Ausgabe 
30.12.1905 Erstes Blatt
 
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Verha tunnen und Bombenfunde. Ueberall geht die Regierung mit großer Energie gegen die Führer der revolutionären Bewegung vor. Aus Mostau wird darüber berichtet:

Alle Mitglieder des sozialistisch- revolutionären Komitees wurden verhaftet; der Stristwechsel des Komitees, sowie Bomben und Höllenmaschinen wurden beschlagnahmt. Bei der Verhaftung der revolutionären Kohorten" wurden eine Menge Bomben gefunden. Ein Unbefunnter mit zwei Bomben wurde festgenommen; zwei andere Bomben wurden in einem Privathause gefunden.

Auch in Petersburg wurden Laboratorien mit Spreng­material entdeckt und den dort Verhafteten viele Waffen ab­genommen. Ebenso find die Führer der Revolutionäre in Odessa dingfest gemacht. In Reval wurde der Zusammentritt des Kongresses von Vertretern der Landgemeinden verboten, und als die Delegierten sich dennoch bei Nacht in einem Keller der Fabrik Volta versammelten, wurden alle Teil­nehmer an der Versammlung verhaftet und die Schriststücke beschlagnahmnt.

Lokales.

+ In der zwölften Stunde. Wieder ist ein Zeitabschnitt, im bürgerlichen Leben Jabr" genannt, verflossen und mit einem lachenden und einem tränenfeachten Auge lassen wir die Erinnerungen an das Verflossene an uns vorüberziehen. Im Grunde ist schließlich jeder froh, daß wieder ein Jahr weg ist, denn niemand denkt daran, daß damit auch sein Leben um eine Spanne fürzer geworden ist. Aber man entäußert fich lieber des Unangenehmen, das man im abgelaufenen Jahre erlebt hat und davon blieb wohl faum jemand ver­schont-, als daß man liebgewordenes festhält. Und das Alltagsleben geht seinen Gang weiter, ob 1905 oder 1906 am Kalender steht, mit ihm aber die Hoffnung, die den Menschen nie verläßt. Am Jahresschlusse steigt die Hoffnung auf das Kommende besonders hoch. Dann versammelt sich) der Familien- oder Freundeskreis um die dampfende Bowle im gemütlich warmen Zimmer, die Stimmung wird immer beiterer, je näher der Zeiger der zwölften Stunde rückt. Jetzt ehlt noch eine Viertelstunde. jetzt noch fünf, noch zwei, noch tine Minute und dann tönt vom Kirchturm das feierliche Beläute, der Abschied des alten Jahres, und alle Hoffnung, We Wünsche ergießen sich in einen lauten, freudigen Ruf: Profit Neujahr 1906!

** Der Großherzog und die Großherzogin trafen gestern Mittag wieder in Darmstadt ein.

** Erledigt ist die mit einem evangelischen Lehrer zu beseßende 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Billingen.

** Uebertragen wurde dem Schullehrer Karl Schmidt zu Höckersdorf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Vaitthain und dem Schullehret Otto Wilhelm zu Waitshain die Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Höckersdorf.

** Dem Bahnmeister Ludwig Peter zu Gießen ist die unkündbare Anstellung verliehen worden.

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Landtags Ersatwahl in Darmstadt. Wie bereits mitgeteilt, wird der zum Oberstaatsanwalt in Mainz ernannte Darmstädter Abgeordnete Dr. Buff eine ieder wahl nicht aunehmen. De nationalliberale Partei beabsichtigt an seiner Stelle den Rechtsanwalt Dr. Osann als Kandidaten aufzustellen.

Dieser Tage bshäftigte sich im Regierungsgebäude urter dem Vorsitz des Provinz'aldirektors Geheimrat Dr. Breidert eine Konferenz mit der Reform des Fortbildungsschulwesens auf dem Lande. An der Versammlung nahmen außerdem noch til: Prof. Gisevius vom landwirtschaftlichen Institut dec Landesuniversitä', Kreisschulinspettor Kleinschmidt, Landtags. Abgeordneter Köhler Langsdorf, sowie verschiedene Landbürgermeister. Eine durchgreifende Neugestaltung des U terrichts soll zunächst im Kreise Gießen angestrebt werden. Später soll dann die ganze Provinz an den Neuerungen teilnehmen.

*** Unserer heut gen Ausgabe ist der Kalender " Der Bauernfreund" für 1906 beigegeben.

tt. Stadttheater in Gießen. Da die Schüler vorstellung am gestrigen Tage allgemeinen Reifall gefunden

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hat, so hat sich die Direktion entschlossen, um vielfachen Wünschen zu entsprechen, im Verlauf der augenblicklichen Schuiferien und zwar am Mittwoch, dem 3. Januar, noch cine zweite Schülervorstellung zu geben, deren Anfang eben­falls auf nachmittags 5 Uhr festgesezt. Es ist zu dieser Schülervorstellung Ecribes historisches Lustsp el Das Glas Am 1. Januar gelangt am Wasser" gewählt worden. Nachmittag als Fremdenvorstellung der Schwant" Pension Schöller" zur Aufführung, während am Abend Alt­heidelberg" mit Herrn Lüttjohann und Frl. Schellenb rg in den Hauptrollen gegeben wird. Am Dienstag, den 2 Januar, geht als 9. Abonnementsvorstellung zum ersten Mal das heitere Volksstück Der Großtoufmann" in Szene.

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** Der Kriegerverein Gießen veranstaltet heute Abenb im Neuen Saalbau" seine Weihnachtsfeier, zu der der Fest- Ausschuß ein sehr hübsches Arrangement getroffen hat. Die Festlichkeit wird in vollstem Sinne des Wortes eine Familienfeier werden.

*** Der Zweigverein Gießen des Hessischen Waisen schutzes ist auch diesmal in der glücklichen Lage, gegen 50 Kinder zu beschenken. Die Bescherung findet am Neujahrs­tage, abends 8 Uhr, im Hotel Einhorn" statt. Mitglieder und Freunde des Vereins sind bei der Feter herzlich willkommen.

-0- Der Fahrbeamten Verein Gießen hielt am 26. Dezember seine Weihnachtsfeier bei gut befeßtem Saale auf dem Lenz'schen Felsenkeller ab, die durch eine fernige Ansprache des Vorsitzenden eröffnet wurde; dann folgte die Theateraufführung, Das Leben des Menschen von der Biege bis zum Grabe", eine Darstellung, die bei allen Anwesenden großen Beifall fand. Hieran schlossen sich komische Voiträge und eine Verlosung. Den Schluß bildete der Tanz, der bis zum frühen Morgen die Anwesenden bei fröhlichster Stimmung beisammenhielt.

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Auf Anregung des Vorstandes der Landesver­sicherungsanstalt des Großherzogtums Hessen, Geheimen Regierungsrat Dr. Di B, soll zum Zwecke wirksamerer Bekämpfung der Tuberkulose ein Neß von Auskunfts­und Fürsorgestellen über das Großherzogtum ausgebreitet werden, als deren Aufgabe gedacht ist, für geeignete Be handlung der Kranken mitzusorgen und hierbei namentlich auch mit ihrem Rat zur Seite zu stehen, selbstredend ohne irgendwie in die ärztliche Behandlung einzugreifen. Be­sonders Großh. Kreisämter, Bürgermeistereien, Geistliche, Lehrer, Aerzte, Krankenkassen und Pflegeschwestern werden dazu beizutragen haben, daß die Fürsorgeftellen, wenn irgendwo die Notwendigkeit dazu vorhanden ist, aufgesucht werden. Mit Beginn des Jahres 1906 sollen die ersten dieser Für sorgestellen und zwar in Erbach und Reichelsheim, sowie in der Ernst Ludwig Heilstätte bei Sandbach t. D. und in Dieburg ihre Tätigkeit beginnen. Weitere werden im Laufe des Jahres nachfolgen.

Schlt haben Interessenten, darunter auch die Badever­** Für den Bau einer Esenbahn von Hünfeld nach waltung Salzschlief, eine Denkschrift an die Ministerien zu Berlin und Darmstadt gerichtet. Es würde dadurch eine direkte Linte Berlin- Koblenz Meß geschaffen und die Bahn­( Buzzb. 8 g.) böse zu Bebra und Fulda entlastet.

* Unter den Bahnhofswirten allerorten herrscht große Unzufriedenheit wegen des b.kannten Alkoholver bots, das der Arbeitsminister für die Eisenbahner erlassen hat. Manche Bahnhofswiristasten an Oten mit großem Stations- und Fahrpersonal sind völlig auf die Frequenz der Eisenbahner angewiesen. Seit dem Verbot sind deren Räume wie ausgestorben. Kein Beamter wagt es, noch etwas zu trinken außer Kaffee oder Wasser, Ltatonade usw, weil er Denunziationen und Bestrafungen zu fürchten hat. Die Folgen werden wohl Masseneingaben um Paht­ermäßigungen sein.

** Der Deutsche Vichhändler Verein" hält seine Hauptversammlung am Sonntag, dem 31. Dezember, im Hotel Restaurant Stadt Wiesbaden" in Limburg ab.

Januar

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* Bauernregeln für Januar. It der Januar hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß.- Der Januar muß fnacken, soll die Ernte sacken. Wenn der fängt an zu langen, fommt die Kälte angegangen. Im Januar Donnergeroll, macht Kufen und Fässer voll. Ist Pauli Bekehrung hell und flar, so hofft man auf ein gutes Jahr. Bringt Paulus Wind, dann regnets geschwind.- Morgenrot am ersten Tag, bringt gewöhnlich große Plag. Sind die Flüsse klein, gibt es guten Wein.

Im Januar viel Regen und wenig Schnee, tut Saaten, Wiesen und Bäume weh. Wie das Wetter an Sanft Vinzenz, so wird es sein das ganze Jahr. Wenn Frost nicht bis Januar fommen will, so fommt er sicher im April. Am neuen Jahrtag wächst der Tag, soweit der Haus­hahn schreien mag.- Gelinder Januar b.ingt ein spätes Früjahr.

* Klein Linden, 29. Dezember. Der Neubau der Klei tinderschule ist im Rohbau vollendet und soll im Frühjahr n. J. eingeweiht werden.

Klein Linden, 29. Dez. Die Firma Klingspor- Gießen hat die Räume der Rinnschen Wirtschaft zu Zwecken der Bigarrenfabritation umgewandelt.

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Großen- Linden, 29 Dez. Der Zug des Tod: 8. Am 2. Feiertage lagen nicht weniger als 3 Tote auf der Bahre. § Großez- Linden. In der Nacht zum 27. Dez. warfen Unholde in der Nähe der Turnhall: ein 15jähriges­Mädchen, das in Begleitung des Bruders nach Hause ging, zu Boden, um es zu vergewaltigen. Sie wurden jedoch durch die Hilferufe der beiden Ueberfallenen daran verhindert. Gegen die Burschen ist Anzeige erhoben worden.

× Waßenborn- Steinberg, 29 Dez. Wider das vierte Gebot. Von ihrer Mutter angest stet, drangen die Brüder Georg und Ludwig Happel in der Nacht zum Donnerstag bewaffnet auf ihren Vater ein. Als der alte Mann durch das Fenster flücht.te, traf ihn eine Kugel am Oberschenkel. Er ließ sich dadurch aber nicht aufhalten, sondern floh in die Nacht hinaus und gelangte glücklich zu Verwandten. Die unnatürlichen Söhne wurden von der Gendarmerte nach Gießen in das Provinzialarresthaus transportiert.

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Garbenteich. Die für den Kreis Gießen geplante Sammelwafenmeisterei wird in hiesiger Gemartung errichtet werden. Die Erbauung der Anlage wird demnächst in Angr ff genommen.

* Grünberg. In der Nähe Flsdorfs wurde ein schul­pflichtiges Mädchen von einem Fiensunger Arbeiter vergewaltigt. Der Verbrecher wurde verhaftet und nach Gießen übergeführt.

§§ Müde, 29. Dezember. Sowohl hier, als auch in der Umgegend gilt der dritte Weihnachtstag auch noch als ein Feiertag. An manchen Octen sand früher sogar noch Cottesdienst statt. Auf den beiden Eisensteingruben in unserer Gegend wurde aber der Betrieb an diesem Tage wieder aufgenommen.

§§ Ruppertenrod, 29. Dezember. Aus der hiesigen Allendorfschen und Philippischen Weihnachtsstiftung tam der Binsbetrag von 1350 Mt. unter 18 Armen zur Verteilung.

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Friedberg. 29. Dez. Der Wetterauer Geflügel­Buchtverein, der älteste Obergess ns, veranstaltet im ai t. I. in Klein- Karben eine Geflügel- und Vogel. Axsstellang.

* Friedberg, 28. Dez. Ueberwachungsgebühr bei Zauzbeluftigungen. Nich Nach einer vor einiger Zeit erlassenen Verfügung muß von den Gastwirten für die Inanspruchnahme der Gendarmerie bei Tanzbelustigungen eine Gebühr von 1,50 uno 3 Mt. entrichtet werden. Der Gastwirte- Verein Wetterau" erstrebt nun, schreibt die Kl. Presse", die Aufhebung dieser Verordnung und Ueber­nahme der Ueberwachungsgebühren auf die Staatstaff. Die Angelegenheit wiro demnächst sämtliche Gastwirtevereine des Rhein- Main- Saus beschäftigen.

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1906

Das ist der Tag,

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an dem man sich und seinen Lieben das Beste wünscht für das neue Jahr, vor allen Dingen Gesundheit. Wenn dieser Wunsch in Erfüllung gehen soll, dann muß man auch entsprechend

leben, muß man aufregende, die Gesundheit schädigende Getränke vermeiden und durch zuträgliche ersetzen. Hiec fommt vor allent Kathreiners Malzkaffee, der nach den Urteilen der Aerzte ein voll­kommen unschädliches, angenehmes Getränk darstellt, das durch seine hervorragenden Genußeigen­schaften für Erwachsene wie für Kinder, für Gesunde wie für Scante, einen wertvollen, geradezu unersetzlichen Grundbestand der täglichen Kost bildet. der nur in geschlossenem Paket mit Bild und Namenszug des Pfarrers Kneipp verkauft wird zeichnet sich das verdient besonders hervorgehoben zu werden- durch einen föstlichen aromatischen Kaffee.Geschmack vor sämtlichen anderen Malzkaffees" aus. Wohlauf also! Das neue Jahr mahnt uns laut an den Wert der Zeit und an den Wert dessen, was unser Leben verlängert, indem es uns gesund und frisch erhält.- Dazu gehört auch " Kathreiners Malzkaffee"!

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