Ausgabe 
15.9.1906 Zweites Blatt
 
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Berlin über 5 Fälle berichten lönnen, in welchen echter Krebs bei Tieren erzeugt worden war. Dem Urteil Prof. Hausers stehe das Urteil einer ganzen Anzahi namhafter Pathologen entgegen, von denen einer nach genauester Prüfung der Schmidtschen Präparate vor einem großen Kreise von Pro­fessoren den Ausspruch getan hätte: Was ich hier gesehen habe, grenzt geradezu an's Bunderbare! Wenn es mir je mand erzählt hätte, würde ich es niemals geglaubt haben. Dr. Schmidt erklärt, er würde an seinen Forschungen weiter arbeiten, spricht aber dem Professor Hauser- Erlangen jede Berechtigung ab, an den von ihm erzielten terapeutischen Ergebnissen Kritik zu üben.

Aus dem Gerichtsfaal.

§ Massenprozeß wegen Landfriedensbruches. Wegen der füngsten Straßentumulte in Nürnberg schwebt gegen 57 Per­sonen ein Verfahren wegen Landfriedensbruches. Außerdem liegen über 130 Anzeigen wegen Widerstandes und Körper­berlegung anläßlich der Streitbewegung vor.

Verbotene Boykottlisten. Das Landgericht in Eisenach bestätigte eine provisorische Strafverfügung, wonach die Ver­öffentlichung von Listen boykottierter Bierlotale durch das Gewerkschaftskartell unstatthaft ist. Diese Entscheidung steht anscheinend im Widerspruch mit der Auffessung des Reichs­gerichts, das fürzlich den Boykott für straffrei erklärte.

§ Die Affäre Wrede vor dem Reichsgericht. Das Reichs­gericht hat die Revision des Dieners Glase verworfen, der wegen versuchter Erpressung gegen den Fürsten Wrede mit neun Monaten Gefängnis bestraft worden ist. Glase hat die Angelegenheit der Silberdiebstähle durch seine Anzeige in Fluß gebracht. Es steht ihm noch ein Verfahren wegen Meineid in der gleichen Sache bevor.

Jugendlicher Defraudant. Die 4. Ferienstraftammer des Berliner Landgerichts I verurteilte den 18 jährigen früheren Registrator der Kommerz- und Diskonto- Bank Drewin wegen Unterschlagung von 10 250 m. zu sechs Monaten zehn Tagen Gefängnis. Die Strafe fiel so milde aus, weil es gelungen ist, den größten Teil der veruntreuten Summe, 10 000 M., wieder zu erlangen. Drewin hatte 250 m. verjubelt und die 10 000 M. in Scheinen in einem Zigarettenkästchen berpackt in Groß- Lichterfelde vergraben. Nach einigen Aus: flüchten gab Drewin den Ort an, wo er den Schatz" ver: graben hatte, die nachsuchenden Beamten fanden denn auch bas wertvolle Zigarettenschächtelchen, und konnte so der ge schädigten Bank die ganze Summe wiedergegeben werden.

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Vermischtes.

Automobile für die Post. Das Paket- Fuhramt dei Berliner Hauptpost hat die Anfertigung von 200 Post: automobilen in Auftrag gegeben, da sich die eingestellten Probewagen zur vollständigen Zufriedenheit bewährt haben.

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Stephensons erste Lokomotive, die Invicta", die der Erfinder der Lokomotive selbst vor etwa 75 Jahren für die Eisenbahnlinie zwischen den englischen Ortschaften Canterbury und Whitstable gebaut hatte, ist jetzt der Stadt Canterbury zum Geschenk gemacht worden. Die ehrwürdige Reliquie ist an einem besonderen Plazz in der Nähe eines der Stadttore aufgestellt und dort feierlich" enthüllt worden als ein Denk: mal nicht nur zu Ehren ihres Schöpfers, sondern auch zu Ehren Englands, das der Welt die Eisenbahnen schenkte." Die alte Maschine ist nach der Ueberlieferung im Jahre 1830 zu dem ersten öffentlichen Dienst für Personenverkehr in Bebrauch genommen worden.

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Bildwerke aus Eis. Ein in London lebender Italiener, namens Amigoni, hat die Skulptur in Eis zu seiner Spezialitäi ausgebildet. Es hat sich in den eleganten Londoner Speise: wirtschaften und bei vornehmen Privatfestlichkeiten der Brauch eingebürgert, den Gästen während der heißen Sommertage durch die Vorführung eines Eismonumentes Frische und Kühle zu suggerieren. Nino Amigoni nun geht bei dieser Arbeit wie ein richtiger Marmorbildner zu Werke: in seche bis sieben Stunden verwandelt er einen Eisblock in einen Löwen oder in irgend ein anderes Tier oder in sonst etwas. Großen Erfolg hatte eine Eisgruppe, die die berühmte römische Wölfin mit ihren Pflegekindern Romulus und Remus dar: stellte. Ein anderes Werk, das den besonderen Beifall vor: nehmer Tischgäste fand, war ein von einem Ochsen gezogener Wagen.

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Ein Denkmal Napoleons I. soll auf Elba und zwar in Porto- Fernaio errichtet werden. Die Enthüllung des Denkmals, eines Wer.es des Bildhauers Sindoni. foll am

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Möbl's

5. Mai nächsten Jahres in Gegenwart französischer und italienischer Behörden stattfinden.

= Ein Perlen schluckender Türke. In Paris kam dieser Tage ein Türke in einen Juwelierladen am Boulevard Saint Martin, um Perlen zu kaufen. Während er einige Halsbänder genau besichtigte, bemerkte ein Angestellter, daß er augenscheinlich die Berlen beleckte. Der Verkäufer nahm daher eins der Halsbänder, das der Türke weggelegt hatte, und als er bemerkte, daß die Schnur durchgebissen war, schlug er Alarm. Man rief die Polizei und ließ den Türken berhaften, der energisch seine Unschuld beteuerte. Beim Durch: suchen seiner Kleidung fand man auch feine Perle; aber als man ihm auf der Polizei ein starkes Brechmittel eingab, tamen zwei schöne Perlen im Werte von 1600 und 1200 M. wieder zum Vorschein.

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Aus der Tiefe des Meeresgrundes herausgeholt wurden bei den Nachforschungen nach den Gold- und Silberschätzen, welche die spanische Armada, die in der Tobermery- Bay einst sant, an Bord führte, mehrere wertvolle Stücke. Besondere Aufmerksamkeit erregt die Auffindung eines silbernen Präsentier: tellers, der einen ziemlich erheblichen Wert darstellt. Ein ganz ähnlicher wurde schon vor einiger Zeit gefunden, und man glaubt daher, daß man jezt der Truhe nahegekommen ist, die das Silbergerät und die zum Altardienst nötigen Stücke enthielt. Unter den anderen Stücken, die in den legien Wochen gefunden wurden, befinden sich ein geladener Mörser, eine gleichfalls geladene Handgranate, ein kurzes Schwert, Arquebusen und Likör- und Wasserflaschen von phantastischen Formen.

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Gold in der Kehle, in des Wortes ureigenster Be deutung hat die berühmte Sängerin Adelina Patti, die sich jetzt entschließt, der Bühne Valet zu sagen. Am 24. No: bember 1859 betrat die Batti"- wie man sie furz nenn! das erste Mal in Newjort als Sechzehnjährige die Bühne und zwar als Lucia. Seitdem hat sie eine ununterbrochene Reihe von Triumphen gefeiert, die ihr auch unerhörte Ein­nahmen gebracht haben. Es wird berichtet, daß in den Jahren 1861 bis 1881 ihr Jahresverdienst 600 000 bis 700 000 Mart betragen habe, und daß die letztere Summe noch bei weitem überschritten wurde in den Jahren, in denen fie Tourneen durch Nord- und Südamerika unternahm. Adelina Patti ist sicher die einzige Frau der Welt, die im Laufe von viereinhalb Jahrzehnten ein Vermögen von 15 Millionen Mark erworben hat.

Verhafteter Bahnräuber. In Osnabrück wurde der Lokomotivführer Gehrke verhaftet, dem bereits über 70 Ein­brüche nachgewiesen sind. Es wird stark vermutet, daß man in Gehrke den so lange gesuchten Eisenbahnräuber gefunden hat, auf dessen Konto auch die Raubanfälle auf Freiherrn bon Zizewizz und Frau Geheimrat Nölle zu setzen sind.

Praktische Ratschläge gegen die Krenzottergefahr sind wohl in diesen Tagen, da sich unsere einzige deutsche Gift­schlange in einzelnen Gegenden wieder häufiger zeigt, ange­bracht. Als Vorbeugungsmaßregeln gegen Kreuzotternbiß seien empfohlen: Vermeiden berüchtigter Schlangenpläge, des Barfußgehens an solchen, Tragen von Handschuhen beim Heuen, Holzmachen, Erdbeersuchen usw. an solchen Orten, Absuchen verdächtiger Stellen, Belehrung in Schulen, Prä­mien auf gefangene Schlangen. Vielleicht ist auch Jmmuni­sierung durch eine Art Impfung möglich. Zur Heilung von Schlangenbissen empfiehlt sich: 1. Auswaschen und Aus­drücken als erstes und wichtigstes. Aussaugen ist nicht un­gefährlich, da die Mundschleimhäute Verlegungen aufweisen können und so eine Infizierung durch Schlangengift möglich wird. Auch ist nur der volle Magen ungefährdet gegen das Gift. 2. Aezen, Ausbrennen oder Ausschneiden der Wunde. 3. Ab­binden des gebissenen Gliedes zwischen Wunde und Herz, damit das Gift nicht in den Kreislauf tritt. Dieses Mittel ist indessen sehr zweischneidig und kann Brandgefahr usw. hringen. Bei starter Schwellung oder Unempfindlichkeit des verlegten Gliedes ist daher der Verband sofort zu entfernen. 4. Alfo= holische Getränke in großen Mengen, die auffallend gut ver­tragen werden, ohne zu berauschen. 5. Behandlung der Wunde mit antiseptischen Mitteln, besonders übermangan­saurem Kali 2 Prozent, Karbol 5 Prozent, Eisenvitriol( vers flebt indeß die Wunde sehr leicht). Jodtinktur, während Ammoniak sich nicht bewährt hat. 6. Kalte Umschläge, Klystiere, Opium, schweißtreibende Mittel. Hiermit dürfte je­doch der Laie recht vorsichtig umzugehen haben. Touristen sollen in schlangenberüchtigten Gegenden schon deshalb stets Wasser in der Feldflasche, ein Antiseptikum, Verbandmittel usw. bei sich tragen.

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Als ich Abschied nahm" vom Hausfirst. Nun ist es Wahrheit geworden, der Somme ist zur Rüste gegangen, der Herbst zog ins Land. Ein faite Wind fegt durch die Bäume, der gelben Blätter, die er en porwirbelt werden immer mehr und mehr. Bald werde Baum und Strauch sich uns gänzlich kahl präsentiere Unserer Vogelwelt gefällt es jetzt nicht mehr bei uns, ur emsig werden Reisevorbereitungen getroffen. Die empfind lichen gefiederten Sänger unter unseren Vögeln sind mor schon nach dem Süden aufgebrochen. Die noch Zurüdg bliebenen versammeln sich öfters zu Meetings," in denen ganz so wie in gewissen Parlamenten sehr viel burd einandergesprochen wird. Hier gibt es leider keine Ordnungs rufe, keine Präsidentenklingel, keine Rednerliste, wer am meister und lautesten schreier fann, bleibt Sieger. Und was with so lebhaft diskutiert: die Reiferoute. Ihr glücklichen Vöge, ihr braucht nicht erst umständlich ein Kursbuch zu Rate giebes, euch macht auch die Fahrkartensteuer keine Kopfschmerzen erhebt euch eines Tages in die Lüfte und in windschnelle: Finge geht es über Täler und Höhen, Wälder und Flüsse, nach den Gestaden, wo laue Lüfte wehen und ein azurblauer Himmel lacht. Das ist eure Sommerfrische. Nur wenige bleiben ta dem ungaftlich gewordenen Heimatland, vielleicht haben fie kein Geld zur Reise, oder andere zwingende Gründe, hier zu bleiben. Die Straßenjungen unter den Vögeln, die Sperling, fühlen sich, wenn die übrigen fort sind, völlig als Herren ba Situation. Mit mehr Recheit als Berechtigung ergreifen e Besitz von den nun vereinsamt liegenden Nestern der Waibe lustigen, und mit dreistem Gesicht guckt aus den Siser fästen" Meister Spatz in die Welt hinaus. Ueberall tönt sein grelles ,, Tschiep, tschiep" und bis in die nächste Nähe der menschlichen Wohnungen drängt sich dieser Proletarier d Bogelwelt. Und die Natur draußen legt ihr einst s sonniges, heiteres Gesicht in immer strengere Falten, denn es wird Herbst...

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= Aus schwerer Seenot gerettet. Bei der Einfahrt in den Hafen von Kingston scheiterte der italienische Kreuzer ,, Umbria". Da die Lage des Kreuzers äußerst bedenklich war wandte sich die Schiffsleitung an die Agentur der Hamburg­Amerika Linie in Kingston. Diese ließ sofort das gesamte verfügbare Bergungsgeschirr an Ort und Stelle schaffen. Bei dem beträchtlichen Gewicht und der eigenartigen Lage des Schiffes waren umfassende Vorbereitungen nötig. Nach dem man das Schiff zunächst gehörig geleichtert hatte und fünf gewaltige Stahltrossen von je 150 Klafter Länge fest im Meere verantert worden waren, begannen die eigentlichen Abbringungsarbeiten. Das schwierige Werk war von Erfolg getrönt. Am 29. Juli wurde der Kreuzer, nachdem er 15 Tage auf dem Strand gesessen hatte, wieder flott, zum freudigen Erstaunen der italienischen Schiffsbesatzung, die die Möglichkeit eines Gelingens der Rettungsarbeiten bereits für ausgeschlossen gehalten hatte.

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Durch den Aermelkanal. Auch in diesem Jahre haben ehrgeizige Schwimmprofessionals sich an den Versuch gewagt den Aermelkanal zu durchschwimmen. Kapitän Burgeß unter nahm dieser Tage einen solchen Versuch von Kap Grisnez aus. Burgeß wurde stark mit Fett eingerieben, um ihn gegen die Kälte zu schützen. Trotz des rauhen Wetters schwamm er kräftig und machte gute Fortschritte. Um 10 Uhr betam er die englische Küste zu Gesicht, was ihn sehr er mutigte. Gegen 2 Uhr trieb ihn jedoch die Strömung aber mals nach der Goodwin- Sandbank, und da die Brandung hier sehr hoch ging, mußte er um 2 Uhr 26 Minuten den Versuch, das Land zu erreichen, aufgeben und seinen ihn be gleitenden Dampfer besteigen. Burgeß hatte ungefähr den halben Weg über den Kanal zurückgelegt.

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Untertunnelung des Hudson- Flusses. Das Projekt der Pennsylvania- Bahn, eine direkte Verbindung zwischen Newjersey und New- York vermittelst einer Untertunnelung des Hudsonflusses herzustellen, ist glänzend gelungen. Der erste Tunnel konnte schon von einer Prüfungskommission be fahren werden. Die Arbeiten haben im Jahre 1904 begonnen. Der zweite Tunnel ist in vier Wochen fertig. Beide Tunnels, riesige Stahlröhren, haben eine Länge von 6100 Fuß unter dem Hudson und eine solche von 17 000 Fuß in ihrer Ge samtausdehnung. Der Durchmesser der Stahlröhren beträgt 25 Fuß. Die Tunnels endigen im Mittelpunkt von New York an der Stelle, wo jetzt der Riesenbahnhof gebaut wird.

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