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Nr. 25.

Intertion prets: Die cinspaltige Petitzeile für ganz Ober­en, Ste rette Wezlar und Merburg 10 Bfg. fenft 15 Big. Retiamen ble Betitzeile 30 refp. 40 Bfg.

Redaktion u. Huupteɣpebtiion: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprechanschluß Nr. 862.

Montag, den 30. Januar 1905.

Gießener

14. Jahrgang.

Abonnementöprete: abgeholt monatlich 60 Btc., tn's Haus gebracht 60 Pfg., burch die Boft bezogen viertel jährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzettung( täglich) und die Sießener Getfenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werttagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.

frankreich und der Zarismus.

In der französischen Kammer hat sich bei dem ersten Debüt des Kabinetts Rouvier ein charakteristischer Vorfall abge­spielt. Der neue Ministerpräsident streifte in seiner Pro­grammrede das Verhältnis zwischen Frankreich und Ruß­land und wurde hierbei jedenfalls in höchst unliebsamer Weise durch die Mißfallenskundgebung eines großen Teiles der Abgeordneten überrascht. Die Namen, die der russischen Regierung gegeben wurden, deuten auf sehr wenig freundschaftliche Empfindungen hin und klingen wie ein ver­späteter Nachtlang aus der Zeit des Krimkrieges in der Rußland und Frankreich vollständig Gegersfüßler waren. Nieder die Mörder!" klang es, Nieder der verbrecherische Sar!" Zum Ueberfluß protestierten einzelne Redner aus­drücklich gegen die Allianz, die früher so hoch bewertet murde. Telcassé fand mit seinem Hinweis darauf, daß dies Bündnis Frankreich Sicherheit und die Möglichkeit gegeben habe, seine Stellung in der Welt zu behaupten, nur sehr ge­teilten Beifall. Der Zwischenfall deutet darauf hin, daß in dem Verhältnis zwischen Rußland und Frankreich in nächster Zeit entschieden die schon seit längerer Frist begonnene Rockerung einen raschen Fortgang nehmen wird. Dadurch aber werden die Zirkel der gesamten Auslandspolitik des neuesten Kurses in Frankreich ganz erheblich gestört.

Frankreich geht entschieden auf Eroberungen aus, aber es sucht diese nicht durch das Risiko eines Krieges zu erreichen, sondern durchaus auf dem unblutigen Wege schiedlich- fried­licher Abkommen. Der frühere Journalist und Dauerminister Delcassé, der als Inhaber des auswärtigen Ressorts bereits mehrere Kabinette überlebt hat, war für Loubet der geeig­nete Mann, um diese papiernen Allianzen und vertrag­lichen Schachzüge der neuesten Politik zur Durchführung zu bringen. Mit dem Eintritt Delcassés in sein Amt begann der leise Gegenstoß gegen den Dreibund, der durch eine An­näherung zwischen Frankreich und Italien erreicht werden sollte. Dann begann das Liebesspiel mit England, das mit dem nordafrikanischen Vertrage abschloß, und das ferne Ziel der gesamten Delcasséschen Politik lief daraus hinaus, den alten Dreibund durch einen neuen schachmatt zu setzen. Frankreich hat unter dem Tisch fortwährend mit dem eng­lischen Ministerium gespielt, um eine Annäherung zwischen England und Rußland durchzuseßen. Am schärfsten trat der französische Einfluß bei dem Zwischenfall von Hull hervor. Troßdem die englischen Volksleidenschaften soeben noch aufs hödste aufgeschäumt waren, wurde eine schiedlich- friedliche Auseinandersetzung zwischen England und Rußland in dem Augenblicke in die Wege geleitet, als Frankreich seinen Rat an der Themse hören ließ. Mat hat vielfach angenommen, das Ministerium Combes habe mit dem Fälligwerden des französisch- russischen Bündnisses gedroht. Nichts ist irrtüm­licher als diese Annahme. Delcassé hat die Rolle des ehr­lichen Maflers gespielt, der die englische Regieruna darauf

aufmerksam machte, wie sehr sie sich jetzt Rußland verpflich­ten und dadurch dem Zukunftsziel des neuen Dreibundes die Wege ebnen fönnte. Der Zweck dieses Abkommens ist die Isolierung Deutschlands, um ohne dessen Beteiligung die Welt aufs neue zu vergeben.

Um die Richtlinien der französischen Auslandspolitik nicht zu beeinflussen, wurde Delcassé auch mit in das neue Ministerium genommen, und er war sicher gesonnen, den alten Faden weiter zu spinnen, wenn nicht die Episode des Kampfes zwischen dem modernen Rußland und dem bru­talen Absolutismus plößlich dem französischen Volksbewußt. sein die unnatürliche Verwandschaft der beiden Staaten deut­lich vor Augen geführt hätte. Zarischer Absolutismus und republikanische Demokratie können sich zwar zum gemein­santen Kampfe gegen einen Dritten verbinden, aber ver­schwistern können sie sich nicht. Höher als der Eroberungs­gedanke steht in Frankreich doch das Gefühl, daß die Nation die Führerin auf dem Wege zur Freiheit war, und der Hilfe­schrei des gcknechteten russischen Volkes muß deshalb gerade dem Franzosentum am meisten die Flamme der Entrüstung ins Gesicht treiben. Gegen das Volk und seinen Willen ver­mag Delcassé nicht zu regieren, und er wird wohl nach dem eriten Debüt des neuen Kabinetts die Empfindung haben, das ihm das Konzebt doch sehr stark verdorben worden ist.

Der Krieg in Oftalien.

Nach allem, was bisher über die neuesten Vorgänge am Schaho verlautet, scheint es sich in der Tat um eine groß angelegte russische Offensivbewegung zu handeln. Nach

hem

ersten blutigen Zusammenstoß sammelt General turopatkin neue Kräfte zu weiterem Vorgehen. Er hat beide Hügel bedeutend verstärkt. Auf dem rechten sammelt er Sa­ballerie in Stärke von 20 000 Mann an. Er selbst steht bei Taschan.

Die russische Angriffsbewegung hat, wie es vorauszusehen mar, die Japaner nicht müßig gefunden. Sie beginnen sich Süden und Südosten der russischen Aufstellung gegen Sandepu zu konzentrieren. Sandepu liegt etwa 25 Kilo­eter nordwestlich von Liaujang. Um diese Ortschaft als Mittelpunkt tobte das letzte Treffen, das äußerst blutig und erbittert war. Es wird in den Berichten auch bereits als

die Schlacht bei Sandepu bezeichnet. Die Petersburger Telegraphen- Agentur meldet dariiber:

Nach einer Meldung aus Tschansjamutun vom 26. d. M. dauerte die Schlacht bei Sandepu den ganzen Tag. Die Russen verloren bei der Einnahme der Befestigung 45 Offiziere und 1000 Mann Tote bezw. Verwundete. Sie nahmen 102 Japaner gefangen und erbeuteten Waffen, daß so ne'n Teufelsker! statt Paderbörner Bönninger, Der Eselsmüller und die Falschmünzer. holländischen Tabak einschmuggelt. Kein Beamter hat den Satans- Kerl fangen können. Auch Nordhäuser solls hier genug geben, wird auch eingeschmuggelt. Aber ich fange den Kerl und wenn ich ihn sollte aus den Wolfen holen," erzählte und prahlte der Zollbeamte.

1)

Von Gustav Rohleder, Grünberg i H.

Alle Rechte vorbehalten.

( Nachdruck verboten.) " Ihr möget einen schönen Pastor, oder wie Ihr fagt, Pfarrer haben. Mich soll der Teufel holen, wenn derselbe so predigen kann wie mein Ernst," so fagte in stolzen, wegwerfendem Tone der Beamte."

Unser Better Pfarrer predigt alle 14 Tage ein­mal. Sobald das Lied gesungen ist, schlafen alle ein. Denn er predigt von Zinsgeben. Da schlafen alle. Reiner mag Binsgeben. In R.... hausen sind alle

Bettler, außer dem Schulzen und Dornstrauch."

Last mal jekt Euer R.... hausen und seine Bettler. Zeigt mir Guere Papiere ob dieselben visiert find", unterbrach ihn der Grenzjäger.

" Ich habe keine Papiere nnd brauche auch keine. Der Eselsmüller ist der Eselsmüller, bleibt es auch und nun Gott befohlen, Vetter Kontrolör," so sagend be­sann er sich so Grenzaufseher. Verzeiht, mein Ge­dächtnis ist oft schwach." Damit ritt der Gjelsmüller

weiter.

" Halt Kerl, oder der Teufel holt Dich lotweise," schrie der Gefoppte.

,, Halt Hans," sprach ganz gelassen der Eselsmüller

Herr Grenzjäger, so ist doch wohl eigentlich Euer Name. The fangt den Kerl so wenig, als die anderen vor Euch. Ihr seid die Saufnase noch größer als Euere Vorgänger. So, nua Adieu Herr Grenzjäger" bersetzte der Müller.

,, Halt Kerl, Dich hole jetzt der......," schrie Heiner, in seiner Wut vergaß er den Saz auszusprechen, sprang vom Pferde, um den Eselsmüller zu fassen.

Doch derselbe saß auf seinem gut dresierten Stadt­berger- Esel. Ein Schlag zwischen die Ohren ließ den Esel bocken. Er ging vorn und hinten in die Luft. Der Grenzjäger suchte nahe beizukommen, aber der Esel gab ihm den erforderlichen Willkommen.

Heiner hatte sein Pferd am Zügel.

In einem günstigen Augenblicke gab der Esels­müller mit seinem Eichenprügel dem Pferde einen solchen Schlag auf die Nüstern, daß es sich bäumte und rasend durchging. Heiner eilte ihm nach.

zu seinem Grautiere." Der königliche Herr Grenz- Wart's ab, Birrschchen, Dish bezähme ich ganz schnell."

fteuerbeamte Heiner will es."

,, Kerl, in Teufels Namen, wie wißt Ihr auf ein­mal wer ich bin und wie ich heiße?"

" Fiel mir soeben ein," sagte ganz trocken der felsmüller.

So- o, fiel Euch soeben ein? Ihr scheint mir ein geriebener Schurke zu sein. Suche schon seit Wochen an einen Schmuggler, deshalb bin gerade ich von Werl nach Arnsberg versetzt. Der Regierung ist bekannt,

,, So, sagte der Eselsmüller zu sich ,,, Dich wären wir vorläufig mal los. Frecher Bursche Du, ich habe schon andere zahm gemacht, die gescheider waren. Damit ritt er von der Straße ab zum Walde hinein. Er war darin bekannt.

Schlangenwege find es, welche den einsamen Wanderer imm r weiter vom Ziel abzuführen geeignet sind. Nur Kenner finden sich zurecht.

Als der Eselsmüller gesehen, daß Heiner das Pferd wieder eingefangen hatte, wußte ec, jetzt verfolgt er mich.

, Halt Bursche" rief er aus.

Wagen und Munition.

Die starken Verluste der Russen erklären sich daraus, daß Sadepu, ein großes Dorf, von den Japanern ungemein start befestigt war. Es bedurfte angestrengter Arbeit mit der Eappe, um alle die künstlichen Hindernisse zu über­winden, die die japanische Feldbefestigungskunst vor der Stellung aufgetürmt hatte. Die Pioniere und ihre Be­Sedanser hatten dabei natürlich unter dem japanischen Feuer chwer zu leiden. Die russische Artillerie bestand aus meh­reren Abschnitten. Ehe gegen die japanische Hauptposition in Sand- pu vorgegangen werden konnte, mußte eine ganze Reihe anderer von den Japanern befestigten Dörfer ge­nominen werden. Die Japaner machten mehrfach fräftige Gegenang' e, die jedoch von den Russen bisher erfolgreich abgcmi sen wurden. Bei den russischen Operationen fiel der Paballerie eine wesentliche Rolle zu. Sie manövrierte erfolurich gegen die linke Flanke der Japaner, umging diese und griff die feindliche Stellung vom Rücken her an. Die Japaner aber werden keine Anstrengung scheuen, die Schlappe wieder auszuweßen. In London will man sogar bereits wissen, daß das russische Korps, das quer über den Sunho vorgerückt ist, zurückgeschlagen worden sei. Angeblich sind dabei vier Feldgeschüße in die Hände der Japaner ge­fallen. Di offizielle Berichterstattung weiß bisher nichts

davon.

General Stöffel in Saigon.

General Stössel ist mit seiner Gemahlin und mehreren anderen russischer Offizieren auf der Heimreise von Naga­jati aus in Saigon eingetroffen. Eine große Menschenmenge war bei der Ankunft zugegen und begrüßte sie mit Sym­pathie- Rundgebungen. Besonders herzlich war die Begrü­Bung Stössels durch den Kommandanten des russischen Kreu= zers Diana". Der General, der dem korrekten Verhalten der Japaner bei der liebergabe der Festung volle Anerkennung sollte, äußerte, er sei voller Zuversicht, daß die Russen in dem Kriege schließlich doch obsiegen würden; er hält eine Berständigung zwischen den Krieg führenden für möglich.

Ans der Zeit der Belagerung Port Arthurs erzählten die russischen Offiziere folgendes: In den beiden legten Monaten konnte der Festung kein frischer Proviant mehr zugeführt werden; der Fall Port Arthurs ist dem Mangel an Lebensmitteln, Munition und Medikamenten zuzuschreiben; zum Verbinden der Verwundeten mußten so­gar Zaufasern verwendet werden; ein Huhn kostete 20, eine Gans 60, ein Schwein 300 Rubel. General Stössel wurde nur einmal verwundet, und zwar durch eine Kugel am Kopf. Aus den Aeußerungen der russischen Offiziere scheint weiter hervorzugehen, daß zwischen den Führern der rus­sischen Land- und Seestreitkräfte in Port Arthur tiefgehende Meinungsverschiedenheiten bestanden; so wurde erzählt, daß cine Ausfahrt des Geschwaders ohne Stössels Zustimmung stattgefunden habe. Die Seele der Verteidigung, so äußerte Stöffel, fei General Kondratenko gewesen. Unter den Trup-.

Den Eselsmüller fängt doch so kein dummer Grenz­jäger von Werl. Selbst dann nicht, wenn Du zehn studierte Söhne hättest. Deinen Ernst kenne ich schon lange. Ist ein schöner Pfarrer, ein Bierfaß ist dem­selben lieber als die Kanzel.

,, Doch jetzt paß auf Hans" so sprach er zu seinem Grauchen.

Er hatte gesehen, daß der Grenzjäger nach dem Walde zuritt. Schnell kniff er dem Esel in die Fleeme, er aber ließ augenblicklich sein J- a,-a in stein­erweichender Melodie erschallen.

,, Haft's gut gemacht Hans," sprach der Eselsmüller. Der Grünrock weiß jest wo wir sind. Der Müller

stieg ab und ging langsam zum Walde hinein; derselbe

wurde immer dichter.

Endlich legte er sich hin, dem sich jetzt abspielenden Schauspiel aus der Entfernung zuzusehen.

Nach vielen Windungen des Weges hatte Heiner die Stelle erreicht, wo der Esel sich auf dem Rücken wälzte und unaufhörlich sein J- a, J- a schrie. Heiner griff rasch zu, faßte den Zügel und im Nu stand der Esel auf den Beinen.

So, sprach er zu sich, den hätten wir wenigstens als Pfand. Dein Herr, Du alter Esel, mag Dich aus­lösen, wenn er Dich haben will.

,, Ha Bursche, Du willst nicht mit, merke ich? Der alte Heiner, der fönigliche Zollbeamte soll einen Gsel doch verfluchtes Vieh,"" ſchrie er in den Wald hinein. nicht fortbringen fönnen Zum Donnerfiel, so steh' Denn der Esel ging immer rückwärts, wie ein Strebs.

Der Zollbeamte zog aus Leibeskräften, aber alles Reißen und Zerren half nichts. Rückwärts, immer Reißen und Zerren half nichts. rückwärts ging es zu dem Dickicht hinein.

Heiner hatte schon seine Mütze an den Zweigen hängen lassen. Jest blieb ihm nichts anderes übrig, als den letzten Versuch zu machen und den Esel zu schlagen.

( Fortsetzung folgt.)