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Ar. 277.
Erstes Blatt.
Samstag, den 24. November 1906
Rabattion n. warp terpebition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluk Rr. 362.
Gießener
15. Jahrgang
6.
Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).
Neueste Nachrichten
( siehener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheffen. Folgendes Telegramm wurde von Gießen aus an den| Professor Dr. Behrens Gießen zum Geheimen Hofrat; Großherzog gerichtet:
Bum 39. Geburtstag unseres Großherzogs
am 25. November.
Mit Sonnenglanz und Frührotschein Schmückt sich der junge Tag,
Und in das weite Land hinein
Klingt heller Glockenschlag.
Dazwischen tönet Lobgesang
Und stilles Danfgebet,
Ein festlich froher Jubelflang
Durch alle Herzen geht.
Ein frischer Herbstwind rauscht durchs Land.
Die Buchenwälder lohn,
Und neu gelobt mit Herz und Hand
Brauft es zum Fürstenthron,
Aus tausend Herzen strömts heraus
In Liebe treu und fest:
" Heil Dir, o Fürst, Heil Deinem Haus,
Zum schönen Biegenfest!"
Ja, dreimal Heil, Dir und dem Sohn Und auch der Fürstin hold;
Mög Sonnenschein Euch stets umlohn, Viel Glück, so rein wie Gold!-
Was alle Hessen heut bewegt,
Klingt mit dem Ruf hinaus: ,, Wir stehen treu und unentwegt Zu unserm Fürstenhaus!" Darmstadt.
Hermann Böning.
Grossberzogs Geburtstag.
Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog, Darmstadt.
Die zur Feier des Geburtsfestes Eurer Königl. Hoheit versammelten Bertreter der Landesuniversität, des OffiziersKorps, der Geistlichkeit, der Behörden von Stadt, Kreis und Provinz und der Bürgerschaft übersenden in Treue untertänigste Glückwünsche. J. A.: Breidert.
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Heute Morgen 7 Uhr tönte der Beckruf durch unsere Stadt und einige Stunden später wurden in den Kirchen Festgottesdienste gehalten. Heute Nachmittag findet ein Festessen statt, auf dem der Brovinzialdirektor Geheimrat Dr. Breidert folgende Ansprache hielt:
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" Im raschen Laufe des Lebens darf am Geburtstage Halt gemacht, eine Pause, ein Augenblick der Ruhe eingeschaltet werden, der einen Blick gestattet auf den zurückgelegten Weg. Am Geburtstage des Landes herrn blicken wir zurück auf die Entwickelung des Landes in dem nun vollendeten Jahre. Und da fönnen wir mit großer Genugtuung feststellen, wie unter der gerechten und wohlwollenden Leitung eines reich begabten, hochgefianteu und großdenkenden Fürsten unser Heimatland blüht und gedeiht. Wissenschaft und Kunst, mächtig ge= fördert, sachgemäß und tatkräftig angewandt, dienen dem Bolts wohl, zur Hebung der Volksbildung, zur Besserung der wirtschaftlichen Lage aller Teile des Landes. So unter günftigen Bedingungen in den Daseinskampf gestellt, fehlte Hessen nur eines: der Erbe. Und jetzt ist er gefommen! Der Prinz ist geboren, der Thronfolger, von dem wir hoffen und erwarten, daß er seinem hohen Bater gleich auch dereinst sein Bestes geben wird zum Wohle des Hessenlandes, zum Wohle des Hessenvoltes! Und darum herrscht Freude, darum erschallt lauter Jubel im ganzen Lande, der gerade heute kräftigen Widerhall weckt überall, wo Hessen sich zusammenfinden.
Lassen Sie uns in diese Freude, in diesen Jubel einstimmen, lassen Sie uns unseren guten und herzlichen Wünschen, unseren treuen Gesinnungen für den Großherzog, die Großherzogin und den Erbgroßherzog Ausdruck geben durch den Ruf: Seine Königliche Hoheit, der Großherzog lebe hoch!"
Die ganze Feier zeigte wie gern man in allen Kreisen des Geburtstages unseres Landesherrn gedenkt.
Die Kompagnien veranstalten in verschiedenen Lokalen Festlichkeiten, bei denen es recht hoch hergeht, während der Kriegerverein beim Kameraden Sauer in der Neustadt eine Feier gibt.
Fahnen grüßen heute in unserer Stadt und wehen urch das ganze Land, und von den Türmen laden Glocken um Festgottesdienst ein. Doppelt froh feiert Hessen heuer en Geburtstag seines Landesherrn, denn vor 14 Tagen wurde ja der langersehute Thronerbe geboren. Bang hat mancher in die Zukunft geblickt, was wohl werden möchte, enn Großherzog Ernst Ludwig einst die Augen geschlossen. gt liegt die Zukunft im goldigen, verheißenden Sonnenglanz vor uns und lichte Pfade leiten zu ihr. Der alte petterharte Stamm, er treibt ein neues grünes Reis! Richt um äußere Machtstellung handelt es sich für Hessen, sein Bestand ist durch des Deutschen Reiches Machtfülle gefestigt, bern um Errungenschaften auf fulturellem Gebiete, auf m Hessen unter Führung seines Großherzogs bahnbrechend orangeht. Ganz Hessen hat sich unter der Regierung Ernst Aub wigs mächtig entwickelt, so weit das Auge reicht, steht ine träftige Saat und immer mehr Felder werden noch stellt! Ernst Ludwig steht in saönster Manuestraft, er geht morgen seinen 39. Geburtsag. Geboren wurde er mm 25. November 1868 Er besuchte die Universitäten zu ießen und Leipzig, trat in das 1. preußische GardeBegiment und wurde durch den frühen Tod seines Vaters, Großherzogs Ludwig IV.( 13. März 1892) auf den Bron des Großherzogtums berufen. Seine Regierung ist das schönen Erfolgen begleitet. Heiße Wünsche steigen heute streuen Herzen für unser Fürstenhaus auf. Möge es roßherzog Ernst Ludwig noch recht lange vergönnt sein, Die Geschicke Hessens zu führen und möge das Glück seinem hause immerbar treu bleiben. Dem Großherzog, der Großzogin und dem E.bprinzen des Himmels reichster Segen! Das ist der beste Glückwunsch zum Geburtstage unseres Go Bherzogs.
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Die Feier in Gießen.
Zur Einleitung der Feierlichkeiten ging gestern Abend der gewohnte 3 apfenstreich vor sich, der um 8 Uhr von der neuen Kaserne seinen Ausgang nahm. Unter lingendem Spiel marschierten die Teilnehmer die Licherstraße herunter und rückten dann über den Ludwigsplatz durch die Gartenstraße, die Südanlage, den Seltersweg, die Mäusburg, den Marktplag, Kirchenplay und Brand hinter die Zeughaus laferrne, wo mehrere Stucke gespielt wurden. Dann ging der Bug wieder nach der neuen Kaserne zurück. Oberst b. Bindenau tann leider an den Feierlichkeiten nicht teilhen, da eine Reise ihn fernhält.
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Nachstehend geben wir einige Ordensverleihungen und Ernennungen wieder, auf die vollständige Wiedergabe müssen wir heute der vorgeschrittenen Zeit wegen verzichten. wir werden deshalb Montag die Ergänzung bringen. Es wurde u. a. verliehen:
das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen: Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich; Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen Kommerzienrat Gail- Gießen, Prof. Dr. Kutsch- Gießen, Prof. Dr. Leist- Gießen, Prof. Hch. Müller- Gießen, Prof. Dr. Röschen= Gießen, Bürgermeister Stahl. Friedberg, Prof. Dr. Strahl: Gießen, Dr. P. Wurster Friedberg, Landgerichtsdirektor Prätorius- Gießen; Ritterkreuz II. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen: Stadtverordneter Wallenfels. Gießen, Rentner Otto Schmidt- Gießen;
das
das Silberne Kreuz mit der Krone desselben Ordens: Lehrer Böckner- Heuchelheim, Lehrer WagnerGroßen Bused, Lehrer Weyl Wes c, Pfandmeister Johann Gießen, Hochbauaufseher Rahn; Silberne Kreuz desselben Ordens: Kreisstraßenmeister Rohrer Gießen;
das
das
das
B
Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: ,, Für langjährige treue Dienste": Amtsgerichtsdiener NicolaiGießen;
Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: Für Verdienste": Bürgermeister Scheld: Lindenstruth.
Ernannt wurden
zum Geheimen Kirchenrat: Professor Dr. Krüger;
Musikdirektor Trautmann zum Professor; Fabrikant Schaffstaedt- Gießen zum Kommerzienrat; Rendant Müller Grünberg zum Rechnungsrat; Bezirkskassier Klein Gießen zum Rendant; Landgerichts- Sekretär Löwer- Gießen und Rechtsanwalt az Gießen zu Justizräten.
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Politifche Rundschau.
Deutsches Reich.
* Dem Gerücht von der Kandidatur des Prinzen Eitel Friedrich von Preußen für die Regentschaft von Braunschweig wird von angeblich unterrichteter Stelle entgegengetreten. Es schwebten in dieser Beziehung keinerlei Verhandlungen. Aus Braunschweig selbst werden Nachrichten verbreitet, wonach der Herzog von Cumberland, der für sich und seinen ältesten Sohn auf die Thronfolge in Braunschweig verzichtet hat, nun auch für sich und sein Haus der Ansprüche auf Hannover entsagen werde; es gedenke dann nur noch sein jüngerer Sohn den Anspruch auf den braunschweigischen Thron aufrechtzuerhalten. Man wird abwarten müssen, ob an diesen Meldungen etwas Wahres ist. Der braun schweigische Regentschaftsrat hat die dem Herzog von Cumbers land zur Verzichtleistung auf Hannover gestellte Frist auf den 2. Februar 1907 festgesezt..
* Die zwei dem Reichstage zugegangenen Denkschriften über die deutschen Schutzgebiete ohne Kiautschou behandeln getrennt die finanzielle Entwicklung und die deutschen Kapitalinteressen in den Kolonien. Die erste Denkschrift gibt eine Darstellung der finanziellen Entwicklung der Schuhgebiete nach graphischen Tabellen. Sie zeigen für die Jahre 1896 bis 1904 nicht bloß absolut eine stetige Erhöhung der Gesamts einnahmen von 3,1 auf 12,3 Millionen, sondern auch relativ, d. h. die Einnahmen in Prozenten der Ausgaben betrachtet, ergibt sich ein Bild befriedigender Entwickelung. Aus der Denkschrift über die deutschen Kapitalanlagen ergibt sich, daß das werbende Kapital zwar schon einen beträchtlichen Posten darstellt, daß dieses aber doch im Verhältnis zu der noch zu erschließenden Größe der Gebiete nur das Anfangsstadium der wirtschaftlichen Entwickelung unserer Kolonien bedeuten könne. Zum Schluß wird besonders für ausgedehnten Eisenbahnbau in den Kolonien plaidiert.
frankreich.
** Im Ministerium des Innern erklärt man, daß die Inventaraufnahmen in den Kirchen als erledigt betrachtet werden können. Neue ernstere Zwischenfälle find nicht zu berzeichnen. Der Hauptmann Magnier, der seine Mitwirkung bei der Inventar- Aufnahme verweigerte, wird vor ein Kriegsgericht gestellt. Der Oberstaatsanwalt von Marseille hat gegen den Bischof von Marseille, Andrien, strafgerichtliche Untersuchung angeordnet, weil er in seiner Protesterklärung gegen die Inventaraufnahme das Trennungsgesez heftig angegriffen habe.
Rufsland.
** Der im Ministerrat eingebrachte Gesezentwurf betreffend Erweiterung der Rechte der jüdischen Bevölkerung ge= tattet den Juden den Aufenthalt in den Dörfern des Anfedelungsbezirks und die Freizügigkeit innerhalb desselben. Außerdem wird ihnen die Pachtung von Ländereien, welche Städten, Kirchen und Dorfgemeinden gehören, gestattet. Im Dongebiet, wo den Juden bisher der Aufenthalt untersagt war, wird dieser gewissen Kategorien der Juden, wie dies bereits in den inneren Gouvernements der Fall ist, erlaubt werden. Der Verband russischer Leute protestiert gegen diesen Entwurf.
Kleine politische Nachrichten.
Berlin, 23. November. Die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Deutschland und Spanien sind wegen der Weinzollfrage ins Stocken geraten. Man denkt auf beiden Seiten an ein Provisorium, da das Zustandekommen eines Handelsbertrages fraglich erscheint.
Posen, 23. November. Der Lemberger Erzbischof reichte bem Kardinal- Staatssekretär Merry del Val eine Denkschrift ein über die Schulverhältnisse in Bosen, Westpreußen und Oberschlesien.
Konstantinopel, 23. November. In einem Vorort von Pera explodierte eine Bombe, die angeblich von Armeniern gelegt wurde.
Dran( Algier), 23. November. Eine fünf Mann starke französische Kamelreiter- Patrouille wurde bei Igli( Südoran) bon Berbern des Tafilelt- Gebietes gefangen genommen.
Newyork, 23. November. Botschafter Speck v. Sternburg befürwortete in einer Rede zu Newyork die Herstellung regerer Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Amerika.
Peking, 23. November. Das Edikt betr. Verbot des Opiumgenusses hat die kaiserliche Sanktion erhalten. Neue Opiumläden dürfen nicht errichtet werden.
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