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Fataler Drill.

wenn sich beide gegenseitig im Ernste einen guten Morgen wünschen wollten.

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Da nun der Oberst Maleguccio, wie jeder Vorgesezte so seine kleinen Spezialitäten pflegt, auf die Maulsalve" einen ganz besonderen Wert legte, so hatten sich sämtliche Unteroffiziere und Gefreite des Ausbildungspersonals tag­täglich so ausdauernd von den Einjährigen das Morgen, Herr Oberst" entgegenbrüllen lassen, daß sie schließlich samt und sonders in Gefahr waren, in Größenwahn zu verfallen und sich selber für den Oberst zu halten. Der Zwed war aber doch erreicht und die Einjährigen so tadellos auf diese Nummer des Besichtigungsprogramms gedrillt, daß in dieser Hinsicht ein Umschmeißen" von keinem einzigen zu befürchten war.

ür die neuen Einjährig Freiwilligen| Eyerzieren vorüber ist, und es wäre also der reine Hohn, des Regiments war heute nicht ein Tag wie alle Lage. Zwar waren die jungen Krieger, die auf Grund ihres Berechtigungsscheins unter den Rekruten die Blüte der Intelligenz darzustellen hatten, einstimmig der Ansicht, daß jeder neue Schritt auf threm militä­rischen Dornenpfade auch neue Widerwärtigkeiten mit sich bringe. Allein das, was ihnen heute bevorstand, war doch so außerordentlich, daß es selbst dem Tapfersten das Mark in den Knochen zum Gefrieren brachte. Sie sollten nämlich, nachdem sie die erste Zeit ihrer gemeinsamen Ausbildung lebend überstanden und sozusagen die militärischen Kinder­schuhe ausgetreten hatten, dem Herrn Oberst vorgestellt werden, und der Herr Oberst war durchaus fein Freund von schlechten Vorstellungen. Wenn ihm etwas nicht paẞte und die Einjährigen paßten ihn nie! so konnte er durch einen einzigen bösen Blick ganze Bataillone vernichten, eine Fertigkeit, die ihm in der Garnison unter dem Spitz­namen des Oberst Maleguccio" zu einer traurigen Be­rühmtheit verholfen hatte.

Was Wunder, wenn schon seit vielen Wochen_das_ge­samte Ausbildungspersonal vom Leutnant bis zum jüngsten Gefreiten herunter seine beste Lebenskraft daran gesetzt hatte, aus dem Rohmaterial neu eingetretener Einjähriger, die weder stehen, noch gehen, noch sich anziehen konnten, fein­zivilisierte soldatische Kunstwerke zu bilden, welche selbst nachts im Bette je nach Wunsch einen Parademarsch oder Präsentiergriff auszuführen vermochten. Aber noch ein anderes Kunststück mußten ste lernen, das dem Zivilisten sein Leben lang verschlossen bleibt: nämlich Guten Morgen" zu sagen.

Ist

Für den Zivilisten ist dies das reine Kinderspiel. er aus den Federn gekrochen, hat er sich gewaschen, ge­kämmt, den Schlafrock angezogen und auf sein Sofa gesetzt, und bringt ihm nun die Wirtschafterin den dampfenden Kaffee herein, wobei sie ihm je nach Temperament und Heiratsaussichten einen zärtlichen oder brummigen Guten Morgen" wünscht, so antwortet er ebenso zärtlich oder brummig, Guten Morgen", greift dabei mit der einen Hand nach der Zeitung, mit der anderen nach der Kaffeekanne, und die Sache ist damit erledigt. So einfach ist das eben beim Soldaten nicht.

Der Leutnant, der die Ausbildung geleitet hatte, instruierte die in tadellosem Anzuge bereitstehenden Be­sichtigungsopfer wohl zum zwanzigsten aber nun unwider­ruflich letzten Male, indem er mit einer Bürste bald diesem, bald jenem höchsteigenhändiz, damit er nicht etwa noch im letzten Augenblick die Füße aus der mühsam erlangten, vor­| geschriebenen Stellung brächte ein unsichtbares Stäub­chen vom Rock entfernte: Wenn der Herr Oberst kommt, so werden seine ersten Worte zweifellos eine Begrüßung an Sie enthalten.

Wenn ihm der Vorgesetzte Guten Morgen" sagt, so sitzt er nicht auf dem Sofa, sondern steht, die Füße in einem Winkel von 45°, den Mittelfinger an der Hosen­biese und das Kinn an der Binde" auf dem Kasernenhofe, hat nicht einen Schlafrock mit Troddeln, sondern einen Waffenrock mit blanken Knöpfen und greist nicht nach der Raffeckanne, sondern nach dem Gewehr. Und wehe dem, der beim Präsentieren nach oder gar vorklappt. Ebenso ist es mit dem Guten Morgen".

Wo bliebe die militärische Disziplin, wenn einer nach dem anderen gemütlich vorschlendern, dem Oberst mit freundlichem Lächeln die Hand hinstrecken und Guten Morgen" sagen wollte. Nein, wie eine Gewehrsalve muß das Morgen, Herr Oberst" herausfahren, kurz, scharf und abgehackt, daß dem Vorgesetzten selbst vor so viel Schneid angst und bange wird. Denn einzig auf den Schneid kommt es bei der Geschichte an, und nicht etwa auf den guten Morgen. Sowohl für den Vor­gesetzten, der sich beständig ärgern muß, als auch für den Untergebenen, der das Pech hat, diesen beständigen Ärger zu verursachen, kann doch der Morgen erst gut sein, wenn das

Es ist nicht ausgeschlossen; daß Sie davon nichts verstehen, weil der Herr Oberst um diese Jahreszeit an einem Halskatarrh zu leiden und dann nur sehr leise zu knurren ich meine: zu sprechen pflegt. Umso mehr muß aber natürlich Ihr Morgen, Herr Oberst" wie das Donner­wetter herauskommen!"

Und mit dem festen Vorsatze, den Oberst durch ein un­erhörtes Gebrüll zu entzücken, standen sie und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Und die Dinge kamen wirt­lich, kamen in Gestalt des Oberst Maleguccio, sämtlicher Stabsoffiziere, Adjutanten und Hauptleute des Regiments. Denn wenn ein Oberst etwas besichtigt, so ist er niemals so eigennützig, dieses Vergnügen für sich allein genießen zu wollen; er ladet sich immer einen ganzen Haufen Unter­gebener dazu ein, damit er ihnen erzählen kann, was sie aus der Besichtigung alles lernen können.

Lange stand der Oberst vor den Einjährigen und hielt mit seinen berühmten Blicken über jeden einzelnen eine stumme, aber fürchterliche Musterung ab. Unbeweglich standen die Unglücklichen, und wie den Sterbenden oft in ihren letzten Momenten mit wunderbarer Klarheit und Schnelligkeit das ganze verflossene Leben im Heißa vorüber­zieht, so tauchten in jenem fritischen Moment vor dem inneren Auge manches Einjährigen plötzlich verlockende Bilder auf: ein gemütlicher Stattisch in der wohldurch­heizten Wirtsstube des Blauen Affen", ein Mondschein­spaziergang mit einer niedlichen Blondine an einem lauen Sommerabend oder auch ein gutes Eisbein mit Sauerkohl.

Da endlich brach der Oberst das entsetzliche Schweigen, und halb zu seiner Suite, halb zu den Einjährigen gewendet, sagte er mit stockheiserer Stimme, die nichts Menschliches mehr an sich hatte, sondern nur mit dem Geräusch gewisser Maschinen in einem Fabriksaale zu vergleichen war, einige unverständliche Worte. Es sollte wohl heißen: Das sind also die Leute, die in einem Jahre lernen wollen, was andere in zweien nicht begreifen? Aber schon das eine Jahr ist ihnen zu viel, möchten am liebsten gleich morgen oder übermorgen entlassen werden."

Greifbare notüge.

Student( in einem Brief an seinen Vater): ,, Lieber Vater, Du mußt verzeihen daß ich den Brief vergaß zu frankieren; aber als ich daran dachte, lag er schon im Briefkasten."

N

Personalien- Aufnahme.

Müüücher.

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,, Sie heißen?"- ,, Gießhuber Franzl." ,, Sie sind?" - ,, B'suffa."

Der Fachmann.

Der kleine Hugo: ,, Heute haben wir in der Schule ausgerechnet, wie lange ein Schnellzug braucht, um von der Erde bis zur Sonne zu fahren... über tausend Jahre!" Vater( Oberkondukteur): ,, Da kommt's nur darauf an, von welcher Station aus!"

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Mahnung.

Hus dem Tagebuch eines Höflings.

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Ohne Helfer glaub' es mir, Geht es nicht bei Hofe: Gar kein übles Kletterseil Ist der Zopf der Zofe."

Erfahrung.

Es ist in der Geographiestunde, furz vor der Prüfungs­zeit, und der Lehrer nimmt noch einmal das Pensum des Halbjahres durch. Nachdem er mancherlei gefragt, kommt er auch auf die Höhenzüge der Heimat und die damit in Zu­ſammenhang stehenden Gebirge zu sprechen. Man hat ihm aus der Schülerrunde so ziemlich alle genannt; da fordert er seinen Lieblingsschüler auf, noch eins zu nennen, und als er sieht, daß jenem das nicht einfällt, zeigt der pfiffige Pä­dagoge vielsagend auf seine Glaze: der Kleine sollte nämlich das Glazer Hochgebirge nennen. Der Schüler grübelt ein Weilchen und playt dann schließlich mit Bezug auf des Lehrers Geste heraus: Die Lausitz." Nach dieser kleinen Ent­gleisung schwenkt der Lehrer sofort ab und forscht nach den märkischen Seen und will schließlich die Meinung der Jungen über die Tiefe der Seen hören. Auf die Frage, welches wohl der tiefste See der Mark sei, hat er manche seltsame Ant­tort bekommen, bis schließlich der Ultimus der Klasse mit der Behauptung herausrückt, der tiefste See sei der ,, Plöhen­see". ,, Warum?" fragt der Lehrer. Ja, mein Vater hat'n janzes Johr jebraucht, eh'r wieder rausfam!"

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Zum Studium.

Dichter( zur Gattin): Ich schreibe jezt ein sogenanntes Schlüsseldrama; dazu mußt Du mir aber öfters den Haus­schlüssel überlassen!"

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Heimgeleuchtet.

LWALFRID

Der Hyper- Hypochonder.

Es macht ihm Spaß tagaus, tagein Mit Sorgen sich zu malträtieren;

Er fängt nicht nur die Grillen- nein: Er muß sie obendrein dressieren!

Hartherzig.

Temperenzler( mit den Wellen ringend): Zu Hilfe, ich muß ertrinfen!"

Herr: ,, Was wollen Sie denn; Sie sind doch in Ihrem

Element!"

Räuber: ,, Und das sage ich Ihnen, Herr Kommerzien­rat: wenn Sie mir noch einmal mit so schlampiger Bügel­falte in den Weg kommen, dann fönuen Sie ihr Gelumpe selber auftragen!"

Frauenrechtlerin: Wir werden den Männern den Vogel der Überlegenheit schon austreiben!" Ihnen glaub' ich's; wo Sie sich hinstellen, wagt sich überhaupt kein Vogel' ran."

Gedankenstrudel.

Ist ein Gedanke tief und wahrhaft sinnig, So sprudelt er gleich einem Bächlein hin; Die Welle aber, die sich lieblich kräuselt,

Ist der zum Wort gewordne Sinn:

Denn was dem Mund entqnillt in reiner Klarheit, Wenn aus den tiefen dringt der helle Geist, Das ist im Menschenwort kristall'ne Wahrheit, Die als Gedankenstrudel weiter kreiſt.

Und laut und schneidig, wie aus einem Munde, erfolgte der Instruktion gemäß die Antwort: ,, Morgen, Herr Oberst!"

F

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