Ausgabe 
20.10.1906 Zweites Blatt
 
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Stadt- Cheats

Giessen. Direktion: Herm. Steingo

Sonntag, den 21. Otte

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Giessen

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Nr. 247

Zweites Blatt

Samstag, den 20. Oftober 1906

Petition: Gleex, Seliersweg 88. Burnsprechanichink Ar. 382.

Gießener

15. Jahrgang

Contibellagen: Oberhoffice Familienzeitung( y und die Gießener Setfenblasen( whentlich).

6.

Neueste Nachrichten

( Gießener Tageblaff)

Knabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberhessen und die Kreise Marburg und Weglar; Lofalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Gnthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Volizeiamtes Gießen und anderer Rehörden non herhallen

Einbrecher bei der Arbeit.

Aus der Praxis der Geldschrank- Knader und Konforten.

Vor kurzem ist aus der Münze in München ein bes beutender Geldbetrag durch Einbruch entwendet worden und fast gleichzeitig damit hat sich in Berlin ein Fall ereignet, daß ein ,, Geldschrankfnader" bei Ausübung seines Berufes den Tod fand. Im ersteren Falle war es den Dieben sehr leicht gemacht, Zugang zu den Räumen, in denen das Geld, lose" in einem Fasse lag, zu gelangen. Sonft aber pflegt man den Herren Einbrechern heute das Handwerk durch starke Schutz­maßnahmen zu erschweren, und namentlich von Banken und großen Geschäften werden die weitgehendsten Vorkehrungen getroffen, um Diebstähle durch Einbruch zu verhindern.

Solche Schutzvorrichtungen find indessen nicht so einfach, denn die modernen Einbrecher studieren die Fortschritte der Technik genau so, wie der Industrielle, und wissen auch den sichersten Geldschränken auf die eine oder andere Weise bei­zukommen. Die Zeiten, da der Geldschrankeinbrecher nur den Lude", Krummkopf" oder die Elle"( Brecheisen) brauchten, um die Moosfuppe", den Geldschrank zu tnaden, find heute borbei.

Die neuen Schränke werden heute so gebaut, daß die Tandelei", das Handwerkszeug, nirgends einen Angriffspunkt findet und die komplizierten Schlösser, die oft auf bestimmte Zeichen oder Worte eingestellt werden müssen, um geöffnet werden zu tönnen, lassen sich mit dem einfachen Halen", dem Dietrich, nicht mehr aufmachen. Aber der moderne Dieb ist darum nicht verlegen. Er wendet Sprengmittel an, wie jener Ein­brecher in Berlin, der bei der vorzeitigen Explosion der Mine" den Tod fand oder bohrt die Wände des stählernen Schrankes, bie natürlich dem gewöhnlichen Werkzeug widerstehen, mit Hilfe der Elektrizität oder des Sauerstoffgebläses an, wozu ihm die Lichtleitung im Kaffenraume das nötige Material liefert. Bekanntlich erzeugt das sogen. Knallgas, aus Wasser­stoff und Sauerstoff bestehend, eine folossale Hige, der auch Stahl nicht widersteht und die in den Werkstätten daher zum Schmelzen und Schweißen harten Metalls verwandt wird. Der Einbrecher, der oft gelernter Schloffer ist, weiß das ganz genau; möglicherweise hat er sogar neuerdings eine Zeitlang in einer Geldschrankfabrik gearbeitet, um die neuen Ver­schlüsse 2c. tennen zu lernen und auszufundschaften, wo den Schränken am besten beizukommen ist. In Amerika hatte sich einmal eine Einbrecherbande als Geldschrankfabrik etabliert. Die von ihnen gelieferten Schränke saben sehr praktisch und diebesficher aus, waren es auch; trotzdem wurden die Käufer solcher Schränke nach und nach empfindlich bestohlen, denn die Herren Lieferanten besaßen die Schlüssel dazu und brauchten sich mit dem Aufbrechen nicht erst zu quälen.

Für die großen Banken genügen auch die einfachen Geld­schränke nicht mehr, seitdem die Einbrecher, um zu den Kassen zu gelangen, sogar Wände und Decken durchbrechen. Derartige Vorfälle sind in der Kriminalgeschichte nicht

Bekanntmachung.

Für den Nahrungsberg ist von der Stadtber­ordneten- Bersammlung in der Sigung vom 18. ds. Mts. ein Bebauungeplan mit einem dazu gehörigen Orts statut aufgestellt worden.

Bebauungsplan und Ortsstatut liegen bis zum 20. November d. Js. bei unserem Tiefbauamt zur Einsicht offen.

Einwendungen dagegen find binnen der gleichen Frift bet Meidung des Ausschlusses bei uns vorzubringen. Gießen, den 19. Oktober 1906.

Großh. Bürgermeisterei Gießen

Mecum.

Submission.

Für die Klinik für psychische und nervöse Strant­heiten soll die Lieferung von:

400 Zentner Speisekartoffeln, Tafeläpfeln

6

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auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden.

Die Lieferungsbedingungen liegen an den Wochen. tagen. nachmittags 3-5 Uhr auf dem Verwaltungs­bureau offen.

Angebote unter Anschluß von Proben sind ver­schlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungstermin:

Mittwoch, den 24. Oktober 1906, vorm. 12 Uhr, auf dem Verwaltungsbureau einzureichen.

Der Zuschlag erfolgt bis zum 29. Oktober 1906. Gießen, den 4. Oftober 1906.

Großh. Direktion der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten. J. V.: Dr. Dannemann.

selten; die Verbrecher spüren oft monatelang ein geeignetes Objekt aus und scheuen keine Arbeit, wenn ein reicher Fang in Aussicht steht. Die Banten suchen daher auch diesen Ein­bruchsversuchen von Nebenräumen entgegenzuarbeiten. Das geschieht jetzt, indem man die Geldschränke in stahlgepanzerte Gewölbe einmauert, die von keiner Seite einen Angriffspunkt bieten. Diese Stahlkammern oder Safes" werden heute ge= wöhnlich in den Kellerräumen der Bankgebäude eingerichtet.

Von der Straße aus bezw. von den inneren Räumen der Bank sichern mehrere eiserne Türen den Zugang gegen Einbruch und Feuer. Die Wände des Gewölbes, dessen Mauerwerk außerordentlich stark angelegt wird, sind mit starken Stahlplatten gesichert und gleiche Platten schüßen den Fuß­boden und die gewölbte Decke gegen gewaltsames Durchschlagen oder Durchbohren von oben und unten. Die Türen der einzelnen Schränke sind mit besonderen, äußerst komplizierten Schlössern versehen, zu denen mehrere in verschiedenen Händen befindliche Schlüssel gehören, sodaß von den Beamten der Bank einer allein nicht zu dem Schrank gelangen kann. Einzelne Fächer in den Schränken werden dem Publikum zur Auf­bewahrung von Geld und Wertsachen vermietet; auch in diesem Falle begleitet stets ein Beamter den Kunden in den " Saferoom", die Stahlkammer, die zur Vorsicht außerdem Tag und Nacht unter Bewachung steht. Durch diese Maß­nahmen werden Einbrüche in die modernen Bantpaläste so gut wie unmöglich gemacht, und sie sind tatsächlich in der legten Zeit nicht mehr vorgekommen. Denn, um an die Stahlgewölbe zu gelangen, müßte fich jemand unsichtbar machen oder heren lönnen. Bon außen und von den Bant räumen her würde ein Einbruch nur unter Aufwand schwerer Werkzeuge und Apparate möglich fein und der dadurch vers ursachte gewaltige Lärm würde unfehlbar die Wächter alarmieren, selbst wenn sie schlafen sollten.

Schwieriger ist dagegen der Schutz der Geldschränke in großen industriellen Betrieben, Geschäften und dieser Lokale selbst. Die Anbringung elektrischer Alarmvorrichtungen, die beim Betreten des Raumes Beichen an den Wächter oder Besizer geben, hilft nicht viel, da die Einbrecher gewöhnlich diese Vorrichtungen vorher ausfundschaften und das Läute­werk unterbrechen oder abfangen. Ebenso problematisch ist die Einschaltung von Alarmschüssen. Die Kontrolle durch Wächter hat auch oft genug versagt, namentlich wenn die Einbrecher Gelegenheit fanden, von unbewohnten Neben­räumen aus in die zu bestehlenden Lokale zu gelangen, wie es vor einiger Zeit in einem großen Seidenstofflager in Berlin geschah. Die einzige Sicherheit wird auch hier nur der Bau der Lokalitäten bieten. Es ist ziemlich einfach, eine Decke in einem der alten Gebäude zu durchsägen, um in den darüber oder darunter befindlichen Raum zu gelangen. Nur starte Gewölbe bieten dagegen Schutz und die Baumeister find genötigt, bei der Aufführung neuer Fabriks oder Industrie­gebäude hierauf weiteste Rücksicht zu nehmen. Leider wird gegen diese Forderung oft genug aus Billiateitsaründen ge

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sündigt und die Wände und Türen werden aus Berartrg leichtem Material ausgeführt, daß man sich nur wundern fann, wenn nicht mehr Einbrüche vorkommen. Der Schutz durch Wächter genügt nur dann, wenn mehrere Wächter an gestellt werden, denn bei den jetzt üblichen Miesengebäuden, in denen hunderte von Firmen zusammenwohnen, kann ein einziger Wächter unmöglich den ganzen Komplex ausreichend bewachen.

Das wissen die Einbrecher sehr gut und es find in der legten Zeit oft genug Diebstähle gelungen, trotzdem ein Wächter im Hause war. Die Zufunft gehört daher der Stahlkammer und dem Gewölbebau, der auch gegen Feuers gefahr ausreichenderen Schutz bietet. L Julius.

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Vermischtes.

Verein der Ehefeindinnen. Einen neuen Verein mit eigenartigen Grundsägen will man in Leutenberg( Thüringen) gründen. Die Aufforderung dazu enthält ein Inserat im Leutenberger Kreisblatt, das wie folgt lautet: Welch edel­denkende Jungfrauen sind gesonnen, einen Verein Ewig ledig" mit ins Leben zu rufen? Anmeldungen unter Chiffre B. M. 38 poftlagernd." Die Jungfrauen von Leutenberg find, wie man mitteilt, aber alle so hübsch und lebenslustig, daß dieser Unkenruf nach dem Zölibat kaum Erfolg haben wird. Im Schlepptan. Der Postdampfer Martha Woer­mann", der unweit Conakry in Westafrika auf Grund gestoßen ist und dabei den Achtersteven gebrochen und das Ruder ver­loren hat, ist im Tau des an der westafrikanischen Küste stationierten Woermannschen Seeschleppers Karibib" im Ham­burger Hafen eingetroffen. Der Karibib" hat die Martha Woermann" von Westafrika bis Hamburg geschleppt. Die Fahrt des vollbeladenen Dampfers im Schlepptau des Karibib" ging trog der verhältnismäßig weiten Reise ohne jeden Unfall von statten. Nach erfolgter Entlöschung der Ladung geht das havarierte Schiff nach einer Werft zur Reparatur.

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Ganz nach Newyorker Art. In Groß- Licherfelde find Dienstboten anscheinend noch seltener als weiße Raben. Darauf läßt folgendes Inserat schließen:

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Was werden die Soldaten in Lichterfelde sagen, wenn an Stelle der Minna's und Riekens jetzt ein schnurrbärtiger ,, Küchendragoner" im Bereiche des Herdes schaltet und waltet.

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Zwei Holzdiebe hatten in einem dem sächsischen Forst­fistus gehörigen Walde Holz gestohlen, der eine für nur

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