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Die Neujahrsfeier am Katserhofe.

Das leichte Frostwetter am Neujahrsmorgen hatte die Straßen Berlins nach den lebten Regentagen säubern helfen und so fand sich auch mit dem anbrechenden Tag, als die Kaiserstandarte, die Königsstandarte und die turbranden­burgische Flagge auf den Binnen des Königlichen Schlos ses emporstiegen, eine gewaltige Menge Schaulustiger im Lustgarten und beim Kaiser Wilhelm- Denkmal ein, die bis zum Beginn des großen Weckens auf etwa 12 bis 13 000 Bersonen anschwoll. Der Kaiser traf bald nach 9 Uhr vom Neuen Palais her im Automobil im Schlosse ein, die Kai­ferin um 9,22 Uhr mit Sonderzug auf dem Votsdamer Bahnhof, von wo sie im Galawagen sich nach dem Schlosse begab. Die Majestäten wurden von dem immer mehr an­wachsenden Publikum lebhaft begrüßt, ebenso die Prinzen und Prinzessinnen. Während die Majestäten im Schlosse die Neujahrswünsche des Königlichen Hauses und der Hof­staaten entgegennahmen, erfolgte die große Anfahrt der Fürstlichkeiten, der Generalität, der Staatswürdenträger und der Hofchargen. Um 10 Uhr begann in der Schloß­tapelle der feierliche Gottesdienst. Die Hoftrauer war für den Neujahrstag abgelegt, und so bot die hohe marmorschim­mernde Halle das bekannte glänzende Bild. Es versam­melten sich die Mitglieder des hohen Adels, der Reichs­tanzler( in Dragoner- Uniform) und die Bevollmächtigten zum Bundesrat, die Generalität und Admiralität mit den General- Feldmarschällen Grafen Haefeler und von Hanfe an der Spiße, die Ritter des Schwarzen Adler- Ordens, die Staatsminister, Kommandeure der Leibregimenter, die Staatssekretäre, Wirklichen Geheimen Räte und die Räte erster Klasse sowie die Präsidien des Reichstages und bei­der Häuser des Landtages. Die Hofgeistlichkeit stand am Altar. Der Domchor, geleitet von Professor Rüdel, stimmte a capella den 98. Psalm an( Singet dem Herrn ein neues Lied), als der Hof unter Vorantritt der Pagen und der Herren des großen Vortritts seinen Einzug hielt. Der Kaiser, in Generalsuniform mit dem Bande des Schwar­zen Adler- Ordens und der Kette des Hausordens von Hohenzollern, führte die Kaiserin, die eine lilafarbene Robe mit gleichfarbigem Hut trug. Die Majestäten nahmen dem Altar gegenüber Plaz, die genannten Fürstlichkeiten ihnen zur Seite, hinter ihnen Prinz Joachim, Prinz Friedrich Wilhelm, Prinz Karl von Hohenzollern, Prinz Georg von Griechenland und die drei jungen Söhne des Prinzen Friedrich Leopold. Nach Gemeindegesang und Liturgie, die der Bläserchor begleitete, sang der Domchor in vollen deter Schönheit ,, Herr Gott, Du bist unsere Zuflucht für und für." Oberhofprediger D. Dryander predigte über das vom Kaiser ausgesuchte Textwort Ev. Johannis 1, V. 4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen". Dies Licht der Menschen, führte der Ober­hofprediger aus, sei die Liebe, die Liebe Gottes, die uns leuchte, und die Liebe, die auch aus uns leuchten soll, iene selbstlose Liebe, die nicht das ihre sucht, die geduldig ist und verzeihen kann. Und weil unser keiner diese Liebe ausgelernt habe, darum träten wir jedes neue Jahre mit neuen Vorfäßen zu dieser Liebe an. Leuchten möge die dunkle Welt, und könne es nicht sein auf einen weiten Kreis ein fleines stilles Leuchten, erwärmend, erquickend, könne von jedem ausgehen. Was das neue Jahr bringe, wissen wir nicht, aber was wir zu tun hätten, daran sei kein Bweifel. Und in das Gelübde unsere Pflicht in Liebe zu tun, schlössen wir dann auch das der Treue für unseren Kaiser und sein Haus und unser Vaterland ein. Der Got­tesdienst schloß mit dem niederländischen Dankgebet. Unter den Klängen des Wilhelmus von Nassauen" begab sich so­dann der Hof in feierlichem Zuge nach dem Weißen Saale. Sier begann bald nach 11 Uhr die Gratulations- Defilier cour bei Ihren Majestäten, während die Leibbatterie des 1. Garde- Feld Artillerie- Regiments im Lustgarten Salut schoß. Der Kaiser und die Kaiserin traten vor die Stufen des Thrones, neben dessen beiden Thronsesseln zwei Leib­pagen Wache hielten; der Kronprinz und die anwesenden Brinzen traten rechts, die Prinzessinnen links neben den Thronhimmel. Geleitet vom Obersttämmerer Fürsten Solms- Baruth und dem Oberhofmarschall Grafen Eulens burg defilierten die zur Cour befohlenen Herren nach den Klängen der Musik. Der Kaiser reichte dabei dem Reichs­fanzler Dr. von Bethmann Hollweg die Hand. An die Cour schloß sich der Empfang der Botschafter, die in ihren Staatsfarossen inzwischen ins Schloß eingefahren waren, sowie der Staatsminister, der Kommandierenden Generals und der Admirale.

Später begaben sich Seine Majestät der Kaiser und die Prinzen nach dem Zeughaus hinüber, vom Publikum mit Hochrufen begleitet. Nachmittags fuhr der Kaiser bei dey Botschaftern vor.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Angriffe gegen Herrn v. Schoen. Die Tägliche Rund­Hau" hatte dem Auswärtigen Amt neuerdings vorgewor= en, daß es die Interessen zweier deutscher Staatsangehö­rigen ausländischen Behörden gegenüber preisgegeben habe, daß sogar ein deutscher Diplomat sozusagen strafversett wor­

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Der Fall Welshofen.

Kriminalroman von M. Kossak.

1. Kapitel.

Nachdruck verboten.

Es war an einem falten, mondlosen Abend des sich seinem Ende zuneigenden Oktober. In den ,, Kaiserhallen", einem großen, eleganten Varietee am Wiener Graben", drängte sich Kopf an Kopf, wie es regelmäßig geschah, seitdem die schöne Anita Brusio dort auftrat. Die Künst ler in den Kaiserhallen" leisteten durchweg Vorzügliches, aber die Besucher des Lokals, welche das Programm be­reits zur Genüge kannten, erschienen doch erst, wenn die Nummer der reizenden Italienerin an die Reihe kam. Dann saßen sie schier andächtig, verwandten kein Auge von der wunderbar geschmeidigen Gestalt und wagten kaum zu atmen, um die weihevolle Stimmung, die sich ihrer und ihrer Umgebung bemächtigt hatte, nicht zu stören.

Jetzt war der große Augenblick da. Mademoiselle Ce­lina Dupont und Monsieur Anatole Leclair, das Pariser Sängerpaar, hatte soeben seine prickelnden, graziösen Mont­martre- Chansons beendigt, der Vorhang war gefallen und in verblüffend kurzer Zeit wieder emporgegangen, um eine seltsame traumhafte Szenerie, eine in verschwommenen Um­rissen und Farben gemalte tropische Waldlandschaft, in de ren Hintergrund lautlos fließendes Wasser blinkte, zu zei­gen, und das Orchester hatte eine fremdartige, etwas mono­tone Melodie zu spielen begonnen. Wer einen Blick darauf warf, der war überrascht zu sehen, daß die Geiger, Flöten­und Klarinettenbläser sich einer beschaulichen Ruhe hin gaben, und daß plößlich vier Harfenspielerinnen und zwei Männer mit großen wunderlich geformten Blasinstrumen­ten dort saßen. Die letteren waren vorläufig aber noch nicht in Tätigkeit gesetzt, und nur die Harfen ließen leiſe, süße Töne erklingen. Während diese sich in die Ohren der Hörer schmeichelten, kam, von einem intensiven bläulichen Licht umflossen, eine zarte märchenhafte Gestalt hereinge­schwebt. Schleierartige Gewänder, die um den Oberfärs

den set, weil er sich in der Vertretung deutscher Interessen au eifrig gezeigt habe. Die Nordd. Allg. 3tg." seht die­fen Behauptungen ein energisches Dementi entgegen und stellt fest, daß der eine der Interessenten, der angeblich zu Klagen über Mangel an Schutz seitens der deutschen Be­hörden Anlaß haben wollte, an Querulantenwahn leide, während der andere für die energische Förderung seiner Intereffen der betreffenden Gesandtschaft ausdrücklich sei­nen Dank ausgesprochen habe.

Zur Reform unserer Reichsversicherungsgesetzgebung. Bald nach Neujahr werden im Bundesrate die Arbeiten wieder aufgenommen, und zwar soll zuerst der vorliegende Entwurf einer Reichsversicherungsordnung weiter beraten werden. Wie der B. L.-A." aus zuverlässiger Quelle hört, Itegen dazu eine beträchtliche Anzahl von Abänderungs­anträgen schon jetzt vor, besonders auch von süddeutscher Seite, und weitere find noch zu erwarten.

Die Bewegung unter den Ruhrberglenten. Am ver­gangenen Dienstag hat eine Konferenz der Vorstände der vier Bergarbeiterverbände im Ruhrrevier beschlossen, den Kampf gegen den Zwangsarbeitsnachweis der Bechenbesizer fortzuführen. In einem Aufruf an die Bergarbeiter werden kurz die Gründe dargelegt, die die Verbände veranlassen müßten, selbst nicht vor dem äußersten Mittel, dem Streik, zurückzuschrecken, um so die Mitwirkung der Verbände in der Frage der Arbeitsvermittlung im deutschen Bergbau zu erzwingen.

Die ungarische Ministerkrisis. Kaiser Franz Josef hat noch immer fein neues ungarisches Ministerium ernennen Fönnen, die schwebenden Verhandlungen haben noch kein Resultat ergeben. Da kein Budget zustande gekommen ist, ift die Erhebung der staatlichen Einkommensteuer einstwei­Ien ausgesetzt. Dieser Zustand ist also der gleiche wie in England, wo die neuen Steuern, die das Unterhaus an­nahm und das Oberhaus ablehnte, einstweilen auch nicht bezahlt zu werden braucht.

Das belgische Königspaer wird, sobald die Hoftrauer beendet ist, mit seinen Auslandsreisen beginnen. Zunächst soll der holländische, dann der Berliner Hof besucht werden, schließlich Paris und London. Die Königin Wilhelmine wird, wie es heißt, den Besuch zur Zeit der Brüsseler Welt­ausstellung erwidern.

Kaffeezollerhöhung in Schweden. Der schwedische Fi­nanzminister teilte im Staatsrate mit, er werde im Reichs­tag die Erhöhung des Kaffeezolls um sechs Dere, von 12 auf 18 Dere pro Kilogramm, beantragen. Die Zollerhöhung soll vom 1. Januar 1910 ab in Kraft treten.

Der Wahlkampf in England. Schazkanzler Lloyd Geor­ge verspottete in einer Rede, die er gestern in Reading stelt, die Furcht vor den Deutschen und sagte, England solle Deutschland lieber nachahmen in seiner Sorge für den Schutz der Arbeiter gegen Krankheit und Invalidität. Das Budget ermögliche einen solchen Schutz.

Die neue Marokkoanleihe. Die neue Marokkoanleihe, die Mulay Hafid vollständig in die Abhängigkeit Frank­reichs bringt wird Ende Januar ausgegeben werden.

Die spanischen Finanzen. Der spanische Ministerrat beschäftigte sich in einer seiner letzten Sibungen mit der finanziellen Lage des Landes. Es wurde festgestellt, daß der Staatsschatz nach Abzug aller Ausgaben einschließlich der für Melilla am 31. Dezember einen Ueberschuß von 77 Millionen aufweist.

Politische Verurteilung in Rußland. Der ehemalige Redakteur der Zeitung Strana, Professor Maxim Kowa­lewsky, gegenwärtig Mitglied des Reichsrats, ist vom Be­zirksgerichte in Petersburg ohne Teilnahme von Geschwo­renen zu zwei Monaten Gefängns verurteilt worden, well das Blatt eine Reihe von Artikeln, in denen eine Beleidi= aung des Militärs erblickt wurde, sowie falsche Mittel­lungen über die Tätigkeit der Regierung gebracht hatte.

Die Haltung der Pforte gegenüber Kreta. Nach der Erklärung eines türkischen Diplomaten wird die Pforte die Reistung des Treueides der fretischen Regierung für einen anderen Souverän als den Sultan nicht dulden und auf Entfernung der neuen fretischen Regierung dringen.

Kleine Nachrichten.

Der neue Militärballon Groß 3 ist Freitag vormittag zum ersten Male auf dem Tegeler Schießplaße mit sechs Mann Besabung aufgestiegen. Nach stündiger Fahrt lan­dete das Luftschiff glatt. Nachmittags 3 Uhr stieg der Militärballon zu einer neuen Fahrt auf und flog in einer Höhe von 200 Metern über Plößensee nach Charlottenburg.

Groß- Leipzig Freitag vormittag erfolgte in Anwesen­heit von Vertretern der Regierung und der Stadtverwal­tung die feierliche Einverleibung der Vororte Möckern, Stötterit, Probstheida, Stünz, Dölitz und Dösen in die Stadt Leipzig. Die Einwohnerzahl erhöht sich auf rund 600 000. Leipzig wird dadurch die größte Stadt Sachsens.

Mit einer neuen Steuer sind die Berliner Gast- und Schankwirte von der Polizei überrascht worden. AlleSchank­und Gastwirte haben, wenn sie über die Polizeistunde hin­aus am Silvesterabend ihr Geschäft offen halten, 1,50 M Lustbarkeitssteuer zu entrichten. Diese Steuer wurde jetzt jetzt zum ersten Male den Wirten auferlegt.

Normalzeit in Chile. Die südamerikanische Republik Chile hat, wie aus Santiago telegraphiert wird, mit Beginn des Jahres 1910 eine Normalzeit eingeführt, die der Zeit in Greenwich genau um fünf Stunden nachgeht.

per einen Blumenkelch formten, umflossen die schlanken Glieder, die Arme waren von gleißenden Schlangen um­wunden, und das zierliche Haupt schmückte der charakte­ristische Kopfpub, wie ihn die Frauen aus der Pharaonen­zeit trugen.

,, Wie schön, wie wunderschön!" flüsterte es in den Rei­hen der Zuschauer. Und wahrlich, die Künstlerin dort auf der Bühne verdiente die Bewunderung, die sie er­regte. Sie mochte in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre stehen, aber ihr schmales, blaßbräunliches Gesicht, welches an regelmäßigem Schnitt mit den herrlichsten Mei­sterwerken der Antike wetteiferte, besaß noch eine fast nied­liche Weichheit der Formen, die einen fesselnden Kontrast zu den blutroten vollen Lippen und den brennenden Koh­lenaugen bildete; diese Augen aber waren unnatürlich groß so daß man förmlich erschrecken konnte, wenn sie die von langen seidigen Wimpern befransten Lider hob und das Strahlenfeuer ihrer Blicke auf das Publikum richtete. Wun­derbar wechselnd erschien auch der Ausdruck ihrer Züge welche die ganze Stala menschlicher Empfindungen wider­zuspiegeln vermochten. In diesem Augenblick freilich lag nur etwas Müdes, Sanftes, Schwermutvolles darin, mit denen sie über das Podium glitt. Der Lotosblume Tanz" war ihre Nummer auf dem Programm genannt und tatsäch­lich erinnerte die ätherische Gestalt in dem blauen Licht, das sie beständig begleitete, mehr an eine Blume, als an ein lebendes Weib.

Und jetzt ein paar schrille posaunenartige Töne aus den Blasinstrumenten das blaue Licht erlischt, ein kur­zes Durcheinanderfunkeln der roten, grünen und gelben Flammenbliße, die der Scheinwerfer auf der mittleren Galerie erzeugt und die das Auge derart blenden, daß man nichts von dem erkennt, was auf der Bühne vor­geht, darauf ein Drehen wie von einem roten Feuerrad, das plötzlich still steht und die Märchenlandschaft in grell­rotem Licht zeigt. Noch immer glänzt das lautlos fließende Wasser im Hintergrunde, aber die Palmen zu seinen bei­den Seiten haben sich in ägyptische Säulenhallen ver­wandelt, vor denen je rechts und links eine Sphing Wache hält. Auf der Mitte der Bühne steht die Lotosblume von borhin, nunmehr eine ägyptische Prinzessin oder auch wer will es sagen? eine Sklavin im ganzen Reiz

Große Ueberschwemmungen werden aus Südbulgarien gemeldet. Bei der Station Katuniza östlich von Philippopel stürzte gestern die Bahnbrücke ein, nachdem kurz vorher der Orientexpreßzug aus Konstantinopel darüber gefahren war Der Verkehr auf der Hauptstrecke Sofia- Konstantinopel ist unterbrochen.

Dampferznfammenstoß a.. der Elbmündung. Gestern nachmittag kollidierte bei dichtem Nebel der ausgehende Dampfer Patricia mit dem fünften Feuerschiff. Das Feuer schiff ist gesunken; die Mannschaft wurde gerettet und in Cuxhaven gelandet.

Das Schicksal des Ballons Luna. Man nimmt an, daß das deutsche Luftschiff Luna bei den Alandsinseln verunglückt ist. Die in Petersburg eingelaufenen Berichte verschiedener Leuchtturmsinspektoren melden, daß sie den Ballon mit östlichem Kurs auf die Alandsschären hinfliegen sahen. Nach einer Meldung aus Reval wurde bei der Insel Hochland ein Ballon gesichtet. Man will die deutschen Far­ben erkannt und in der Gondel zwei Personen bemerkt haben.

Ein überraschendes Urteil. Im Staate Judiana fällte ein Richter ein überraschendes Urteil in einem Eheschei dungsprozesse. Er gab dem Verlangen auf Scheidung nach, aber nur probeweise und sprach die Trennung von Tisch, Bett und Haus auf fünf Jahre aus, nach deren Verlauf die Che bei beiderseitigem Einverständnis wieder zu Recht be­stehen soll.

Begnadigte Verbrecher. Der Schlosser Hermann Kämpf aus Bielefeld, der im Oktober v. J. vom Braunschweiger Schwurgericht wegen eines Raubmordes zum Tode verur­teilt wurde, ist jetzt vom Herzogregenten zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt worden. Die vom Schwurge­richt Beuthen zum Tode verurteilte Schloffers- Ehefrau Pietka aus Karf, die ihren Mann mit einem Hammer er­schlug, ist zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden. Der Erlaß wurde ihr Weihnachten zugestellt.

Schwere Eisenbahnunfälle in Amerika. Bei Trenton in Missouri ist der Kalifornien- Expreßzug entgleist. Fünf Per­sonen sind in einem Pullmanwagen, der Feuer fing, ver­brannt. Neun sind schwer verletzt. Bei einem weiteren Eisenbahnunglück wurden auf der Neuyorker Zentralbahn der Bankier Trask und drei weitere Passagiere getötet.

Auspeitschung barmherziger Schwestern. Aus Jekateri­noslaw wird gemeldet, daß die Gräfin Kapnist, Vorsteherin des dortigen Roten Kreuzes, zu vier Wochen Arrest wegen. schwerer Mißhandlung barmherziger Schwestern verurteilt wurde. Auf Befehl der Gräfin mußte ein Tscherkesse die Schwestern auspeitschen.

Familientragödie. Der beschäftigungslose Arbeiter Wil helm Heß in Düsseldorf ermordete am Freitag mittag seine Ehefrau und versuchte, Selbstmord zu begehen, sowie sein zweijähriges Söhnchen zu töten. Beide sind schwer verletzt. Der Grund zu der Tat ist in Nahrungssorgen zu suchen.

Die Kindesleiche im Dorfbrunnen. In dem Orte Com­litz bei Döbeln fand man in einem Brunnen, der fast den ganzen Ort mit Trinkwasser versorgt ,, die vollständig ver­weste Leiche eines Kindes. Man vermutet, daß eine im Orte tättg gewesene Arbeiterin das Kind heimlich geboren und in den Brunen geworfen hat.

Wissenschaft, Kunst und Citeratur.

Professor Hergesell aus Straßburg ist von seiner Expedition vom Karaibischen Meer in Neuhork eingetroffen. Seine Luftforschungen, namentlich die der Bassatwinde, waren erfolgreich. Die Registrierungsballons haben, eine Höhe von 18000 Meter erreicht, wobei Temperaturen von 81 Grade effius gemessen wurden.

Franz v. Defregger, der bekannte Münchener Maler, erhielt aus Anlaß seines Scheidens aus seinem Amt als Akademieprofessor die große goldene Luitpoldmedaille. Der Brinzregent von Bayern überreichte ihm persönlich die Aus­zeichnung.

Die Temperatur der Sterne. Die Möglichkeit, die Temperatur der Firsterne troß ihrer ungeheuren Entfern ung von der Erde zu messen oder wenigstens mit einiger Zuverlässigkeit zu bestimmen, ist eine der außerordent lichen Errungenschaften der neuzeitlichen Wissenschaft. All­zu genaue Ergebnisse wird man freilich nicht erwarten dür­fen, weil ja sogar die Temperatur der Sonne noch nicht mit Sicherheit bekannt ist. Immerhin hat man die Fira sterne bereits nach ihrer Temperatur in eine Reihe von Gruppen gebracht, und es ist begreiflich, daß diese Einteil ung für die Beurteilung des Zustandes, in dem sich die verschiedenen Sterne befinden, von größter Wichtigkeit ist. Die deutschen Astronomen Dr. Wilsing und Scheiner haben jekt in den Astronom. Nachrichten" Untersuchungen von 109 hellen Firsternen veröffentlicht, deren Temperaturen zwischen 2800 und 12 800 Grad liegen. Gleichzeitig hat Dr. Nordmann der Akademie der Wissenschaften die Gr gebnisse ähnlicher Forschungen vorgelegt, die ihn zu der Annahme von 15 Gruppen von Firsternen geführt haben. Die Gruppe mit der geringsten Wärme stimmt mit den Messungen der deutschen Forscher gut überein, da sie zu 2870 Grad angenommen wird. Dagegen ist Dr. Nord­mann zu dem Schluß gekommen, daß es Sterne gibt, deren Size mehr als 60 000 Grad erreicht. Andere Bestimm ungen haben die höchste Temperatur nur auf etwas mehr als 40 000 Grad festgesetzt.

berauschender erotischer Schönheit. Sie trägt noch die­selben Gewänder, aber durch die Art, wie sie sie um sich drapiert, gewinnen sie das Ansehen morgenländischer Bracht. Wie sie schreitet, tanzt, sich beugt jeder Zoll eine Salome oder sonst eines jener Weiber, denen ein Menschenleben nichts gilt, wenn es sich um die Befriedigung ihrer grau­samen Launen handelt! Wie die kleinen spißen Zähne raub­tierartig zwischen den halbgeöffneten Lippen bliben, wie die Augen funkeln! Mitten in ihren tigerhaften Beweg ungen greift sie sich an den Kopfpub, reißt ihn herunter und während die schwarzen Haare fessellos herabfallen, bleibt sie mit erhobenen Armen wie erstarrt stehen. Das rote Licht weicht dem anfänglich blauen, Palmen breiten, zu beiden Seiten sich verschiebend, ihre Wedel über die Säu­lenhallen, die Posaunentöne schweigen und wieder spielen die Harfen ihre süßen leisen Weisen. Die Tänzerin aber schwebt, sich langsam aus ihrer Grstarrung lösend, immer mit erhobenen Armen, auf das blinkende Wasser zu, gleitet hinein und versinkt darin. Nur der Kopf, um den die Schleiergewänder sich wie ein Blütenkelch blähen, schwimmt über den Fluten. Die Lotosblume auf dem mondbeschie­nenen Wasserspiegel!

Ein Beifall, der das ganze Haus durchtost, folgt dem Fallen des Vorhanges. Ein halbes Dußendmal muß Antia Brusio den Vorrufen Folge leisten. Sie erscheint mit tiefernstem Gesicht, verbeugt sich mit der Würde einer jungen Fürstin und entfernt sich gemessen. Nicht einmal als ihr aus der Proszeniumsloge ein prachtvolles Bukett von Tuberosen und Orchideen zugeworfen wird, huschte der Schatten eines Lächelns um ihren Mund.

,, Die versteht's!" sagte eine junge Artistin hinter der Szene zu ihrer Kollegin. Was meinst Du, Frieda, ob's uns wohl auch einmal so glücken wird? Ich glaube nicht. Wir verstehen uns eben nicht so'n Air zu geben, denn mit ihrer Schönheit und ihrer Kunst hat sie sich doch nicht ihren Grafen eingefangen, sondern bloß mit ihrem vor nehmen Getue.

Die Frida" Genannte zuckte gleichmütig die Achseln ,, Ach Du, hübsch ist sie wirklich, zehnmal hübscher als ich und Du mußt mirs nicht übel nehmen, Louison hübs scher als Du."

Fortseßung folgt.)

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