Ausgabe 
20.10.1906 Zweites Blatt
 
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7 Mark, der andere für 21 Mart. Die Sache kam vor Gericht und wie lautete das Urteil? Der Bauer Vogelsang, der für 7 Mark Holz gestohlen, wird wegen Forstdiebstahls zu 5 Wochen Gefängnis verurteilt, der Bauer Bitterlich, der für 21 Mark Holz gestohlen, erhielt wegen einfachen Diebstahls" nur eine Woche Gefängnis. Wenn das der ,, bescheidene Dieb", der Bauer Bogelsang hätte ahnen können, er hätte herzhafter zugegriffen.

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Bech eines Zaschendiebes. Eine Pariser Blumen­macherin hatte dieser Tage im Tramwaywagen als Nachbar einen eleganten Herrn, an dessen Hand ein prachtvoller Brillantring funkelte. Als sie ausstieg, ging fie in eine Konditorei. Man kann sich die Ueberraschung denken, als fie in der Tasche statt ihres Bortemonnaies den- Ring ihres eleganten Nachbars fand. Das Kleinod, das einer Wert von mehr als 500 Francs hat, wurde von der Blumen macherin sofort auf der nächsten Polizeistation deponiert, wo fie auch ein genaues Signalement des Taschendiebes hinterließ. Dieser war ohne Frage indes zu der Ueberzeugung gekommen, daß er bei dem Tausche ein ziemlich schlechte Geschäft gemacht hatte. Denn in der Geldbörse der Blumen: macherin befanden sich nur zehn Francs.

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Irrfahrt eines Schiffbrüchigen. Am 9. Septembe. ging im Atlantischen Ozean ein amerikanischer Schooner unter, ein Mann der Besatzung wurde in diesen Tagen, 35 Meilen von Kap Fair und 100 Meilen von Charleston entfernt von dem dänischen Dampfer" Texas" aufgefischt. Als man ihn fand, war er 108 Stunden, auf einer Blanke fizend, im Wasser gewesen. Er zeigte noch Spuren von Leben, war aber vor Hunger und Erschöpfung bewußtlos und blieb in diesem Zustande noch zwei Tage lang. Der junge Mann ist vollständig hergestellt und schiffte sich nach seiner Ankunft in Kopenhagen sofort wieder nach Amerika ein. Echt amerikanisch. In Kentucky erschoß im vorigen Jahre ein Mann namens Herman einen Mittänzer, mit dem er wegen einer Tänzerin in Streit geraten war. Der Mörder floh, es gelang nicht, ihn zu finden. Ein Schwager des Er. schossenen gab aber nicht auf, nach ihm zu suchen. Schließ lich fand er Herman in Bristol in West- Virginia. Es gelang ihm und seinem Bruder, in demselben Hause Nachtquartier zu erhalten. Als der Mörder fich ins Bett gelegt hatte, stürzten fie fich auf ihn, um ihn zu fesseln. Herman schleuderte aber seine Angreifer von sich, riß einen Revolver unter dem Kopfrissen hervor, erschoß die beiden Brüder und floh sodann wieder. Es ist bisher nicht gelungen, den Mörder zu fassen Gut Lurch! Das ist wohl das originellste Pendant ju Gut Heil, Gut Kraft, Gut Holz! 2c. Der Görliger Berein Aquarium" hat jenes schöne Losungswort ,, erfunden." Er feierte sein zehnjähriges Stiftungsfest durch einen geselligen Festabend, verbunden mit Konzertvorträgen und Festansprache. Die lettere schloß der Lehrer Bartel mit einem ,, Gut Lurch!" auf den Verein.

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Kinderfeindliche Hauswirte. Auf ein Wohnungsgesuch erhielt in Uelzen vor kurzem jemand eine Offerte, derzufolge eine größere Wohnung zum Preise von 500 Mark angeboten wurde, wenn nicht mehr als drei Kinder vorhanden seien; für jedes Kind mehr erhöhe fich der Preis um je 100 Mart! Mit Kind und Regel ist in Paris ein Rekrut namens Carlier eingerückt, der auf diese Art versuchte, vom Militär­dienst loszukommen, da alle anderen Versuche mißglückt waren. Carlier fand sich in seiner Kaserne ein, doch nicht mit dem tleinen Junggesellentoffer, der seine paar Habseligkeiten ent­hielt, sondern mit einem Hundefuhrwert. Darauf waren die spärlichen, zerbrochenen Möbelstücke seiner Behausung gepackt. Zwei vier- und dreijährige Mädchen lagen auf Strohmatrahen und die Mutter mit noch drei fleinen, fadenscheinig gekleideten Wesen trottete neben dem Wagen her. Carlier fezte aus­einander, daß alle diese sechs Geliebten seines Herzens zu­Fünftig darben müßten, wenn man ihn in den bunten Rod steckte. Diesen Worten wurde keine Aufmerksamkeit geschenft. Die Nameraden spürten jedoch ein menschliches Rühren und

brachten für die Familie des Refruten schnell ein ganz an ständiges Sümmchen zusammen.

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Ein originelles Wettrennen hat man in Paris or­ganisiert. Eine Preisfahrt zum Obelisten von Suresnes, ausgerüstet von allen den Vehikeln, die als Vorläufer des heutigen Fahrrades zu betrachten sind. Und was beteiligte sich an diesem Rennen? Alle möglichen Vehikel: die Draisine ohne Pedale, hölzerne Velozipede mit schwerfälligen Kurbeln, die Räder mit den ersten Vollgummireifen. Hochräder, Drei­räder, Räder mit Hand- und Hebelbetrieb, Einräder im ganzen an die Hundert. Alles von einer ehrwürdigen Staub­und Rostschicht bedeckt, ein lebendes Bild der Geschichte des Fahrrades. Ein Pistolenschuß gab das Zeichen zur Abfahrt. Mit einem furchtbaren Gerassel setzte sich all das alte Eisen in Bewegung. Die Zuschauer jubelten, schrieen und brüllten vor Vergnügen über dies unglaublich groteske Wettrennen. Die Rache des Tanzprofessors. In einer Brooklyner Zeitung erschien dieser Tage folgendes Inserat, das ein Pro­fessor der Tanzkunst, Mstr. Leich, erlassen hatte: Zu vermieten ein Haus mit 9 Zimmern und Bad an eine farbige Familie. Je größer die Familie ist, desto niedriger der Mietspreis. Nachzufragen usw." Man tann sich vorstellen, wie das Be fanntwerden dieser Anzeige auf die davon betroffene Nachbar. schaft wirkte. Das Einschlagen einer mit Dynamit gefüllten Bombe hätte sicherlich feine kräftigere Wirkung ausüben fönnen! Sobald Negerfamilien in einem Häuserblock sich niederlassen, verliert er sofort ganz enorm an Wert, denn eine Massenauswanderung der weißen Bewohner ist dann ganz selbstverständlich. Wenn Spekulanten sich in den Besiz ganzer Quartiere Newyorks sehen wollen, so greifen sie zu dem gleichen Mittel, und sie haben damit noch immer den gewünschten Erfolg erzielt. Professor Leich gibt zur Recht. fertigung seines schwarzen" Rachewerks an, die Nachbarn hätten seine Mutter zu Tode geärgert, seine bessere Hälfte " geschnitten" und ihm überdies boshafte.weise allerlei Schmuz ins Haus geworfen.

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Das gesunkene französische Unterseeboot ,, Lutin" Tonnte bis jetzt, trop angestrengtester Arbeit, nicht gehoben werden, somit ist jede Hoffnung entschwunden, die Besatzung zu retten. Die Aushilfsschiffe des britischen Geschwaders Implacable," Carnarvon" und Albatros" find unter vollem Dampf nach Biserta abgingen. Auf ihnen befand sich der Unterseeboot­offizier Leutnant Moreton mit Tauchern und Taucher­apparaten, der sofort nach Eintreffen in Aktion treten wird. Die französischen Taucher fonnten bisher nichts ausrichten, weil sie nur bis zu einer Tiefe von 20 Metern gelangten, das gesunkene Boot liegt aber 40 Meter unter dem Meeres­spiegel.

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Wieviel sind einige"? Eine nette Bismard- Anekdote erzählt der General v. Jsing, der Kommandant des Berliner Zeughauses aus den Tagen kurz nach dem Kriege 1870. Was verstehen Sie unter, einige'?" mit diesen Worten trat Bismard bald nach dem Einzng der fiegreichen Truppen in Berlin eines Tages an den alten Haudegen heran, einige, das find doch 3 oder 4, nicht wahr?" Ja nun, Exzellenz, das können auch 5 bis 6 sein," meinte der Gefragte. Na schön," erwiderte Bismard, ich wollte Sie bloß vorher mal fragen, Seine Majestät sagte mir nämlich, ich sollte mir einige von den französischen Geschüßen für meinen Park in Schön. hausen geben lassen, wollen Sie die Güte haben, mtr sechs bereit zu stellen?" Was wollte der General machen, der gewiegte Diplomat hatte ihm mit seiner schlauen Frage die Verantwortung für die Zahl zugeschoben, und es blieb nichts übrig, als ihm die Kanonen in der gewünschten Anzahl auszufolgen.

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Ein Mormone als Barlamentarier. In das dänische Parlament dürfte demnächst ein Heiliger der letzten Tage" seinen Einzug halten. Der von der Sozialdemokratie für den von ihr gänzlich beherrschten Landkreis der jütischen Haupt­stadt Aarhus aufgestellte Maschinenarbeiter Samuelsen ist ein Angehöriger dieser Sekte, die überhaupt in Nordeuropa noch immer vielen Bulauf finden. Ein geseßliches Hindernis steht

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wenigstens in Dänemark einer solchen Wahl nicht entgegen, und somit wird wohl demnächst das Kopenhagener Bolt thing einen Mormonen als Mitglied aufweisen.

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Der wahnsinnige König von Anam ist von den fran zösischen Behörden in seinem Palast gefangen gesetzt worden. Ueber die von ihm verübten Greueltaten werden haar ftraubende Einzelheiten berichtet. Unter anderem soll er eine seiner Frauen getötet, die Leiche in Del getaucht und dann feiner Umgebung vorgesetzt haben. Er soll die Mitglieder feiner Umgebung bei Todesstrafe gezwungen haben, die Leiche zu verzehren. Eine andere Frau aus seinem Harem wurde Tigern vorgeworfen, andere wieder mit glühenden Zangen gepeinigt. Die franzöfifchen Behörden haben die Frauen des Königs in Freiheit gesezt.

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Verhängnisvoller Jertum. Ein Kaufmann Berillon hatte mit großem Bomp seine Hochzeit gefeiert, war dann nach seinem neuen Heim gefahren und letterte in dem Hause anstatt vier Treppen hoch, in die fünfte Etage. Das junge Ehepaar betrat ahnungslos eine fremde Wohnung. Als beren Inhaber Bärm hörte, glaubte er, Einbrecher hätten ihm einen Besuch abgestattet und gab mit dem Rufe: Bur Hilfe Diebe!" mehrere Schüsse aus einem Revolver ab Der junge Ehemann wurde an der Schulter getroffen und mußte in ein Krankenhaus gebracht werden.

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O alte Burschenherrlichkeit... Der Senat der Universität Chicago hat verfügt, daß Studenten und Studentinnen vom laufenden Semester angefangen nicht mehr gemeinsam die Vorlesungen besuchen dürfen, sondern daß fnftig separate Vorlesungen für beide Geschlechter abgehalten werden sollen. Diese Verfügung entspringt, wie der Rettor der Universität zugibt, dem Wunsche der Universitätsbehörden, den Studenten mehr Ernst beizubringen.

Der Landwirt.

gd. Wiesenpflege im Herbst. Nach der Grummeternte bedürfen die Wiesen der Düngung. Die Herbstregen maschen Felder, Kanäle, Gossen und Wege aus und führen den Bächen fruchtbaren Schlamm zu. Wird dieser durch ausgiebige Wiesenbewässerung ausgenußt, so zeigt das Wiesenland gar bald durch seine dunkle Farbe an, daß es die erforderliche Düngung erhalten hat. Die Grasnarbe wird dichter und die Herbstzeitlose und andere Unkräuter verschwinden in der Folge Außerdem werden die Mäuse aus den Wiesen vertrieben. Wem also das Wasser zur Herbstbewässerung zur Verfügung steht, der begeht einen schweren Fehler, wenn er trotzdem diese unter: läßt. Selbst da, wo nur helles Wasser vorhanden ist, dars diese Maßregel nicht unterlassen werden, denn sie ist der bei weitem wichtigste Teil der Wiesenpflege. Freilich muj auch die Herbstbewässerung in der rechten Weise ausgeführt werden, wenn sie ihren Zwed erfüllen soll. Unter Um ständen vermag fie sonst dem Wiesenlande sogar Nachteil zu bringen. Die erste Forderung ist die, daß man mit der Bewässerung so früh als angängig beginne. Aus diesem Grunde sollte die Herbstweide auf Wiesen unterbleiben oder doch nach Möglichkeit eingeschränkt werden. Bei geringem Gefälle muß besonders sorgfältig gewässert werden. Nach einigen Tagen der Bewässerung muß eine entsprechende Pause eintreten; namentlich schlammiges Wasser darf auf solchen Wiesen nicht zu lange stehen bleiben. Bei Wiesen mit starfem Gefälle braucht man weniger Vorsicht walten zu lassen. Aus leichtem Boden wird stärker und andauernd gewässert, als auj Tonboden. Wie auf ein zeitiges Beginnen der Bewässerung, so ist auch auf eine rechtzeitige Trockenlegung der Wiese Be dacht zu nehmen. Eisbildung muß auf dem Wiesenlande möglichst verhindert werden. Auch mittelmäßige und selbst geringere Wiesen können durch eine regelmäßige und fachgemäß ausgeführte Herbstbewässerung auf eine hohe Ertragsfähigkeit gebracht werden, wenn damit eine gute Kultur und Pflege pt Hand in Hand geht.

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