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Nr. 276.
Jasertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberbeffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg. Reklamen die Petitzelle 30 resp. 40 fg.
Rebattion u. Haupterpedition: teßen, Seltersweg 88. Fernsprechanschluß Nr. 362.
Donnerstag den 23. November 1905
Gießener
14. Jahrgang
Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährl. Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen, des Großh. Polizeiamtes Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
** Bei den fortgesetten haibamtlichen Veröffentlichungen werden nähere Ausschlüsse über die Reichsfinanzreform, im besonderen über die geplante Besteuerung des Biers und des Tabats gegeben. Die norddeutsche Bierbesteuerung soll mit der wesentlich höheren süddeutschen mehr in Einklang gebracht werden. Um die kleinen Betriebe zu entlasten, ist Staffelung vorgesehen. Surrogate für obergäriges Bier werden verboten mit Ausnahme von technisch reinem Zucker, die Eingangszölle für ausländische Biere erhöht. Für Tabat wird eine Erhöhung der Gewichtszölle für Rohtabat vorgeschlagen, ferner erhöhte Eingangszölle für ausländische Fabrikate und Stempelsteuer für 8igarettenpapier.
* Prinz Heinrich verließ an Bord des Linienschiffes Brausweig" Riel, um sich zu den Feierlichkeiten nach Christiania zu begeben.
* Gestern nachmittag um 3 Uhr fand auf dem Garnisionfriedhofe die Beerdigung der bei dem Untergange des Torpedobootes S. 126" verunglückten und bisher geborgenen Matrosen statt. Auf dem Friedhofe war eine nach Tausenden zählende Menschenmenge versammelt. In Der Kapelle des Friedhofes hielt Marineoberpfarrer Laubftein eine furze Andacht, an der die gesamte Admiralität, der Großadmiral v. Köster an der Spitze, die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden und die Angehörigen der Verstorbenen teilnahmen; dann setzte sich der Zug von der Kapelle aus in Bewegung.
** Minister v. Budde hat erklärt, daß das Einfuhrverbot für dänische Milch in Tankwagen baldigst wieder aufgehoben würde.
** In Deutsch Ostafrika fanden mehrere erfolgreiche fechte gegen die Aufständischen statt, wobei der Rebellenführer Hassan Buschir gefangen wurde.
Frankreich.
* Der König von Portugal traf gestern nachmittag um 3 Uhr in Paris ein. Er wurde von Präsident Loubet, Er wurde von Präsident Loubet, den Ministern und anderen Spigen der Behörden empfangen. Am Bahnhofe war eine Ehrenfompagnie aufgestellt. Der König und der Präsident fuhren durch ein Truppenspalier nach dem Ministerium des Auswärtigen, von der Bebölferung überall mit Hochrufen begrüßt. Der König von Portugal stattete um 5 Uhr dem Präsidenten Loubet einen Besuch im Elysé: ab.
Spanien.
* Der König ist gestern nachmittag wieder in Madrid eingetroffen.
* Aus zahlreichen Gegenden Spaniens wird eine Erneuerung der Krise gemeldet, da die Arbeit für die tausende von Arbeitern nicht ausreichend ist. Menschen und Tiere find durch Hungersnot mitgenommen. Die Preise für Nahrungsmittel und Viehfutter sind unerschwinglich. Die Stadtverordneten und Privatleute verteilen Hilfsmittel, doch erweisen sich diese der herrschenden Not gegenüber als unzulänglich.
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Orient.
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Zur Flottendemonftration gegen die Türkei. Falls der Sultan die Forderungen der Note nicht bewilligt, soll die Demonstrationsflotte nach Mytilene gehen, die dortigen Zollämter mit Beschlag belegen und, falls dadurch kein Erfolg erzielt wird, die Insel Lemnos besetzen und die Dardanellen blockieren. In Konstantinopel wird erzählt, das deutsche Stationsschiff habe an Bord außerordentliche Vorräte von Munition und Gewehren angehäuft. Der Sultan soll darüber höchst erregt sein und den deutschen Botschafter um Aufklärung gebeten haben. Im Yildiz tagte ein großer Ministerrat, um den Tert der Antwort auf die letzte Note der Mächte betreffend die macedonische Finanzkontrolle feftzustellen. Gut informierte Kreise wollen bereits wissen, daß die Antwort ablehnend lautet. In der englischen offiziösen Haltung zeigt sich bisher keine Aenderung.
* Die Antwort der Pforte in Sachen der makedontfchen Finanzkontrolle ist gestern Abend der österreichischSte ist in ungarischen Botschaft überreicht worden. allen Punkten ablehnend unter Hinweis auf die ottomanische öffentliche Meinung, mit Ausnahme des Punktes, betreffend die Zivilagenten. Die Pforte willigt in eine Berlängerung der Mandate derselben auf längstens 2 Jahre ein.
8. Sigung der Großh. Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und
Lauterbach.
( Protokoll Auszug.)
Lich, den 15. November 1905. Anwesend die Herren: Rommerzienrat Koch, Vorsigender, Dürbeck, Friedberger, Grünewald, Hoos, Ihring, Klingspor, Nowack, Ramsped, Röhr, Schmall, Stammler, sowie der Syndifus Dr. Knipper und Bureauvorsteher Bruchhäuser.
Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mit
zuteilen:
1. Daß die Handelskammer bei der Großh. Bürgermeisterei Gießen die Herstellung einer EisenbahnverBahn Herborn- Niederwalgern befürwortet hat. bindung von Gießen mit dem Aartale und der
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Ferner wurde dem Kaiserlichen Patentamt ein Gutachten stattet und ausgeführt, daß dieses Wort nicht zur Rennüber den Gebrauch des Wortes Mill" bei Papieren erzeichnung einer bestimmten Gattung von Papieren dient. Die guten Zugverbindungen auf der Linie Frankfurt a M.Fulda- Bebra nach Berlin und Mitteldeutschland lassen es wünschenswert erscheinen, daß diese Verbindungen auch dem Verkehr aus Westdeutschland mehr als bisher dienstbar gemacht werden. Dieses Ziel tann erreicht werden, wenn auf der Strecke Gießen- Fulda Schnellzüge verkehren, die eine rascheste Verbindung zwischen den Zügen der Linie Frank furt Fulda- Bebra einerseits und denjenigen der Mainweserbahn, Lahnbahn und der Linie Gießen- Siegen herFrankfurt a. M. hat deshalb für die nächste Tagung des stellen. Der Vertreter der Handelskammer im Eisenbahnrat Schnellzugpaares auf der Srecke Gießen- Fulda eingebracht. Bezirkseisenbahnrats einen Antrag auf Einlegung eines
2. Besteuernng des Tabaks. Die in der Deffentlichkeit wiederholt angekündigte Mehrbelastung des Tabats und seiner Fabrikate durch eine Erhöhung der Inlandsteuer und der Einfuhrzölle hat in den Kreisen der hiesigen Tabat- und Bigarrenindustrie eine lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Die Handelskammer erblickt in einer weiteren Besteuerung des Tabaks eine außerordentliche Schädigung der Tabal- und Bigarrenindustrie und ihrer Nebengewerbe und beschloß, in Uebereinstimmung mit dem Deutschen Tabakberein an die Regierung das Ersuchen zu richten, von jeder verein an die Regierung das Ersuchen zu richten, von jeder Mehrbelastung des Tabaks und der deutschen Tabakfabrikate Abstand zu nehmen.
3. Wahl der Beisiger und deren Stell. vertreter zur Durchsicht des Handelsregisters. Die Amtsdauer der Beisiger zur Durchsicht des Handelsregisters und deren Stellvertreter läuft mit Ende des Jahres ab. Für die Jahre 1906, 1907 and 1908 wählte die Handelskammer als Beisiger die Herren: Kommerzienrat S. Heichelheim, M. Friedberger und C. Röhr und als Stellvertreter die Herren C. W. Nowack, Kommerzienrat Schirmer, und W. Zurbuch.
4. Aufnahme von Fleisch usw. in den Spezialtarif für bestimmte Eilgüter. Von dem deutschen Fleischerverband und dem Verband deutscher Wurstfabrikanten ist wiederholt beantragt worden, für die Versendungen von Fleisch, Fleischwaren und frischen Ruttelwaren als Eilgut die Bahlung der gewöhnlichen Frachtgutfäße zuzugestehen. Diese Anträge sind von der Eisenbahnverwaltung mit der Begründung abgelehnt worden, daß die Fleischwarensendungen zumeist einen gewissen Luxuswert besigen und demgemäß die Gilfracht leicht ertragen fönnten. Die Handelskammer hat durch eine Umfrage bei einer Anzahl von Wurst und Fleischversandtgeschäften ihres Bezirkes festgestellt, daß die Breise der genannten Waren zum Teil niedriger sind als diejenigen verschiedener Güter des Spezialtarifs für bestimmte Eilgüter. Die Handelskammer beschloß deshalb, die Aufnahme von Fleisch usw. in den Spezialtarif für bestimmte Eilgüter zu befürworten.
5. Behandlung von Beschwerden in Zolltarifangelegenheiten. Der preußische Finanzminister hat eine Verfügung erlassen, wonach vom 1. Januar 1906 ab gegen die Entscheidungen der abfertigenden Amtsstellen in Bolltariffachen eine fortlaufende Beschwerde mit der Wirkung erhoben werden kann, daß sie zur Entscheidung des Ministers zu bringen ist, falls ihr nicht von einer der unteren Instanzen abgeholfen wird. Die Beschwerde ist in diesem Falle als„ fortlaufend zu bezeichnen". Da diese Anordnung geeignet erscheint, eine Erleichterung und Beschleunigung des Verfahrens in Zollstreitigkeiten herbeizu
führen, so hat die Handelskammer zu Offenbach angeregt, vom Hessischen Hantels fammertag aus den Erlaß gleichen Bestimmungen für das Großherzogtum Hessen zu befürworten. Die Handelskammer schloß sich dieser Anregung an. 6. Errichtung von Handelsinspektioner. Von dem Verband deutscher Handlungsgehülfen in Leipzig war die Handelskammer um Unterstüßung eines Antrages auf Einführung von Handelsinspektionen nach dem Muster der Gewerbeinspektionen ersucht worden. Die Handelskammer fonnte sich aber bis jetzt von einem Bedürfnis für die Errichtung einer besonderen fachmännischen Aufsichtsbehörde im Handelsgewerbe nicht überzeugen.
7. Eingänge.
a) Der Handelsfammer ist die neue Auflage des deutschen Reichs Adreßbuches zugegangen; Interessenten fönnen auf dem Sekretariat der Handelskammer Einsicht darin nehmen.
b) Ferner sind der Handelskammer von zuverlässiger Seite Mitteilungen zugegangen über den Ausfall der Kartoffelernte in den Vereinigten Staaten von Amerita und die Nachfrage nach Kartoffeln, sowie über zweifelhafte Firmen in Bufarest, Saloniti und Madrid. Interessenten erhalten Auskunft hierüber im Sekretariat der Handelskammer.
8. Im Anschluß an die Sigung folgten die Mitglieder der Handelskammer einer Einladung des Herrn H. Thring Firma fonnte vor einiger Beit ihr 50jähriges Bestehen zur Besichtigung seiner Brauerei und Mälzereianlage. Die feiern und hat sich aus kleinen Verhältnissen zu einer der ersten Brauereien Oberhessens emporgearbeitet. Die Bes sichtigung der ausgedehnten Anlagen zeigte, daß der Betrieb mit den neuesten technischen Einrichtungen versehen ist und Brauerei und Mälzeret schloß sich ein von Herrn Thring auf der Höhe der Zeit steht. An den Rundgang durch die den Teilnehmern dargebotenes Mahl an.
Lokales.
23. November 1905. Staatsminister Rothe, deu Finanzminister Gnauth und ben Der Großherzog empfing zum Vortrag dea
Geheimen Kabinetsrat Römheld.
** In den Ruhestand versetzt wurde der Eisenbahnaffistent in der Hessisch- Preußischen Eisenbahngemeinschaft August Böckler zu Gießen mit Wirkung von 1. Februar 1906.
PA. Poftdienst. Am Samstag, dem 25. d. Mts., dem Geburtstag des Großherzogs, sind die Postschalter nur wie an Sonntagen geöffnet, auch finden nur zwei Briefbestellungen, um 7,15 Uhr vormittags und 6 Uhr nachmittags, sowie eine einmalige Patetbestellung statt.
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*** Sämtliche 85 000 Lose der Hafsia- Lotterie" find abgesetzt worden. Die Ziehung findet am 4. Dezember auf dem Bußbacher Rathause stalt. Besizwechsel. Das Besitztum des Liebmann Reis, Weftanlage 25 und 27 zu Gießen ging durch Kauf für 66 500 Mart in den Besitz des Wagnermeisters Heinrich Spieß über. Die Kreisamts- und Amtsgerichtsdiener des Großherzogtums tagten am Sonntag behuss Besprechung beruflicher Angelegenheiten im Hotel Storch in Frankfurt.
Lang- Göns von Seiten der Sozialdemokraten vor*** Ein geradezu fündhaftes Wahlmanöver ist in genommen worden. Man schreibt uns:
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w. Ein bei den letzten Wahlen hier vorgekommener von den hiesigen siegesbewußten Sozialdemokraten als Wahlinteressanter 8wischenfall zeitigt noch ein Nachspiel. Dem Vereins, Maurerpolier C. Schäfer, welcher zugleich die mann aufgestellten Vorsitzenden des Lang- Gönser ArbeiterFunktionen eines Kriegervereins- Borstandsmitgliedes wahr zunehmen hat, wurde aufgegeben, sich wegen des Verstoßes gegen die Hassia"-Sagungen zu verantworten. Nach eingehender Beratung und politischen Auseinandersetzungen seitens des Vorstandes erklärte der von sozialdemokratischer Seite aufgestellte Wahlmann durch feierliches Handgelöbnis und Ehrenverpflichtung, daß er der Sozialdemokratie überhaupt garnicht angehöre und leider ohne sein Wissen und feinen Willen als sog. Wahlmanns- Kandidat hineingezerrt worden wäre. Daraus ersteht man wieder, mit welchen Waffen seitens hiesiger Sozialdemokraten gekämpft wird, um eine national gesinnte Persönlichkeit wie Schäfer ohne sein Wissen zum führenden Genossen der Lang- Gönser Genossen zu stempeln.
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