Entfehliche Zustände deckte der mit der Verurteilung der Mörder beendigte Prozeß auf. Die Leiche des Nixdorf wurde am 11. Rovember des vergangenen Jahres in grauenerregendem Rustand aufgefunden. Der Unterleib der Leiche wies mehrere Stichwunden auf, sodaß die Eingeweide fast heraustraten, im Naden war eine Schußwunde zu finden, die Kopfhaut war mit einem Messer getrennt und dann mit Gewalt heruntergerissen worden, sodaß fie wie Lappen zu beiden Seiten herabhing. Der Ermordete war im Michelsdorfer Rettungshause erzogen worden. Die Verurteilten waren ebenfalls ehemalige Zwangszöglinge des gleichen Hauses.
Das etwa 400 Einwohner zählende Dörfchen Michelsdorf liegt im schlesischen Kreise Landeshut, hat berhältnismäßig biele industrielle Betriebe und gewinnt ein besonderes Charakteristum durch das Rettungshaus für verwahrloste jugendliche Elemente. Die Försorgezöglinge werden nach der Entlassung aus der Anstalt noch eine zeitlang der Beaufsichtigung und Kontrolle unterworfen. Zu diesem Zwecke sucht man Unterkunft und Arbeit für sie im Dorfe selbst oder in der unmittelbaren Umgebung. Ein nicht unerheblicher Prozentsatz der jüngeren Arbeiterbevölkerung jener Gegend besteht infolgedessen aus ehemaligen Fürsorgezöglingen. Dieser Umstand hat nun einen geradezu haarsträubenden Niedergang der Moral- und Sicherheitsverhältnisse herbeigeführt, dessen plötzliche Beleuchtung zu den ernsthaftesten Bedenken über die Zweckmäßigkeit der heutigen Fürsorge- Erziehung Veranlassung gibt. Ob bei allen ähnlichen Anstalten die Zustände die gleichen sind, bleibt einstweilen fraglich. Jedenfalls wurde Michelstadt und seine Um gebung von dem Auswurf der entlassenen Zöglinge des Rettungshauses zu einer Gegend des Schreckens gemacht, in der ein zweiter Buffalo- Bill treffliche Studien zu einem deutschen Wild- West" machen könnte.
Die gebesserten" Fürsorgezöglinge bilden ein Konsortium, gegen dessen Angriffe weder Greis noch Kind, weder die Heranwachsende weibliche Jugend noch die Häuser ruhiger Bürger gesichert sind. An den Sonntagabenden wagt sich taum ein Mensch auf die Straße. Jeden Augenblick muß er eines Ueberfalls und schlimmster Mißhandlung gewärtig sein. Auf allen Tanzböden ist die Schlägerei mit Messer und Revolver landesüblich. Gemeinsam werden Einbrüche berübt, die Beute schleunigst in Kneipen und auf Kirmes= festlichkeiten verjubelt. Besonders gewaltige und deshalb gefürchtete Zunftkoriphäen, wie der Mörder Büchner, tuen sich als Anführer und Hauptleute hervor. Wer ihm unter den Genossen widerspricht oder nicht widerstandsLos sein Gut ausliefert, erhält einen Messerstich. Alle Mädchen im Dorfe stehen Büchner zu Gebote, wie eine Zeugin aussagte, schlimme Drohungen, denen unter Umständen die Zat folgt, unterstützen den Dorf- Don- Juan bei seinem Treiben. Seine Freunde, wie er aus dem Rettungshause gekommen, geben ihm nur wenig nach. Zeuge Korbmacher Jochmann, ein 70 jähriger, am Stocke gehender Mann, ist an drei Sonntagen von den Michelsdorfer Fürsorgezöglingen belästigt worden, Er nannte die Zöglinge nur noch Rettungsbande". Zeugin Marie Kirchner ist öfters von den Fürsorgezöglingen mit Redensarten behelligt worden. Prügeleien, Lärm und Spektakel waren an der Tagesordnung, so daß sie sich fürchtete, abends allein nach Hause zu gehen.
Die Zeugenvernehmung gab ein wüstes Bild sittlicher Verkommenheit. Die Angeklagten hatten vor dem aus Berlin herbeigerufenen Kriminalkommissar ihre Schuld eingestanden, jezt leugneten sie alles. Mehrere Zeugen ändern bei jeder Befragung ihre Angaben und sind bereit, jedesmal wieder zu schwören. Alles fürchtet sich sichtlich vor der Rache der Verbrecher oder ihrer Kumpane. Der ermordete Niedorf wird als ein schwacher, haltloser Bursche geschildert, der wahr. scheinlich das Geld, um dessentwillen die mit ihm befreundeten Verurteilten ihn gräßlich abschlachteten, durch einen Einbruchss diebstahl erwarb, während die andern Schmiere standen. Kriminalkommissar Genat aus Berlin äußert sich über seine Erfahrungen bei der Vernehmung der Zwangszöglinge. Etwas so ungeheuerliches habe er noch nicht erlebt und hoffe es niemals, auch nicht in der Großstadt wieder zu erleben. Er habe es in seinem Dezernat nur mit schweren, gewerbsmäßigen Verbrechern zu tun und sei seit längerer Zeit in der Großstadt tätig, etwas derartiges an Zeugenmaterial habe er aber noch nicht gefunden. Die Fürsorgezöglinge bilden geradezu eine Korporation, deren Angehörige untereinander verschworen sind und denen es nicht darauf ankommt, einen Meineid zu schwören, sofern es sich um das Wohl und Wehe eines der ihrigen handelt. Das Verhalten der Zöglinge war geradezu efelerregend und im höchsten Grade typisch. Besonders widerlich war die Verquickung mit religiösen Phrasen bei fast allen Jungens. Alle erklärten immer wieder So wahr ein Gott im Himmel lebt.
In Variationen wiederholte fich das fortwährend, in Wirklichkeit logen die Zöglinge gröblich. Die meisten Zögs Inge gaben später als Motiv für ihr Lügen oder Schweigen an, daß sie sich gefürchtet hätten.
† Ungemütliches aus Kiel. Räuber haben in einer Villa am Schwanenweg in Kiel einen Einbruchsdiebstahl verübt, den Sohn des Besitzers geknebelt und das Haus, nachdem fie Wertsachen und Bargeld an sich genommen hatten, in Brand gesteckt. Die Diebe find entkommen; das Feuer wurde von herbeigeeilten Wächtern der Schließgesellschaft gelöscht. Es ist dies der sechste Einbruchsdiebstahl, der in Niel seit kurzem vorgekommen ist.
+ Ein verrücktes Automobil. In München fuhr ein] Automobil über den Marienplay, als ihm ein Fuhrwerf entgegenfam. Jm Bestreben, ihm auszuweichen, geriet das Automobil auf das Trottoir und fuhr in das Auslagefenster eines Warenhauses derart, daß nicht nur die große GlasScheibe zertrümmert, sondern auch die Eisenkonstruktion verbogen und beschädigt wurde. Die entstandene Bestürzung und Berwirrung benützte der Führer des Automobils, um schleunigst zu verduften.
Das Interesse an dem Prozeß ist mit der Verurteilung der Mörder nicht erschöpft. Denn es wird eine ernste Prüfung der Frage stattfinden müssen, ob man mit den bisherigen Erfolgen der Fürsorge- Erziehung sich zufrieden geben soll, ob nicht mancher jugendliche Sünder verstockter die Anstalt verlt, als er fie betreten hat. Die schwere Gefahr, die eine Häufung derartiger Elemente für ganze Gegenden bringen kann, zeigt sich in ganzer Schwere im Michelsdorfer Mordprozeß.
Nab und fern.
† Ueber das Grab hinaus. Die Braut des Finanzwach- Oberaufseher Beier in Rumburg hatte vor Jahresfrist Selbstmord begangen, weil ihre Eltern gegen eine Verbindung mit Beier waren. Dieser konnte den jähen Tod des heiß geliebten Mädchens nicht verwinden. Ein Jahr nach dem Sterbetage seiner Geliebten schmückte er ihr Grab mit Blumen und erschoß sich am Grabe.
† Unfall auf der" Borussia". In einem Schacht der Beche Borussia" lösten sich beim Ausmauern Schachtringe durch hereinbrechendes Gebirge. Drei Leute, darunter ein Steiger, wurden getötet, vier verletzt.
† Drohender Einsturz. Das in der Rue Bozaris in der Nähe der Buttes Chaumont im Bau befindliche Gewölbe der Pariser Untergrundbahn hat auf eine Strecke von 30 Metern nachgegeben. Man befürchtet, daß es gänzlich einstürzen wird. Mehrere benachbarte Häuser, die ernstlich bedroht erscheinen, müssen geräumt werden.
† Robis Automobil verunglückt. Auf einer Fahrt von Berlin nach Dresden mußte der Rennfahrer Thaddäus Robl auf der Chaussee bei Prößen einem Fuhrwerk ausweichen. Dabei raste das Auto, das Robl steuerte, gegen einen Causseebaum, sodaß dieser entwurzelt, die Insassen in den Graben und auf das Feld geschleudert und der Wagen zertrümmert wurde. Robleblieb völlig unversehrt. Sein Chauffeur hatte nur Hautabschürfungen im Gesicht und an den Händen erlitten, sein Manager Kühneband aber war bewußtlos liegen ge= blieben. Man brachte ihn nach Elsterwerda, wo im Krankenhaus ein Schädelbruch sowie ein Bruch des linken Armes festgestellt wurde. Sein Zustand ist nicht unbedenklich.
† Der Tod des Salonlöwen. Ein bekannter Gesellschaftsheld in Rio de Janeiro, Viscount Ameida ließ sich nach einem Bechgelage von Löwen zerreißen. Ameida hatte die Löwen einer reisenden Menagerie entlehnt und gestand, als er in Sterbendem Zustande weggebracht wurde, daß er in sensationeller Weise sterben wollte, wie er gelebt habe, da er des liederlichen Leben müde sei.
† Brand auf einer Werft. In der Nacht brach in dem Tafelschuppen der Rostocker Neptunwerft Feuer aus, das jedoch nicht weiter um sich griff, da der Schuppen isoliert stand. Die Entstehungsursache des Feuers ist unbekannt. In dem abgebrannten Schuppen befand sich auch die Tischlerei; der Schaden beläuft sich auf einige hunderttausend Mark.
† 1906 er Grünberger. Der„ Heurige hat in Grünberg eine recht ergiebige Ernte zu verzeichnen. Mehrere Wein gutsbefizer haben von einem Viertel Trauben( 500 Pfund) 14 Kannen 190 bis 195 Liter Most gehabt. Die Quantität hat sich als über Erwarten günstig erwiesen. Auch die Qualität ist viel besser als man zuerst vermutete, sodaß der 1906 er als ein guter, trinkbarer Wein in den Handel kommen dürfte. Die Fäulnis hat der Qualität keinen Abbruch getan. Der Preis ist pro Viertel von 40 auf 45 Mark gestiegen; für ausgelesene Champagnertrauben werden 15 Mark mehr gezahlt.
† Folgen einer Ohrfeige. Im Verlauf eines Streites gab der Gärtnervolontär Schwark in Stendal dem Lehrling Kiesewetter eine Ohrfeige. Am andern Tage wurde lezterer tot im Bette aufgefunden. Eine Gehirnerschütterung hatte dem Leben des jungen Mannes ein Ende gesetzt, und diese mar, wie ärztlicherseits festgestellt wurde, eine Folge der Ohr. feige. Schwart wurde in Haft genommen.
† Tod in den Bergen. Zwei Söhne der Familie Lachmann aus Hamburg unternahmen von Meran aus einen Aufstieg in die Berge. Dabei stürzte der 22 jährige stud. phil. Edmund Lachmann ab und war sofort tot. Es wurde eine Expedition zur Bergung der Leiche ausgerüstet.
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† Der Streit um die Prinzessin Pia Monika von Sachsen. Gräfin Montignoso, die ehemalige Kronprinzessin von en soll ihr Töchterchen entsprechend abgeschlossenem Vertruge herausgeben, aber auf das ihr damals eingeräumte Recht verzichten, in Zwischenräumen alle ihre Kinder zu sehen. Der Hof ist der Ansicht, daß die Gräfin durch das in der letzten Zeit von ihr geführte Leben alle Rechte verscherzt habe, bietet ihr aber eine erhebliche Geldentschädigung. In der Angelegenheit schweben zurzeit wieder Verhandlungen.
† Raubmord an einem Arbeiter- Invaliden. In Jütjendorf bei Trebbin wurde der 63 jährige Arbeiter Friedrich Balz erschossen in seinem Bett aufgefunden. Ein Geldbetrag sowie ein Sparkassenbuch wurden in der arg verwüsteten Behausung von den Tätern geraubt, deren Spuren in Berlin verfolgt werden.
Bunte Tages- Chronik.
Solingen, 13. Oktober. Auf dem von der Stadt eingerichteten Fischmarkt herrscht sehr starker Andrang. Eine Wagenladung Seefische war mittags fast ausverkauft. Für Schellfisch wurden 9 bis 30 Pf. das Pfund bezahlt.
Bozen, 13. Oktober. Hier starb heute der Priester Baleisis. Es wird behauptet, daß er ein russischer Großfürst und zwar ein Sohn des Großfürsten Michael, des Bruders des Zaren Alexanders II., gewesen sei.
einem Schmelztiegel oder Topf, Feilen, Schere, Zange und sonstigen fleinen Werkzeugen ausstattet. Als Arbeitsmaterial braucht er nur Gips, etwas Talg oder Wachs, eine echte Münze und Metall zum Gießen der falschen Stücke, gewöhnlich ein paar alte Zinnlöffel oder dergl. Das ganze Handwerks zeug nimmt wenig Kaum ein, die Fabrikation macht keinen Lärm, der den Falschmünzer der Nachbarschaft verraten tönnte und wenn Lampen kommen", d. h. wenn Gefahr droht, läßt sich mit wenigen Griffen die ganze Geschichte verstecken. Die Herstellung der falschen Stücke ist sehr leicht; der Fälscher nimmt nur eine Gipsform von dem echten Mode und gießt das geschmolzene Metall in die Form, um die noch weichen Stücke dann mittelst Schere, Feile und Pinzette glatt zu rändeln oder mit Kerbrand zu versehen.
Budapest, 13. Oktober. In einem hiesigen Hotel erschoß fich der Oberleutnant Bela v. Jenny vom Husarenregiment Nr. 15 in Miskolcz. Es liegen Anzeichen vor, daß der Offizier die Tat im Zustande momentaner Geistesstörung verübt hat.
Hus der falfchmünzer- Werkstatt. ( Von einem Kriminalisten.) Ein gutes Geschäft. Das Handwerkszeug.. Alte Zinnlöffel. In der Dämmerstunde. Falsche Männer". Großbetrieb. Geld aus Glas. Nächtlicher Sput. Banknoten Fälscher. Sicherer Weg zum Zuchthaus.
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Die Ausgabe der falschen Stücke besorgt der Verbrecher meist in der Dämmerstunde. Er ist dann sicher, daß die Verkäufer in den Geschäften, bei dem mangelhaften Licht, die Geldstücke nicht so genau prüfen und tatsächlich gelingt die Ausgabe oft genug, namentlich in kleineren Geschäften. Trogdem ist es sehr leicht, wenigstens in den meisten Fällen, die Fälschung zu erkennen. Die falschen Männer" sind gewöhnlich leichter als die echten Münzen und fühlen sich fettig an. Der Kerbrand ist selten genau und die Prägung nicht so far, wie bei den echten Stücken. Durch Aufschlagenlassen des Geldstückes ist außerdem schon am Klang meist die Fälschung wahrnehmbar. Es gibt also fein besseres Mittel gegen die Falschmünzerei, als Aufmerksamkeit seitens jeden, der Geld in Empfang nimmt.
Vor einigen Tagen ist in Berlin eine gefährliche Falschmünzerbande festgenommen worden, die falsche Zweimarkstücke angefertigt und in Umlauf gesetzt hatte. Derartige Verbrechen fommen noch immer häufig genug vor, obgleich§ 146 des deutschen Strafgesetzbuches mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren denjenigen bedroht, der inländisches oder aus ländisches Metallgeld oder Papiergeld nachahmt, um das nachgeahmte Geld als echtes zu gebrauchen oder sonst in Verkehr zu bringen." Die hohe Strafe schreckt den Falschmünzer nicht ab, denn das Fabrizieren falschen Geldes ist einfach, wenig kostspielig und die Gefahr der Entdeckung nicht so groß als man gemeinhin glaubt. Wenn auch früher oder später die Polizei auf die Bande aufmerksam wird, so hat der Fälscher inzwischen doch schon ein gutes Geschäft gemacht; wie leicht das ist, beweist die Praxis der eben in Berlin entdeckten Gesellschaft. An einem einzigen Abend haben die Mitglieder dieser Bande 18 von 23 falschen Stücken an den Mann gebracht.
Stunde.
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Berprügelte G hindhen Streifte dieje Bauernfrauen, ohne bie Frauen anfchidten, dinnex über die bam das in feiner Wiejenfti Bublifum ausnahmswe ( Bauern) und man dra ein. Einer der hilfsber eine Tradit Prügel, un madhen, in der großen fangen fie gerade aus Nationalhymne:„ Ein fid- teit!"
Wird die Fälschung in größerem Maßstabe betrieben, ins dem die Verbrecher mit Prägestempeln nach Art der Münzen arbeiten, so werden allerdings die Falsifikcte genauer und von echten schwerer zu unterscheiden. indessen erfordert die Anfertigung in dieser Weise größere Apparate und läßt sich nicht geräuschlos im Hause verberga.: die Gefahr der Entdeckung ist also größer, weshalb die meisten Falschmünzer die Handarbeit vorziehen. Im Auslande, wo gefälschtes Geld ziemlich alltäglich ist, namentlich wenn die Legierungen der echten Münzen und ihre Prägungen minderwertig sind, haben es die Falschmünzer sehr leicht.
Der gefährlichste Falschmünzer arbeitet ohne Komplizen, um vor Plauderern sicherer zu sein und den Verdienst allein zu haben. Sein Handwerkszeug ist so einfach wie möglich. In einem Kellerlofal schlägt er seine Werkstatt auf, die er mit einem Tisch im Notfall tut es auch eine Kiste
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In Paris wird scherzweise behauptet, daß echte Zehnsousstücke überhaupt nicht im Verkehr seien, so stark sind die Fälschungen vertreten. Vor kurzem hat man dort eine ganze, aus mehr als 60 Personen bestehende Gesellschaft aufgehoben, die Zehnfrankstücke aus Glas herstellte und diese Fälschungen auf galvanischem Wege mit einer dünnen Vergoldung versah, ein Verfahren, das also schon eine ziemlich umfangreiche Werkstatt erforderte und daher nicht lange verborgen bleiben Ionnte. Auch in Italien, im Orient und namentlich in Spanien blüht die Falschmünzerei. In Madrid existierte längere Zeit in einer abgelegenen Straße ein„ Sputhaus", das niemand mieten wollte, weil dort nächtlich ein Gespenst umgehen sollte. Schließlich a. sich doch ein beherzter Mieter; am Abend seines Einzuges hörte er wirklich um Mitternacht Kettengerassel und dumpfes Geräusch. Er ging aber der Sache nach und siehe da, im Keller des Hauses hatte sich eine Falschmünzerbande einlogiert, die ihre Wohnung| monatelang geschickt unter dem„ Sput" zu verbergen gewußt hatte. Nachdem die Polizei die Bande festgenommen hatte, hörte natürlich der Spuk auf.
Gegen den Fälscher von Papiergeld, Checks 2c., ist der Metallgeldfälscher ein Stümper. Während zu letzterem Metier feine Fachkenntnisse nötig sind, erfordert das Fälschen von Banknoten, namentlich unserer elegant ausgestatteten deutschen, schon einige Kunst. Es werfen sich daher oft genug leider Graveure, Lithographen und Zeichner auf das lukrative, aber gefährliche Gewerbe und es sind oft Fälschungen von Papiergeld aufgetaucht, die selbst dem Kenner Kopfzerbrechen verursachten. Bei der Erkennung solcher Fälschungen spielt aber die Photographie eine dankenswerte Hauptrolle. Die kleinsten Abweichungen in der Zeichnung, in der Schrift, in der Form oder Größe der Zahlen und Buchstaben gegen die auf echten Scheinen werden durch die photographische Aufnahme verraten. Uebrigens blüht die Falschmünzerei im großen Style dann am besten, wenn der Metallpreis finkt.
Die jetzt verschwindenden Taler z. B. hatten lange Zeit, infolge des Sinkens der Silberpreise nur einen Metallwert von 1½ Mark. Ein Falschmünzer hätte also leicht falsche Taler in der richtigen Legierung anfertigen fönnen und dabei immer noch fast 12 Mark am Stück verdient. Es ist sogar borgekommen, daß im Auslande falsches Geld hergestellt wurde, das echter war als das echte, d. h. sogar viel mehr Silber enthielt; trotzdem wurden natürlich die unberufenen Verfertiger bestraft.
Das Falschmünzen ist unter Umständen kein schlechtes Geschäft, es kann aber keinem geraten werden, sich darauf einzulassen, denn wenn er gefaßt wird, winkt ihm unfehlbar das Zuchthaus; früher wurden die Falschmünzer sogar ge hängt oder verbrannt und im Orient soll derartiges noch heute vorkommen. Also lieber nicht!
B
Vermischtes.
Blindenfürsorge. Die Königin von Rumänien hat den Plan gefaßt, für die Blinden ihres Königreiches eine Blindenkolonie zu errichten. Die etwa 20 000 armen Blinden Rumäniens sollen eine Arbeit erlernen, die sie zu Hause ausüben können. Die Tätigkeit der Blinden soll nicht nut auf die Arbeit ihrer Hände beschränkt sein, sondern sie werden auch geistige Werke schaffen können mit einer neuen Art von Schreib- und Druckmaschinen, die ein blinder Sekretär der Königin, Theodorescu, erfunden hat und die alle anderen derartigen Systeme übertreffen soll.
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Seure Streichhöl bambier La Lorraine fd berriden. Denn auf de Sabre nach Newyork ma Ereidholz mehr an ten Klaffe zahlten fin Chatel. Im Zwische Batet mit zehn Schad tioniert wurde. Au Mangel. Die reichen A gefahren waren, erklärter ben Fuß auf ein franzö ben Schiffen anderer Nat mog.fei
= Eine gläserne Uhr ist seit einiger Zeit in einem Uhrenladen Leipzigs ausgestellt. Sie besteht in allen ihren Teilen, außer den Federn, aus Glas und wurde von einem 71 Jahre alten Glasarbeiter in Theresiental( bei Neubistritz in Böhmen nach sechs Jahre langer mühseliger Arbeit fertiggestellt. Das Werk kann man ohne Mühe ganz durchschauen, sodaß man sämtliche Räder, fein in Schliff und Politur neben- und hintereinander ineinander greifen sieht. Das Ganze erscheint wie aus feinſtem, Klarstem Kristall gegossen.
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Die Exhumierung einer Frauenleiche zwecks deren Ueberführung nach Newyork hat auf dem alten Friedhofe in Stettin stattgefunden. Es handelte sich um die Leiche der im Jahre 1884 in Prenzlau verstorbenen und in Stettin beis gesetzten Hauptmannsfrau Carrie von Alvensleben, deren Gatte, Oberstleutnant von Alvensleben, erst im vergangenen Jahre seiner Frau im Tode gefolgt ist. Die Ueberführung erfolgte auf Wunsch der in Newyork lebenden Mutter der Verstorbenen. Da der eichene Sarg nicht mehr transport fähig war, mußte er durch einen neuen ersetzt werden; während der innere Zinkjarg noch verwendet werden konnte.
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