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Insertionspreis: Die einfpaltige Betitzeile für ganz Ober­beffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Bfg. fonit 15 Pig. Reklamen die Betitgeile 30 refp. 40 Pfg.

Redaktion u. Haupterpedition: Gießen, Seltersweg 83. Fernsprochenschluk Nr. 362.

Donnerstag, den 25. Mai 1905.

Gießener

14. Jahrgang

Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Bfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Wf. 1.50. Gratisbeilagen: Obe beffische Familienzeitung( täglich) und die Gietener eifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint on ollen Werftagen nachmittags.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Volizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Vom Hufftand in Südwestafrika.

Troßdem der Ernst und die Energie, mit denen unsere Truppen und ihre Führer sich in dem Aufstandsgebiet um die Herstellung geordneter Zustände bemühen, die besten Resultate gezeitigt haben, fann doch von einer vollständigen Beruhigung leider noch nicht die Rede sein. Der organi­fierte Widerstand geschlossener und bedeutender Ansamm­lungen von Rebellen ist vor dem heldenhaften Ansturm der deutschen Kämpfer zersplittert, nur aber in den Klippen und Schluchten der unwirtlichen südafrikanischen Sandwüste entziehen sich die einzelnen Banden andauernd der Un­schädlichmachung und gönnen den verfolgenden Expeditions­truppen feine Ruhe.

Die in den letzten Tagen eingelaufenen amtlichen Nach­richten berichten Ausführliches über die letzten Kämpfe. Morenga geschlagen.

So gelang es Hauptmann Siebert am 19. Mai umweit Hasnur, den Bandenführer Morenga und den Kapitän der Veldschoendrager Hans Hendrik mit 150 Hottentotten nach einem Gefecht von vier Stunden zu schlagen und über die englische Grenze zu werfen. Die englischen Grenzsoldaten entwaffneten die flüchtigen Aufständischen.

Bei Kowes fanden neuerdings mehrere Gefechte gegen starke Banden statt, die unter dem Befehl Samuel Isaaks standen. Der Feind erlitt erhebliche Verluste und mußte unter Zurücklassung von vielen Toten und Gewehren weichen. Major Täubler und Hauptmann bon Koppy ſegen dem Bethanierhäuptling Cornelius in der Richtung der Karasberge nach und erbeuteten eine Menge Vieh. Der Hererokapitän Andreas wurde von der Ersatz­

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wird hart verfolgt. Noch längere Zeit wird wahrscheinlich bergehen, bis man von dem gänzlichen Erlöschen des Auf­standes reden kann, noch mancher brave Krieger wird sein frühes Grab in den wasserlosen Einöden des ausgedehnten Operationsgebietes finden und auch die Ansiedler müssen ständig auf der Hut sein, um nicht durch marodierende Herero überfallen und ermordet zu werden. An die ersten Tage des Hereroaufstandes wurden sie in schrecklicher Weise im April wieder erinnert durch

die Ermordung einer deutschen Frau

in der Gegend von Okahandja unweit der Eisenbahn. Der Farmbetrieb war dort bereits zum großen Teil wieder auf. genommen. Auf der Farm eines Herrn Schenkel lag anfangs eine Besatzung von sieben Mann, die ihm aber entzogen wurde, da er wegen eines angeblichen Bestechungsversuches mit den Behörden in Zwistigkeit geriet. Auf der Farm ar­

beiteten eine Anzahl Herero. Schenkel verließ am 5. April mittags seine Farm, um Geschäfte abzuwickeln. Abends gegen 7 Uhr erhielt er von einer Militärstation ein Tele­gramm, nach dem ein blutender Bergdamara die Nachricht gebracht habe, die Farm sei von den Herero überfallen worden. Von der Station wurde eine Streifwache ausge­jandt, mit der Schenkel morgens um 3 Uhr sein Anwesen erreichte. Ein gräßlicher Anblick bot sich den Näherkommen­den. Das Farmhaus war vollständig ausgebrannt. In­mitten von Asche und glimmenden Holzteilen lag die Leiche der Frau Schenkel, vollständig entkleidet. Der Körper war mit zahlreichen Wunden bedeckt, eine tiefe Verletzung im Genick hatte den Tod herbeigeführt. Einer der Diener, ein Hottentotte, war gleichfalls erschlagen, während das drei Monate alte Kind lebend gefunden wurde. Die Streifwache fonnte das geraubte Vieh wieder zurückbringen, dagegen waren die feigen Täter nicht zu stellen. Aller übrige Besitz in der Farm war weggeschleppt oder zerstört. Wie sich später herausstellte, hatten sich erst einige spionierende Herero ein­gestellt, die Arbeit und Kost verlangten. Als sie sahen, daß die Farm ungeschützt war, holten sie eine sechszehn Mann starke Bande herbei und diese sette das grausame Werk in Szene. Herr Schenkel ist der Meinung, die Herero würden sich niemals ergeben und mit ihren Untaten nicht aufhören, ehe sie vollständig vernichtet wären. Der unglückliche Mann behauptet auch, die Farmer würden vielfach nicht genügend geschützt durch die Militärverwaltung. Diese wird aber wohl nach bestem Ermessen verfahren, und die Klagen eines ein­zelnen dürfen nicht als Maßstab genommen werden.

Die Strapazen der Afrikakrieger

find wahrhaftig feine allzu kleinen. Der deutsche Soldat ist nach dem übereinstimmenden Urteil eingesessener Europäer den Kaffern an Mut und Bewaffnung weit überlegen; doch verfügt der Feind über eine außergewöhnliche Beweglich­fcit, kennt das Land und weiß sich mit den geringsten Hilfs­quellen lange zu erhalten. Wie sehr aber im Treffen selbst die äußerste Anspannung gefordert wird, erhellt aus brief­lichen Mitteilungen von der Front. So berichtet ein Kriegs­freiwilliger über ein Gefecht:

,, Es gab kein Ausschivärmen wie in Deutschland, jeder deckt sich, so gut er fann, auch ertönt kein Kommando, alles durch Zeichen, denn die Witbois sind ausgezeichnete Schützen, und sobald sie einen Kopf sehen, der ist verloren. Nach sieben Stunden zwangen wir den Feind zum Rückzuge, was in voller Flucht geschah. Die gefallenen Hottentotten ließen wir liegen, die Leichen werden von Schakalen und Aasgeiern aufgefressen. Das Schlimmste war, daß wir kein Was­ser hatten; wir litten furchtbar unter dem Durst, am meisten die armen Verwundeten. Die Wasserlöcher sind oft von den Schwarzen durch tote Tiere verunreinigt. Auch das Wasser, was wir trinken, stinkt oft und ist schon ganz ver­fault. Auch ist der Proviant oft knapp, weil es zu beschwer­

Der Eselsmüller und die Falschmünzer. Brot gearbeitet hätte, dann, als ich Gelegenheit fand,

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Von Gustav Rohleder, Grünberg i. H.

Alle Rechte vorbehalten.

( Nachdruck verboten.) Nach einer guten Nacht bestiegen beide Beamte des deren Tages die Frankenburger Post, um nach Condorf fahren. Gingehend sprachen sie noch einmal ihr Aben­euer in der Mühle und ihren so jäh geendigten Esels­fitt durch. Dem Eselsmüller fonnten sie feine Schuld daran zu messen. Derselbe konnte, man wußte es ja nicht, zerschmettert im Walde liegen. Doch sie waren froh, so noch davon gekommen zu sein.

" Elende Esel, das", so faßte der Kreisrichter seine Betrachtungen zusammen." Eigenbrod, halten Sie Ihr Maul, sonst werden wir zu unserem Abwurf noch lange Zeit den Spott tragen müssen."

Eigenbrod schwieg um seiner selbstwillen. aber war der Falschmünzer, so fragten doch beide auf der langen und schneckenartigen Postfahrt?

Der Eselsmüller ritt vom Gosberg herunter bis an das Zollhaus. Dort stellte er seine drei Esel in den thm befannten Stall, ging ins Zollhaus und setzte sich an den Wirtstisch.

Na Eselsmüller, Ihr seid ja dreispännig geritten", so sprach der Zollhausverwalter Stuhlmann. " Ja", gab der Eselsmüller zur Antwort. Hier muß ich mich doch als Eselsmüller zeigen. Meine sämtlichen Esel begleiten mich, wie Euch Euere Hunde." Eselsmüller", redete ihn Stuhlmann an, wir fennen uns, und sind jetzt hier allein. Habt Ihr nicht wieder irgend einen Teufelsstreich ausgeführt? Gesteht es nur, Ihr wißt, ich habe Guch lieb um Eurer Eltern willen. Dieseben haben an mir armen Jungen große Barmherzigkeit getan. Damals als ich als eine arme Damals als ich als eine arme Waise hätte verhungern müssen, da nahm mich der Eselsmüller in sein Haus, Ihr waret damals noch nicht geboren. Er gab mic Lohn, obwohl ich gerne nur ums

nach Amerika zu kommen, schenkte er mir mir auch noch das Reisegeld, um auf einem Dreimaster fahren zu fönnen. Eselsmüller, so etwas vergißt man nicht. Doch davon jetzt genug. Gott wird es ihm schon ge­lohnt haben. Vor etwa einer Stunde kam der junge Kernein, tranf seinen Halben und erzählte mir, Ihr fämt in Begleitung des Kreisrichters von Condorf und des alten Eigenbrod noch geritten. Ich habe mir, als Kernein fort war, gesagt, zum Heumachen oder zum Pflanzensetzen reiten diese Herren den elenden Waldweg nicht, noch dazu auf des Eselsmüllers Esel. Dieser Ritt hat etwas zu bedeuten. Eselsmüller, sagt mir, altem Kerl, es offen. Ich habe Euch lieb wie einen Sohn, habe auch schon sehr viel von Euch gehört, glaube es aber nicht. Der Sohn meines alten Wohltäters fann nicht so schlecht sein."

Dieser

" Habt Dant, Stuhlmann, für dieses Wort", ent­gegnete gerührt der Eselsmüller.

" Ja hört, Müller, so setzte der alte Stuhlmann seine Erzählung fort, ich habe viel erlebt, und bin ait und grau geworden. Ich war Matrose, zuletzt Steuer­mann, jetzt bin ich eine alte lendenlahme Landratte. Meine Fünfundsiebenzig habe ich seit Ostern hinter mir. Jezt siß ich hier, ziehe den Schlagbaum zu und auch des Nachts auf, wenn der Dielhof, der arme Jude, Ihr kennt ihn ja, mit einer schiefen oder buckeligen Kuh noch herein will. Wenn es Euere Esel wären, wahr­Haftig, die fröchen unter dem Schlagbaum durch, die haben's gelernt. Aber die armen halbverhungerten Kühe des Dielhof müssen gezogen werden, damit sie nur fort können. Er schämt sich, dieselben bei Tage durch die Stadt zu führen, deshalb kommt er stets des Nachts. Ja, so ist es Eselsmüller, um einen Sechser muß ich Licht machen und hinausgehen, glaubt Ihr, mir würde das Spaß machen bei meinen alten lahmen Knochen. das Spaß machen bei meinen alten lahmen Knochen. Doch bin ich froh, daß ich dieses Plätzchen habe, nach­dem ich bei einem Schiffbruch nur das nackte Leben

lich ist, ihn heranzuschaffen mit esel und Schsenwagen; oft gehen die Räder bis an die Achsen im Sande. Hier sind am Tage 40 bis 50 Grad( Celsius) Hiße und nachts bis zu 2 Grad Kälte. Man fällt fast aus den Sachen, so zerrissen ist alles, wir laufen ziemlich barfuß, viele haben die Sohlen mit Bindfaden angebunden."

Trotz dieser unsäglich beschwerlichen Kriegführung mit einem verschlagenen und heimtückischen Gegner, der weder den gemeinen Mord, noch die verwerflichsten Mittel scheut, find die deutschen Soldaten guten Muts und brennen dar­auf, im Dienste ihres Vaterlandes das Aeußerste zu leisten. Das deutsche Voit hat alle Ursache, ihnen dankbar zu sein und darf sit Stolz auf seine unter der sengenden Sonne Afrikas kämpfenden und leidenden Söhne sehen.

Der Krieg in Oftafien.

Alles scheint darauf hinzudeuten, daß sich auf dem Band­friegsschauplatz große Operationen vorbereiten. Man er wartet gleichzeitig entscheidende Schläge gegen Charbin und Wladiwostok. Aus Tokio werden über die Lage in der Mandschurei

die folgenden interessanten Einzelheiten gemeldet:

Der Bau der Eisenbahnstrecke Kirin- Chanchun ist voll­endet und eine breite Straße ist nach Süden hin angelegt zur Beförderung von Vorräten. Die Eisenbahnverbindung von Dalny nach Mukden ist wiederhergestellt. Die japa­nische Armee ist verstärkt worden und jetzt wieder ebenso stark, wie sie es vor der Schlacht bei Mukden war. liegen Anzeichen vor, daß die Russen an der Grenze der Mongolei und ebenso in der Richtung auf Sinminting Tätigkeit entfalten.

Wie es heißt, sollen die Operationen gegen Wladiwostok von der Landseite ebenfalls bereits energisch eingesetzt haben. In London wird behauptet, daß streifende japanische Trup­penteile die Eisenbahnstrecke, die Wladiwostot mit Sibirien und Europa verbindet, auf längere Strecken hin zerstört ha­ben. Aus Petersburg wird das zwar prompt dementiert, aber das beweist noch lange nicht, daß nicht ein Körnlein Wahrheit daran sein sollte.

Sonst ist nur noch eine Meldung von Interesse, wonach sich die Flotte Togos

noch immer auf der Höhe von Masampo in der Meerenge zivischen Korea und der Tschuschima- Insel, befinden soll. Das würde darauf hindeuten, daß Togo mit Angriffen gegen die Russen warten will, bis diese östlich um Japan herumgefah­ren sein und auf Wladiwostot zusteuern werden. Daß Roschdjestwenskys Flotte, menigstens zum Teil, bereits in den Stillen Ozean eingelaufen ist, wird von neuem als fest­stehend bezeichnet. Authentische Meldungen stehen aber nach wie vor aus.

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retten konnte. Eselsmüller, Ihr seid ledig und reich, teilt mit mir, Ihr verdient einen Gotteslohn doch was fasele ich alter Narr, ja, ja, ich werde alt und ge­schwäßig, wie sich oft meine Alte über mich äußert."

Der Eselsmüller brach in ein schallendes Gelächter aus, ein Lachen, wie es lange nicht mehr über seine Lippen gekommen war. Ja, das war die kindliche Natur des Zollhauswächters.

" Stuhlmann", rief er dann, erst einen Nordhäuser, nachher reden wir von Reichtum und Teilen."

Still Eselsmüller, ich habe keinen Nordhäuser, nur Lichtenfelser Fusel und Wolfersdorfer Licht.""

" Gut, alter Freund, feinen von beiden mag ich, lieber Ederwasser. Den ersten mögen die Dalwigter felbft trinfen, und den letzten die Schweinsberger, dürfen dann auch das bon" vor ihre Namen sehen. Zu solchem Gesöff ist der Eselsmüller zu dumm."

Still", erwiderte ihm Stuhlmann, ich sehe mehrere Herren kommen." Der Eselsmüller stand auf, um fort zu gehen.

,, Seid fein Narr, Eselsmüller, wir fennen uns", rief ihm Stuhlmann zu, als er sah, daß er fort wollte. Ihr kennt mich, und ich kenne Euch. Daß Ihr der Lieferant des Nordhäusers seid, weiß ich vom Sonnen­wirt, der gibt mir von Zeit zu Zeit eine Flasche ab. Ihr wißt, ein alter Matrose und Steuermann kann das Lutschen nicht lassen. Hier habt Ihr, was Ihr wollt", damit griff er in eine Ecke und gab dem Eselsmüller die Flasche. Seht hier das Schubfach, da ist sie ver­borgen, meine Alte weiß selbst nichts davon, sonst macht sie alles aus, wie die Weiber-nun Ihr wißt dieses nicht- uns stets an Klugheit über sind. Wir Männer sind in deren Angen nur Tölpel, doch was schwabe ich wieder, ach das Alter, so meint meine Frau inimer. Kann ich etwas dafür, daß ich alt geworden bin? Na schenkt Euch nur einen Ganzen ein, Eselsmüller, ich habe doch noch genug."

( Fortsetzung folgt.)