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Kr. 304.

bation n. ap terbebition: Gießen, Seltersweg 83.

Berafprechanschluß Nr. 369.

Freitag, den 28. Dezember 1906

Gießener

15. Jahrgang

Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblaff)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Die Reichstagswahlen.

Der Evangelische Bund hat eine Kund­gebung, die auf die Reichstagsauflösung und die be­borstehenden Neuwahlen Bezug nimmt, veröffentlicht. Die Kundgebung fordert dazu auf, die Säumigen Viel zu zu veranlassen, ihr Wahlrecht auszuüben. Viel zu biele haben bisher aus Unmut und Kleinmut ihre Stimme nicht in die Wagschale geworfen, jetzt ist es eines jeden unabweisbare Pflicht, sein Wahlrecht aus­zuiben. Zehn entschlossene Männer können Hunderte zur Pflichterfüllung führen, darum soll niemand am Entscheidundstage fehlen." Ferner wird auf die Not­wendigkeit der Einigung und der lleberwindung des zersetzenden Fraktionsegoismus hingewiesen. Im bevorstehenden Wahlkampfe handle es sich nicht um fomfessionelle, sondern um nationale Fragen.

Die Stichwahlparole des Zentrums wird von der Köln. Volksztg." dahin ausgegeben: Keinem Sozial­

demokraten und feinem Nationalliberalen eine Stimme."

Das ultramontane Blatt meint, wenn sich die nationalliberale Partet in Stichwahlkämpfen zwischen Sentrum und Sozialdemokratie enthalte wie die Bentrumspartei es bei Stichwahlen zwischen National liberalen und Sozialdemokraten tun müsse und tun werde, so könne die Zentrumspartei ihre sämtlichen Mandade siegreich gegen den sozialdemokratischen An: farm verteidigen. Außerdem wird im Vertrauen auf bas schwache Gedächtnis der Zentrumsschäfchen etliches bon der diametral entgegengesetzten Weltanschauung" von Sozialdemokratie und Zentrum gefabelt. Dieser angeblich so folossale Gegensatz hinderte seinerzeit aber nicht das schwarz- rote Bündnis in Bayern, die berühmte Berbrüderungsszene zwischen dem würdigen Geistlichen Rat Schädler und Herrn von Vollmar, also werden sich die feindlichen Brüder wohl auch diesmal finden; denn sie gehören zusammen und sind einander wert. Den nationalen Parteien kann das nur recht sein, denn es flärt die Situation und weckt die Indolenten auf zu zähem geschlossenen Kampfe gegen den gemeinsamen chwarz- roten Feind!

-

Beamtenfang sucht das Zentrum zu treiben. In einem Artifel Beamtenschaft und Reichstagswahl" gibt die Köln. Volksztg." Ausführungen der Deutschen Postzeitung" wieder, die namentlich im Hinblick auf die Fleischteuerung eine Besserstellung der Beamten fordern und von einsten Erwägungen der Beamten bei den Wahlen sprechen. Sie rühmt im Anschluß daran die Sparsamkeitspolitik des Zentrums und empfiehlt dies den Beamten als die für sie geeignete Partet. Auf den Köder werden die Beamten aber jedenfalls nicht beißen. Der Studentenverband der Universität Kiel hat an die deutsche Studentenschaft einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: Der Reichstag ist aufgelöst. Wie wird er beschaffen sein, wenn er wieder zusammentritt? Noch gilt es einen schweren Kampf zu bestehen, ehe deutscher Geist wieder einziehen wird in unser Vaterland. Der Stampf wird gerichtet sein gegen Zentrum und Sozial­demokratie. Nicht gegen innsere deutschen Mitbrüder fatholischen Bekenntnisses wird er sich wenden. Das Zum fann nicht genugsam hervorgehoben werden. Schluß heißt es: Schon zu lange find unsere deutschen Hochschulen vom Leben unseres Volkes ferngeblieben. Als Fichte an der Berliner Universität seine Reden an die deutsche Nation hielt, war es anders. Damals galt es Deutschlands Befreiung vom Joch der Franzosen, einen nicht geringeren Feind gilt es heute zu befriegen Sozialdemokratie und Zentrum.

Das Wachstum der sozialdemokratischen Stimmen: feit 1878.

11878

11881

11884

11887

Bevölkerung in Tausenden

Für die Sozial­demokratie abge= gebene Stimmen ( in Tausenden)

Zahl der Mandate

42727 45 234

437

9

512

12

550

24

763

11

46 856

1890

1427

35

1893

49 429

1787

44

1898

52 280

2107

56

56 367

3010

77

1903

Hessen und Hessen- Nassau.

-

Darmstadt. Nachdem eine Einigung über einen ge­meinsamen liberalen Kandidaten im Wahlkreise Darmstadt­Groß- Gerau unmöglich geworden ist, haben die National­liberalen als eigenen Kandidaten den Landtags- Abg. Dr. Osann II. aufgestellt. Die Freifinnigen bringen be­Bei den fanntlich wieder die Kandidatur Korell. Einigungsverhandlungen handelte es sich, so schreibt das offizielle Regierungsorgan, die" Darmst. 3tg.", übrigens nicht allein um den Wahlkreis Darmstadt. Groß- Gerau, sondern um alle hessischen Wahlkreise. Sechs davon( Worms, Offenbach, Bensheim, Friedberg, Gießen, Lauterbach) sind in nationalliberalem, einer ( Bingen) in freisinnigem Besiz. Bei den Verhandlungen betonte der Vertreter der Nationalliberalen die prinzipielle Geneigtheit eines einheitlichen Vorgehens und erklärte insbesondere bezüglich Darmstadt- Groß- Gerau, daß die Nationalliberalen von einer Parteikandidatur absehen wollten und einen unparteiischen Dritten als Kandidat annehmen würden; es wurden insbesondere Landtags­abgeordneter Noack und Professor Kissinger von national­liberaler Seite genannt. Der Vertreter der Freifinntgen, Justizrat Gallus, sagte, daß man sich auf eine Ver­handlung bezüglich der Wahlkreise Worms und Fried­berg nicht einlasse; die Freisinnigen würden unter feinen Umständen für die Vertreter dieser Kreise, Heyl und Oriola, eintreten. Bezüglich des Wahlkreises Gießen be­halte man sich Stellungnahme vor; bet dem Verhalten Seyligenstaedts in der Frage der Verkehrssteuern werde ihm voraussichtlich ein freisiuniger Kandidat entgegengestellt werden müssen. Bezüglich Darmstadts wurde von den Freifinnigen auf einen Beschluß ihres Landesausschusses berwiesen, nach welchem unter allen Umständen Pfarrer Korell aufzustelleu sei. Weiter sollten die National­liberalen den Freifinnigen Schmidt bereits im ersten Wohlgange unterstüßen, dann fönne man sich über die Wahlkreise Alsfeld und Bensheim vereinigen. allem dieſem scheint es, so fügt die Darmst. 3tg." noch hinzu, den Freisinnigen mit der Einigung nie ernst gewesen zu sein. Die Deutsche Reformpartei ( Deutsch- soziale) in Darmstadt beschloß, für den national­liberalen Kandidaten Dr. Osann II. einzutreten.

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Nach

Weilburg. Hier kandidiert Buchsieb( nationalliberal).

Norddeutschland.

Der Ausschuß der nationalliberalen Partei West­falens erklärte sich mit der Unterstützung der Freisinnigen in den Wahlkreisen Hagen und Altena einverstanden unter der Bedingung des Eintretens der Freisinnigen für die nationalliberalen Kandidaten in den Wahlkreisen Halle t. W.- Herford, Hamm- West, Bielefeld- Hörde, Bochum und Siegen.

Die Nationalliberalen stellten im Wahlkreis Kreis und Stadt Krefeld den Verleger Bacmeister- Elberfeld auf.

Die vereinigten Liberalen proklamierten im Wahl. freise Weener- Emden Garrels( Frs. Vgg.) gegen Sie Kandidaten der Konservativen und der Sozialdemokraten.

In einer in Otterndorf abgehaltenen Versammlung des Bundes der Landwirte wurde der Direktor des Bundes Dr. Diederich Hahn, gegen den bisherigen nationalliberalen Abgeordneten Böttger als bündlerischer Kandidat aufgestellt.

Für Gotha ist heute der Erbprinz Ernst zu Hohen­lohe- Langenburg als gemeinschaftlicher Kandidat der bürgerlichen Parteien aufgestellt worden.

Friedrich Naumann wird in Liegnig anstelle von Bohl( freis. Volksp.) kandidieren.

Staatsminister v. Podbielski wird von den Konser­vativen als Reichstagskandidat für die Ostpriegnitz auf­gestellt.

Süddeutschland.

Der Bund der Landwirte hat auf einer Konferenz des Landesvorstandes der Pfalz für den Wahlkreis Kaiserslautern den zweiten Bundesvorsitzenden Dr. Röfice­Görsdorf und für den Wahlkreis Homburg- Kusel den bisherigen Vertreter, Gutsbesiger Stauffer 2., aufgestellt.

** Zu dem gestrigen Artikel: Aufflärung" sei noch richtig gestellt, daß Reg.- Nat Noack Hospitant der freisinnigen Landtagsfraktion ist und Oberlehrer Kissinger( früher national- sozial) wohl der national­liberalen Partei jezt angehört, aber mehr nach links hin neigt.

Die Unterwerfung der Bondelzwarts.

Die

Eine gute Weihnachts- Botschaft tam noch rechtzeitig zum fröhlichen Beschluß des Festes aus Süd- Westafrika. Nachricht von der Unterwerfung der Boudelzwarts war ebenso erfreulich wie überraschend. Jahrelang haben die kriegerischen Eingeborenen dieser Stammesgenossenschaft unseren Truppen heftigen Widerstand entgegengesetzt. Jetzt sahen sie das Nutz­lose ihres Beginnens ein und haben die Waffen niedergelegt.

Ihr Anführer Johannes Christian, der sich mit 155 Mann und 124 Gewehren in Heirachabis dem Oberfileutnant v. Estorff ergab, dürfte mit seinem Entschluß den Anstoß zu weiteren Unterwerfungen geben, zumal die aus britischem in die Gebiet zurückkehrenden einzelnen Bondelzwarts Kapitulation einbezogen sind.

Gute Aussichten.

Die günstige Nachricht aus dem kampfdurchtobten Auf­standsgebiet im fernen Südwest- Afrika wird sicherlich überall im deutschen Vaterlande befriedigt aufgenommen werden. Seit dem Jahre 1903 haben gerade die Bondelzwarts den deutschen Truppen schwere Verluste beizubringen gewußt. Sie bildeten unbestritten die Kerntruppe der Aufständischen. Einzelne Injomehr ist ihre Unterwerfung zu begrüßen. Banden von anderen Stämmen unter Führern wie Simon Copper und Fielding stehen zwar noch im Felde, doch wird ihre Widerstandskraft aller Wahrscheinlichkeit nach nun nicht lange mehr vorhalten. Die Unterworfenen sollen bei Keet­manshoop und Kalkfontein Lokationen erhalten und dort unter militärischer Aufsicht in Lagern gehalten werden. Die Durchführung der Unterwerfungsbestimmungen wird noch einige Zeit erfordern.

Die Auffassung der Regierung.

In einer offiziösen Verlautbarung äußert sich die Reichs­regierung zu dem unerwarteten Ereignis. Danach hegt man an den leitenden Stellen in Uebereinstimmung mit dem Oberkommando in Südwestafcita die Zuversicht, daß nun­mehr der Krieg rasch zu Ende gehen wird und die koloni­satorische Arbeit in den weiten von ihm berührten Gebieten wieder beginnen kann. Die Regierung zieb: den Schluß, daß die Ablehnung der Forderungen für Südwestafrifa im Reichs­tage angesichts der neuesten Entwicklung ein offensichtlicher Fehler der Mehrheitsparteien gewesen sei er Festigkeit der Verbündeten Regierungen sei es nächst der geschickten Kriegs­führung und dem tapferen Ausharren der Truppen zu danken, daß der Süden des Schutzgebietes gegen fleinmütige Bedenken erhalten worden ist. Die oppositionelle Presse, soweit sie ichon Stellung nimmt, macht demgegenüber natürlich geltend, daß nun erst recht kein Anlaß mehr vorliege, größere Auf­wendungen für Südwestafrika, das schon 400 Millionen ge= fostet habe, zu machen.

Jedenfalls ist die vorteilhafte Wendung der Dinge von jedem Gesichtspunkte aus mit Genugtuung aufzunehmen und nian darf jetzt mit Fug und Recht der Hoffnung Raum geben, daß unsere südwestafrikanischen Kolonien recht bald einer ge­deihlichen Entwicklung entgegengeführt werden können."

Das Edjo in der Parteipresse.

Die in den Kolonialfragen entschieden auf der Seite der Regierung stehende Kölnische Zeitung" äußert fich wie folgt: Die hocherfreulichen Nachrichten aus Südwest­afrika bedeuten einen ganz wesentlichen Fortschritt zur Her­stellung des Friedens. Nach Ansicht der militärischen Autoritäten glaubt man die Niederwerfung des Aufstandes als in der Hauptsache beendet ansehen zu können. Es sollte nicht Wunder nehmen, wenn das Zentrum versuchen sollte, den Erfolg der deutschen Waffen für die Wahlen aus­zuschlachten und die Behauptung aufzustellen, daß angesichts dieser Entwickelung die feste Haltung der Regierung unnötig gewesen und die Reichstagsauflösung sich nachträglich als vollständig unberechtigte Sandlung erwies. Dieser Dar­stellung gegenüber fann nicht entschieden genug entgegen­getreten werden. Allerdings werden jetzt die leitenden politischen und militärischen Kreise derüber einig sein, daß sehr rasch eine starke Verminderung der in Südwestafrika stehenden Truppenzahl vorgenommen toerden kann. Doch dies war schon von der Reichsregierung in Aussicht gestellt für den Fall die militärische Lage die Verminderung erlauben sollte." die Kölnische Volts Demgegenüber bemerft zeitung", das führende Zentrumsorgan des Westens: Die amtlichen südwestafrikanischen Meldungen dürften in Stegierungs­freisen mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen worden sein. Die Nachrichten sind ein schender Beweis für die Richtigkeit der Haltung des Zentr zum Nachtrags- Etat für Südwestafrifa."

Politifche Rundschau.

Deutsches Reich.

* Dem deutschen Kaiserhause brachte der Schluß der Weihnachtstage ein neues fröhliches Familienfest, die Ver­lobung des Prinzen August Wilhelm von Preußen mit der Prinzessin Alexandra Viktoria von Schleswig- Holstein- Sonder­burg- Glücksburg. Die Verlobung fand gestern auf dem Schloffe Glücksbura statt.

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Fern fann, bei welcher Gelegenheit, davon die Rede gewesen

nicht allzusehr, denn Bollmachten, bie er von mir verlangt hatte, und beunruhigt Schweigen fommen. Ich gab ihm nichtsbestoweniger di oferolite boo ble Stimme in meinem geben wer Daß er unaufrichtig gegen mich fet, nicht meh noch schien mir die Möglichkei

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Mama zur Seite stand, die noch mandieren ist, als ein Bataillon, balb erfahren müffent, baß eine Frau viel schwerer

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