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Wenn die Toten erwachen

er. Petersburg, 3. November.

Schafe und Schweine, eritreden und von jeder nur die wesent­lichsten Unterabteilungen umfassen.

* Neue Vorschriften über die Neberwachung und Prüfung der Tunnels find ausgearbeitet und vom preußischen Verkehrs: minister genehmigt worden. Sie treten am 1. Januar 1907 in Kraft, und soll über ihre Bewährung von den Königlichen Eisenbahndirektionen nach 2 Jahren berichtet werden.

* Disziplinarische Untersuchung gegen fich selbst hat der in der Kolonialabteilung beschäftigte Wirkliche Legationsrat Dr. von Jaeobs bei der vorgesezten Behörde beantragt. Gegen Dr. von Jacobs find Angriffe wegen seiner Geschäfts­führung als stellvertretender Generalkonsul in Kapstadt und wegen seiner dortigen persönlichen Führung erhoben worden. Dem Antrage auf Einleitung der Untersuchung wurde ent sprochen.

Er kommt wieder, er übernimmt aufs neue die Minister­präsidentschaft, seine Ernennung steht fest. Der bereits zu den Toten Geworfene erwacht zu neuem Leben und zu neuer Bedeutung. So erzählt man heute in allen Kreisen, in denen man sich mit Politif beschäftigt. Natürlich meinte man den Grafen Witte. Das flingt eigentlich wunderbar und wäre wohl auch in feinem anderen Lande möglich. Denn Graf Witte, der nach dem Friedensvertrag von Portsmouth, seinem größten diplomatischen Triumph, hier mit säuerlicher Miene empfangen und dann mit allen Zeichen der Ungnade entlassen wurde, galt allgemein für vollständig abgetan und erledigt. Der Bar mag ihn nicht leiden, die Großfürsten­partei haßt ihn, und selbst die Empfehlung dieses Hasses reichte nicht aus, δας tiefgewurzelte Mißtrauen des liberalen Rußland gegen ihn zu beseitigen. So war niemand, der ihn haben wollte, niemand, der an seine Rüd­fehr glaubte. Nur einer zweifelte nicht, und das war er selbst. Er fennt Rußland, fennt Rußlands erschreckenden Mangel an Staatsmännern und namentlich Rußlands Finanz­not, zu deren Beseitigung ein Künstler ersten Ranges gehört. Ein solcher Künstler zu sein, traut Graf Witte sich zu, und er hat vielleicht recht. Das Mißtrauen weiter Schichten in seinem Heimatlande hat ihn nicht um das Vertrauen der internationalen Hochfinanz gebracht. Darin beruht seine Stärke. Wenn Rußland an den europäischen und vielleicht auch an den amerikanischen Geldmarkt appellieren muß, iſt Graf Witte der unentbehrliche Mittler, nicht weil Rußland, sondern weil das Ausland es will. Man wird überall Schwierigkeiten haben, sich in einen solchen Verstellungsfreis hineinzufinden; doch Rußland ist eben seine eigene Gattung, mit besonderen Staatsbedingungen. Der trog des vorjährigen Oktobermanifestes selbstherrscherliche Zar fügt fich manchmal einem fremden Willen, namentlich, wenn es fich um Geldfragen handelt. Ueberall in der Welt find die Finanzminister mächtige Männer, hier find fie allmächtig, weil die Finanznot so groß ist. Wenn der russische Finanzminister nicht über die anderen Ressorts fast unbegrenzte Gewait hat, so reicht die Budgetdecke nicht. Außer dem Grafen Witte ist aber niemand da, der den Ministerkollegen imponieren und sie zu seinem Willen zwingen fönnte. Darum braucht es noch nicht wahr zu sein, daß Graf Witte zur Ministerpräsidentschaft abermals berufen wird oder gar schon berufen ist. Aber in dem mit Bestimmtheit auftretenden Gerücht spricht sich die allgemeine Ueberzeugung aus, daß man feinen besseren, daß man überhaupt keinen anderen Mann weiß, der den vorhandenen Verlegenheiten Herr zu werden verstände. Es ist sehr leicht möglich, daß das Gerücht den Tatsachen nur voraufeilt. Möglicher- und selbst wahrscheinlicherweise sind erst Verhandlungen mit dem Grafen Witte wegen seiner Rückkehr zur Ministerpräsident­schaft angeknüpft, stellt Graf Witte, indem er den Spröden spielt, noch seine Bedingungen. So machtliebend er iſt, so flug ist er auch. Er wird aus den Erfahrungen nach den Tagen von Portsmouth gelernt haben, daß er gewisse Garantien verlangen muß, damit er nicht abermals nach getaner Arbeit den unerbetenen Abschied erhalte. Seinen Aufenthalt im Auslande hat er sicher benutt, Vorbereitungen finanz- politischer Art für seine Wiederkehr zu treffen. Manche Anzeichen sprechen dafür, daß ihm das geglückt ist. Seine Bähigkeit allein ist imstande, den russischen Kredit im Ausland nicht weiter drücken zu lassen. Das Merkwürdige ist, daß seine Mitkontrahenten, die Vertreter der internationalen Hoch­finanz, allem Anschein nach diese Zähigkeit lieben, Respekt vor ihr und Zutrauen zu ihr haben. Das ist von großem Wert, wie leicht einzusehen. Außerdem ist nicht zu verkennen, daß in der russischen öffentlichen Meinung ein Umschwung zu gunsten des Grafen Witte sich vollzieht. In demselben Maße, in dem der Radikalismus hier abgewirtschaftet hat und an Boden in den Mittelschichten der Bevölkerung, in den Kreisen der Intelligenz verliert, in demselben Maße wendet man sich mit allerdings zögerndem Verständnis der Mittel richtung zu, die Graf Witte zu verfolgen wenigstens behauptet hat. Auch erfreut sich Graf Witte mächtiger Freundschaften, die darum nicht minder wirksam sind, weil sie nicht am Tage liegen. Die Stärke des Grafen Witte und seiner Aus­fichten beruht aber in der Hauptsache darin, daß kein anderer neben ihm steht, daß alle seitherigen Versuche ohne Ausnahme mit dem unerfreulichsten Fiasto geendet haben, und daß das Fiasto noch viel größer gewesen wäre, wenn man außer halb Rußlands nicht immer mit der Hoffnung einer Wiederkehr Wittes gerechnet hätte. Verfehlt wäre es, wollte man in Witte einen Retter" sehen, dessen bloßes Erscheinen genügte, um alle Wirren zu beseitigen und völlige Ruhe im Lande herzustellen. Das wird nicht der Fall sein. Doch me erneute Ministerpräsidentschaft Wittes wäre jedenfalls etne Art Bürgschaft für das Einlenken in maßvoll- ruhigere Bahnen, und das wäre schon ein großer Gewinn.

Politische Rundschau.

Deutsches Reich.

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Oefterreich- Ungarn.

** Die Gerüchte über eine bevorstehende Neubegründung des Dreikaiserbundes, die der Minister des Aeußeren, Baron b. Aehrenthal zustande gebracht haben soll, werden offiziös als unwesentlich abgetan. Maßgebenden Orts wird das Gerede feiner Beachtung gewürdigt. Es ist nur eine Ver­gröberung des befannten Wehrenthalschen Programms, das ja gute Beziehungen zu Rußland mit einbegreift.

Rufeland.

** Vor dem Marinefriegsgericht Kronstadt fam die An­Elage gegen 26 Matrosen des Panzerschiffes Slava zur Ver­handlung. Die Matrosen find der Meuterei und Gehorsams. berweigerung angeflagt, begangen am 17. Juli durch die Weigerung, zwei Quartiermeister, die als Agitatoren galten, ans Land zu bringen. Der Gerichtshof verurteilte 25 Mann zur Einreihung in die Strafabteilungen, ein Angeflagter wurde freigesprochen. Einer der Teilnehmer an dem im Februar d. J. berübten Ueberfall auf die Reichsbanf in Helsingfors, Apotheker Nymann, wurde zu drei Jahren fünf Monaten Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt.

* Die zahlreichen Gerüchte über den preußischen Land­wirtschaftsminister v. Podbielski find durch ein neues ver­mehrt worden. Darnach soll Herr v. Podbielski für das Oberpräsidium in Kassel in Aussicht genommen sein. Der jezige Oberpräsident v. Windheim werde dann ein Ministerium übernehmen, aber nicht dasjenige der Landwirtschaft. Ferner heißt es, daß der Minister des Innern v. Bethmann- Hollweg ür ein anderes Amt bestimmt sei.

Afrika.

** Unruhen und Verfahrenheit sind die Kennzeichen der Lage in Maroffo. Das diplomatische Korps in Tanger hat eine Protestnote an den Sultan gerichtet, worin es Einspruch erhebt gegen die anarchistischen Zustände in Tanger und im ganzen Kaiserreiche. Der Sultan wird gleichzeitig ersucht, Maßregeln zur Wiederherstellung geordneter Zustände zu freffen.

* Nach Beendigung des Wiederaufnahme- Verfahrens im Prozeß der Akwaleute in Kamerun wurde jetzt das Urteil gesprochen. Wegen Bestrafung der Akwaleute ist Gouverneur von Puttkamer abberufen worden. Zwei von ihnen hatten neun Jahre Gefängnis erhalten, weil sie eine Beschwerdeschrift gegen den Gouverneur veranlaßt hatten. Die beiden damals so hoch Bestraften erhielten jetzt 15 resp. 9 Monate Ge­fängnis. Die andern Angeklagten, die früher zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt waren, haben dagegen jetzt 5 Monate erhalten.

* Ein führendes Zentrumsblatt erklärt, ohne das Gesetz über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine und das Gesetz über die Arbeitskammern sei ein glatter Berlauf der be­ginnenden Reichstagssession undenkbar.

Kleine politische Nachrichten.

Leipzig, 3. November. Das sächsische Kultusministerium erließ eine Verordnung über die Erleichterung des Schul­unterrichts. Die meisten Unterrichtsstunden werden um zehn Minuten verkürzt, die Pausen verlängert. Vormittags sollen fünf Unterrichtsstunden in Deutsch mehr abgehalten werden, für die Nachmittage sollen Turnübungen, Sport und Aus­flüge vorgesehen werden.

* Wegen der andauernden Fleischtenerung soll am 1. Dezember d. J. eine außerordentliche Viehzählung in Preußen vorgenommen werden. Die fiebente allgemeine Vieh­zählung im Deutschen Reiche ist planmäßig für den 1. De zember 1907 in Aussicht genommen. Die Zählung wird nur auf die wichtigsten Viehaattungen, nämlich Pferde, Rinder,

Posen, 3. November. Vor dem hiesigen Landgericht find wegen der Aufforderung zum Schulstreif bereits 40 Prozesse anhängig gemacht. Die heutige erste Verhandlung gegen zwei Redakteure wurde vertagt.

Wien, 14. November. In Wien und Rom wurden halb. amtliche Erklärungen veröffentlicht, wonach die Regierungen bon Desterreich- Ungarn und Italien entschlossen sind, auch tünftig die freundschaftlichsten Beziehungen zu pflegen.

Hof und Gefellschaft.

Dem Vernehmen nach werden der Kronprinz und die Kronprinzessin in der er Dezemberhälfte zu den Herbstjagden auf dem Kronlehen Dels in Schlesien eintreffen und im dortigen Schlosse einen mehrtägigen Auf­enthalt nehmen. Wie verlautet, wird das Kronprinzenpaur bei dieser Gelegenheit von mehreren anderen Fürstlichkeiten und einem größeren Gefolge begleitet sein. Seitens der Stadt Dels wird ein offizielier Empfang der hohen Herr­schaften geplant.

Der föniglich- preußische Hof tegt für den Erz­herzog Otto von Oesterreich die Trauer auf vier­zehn Tage bis einschließlich den 16. d. M.- an.

Es dauerte nicht lange, da waren wir mit Freuden bei der Hand, wenn es galt, aufzuentern" und in der Marsraa" zu manövrieren. Die ganze Jugendtollheit brach wieder durch und wir wetteiferten darin, am schnellsten zu klettern und am sichersten auf den Pferden", den Striden, die unter den Maaen gespannt fird, zu balancieren und dabei womöglich noch dem Vordermann einen Schabernad zu spielen.

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Und Dienst

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Uns waren Seebeine" gewachsen, d. h. wir hatten die Anfechtungen der Seekrankheit überwunden und vermochten schon, uns bei den schaukelnden Bewegungen des Schiffes aufrechtzuhalten, unsern Dienst zu verrichten. gab es gerade genug. Um vier Uhr morgens hieß es bereits aufstehen, die zum Schlafen benutzten Hängematten an Ort bringen und zum Deckwaschen anzutreten, das jeden Morgen die angenehmste" Unterhaltung bietet. War dieser Dienit durch das willkommene Signal Baden und Banken" Vorbereitung zum Frühstüc und das Frühſtüd selbst unterbrochen bezw. beendet worden, so begann der eigentliche Lehrplan in seine Rechte zu treten, denn der Schiffsjunge soll ja alle Dienstzweige fennen lernen. Instruktion wechselt mit Segelmanövern ab, denn die Schiffsjungenschiffe find die einzigen Schiffe in der Marine, die noch Segel haben und Ererzieren, Geschützpuzzen oder Waffenreinigen, Uebungen im Signalisieren, in Bootsmanövern und vor allem im Turnen folgen. Besonders auf das Turnen wird großer Wert gelegt und wir quittierten über manchen Arschnauzer, den uns die Turnstunde einbrachte oder wohl auch über ein paar blaue Flede, wenn uns der Herr Unteroffizier das Ausstrecken der Fußipigen am Reck etwas zu deutlich gemacht hatte.

Der neue österreichische Minister Aehrenthal ist nach Petersburg abgereist, um sein Abberufungsschreiben zu überreichen. Auf der Rückreise besucht er den Fürsten Bülow in Berlin.

Beer und flotte.

Eine kostspielige Zielscheibe. Das bei der Insel Lundy gesunkene britische Linienschif Montagu" soll als Zielscheibe benutzt werden. Man wil mit verschiedenen neu in der britischen Flotte eingeführten Geschüßen gegen die Panzer­platten dieses Schiffes schießen, insbesondere mit einigen Ge­schüßen, über deren Mächtigkeit man noch nicht ganz im tlaren ist, und die man in Ausland für nicht sehr viel ver­sprechend hält. Das Linienschiff Doris" ist zunächst ab tommandiert worden, diese Schießübungen zu beginnen.

Unfere blauen Jungen.

Skizzen aus dem Marineleben von J. 2. Sivan. 1. Jan Maats Schule.

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Dafür bot uns dann die Mittagspause und die Frei zeit reichlich Gelegenheit, uns zu entschädigen. Einen Appetit, wie er an Bord S. M. Charlotte" von uns ent widelt wurde, fönnte man auf die Ausstellung schicken, selbst die kräftigsten Matrosen hätten mit uns nicht Schritt halten fönnen. Glücklicherweise gab es genug zu essen, Hunger litten wir nicht und wenn ja einer zu wenig Erbsen, Bohnen oder Reis für seinen Magen gefaßt hatte, half. ihm ein Stüd ,, Torf" von etwa 3 Zoll Dicke über das Schlimmste hinweg. Natürlich fein Torf, wie man ihn am Lande zum Heizen benutzt, sondern eßbarer; mit dem schönen Ausdruck belegt man an Bord das Brot.

Seefahren, fremde Länder sehen und Abenteuer bestehen! Welchen Jungen hätte das noch nicht begeistert, noch dazu wenn er in Büchern von dem lustigen Leben an Bord, von Kämpfen mit Piraten, Entern, vom Fliegenden Holländer" und Klabautermann" liest Auch mir ging es so. Für mich gab es nur ein Ziel: Ich mußte aufs Schiff, mußte hinaus in die Welt und träumte womöglich davon, als Admiral wiederzukommen. So leicht ging das natürlich nicht. Ich stieß mit meinem Plane bei den Eltern auf gehöriger Widerstand und erst als ich mich heimlich an die Marine­behörde um Aufnahme in die Schiffsjungenabteilung gewandt hatte und mein Vater die Aufforderung erhielt, mich zur ärztlichen Untersuchung zu schicken und zugleich die erforder­lichen Papiere, Einwilligungserklärung usw. auszustellen, wurde es Ernst. Schweren Herzens ließ man mich ziehen und nach Erledigung einer Reihe von Formalitäten fand ich mich eines Tages an Bord S. M. Schulschiff Charlotte" wieder, das für die nächsten Jahre meine Heimat sein sollte.

Mit dem luftigen Leben war es allerdings vorläufig nichts. Im Gegenteil, oft genug haben wir uns verstohlen in einer Ecke ausgeweint und den Entschluß, zur See zu gehen, bitter bereut, aber der Dienst ließ uns feine Zeit zur Kopfhängerei und zum Heimweh und schließlich gewöhnt man fich an alloa, auch an die Beschwerlichkeiten des Borddienstes.

Lüdenscheid, 3 ermäßigte den Br 75 Pf. für das P München, 3. Bünchen hat in ! Mädchen und fich lift unbekannt.

Es dauerte auch nicht lange, bis sich die Musikalischen unter uns zu einer Kapelle zusammengefunden hatten, die unter Leitung ihres Kapellmeisters, eines Hoboiften, recht nette Stüde produzierte und sowohl bei der allmorgendlichen Flaggen. parade, wie auch in der Freizeit angenehme Abwechselung bot. Oft genug endete die Freizeit mit einem gemütlichen Tänzchen, ohne Damen natürlich, bis das Kommando ,, Pfeifen und Lunten aus, Ruhe im Schiff" dem fröhlichen Treiben ein Ende machte. So sieht ein Tag an Bord aus und so haben wir viele überstanden, bis wir die erste Ausreise mitmachen durften und der Dienst an Bord sich noch strammer, dafür aber auch abwechselungsreicher gestaltete. Unser Jugendtraum war erfüllt. An Bord eines stolzen Schiffes durften wir fremde Häfen schauen und eine Flut neuer Eindrücke half uns über die Anstrengungen der Wachen und die Schwierig. teiten des Borddienstes hinweg.

Budapest, 2. Sufammenstoß zwe zwei Bahnbeamte Chicago, 3. Ro welcher eines Boft Dollars verdächtig Ihm vorgefunden.

Wohl beschlich manchen von uns eine stille Wehmut, als wir mit Muß i denn" den Heimatshafen verließen, aber als wir nach neun Monaten wieder famen, waren wir echte Teerjacken geworden, ausgewachsene Jan Maats, die sich freuten, nun in dem Dienst auf S. M. Kriegsschiffen zeigen zu fönnen, was sie in der ernsten Seemannsschule gelernt hatten. Und daß der Kern gut ist, beweist die fortschreitende Popularität, deren sich unsere blauen Jungen überall zu er freuen haben. Stramm im Dienst und lustig, wenn es gilt, Iuftig zu sein, so sieht der echte deutsche Seemann aus und so hat er sich auch im Ernstfalle bewährt.

Nah und fern.

Jm Bernf verunglückt. In einer Kraftstation der Elektrizitätswerte in Berlin wurde der Bauarbeiter Meyer beim Aufziehen einer 200 Kilo schweren Eisenplatte von dieser, die durch Reißen des Taues herabstürzte, erschlagen. Der Tod trat sofort ein.

+ Endlich dingfest gemacht. Die Leipziger Polizei ver haftete einen gefährlichen Hochstapler, den Chemiker Walter Wenge aus Leipzig, der neben anderen in Berlin und Ham burg verübten Straftaten im Mai ein minderjähriges Mädchen nach Paris entführt hat. Das Mädchen wurde ihm dort ab genommen, worauf Wenge flüchtete. Wenge ist schon vielfach mit Zuchthaus vorbestraft.

+ Um fünfzig Mark. Ramutten, Kreis Heydekrug, wurde ein Raubmord verübt. Beraubt wurden 50 Mark und eine filberne Taschenuhr. Der Täter ist wahrscheinlich ein russischer Deserteur Ptischkin, der mit einem anderen Deserteur, namens Parchamento, der etwas deutsch spricht, über Tilfit weiter gereist sein dürfte.

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+ Einbruch am hellen Tage. In Eisenberg in Sachsen- Altenb. hatte sich der 17jährige Gärtnerlehrling Karl Ulrich Zugang zu dem im Schlosse befindlichen Münzkabinett zu verschaffen gewußt, hier die Glastür eines Schrankes eingedrückt und Baraus einen fostbaren Orden, zwei altertümliche Nuzuhren, sowie eine Anzahl verschiedener Münzen, meist Taler älteren Gepräges, entwendet. Als der Dieb am Nachmittage mit der Bahn abreisen wollte, um seine Beute auswärts zu ver Filbern, wurde er durch einen Schußmann verhaftet. Die gestohlenen Gegenstände trug er in einem Ristchen wohl ver wahrt bei sich.

+ Ein tödlicher Jrrtum. Die Gendarmerie in Neunburg vorm Wald hatte den Auftrag, ein Haus zu umstellen, in dem ein längst gesuchter Schwerverbrecher vermutet wurde. Der in der Nähe stationierte Gendarm Urlaub fam in Zivil nach Hause, fand dort den Befehl, sich an der Umstellung zu beteiligen und eilte, ohne sich umgefleidet zu haben, dem Hause zu. Seine Kameraden hielten ihn für den beimfehrenden Verbrecher und streckten ihn mit Revolverschiffen nieder. Gr wurde tödlich verlegt ins Krankenhaus gebracht.

Nicht sicher genug verwahrt. Der nach Defraudation bon Juwelen im Werte von 400000 Marf flüchtig gewordene und im Juli in Odessa verhaftete Hamburger Großfommissionär Elkan ist aus dem Gefängnis in Odessa entsprungen. Der Gefängnisinspektor in Odessa wurde verhaftet.

Gescheitert. Während eines Sturmes im Mittelmeer Ist der Dampfer ,, Buonsante", als er den Hafen von Tricase ufsuchen wollte, auf einen Felien grichleudert worden und fofort gesunken. Die Besatzung, mit Ausnahme eines einzigen Matrosen, ist dabei umgekommen.

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