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Ronservativen, Abgeordneter Schidert. Er und seine politischen Freunde stehen, wie er nachdrücklich betonte, auf dem Boden der Vorlage. Sie find damit ganz einverstanden, daß fie fich nur auf die gewerblichen Vereine bezieht. Sie wollen feiner Vorlage ihre Zus Stimmung geben, die den staatsfeindlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie Vorschub leistet, und sie verlangen, daß die berechtigten Wünsche der christlichen Arbeitervereine berüd. fichtigt werden. Dann sprach der Führer der Nationalliberalen, Abg. Dr. Bassermann. Er hat schwere Bedenken gegen die Vorlage. Viele ihrer Bestimmungen ließen sich, wie er bemerkte, in ihren Konsequenzen noch gar nicht übersehen. Auch sei der Gesezentwurf in einem Deutsch abgefaßt, das einer Mißhandlung der deutschen Sprache gleichkomme. Durch die unklare Sprache werde das Verständnis der Vorlage erschwert. Dagegen stimmt Abgeordneter Dr. Baffer­mann in die von sozialdemokratischer Seite aufgestellte Behauptung, daß durch die Vorlage das Koalitionsrecht eingeschränkt werde, nicht ein. Durch die Vorlage werde lein Recht gegeben, aber auch keins genommen. Das Gesez sei ja mur fakultativ. Es brauche sich kein Verein eintragen zu Lassen. Der Redner schließt mit der Erklärung: So wie fie ift, muß die Vorlage abgelehnt werden. Hoffentlich aber er hält sie in der Kommission eine annehmbare Fassung. Nach dieser Rede erhob sich Graf Posadowsky, derjenige aller Minister und Staatssekretäre, der bei weitem die meiste parlamentarische Arbeit leistet, der tages, ja wochenlang den ermüdendsten sozialpolitischen Verhandlungen mit nicht er­lahmender Aufmerksamkeit folgt, um in ausführlichen Dar­legungen die Vorlage zu rechtfertigen und verschiedene der gegen fie erhobenen Vorwürfe zu entfräften.

Graf Posadowsky spricht.

es ist eine seijame und für europäische Vorstellung schwer begreifliche Erscheinung, daß das Grundgesetz der Union die Trusts verbietet, während die Trusts doch tatsächlich existieren und von der einzelstaatlichen Gesetzgebung vielfach ausdrücklich gebilligt werden. Dieser Widerspruch erklärt sich in folgender Weise:

Nach der Verfassung der Union ist eine Unterbindung des freien Wettbewerbs als mit dem öffentlichen Wohl nicht bereinbar anzusehen und deshalb verboten. Trusts, die ihrer Natur nach den freien Wettbewerb einschränken oder ganz ausschalten, find daher als mit dem öffentlichen Wohl nicht in Einklang nicht gestattet. Geht doch die amerikanische Gesetzgebung sogar so weit, den Eisenbahnen jede Tarif verabredung zu verbieten, damit ihre gegenseitige Konkurrenz, die dem Tarif die Richtung nach der Seite der Ermäßigung gibt, nicht aufhöre. Freilich hat diese Vorschrift die Eisen­bahnen nicht gehindert, sich recht eng zusammenzuschließen und die ruinöse Konkurrenz zu verhüten, die zu gewissen Zeiten gestattetet, für den Preis von etwa einer Mark eine Reise quer durch den Kontinent von Amerika zu machen. In Amerika gibt es eben recht breite und gangbare Umwege um das Geset. Die wirtschaftliche Entwickelung läßt sich auf die Dauer nicht aufhalten. Sie bahnt sich unter allen Um­ständen einen Pfad, der, wenn es notwendig wird, auch über das Gesetz hinweggeht. Ein Grundsatz ist tein Gesetz, wird in der Regel wenigstens ein schlechtes Gesetz sein. Denn die meisten Grundsäße haben mehr als eine Seite. Auch der Grundsatz, der die Erhaltung des freien Wettbewerbs fordert. Soll nämlich der Wettbewerb wirklich frei sein, so sagen die Trustfreunde, so muß auch jedem Wettbewerber freistehen, die Wettbewerbsmittel nach seinem Gefallen zu wählen, so darf man ihm nicht verbieten, Abreden irgend welcher Art mit seinem Konkurrenten oder gegen seine Konkurrenten zu treffen, es mag sich dabei um die Bestimmung des Preises oder um die Einrichtung des Betriebes handeln. Ist der Wettbewerb frei, so müssen die Wettbewerber auch die Freiheit haben, auf ihre Freiheit zu verzichten.

Die Vorlage, bemerkte der Staatssekretar unter anderem, ist kein Werk weltfremder Geheimräte, fie ist auch nicht das Werk eines einzelnen Ressorts, sie ist das Werk der Ber­bündeten Regierungen. Es ist ganz falsch, die Arbeiterschaft als einen einzigen Bloc aufzufassen. Es find vielmehr ver­schiedene Strömnngen in ihr vertreten. Sache der Regierungen ist es, die Arbeiter auf den staatserhaltenden Weg zurück­zuführen. Die Berufsvereine von der Haftpflicht auszunehmen, geht nicht an. Dadurch würde ein Arbeiterprivilegium geschaffen werden. Daß das Gesez ein Repressivgesetz gegen bie Arbeiter sei, bestreite ich aufs entschiedenste. Den Eisen­bahnarbeitern die volle Koalitionsfreiheit zuzubilligen, ist unmöglich. Als im vorigen Jahre in der französischen Rammer eine solche Forderung erhoben wurde, erklärte der bamalige Ministerpräsident Rouvier, oie Erfüllung der Forderung würde zur Anarchie führen. Auf manchen Gebieten muß eben das persönliche Interesse dem allgemeinen Interesse nachstehen. Mit der Annahme der Vorlage wird ben Interessen der Arbeiter und den Interessen des Staats ein wesentlicher Dienst geleistet. Mit dem Appell an alle bürgerlichen Parteien, das Schiff nicht im Hafen scheitern zu lassen, schloß der Staatssekretär seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen.

Die weitere Debatte.

Von den folgenden Rednern erklärte Dr. Bodelmann bon der Reichspartei, daß er die Vorlage im wesentlichen billige. Der Redner wandte fich dagegen, auch den Land­arbeitern das Koalitionsrecht, von dem sie selber gar nichts vissen wollten, zuzugestehen, und polemisierte dann gegen die Sozialdemokratie, wobei er auch auf die Zustände in der Druckerei des Vorwärts" zu sprechen tam. Dr. Mugdan on der Freifinnigen Volkspartei erklärte rundweg: In ihrer Jegenwärtigen Fassung sei die Vorlage für seine Parteifreunde anannehmbar. Wenn sie nicht in den wesentlichen Punkten Jeändert werde, müßte seine Partei dagegen stimmen.

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Bulezt sprach der Abg. Schad( Wirtschaftliche Ver. inigung). Er steht auf dem Boden der Vorlage, wünscht aber, daß auch die Landarbeiter einbezogen werden. Der Redner bedauert, daß wir noch keine Arbeitskammern haben.

Rockefeller vor dem Strafrichter.

Der reichste Mann der Erde, der Herr über alle! amerikanische Petroleum, Rockefeller, ist vor die Gerichte gestell worden, angeklagt des Verstoßes gegen das Gesetz, das di Aufhebung des freien Wettbewerbs in den Vereinigten Staater bon Amerika verbietet.

Mannes aufgefunden, die man nach mitgeführten Bapieren als die des 24jährigen Wilhelm Meißner aus Wittenberg era tannte. Anfänglich wurde Selbstmord angenommen, jedoch mehren fich Anzeichen, die auf Raubmord deuten.

Ein kühner Griff in die Kaffe. Whit 300 000 Frants flüchtig geworden ist der Kassierer Tebaloroff aus Bulgarien. Die veruntreute Summe besteht aus bulgarischen Banknoten. Wie die Ermittelungen ergeben haben, beabsichtigt der Flüchtige, fich von Hamburg nach Amerifa einzuschiffen, weshalb die Hamburger Bahnhöfe und Schiffsrevision entsprechend ver ständigt wurden.

Es kann dahingestellt bleiben, ob diese etwas sophistischen Ausführungen als stichhaltig gegolten hätten, wenn hinter ihren Befürwortern nicht eine große Kapitalmacht stand. Die Kapitalmacht war jedenfalls da und erzirang die tatsächliche Anerkennung der neuen Form des Geschäftsbetriebs. Der Trust, der eine besondere Art des Großbetriebes ist, wird auch bleiben. Er liegt einmal in der Entwicklungsrichtung des wirtschaftlichen Verkehrs und wird sich deshalb unbedingt durchsetzen, gleichviel ob Herr Rockefeller verurteilt wird oder nicht. Gesetze sind nicht dazu da, wirtschaftliche Entwicklungen, die notwendig sind, aufzuhalten. Auch ist der Versuch ver­geblich. Dagegen wäre es wohl angängig und sogar in hohem Maße wünschenswert, wollte die Gesetzgebung sich der Materie bemächtigen und in ausgiebiger Weise die Trust­bildung wie die Trustverwaltung unter Aufsicht nehmen, die Solidität der finanziellen Grundlagen und den Betrieb selbst vom Standpunkt des öffentlichen Interesses aus überwachen Lassen.

Nicht eine Person ist hier angeklagt, sondern ein Prinzip: die bevorstehende Entscheidung wird deshalb von größtei wirtschaftlicher Bedeutung sein. Nicht um die Person Rocke fellers handelt es sich, sondern um die Trusts, die zu eine bedrohlichen Macht angewachsen sind und von dieser Mach nicht immer den besten Gebrauch machen. Rockefeller steht ar der Spitze der Standard Oil Compagnie, die alles amerikanisch Petroleum ,, kontrolliert", wie man in Amerika sagt. Er be stimmt den Preis des Petroleums für Amerika wie für uns er ist in der Lage, durch diese Preisbestimmung Amerika uni den größten Teil von Europa zu besteuern, und er tut dai in ausgiebiger Weise. Bahnen und Schiffahrtsgesellschafter hat er in seinen Dienst gezwungen und ihnen Rabbatte vor geschrieben, die niemandem sonst gewährt werden dürfen. Di konkurrierenden Petroleumgesellschaften und Einzelbefizer hor Petroleumquellen hat er niedergerungen, rücksichtslos ali Mittel des Wettbewerbs ausnügend, um den Wettbewerb zi beseitigen. Deshalb gilt er für die Personifikation des Trust wesens, deshalb ist er für den ersten großen Fehdeversuc gegen das Trustwesen als Bielpunkt außerfehen.

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Nab und fern.

Bunte Cages- Chronik.

Mannheim, 24. November. In der chemischen Fabrit Lindenhof zersprang ein Schwungrad. Dem Chemiler Doktor Noerr wurde durch die umherfliegenden Stücke der Kopf ab. geriffen.

Graphische Ausstellung. Der Deutsche Künstlerbund wird gemeinsam mit dem Deutschen Buchgewerbeverein im Buchgewerbemuseum zu Leipzig seine erste graphische Aus­stellung veranstalten, die vom 19. Januar bis zum 15. April 1907 dauern wird.

Sarburg, 24. November. Heute morgen um 4½½ Uhr entstand bei F. Thoerls Vereinigten Harburger Delfabriken. Attiengesellschaft ein Schadenfeuer. Der Schaden wird auf etwa 20 000 Mark geschäßt. Voraussichtlich wird für einige Wochen eine Betriebsstörung eintreten.

Kein Groß- Leipzig. Der Kreisausschuß in Leipzig lehnte die für den 1. Januar 1907 in Aussicht genommene Einverleibung der Orte Möckern, Stünz, Stötterit, Probst­heida, Dölig und Dösen in das Stadtgebiet Leipzig ab.

Curhaven, 24. November. Der bei dem Amrumer Leucht turm gestrandete Dampfer Rudolf Rezlaff" ist abgebracht worden. Das Schiff ankert jetzt auf der hiesigen Reede.

Aus dem Gerichtsfaal.

Großhe Die Feiern in ulen und gefchloffe egeifterung und Lief Auf das von chaftshause abgefan Antwort ein:

§ Die Affäre des Arbeiters Biewald, dem während der Straßenfrawalle in Breslau auf dem Striegauer Platz die inte Hand abgehauen wurde, ist in ein neues Stadium ge treten. Das Landgericht Breslau erließ die Verfügung, daß Die vom Arbeiter Biewald verklagte Stadtgemeinde bis zur mdgültigen Erledigung des Prozesses verpflichtet ist, an Biewald vierteljährlich eine Rente von 175 Mark zu zahlen.

Attentat auf einen Posten. In der Nacht zwischen zwölf und zwei Uhr wurde auf Fort Prittwitz bei Posen ein Militärposten von mehreren unbekannten Attentätern scharf beschossen. Der Helm des Postens wurde von Kugeln durch löchert; die Täter entfamen.

+ Verschmähte Liebe. In Magdeburg schoß der zwanzig­jährige Eisendreher Paul Wilke auf offener Straße auf die von ihm mit Liebesanträgen verfolgte sechzehnjährige Luise Selle. Sie wurde leicht verwundet, Wilte aber brachte sich einen tödlichen Schuß in die Schläfe bei.

Bielen Dank für

X Der Krieg Herzogs Geburtstag i Reuftadt); wozu bie fanben hatten. Der Seger hielt eine ter Sages entsprechend und Frog und fein Haus ammengefekte Mufit fifalifche Unterhaltun biddennung für ihre S mehrere Ansprachen geh Hem Großherzog w mbt:

§ Der Heldentenor Caruso verurteilt. Die Verhandlung gegen den bekannten Heldentenor Caruso wegen tätlicher Insultierung einer Dame im Zoologischen Garten in Newyork endete mit der Verurteilung des Sängers zu zehn Dollar Strafe. Durch diesen Richterspruch dürfte Carusos Beliebtheit in Amerika einen argen Stoß bekommen haben.

Explosion an Bord. Auf dem in Elsfleth Benzin ladenden Holländischen Schuner Gretina" erfolgte eire Explosion, durch die das ganze Schiff in Brand gesetzt wurde. An eine Löschung des Feuers war nicht zu denken. Es gelang aber, das Schiff nach der Hunte- Mündung zu bringen und auf den Schlick zu setzen. Der Steuermann erlitt lebens­gefährliche Brandwunden, sonst aber ist niemand ernstlich zu Schaden gekommen.

§ Die Heiligen der letzten Tage, die Mormonen von Salt- Lake- City find in großer Betrübnis. Ihr Oberhaupt und Führer Jeseph Smith, der Präsident der Mormonen firche ist wegen zugestandenen Konkubinats zu einer Geld trafe von 300 Dollar verurteilt worden. Sie müssen also befürchten, daß man bald auch auf alle übrigen mehrmali berheirateten Mormonen das Gesez in Anwendung bringen wird.

Prinzessin Luise von Koburgs Zukunft. Der König von Belgien hat der Prinzessin Luise den Vorschlag gemacht, eine Villa in einem bestimmten Orte zu bewohnen, wohin­gegen er sich verpflichtet, alle Ausgaben der Prinzessin zu beftreiten; Hauptbedingung sei jedoch, daß fie ihre jetzige Lebensweise aufgebe. Die Prinzessin soll das Angebot ab gelehnt haben, obwohl sie sich in mißlichen finanziellen Ver­hältnissen befindet.

Ermordung eines Deutschen in Italien. Auf offenem Felde, außerhalb Mailands, wurde die Leiche eines jungen

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