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Vanl Lindau, der nach seinem jebigen Vertrage are Dramaturg des Königlichen Schauspielhauses in Berlin nur 8600 M und für jedes von ihm in Szene gesetzte Stüd 1000 M erhielt, ist auf Grund seiner erfolgreichen Tätigkeit unter ungleich günstigeren Bedingungen neu verpflichtet. Er bekommt fett ein festes Jahresgehalt von 18 000 M.

Eine neue Sternwarte soll in Australien errichtet wer­den, und zwar zum besonderen Zweck des Studiums der Sonne. In Fachkreisen wird das Urteil ausgesprochen, daß die Begründung einer solchen Anstalt in Australien faum überschätzt werden könne, da die Zahl der Stern­warten auf der südlichen Halbtugel noch immer weitaus zu gering set.

Vermischtes

Opfer der Kälte in Amerika. Das Elend, das infolge der Kälte in den gesamten Oststaaten und selbst in einigen Etaaten des Mittelwestens herrscht, ist unbeschreiblich. Die armen Leute waren auf einen derartigen Temperaturfall nicht vorbereitet. Der Hudson ist von der Mündung bis aur Quelle zugefroren. Aus Buffalo, Cleveland und Chi­cago wird gleichfalls gemeldet, daß die Kälte einen unge­beuren Notstand unter der unbemittelten Bevölkerung zur Folge hatte, namentlich in Chicago. In den ärmeren Stadt­tetlen ist es den Leuten unmöglich, den Preis für die Koh­len zu erschwingen. Eine Reihe von Wohltätigkeitsinfti­tuten verteilt Kohlen an die notleidende Bevölkerung.

Ein unerschütterlicher Bräutigam ist vorgestern in Han­Ten unter merkwürdigen Umständen

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Bochzeit war für mittags angesetzt, und als fleißiger Mann ging der Bräutigam wie gewöhnlich des Morgens früh um brei Uhr zur Arbeit in die Kohlengrube, wo er beschäftigt war. Dort stieß ihm ein Unfall zu, wobei eines seiner Beine in furchtbarer Weise gequetscht wurde. Der Berlebte ollte in das Hospital gebracht werden, aber er weigerte ich, dorthin zu gehen, weil er seine Braut nicht enttäuschen wollte. Er ließ sich nach Hause tragen und von da in die Kirche, wo die Trauung pünktlich abgehalten wurde. Nach­dem das erledigt war, wurde er in das Hospital gebracht, wo die Aerzte eine sofortige Amputation des Beines für notwendig erachteten.

Allgemeines Ehrenzeichen und Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens. Vor einigen Tagen ging durch einen Teil ber Presse die Nachricht, daß einem Zugführer der Staats­etsenbahnverwaltung bei seiner Pensionierung nach fast 41­Jähriger Dienstzeit das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden set, der Beamte indes mit Rücksicht auf die ihm verliehenen Kriegsorden die Annahme dieses Ehrenzeichens abgelehnt und in einer Eingabe an den Kaiser unter An­gabe des Grundes der Ablehnung um eine höhere Aus­zeichnung gebeten habe. Auf diese Eingabe sei ihm im Auf­trage des Ministers der öffentlichen Arbeiten durch die Königl. Eisenbahndirektion Berlin eröffnet worden, daß seinem Antrage nicht entsprochen werden könne. Dazu sagt fetzt die Nordd. Allg. 3tg.":" Diese Nachricht ist insofern unzutreffend, als dem gedachten Beamten nicht das Allge­meine Ehrenzeichen, das bestimmungsgemäß für diese Be­amtenklasse in Betracht kommt, sondern im Hinblick auf eine Kriegsauszeichnungen ausnahmsweise das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens verliehen worden ist."

Reichtum und Macht als Entartungsursache. Die rie­lenhafte Umwälzung der Vermögensverhältnisse, die Zu­sammenziehung ungeheurer Kapitalien in den Händen we­niger, der Uebergang der wirklichen Macht aus der Sphäre der Fürsten und Diplomaten in die der Bankiers und Trustmagnaten hat für die letteren ersichtlich schwere phy­fische Schädigungen im Gefolge gehabt, die namentlich bei threr Nachkommenschaft zutage treten. Den Anstrengungen der ruhelosen Jagd nach dem Gelde, der permanenten Ner­venüberspannung mag das einzelne Individuum bei ro­buster Veranlagung relativ lange gewachsen sein; daß aber die Erschöpfung des Organismus auf generativem Gebiet chon weit früher einsetzt, dafür liefern speziell die Fami­lten der amerikanischen Millionäre in den bei den Kindern auftretenden Entartungssymptomen eine Fülle von Bele­gen. So verfiel die Tochter Rockefellers in Wahnsinn; zwei Söhne des Zuckertrustmagnaten Havemeyer begingen Selbst­mord, eine Tochter wurde geisteskrank. Die aus einer Finanzfamilie stammende Frau Sears stürzte sich in einem Anfall von Geistesumnachtung aus dem Fenster, und einer der Söhne des bekannten Milliardärs C. H. Cormick mußte fürzlich, weil er Hand an sich zu legen versucht hatte, in einer Irrenanstalt interntert werden.

Das altägyptische Kurstagebuch im Reichspostmusena. Ueber das uralte Kurstogebuch eines ägyptischen Postamtes, das Stück einer Papyrusrolle, welches seit kurzem im Reichspostmuseum hinter Glas und Rahmen zu sehen ist, gibt Direktor Dr. Preisigke im Postarchiv" interessante Aufschlüsse. Nach seinen Untersuchungen ist die merkiär­dige Urkunde zirka 2165 Jahre alt. Bevor das Papyrus­blatt postalischen Aufzeichnungen diente, war es auf der eine Seite mit landwirtschaftlichen Notizen beschrieben worden. Die zweite Benutzung der Rolle zur Aufzeichnung der ein- und ausgehenden Briefschaften begann um das Jahr 255 v. Chr. Ein halbes Jahrhundert später wurde diese mit anderen Rollen als Altmaterial" nerfaust. Saupt­abnehmer desselben waren damals die Sargfabrikanten, die aus den mehrfach zusammengeklebten Papyrusrollen. bie Särge für einbalsamierte Leichen anfertigen ließen. Diese Pappsärge erhielten durch Preffung die Körperform des Toten, ähnlich wie die in der Faschingszeit bei uns gebräuchlichen Masken. Dadurch erklärt es sich, daß wir nur ein Bruchstück von acht übereinandergeklebten Rollen erhalten konnten. Der Tote, den es umkleidete, ruhte bis jum Jahre 1902 beim Dorfe Hibeh in Mittelägypten, dann jogen englische Gelehrte. den bunten und vergoldeten Sarg" ans Tageslicht und lösten ihn wieder in seine ein­zelnen Blätter auf, von denen unsere Postverwaltung das Interessanteste für ihr Museum angekauft hat.

Sonderbarer Ersatz eines Denkmals. Um das Andenken des vor zwei Jahren durch Selbstmord aus dem Leben ge­schiedenen Bürgermeisters Diterici in Roda in Anhalt bauernd wach zu halten, hatte sich dort ein Komitee gebildet, das dem Verstorbenen ein Denkmal setzen wollte. Dieser Plan scheiterte aber, da ein öffentliches Denkmal als De­monstration für die an der Affäre beteiligten Personen hätte aufgefaßt werden können. Nunmehr hat das Komitee beschlossen, den größten Teil der gesammelten Gelder zur Anschaffung einer fahrbaren Krankentrage mit entsprechen­der Aufschrift zu verwenden und die Trage der Stadt zur Offentlichen Benuzung zu übergeben. Ferner soll ein von der Witwe des Verstorbenen zur Verfügung gestelltes Bild Ditericis unter Glas und Rahmen gebracht und dem Stadt­at zur Anbringung im Bürgermeisterzimmer übergeben werden.

Das meistgelesene Buch. Die Bibel ist immer noch das meistgelesene Buch. Es werden alljährlich mehr als siebzehn Millionen Exemplare der protestantischen Bibel oder Teile von ihr gedruckt. Davon entfallen zehn Millionen auf die verschiedenen Bibel- Gesellschaften, welche die Bücher ent­weder vollständig gratis abgeben oder doch nur den Kosten­preis berechnen. Die Amerikanische Bibel- Gesellschaft ver­breitet allein etwa zwei Millionen Exemplare fährlich. Sieben Millionen Bibeln werden aber in den gewöhnlichen Buchhandlungen abgesetzt und zwar mit größerem Profit als andere Bücher.

Eine internationale Ausstellung für Reises and Frem= denverkehr findet vom März bis Mat 1311 in Berlin in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten statt. Sie Joll el Gruppen umfassen: staatliche und private Berkehrs­einrichtungen zu Lande und zu Wasser; Verkehrsinstitute, Kur- und Erholungsorte; Unterkunft und Verplleauua;

Reisebureaus und Versicherungsinstitute; Fremdenver­fehrs-, Verschönerungs- und Touristenvereine; Bäder-, Kur- und Erholungsorte; Unterkunft und Verpflegung; Reise- und Verkehrsliteratur; Industrien des Verkehrs­wesens; allgemeine Reise- Industrie; Ausstellung der Er­gebnisse von Welt- und Forschungsreisen; Lichtbilder- und finematographische Vorführungen; hie Abteilung.

Die Automobile in Europa. Nach einer englischen Uebersicht verteilen sich die zurzeit in den europäischen Ländern vorhandenen Automobile folgendermaßen: Eng­land 108 773, Frankreich 44 769, Deutschland 41 727, Holland 10 800, Belgien 5500, Italien 5079, Schweiz 2702. Spanien ist in der Uebersicht nicht aufgeführt, es ist nur erwähnt, daß in Madrid allein über 800 Automobile vorhanden sind. England steht nicht nur nach der Zahl der Motorwagen an der Spize, sein Königlicher Automobilklub weist auch mit mehr als 5000 Mitgliedern den höchsten Bestand unter den europäischen Automobilklubs auf.

Freiheitsinterpreten. In Graulhet bei Toulouse stehen die Weißgerber seit ungefähr vier Wochen im Ausstand. In den letzten Tagen hat der Streif einen bedenklichen Charakter angenommen. Die Ausständigen Iteßen sich in den letzten Tagen zu allerlei Gewaltakten hinreißen. Sie durchschnitten die Telegraphenleitungen und die Verbin­dungsstangen. durchsägten die Träger der Leitungen, war­fen Warenballen auf die Straße und versuchten die Arbeits­willigen an der Ausübung der Arbeit zu verhindern. Gestern überfielen fie einen deutschen Geschäftsreifenden namens Henz und prügelten ihn durch. Der Mann mußte durch Polizei aus den Händen der Stretkenden befreit wer­den. Der Präfekt hat eine größere Abteilung von Truppen nach Groushot fommen Ioffen.

Schäße Indiens auf der Bühne. Das Empire- The­ater in Kalkutta hat in seiner Vorstellung vom 4. ds. Mts. einen Rekord aufgestellt, der so leicht von leinem anderen Theater geschlagen werden dürfte. An diesem Tage feierte man das 25jährine Jubiläum dieses Theaters und ließ eine neue Operette ,, Der König von Cadonia" in Szene gehen. Die Künstlerinnen, welche in dem Stück beschäftigt waren, trugen für 10 Millionen Schmucksachen auf sich. Die Ju­welen waren von einer großen Juwelierfirma, deren In­haber eingeborene Inder sind, wohl bemerkt leihweise, zur eine Verfügung gestellt worden. Eine Sängerin trug Diamantentiara, mit riesigen Rubinen und Smaragden geschmückt, eine Halskette aus 130 Brillanten und ein Arm­band aus 52 größen Saphiren. Der Künstler, welcher die Rolle des Königs gab, trua einen Kopfschmuck aus Edel­steinen, der 150 Jahre alt ist und seinerzeit von einem re­gierenden indischen Fürsten getragen wurde. Gine an­bere Künstlerin schmückte ihren Hals mit einem Kollier, des­sen Wert allein auf eine Million Mark beziffert wird, während eine ihrer Kolleginnen ein mit Brillanten be­sticktes Kleid im Werte von einer halben Million trug. Ein Bolizeiaufgebot von 50 Mann bewachte diese Juwelenschätze, die sofort nach der Vorstellung wieder an die Juweliere ab­geliefert wurden.

Eine neue morganatische Ehe am Rarenhofe? Von gutunterrichteter Seite wird dem B. L. A. aus Petersburg geschrieben: Der bisher selten an die Deffentlichkeit getretene frühere Thronfolger Großfürst Michael Alexandrowitsch, der Bruder des Zaren, macht wieder von sich reden. Im ver­flossenen Frühjahre hatte sich der Großfürst in die Frau verliebt eines Kameraden vom Gardekürassier- Regiment und bekundete die Absicht, sich mit ihr zu vermählen. Da eine ähnliche Sache bereits vorhergegangen war, so wandte man diesmal energische Mittel an, versette den Großfürsten, wie seinerzeit gemeldet wurde, als Kommandeur eines Hu­faren- Regiments nach Orel und glaubte die Affäre damit erledigt. Man täuschte sich jedoch, denn ießt verlautet in der Petersburger Gesellschaft mit Bestimmtheit, der Groß­fürst habe die betreffende Dame, nach erfolgter Scheidung von ihrem Gemahl, morganatisch geheiratet und in Moskau in einem von ihm gekauften und äußerst luxuriös einge­richteten Hause eingemietet. Zugleich kursieren in Peters­burg Gerüchte, daß der Großfürst, dessen schlechtes Aus­sehen allgemein auffällt, an einem schweren inneren Leiden erkrankt sei.

Der Appetit. Arzt: Der Puls schlägt ziemlich normal, die Zunge ist allerdings ein wenig belegt. Wie steht es denn mit dem Appetit? Haben Sie Appetit?"- Patient: Zuweilen, zuweilen auch nicht." Arzt: Wann denn zum Beispiel nicht?" Patient: Wenn ich kurz zuvor gegessen habe!"

Die Abenteuer eines Flüchtlings.

Um der Schande der Verurteilung und einer kurzen Ge­fängnisstrafe zu entgehen, hat Josef Creswick, ein in Rho­desia lebender Engländer, eine waghalsige Flucht unter­nommen, die ihn hilflos auf Wochen und Monate den Ge­fahren und Entbehrungen des afrikanischen Urwaldes aus­lieferte. Creswick war unter dem Verdacht begangener Un­terschlagungen in Bulawaye in Rhodesia verhaftet worden und sollte mit der Bahn nach Salisbury übergeführt wer­den, um dort seinem Richter gegenüber zu treten. Der Zug fuhr mit voller Geschwindigkeit. Creswick sah, daß seine wärter entschlummert waren; mit den schweren stäh= lernen Fußschellen belastet, schleppte er sich leise bis zur Tür des Wagens und stürzte sich dann plößlich aus dem Zuge. Die Erschütterung des Falles ließ ihn einige Zeit halb beroußlos liegen bleiben; dann raffte er sich auf und fonnte feststellen, daß ein glückliches Schicksal ihn mit nur leichten Verlegungen hate davon kommen lassen. Die Nacht war im Anzug, die Abenddämmerung erlosch; mühsam schleppte sich der Flüchtling durch das Dunkel dahin. Alle Versuche, sich der Fußschellen zu entledigen, scheiterten; nur fleine winzige Schritte fonnte er machen, von Stunde zu Stunde steigerten sich die Qualen, bis Creswick endlich er­schöpft niedersant. Als der Morgen anbrach, war nirgends die Spur einer menschlichen Siedlung zu erkennen. In der Ferne sah der Flüchtling die Bahnlinie; ohne Kompaß, ohne Karten beschloß er, sich in gerader Linie von der Bahn zu entfernen, in der Hoffnung, auf diese Weise ungesehen britisches Gebiet zu verlassen. In seinen Taschen fand er noch einige Nahrungsreste, die ihm zur Stärkung dienten. Mühsam schleppte sich der Gefesselte nun weiter. Mit jedem Meter, das ihn weiter von der Stätte seiner Flucht ent= fernte, wuchs seine Hoffnung und sein Vertrauen. Aber Tag um Tag verstrich, die Nahrungsmittel waren längst verzehrt, Wurzeln und wilde Früchte wurden die einzige Kost, und alle Bemühungen, die Stahlfeffeln zu sprengen, spotteten der erschlaffenden Menschenkraft. Endlich, nach mehrtägigen Anstrengungen gelang.es Creswick, nach qual­vollen Versuchen, mit Hilfe harter Steine die Stahlspangen zu durchfeilen. Erst jetzt, so erzählte er später, überkam ihn das Gefühl der wiedergewonnenen Freiheit, und zum ersten Male atmete er hoffnungsvoll auf. Aber die Entbehrungen waren nicht zu Ende. Tag um Tag, Woche um Woche ver­strich. Dann endlich stieß Creswick auf eine einsame Hütte, in der er ein Gewehr und Munition fand, die er kurzweg an sich nahm. Er schoß ein Zebra und genoß zum ersten Male wieder Fleisch. Mit gehobenem Mute sette er feine abenteuerliche Wanderung fort, doch das Gewehr geriet in Unordnung und wieder war Pflanzenkost die einzige Nah­rung. Wo er weilte, war dem Flüchtling längst ungewiß geworden. Von Woche zu Woche verminderten sich seine Kräfte. Fieberphantasien trübten seine Gedanken. Als ihn eines Tages in der Nähe von Leopoldville am Kongo einige Belgier fiebernd und völlig erschöpft dem Tode nahe im Walde fanden, waren seit dem Tage der verwegenen Flucht genau acht Monate verstrichen. In sorgsamer Pflege erholte fich Creswick nach und nach und schließlich fand er auch auf

einem Schiffe als Arbeiter Gelegengeit zur Ueberfahrt nach Antwerpen. Von dort ging er nach London. Aber die Heim­fehr in sein Vaterland brachte Creswick um die Frucht sei­ner Entbehrungen und Leiden; in Whitechapel, auf der Straße erkannte ihn ein Kriminalbeamter, und er wurde wegen Flucht aus gesetzmäßiger Haft festgenommen und nach Rhodesia zurückgeschafft. Man verurteilte ihn zu sechs Moz naten Gefängnis, aber der Körper des Schwergeprüften war dem nicht mehr gewachsen, die Folgen des Fiebers von der langen Irrfahrt im dunklen Erdteil waren noch nicht über­wunden, und jetzt ist der Sträfling in Südafrika im Ge­fängnis gestorben..

Drabtnachrichten und Deaestes.

Berlobung eines preußischen Prinzen.

Berlin, 3. Januar. Der dritte Sohn des verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen, Prinz Friedrich Wilhelm hat sich mit der Tochter des Herzogs Victor von Ratibor, Prinzessin Agathe von Ratibor und Corvey verlobt. Das Berliner Sechstagerennen. Berlin, 3. Januar. Im Sechstagerennen wurden ers ster Rütt- Clerk mit 3752,15 Kilometern.

Die Beisetzung des Großfürsten Michael. Petersburg, 3. Januar. Für die Bestattung des Groß­fürsten Michael Nicolajewitsch sind ganz außerordentliche Maßnahmen getroffen worden. Die Straßen, durch die der Leichenzug vom Nicolaibahnhof nach der Peter Pauls­festung geht, werden von 7 Uhr früh an gänzlich ge­Sperrt. Allen Ladenbesitzern wurde verboten, Fremde in ihr Geschäft einzulassen. Dem Publikum wird nur ge­stattet, an den Bürgersteigen des Newski Prospektes zu stehen, es ist ihm aber auf das strengste untersagt, dem Leichenzug zu folgen.

Die französische Flagge im Hafen von Antivari.

Paris, 3. Januar. Fürst Nikita von Montenegro dankte dem Präsidenten Fallieres telegraphisch für die Ent­sendung einer französischen Seedivision nach dem Hafen von Antivari. Der Temps" bemerkt dazu, daß nach der Ab­schaffung des Artikels 29 des Berliner Vertrages, d. fi. dem Verzicht Defterreichs auf die Kontrolle des Hafens von Antivari die französische Flagge als erste dort erschien, Es geschah dies infolge einer Vereinbarung zwischen Frank­reich, Rußland und Italien.

Die griechische Krists.

Athen, 3. Januar. Die Militärliga stellte gestern der Regierung in der Kammer ein Ultimatum zur Vo­tierung der Gesetzesvorschläge, die die Liga wünscht. Im Falle der Weigerung hat die Obstruktionspartei. d. h. dte Theotokis- und Rallis- Partet, die Verantwortung für die Konsequenzen zu tragen. Das Militär wird in der Kammer bereit gehalten. Die Lage ist sehr ernst.

Bluttaten in Berlin am Neujahrstage. Berlin, 3. Januar. Einen blutigen Ausgang hatte eine Geburtstagsfeier am Neujahrsabend in der Koppenstraße. Dort versuchte der 54 Jahre alte Arbeiter August Zöllner seine Frau nach kurzem Wortwechsel zu erschießen. Er ver­letzte sie aber nur leicht durch zwei Schliffe und tötete sich selbst durch einen dritten. Im Hause Elisabethufer 53 schoß der Sohn des Zimmermanns Simanowskt auf seinen Vater und verlebte ihn im Gesicht schwer, worauf der Sohn sich selbst eine Kugel in den Kopf jagte. An seinem Auf­fommen wird gezweifelt. Der alte Simanowski war dem Trunke ergeben, weshalb es zwischen den Eheleuten öfter zu Zwistigkeiten fam, so auch am Neujahrstage wieder. Als der Vater wiederum tätlich werden wollte, griff der Sohn ein. Die Zahl der Selbstmorde ist sehr groß. Auch eine Anzahl Unfälle, meistens durch unvorsichtiges Spielen mit Revolvern sind zu verzeichnen. Viele Personen wur­den auf der Straße durch Stiche verletzt. In der Sil­vesternacht wurden im ganzen 139 Siftierungen vorgenom men. In mehr als 30 Fällen mußte die Feuerwehr in Tätigkeit treten. In den meisten Fällen handelte es sich um kleinere Brände.

Mord und Selbstmord einer Mutter. Potsdam, 3. Januar. Die Frau des Steinsetzers Kloke, die am Neujahrstage ihre beiden jüngsten Rinder, in Alt- Beltow erhängt hat, ist gestern abend auf dem Bahn­förper der Strecke Potsdam- Werder tot aufgefunden wore den. Sie hat sich vom Zuge überfahren lassen.

Ertrunkene deutsche Seelente.

Leith, 3. Januar. Zwei Matrosen des Schoners Hein­rich uas Geestemünde ertranken infolge Kenterns des Bootes in dem sie mit dem Kapitän zum Schiff zurückkehren wollten.

Schiffsfatastrophe auf hoher See.

London, 3. Januar. Auf hoher See zwischen England und Irland stießen heute früh die beiden englischen Dam­pfer Ayrshire und Arcadian zusammen. Der Arcadian sank. Dreizehn Personen sind dabei ertrunken.

Verheerendes Großfener.

Alexandrien, 3. Januar. Eine große Feuersbrunst entstand hier im Warendepot, welches für 25 Millionen Francs Tabak enthielt. Nach langen Bemühungen, unter­stügt von Matrosen des deutschen Kanonenbootes Freya, gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der Schaden beläuft sich auf 72 Millionen Francs.

Ueber Kunstdünger. Seit etwa 30 Jahren haben sich die Erträge in der deutschen Landwirtschaft verdoppelt. Er­träge von 15-18 3tr. Korn und mehr pro Morgen, die vor 20 und 30 Jahren noch unmöglich waren, sind heute durchaus nicht mehr selten. Dasjenige Mittel, welches uns neben der Pflanzenzüchtung am meisten zur Erzielung hoher und höchster Erträge verhilft, ist der Kunstdünger, wenn er rich­tig und zweckmäßig angewandt wird. Als Beispiel sei hier ein Haferdüngungsversuch auf schwerem Boden des Herrn Prasun zu Heßlingen in der Grafschaft Schaumburg an­geführt. Von der ungedüngten Fläche wurden 12,2 3tr., von der mit Superphosphat und Chilisalpeter gedüngten 15,0 3tr. und auf einer dritten Parzelle, die neben Super­phosphat und Chilisalpeter noch 1 3tr. 40% iges Kalifalz erhielt, wurden 21,9 3tr. Hafer erzielt. Auf der lezten Parzelle, die alle Nährstoffe erhielt, war die Wirkung weit­aus am größten. Und das ist in der Regel der Fall. Häufig wird einseitig mit Phosphorsäure oder mit Phosphorsäure und Stickstoff gedüngt und die Kalidüngung vernachlässigt, obschon sie gerade äußerst wichtig und unerläßlich ist.

Die Frage einer rationellen Pflege der Haut beginnt jett Gemeingut des ganzen Volkes zu werden; es wird von den Aerzten vielfach empfohlen für die Hautpflege im Haus­halt eine Fettsalbe vorrätig zu halten. Alle früher zu diesem Zweck verwandten Mittel sind jeßt weit überholt durch das Lanolin, das infolge der Eigenschaft nicht ranzig zu werden, und weil es völlig antiseptisch ist, in der Haut­pflege eine ausgezeichnete Rolle spielt. Die Lanolinfab­rif Martinikenfelde hat aus dem Lanolin einen leicht par­fümierten Cream, das Lanolin- Toilette Cream Lanolin Marke Pfeilring" hergestellt, das nicht allein als Schönheitsmittel fich völlig eingebürgert hat, sondern namentlich in der Kinderstube unentbehrlich geworden ist. Beim Einkauf achte man darauf, daß jede Tube oder Dose die Marke ,, Pfeilring" trägt, da nur diese die Echtheit des Präparates aewährleistet.