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Soziales Leben.

× Ein- Uhr- Ladenschluß am Sonntag. Die Stadt­berordneten in Elberfeld haben nach langer Erörterung die Einführung des Ein- Ubr- Ladenschlusses für die Sonntage mit 18 gegen 14 Stimmen beschlossen.

X Neunstunden- Arbeitstag auf der Kaiserlichen Werft zu Donzio. Vom 5. August ab wird auf der Werft neunstündige Arbeitszeit eingeführt. Da die Verminderung der Arbeitszeit eine Verringerung des Arbeitsverdienstes nicht zur Folge baben soll, ift ein neuer Lohntarif mit er­höhten Stundenlohnsägen festgestellt.

X Wohltätige Stiitung des Herzogs von Meiningen. Herzog Georg von Meiningen hat angeordnet, daß die ihm zu seinem 80. Geburtstage überreichten 164 800 Marf, zu benen er selbst eine Summe von 100 000 Marf hinzugefügt hat, der Herzog Georg- Stiftung für Krankenpflegerinnen in Meiningen einverleibt werde, mit der Bestimmung, daß aus den vermehrten Mitteln der Stiftung ein Mutterhaus zur Aufnahme und Ausbildung der Krankenpflegerinnen er­richtet werden soll.

× Eine Million für die Kruppschen Arbeiter. Frau Krupp stiftete anläßlich der Verlobung ihrer zweiten Tochter Barbara 1 Million Mark für Arbeiterwohlfahrtszwecke.

Nah und fern.

+ Siebengebirgslotterie. Dem Verschönerungsverein für das Siebengebirge ist die Erlaubnis erteilt worden, zum Zwecke der Erhaltung des Siebengebirges eine Geldlotterie mit einem Reinertrage von 900 000 Mart zu veranstalten und die Lose dieser Lotterie im ganzen Bereich der Monarchie zu bertreiben.

+ Glückliche Herinaafischer. Die nach den Herings­gründen in der flidwestlichen Nordsee ausgelaufenen Herings­fänger haben günstige Fangresultate erzielt, die bedeutend besser als die des Vorjahres find. Auffallend ist, daß neuer­dings viele Haifische auf den Heringsgründen eintreffen. Die erften deutschen Heringelogger rüsten bereits zur ersten Heim­fahrt. Die deutsche Hering flotte führt im Laufe des Sommers durchweg 3-4 Fangreisen aus, je nachdem, wie sich die Fänge gestalten.

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Der Kampf um den Bierbreis. In Groß- Duis­burg haben sieben Gastwirte beschlossen, vom Münchener ürgerbräu solange fein Bier mehr zu beziehen, als die Brauerei an dem ab 1. Mai erhöhten Heftoliterbreis fest­hält. In Mainz zeigen fich die Folgen der Bierpreiser­Höhung in der ganz erheblichen Abnahme des Flaschenbier­Tonsums. Die Kölner Wirtevereinigungen, die sich auf den Standvun't stellen, auf keinen Fall einer Preiserhöhung, selbst nicht für auswärtige Biere zuzustimmen, fönnen einen Erfolg ihres Protestes verzeichnen. Den Wirtevereinigungen ist die Lieferung von 170 000 Settoliter Bier pro Woche zum bisherigen Preise bereits angeboten worden.

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+ Selbstmord einer Generalstochter. In Göttingen hat fich eine ruffische Studentin, die Tochter eines während der russischen Mirren oft aenannten Generala erschossen. Ueber das Motiv zu der unseligen Tat ist noch nichts bekannt. + Das übliche Eisenbahnunolück. Auf der Bahnstrecke Lüdenscheid- Altena entaleifte bei Station Dünebreit ein Güter­zug, wobei der Lokomotivführer Habbell getötet wurde.

Weil er zum Militär onageboben wurde. Der Bauernbursche Andreas Probec in Vail bei Neutro fiel, aus But über seine Ausbebung, über seinen franken Vater her, verfette ihm mit einem Küchenmesser mehrere Stiche, fpaliete ibm dann mit einem Beil den Kopf und trambelte schließlich mit den Füßen auf dem Sterbenden herum, bis dieser den Geist aufgab. Der bestialische Vatermörder wurde verhaftet.

+ Gruben- Unglück. In der Grube Deutschland" bei Schwientochlowitz erfolgte bei einer Bohrung eine furchtbare Explosion. Ein Arbeiter und ein Aufseher, letzterer ein Italiener, murden getötet.

Hochwofer in Schlesien. Im Gebiet der Oder find Heftige Regengüsse niedergegangen, durch die der Fluk und dessen Nebenflüsse start gestiegen sind, so daß Ueber­schwemmungen zu befürchten stehen.

+ Großes Feuer in Sevilla. Im Valast des Rivi'­gouverneurs brach in der Morgenfrühe ein Brand aus, durch den das Gebäude vollständig eingeäschert wurde. Von der Kasse und dem Archiv fonnte nichts gerettet werden. Der Familie des Generals- fretärs und des Rendanten gelang es nur mit großer Mühe, sich vor den Flammen zu retten. Durch einen heftigen Wind wurde das Feuer auf die be= nachbarten Gebäude übertragen, von denen drei in Asche gelegt wurden. Unter diesen befand sich auch die Kaserne der Rivil- Garde, in der die Patronenfästen durch die Flammen zur Explosion gebracht wurden. Auch das Dach der Kirche von St. Paul fing Feuer und stürzte ein, wobei mehrere Personen leicht verletzt wurden.

Tages- Chronik. Bei dem Kriegerfest zu Delde glitten auf dem Schießstande zwei Kugeln an einer Eisenschwelle ab, von denen eine den auf einer Wiese inmitten anderer Krieger befindlichen Gutsbesitzer Schulze ins Herz traf, so daß der Tod sofort eintrat.

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In Rcheydt wurden in dem Manufakturwarengeschäft von Wilhelm Strauß durch ein großes Feuer Waren im Be­trage von 50 000 Mart zerstört.

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Die Stadt Dsnabrüd erhielt die Erlaubnis, eine An­leihe für den Bau eines Theaters aufzunehmen.

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In Pyrmont wurde bei den Neubauten des Kur= haufes eine neue Quelle erschlossen, die schweselhaltiges Wasser führt.

Kunst und Wiffenfchaft.

ctutonen angegeben. Auch wenn diese Jachrichten durchaus aut Wahrheit beruhen, brauchen sie nirgend eine besondere E1­regung hervorzurufen, weil die Ausnutzung dieser reichen Natur­schätze durch die Lage des fraglichen Gebiets außerordentlich erschwert werden würde, da es dort eigentlich in jeder Ver­bindung mit einem Kulturland fehlt, indem Straßen nicht einmal in primitivster Form vorhanden sind. Auch die Lösung der Arbeiterfrage würde große und vielleicht unüber: Steigliche Schwierigkeiten machen, weil die Bevölkerung des Gebiets außerordentlich gering ist. Dennoch sollen von Petersburg aus energische Anstrengungen zu erwarten fein, um das notwendige Kapital zu erhalten. Größere Aussichten dagenen scheinen nach neuen Nachrichten die Goldfelder Transbaifaliens zu erwecken, in denen nicht nur( or, sondern auch Platin und Zinnober nachgewiesen worden ist.

C7. Neue Mineralschäße in Rukland. Ga ist seit Langem befannt, daß der Bereich des Petschora- Flusses im nordöstlichen Teil des europäischen Rußland besonders reich an Mineralschäßen ist. In neuester Zeit ist dorthin eine ge­meinschaftliche Erpedition von russischen und belgischen In­genieuren abgegangen, die im Gebiet der Ussa, eines rechte: Nebenflusses der Betschora, reiche Lager von Naphta und Kupfererzen entdeckt hat. Namentlich die Menge des dort vorhandenen Naphta soll den berühmten Naphtalagern des Kaukasus- Gebiets überlegen und auch von einer besseren Qualität sein, außerdem der Gewinnung feine Schwierinfeiten bieten, weil das Wineral fich in unmittelbarer Nähe der Oberfläche vorfindet. Der Tonnengehalt der gleichfalls einer retchen Bearbeituoa zucänglichen Anbfererze wird auf viele

Aus dem Gerichtsraal.

§ Betrugsprozek, Zander. Im weiteren Verlauf der Verhandlung wird die falsche eidesstattliche Versicherung er örtert, die beide Angeflagte im April 1904 vor dem Amte: gericht Breslan wegen einer Schuldforderung von 1780 Mar! abgegeben haben. Major von Zander erklärt, daß er über haupt feine eidesstattliche Verficherung abgegeben habe, Fran bon Zander bebauptet, sie habe dem pfändenden Gerichtsvoll­zieher gesagt, er möge noch mit der Pfändung warten, dn sie in einigen Tagen zahlen wolle. Der als geuge ver­nommene Gerichtsvollzieher Hochsommer befundete, daß er bom April 1903 bis dahin 1905 bei dem Angeklagten 60 Pfändungen vorgenommen habe, 14 schwebten noch. Es ae= langen alsdann die Urteile zur Verlesung, die sich auch auf den zwischen von Rander und Lüttich geschlossenen Kaufver= trag beziehen. Der Angetlagte von Rander hat befanntlich beschworen, daß der Kaufvertrag lein Scheinvertrag war, und ist deshalb unter Anklage wegen wissentlichen Meineids ge= stellt worden. Herr v. Zander behauptet, er habe seine Angaben bei Ableistung des Eides nach bestem Wissen und Gewissen gemacht; er sei ein streng religiöser Mann, der feinen Mein­eid leistet. Eine frühere Bedienstete der Frau v. R. bekundet, daß diese oft nervös und erregt war, an Weinfrämpfen litt, biel Wein getrunken und stark geraucht habe und sehr furcht­sam und abergläubisch gewesen sei. Ein weiterer Zeuge er­klärte, Frau von Rander habe oft gesagt, fie müsse viel aus­geben, um ihren Mann zu zwinnen, viel Geld zu verdienen, sonst bleibe er immer der arme Offizier.

§ Nachklang zum Detmolder Briefprozek. Der Prozeß Kracht, wie die Affäre mit den anonymen Briefen in Lemgo furz genannt wird, wirft noch immer seine Schatten. Das Schwuraericht in Detmold hat jetzt die Fran Laubert wegen eines Meineides, den sie im Prozeß Kracht geschworen hat, zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt.

§ Schadenersatzklage wegen der Maifeier. In der Klagesache der Hamburg- Amerika- Linie gegen 127 Schauer leute auf Schadenersatz wegen Vertragsbruchs, weil sie am 1. Mai ohne Urlaub fortgeblieben sind, wurde, nachdem durch Zwischenurteil Vertragsbruch festgestellt war, über die Höbe der von den Beklagten zu zahlenden Summe verhandelt. Ter die Gesellschaft vertretende Inspektor Theile erklärte sich, da es der Hamburg Amerifa- Linie nicht so sehr auf die Höhe der zu zahlenden Summe ankomme, als auf das Prinzip, auf Vorschlag des Vorsitzenden des Gewerbegerichts

mit einer Zahlung von je 20 Mark zufrieden, obwohl der Schaden beträchtlich größer sei, als die von der Hamburg= Amerifa- Linie geforderten 12 COO Mart. Diesen Vorschlag lehnte der Vertreter der Beklagten ab und bestritt jede Schuld. Das Gericht beschloß, einen neuen Termin auf den 19. September anzusetzen, in dem die Hamburg- Amerika­Linie ihren Schaden genau begründen soll.

§ Wiederaufnahmeberfahren gegen Hennig? Der zum Tode verurteilte Raubmörder Hennig betreibt aus dem Gefängnis mit Eifer das Wiederaufnahmeverfahren. Durch dieses Vorgehen erreicht Hennig jedenfalle, daß die Voll­streckung der Strafe einige Monate aufgehoben wird.

§ Vom Oberkriegsger cht freigesprochen. Vor dem Düsseldorfer Schwurgericht war der Unteroffizier Heidtmann bom 15. Infanterie- Regiment in Mülheim wegen tätlichen Angriffs auf vorgefetzte zu zwei Jahren Gefängnis und Degradation verurteilt worden. Das Oberfriegsgericht hat bieses Erfenntnis aufgehoben und auf Freisprechung erkannt. Eine

§ Meuterei auf einem Vergnügungsdamvfer. internationale Mannschaft, die z. R. des Seemannsstreifes in Hamburg auf der, Cceana" der Hambura- Amerika- Linie be­bienftet war, und in Funchal auf Madeira die Arbeit niederlegte, stand unter der Anklage der Meuterei vor bem Hamburger Landgericht. Die Meuterer, 14 an der Rabl, wurden wegen Veroehens gegen die Seemannsordnung zu fe sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Als Grund gaben die Meuterer an, sie wären von den deutschen Vorgesetzten oft mißhandelt und sogar mit dem Tode bedroht worden.

§ Leutnant und Lehrer. Das Kriegsgericht in Branden­burg a. H. hat den Leutnant Weyaand, der den Lehrer Kogge, mit dem er auf der Straße in Wortwechsel geriet, da die Schulkinder das Pferd des Leutnants durch Hurrahrufen scheit gemacht hatten, mit der Reitpeitsche geschlagen und einen Flape" genannt hatte, wegen Beleidiguna za 10) Mart Geldstrafe und wegen Körperverlegung zu drei Wochen Ge­fängnis verurteilt.

§ Zur Haftpflicht der Gasanstalten. In Paderborn wurde im September 1904 das Ehepaar Tölle durch aus­strömendes Gas getötet. Das Gas entströmte einem ge­borstenen Rohr, das, nach Ansicht Sachverständiger, nicht in bem genügenden Abstande von der Erdoberfläche gelegt worden war. Das Landgericht in Paderborn hat die Stadt als Besitzerin der Gasanstalt für verpflichtet erklärt, den Hinter bliebenen Schadenersatz zu leisten, weil die Stadt bei dem Betrieb der Gasanstalt die hierzu erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen hat.

Krankhafte Kaufwut.

- Medizinische Randgloffen zum Zander- prozefs. Von Dr. med. Th. Zlocisti- Berlin.

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Folgen einer falsch geleiteten Erziehung sehen wo man es packt, da ist es interessant."

Aber auch den Arzt diänat diefer Prozeß zu erntem inren. Wie ja überhaupt der Geribtsiaal heute den Suristen die Reraliederung des Tatbestandes überläßt, die Antriebe zum Verbrechen aber und ihre tieferen Ursachen das Gebiet des pinchologisch geschulten Arztes werden.

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Ein Moment in dem Fragen- Kompler wird schon der Laie dem Arzte zur Beurteilung übermeifen: Die Kauf­wut der Frau v. Zander. Der Laie selbst wird fanen, dak die Frau nicht recht bei Troste aemefen sein farn! Mährend der Gatte wie ein Ertrinfender nach iedem Schwimmenden it areift, an dem er sich wieder zum Leben retten kann, während der Gatte von einer Unternehmung zur andern, von einer Erwartung zur neuen fürzt und immer mieder auf den Ruinen zertrümmerter Spefulation neue Foffnungen sprieñen fiebt, während all dieses ergreifenden Sagena und Treibens um die Ehre seines Standes, die sein Leben ist, zu retten, um den Namen seiner Familie nicht zu beflecken, fitzt die holde Gattin dabeim und sinnt, wo es die besten Austern und Froschfenlen gibt und kauft gleißendes Geschmeide und Möbel für eine Flucht von Simmern, die nicht für eine Familie, sondern für ganze Kompagnien aus­reichen. Das ist gewiß nicht nur Menommiersucht, nur Eitelkeit, nur der Zwang, ein durch Erziehung und Um­gong gewohntes Leben weiter zu führen. Diefes mangelnde Verständnis für die Situation des Mannes fann nicht nur Dummheit oder Leichtfnn sein, sondern nur aus einem Rustande der Seele sich erklären, die nicht mehr normale Gedanken und gesundes Empfinden aufzubringen vermag. Das ist Wahnsinn, es ist der Wahnsinn, in dem keine Methode mehr ist. Die Irrenheilkunde fennt den Kaufzwang schon lange als ein Symptom seelischer Erkrankung. So weisen z. B. die an Gehirnerweichung Leidenden( die Paralntifer) in einem gewiffen Stadium diefen Kaufzwang auf. Sie kaufen, wie das Volk sagt, ohne Sinn un Verstand Gegenstände, die für fie gar keinen Wert haben, einfach um zu faufen. Auch bei jenen schweren Manieen, in denen franthafte Aufregungs­zustände, von frankhaften Freudigkeiten abgelöst werden, leiden die Ergriffenen unter dem Kaufzwang.

Wie immer man einen Prozek, wie den Pander- Brozeß ansieht, für jeden wird er ein nachdenkliches Eremvel sein. Mag man als Moralift darin einen Sündenfall verzerrter Ehrbeariffe fehen, mag man als Gesellschaft fritifer sehen, welche Gefahren aus nesteigerten Standesverpflichtungen er­machfen, die zu versönlichen geworden find, mag man als Erzieher in den zur Anklage ftebenden Betrügereien nur die

Während aber derlei schwere seelische Veränderungen wegen ihrer Offensichtlich feit faum jemals zur Erhebung einer Anklage führen, machen gewisse Hysterien dem Staatsanwalt und Arzt oft große Schwierigkeiten. Die Grenzen zwischen normalem und frankhaftem Seelenleben find außerordentlich schwer zu bestimmen und es ist möglich, daß es eine breite Rone gibt, in der Gesundes und Krankes untrennbar in­einanderfließt.

Gewisse Anzeichen, jähes Aufbrausen gegen Untergebene, unmotivierte Weinfrämpfe lassen die Deutung zu, daß die Majorsgattin eine jener hysterischen Frauen ist, bei denen zu Zeiten die freie Willensbestimmung, die verantwortlich macht, ausgeschlossen ist. Gerade bei solchen Fällen ist der Kauf­zwang bäufte ein Symptom der Krankheit. Und ohne dar man Anspruch erhebt, ein Prophet zu sein, darf man es als wahrscheinlich annehmen, daß die Majorsfrau nicht im Ges fängnis, sondern in einer Frrenanstalt für eine Zeit unschäd= lich gemacht werden wird.

Einen Schritt

Die fortschreitende Wissenschaft vom Seelenleben des Menschen hat uns eine Menge verbrecherischer Handlungen als Ausfluß seelischer Erfrankung zu betrachten gelehrt. Gemik, viele Verbrechen lassen sich aus sozialen Motiven erflären. Sefind gewissermaßen lediglich Folgen ungesunder sozialer Verhält nisse, die nicht jedem, der existiert, die Existenzmöglichkeiten geben. Ein großer Teil der Verbrechen ist aber fraglos durch frankhafte seelische Veränderungen bedingt. Wir kennen heute bereits Psychopaten, bei denen das Lügen ein Zwang ist. Sie lügen, weil ihr frankhaftes Gehirn die Dinge des Lebens und die Stellung des Erfrankten in der Gemeinschaft verzerrt sieht. Sie glauben felbst, was sie sagen. weiter und wir fommen vom krankhaften Lügner zum fanf haften Hochstapler. Gerade diese Gruppe von Verbrechern sind nach dem Erkenntnisstande der gerichtlichen Irrenheil funde alles Psychopaten. Sie geben sich nicht nur als Barone und Grafen aus, nein, sie sind fest überzeugt, daß fie es sind, und tun unter diesem Zwanae ihrer franken Phantasie nun alles, was ste ihrem Grafenstande schuldig zu sein glauben. Auch diese Hochstapler haben den Trieb, kostbare Juwelen an fich zu bringen. Es ist auch eine Art Kaufzwang und sie faufen auch, nur daß fie feine Gegen werte leisten. Die Frau v. 8ander gibt ihren wirklichen Stand als Referenz auf, der frante Hochstapler seine ein gebildete Stellung, die er auch als eine wirkliche betrachtet.

So fließen die Erscheinungen ineinander und immer kommt zu den bereits bestehenden pathologischen Ver änderungen noch ein weiteres Woment hinzu, das erst den völligen Bankerott der Seele herbeiführt: Der Alkohol. Was für Frau v. Zander Champagner und Benediktiner war und wurde, das besorgt bei anderen fuselreicher Nordhäuser. Die von Haus aus schwachen Gehirne werden durch den Alkohol derart maltraitiert, daß wie der Volksmund es so plastisch nennt: die Schrauben sich lockern und die Bremsen, nicht mehr junktionieren.

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Neues von der drahtlosen Telegrabbie. Die drahtlose Telegraphie soll jetzt auch für den telegraphischen Nahverkehr dienstbar gemacht werden. Die deutsche Gesell­schaft für drahtlose Telegraphie bat iegt besondere Stationen dafür gebaut, die auf den Kleinsten Raum zusammengetränat sind und Würfelstationen genannt werden. Sie erfordern nur einen Platz von ½ qm und find nur ½, m hoch. Die für die Station nötigen Affumulatoren erfordern ebenfalls feinen größeren Platz als%, qm, fodaß fie leicht in einem verschließbaren Raften unterbalb des Tisches, auf dem fich die ,, Station" befindet, untergebracht werden kann.

Veber See

hat die Station eine Reichweite von 40 km, als Landstation bei günstigem Terrain 25 km.

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Ein Tunnel durch den Lötschberg. Der oroke Mat des Kantons Bern hat das Projekt der Durchbobrung des Lötschbernes, eines Bergmaffins, welches die Kantone Bern und Wallis von einander scheidet, anaenommen. Die often der Arbeiten werden auf 83 Millionen Francs geschätzt. Die Lötschberalinie würde nicht blos Bern, sondern auch Rafel direkt mit dem Simplon verbinden, und die Entfernung zwischen Basel und Muiland würde sowohl über ten Simplon wie über den Gotthard nahezu die aleiche fein, moraus für die Gotthardlinie eine gefährliche Monfurrenz ermachien fann. Die Lötschberalinie wird auch eine ernite Konfurren

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