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Hessischer Landtag.

Ecfte Kammer.

Darmstadt, 19. Dezember.

Geheimer Staatsrat Krug von Nidda fost tuiert heute die Erste Kammer. Er gab bekannt, daß der Großherzog den Geheimrat Profeffor Schmidt aus Gießen zum Vertreter des Kanzlers für die Dauer des Landtages ernannt habe. Zum Präsidenten wurde wider Graf Schlit ernannt. Di ser übernahm sodann den Vorsig. Auf Antrag des Freiherrn Riedesel von Eisenbach wurden der bisherige zweite Bäsident Fürst von Erbach Fürstenau, der bisherige dritte Präsident Frhr. Heyl zu Herrnsheim und der bisherige erste Sekretär Fürst zu Solms- Hohensolms.Lich durch Zuruf, der bisherige zweite Sekretär Moriz Frhr. von Riedeset durch Stimmzettel wiedergewählt. Der Vorsitzende teilt mit, daß angefragt worden set, ob es nicht möglich sei, den Mitgliedern der Ersten Kammer Freifahrt auf der Eisenbahn für die Fahrt nach Darmstadt und zurück zu gewähren. Er habe mit dem Staatsminister g sprochen, der der Ansicht sei, daß die preuß sch- h ssische Esenbahrgemeinschaft Schwierigkeiten machen weide.- zu lebenslänglichen Mitgliedern der Ersten Kammer hat der Großherzog den Dberbürgermeister Morneweg, den Rechtsanwalt und Notar Justizrat Dr. Kleinschmidt und den Geheimen Kommerzienrat Dr. Louis Merck, sämtlich in Darmstadt,

ernannt.

Zweite Kammer.

Darmstadt, 19. Dezember.

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Zum Fall Chelius. Die Verhandlung gegen den Oberbergrat Dr. Chelius wegen Vergehens aus§ 176,3 des Strafgesetzbuches ist nunmehr endgültig auf den 23 Dezember festgesetzt. Sie findet vor der Darmstädter Straffammer unter Ausschluß der Offentlichkeit statt. ( N. H V.)

-a- Krofdorf, 19. Dezember. Unsere vereinigte Bürger­meisterei Azbach Launsbach darf sich rühmen betriff ihrer Einwohnerzahl unter sämtlichen Lundbürgermeistereien des Kreises W Blar an erster Stelle zu stehen. Das Er­gebnis der jüngsten Zählung betrug nämlich 9712 gegen 8982 Seelen im Jahre 1900. Mithin haben wir eine Bunahme von 731 Einwohnern zu verzeichnen, das sind mehr, als die etwa im Mittelpunkt stehende Gemeinde Kinzenbach( mit 719 Bewohnern) überhaupt hat. Den stärksten Zuwachs hat Wißmar mit 119 P rsonen erfahren, ihm folgt Dutenhofen mit 102 Seelen, während die Gemeinde Krofdorf als die größte der Bürgermeisterei( 1652) erst an dritte Stelle m't 96 zu stehen kommt. Das benachbarte Gleiberg hat unter allen Gemeinden die geringste Zunahme, nämlich nur 15 Seelen zu verzeichnen.

Die Zweite Kammer trat heute 1/21 Uhr zur Kon­stituierung des 33 Landtages zusammen. Als Einführungs­tommiffare fungierten Ministerialrat Braun und Geheimer Regierungsrat Weber. Als Alters präsident leitete Abg. Möllinger die Wahlhandlung, während die Abgg. Weber und Stöpler zu Schriftführern ernannt wurden. Es sind 46 Abgeordnete anwesend. Bei der Wahl des ersten Präsidenten wird der frühere Präsident, Geb. Regierungsrat Haas, m't 36 Stimmen wiedergewählt. Neun 3 ttel waren weiß. Die Wahl des zweiten Präsidenten brachte dem Hause eine Ueberaschung indem 29 Stimmen auf den Abg. Köhler Langsdorf sieler, der frühere zweite Präsident Dr. Schmitt, ei hi.it 4 Stimmen, His hel eine, Reinhart etne, 11 Bettel waren weiß. Zum dritten Präsidenten wurde Dr. Schmitt mit 36 Stimmen gewählt. Zu Schriftführern wur'en die Abgg. Schmalbach und Stöpler mit 38 bezw. 33 Stimmen genäh! t; der frühere Schriftführer Ulrich erhielt 10 Stimmen. Morgen 9 Uhr ist die erfie Plenarsizung.

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Cokales.

20. Dezember 1905.

Bestätigt wurde der von dem Grafen von Schlitz

** Laubach, 19. Dez. Die Stadtverwaltung hat end. gültig die Errichtung einer städtischen Turnhalle be­schlossen. Die Kosten werden mit 18 000 Mart in Ansatz gebrecht.

genannt von Görg auf die 4. Lehrerstelle an der Gemeinde­shule zu Schliß präsentierte Schulamtsaspirant Karl Schäfer aus Alsfeld für diese Stelle.

bestimmt ihn, das Opfer zu bringen. Kurz vor dem Gelübde muß er noch einen Blick in den Abgrund des Klosters werfen, er wiro von furchtbaren Seelenqualen heimgesucht und legt das Gelübde nicht ab; die Natur hat geliegt. Der Ausbau vollzieht sich mit großer R gelmäßigkeit, die Motivierung ist sauber und flar, die Charakterisierung sharf.

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Die Aufführung war unter der Regie des Direktors Hermann Steingoetters in glücklicher- man darf sagen raffinierter Weise als lebende Form dem Inhalt ang paßt worden. Im ersten Aufzug machte bei St lung des Tisches die unzu ängliche Tiefe ui serer Bühne sich wieder einmal als ein recht übler Faktor bemerkbar. Den Kierifer Paulus gab Reinhold Lüttjohann mit starker Ver­innerlichung, der namentlich die feel schen Kämpfe gut wider­zuspiegeln wußte. Treffl ch wurde auch der Pater Meinrad bon Rudolf Goll gespielt, der die sympath sche Gestalt in einfachen, aber sprechenden Linien durchführte. Georg Mendel verförperte mit vielem Berständnis den Prior und Walter Stauf seinen Pater Simon. Sehr gut auf­gefaßt waren auch der Subprior von Karl Frey und der Pater Servaz von Hugo Freitag. Ein treffl ches, feinsinniges Spiel entfaltete aber Bruno Reimer in seinem Pater Fridolin. Der schlichte, würdige Greis stand in Rede u d Gebärde in seiner st An Abget a theit lebend und atmend auf der Bühne. Auguste Fischer traf die schwärmerische Frau Marie gut, während Lily Doneder ihre Grete in einfacher Weise richtig aab. Adolf Lippert war als Drechsler Töbler in der Maste gut, versagte aber zuweilen im Ton, besonders auf den Höh punkten, während Otto Wittmann seinen ster zu jung durchführte und sich mitunter zu früh verausgabte. Das Haus dankte durch lebhaften Beifall.

A Bad Nauheim, 19. Dez. Das Hotel Bellevue in der Parkstraße und am Aliceplatz hat der bisherige Eigentümer Fischer für 180000 Mt. an Dr. Etoll verkauft. Wie verlautet, soll es in ein Geschäftshaus umgewandelt werden. Hohenfolms, 19. Dez. Nachdem die Ergebnisse der jüngsten Wolfezählung aus allen Landbürgermeistereien des Kreises Wetzlar vorliegen, müssen wir leider befunden, daß unsere Bürgermeisterei die einzige ift, in welcher eine Zunahme der Bevölkerung nicht zu verzeichnen ist. Die 10 Gemeinden zählen nur insgesamt 3409 Seelen und hat selbst die Fürstl. Gemeinde Hohensolms gegen 11 Personen weniger. Auch diese lezte Volkszählung beweist daher so recht, wie sehr der Wunsch einer Eisenbahn von Weglar nach Gladenbach gerechtfertigt ist, denn nur durch einen Bahnbau lönnen hier bessere Verhältnisse für die Bewohner im: dlichen Teile des Kreises Bezlar geschaffen werden.

*** Gewonnener Prozeß. Nach Mitteilungen, die Oberbürgerm ister Mecum in der leßten Stadtverordneten sigung machte, ist die Stadt mit ihren Ansprüchen gegen die Firma Burbuch wegen Straßen herstellungsarbeiten in zweiter Instanz durchgedrungen, indem die beklagte Firma zur Er­stattung von 2396 Mt. nebst 3 nsen ab 1896 verurteilt worden ist. Die Stadt wurde durch den Stadtverordneten Justizrat Dr. Gutfleisch vertreten.

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1900

o. Aus dem Scheldetal, 19 Dez. Bergbau. Mit dem Hochofen Oberscheld ist eine elektrische Zentrale verbunden worden. Die elektrische Energie wird der Gemeinde Oberscheld eine Lichtquelle geben, sie dient der Förderung und Wasserhaltung der Gruben, Stillings- Eisenzug", Neuberg"" Ypsilanta." Ferner beabsichtigt Kommerzienrat Grün auf den Gruben Caroline" Wilhelmine" einer mechanischen Aufbereitung elektrischen Antrieb zu geben und baut in den durch einen 700 m langen Derschlag gelösten Grubenfelde Sahlgrund", wo mächtige Lager erschlossen wurden, eine maschinelle Streckenförderung ein.

z Biedenkopf, 19. Dez. Zum Geländeerwerb für den Bahnbau Biedenkopf- Okerscheld bewilligte die Stadtverordnetenversammlung vorläufig zwei Prozent der Roften unter der ausdrücklichen Bedingung, daß die Bahn hier ein- und ausläuft. Dr. Bruckhard hat im Ministertum von dem Geheimrat Richard, welcher die Bahnbauten bearbeitet, folgende Auskunft erhalten: Die Bahn von Straßebersbach nach Ballau wird vor der Hand nicht gebaut, da das Proj lt von Oberscheld nach Wallau über Gönnern ausgearbeitet ist und zuerst ausgeführt wird. Ob schon frühestens im Februar diese Vorlage überhaupt dem Landtag vorgelegt wird, ist noch nicht bestimmt. Ehe diese Bahn gebaut sein wird, ist bei den vielen Wünschen auf einen Bau einer anderen Strecke überhaupt nicht zu rechnen.

Lpten Sonntag tagte in Frankfurt eine Abgeordneter Versammlung des Landesverbandes hessischer freiw. Feuerwehren. Der Vorfißende, Brandir spettor Keller Mainz eröffnete die Verhandlungen mit einem Hoch auf den coßherzog und erstattete dann den Bericht über die Tätigkeit des Landesausschusses inbezug auf Einheitlichte t in der Charg nbezeichnung, in der Schlauchfuppelung usw. Das Vermögen der Unterfügungsfasse beziffert sich auf 4192,75 Mt. In Sachen der Verleihung des Er zeichens für 25jährige Dienstzeit wird auf Anfrage von Darmstadt beschlossen, daß Vorauss zung für die Verleihung eine ununterbrochene 25jährige Dienstzeit, sei es bei einer oder m hreren Feuerwehren, ist; militär sche Dienstleistung bezw. aftive Militärzeit unterbricht die Feuerwehrdienstzeit nicht. * Zur Frage der förperlichen Züchtigung hat der Allgemeine Deutsche Lehrerverein beschlossen, eine P tition an das Reiche justizamt zu richter, worin gebeten wird, eine Bestimmung in die Reform der Strafproz ßordnung aufzu nehmen, wonach nur diejenigen Fälle förperlicher Büchtigung von Schulkindern strafrechtlich verfolgt werden dürfen, die sich als perverlegung qual fizieren, d. h. die eine Schädigung der Gesundheit herbeigeführt haben.

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Aus dem Gerichts[ aal.

Straffammer.

GH.

Gießen, 19. Dezember 1905. Das Urteil in der vor 8 Tagen verhandelten Sache gegen Karl Volz von Igelhausen und Otto Hansel bon Glashütten, die wegen U bertretung der Polizei verordnung, die Spinnstuben betreffend, veranzeigt waren, lautete auf Freisprechung beider Angeklagten, da die Zus sammenfünfte nicht als Spinnstuben aufgefaßt wurden." Die Brüder Karl und August Hägele in Gießen haben am 9. Oktober d. J. Blauen gemacht und sich betrunken. Sie hausten in einer Wirtschaft wie Vandalen, zertrümmerten Gläser, Lampen und Scheiben und mßhandelten Wat und Gaft. Das Schöff ngericht Gießen verurteilte Karl H. wegen Sachbeschädigung und Körperverlegung zu 3 Monaten Gefängnis und August H. zu 3 Monaten und 2 Wochen. Die Straffammer verwarf die von ihnen eingelegte Berufung.

Wegen Stimmenfaufs hatten sich der Pferdehändler Johann Heinrich Storch von Trais- Münzenberg und Sattler Wilhelm Weiß von dorten zu verantworten. Sie haben im Laufe der Untersuchung zugegeben, daß Storch dem Weiß den Taglohn bezahlt hat, weil er statt wie er anfänglich vor hatte, den Altbürgermeister zu wählen, dem nunmehr gewählten Bürgermeister Gorr seine Stimme gegeben hat. In der Verhandlung leugneten sie, die Angaben wie fie protokollarisch niedergelegt sind, gemacht zu haben, sodaß die Staatsanwaltschaft den Antrag stellte, die Verhandlung zwecks Vernehmung der Prokolführer zu vertagen, was auch geschah. Wegen Uebertretung der Hundesteuerberordnung erhielten die Inhaber der Firma Wallenfels& Sauer in Gießen Strafbefehle in Höhe von je 20 Mt., auch sollten sie die angeblich vorenthaltene Steuer mit je 20 Rt. nachzahlen. Auf ihren Einspruch kam das Schöffengericht Gießen zur Freisprechung und die Staatsanwaltschaft focht das Urteil an. Die Straffammer erkannte auf Ordnungs­strafen von je 2 Mt., da zwar falsche Angaben, aber nicht zum Zwecke der Steuerhinterziehung gemacht worden sind.

Die Brüder vom St. Bernhard. Schauspiel in 5 Aufzügen von Anton Dhorn. Mit fefter Hand und oft in grellen Farben hat Dhorn werden, wenn unsere 8 it es nicht längst soweit gebracht hätte, ung ein Klosterbild gemalt. Es müßte sensationell genannt das epitheton ornans g heiligt ver Mauern anders als ironisch unzusehen. Eine Unsumme von Dummheit, Stumpf­finn, erbärmlicher Kriecherei, scheinheiligem Denunziantentum, widerlicher Streberei und fleinlicher Herrerei, die gewiffenlos die Ehre eines blederen, graden Menschen antastet u einen redlichen Familienvater in den Tod treibt, tut si oor ung auf. Aber das Bild fließt keineswegs schwarz in schwarz, den Schattenseiten steht goldiges Licht gegenüber und treffliche Herzen schlagen uns entgegen. Der Kleriker Paulus ist von seiner schwärmerischen Mutter dem Kloster versprochen worden. Er hängt aber mit allen Fasern an der Schönheit des Lebens und nur das Glück seiner Schwester, das er damit erkauft,

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( Näheres durch die Gießener Betterkarte.)

Verantwortlich: für die Politik und den Inseratenteil Albin Klein; für den übrigen Inhalt: Georg Horn, beide

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