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amerikanischen Krösus gekommen war. Morgan erhielt die| italienische Medaille für öffentliche Dienste und das Groß­freuz des St. Mauritiusordens.

Gine regelrechte Kreuzigung hat als Karfreitagsfeier" in der kleinen Stadt Torres in Colorado stattgefunden. Dort eriſtiert eine Sekte, deren Lehre auf dem Prinzip der Selbstfolterung beruht. Ein Mitglied bat, sich am Todestage Christi von allen Sünden reinigen zu dürfen, indem er sich freuzigen lasse. Das Kreuz wurde tatsächlich errichtet, das Opfer wurde angenagelt und verschied langsam unter den furchtbarsten Qualen. Eine polizeiliche Untersuchung ist eingeleitet.

Aus dem Gerichtsfaal.

§ Nachklänge zur Ruhstrat- Affäre. Der Meineidsprozeß gegen den Kellner Meier soll nun doch vor der Strafkammer in Bückeburg verhandelt werden. Das Bückeburger Land­gericht gehört zum Dienstressort des Ministers Ruhstrat. Vielfach wurde erwartet, die Angelegenheit Meier sollte vor einem Schwurgericht außerhalb des Bereiches der olden­burgischen Gerichtsbarkeit zur Aburteilung kommen.

§ Eisenbahnunterschleife. Eine neue Verhandlung gegen den Kaufmann Friedeberg aus Breslau findet Ende dieses Monats vor der Strafkammer in Schneidemühl statt. Mit Friedeberg zugleich sind der Materialienverwalter Geburczyk und der Eisenbahnbeamte Balke angeklagt. Sie befinden sich in Untersuchungshaft.

tige Ort für Belgien, die Feier seiner 75jährigen Unab­hängigkeit durch eine Weltausstellung zu begehen. Zwar hat Lüttich nicht viel mehr als 300 000 Einwohner, aber eine überaus günstige zentrale Lage. Es ist von Paris in fünf, von London in neun Stunden zu erreichen. Brüssel und Aachen sind in seiner nächsten Nachbarschaft. Die üppigen Weltbäder an der Nordsee werden der Ausstellung sicher ein distinguiertes und zahlungsfähiges Publikum zuführen. Die 30 Millionen Franken, die für sie ausgeworfen sind, können auf gute Verzinsung rechnen.

§ Dem Raubmordprozeß Klein, der am heutigen Tage in Wien beginnt, sieht man allgemein mit großer Spannung entgegen. Das Ehepaar Klein ist angeklagt, am 11. Oktober 1904 den Hausbesitzer Sikora ermordet zu haben, dessen Leiche man in einen Sack in der Kleinschen Wohnung ver­steckt fand. Wie die Staatsanwaltschaft annimint, hat Fran­ziska Klein, die in der Wiener Lebewelt eine Rolle spielte, den Sikora ins Haus gelockt und dann mit Hilfe ihres Man­nes ermordet. Das Ehepaar Klein floh dann nach Paris, nachdem Franziska aus der Wohnung des Ermordeten noch soviel an Geld und Geldeswert geraubt hatte, wie sie irgend konnte. Sie behauptete erst, daß Sikora in ihrer Wohnung plötzlich gestorben sei, dann gestand sie und nahm alle Schuld allein auf sich. Ihr Mann wisse nichts von dem Morde. Franziska Klein hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. In einem Kloster ist sie erzogen worden. Dreizehn Jahre hat sie unter frommen Schwestern verbracht. Dann wurde sie Novize. Sie hielt es aber im Kloster nicht aus und wurde Erzieherin. Als solche kam sie zu Falle. Sie wurde dann in Breßburg eine der bekanntesten Vertreterinnen der Demimonde. In jener Zeit hat sie viele Heiratsanträge be­kommen, aber sie hat alle Bewerber zum Narren gehalten. Im Jahre 1904 lernte sie Klein durch ein Inserat kennen, in dem sie sich als Witwe mit 20 000 Gulden Vermögen ausgegeben hat. Im Gefängnis ist sie wieder zur katholischen Kirche zurückgekehrt. Briefe, die sie von ihrer Zelle aus an den Untersuchungsrichter und an ihr Kind gerichtet hat, ge­währen Einblick in ein reges Seelenleben. Sie behauptet, das Opfer der Liebe zu ihrem Mann deworden zu sein, den sie nicht wegen des ihr fehlenden Vermögens, als dessen Be­sitzerin sie sich fälschlich ausgegeben hatte, wieder verlieren mollte. Deshalb sei sie zur Mörderin und Tiebin geworden.

Die belgische Weltausstellung.

Lüttich, 25. April.

Vermischtes.

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=[ Die Kaiserin von China und die Nähmaschine.] Wie aus Peking berichtet wird, interessiert sich die Kaiserin- Mut­ter von China in neuester Zeit sehr lebhaft für die Näh­maschine, die bis jetzt bei den Frauen Chinas noch gar nicht in Gebrauch gekommen ist. Die Kaiserin hat mehrere Näh­maschinen in ihren Gemächern aufstellen lassen und läßt sich von europäischen Damen in der Handhabung derselben un­terrichten. Sie trägt sich mit der Absicht, besondere Näh­maschinenschulen in ganz China zu errichten, in welchen die chinesischen Frauen und Mädchen den Gebrauch der Näh­maschine praktisch erlernen sollen.

=[ Die vereitelte Aushebung.] Daß ein Gestellungs­pflichtiger am Tage der Aushebung nicht erscheint, wundert niemand; daß aber die ganze Aushebungskommission sich nicht einstellt, dürfte bisher in Preußen kaum vorgekommñen sein. Aus Tondern wird gemeldet, daß die Kommission sce­gen ungünstigen Windes und Wasserstandes mit dem Dampfer im Wattenmeer zwischen Sylt und dem Festlande stecken blieb und Tondern nicht erreichen konnte. Die Be­hörde mußte die Aushebung in Tondern verschieben.

Es gehörte Mut dazu, kaum ein Jahr nach der großen Schau von St. Louis schon wieder zu einer Weltausstellung einzuladen. Das kleine, aber industriereiche Belgien hat ihn gehabt, und sein Ruf ist nicht ungehört verhallt. Alle, alle kamen, und voran mit gewohnter militärischer Pünkt­lichkeit die deutschen Aussteller, die schon jetzt im großen und ganzen Vollendetes bieten, trotzdem die offizielle Er­öffnungsfeier erst übermorgen stattfindet. Um so größere Triumphe wird die deutsche Industrie in der ersten Aus­stellungsperiode feiern können, wenn die anderen erst lang­som hinterherklappen". Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Taß die deutschen Aussteller dank ihrer Pünktlichkeit hoffen dürfen, ihre Anstrengungen durch Anknüpfung lohnender Handelsbeziehungen belohnt zu sehen, das liest man in eng­lischen Fachzeitschriften deutlich genug zwischen den Zeilen, in denen der Nachlässigkeit der eigenen Landsleute die deutsche ausgezeichnete Bereitschaft als leuchtendes Muster entgegengehalten wird.

=[ Ein Meisterschütze.] Dieser Tage starb im Alter von 62 Jahren Heinrich Knecht von St. Gallen. Er gehörte zu den Männern, die den schweizerischen Schützenruhm ins Aus­land getragen haben. In seiner Glanzperiode in den 70er Jahren war Knecht Lei den deutschen und öster reichischen Bundesschießen der gefürchtetste Schweizerschütze. Im Schnellschießen erreichte ihn feiner.

freudiges Lächein oder ein Stirnrunzeln, daß sich bis zum Zähnezusammenbeißen steigern fann, wenn die Kurse geftirgen oder gefallen sind.( Fällt uns bei dieser Gelegenheit ein alter, aber guter Wig ein. Das Alter der Wize soll ja ein untrüglicher Bradmesser für ihre Qualität sein: das zwölf­jährige Bantiere söhnchen fragt den Papa:" Was sind denn eigentlich Kurse?"-Kurse", antwortet der Alte be­deutungsvoll, Kurse sind wie die Lawinen, mein Sohn, fortwährend gehen sie rauf und runter!") Dann werden die Handelstelegramme überflogen. Wie New- York Weizen notiert, Antwerpen Petroleum und New Orleans Baumwolle, ist ihm wichtiger als die Ergebnisse der neuesten Unters suchungen über den Kreislauf des Blutes, Chicago Schmalz und Glasgow Roheisen interessieren ihn weit mehr als die run änische Budgetdebatte und der Prozeß Murri- Bonmartini. Nur dec Krieg, Handelsvertragsdebatten, Streifnachrichten werden furz gestreift. Erledigt.

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Der Gelehrte. Er hält" nur eine Tageszeitung, er liest sie eigentlich fast gar nicht. Er will uur in den Tagesfragen auf dem Laufenden gehalten werden. Sein Hauptgebiet ist das Feuilleton und die wissenschaftliche Bei­lage. Nach Tisch. Langsam wandert sein Blick von Zeile zu Zeile. Dann setzt er sich an seinen Arbeitstisch und schreibt der Redaktion der Zeitung einen mehr oder weniger geistvollen Brief, indem er sich leider nicht in allen Punkten mit den Anschauungen des geehrten Herrn Artikelschreibers einverstanden erklären fann, nachdem er auf rund ein­gehender Untersuchungen zu einer entgegengesetzten Auf­fassung gekommen ist." Er ist als Leser der Schrecken der Caféhausbesucher am Nachmittag." Grenzboten"," Bufunft", Neue Deutsche Rundschau"," Dokumente der Frauen", alle Wochen- und Monatsschriften ernsten Inhalts sind nicht er­reichbar, solange er anwesend ist. Vor dem Schlafengeheu nimmt er ein paar fettgedruckte Kriegsdepeschen zu sich, deren Inhalt eher das europäische Gleichgewicht als sein eigenes zu stören imstande ist. Die Wissenschaft ist inter­national. Schluß!

=[ Der Invalide mit dem Wachskopf".] Die Pariser Blätter bringen lange Berichte über einen Kämpfer aus dem Striege 1870/71, der jetzt seine Aufnahme in das Invaliden­haus nachgesucht hat. Moreau- so heißt der arme Inva­lide wurde in der Schlacht bei Bapaume durch eine Gra­nate lebensgefährlich verwundet: die Augen, die Nase, ein Teil der Wangen und die Lippen wurden ihm weggerissen, so daß von seinem Gesicht nicht viel mehr übrig blieb als ein blutiger Fleischfeßen. Man brachte den gräßlich entſtellten und seines Augenlichtes beraubten Soldaten in ein Hospital, aus welchem er im Jahre 1872 als geheilt" entlassen wurde. Die Heilung bestand darin, daß ein bedeutender Chirurg die fehlenden Gesichtsteile durch eine geschickt konstruierte Maske aus Wachs und Silber ersetzt hatte; die blauen Augen wurden aus Email hergestellt. Moreau, der einiges Ver­mögen besaß, widmete sich nach seiner Genesung mit Eifer dem Angelsport und brachte es darin troß seiner Erblindung zu einer großen Kunstfertigkeit. Vor einigen Jahren wider­fuhr ihm von neuem großes Leid: eine seiner Töchter wurde von einem Landstreicher vergewaltigt und ermordet. Seit­dem ist dem alten Manne das Leben eine Qual, und darum will er den Rest seiner Tage unter Kameraden im Inva­lidenhause verbringen.

Vorläufig ist es bei dem unvollendeten Zustand der einzelnen Länder verfrüht, in Einzelheiten über den natio­nalen Wettbewerb einzugehen. Dieser wird besonders auf dem Gebiete des Berg- und Hüttenwesens, des Maschinen­baues und des Verkehrswesens voraussichtlich bisher Un­erreichtes bieten. Bei der Eröffnung, die übermorgen durch das belgische Kronprinzenpaar stattfindet, wird sich aller­dings ein beträchtlicher Teil der riesigen Maschinen noch nicht bewegen. Aber beim Besuch König Leopolds, der am 11. Mai erwartet wird, nimmt man an, daß sie dann mit wenigen Ausnahmen stampfen und ihre Räder und Rad­then drehen werden, daß die Schlote rauchen, die Wege überall säuberlich gefegt und die meisten Kisten, die jetzt noch in Fülle herumstehen, säuberlich ausgepackt sein werden.

Neue Untat der Hannoverschen Kindesmörder. Den Mordgesellen Büther und Paul, die in Hannover der Er­mordung zweier kleiner Mädchen überführt sind, ist ein neues bestialisches Verbrechen nachgewiesen. Der Gemeinde­polizist in Ricklingen hat sie als die Personen ermittelt, die im Ridklinger Holze bei Hannover an dem Tage sich herum­trieben, als dort an einem Knaben ein schändliches Ver­brechen verübt wurde. Der mißhandelte Knabe hat in Paul den Täter erkannt. Dieser leugnet allerdings die Tat.

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Diverse. Der kleine Mann: Liest nur nach dem Abendessen seine Zeitung, aber gründlich, vom ersten Bach staben des redaktionellen Textes bis zum letzten Wort im Annoncenteil. Ist sich bewußt, daß er das Blatt, bezahlt" und berechtigt ist, mitzureden. Unterschreibt sich bei Zu­schriften an die Redaktion mit langjähriger Abonnent". Benutzt jede Woche den Briefkasten. Der Backfisch: Hauptinteresse: Verlobungsanzeigen", Ein furchtbares Unglück ereignete sich...", Von einer pikanten Che­irrungsaffäre berichtet man uns aus Der Be amte: Personalien, Ernennungen, Auszeichnungen, Ver­fügungen aus dem Reichsanzeiger", Parlamentsberichte über Gehaltsaufbesserungen. Die Hausfrau: Roman, Familienanzeigen, Modebericht, Tagesneuigkeiten, Annoncen. Die Köchin: Vergnügungsanzeiger, blut ge Raubmorde. Der Journalist: Ueberschrift, Fettdruck, Sperrdruck, Stichworte. Fertig.

den In geistreicher Manier zeichnet ein Natas- man wohl richtiger beim Schopf packt und von hinten als Satan lieft in dem Frankfurter General Anzeiger" einige Freilichtbilder des Zeitungslesers. Nachdem er kurz darauf eingegangen ist, daß man den Charakter der Menschen und sich selbst nach der Schädelbildung und den Finger rägeln, nach den Handschuhen und der Fußbekleidung, nach der Schnurrbartform und den Schriftzügen und nach hundert anderen charakteristischen Merkmalen" mit dem Erfolge beurteilt, daß man selbst seine ächste Umgebung nicht genau fennen lernt und sich nach hundert schlimmen Er­fahrungen zum hundertersten Male wieder täuscht, frägt er ganz mit Fug und Recht: Warum soll man ihn nicht vielleicht mit mehr Berechtigung auch nach der Art beurteilen, wie er seine Zeitung list? Wir wollen uns ein paar Typen betrachten:

Am weitesten fortgeschritten ist, wie es stets bei Ausstel­lungen der Fall zu sein pflegt, die Vergnügungsabteilung. Deren Clou ist nach den berühmten Vorbildern ,, Alt- Wien" und Alt- Paris" ein Alt- Lüttich. Die alt- fürstbischöfliche Residenz, die hier in bemalter Pappe und Zementbauten wieder erstanden ist, bietet ein reizendes Bild. Schöne Kirchen und Klöster, eigenartige Denkmäler und Brunnen, furiose Plätze und Straßen zaubert es aus der Vergangen­heit herauf. Wenn erst Bürger und Bürgersfrauen in den Trachten verschollener Jahrhunderte Alt- Lüttich" beleben werden, wird dieses sicher eine große Anziehungskraft auf die Fremden ausüben. Auf den breiten Rücken der Maas und Durthe, die sich dicht am Ausstellungspark vereinigen, sollen Hunderte von Gondeln schwimmen und glänzende vene­zianische Nachtfeste abgehalten werden. Durch die kolonialen Sonderausstellungen Frankreichs und Belgiens wird das Bild buntere, fremdartigere, erotische Farben erhalten. Ein indianisches und ein senegalisches Dorf werden gebaut, die Rothäute, beziehungsweise Schwarze besiedeln werden. Auch die mongolische Rasse fehlt nicht, und ein chinesischer und ein japanischer Pavillon, wo zierliche Mongolinnen den Tee servieren, werden gewiß jederzeit viel besucht sein.

Das gastfreundliche Lüttich darf sich ohne Frage auf einen ansehnlichen Fremdenzuzug vorbereiten. Es ist auch der rich­

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Alle- den lokalen Teil!

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Da liegt der Hase im Pfesser: Alle lesen den lokalen Teil, ob sie Politiker, Kaufleute, Gelehrte, Journalisten, Bauern, Backfische, Hausfrauen oder Köchinnen sind, ob sie ihr Blatt aus Liebhaberei oder Geschäftsinteresse lesen, alle finden sie sich auf der breiten Grundlage des lokalen Teils einträchtiglich beieinander. Eine Zeitung, die ihrem lokalen Teile nicht die liebevollste Sorgfalt widmete, würde sich selber den Todesstoß geben, und umgefehrt entzöge sich jeder Zeitungsl e ser den festen Boden unter den Füßen, der das Lokale" verschmähte. Das Lokale" st ht an erster Stelle, die die anderen Rubrifen reihen sich ihm nur ergänzend an. Lese da her jeder vor allen Dingen eine Lokal Zeitung, eine 3- itung also, die ihm seine unmittelbarfte Umgebung in ihrem Tun und Treiben, ihren Ausflüssen und Bewegungen vorführt!

Der Politiker. Er liest sein Parteiblatt. Früh morgens, noch ehe er sein Kaffee trinkt. Im Bett. Zuerst den Parlamentsbericht. Flüchtig schweift sein Auge über den tieinen, engen Druck. Nur Namen, gesperrte Stich­worte aus den Reden der Parteigegner, langsamer die Aus­führungen seiner politischen Freunde. Dann die politischen Depeschen. I zt ein farzes Aufatmen, er legt sich bequem zurecht, weil ihm in der Haft der Lektüre der rechte Arm, auf den er sich stüßte, eingeschlafen ist, faltet das Blatt und beginnt zum zweitenmale das Studium des Parlaments, berichtes. Kein Wort entgeht ihm jest. Mit einem behag. lichen Lächeln quittiert er die Ausfälle seiner Parteigenossen, mit spöttischem Auge überflegt er die Ecwiderungen der Andersgesinnten und folgt nachdenklich und überlegend den

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Lokales.

*** Ueber die geplante Oftroi- Erhöhung in Gießen ist gegenwärtig die allgemeine Stimmung nicht die beste. Man erkennt ja an, daß Mittel und Wege geschaffen und gefunden werden müssen, um das in dem Vor­anschlag 1905/06 vermerkte Defizit von 45 000 Mt. zu decken, allein die breite Bürgerschaft, die Gewerbetreibenden vor allen Dingen, die neben ihren Staats- und Gemeinde steuern auch die Gewerbesteuer aufzubringen haben, fträubt sich gegen eine Vermehrung der indirekten Steuer. Man i auch in der Bürgerschaft darüber keineswegs erbaut gewesen, daß in letter Stadtverordnetenversammlung bereits ein Ent wurf über Oftroierhöhung seitens des Oberbürgermeisters Mecum auf der Tagesordnung und damit quasi zur Be­ratung und event. Beschlußfassung vorgelegt worden war! kätte denn vorher nicht erst eine interne Vorberatung stattfinden können? Vielleicht wären da noch einige andere Auswege vorgeschlagen worden, welche der näheren Prüfung auf ihre Ergiebigkeit hinsichtlich der Steuern wert sind.

In recht anerkennenswerter Weise hat auch dieses Mal unser Bürgerverein die Offensive ergriffen und für morgen Donnerstag Abend 8% Uhr nach dem Neuen Saalbau eine allgemeine Bürgerversammlung einberufen, in welcher die Oftroi Erhöhung näher besprochen werden soll. Im engeren start interessierten Kreise hat mar bereits gestern Abend darüber beraten und soweit uns mitgeteilt wird, wünscht und erwartet man, daß der Entwurf zu Falle kommt, man ist gegen eine Erhöhung.

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Ausführungen der Regierungsvertreter. Ha, ha, ha," Bürgerverein bleibt auch dieses Mal seinem Prinzip treu landwirtschaftli und wird bei der großen allgemeinen Bürgerversammlung nur der Vermittler sein, will nur aufklärend wirken. Die einzelnen Bürger, die ein Interesse an dieser lokalen Frage haben, mögen darum alle erscheinen und offen ihre Ansichten zum Ausdruck bringen.

" Blödsinn"," Sehr richtig" sind die Zwischenrufe mit denen er die L- ftitre begleitet. Beim Morgenkaffee, der inzwischen zum Eskaffe geworden ist, wird noch der Leitartikel, die innere und auswärtige Politik studiert und er ist fertig mit seinem Blatt.

Der Kaufman n. Trägt seine Zeitung in der inneren Brusttasche des Rockes. Liest sie in der Trambahn. Zuerst die Konkursnachrichten. Er atmet erleichtert auf und zündet sich die Morgenzigarre an. Izt das Kursblatt, das ihm die Stimmung für den ganzen Tag gibt. Ein selbstbewußtes,

In den einzelnen Gewerbefreisen, z. B. der Bäcker, Mezger, Gastwirte 2c., werden heute Petitionen auß gearbeitet und morgen der Stadtverordnetenversammlung zugesandt, in welchen ebenfalls gegen eine geplante Gr höhung des Oftrois Stellung genommen wird.

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