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Nr.69.
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Fernsprechanschluk Nr. 362.
Mittwoch, den 22. März 1905.
Gießener
14. Jahrgang
Abonnementspreis: abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Hans gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen vierteljährl. Mt. 1.50. Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) und die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
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( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeifung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.
Deutschlands Intereffen in Marokko.
Anläßlich des bevorstehenden Besuchs unseres Kaisers in Marokko wird uns aus politischen Kreisen geschrieben: Man erinnert sich, daß das englisch- französische Abkommen über Marokko im vergangenen Jahre zustande kam, während
fanälen und Sailer Wilhelm ſich auf längerer Mittelmeerfahrt befand, en bergiftet band Daß das Abkommen eine Ueberraschung für alle nicht u erzielen, ift direkt Beteiligten bildete. Keine angenehme Ueberraschung. Stadtgebiet lieg Denn das Abkommen verfügte über den noch freien Rest
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Nordafrikas ohne Berücksichtigung der Interessen Deutschland und Italiens. Die einzige Konzession, die diesen schandenhalber gemacht war, beschränkte sich auf die Bestimmung, daß innerhalb einer längeren Frist alle wirtschaftlichen und zollpolitischen Zugeständnisse Marokkos jedem Staat gegenüber Geltung haben sollten. Ein Einspruch " bezeichnet, ist nicht gegen dieses Abkommen war kaum möglich, schon weil von eute, die sich daran dem Abkommen den interessierten Regierungen gar nicht nterzuschlucken. mamtlich Kenntnis gegeben worden war. Selbstverständlich dem Wege der Ge sah man in dem Vorgang eine Beeinträchtigung deutscher en, ein Verbot des Interessen, und man verübelte dem Reichskanzler Grafen Bülowo sehr, daß er sie ruhig hingenommen hatte.
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Man hatte unrecht, als man solche Passivität bei dem deutschen Reichskanzler voraussette. Er machie bloß keine großen Worte, sondern wartete still feine Zeit ab, um wirffam einzugreifen.
Dazu bot das Vorgehen Frankreichs die passende Gelegen beit. Frankreich fühlte sich bereits als Erben nicht bloß, nein, als den Herrn von Marokko, gebärdete sich danach
er Arzt teilte fürzahren, in der er behandelte den Sultan wie einen Vasallen. Der Kaiser ern behandelt hat, von Marokko reagierte darauf mit Abweisung aller franösischen Vorschläge. Der französische Unterhändler war vielleicht der Meinung, daß seine Worte größeres Gewicht habem würden, wenn er zu verstehen gäbe, daß aus seinem Munde nicht bloß Frankreich, sondern ganz Europa spräche. Jedenfalls hatte man auf marokkanischer Seite diesen Eindruck, der möglicherweise auch gar nicht beabsichtigt, nur durch die Größe des Mundes hervorgerufen war. Der Sultan wollte sich bei dem deutschen Gesandten vergewissern, und erfuhr hier, daß die deutsche Reichsregierung an feinem Maroffo betreffenden Abkommen beteiligt, von solchem AbLommen nicht einmal offiziell unterrichtet sei, daß sie vielmehr die Wahrung der Integrität Marokkos für selbstverständlich halte.
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Ueberflüssig, zu sagen, daß der Sultan von Marokko über Diese Aufschlüsse hoch erfreut war. Die französischen UnterHändler fielen vollständig ab, der deutsche Einfluß in Marotto ist größer denn je. Das alles ist ohne Apparate erreicht worden, ohne schöne Geste", ohne jede Anmaßlichkeit, einzig durch schlichtes und würdiges Handeln. Wir glauben Fagen zu dürfen, daß dies der größte Erfolg der deutschen ährlich. Die fabel- olitik unter der Reichskanzlerschaft des Grafen Bülow iſt. ichen Schaden von
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Von Gustav Rohleder, Grünberg i. H.
Alle Rechte vorbehalten.
( Nachdruck verboten.) Der Esel trabte seinen ihm bekannten Stalle beim Gulen- Hannes zu. Dort traf nach einigen Stunden der Eselsmüller auch ein. Er streichelte sein Grautier, wußte, abgeworfen ist der Grenzjäger, aber nicht wo. der Gulen- Hannes frug, warum der Esel allein angebommen fet. Der Eselsmüller erwiderte:„ Ein Spaßbogel habe den Esel losgebunden und fortgetrieben". Damit war die Sache erledigt.
Wie sah es aber mit Neumeyer aus? Als er aus Heiner tiefen Betäubung erwachte, war es Nacht. Er mußte fich befinnen, was mit ihm geschehen set und wo war. Sein Bein schmerzte ihn entseßlich. Die Nacht war zwar nicht so sehr falt. Aber ein brennender Durst und zuletzt ein Wundfieber machten seine Lage gu einer traurigen und hülflosen. So lag er gegen morgen noch von Fieberfrost geschüttelt an demselben Blaze.
Waldarbeiter fanden ihn und brachten ihn mit Sülfe einer bald notdürftig hergerichteten Tragbahre nach Medelohn und von dort mit einem Wagen nach Medebach seinem Standorte.
Als Heiner des Kollegen Mahlheuer erfuhr, bebauerte er denselben doch, aber zu Knackwurst sprach et als sie darüber redeten:„ Der Teufel selber wagt Fig an den Eselsmüller nicht. Er würde auch genarrt olewir. Für die Zukunft geht kein Grenzjäger mehr an den Kerl, sie friegen alle Denkzettel. Neumeyer glaubte mir alten Burschen über zu sein mit seiner Beisheit. Mich hat der Eselsmüller, dieser Satansel in den Dreck gesetzt, den Neumeyer noch schlimmer. maafwurst, Kollege, gehen Sie diesem Eselsmüller nie in die Falle. Meinetwegen mag der Kerl treiben, was twill, ich frage nicht darnach. Eins steht fest, der
Daß Kaiser Wilhelm auf seiner jetzigen Mittelmeerreise am 31. März Tanger anläuft, steht wahrscheinlich mit den oben erwähnten Vorgängen in Zusammenhang. Nicht bloß auf des Sultan von Marokko Befehl, sondern aus aufrichtigem Herzen wird die Bevölkerung von Tanger den deutschen dankbar begrüßen.
Der Krieg in Oftafier
In rastloser Flucht, die stellenweise zu einem wahren Chaos ausgeartet sein soll, eilen die versprengten russischen Heeressäulen weiter dem Norden zu, hart bedrängt von den unermüdlichen Japanern, denen sich die Tschuntschusen und die chinesische Bevölkerung im Haß gegen die Russen zugefellt. Daß auch die Chinesen den Russen schaden, wo sie nur können, ist begreiflich, wenn man folgende Schilderung Szenen von dem russischen Rückzug
von
liest, die sich in der„ Nowoje Wremja" findet:
Die russische Armee geht unter leichten Nachhutgefechten zurück und befindet sich 40 Kilometer nördlich von Tieling. Beim Rückzug zerstören und brennen wir alles nieder, Brücken, Häuser und die Niederlagen in den Dörfern. Die Gerüchte von einer tiefen Umgehung der Japaner haben nachgelassen, offenbar weil die Chinesen uns nicht mehr dienen und offen auf die Seite der Japaner übergegangen und wir infolgedessen nur auf unsere eigenen Rekognoszierungen angewiesen sind. Selbst die chinesischen Dienstboten fliehen die Russen.
Der erste Teil dieses Telegramms, in dem von der Zerstörung und Niederbrennung der chinesischen Dörfer die Rede ist, bietet die beste Erklärung für die in dem letzten Teil enthaltene Nachricht von der neuen feindlichen Gesinnung der Chinesen gegen die Kussen.
Russische Krankenpfleger von Chinesen ermordet. Unter diesen Umständen kann die folgende Meldung auch nicht weiter Wunder nehmen. Es verlautet mit Bestimmtheit, daß der Hauptbevollmächtigte des Roten Kreuzes" Gudschkow sowie mehrere Aerzte und barmherzige Schwestern, die in Mukden bei den Verwundeten verblieben, Opfer der Chinesen geworden sind. Die Schwestern sollen vergewaltigt und darauf ermordet, auch die Verwundeten getötet worden sein.
Sonst liegen weiter keine Nachrichten ür neue Ereignisse vor. Dagegen eine ausführliche Schilderung über den feierlichen
Einzug der Japaner in Mukden,
der am 15. März erfolgte. Vom Südtore bis zu den Gebäuden, die als das Quartier für den Marschall und seinen Stab ausacfucht worden waren, bildeten Truppen der
zweiten Armee( Ofu) Spalier. Die Infanterie der Wache des Hauptquartiers, eine Kavallerieabteilung und ein Detachement Gendarmerie eröffneten den Zug. Dahinter folgte Oyama, in dessen Stab General Kodama und der Prinz Fukushima ritten. Dann folgte der Stab der zweiten Armee mit den Militärattachees. Die Spalier bildenden Truppen, die den heftigsten Kampf in der Schlacht auszuhalten gehabt batter, zeigten in ihrem abgerissenen Zustande deutlich deffen Spuren. Die Fahnen waren vollständig zerfetzt. Marschall Oyama machte einen gealterten Eindruck. Sein Gesicht war tief ernst und durchfurcht. Im Innern der Stadt hatte ihm der chinesische Vizekönig eine Anzahl schöner chinesischer Häuser zur Verfügung stellen lassen. Chinesische Soldaten und chinesische Polizei hielten das Volk zurück. Die Leibwache des Vizekönigs nahm an dem Einzuge teil, wobei sie japanische und chinesische Fahnen von gewaltigem Umfange frug. Die ganze Stadt war mit derartigen Fahnen geschmückt. Seitdem die Russen in Mukden eingerückt waren, hatten die Chinesen ihre Landesfahre verstecken müssen, denn die Russen duldeten nur die russischen Farben. Ueber 100 000 Chinesen sahen sich den Einzug an. Ihrer Gewohnheit gemäß zeigten sie keinerlei Erregung und verhielten sich vollständig ruhig.
Der Dank des Mikado.
Dem preußischen Generalmajor 3. D. Meckel in GroßLichterfelde ist vom Mikado in Anerkennung der großen Verdienste, die er sich um oie japanische Armee als Lehrer der Taktik erworben hat, eine hohe Anerkennung zuteil geworden. Ihm wurde das Großkreuz des Ordens des Heiligen Schatzes verliehen, eine der höchsten Auszeichnungen, über die der Kaiser von Japan verfügt. Die besten Taktiker der Japaner waren s. 3t. Schüler Meckels.
Die Schlacht bei Mukden.
Petersburg, 21. März.
Das gewaltige Ringen am Schaho und Hunho, das man unter dem Namen der Schlacht bei Mufden zusammenfaßt, hat längst mit dem Rückzug der geschlagenen russischen Armee nach Norden geendet. Aber erst jezt gelingt es, an der Hand privater Meldungen, die die dürftigen offiziellen Telegramme ergänzen und berichtigen, sid; ein zusammenhängendes Bild der ganzen riesigen Aktion zu konstruieren. Danach hat sich die denkwürdige Schlacht, die unbestritten als die größte der ganzen bekannten Kriegsgeschichte gelten darf, folgendermaßen abgespielt:
Kuropatkin war bei Beginn der Operationen über die äußerste japanische Rechte, ihren Anführer und ihre Stärke völlig im Unflaren. Jedenfalls glaubte er, es dort mit der Hauptmacht des Feindes zu tun zu haben, und nahm deshalb an, daß seine Rechte verhältnismäßig sicher sei. So warf er hastig große Truppenmassen nach dem linken Flügel, und Onama nahm die Gelegenheit sofort wahr. Er befahl
Der alte Weishaupt eilte jetzt fort aus der Esels
Kerl hat etwas Uebernatürliches an sich. Wäre ich nicht Setter, so würde mir der Kerl einen föstlichen mühle, eine geheime Angſt trieb ihn zu ſeinem Kohle. selbst
Spaß machen.
Neumeyer war sehr bald Invalide. Der Abwurf des Esels hatte doch zu stark gewirkt. Die anderen beiden Grenzjäger tranfen in Gemütsruhe den von der Behörde verdammten Nordhäuser weiter, ohne sich über den Einschmuggler weiter Gedanken zu machen.
Der Eselsmüller war von Medelohn heim geritten, dort angekommen, fand er Weishaupt und den Pfarrer auf ihn wartend. Was soll das bedeuten, frug er? " Ihr beiden erwartet mich, ich sehe es an Euren Gesichtern. Ja, wir erwarten Dich", sprach der Kohlenbrinner Weishaupt, heute war der Kappenschneider hier, Du kennst ja den Bossenreißer. Er erzählte, daß dem Rüsseler zu Nuttlar sein ganzer schöner Hof, Haus, Scheuer und Stallung abgebrannt sei. Sein ganzes Vermögen, auch sein Baargeld ist verloren. Das schrecklichste aber ist, seine eigene schöne und noch junge Frau ist die Brandstifterin. Es war ja bekannt, daß sie die lange Abwesenheit ihres Mannes zu allerlei Aus schweifungen benutzt hatte. Als sie alles entdeckt sah' nahm sie ihre Zuflucht zum Zuchthaus. Um schnell hinein zu kommen, steckte sie ihren eigenen Hof an. Wie durch ein Wunder wurde ihr Mann noch aus dem Feuer gerettet. Sie wußte nicht, daß derselbe schon im Schlafe lag, als sie ihren teuflichen Plan zur Ausführung brachte." So sprach der alte Weishaupt. Der etgentliche Verführer der Frau ist verschwunden. Wenn den der Gensdarm Richter nicht aus den Händen der empörten Bauern gerissen hätte, dieselben hätten ihn lebendig ins Feuer geworfen. So hat der Kappenschneider erzählt", sprach der Pfarrer. Ich fürchte", sprach er dann wetter, Gottes Gericht geht über uns alle, so hat Weishaupt vorhin noch gesagt". Dann brach er furz ab, als set er unfähig, noch etwas zuzusehen. Der Eselsmüller erbleichte. Ja sie fühlten, es mußte endlich alles ein Ende mit Schrecken nehmen.
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In acht Tagen hatte er versprochen, denselben zu löschen, um dann dieselben ins Nassauische abzuliefern. Herr Gott", seufzte er, nur kein Unglück, sonst bin ich Etwa tausend Schritt vor seiner Kohl verloren". angekommen, erzitterte die Erde unter seinen Füßen. Ein furchtbarer Donnerschlag, so stark als ein Kanonenschuß halte in entseglichem Echo durch die Waldungen. Weishaupt brauch ohnmächtig zusammen.
Das sich jezt darbietende Schauspiel sah er nicht, er fannte es, es bangte ihm davor. Deshalb die Eile Gine Stelle im Kohl, aus der Mühle zu kommen.
d. h. in den etwa 400 Meter großen Meiler, hatte Luft.
Als Weishaupt furze Zeit fort war fühlte der Eselsmüller seine Mühle erbeben. Er wußte was geschehen war. Obgleich sein Schrecken groß war, faßte er sich doch schnell. Er war geldgierig aber eigentlich nicht geizig. Dem Weishaupt wollte er das ganze Holz zu einem neuen Kohl kaufen und zum Geschenk machen. Es mochte ihm auch einige hundert Taler kosten. Er fühlte mal wieder eine menschliche Rührung.
Den Pfarrer hatte der Donner und dann das Erzittern der Mühle fast betäubt, deshalb frug ihn der Eselsmüller, ob er die Sprache verloren habe, oder ists Dir in die Glieder gefahren?
,, Keins von beiden, entgegnete derselbe, mich drückt etwas ganz anderes. Dem Weishaupt hilfft Du, daran Aber wie geht es mit zweifle ich keinen Augenblick. Rüsseler? Dieser stolze Bauer und Leinwandhändler war doch eine Deiner Kreaturen. Stolz und reich, ist er jegt ein armer Mann. Durch wen? Durch seine Frau. Du bist schuld daran, daß er fast immer auf der Reise war. Wäre er bei seiner Frau geblieben, dann wäre dieselbe nicht auf die Basterbahn geraten. höre es, Eselsmüller. Deine Habsucht hat uns alle | elend gemacht. ( Fortsetzung folgt.)


