Ar. 263.
Rebaltion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanfchluk Kr. 362.
Donnerstag, den 8. November 1906
15. Jahrgang
Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich).
6.
Gießener
Neuelle Nachrichten
( Sichener Tageblaff)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weglar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
33.
Ein neuer Sproß des Hessenhauses.
Darmstadt, 8. November. Heute früh 6% Uhr ist Hessen der Erbprinz geboren worden. Die Geburt ging sehr glücklich von statten. Das Hofmarschallamt gibt bekannt, daß die hohe Mutter und der Prinz sich besten Wohlseins erfreuen.
In aller Frühe, während der Dämmer das Häusermeer noch umspann, berkündeten 101 Kanonenschüsse den Bewohnern Darmstadts, daß Hessens Erbprinz geboren und gleich darauf trug der Draht die frohe Kunde in die Welt hinaus. Ueberall wo treue Hessenherzen schlagen, schlagen sie bei der Botschaft schneller auf in heller Freude und jubelnd wird das Fürstenkind in allen Gauen unseres Vaterlandes begrüßt. Die Sonne bricht mit vollem Hoffnungsscheine durch, die Schatten fliehen weit zurück, nichts herrscht als Freude: Endlich ist Hessen der langersehnte Thronfolger geboren! Die Hoffnungen, die sich an die Vermählung des geliebten Landesherrn mit der jungen anmutigen Großherzogin Eleonore fnüpften, find auf das herrlichste erfüllt worden. Stark, in der Vollkraft seines Lebens steht Ernst Ludwig da, um das Fürstenkind, das einst sein gewaltiges Erbe antreten soll, die Bahn zu führen.
Sofort nach Eintreffen der Nachricht flogen überall die Flaggen auf und gingen von allen Orten Glückwünsche an das hohe Elternpaar ab. Der Rektor der Landes- Universität telegraphierte: An
Seine Königliche Hoheit den Großherzog,
Darmstadt.
Ew. Königlichen Hoheit, ihrem erlauchten Rector Magnificentissimus, und Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Großherzogin spricht die Landesuniversität zur glücklichen
Geburt des Erbprinzen freudig bewegt untertänigen Glückwunsch aus. Vivat, floreat, crescat, ein Segen des Hessenlandes, glückverheißend Ew. Königlichen Hoheit und Ihrem hohen Hause. J. A. Der Neftor.
Auch die Großh. Provinzial- Direktion hat Namens der Provinz Oberhessen ihre Glückwünsche telegraphisch übermittelt. Oberbürgermeister Mecum sandte im Namen der Stadt Gießen folgende Depesche ab:
An
Ihre Königl. Hoheiten, den Großherzog und die Großherzogin Darmstadt.
Wie im ganzen Hessenlande hat auch in unserer Stadt die Nachricht von der glücklichen Geburt des Erbgroßherzogs die freudigste Aufnahme gefunden. Im Ausdruck solcher Gefinnung beehrt sich der Unterzeichnete, Euren Königlichen Hoheiten auch Gießens beste Glück und Segenswünsche ehrfurchtvolft zu unterbreiten.
Mecum, Oberbürgermeister.
Mittags 12 Uhr ertönte feierliches Glockengeläute von den Türmen. Wünschen wir, daß alle Hoffnungen, die heute aus treuen Herzen für das junge Fürstenkind aufquellen, fich erfüllen! Zwar fällt seine Geburt in eine sturmbewegte Zeit, aber die Stürme werden abprallen an der echten Humanität mit der es gleich seinem hohen Vater die Geschicke Hessens einst lenken möge!
Oberhessen erfüllt besondere Freude, da die hohe Mutter ja aus einem seiner Magnatengeschlechter hervorgegangen ist. Der junge Prinz ist deshalb ein rechtes Kind seines Volkes.
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urudweift? Wegweisers aus, der über die breite Lücke hinweg, von der Kinder auf unseren Stammbater ebenso auffieht das nicht wie der ausgestreckte Arm eines
Bree xben, itt fer in zwet, bret, vier Geschlechtern wieder
wir nichts wissen, und
leate die Hand
nicht die erste Enttäuschung, die ich erlebe, und wer weiß, ob ich auch? Finden wir nichts Wichtiges darin, nun, so ist es Einem andern aber vertraue ich mich nicht an wem sollte doch ebenso wenig enträtseln fönnen wie vor vierzig Jahren. Schnurren und Schnörkel, die in der Schachtel find, heute ja
mit welcher die Aebtissin thr das war keine harte Bronze, worin damals das goldene mein Taschenmesser heraus und Ja, sogar der fleine Ring
saß noch am benn das möglich? bas war weiches, feines Gold! oberen Rande, Kettchen befestigt gewesen war, schabte ein wenig am Rande Jch zog
man
sie zum
erstenmal
flebt
beziehungsweise hört,
eine minder originelle bee betfällige Aufnahme finden auch
wenn
in dem Vergnilgungsrepertoir der einen Garnison. fie irgendwo so unbekannt ist, wie Lydia Mallows Basarpost Wer die lebhafte, aus tausend fleinen Kaprizen zusammen
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Das beslische Ministerium bleibt! Die offizielle Darmstädter Zeitung" schreibt: Wir sind ju der Mitteilung ermächtigt, daß Staatsminister Ewald gestern den Großherzog um seine Verabschiedung gebeten hat, nachdem in der Versammlung der nationalliberalen Landes: partei am 4. d. M. von führender Seite Vorwürfe wie derjenige der Pflichtvergessenheit gegen die Regierung erhoben worden sind, ohne daß hiergegen Widerspruch erfolgt ist.- Die Vorstände der Ministerien des Innern und der Finanzen haben sich dem Vorgehen des Staatsministers an geschlossen. Der Großherzog hat jedoch dem ge= meinschaftlichen Gesuche zu willfahren abgelehnt.
Politifche Rundfchau.
Deutsches Reich.
* Ueber die weiteren Maßnahmen der Regkerung zum politischen Schulstreik kommt aus mitunter gut unterrichteter Quelle eine Nachricht, die jedenfalls noch der Bestätigung
bedarf.
Danach soll sich im Auftrag der Deutschen Reichsregierung in den nächsten Tagen ein Kreisschulinspektor aus der Provinz Bosen nach dem Breuschtale begeben, um sich in den dortigen zweisprachigen Schulen( deutsch und französisch) persönlich von diesem Unterrichtsbetriebe und den erzielten Erfolgen zu informieren. Angeblich in gleichem Auftrage besuchte kürzlich ber als pädagogischer Schriftsteller bekannte Professor Dr. Rein ans Jena in Begleitung höherer Schulbeamten die zweiprachigen Schulen des Breuschtales. Der Schulmann konnte mit der Anerkennung der Leistungen in diesen Schulen nicht zurückhalten, in denen natürlich unter schwierigen Verhältnissen gearbeitet wird. Es verlautet nun, daß die Regierung, des steten Schulhaders müde, geneigt ist, unter gewissen Voraussetzungen und Bedingungen in den deutsch- polnischen Landesteilen ebenfalls den zweisprachigen Unterricht( deutsch und polnisch) einzuführen.
"
* Interessante Aufschlüsse über die Gründe zum Rücktritt des Fürsten Bismard vom Amte werden zurzeit der Deffentlichkeit übergeben. In dem vom Fürsten Bismarck verfaßten Entwurf zu vertraulichen Aeußerungen über die Motive zu meinem Rücktritt aus dem Dienste" erwähnt der Altreichskanzler ein kaiserliches Handschreiben, das auf Grund der Berichte des Konsuls von Kiew an ihn gerichtet wurde und mit zur entscheidenden Ursache seines Rücktritts wurde. Fürst Bismarck hatte den alarmierenden Kiewer Berichten, die von einem russischen Aufmarsch an den West- Grenzen
sprachen, feinen großen Wert beigelegt. Er erhielt darauf das kaiserliche Handschreiben, welches folgenden Wortlaut gehabt haben soll:
, Die Berichte laffen auf das Klarste erkennen, daß die Russen in vollstem strategischen Aufmarsche sind, um zum Kriege zu schreiten. Nur muß Jch sehr bedauern, daß Jch so wenig von den Kiewer Berichten erhalten habe. Sie hätten Mich schon längst auf die furchtbar drohende Gefahr aufmerksam machen können! Es ist die höchste Zeit, die Desterreicher zu warnen und Gegenmaßregeln zu treffen. Unter solchen Umständen ist natürlich an eine Reise nach Krasnoje Meinerseits nicht zu denken. Die Berichte sind vorzüglich. W." Die Reise des Kaisers nach Krasnoje fand trotzdem bald darauf statt und aus den angeblichen Kriegsabsichten der Russen gegen Desterreich wurde nichts. Frankreich,
** In der französischen Kammer kam es zu Lärmszenen wegen des Trennungsgesetzes zwischen Staat und Kirche: Die Redner der Rechten verlangten eine Revision des Trennungsgesetzes. Das einzige Mittel, den inneren Frieden wieder herzustellen, sei eine Verständigung mit dem Papste. Ministerpräsident Clémenceau beabsichtigt, dem Ministerrate einen Gesezentwurf zu unterbreiten, nach dem bei den Kammerwahlen die Arrondissementswahlen durch Listenwahlen ersetzt und alle zwei Jahre ein Drittel der Deputierten, deren Mandat sechs Jahre laufen soll, neu gewählt werden sollen.


