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Zweites Blatt.
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baltion u.Saupterbebition: Gießen, Seltersweg 98. Fernsprechanschluk Nr. 362.
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Samstag, pen 15. September 1906
Gießener
15. Jahrgang
Contibellagen: Oberbeffische Famillenzeitung( und die Stekener Selfenblasen( wöchentlich).
Neueste Nachrichten
( Gießener Tageblaff)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Beifung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Volizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oherbeien
Jm Lande St. Patricks.
Homerule. Treu wie Gold. Epidemie.
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Nationale Vorzüge, Lafter und Eigentümlichkeiten Irlands. Der größte Feind.- WhiskyMitternachts- Mission. Der Regen regnet jeglichen Log. Unbedeckte Wagen. Immer zufrieden. Auswanderung. Die größte irische Stadt.„ Mein teures altes Jrland." Belfast, im September. Die Einführung der langumstrittenen Homerule für Irland rückt wieder in greifbare Nähe, da in furzem ein Gefeßentwurf über die Materie im Londoner Unterhause eingebracht werden soll. Insbesondere ist die Errichtung einer Stammer mit gesetzgeberischen Rechten in Dublin geplant. Den Jrländern wäre die Erfüllung ihres heißesten Wunsches, das Verlangen nach eigener Verwaltung wohl zu gönnen. Denn es ist ein sympathisches Volt, diese Kinder der grünen Insel. Der Jrländer ist treu wie Gold. Man braucht nur in die großen, wunderbar schönen Augen eines Weibes oder Mannes hineinzuschauen, aus denen Güte, Milde und Liebe eines edlen Menschen hervorleuchten, in das Antlitz eines solchen Mannes, dem die Arbeit des ,, Geldzusammenscharrens" das Herz noch nicht falt gemacht hat, und man weiß sofort, dieser Mensch kann ein Freund für's Leben sein. Allerdings lebt der Jrländer sehr abgeschlossen und ist Fremden nur ich wer und langsam zugänglich, aber einmal gewonnen, ein Freund für's Leben.
Seinen größten Feind hegt leid der Irländer selbst mit großer Hingebung. Dieser Feind ist der Whisky. 65 ist erschreckend zu sehen, wie dieses starke Getränk die Menschen an Leib und Seele ruiniert. Da stehen sie, Männer und Frauen an der Bar und trinken und trinken das Gift, bis sie hinaustaumeln auf die Straße, Krakehl zu machen, fid) gegenseitig zu schlagen, ihr Weib oder ein Mädchen durchzu prügeln, ohne daß gerade ein Schußmann irgend eine Maßregel dagegen ergreifen würde. Nicht nur die Arbeiterflasse ist dem Trunt ergeben, sondern auch Herren und Damen der besseren Stände nippen gern an dem berauschenden Trant. Bon allen Seiten versucht man das möglichste, dem Uebel zu steuern, bisher aber ohne viel Erfolg. Da ist z. B. das rege Wert der sogenannten Mitternachtsmission". Um 11 Uhr nachts, müssen laut Polizeivorschrift alle Restaurationen geschlossen werden. Um 1/211 Uhr nachts zieht diese Miffion bor eine der Restaurationen. Einiae Lieder
Bekanntmachung.
Unter dem Schweinebestand des Wilhelm Vetter dahier, Leihgesternerweg 23, ist die Rotlauffeuche ausgebrochen.
Gehöftsperre ist angeordnet.
Gießen, den 12. September 1906.
Großherzogliches Bolizeiamt Gießen. Herberg.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Goethestraße von Südanlage bis Stephanstraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr geperrt.
Gießen, den 14. September 1906.
Großh. Polizeiamt Gießen.
Herberg.
Bekanntmachung.
Die unterm 29. August 1906 angeordnete Sperre der Balltorstraße zwischen Brandgasse und Nordanlage bird hiermit aufgehoben.
Gießen, den 13. August 1906.
Großh. Bolizeiamt Gießen. Herberg.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Crednerstraße zwischen Klinik- und Hofmannstraße bom heute an bis auf weiteres für den Fuhrberkehr gesperrt.
Gießen, den 13. September 1906.
Großh. Bolizeiamt Gießen. Herberg.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Nordaulage zwischen Schott- und Marburgerstraße bom heute an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt.
Gießen, den 13. September 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg.
werden gesungen, einige Worte gegen das Uebel der Trunksucht gesprochen und bald hat sich ein Kreis Neugieriger herumgeschaart. 11 Uhr nachts. Da kommen sie herausgewanft aus der Bar, die Bedauernswerten, schreiend, schimpfend. Aber alle wissen, die Mission meint es gut mit ihnen. Einige die früher dort Hilfe gefunden, aber in ihr altes Laster wieder zurückgefallen sind, nicken den Mitgliedern in ihrer Trunkenheit freundlich- dankbar- traurig zu, die um sie bemüht sind. Die Betrunkenen werden unter den Arm ge= nommen und in die Missionshalle geschleppt; dort wird durch Güte und Zuspruch versucht, bessernd zu wirken. Ich persönlich weiß, daß diese Missionsarbeit die größten Erfolge aufzuweisen hat.
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Sorgt so der Irländer bedauerlicher Weise für die innere Anfeuchtung in übergroßem Maße, so iäßt es der Himmel auch nicht an der Verabreichung großer Quantitäten flüssigen Elements von außen fehlen. Furchtbar gesegnet ist Irland mit Regen. Man kann sich keine Vorstellung machen, wieviel von dem edlen Naß dort täglich vom grauen Himmel fällt. Doch hat man hier praftischerweise als Droschten die sogenannten ,, out- side Cars", die unbedeckt auf zwei Rädern laufen und einen Sitz für zwei Personen an jeder Seite, rechts und links, aufzuweisen haben. Ist es ein Kunststück zu lernen, auf dem Wege zu fahren, ohne hin und her geschüttelt zu werden, so ist es meines Empfindens nach ein noch größeres Kunſtstück, seine Ruhe zu bewahren, wenn man bei stärkstem Regenwetter, und es regnet beinahe jeden Tag, ohne jeden Schutz auf einem solchen ,, elenden Karren" herumfährt. Das Beste an der ganzen Sache ist, daß die Pferde sehr flink sind. Doch der Irländer ist zufrieden mit dem Regen. Begegnet er einem Bekannten, so grüßt er anstatt ,, Guten Tag" mit den ermunternden Worten it's a fine" day"( es ist heute ein schöner Tag), es sei denn, daß der Regen in Strömen herunterkommt, dann sagt er mit olympischer Ruhe, aus der die Worte: Man muß Gott für alles danken" herauszuhören sind: ,, it is a fine day for the country" ( es ist ein schöner Tag für das Land). Warum er das aber sagt, ich glaube darüber ist er sich selbst nicht ganz klar, da er weiß, daß der viele Regen doch wohl seine Kartoffelernte vernichten wird. Schöne Tage dieser eigentümlichen Art kommen oft in einer langdauernden Serie über Jrland und die Sonne findet selten ein fleines Bläßchen zwischen den
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Wolfen, um mit dem schwachen Glanz eines alten Talerstückes hindurchzuschauen.
So ist Irland reich an nationalen„ Mängeln", und doch ein Land, in dem gute Menschen wohnen. Und wie lieben fie ihr Vaterland, trotzdem es nur wenigen seiner Kinder Brot und Existenz bietet. Mehr als vier Millionen Irländer find seit 1845 nach Amerika übergesiedelt, und die größte irische Stadt ist nicht etwa Belfast oder Dublin, sondern Boston in Amerika. Wie sehr aber der Jre an seiner alten Scholle hängt, mag folgendes illustrieren; Ist es schwer zu sterben?" fragte ein Freund in Amerika einen sterbenden Irländer. " Ja", entgegnete der Jre ,,, es ist schwer, aber doch nicht so schwer als es war, mein dear old Irland zu verlassen." Martin Richter.
Kunst und Wiffenfchaft.
MR. Der erste Polarkongreß. In Brüssel ist unter dem Vorsitz des Staatsministers Beernaert und in Anwesenheit vieler ausländischer Delegierten der Kongreß der internationalen Vereinigung für die Erforschung der Pole eröffnet worden. Staatsminister Beernaert wies in seiner Eröffnungs ansprache auf die Bedeutung des Kongresses hin und legte dessen Ziele dar. Zum Schluß sprach er die Hoffnung aus, der Kongreß möge den Ausgangspunkt bilden für die Organis sation einer internationalen Expedition, der es gelingen möge, beide Pole endgültig zu erforschen. Die Versammlung nahm eine Resolution an, welche die Ausarbeitung eines methetischen Planes für fünftige Expeditionen wünschenswert erfet und erörterte die Frage der Organisierung gleichzeitiger pe ditionen, Anlegung fester Stationen und des Zeitpunt ber Entsendung gemeinsamer Expeditionen.
PK. Ein Mittel gegen Strebs? Die Kunde, die von Köln aus durch die Welt ging, daß es dem dortigen Arzt, Dr. Schmidt, gelungen sei, den Krebserreger auf Tiere zu übertragen und auf diesem Wege ein Heilmittel gegen Krebs zu finden, war in Gelehrtenkreisen start angezweifelt worden. Nachdrücklich bekämpft wurde das Verfahren des Dr. Schmidt von Prof. Hauser- Erlangen, gegen dessen abfällige Kritik sich erneut Dr. Schmidt wendet mit der Behauptung, schon im Dezember 1905 habe er im Komitee für Krebsforschungen in
Bekanntmachung.
Zum Zwecke der Aufstellung einer Zusammenstellung der sämtlichen noch vorhandenen Kriegsteilnehmer, sowohl an dem Feldzug von 1870, wie auch an den früheren, von Deutschen Staaten geführten Kriegen fordern wir alle diejenigen hier wohnhaften Feldzugsteilnehmer, soweit sie feinem der hiesigen Kriegerbereine angehören, hiermit auf, sich binnen 5 Tagen auf der Bürgermeisterei- Zimmer Nr. 15 zu melden. Gießen, den 11. September 1906. Großh. Bürgermeisterei Gießen Mecum.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird der Riegelpfad zwischen Ebel- und Querstraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Gießen, den 12. September 1906.
Großh. Bolizeiamt Gießen. Herberg.
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Landgrafenstraße von heute an bis auf wetteres für den Fuhrverkehr gesperrt. Gießen, den 13. September 1906. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg.
Bekanntmachung.
Die unterm 18. August 1906 angeordnete Sperre der Kaplansgasse wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 13. September 1906.
Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg.
Bekanntmachung.
Die unterm 18. August 1906 angeordnete Sperre der Landmannstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 13. September 1906.
Großh. Bolizeiamt Gießen. Herberg.
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