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ihre Stellung gerungen und hatten sie beide einen Herrn, aber während Richelieu nur die Konsequenzen der Verhält nisse zog, als er den fürstlichen Absolutismus durchführte, mußte Bismarck als ein Neuerer und Revolutionär seine Gedanken gegen das politische Dogma, das den Fürsten zum Vollstrecker des Willens einer parlamentarischen Mehrheit ftempelte, durchfämpfen. Durch Richelieu ist Frankreich mächtiger, die Menschheit aber geistig nicht reicher geworden. Bismarc brach mit dem politischen Dogma von der parlamentarischtonftitutionellen Regierung, das damals alle Welt anzog. Er wies das englische Metall in französischer Prägung zurück. Anfangs galt er als Narr und man lächelte mitleidig über den Armen, als er aber Schritt um Schritt seinen Gedanken in die Tat umsezte, begann man ihn zu fürchten, Aber die Erfolge Preußens da galt er als Verbrecher. gaben ihm recht. War das 19. Jahrhundert republikanisch, so ist das 20. im Herzen monarchisch gesinnt, unsere Zeit fordert starke Persönlichkeiten! Daß der Gedanke an die Berantwortlichkeit des Monarchen heute noch nicht gestorben ist, beweisen die Fälle, in denen die Herrscher mit Dolch Am und Revolver zur Rechenschaft gezogen werden. meisten ähnelt Bismarck im Kampf mit den Verhältnissen noch Cromwell, der Lord. Protektor von England, der gleichfalls mit eiserner Faust ein politische Dogma zerschmetterte, beide finden sich auch im Kampfe gegen das Gottesgnadentum der Fürsten zusammen. Cromwell schaffte damals, als alle Welt der Fürstenanbetung müde war, dieses Gottesgnadentum ab, Bismarck verneint es gleichfalls, indem er für die Verantwortlichkeit des Fürsten eintrat. Und doch find beide in ihren Wirkungen entgegengeseßt, denn während Cromwell seinen König auf das Schaffot brachte, hätte Bismarck nach seinen eigenen Worten das Schaffot für feinen König bestiegen. Bismarck ist der Retter des monarchischen Gedankens, freilich nicht des Gottesgnadentums, dem er ebenso fern steht wie wir. Aber er hat die Schranken um den Monarchen niedergelegt und dem Volke den Fürsten gegeben, der nicht mehr von ihm getrennt, sondern von ihm geliebt ist. Mit Gott für Fürst und Vaterland!
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Brausend stieg das Hoch zum Abendhimmel empor und brang weithin über die Felder, bis es als Echo aus dem Balde zurückkam. Dann betrat cand. hist. Schlie als Vertreter der Studentenschaft die Tribüne und richtete folgende warme Worte an die Versammelten:
Hohe Festversammlung, verehrte Lehrer,
Kommilitonen!
Hundert Jahre sind verflossen seit dem Tage, wo auf dem Schlachtfelde von Austerlitz das heilige tömische Reich Deuscher Nation den letzten Reft erhielt, daß Kaiser Franz die deutsche Kaiserwürde für erloschen erklärte, deren Herrlichkeit begraben lag in den Aften längst vergangener Jahrhunderte.
Ein Jahrhundert wird dahingegangen sein, wenn im nächsten Jahre zum erften Male die Flammen vom Bismarcksturme emporlodern in die Nacht, seit jenem Tage, wo bei Jena und Auerstädt auch Preußens Ruhm und Macht verwehte wie eine Feder im Winde. So begann das Jahrhundert, das man mit Stolz das deutsche Jahrhundert genannt hat. Aber bald folgte auf die Zeit der Erniedrigung die Erhebung. Bald durfte Schenckendorf singen Vaterland ich muß versinken hier in Deiner Herrlichkeit." Die Freiheitskriege hatten das deutsche Volf geeinigt, das einige deutsche Vaterland blieb unsern Vätern versagt. Trübe Jahrzehnte vergingen, Jahrzehnte, in denen die Gedanken Deutscher Dichter und Denker sich die Welt eroberten, Jahrzehnte in denen es in unserm eignen Vaterlande öd und traurig aussah. Doch die deusche Jugend, die Jugend auf Deutschlands Hochschulen, verlor die Hofnung nicht. Ueberschwänglich zum Teil, aber mit ehrlich flammender Begeisterung hielt sie fest an dem Streben nach der deutschen Einheit. Mächtig fegte dann der Sturmwind des Jahres 1846 über die deutschen Lande, aber die Wünsche, die deutsche Patrioten geträumt, erfüllte er nicht. Da tam Bismarck, der Göttinger Student. Er schuf uns das Reich, mit Blut und Eisen schuf er's uns. Er lehrte uns den Kopf wieder hochzutragen, unter den Völkern der Ecde wieder stolz zu sein auf den Namen Deutsche!
Aber Kommilitonen scheint es nicht so, als wäre über dem Ringen nach der Einheit des deutschen Vaterlands die Einheit des deutschen Volkes verloren gegangen? Blickt hinaus in die deutschen Lande, seht den Kampf der Konfessionen, seht die Ecbittrung die zwischen den Klassen herrscht. Da gelten auch für uns noch die Worte Schenkendorfs: Aber einmal müßt ihr ringen noch in ernster Geisterschlacht und den letzten Feind bezwingen, der im Innern drohend wacht, Haß und Argwohn mußt ich dämpfen, Geiz und Neid und böse Luft, dann nach schweren langen Rämpfen kannst du ruhen, deutsche Brust. Da liegt die Aufgabe, die der deutschen Jugend gestellt ist. Unsere Aufgabe ist es, mit zu arbeiten an dem Werke der Wiedervereinigung des deutschen Volkes, mitzuarbeiten, daß die konfessionellen und sozialen Gegenfäße dahinschwinden, daß über die Gegensäge der alles einigende Gedanke das deutsche Vaterland tritt. Und wir als Jünglinge haben ja das schöne Recht, Optimisten zu sein. Blicken wir hinein in den Kampf der Stände, so haben wir in diesem Kampfe schon die Gewißheit, daß der einigende Gedanke siegen wird. Wir sehen in dem Kampfe das ehrliche Ringen, das Suchen nach etwas, Neuem, Hohem. Und wenn das Volk bei diesem Suchen einmal einen Frrweg beschreitet, was machts? Wenn nur das Volk den rechten Führer hat, dann wird es schon zurückfinden auf den rechten Weg. Das Vertrauen müssen wir zum deutschen Volke haben, wollen wir nicht an allem verzagen. Und darum ist es unsere Pflicht, Männer zu werden die dem Volte Führer sein fönnen auf seinem Wege. Dazu sind wir auf der Hochschule, daß wir
neben unserm Fachstudium in und mit unserem Bolfe lernen, daß wir die Gedanken des Volkes nicht nur tennen, sondern auch verstehen lernen, daß wir Männer werden. Männer gleich wie Bismarck mit ihren Fehlern, aber doch Charaktere, Männer, die das deutsche Bolt, das deutsche Vaterland aus vollem Herzen lieben, Männer denen das Volk mit Vertrauen folgt auf dem Wege zur Einigung. So huldigen wir dem Andenken Bismarcks, des Bismarcke, der im Herzen der deutschen Jugend steht, der alles Persönliche vollkommen abgestreift hat, der uns erscheint als der Vertreter des Gedankens der Einheit des deutschen Vaterlands nach außen, der Enheit des deutschen Volkes nach innen.
Darum Kommilitionen wenn wir jetzt den Grundstein schließen, dann laßt uns als Höchstes und Heiligstes das Gelübde hineinlegen Deutsche Männer zu werden, Männer bereit zu kämpfen für das, was sie als wahr und recht erkannt haben. Laßt uns das Gelübde hineinlegen festzuhalten an den alten Idealen: Treu zu sein und selbst treu unserem Volke, treu unserem Vaterlande! Das deutsche Volt, es lebe hoch! Jetzt begann der eigentliche Aft der Vermauerung. Der Vertreter der Studentenschaft verlas die Urkunde folgenden Inhalts:
Urkunde.
Dem Andenken Bismarcks weihen die Säule, die sich auf diesem Grundstein erheben soll, Studentenschaft und Lehrförper der hessischen Ludwigs Universität unter der Regierung Kaiser Wilhelms II., des Großherzogs von Hessen und bei Rhein Ernst Ludwig und unter dem Rektorate des Geh. Med.- Rates Prof. Dr. Vossius. Sie wird errichtet aus den Beiträgen der Lehrer und Studierenden der Hochschule und einer Schenfung des Kommerzienrates Heichel
heim. Das Gelände schenkten der Guts- und Brauerei besizer Bichler und der Kommerzienrat Heyligenstaedt. Der Entwurf des Bauwerkes stammt von dem Großh. Bauinspektor Becker. Ihnen sei Dank! Weniger entgegenkommend waret Ihr, Ihr Bauern von Heuchelheim, die Ihr von uns 1 Mart heutigen Geldes verlangtet für den Geviertmeter Ackers, der doch sonst nur 15 Pfennige gilt. ( Heiterkeit)
Heute, am Tage der Grundsteinlegung, fand eine Auffahrt der Chargierten und Fakultätsvertreter von der Aula aus unter dem Vortritt der Burschenschaft im A. D. B.
Arminia statt.
Am Grundstein, wo sich die übrige Studentenschaft versammelt hatte, hielt der ord. Professor der Geschichte Dr. Haller die Festrede. Für die Studentenschaft sprach der Studierende der Geschichte Paul Schlie. Am heutigen Tage steigt ein gemeinsamer Sommers der Studentenschaft.
So werde denn der Turm aus hessischem Steine dem Einiger Deutschlands erbaut, der Jugend Hessens eine ewig dauernde Mahnung, deutsch zu sein und zu bleiben, daß Hessen ein Eckstein sei in dem Gefüge des deutschen Vaterlandes.
Ludovicianae, den 29. Juli 1905. Die Erbauer: Der Lehrkörper der Universität Dr. Vossius h. t. R. Dr. Haller.
Dr. Sauer.
Die Studentenschaft Schlie. Heinemann. Carlebach.
Trautmann. Schwarz.
Der Baumeister: Becker. Nach Verlesung übergab er sie dann der zur Aufnahme bestimmten Kapsel, in die u. a. auch noch die Samstag- Nummern der beiden Gießener Tageszeitungen getan wurden. Die Kapsel wurde verlötet und in den Stein gelegt, der sofort verschlossen wurde. Der Vertreter der Studierenden, cand. hist. SchIte, ergriff den Hammer und tat unter folgenden Worten die ersten dret Hammerschläge:
Schlie( Bursch. Arminia):
Lodere vom Bismarckturm, Flamme hinan,
Zeig' uns im Wettersturm Aufwärts die Bahn.
Deutschland uns Dir zu weih'n Auf immerdar,
Treu unserm Volk zu sein, Wie's Bismarck war.
Dann folgten: Rektor:
Ewig auf den Lippen schweben Wird er, wird im Volke leben, Besser als in Erz und Stein. Provinzialdirektor Breidert:
Als für Deutschland, Deutschland über alles. Landgerichtsdirektor Güngerich.
Immer Hammer, Nimmer Amboẞ. Oberstleutnant von Conta:
Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Eisen
und Blut.
Oberbürgermeister Mecum:
Dem Echöpfer des Reichs, dem Mehrer des Reichs, dem Erhalter des Reichs!
Professor Sauer:
Fest stehe, Turm, im Zeitensturm, geweiht von deutscher Jugend, mahne an Mannestugend.
Sieh um Dich geschart, Hüter deutscher Art, Ohne Scheu, ohne Reu, Bismard treu.
Brauereibefizer Bichler:
Was wir durch Dich geworden, wir wissens und die Welt, Was ohne Dich wir bleiben, Gott sei's anheim gestellt. Kommerzienrat Heiligenstaedt.
Wie dieser Stein der Grundstein ist einer nationalen Tat akademischer Jugend, so sei und bleibe unsere akademische Jugend jeßt und immerdar der Grundpfeiler nationalen Denkens und Handelns.
Starkenburger:
In unitate robur.
Teutonia:
Rag' über Dir, Du tiefversenfter Stein Der Bismardturm ins deutsche Land hinein, Möcht viel Jahrhundert vom Bergeßrücken Auf ein beglüdtes Volk herniederbliden
Stark und wehrhaft, treu und ehrhaft, friedlich froh. Hassia:
Feft, unerschütterlich wie der große Kanzler stehe dereinst dieser Turm, ihm zum Gedächtnis, fünftigen Geschlechtern zur Nacheiferung.
Wingolf:
Alle Zeit treu bereit
Für des Reiches Herrlichkeit.
Adelphia:
Dem Verdienste seine Krone!
Frankonia:
Denn wer dem B. sten seiner Zeit genug getan, Der hat gelebt für alle Zeiten.
Akad. Theol. Verein:
Wohl dem Ganzen, findet sich einmal einer, der ein Mittelpunkt für viele Tausende wird, ein Halt sich hinstellt wie eine feste Säule, an dem man sich mit Lust mag schließen und mit Zuversicht.
Darmstadtia:
Unsere Stärke liegt in dem Nationalen, dem Rechts- und Ehrgefühl des Volks.
Hasso Rhenania:
Hüte, deutscher Adler, deutsches Volk und Land, deutsche Sitt' und Zunge, deutsche Stirn und Hand.
V. D. St.
Wir Deutschen fürchten Gott sonst nichts in der Welt. Die Musik spielt den althessischen Präsentiermarsch und um 7 Uhr war die tief ergreifende Feier beendet. Abends vereinigte sich die Studentenschaft mit ihren
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Gingeladenen auf Tertors Terrasse. Um 10 Uhr drangen gleich darauf bengalisch erleuchtet wurden Ehrung der Gießener Studentenschaft, wie sie bislang des alten Schlosses zuteil wurde. Langsam verglomm nur der Heidelberger Studentenschaft von den Ruinen
Dunkelheit zurückgesunken, begab man fich in Bichlers der rote Schein und als die Ruinen wieder in die Rektor, Professor Dr. Vossius zum letzten Male als Saal zum Kommerse, in dem auch der gegenwärtige solcher an eine größere Versammlung der Studenten eine Ansprache richtete. So wird also auch Gießen demnächst seine Bismardsäule haben.
Lokales.
** Stockholmer Damen- Quartett. Einen seltenen Genuß bereitete allen Kunstfreunden der gestern in Steins Garten gehaltene Konzert- Abend des StockHolmer Damen- Quartetts. Sämtliche Künstlerinnen erwiesen sich als mit Stimmen- Mitteln reich begabt und gut geschult. Die schwierigsten Partien wurden glatt genommen und immer blieb der Gesang warm und seelenvoll, immerzu fünstlerischen Vierklang sich abklärend. Es war ein echter, wahrer Genuß, wie er uns selten bereitet wird. Faszinirt der fremde Laut auch stets das deutsche Ohr, so war es doch hier in erster Linie der Gesang, die Kunst, die den Saal zu immer stürmischerem Beifall fortrissen. Ob der Gesang nun in vollen Passagen hinbiaufte rder die Akkorde in den fürzesten Taften flimmerten, immer blieb er vollendet und ausgeglichen, sodaß man dem Publikum wirklich nicht immer neue Beigaben zu verschaffen suchte. Hoffentlich führt der Weg das Quartett der Frau Hafgren noch einmal in Gießens Mauern.
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** Sommerfeste. Wir leben gegenwärtig in der Zeit der Sommerfeste, fast jeden Sonntag werden solche abgehalten, am gestrigen Sonntag sogar zwet zugleich, nämlich auf der Schönen Aussicht" von dem Gießener Zitherflub" und im Restaurant" Gambrinusbräu" bon Beide sind in der besten der Philippsgemeinde". Weise verlaufen. Die Schöne Aussicht" wies den ganzen Nachmittag über das buntbewegte Treiben des Volksfestes auf. Der Zitherklub hatte für alles trefflich gesorgt. Da gab es ein Karussel, eine Schiffschaukel, ein Panorama, während den Schützen ebenfalls Gelegenheit gegeben war, ihre Kunstfertigkeit zu erproben. Auch für die musikalische Unterhaltung war bestens gesorgt und so konnte die Veranstaltung in Das einem harmonischen Akkord ausklingen. Arrangement der Philippsgemeinde hatte sich gleichfalls guten Besuches zu erfreuen, besonders seitens ihrer jüngeren und jüngsten Gemeindemitglieder, die einen imposanten Umzug und später Spiele veranstalteten, bei denen ihnen die Freunde aus den Augen strahlte. Für die Erwachsenen gab es u. a. ein Preisschießen, bet dem sehr nüßliche Dinge zu gewinnen waren. So ging der Nachmittag in der besten Weise bei Volksbeluftigung und Spiel hin und auch für die Bewirtung war bestens gesorgt. Ja, ja, in der Philippsgemeinde, da geht's gemütlich her!
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K Frankfurt, M. a.( Heu- und Strohmarkt.) Man notierte: Heu 3.00-3 20 t., Stroh 2.20-2.60 Mr. Alles per 50 kilo.
Rirchliche Nachrichten für Gießen. Evangelische Gemeinde.
Der Spaziergang der Kinderkirche der Matthäusgemeinde wird auf Donnerstag verlegt.
Diegener landwirtschaftlicher Wetterosen Voraussichtliche Bitterung in Hessen für Dienstag, den 1. Auguft. Nur zeitweise wolfig. Temperatur teine Aenderung.
( Näheres durch die Gießener Wetterkarte.)
Berantwortlich: für die Politik und den Inseratentet:: Ibin Klein, für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beibr in Gießen.


