köpfe der städtischen Jugend verrückt gemacht; sie betrachten das Militär als eine Sklaverei und schwärmen dafür von Freiheit und anderen Dingen!"

Es trat eine Pause ein. Dann fragte Lorenz Reiner

plötzlich:

Ist der Deserteur, den Sie suchen, auch vom zweiten Regiment?" aidspor te der G Ja," beſtätigte Gendarm, er ist aus Maienfeld ges flohen vor einer drohenden Untersuchung. Bei einer Nach­forschung in voriger Woche wurden in der Kaserne aufreizende Schriften entdeckt, und als Verbreiter derselben ward ein Ein­jähriger ausfindig gemacht."

Der jetzige Deserteur?" fragte die Försterin.

Eben der. Er zog es vor, ehe man ihn vor Gericht stellte,

die Flucht zu ergreifen." us

Da wird es ihm freilich schlimm ergehen, wenn man ihn

Während die Unterhaltung sich so noch weiter um die Vor gänge in Maienfeld drehte, betraten neue Gäste den Garten. Zwei Herren, in Gesellschaft von zwei elegant, doch auffallend gefleideten jungen Mädchen kamen lachend und scherzend die steinernen Stufen des Restaurants herab. Die Herren, von denen der eine ein hochgewachsener junger Mann mit tief schwarzem Bart und einer großen Brille über der schmalen, scharfgeschnittenen Nase helle Sommerkleider irug, während der andere sich mit affettierten Gesten in einem modernen, doch etwas abgetragenen Promenadenkostüm bewegte, schritten, nach einem geeigneten Platz ausspähend, ihren Begleiterinnen voran Langsam und suchend gingen sie von einem Weg in den andem und erreichten endlich den zuvor von Klara und ihrer Tante verlassenen runden Tisch! Der Elegant blieb stehen und hielt die Mädchen, die mit dreisten Manieren ihre Blicke durch den Garten schweifen ließen und sich bald hier, bald dort eine spöttische Bemerkung über einen Bekannten zuflüsterten, zurüc

Das nenn ich Glück," meinte er, der einzige größere freie Platz, und gerade für vier Personen. Okkupieren wir ihn!" 3wei schwere und zwei leichte Personen, meinst du!" lachte der andere.

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Was die Dämchen betrifft, allerdings das lettere!" Der Schwarzbärtige, der mit unnatürlich hoher Stimme und ziemlich leise sprach, trat näher an seinen Begleiter heran: Nur immer frech, mitten hinein ins Getümmel! Da drinnen im Hause sizen Soldaten; die sehen mir den Kameraden sicher nicht an! Hahaha!"

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In der Vermummung kann dich kein Teufel erkennen, bist ein geborener Komödiant!" erwiderte der Stußer und laute fügte er hinzu: Also setzen wir uns!" sin"

Der Schwarzbärtige rückte seine Brille zurecht und nahm neben der blonden Schönen Platz. Nicht einmal unsere Primadonna hat mich erkannt, gelt, Schat?" lachte er.

Nein, wahrhaftig," versicherte das Mädchen, ihn von neuem betrachtend ,,, du bist zum Fürchten!!! In deinem Vollbart siehst du aus wie einer von den alten Deutschen, die immer so viel tranten!"

,, Das tun sie auch noch!" rief der andere, und die jungen verstehen es noch besser als die alten!" Er winkte dem eben vorübereilenden Kellner. He, Ganymed, fahren Sie mal ein Batterie Seft auf!"

,, Ganz wie mein Leutnant felig immer sagte!"

Ist denn Ihr Leutnant gestorben, Herr"

Still," fiel der junge Stußer der Fragerin ms Wort, feine Namen bier nennen!"

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( Fortsetzung folgt.)

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