Berfehlte Spekulation. Die Aktiengesellschaft Aschinger in Berlin trat vor ca. Jahresfrist mit dem Befizer des Grundftüdes Leipzigerplaz 3 wegen Ankaufes in Verbindung. Der Befizer forderte erst 450 000 Mark für das 20 Quadratruten große Grundstüd; Aschinger zögerte erst, diese hohe Summe zu zahlen. Als er sich dazu bereit erklärte, fand er, daß in der Zeit des Martens das Grundstüd um 200 000 Mark im Werte gestiegen war. Aschinger zögerte wieder und δας Grundstück schnellte auf 850 000 Mart hinauf. Als Aschinger jezt aber das Grundstück kaufen wollte, verlangte sein Besizer ein rundes Milliönchen. Und jetzt sagte Aschinger ein für alle Mal: Ich danke!- Das ist der Fluch der bösen Zat!
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Der Chor der Rache. Im Orchester-, Chor- und technischen Bersonal der königlichen Oper in Budapest ist eine Lohnbewegung ausgebrochen. Das Personal fordert die bereits bewilligte Gehaltserhöhung und den Mietsbeitrag bis zum 30. September, während die Opernleitung diese erst für nächstes Jahr zubilligte. Das Personal iro it, im Falle der Nichtbewilligung am Sonntag in den rei zu treten. Da wird wohl die Direktion nachgeben mussen, denn wenn die„ Chorherrschaften" streiten, dann ist es mit der Oper Essig.
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Professoren der Grazie. Der neueste Frauenberuf, den man in London erfunden hat, ist der eines Professors der Grazie". Die Damen der Gesellschaft wissen, daß nur Sport und Turnen jene Elastizität, Frische und Leichtigkeit verschafft, die der Engländer vor allem an der Frau liebt. Darum besteht eine große Nachfrage nach solchen Lehrerinnen, und es hat fich ein eigenes Institut gebildet, das Damen in dieser Wissenschaft der Körperkultur ausbildet. Zwei Jahre find mindestens nötig, um in Theorie und Praris recht ordentlich ausgebildet zu werden. Die jungen Damen, die alle Prüfungen bestanden und durch alle Lehrstunden mit Erfolg hindurch gegangen find, erscheinen nun als so reizende und anmutige Wesen, daß sie selbst zum Preise ihres Unterrichts den besten Anlaß bieten und die schönste Empfehlung der neuen Grazienlehre darstellen.
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Unglaublich aber wahr. Auf der italienischSchweizerischen Grenzstation am Lago Maggiore find höre und ftaune nicht weniger als 70 Eisenbahnwaggons in Verlust geraten und spurlos verschwunden. Die italienische Eisenbahndirektion verspricht 20 Lire Belohnung einem jeden, der einen Waggon wieder auftreibt. Das sind ja beinahe russische Zustände.
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Der Sprung von der Brooklyn- Brüde. Zum großen Entsezen der Passanten stirzte sich dieser Tage in Newyork ein Mann von der Höhe der Brooklyn- Brücke in den East River. Ein Schrei des Schreckens erscholl aus Hunderten von Kehlen, als man den Körper mit dem Kopfe zu unters auf das Wasser aufschlagen und dann in den Fluten vers schwinden fah. Doch nach wenigen Sefunden lam der Mann wieder zum Vorschein, schwamm auf eins der am Ufer liegen. den Fährboote zu und schwang fich an Bord. Ein Polizist brachte ihn sofort nach der nächsten Polizeiwache, wo er sich vor dem Bolizeirichter wegen groben Unfugs zu verantworten hatte. Jm Berhör erklärte er, Kunsttaucher zu sein und in einem Variététheater aufzutreten. Der Direktor habe ihm feine Gage Hirzen wollen, da er seinen Ansprüchen nicht ge nüge. Um nun zu zeigen, daß er ein wirklich erstklassiger Kunsttaucher sei, habe er sich anheischig gemacht, von der Brooklyn- Brüde herab einen Tauchsprung zu machen.
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Fran Musika bei den Sträflingen. Ein philharmonisches Orchester, aus 120 Musikern bestehend, besißt der Hauptort der französischen Straffolonie Neukaledonien, Numea. Der Leiter jener Kammer- Musiker" ist ein hervorragender Kapellmeister, der einst in Paris viel genannt wurde, bis er wegen Mordes zur Deportation verurteilt wurde. Das eigens artige Orchester hat hohe künstlerische Biele; es widmet sich ausschließlich der ernsten Musik und seine Aufführungen in Numea erringen sich auch regelmäßig den Beifall der Kenner.
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= in Langgiarer. Gin Tap 45 jagriger лagiftrats beamter A. in Wilmersdorf fiel am 10. Juni 1904 beim Aussteigen aus der Straßenbahn auf den Hinterkopf. Seit dem 20. Juni 1904 schläft der Mann ununterbrochen. Er wird in regelmäßigen Abständen gefüttert; er laut die ver abreichten Speisen langsam, und schluckt fie, ohne sich zu ver schlucken. Nicht einmal hat A. während dieser Zeit die Augen aufgeschlagen. Anscheinend handelt es sich um eine frank haft veränderte Tätigkeit gewisser Hirnteile, um eine zen trale Willenshemmung", die unter dem Einflusse der seelischen Verstimmung und des Unfalls zugleich entstanden ist.
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= Ein ungemütlicher Kriminal student befand sich in einer der letzten Sizungen des Wiener Schwurgerichts im Zuschauer. raum. Es wurde gegen einen notorischen Banknotenjälscher namens Schapira verhandelt, und sollte ein sogen.„ Kronzeuge", der früher mit Schapira zusammen ,, gearbeitet" hatte, bernommen werden. Als der Zeuge vernommen werden sollte, langte ein Rohrpostbrief an, in dem angekündigt wurde, ein Rechtsfreund" würde auf diese sogenannten Zeugen ein Attentat ausführen, und zwar aus dem Zuschauer raume mittels Revolver oder Sprengmittel. Unterzeichnet war der Drohbrief wie folgt: Einer, der sein Leben und seine Freiheit für die gute Sache einsetzt.
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Schlauer Gaunertrid. Ein 8. in Paris fich aufhaltender Berliner Kaufmann erhielt auf einem Hotelzimmer den Besuch eines unbekannten Agenten. Während der Fremde von Geschäften sprach, ergriff er ein auf dem Nachttische liegendes, mehrere Banknoten enthaltendes Portefeuille. Rauch hatte die Bewegung bemerkt und schlug Lärm. Eine Leibes. visitation durch Hotelangestellte ergab zunächst nur ein negatives Resultat. Rauch folgte alsdann unbemerkt dem Manne und sah, wie er auf der Straße einen Gegenstand aufhob. Es war das Portemonnaie, das er aus dem Fenster des Hotelzimmers geworfen hatte. Der Spizbube wurde verhaftet.
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Der kunstverständige Zollwächter. Die Zollbehörden bon Newyork lehnten dieser Tage die Annahme eines Gemäldes ab, das von einem alten italienischen Meister herrühren sollte und mit 75 000 Dollars eingeschäßt war. Der funsts fritische Zollbeamte war der Anficht, daß das Bild kaum 200 Dollar wert wäre, und wollte es demgemäß verzollen. Seine Ansicht ist durch Kenner bestätigt worden; es handelte fich um eine Fälschung. Es ist ein beliebter Trid der Bilder. schwindler, bei dem Import gefälschter Kunstwerke eine möglichst hohe Steuerdeklaration zu machen. Die amerikanischen Zollbehörden werden nun eine schärfere Kritik derartigen Kunstwerken gegenüber üben und solchen betrügerischen Ver. suchen mit aller Macht entgegentreten.
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Wer andern eine Grube gräbt.... Zu einem Polizeiinspektor, der eine abgelegene Station an der großen Landstraße bei Cawnpore in Indien verwaltet, kam ein Reisender und bat ihn, ihm für die Nacht eine sichere Unter funft zu verschaffen, da er einen großen Betrag in Gold bei fich führe. Der Polizeiinspektor verabredete sich, nachdem er den Reisenden untergebracht hatte, mit zwei Männern, ihn zu ermorden und zu berauben. Als der Reisende nach einiger Zeit aus dem Fenster sah, bemerkte er zwei Männer, die eine Grube auswarfen, und aus ihrer Unterhaltung schöpfte er den Verdacht, daß fie zu seinem Grabe bestimmt sei. Da er feinen anderen Ausweg sah, machte er sich unter Zurüd laffung seines Goldes heimlich davon und versteckte fich im Gebüsch. Der Polizeiinspektor tam abends angetrunken nach Haus, legte fich auf das Bett, das für den Reisenden be reitet worden war, und schlief ein. Spät in der Nacht schlichen fich die beiden Mitverschworenen in das Zimmer des Beamten und fielen über den im Nebenzimmer schlafen den Mann her, den fie in der Dunkelheit förmlich in Stücke hackten. Als sie ihren Irrtum entdeckten, begruben sie den Ermordeten in der von ihnen ausgeworfenen Grube und be seitigten die Spuren des Verbrechens. Am nächsten Morgen erschien zur Inspektion ein europäischer Offizier auf der Station, ihm teilte der Reisende mit, was er erlebt und beob achtet batte Die beiden Männer wurden aleich verhaftet.
Aus dem Gerichtsfaal.
§ Graf Welsburg abgewiesen. Das Reichsgericht hat it der Klage des Grafen Alexander von Welsburg gegen der Großherzog von Oldenburg, das großherzogliche Haus und die Verwaltung des großherzoglich oldenburgischen Familien vermögens auf Anerkennung als gleichberechtigtes Mitglied des oldenburgischen Hauses und dementsprechende Apanagierung die gegen das Urteil des Oberlandesgerichts eingelegte Revision verworfen. Die Ansprüche des Grafen v. Welsburg Find damit in allen Instanzen abaewiesen.
§ Ein erpresserischer Liebhaber. Der Kaufman Augut Ludwig aus Köln wurde zu drei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverluft verurteilt. Er wußte eine Anzahl Liebes berhältnisse mit Töchtern gutfituierter Eltern einzugehen und drohte den Mädchen mit der Veröffentlichung des Verhält nisses, wenn ihm nicht bedeutende Summen gezahlt wurden
§ Verurteilte Ruffen. Die Straflammer in Chemnik verurteilte wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt Hausfriedensbruchs, groben Unfugs und Rubestörung den russischen Fürsten Bebetow sowie acht andere russische Studenten des Mitweidaer Technikums zu je einem Monat Gefängnis.
§ Junsbruder Gattenmordprozeß. Gegen die über die Landratswitwe Rutthofer wegen Todschlags an ihrem Gatten verhängte Strafe von sieben Jahren schweren Kerkers hat nun auch der Staatsanwalt die Berufung angemeldet, weil ihm das Strafmaß zu gering erscheint.
8 Handwerk oder Fabrik? Diese Streitfrage ist bisher bald im Verwaltungsstreitverfahren, bald durch die höhern Berwaltungsbehörden entschieden worden, und zwar häufig nach sehr verschiedenen Gesichtspunkten. Nun beabsichtigt die Regierung, in Zukunft die Entscheidung nur immer von einer einheitlichen Instanz treffen zu lassen. Als diese Instanz soll das Reichsamt des Innern in Betracht kommen, das in einem besonderen Dezernat diese Frage bereits bearbeitet und Vor schläge zu ihrer Regelung entgegennimmt.
§ Arbeiter als Hilfsrichter. Unter den Geschworenen des in Augsburg zusammengetretenen Schwurgerichts befinden fich auch zwei Arbeiter, nämlich der Modelltischler Bleicher und der Former Fäßler, beibe in der Augsburger Maschinen fabrit beschäftigt. Auch bei den Schöffengerichten find zum ersten Male in diesem Jahre magiftratsfeitig mehrere Arbeiter in Augsburg in Boricblaa gebracht worden.
8 Der Graf als Erpresser. Wegen Erpressung unter Todesandrohung hatte sich der Graf Ladislaus v. Zielinski, ein angeblich flüchtiger Offizier der russischen Armee, vor dem Landgericht Lemberg zu verantworten. Der Angeklagte hatte im Juli d. J. an den in Lemberg ansässigen Grafen Arthur b. Rußkowski ein Schreiben gerichtet, in welchem ihm und seiner greisen Mutter der Tod angedroht wurde, falls er nicht eine näher bezeichnete, größere Summe Geldes für die Zwede eines anarchistisch- kommunistischen Komitees" in Lemberg zur Verfügung stellen werde. Der so Bedrohte übergab den Brief der Staatsanwaltschaft, welche gegen den Grafen 8. das Straf. berfahren einleitete. Das Urteil lautete auf eine sechsmonatige, mit einem Fasttage in jeder Woche verstärkte Kerkerstrafe, Adelsverlust und Ausweisung aus Desterreich.
§ Der Münchener Münzdiebstahl dürfte schon Anfang November die Straflammer in München beschäftigen. Unter Anklage gestellt find der Soldat König, der den Einbruch ausgeführt hat und der Münzarbeiter Ruf, der als Anstifter hierzu in Frage kommt. Der Verbleib der noch fehlenden 8000 Mart hat sich nicht ermitteln lassen; die Beschuldigten behaupten, nichts von dem aus der gestohlenen Gesamtsumme noch fehlenden Betrag zu wissen. Für die Angestellten der Münze, die f. 8t. durch Unvorsichtigkeit dem Einbrecher die Arbeit" erleichterten, wird übrigens die Affäre insofern ein unangenehmes Nachspiel haben, als sie für den entstandenen Schaden haftbar gemacht werden.
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§ Schlechter Erzieher. Das Erfurter Kriegsgericht ver urteilte den Unteroffizier Krüger vom 95. Infanterieregiment wegen fortgesetter Soldatenmißhandlungen schlimmster au vier Monaten Gefängnis und zur Degradation.
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Gießen, den 28. September 1906.
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