Mr. 204
Bleiben.
Von morgen an wirst du ben Rang und den Titel
nämlich, daß irgendwo ein Geheimnis steckt,
Adjutanten des Obersten Feodor von Amberg.
Herren, wünsche ich Ihnen eine gute Nacht. eines Hauptmannes führen, und deine Stellung ist die eines Herr von Am
Nun, meine
den König betrifft, und das weiß unser Herzog. Vorschlag zu machen, glaube ich, daß er zur Aufklärung mir jedoch gestatten wollen, mich zu erkühnen, Ihnen einen welches Wenn Sie
Sie und
Freitag, den 31. August 1906
15. Jahrgang
Babattion u.Bauptegbebition: Gießen, Selter weg 88.
Fernsprechenschluß Nr. 862.
Gießener
£
Contibellagen: Oberbeffiche Familienzeitung( dig und bie Gießener Seifenblasen( wöchentlich).
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Beifung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von hien
Der gewerbliche Akkordvertrag.
Der Deutsche Juristentag hält in nächster Zeit in Kiel Teine 28. Vollversammlung ab. Aller Wahrscheinlichkeit wird die Versammlung sehr gut besucht sein. Denn der haupts fächlichste Gegenstand der Beratung ist diesmal von ganz be fonderem Interesse. Zunächst für den Juristen selbst, dem fich eine bisher fast völlig unbearbeitete Materie bietet; ferner aber auch für die weitesten Kreise der Bevölkerung: für alle gewerblichen Unternehmer und für alle gewerblichen Arbeiter. Der gewerbliche Affordvertrag ist es, über den in Kiel tundige Männer sprechen werden. Kundige Männer zunächst im Sinne der juristischen Wissenschaft. Denn wohl weiß jedermann, was ein Affordvertrag ist; doch seine juristische Bedeutung ist so sehr ins Dunkel gehüllt, daß gelehrte und gewerbliche Richter bei der praktischen Rechtsprechung zu Urteilen gekommen sind, die sich mit einander nicht gut vertragen und manchmal dem Leinenverständnis völlig uneingängig find. Wenn uun in Dingen, die das tägliche praktische Leben angeben, widersprechende Urteile erlassen werden, so führt das Zur Verwirrung und zu einem Mißtrauen, daß dem Richter gegenüber im allgemeinen Interesse nie Plaz greifen sollte.
Kein Wunder übrigens, daß bei einer recht lückenhaften Gesetzgebung die Juristen zu dem gewerblichen Akkordpertrag nicht so schnell zu einer festen Stellungnahme gelangen konnten. War es doch den Arbeitgebern und namentlich den Arbeitern selbst nicht besser ergangen. Es ist gar so lange nicht her, daß das Schlagwort ,, Affordarbeit Mordarbeit" für eine unwidersprechliche Wahrheit bei vielen Arbeitern galt. Man bertrat die Ansicht, daß die Affordarbeit den Arbeiter zu ungebührlichen Anstrengungen und damit zu vorzeitigen Verbrauch seiner Kräfte verleite und daß überdies der durch Affordarbeit etwa erlangte Mehrverdienst immer schon nach burzer Zeit zu einem Lohndruck führe. Die eigene Erfahrung des Arbeiters sprach freilich dagegen. Diese Erfahrung sagte, baß die Akkordarbeit die Geschicklichkeit und den Fleiß des Arbeiters zur rechten Enthaltung bringe und erziehlich auf ben ganzen Stand wirke, die Leistungen aller Standesangehörigen und damit deren ganze Lebenshaltung erhöhe. Es dauerte aber eine ganze Weile, ehe die Erfahrung die Oberhand gemann gegenüber dem Schlagmort. Jetzt wird nicht mehr Affordarbeit Mordarbeit genannt, jezt bevorzugt gerade der selbstbewußte, tüchtige, fleißige Arbeiter den gewerblichen Akkordvertrag. Nicht anders geht es dem Arbeitgeber, der bei dem Akkordbertrag weiß, was er für sein Geld erwarten darf und betommen wird. Er hat für die Berechnung feiner Produktionsfosten eine viel sichere Unterlage, denn bei den Produktionsfosten spielen die Arbeitslöhne eine sehr große Rolle. Ueberdies ist es würdiger, daß der Arbeiter nach dem Wert seiner Leistung, nicht nach dem bloßen Zeitaufwand bezahlt wird. Wo dies geschieht, wird auf Ungeschicklichkeit und Trägheit eine förmliche Prämie gesetzt. Das fain beiden Teilen, den Arbeitgebern, wie den Arbeitern, zu Schaden und darum haben beide Teile fich einmütig dem Affordrertrag zugewandt der die Interessen der einen wie der anderen Partei wahrt. In der Großindustrie gibt kaum noch eine andere Art der Entlohnung als den Akkordlohn. Darum denkt auch tein Arbeiter meyr daran, den Affordvertrag etiva aufzugeben. Ganz im Gegenteil: man will ihn sichern, geseglich sichern, und damit dies in der rechten Weise geschehe, wendet man fich an die Juristen. Die Arbeitgeber ebenso wie die Arbeiter. Jetzt ist es an den Juristen, gute Arbeit zu liefern; auf dem Felde sich zurechtzufinden, das bisher fachmännisch nur recht oberflächlich und unzulänglich, gleichsam nur zufallsweise beadert worden ist. Die Aufgabe ist nicht leicht. Von den Juristen allein wäre fie faum zu bewältigen, wenn nicht die Juristen mit der lebendigen Pragis in engster Fühlung ständen. Die Theorie, die wir gewiß nicht gering achten, reicht hier nicht aus. So wenig wie die Praxis allein ausreichen würde. Beide müssen zusammengehen und einander ergänzen. Man darf es nicht als Zufall betrachten, daß für den kommender deutschen Juristentag ein Theoretiker und ein Praktiker, beide in ihrem besonderen Fach bedeutend, das Referat über den gewerblichen Akkordvertrag übernommen haben. Um so ficherer ist zu erwarten, daß ein gutes und für die Praxis brauchbares Ergebnis erzielt werden wird. Unter allen Umständen ist der gute Wille vorhanden, jeder billigen Anforderung gerecht zu werden.
Abgeschlossen wird die Frage auf dem deutschen Juristentage und durch den deutschen Juristentag allerdings nicht. Dazu find die gesetzgebenden Körperschaften da. Aber für diese wird gute und aufklärende Vorarbeit geleistet. Sache der unmittelbaren Interessenten, der Arbeitgeber und der Arbeiter ist es, ihre Wünsche und Vorschläge vernehmbar zu machen. Und daran wird es wohl nicht fehlen.
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Unter der Herrschaft des Terrors.
Der Terrorismus steht gegenwärtig in Rußland in höchster Blüte. Kein Tag vergeht, an dem nicht ein halbes Dugend Attentate verübt werden, an dem nicht die Rache der Revolutionäre ein paar Beamte oder Offiziere erreicht und fie mit Dolch, Revolver oder Bombe in arausamer Weise
hinschlachtet. Kaum ein Drittel der Mordtaten wird im Auss lande bekannt; erst die Statistiken, die ab und zu veröffent licht werden, lassen erkennen, eine wie furchtbare Waffe die Bombe in der Hand der Aufrührer ist. Noch steht die Welt unter dem Banne des Attentates gegen Stolypin und schon war
ein neuer, noch furchtbarerer Anschlag geplant, den nur ein Zufall im letzten Augenblicke verhütet hat. Kurz bevor der Moskau- Petersburger Schnellzug den Kilometerstein 2 hinter Moskau passieren sollte, fand ein Bahnarbeiter dort unter den Schienen eine vier Pfund Pyrorilin enthaltende Bombe.
Wäre der Anschlag geglückt, so wäre ein unabsehbares Unglück entstanden, denn der Zug war von mehr als 200 Personen besetzt, unter denen sich mehrere höhere Beamte nnd Würdenträger befanden, gegen die sich das Attentat richtete. Die Polizei ist in fieberhafter Tätigkeit. Wenn man den Nachrichten trauen darf, so hätte sie in Moskau an einem Tage
135 Bombenfabriken entdeckt!
Man weiß allerdings nicht, ob man dann die Tüchtigkeit ber Polizei mehr bewundern soll, oder die Organisation der Revolutionäre. Die Werkstätten waren mit allen erforder= lichen Einrichtungen versehen; große Vorräte an Sprengstoffen und fertigen Bomben sollen dabei der Polizei in die Hände gefallen sein. Eine Anzahl Revolutionäre ist verhaftet worden, darunter die Führer der Moskauer sozialistischen revolutionären Partei. Die Gruppe verfügte über be= deutende Geldmittel und unterhielt eine eigene Bäckerei, Schlosserei, Maschinenwerkstätte und Tischlerei. Einen ähnlichen Fang machte die Polizei in Riga. Sie entdeckte in einem Bombenlager in der Stadt 38 Bomben ciesigen Kalibers und in allen Formen. Von ihren Besitzern fehlt aber jede Spur. Sehr drohend sind immer noch
die Zustände in Warschau.
Die ganze Stadt ist unter dem Eindruck der letzten Ereignisse von tiefer Panif ergriffen. Die Straßen liegen wie ausgestorben; Mord, Totschlag und Räubereien sind an der Tagesordnung. Sechszehn Bataillone Infanterie und zwei Rosalenregimenter sind zur Verstärkung der Warschauer Garnison herangezogen worden. Trotzdem herrscht keine Ordnung in der Stadt. Als dieser Tage zwei Arbeiter, die unter dem Verdachte stehen, sich an dem Attentat gegen Gouverneur Stallon beteiligt zu haben, festgenommen werden sollten, Flüchteten sie in einen vorüberfahrenden Omnibus. Die Polizisten schossen in den Wagen hinein und verwundeten mehrere Passagiere. Dann gelang es den Polizisten mit Hilfe von Soldaten, den Omnibus anzuhalten und die flüchtigen Arbeiter gefesselt in Gewahrsam zu bringen. Man fann also als harmloser Fahrgast ein paar Kugeln in den Leib bekommen und es ist erklärlich, daß sich niemand ohne Not auf die Straße begibt.
Land für die Bauern.
Inzwischen macht die Regierung wenigstens einen Anfang, bie Agrarwünsche des Volkes zu befriedigen. Von 8 Millionen Deßjätinen Land, das dem Apanagenressort gehört, darunter 5 Millionen Deßjätinen Wald, werden einem Utas vom 25. d. Mts. zufolge zum Verkaufe an Bauern durch Vermittelung der Bauernagrarbank über 1 800 000, größtenteils in den Gouvernements Ssamara, Ssaratom und Simbirsk gelegen, angewiesen. Das ist aber nur ein Tropfen und nicht geeignet, die Stimmung versöhnlicher zu gestalten. Der Kampf ber Parteien wird ohne Zweifel, wenn eine neue Duma zu= stande kommt, noch heftiger werden, als zuvor. Im Augens blick hat sich
eine neue Partei
gebildet, die nach ihrem Programm eine Mittelstellung zwischen dem Zentrum und der Rechten einnimmt und die gesetzgeberischen Rechte der Volksvertretung anerkennt. Sie berwirft die Gleichberechtigung der Nationalitäten und fordert die Einschränkung der politischen Rechte der Juden und die Ersetzung der Wehrpflicht der Juden durch eine besondere Steuer.
Das ist eben mit das Unglück des Landes, daß soviel Sonderinteressen geltend gemacht werden und daß eigentlich keine der Parteien über diesen Sonderinteressen das Wohl des Landes im Auge behält. Für die Zukunft Rußland täte eine nationale Einigung mindestens so not, wie eine durchgeführte Verfassung, leider scheint das Land aber für beides noch nicht ceif zu sein.
Ferner liegen noch folgende Meldungen vor:
Petersburg, 29. Auguft. Das Dorf Mordowo ist abgebrannt. Durch den Brand find 2000 Menschen obdachlos geworden.
Petersburg, 30. August. Von den beim Attentat auf Stolypin ums Leben Gekommenen wurden nunmehr auch die Fürstin Kantacuzene sowie die Edelfrau Istomin und ihr achtjähriger Sohn agnosziert.
Petersburg, 30. August. Ein kaiserlicher Utas verlängert die Wirkung der bestehenden Geseze betreffend den Schutz der öffentlichen Sicherheit auf die Dauer eines Jahres. Ein zweiter Utas bevollmächtigt den Finanzminister, zur Deckung der Ausgaben für Unterftübung der von Mikernte betroffenen Bezirke vierpro
zentige Rente im nominalen Betrage von fünfzig Willi onen Rubel auszugeben.
Politifche Rundschau.
Deutsches Reich.
* Die Nachricht, daß der Oberpräsident der Rheinproving Herr v. Schorlemer nach Berlin berufen worden sei, wird von diesem förmlich dementiert. Der Oberpräsident sandte dem rheinischen Blatte, welches die Meldung zuerst gebracht hatte, folgende Berichtigung:
,, Unter Bezugnahme auf die in der Nr. 199 ihrer geschäßten Beitung unter Lokales" gebrachte Mitteilung, erlaube ich mix ganz ergebenst zu bemerken, daß die Nachricht von meiner Berufung nach Berlin nicht zutreffend ist und daß damit auch die Vermutungen entfallen, welche diese Berufung mit der in Aussicht genommenen Nachfolge des Herrn Landwirtschafts* ministers in Verbindung bringen."
* Die Verschmelzung der verschiedenen Bergarbeiter. Organisationen zu einem einheitlichen, ganz Deutschland umfassenden Verband soll jetzt ernstlich in Angriff genommen werden, obwohl die Beranstalter der Bewegung sich der großen Schwierigkeiten dieses Unternehmens wohl bewußt sind.
Oefterreich- Ungarn.
** Bon weittragender politischer Bedeutung scheint die Reise des Kaisers Fran; Joseph nach Bosnien zu sein. Die Slavische Presse ist gefüllt mit Artikeln über die Notwendig keit der Annexion der offupierten Länder und im Gemeinde. rat von Agram ist eine Resolution beschlossen worden, die Regierung aufzufordern, die geeigneten Schritte zu unternehmen, damit Bosnien und die Herzegowina Kroatien oder Dalmatien angegliedert werden.
** Tschechische Politiker wollen zwecks Gründung eines tschechisch- magyarischen Schutzbündnisses in Budapest zusammentommen. Das Bündnis soll zum Schutz und Truz wider die deutsche und österreichische Industrie ins Leben gerufen werden. Auch Kroatien soll in dieses Bündnis einbezogen werden.
Amerika.
** Die Nachrichten aus Kuba lauten so widersprechend, daß es unmöglich ist, die Wahrheit über den Aufstand und seine Ausdehnung zu ermitteln. Die Regierung behauptet jetzt, daß die Unruhen noch zwei Monate anhalten könnten, doch sei kein Zweifel, daß die Regierung den Aufstand schließlich niederdrücken werde. Vorläufig stehen aber die Rebellen schon 28 Kilometer entfernt von Havanna; einige Abteilungen der Insurgenten sollen sich sogar bereits in den Vorstädten bon Havanna befinden. Man beginnt eine Intervention der Vereinigten Staaten als einzig mögliche Lösung der jetzigen Lage zu betrachten. In der Provinz Pinar del Rio hat die Rebellion zugenommen. Man fürchtet sogar, daß bei längerer Fortdauer der Unruhen die Mächte Einspruch erheben tönnten und die Regierung ist daher emsig bemüht, die fremden Vertreter zu beruhigen.
Alien.
** Zur Abwechselung wird aus Teheran wieder ein persisch- türkischer Konflikt gemeldet. Türkische Truppen haben den persischen Distrikt von Mongovav, der ungefähr 25 Dörfer umfaßt, besetzt. Der persische Gesandte in Konstantinopel forderte die Rückberufung der Truppen. Der Sultan muß anscheinend immer ein Konflittchen haben, um fic im Nachgeben zu üben, denn auch hier wird er wohl nichts besseres tun können.
Kleine politifche Nachrichten.
Wien, 30. August. England hat den Mächten vorge schlagen, Mazedonien und Altserbien eine autonome Vers waltung mit dem Prinzen Mirko von Montenegro als Gouberneur zu geben. Frankreich und Italien sollen diesen Vorschlag aufs lebhafteste unterstützen, während Deutschland, Desterreich- Ungarn und Rußland abgeneigt sein türften.
Madrid, 30. August. Der Finanzminister erklärte gestern nach einer Konferenz mit dem französischen Botschafter, daß die Handelsvertragsfrage tatsächlich gelöst sei; Cambon verde heute mit dem Entwurfe zum Handelsvertrage nach Paris abreisen.
Der jüngste Prinz Wilhelm.
Nr. Potsdam, 30. Auguft. An dem Familienfeste, das gestern während der Abendstunden im Neuen Palais drei Generationen des Hohenzollernhauses vereinte, hat ganz Deutschland regsten Anteil genommen. Wilhelm, Friedrich, Franz, Christian, Olaf- das sind die Namen, welche dem Täufling gegeben wurden. Inmitten eines glänzenden Kreises von Fürsten und hohen Würdenträgern hat der junge Weltbürger die Taufe empfangen; als Leitspruch für sein fünftiges Leben wurden dem Täufling die Worte aus 1. Moses, Kap. 12, Vers 2 mitgegeben: Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein." In der zur Tauftapelle umgewandelten Jaspisgallerie war ein purpurner Thronbaldachin aufgebaut, unter diesem ein Altar, vor diesem der sogen. Ehepaktentisch, auf diesem die historischen, aus schlesischem Golde getriebenen Taufgeräte,
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Eine Bädergeschichte von Stegbert Salter.
Der Verlobungsring.
( Schluß.)
( Nachdruck verboten.)
gebrannt.
Doch wes das Herz voll ist.
So platte ex
Jetzt war es tigam schon wieder abgereist sei. Senn plöblich mit der Frage heraus, ob benn der Herr Bräu an den Damen, nicht ganz geistreich aus.


